Tagesdosis 24.5.2018 – Deutschland schafft sich seine Ghettos

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Gesellschaftliche Ab-, bzw. Ausgrenzungen sind kein neuzeitliches Phänomen. Es gab sie schon immer, die sog. Problembezirke, Arbeiterbezirke und die Bezirke der sog. Besserverdiener. Trotzdem waren die meisten Bezirke so strukturiert, dass sich im Nachbarschafts- und Straßenbild Menschen jeglicher sozialer Mischung zeigten. Jung und Alt. Arm und Reich, bzw. höher begütert. Einheimische und Migranten.

Nun zeigt eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung aufschlussreiche Ergebnisse(1). Eine bis dato nicht vergleichbare Langzeitstudie. Das klassische Stadtbild hat sich radikal verändert. Sozialforscher untersuchten 74 deutsche Städte im Zeitraum von 2005 bis 2014.

Der in der Studie angewendete Segregationsindex, beinhaltet die Betrachtung nach dem Sozialstatus, dem Familienstatus und der ethnischen Zugehörigkeit. Die Haupterkenntnis kann bei dieser über 200seitigen Studie kurz, wie folgt benannt werden: Deutschlands Stadtbevölkerung ist immer weniger sozial durchmischt.

So zeigen die Zahlen: arme Menschen wohnen zunehmend konzentriert in Ballungsräumen, die klassische Mischung von Jung und Alt gehört der Vergangenheit an. 70% aller Deutschen leben in Städten, die weniger als 100.000 Einwohner haben(2). Hier zeigen sich die elementaren Erkenntnisse dieser Studie: In gut 80 Prozent der untersuchten Städte hat seit 2005 die räumliche Ballung von Menschen, die Grundsicherung nach SGB II (= Hartz-4) beziehen, zugenommen. Am stärksten dort, wo viele Familien mit kleinen Kindern (unter 6 Jahren) und viele arme Menschen leben. Den höchsten Anstieg verzeichnen ostdeutsche Städte wie Rostock, Schwerin, Potsdam, Erfurt, Halle und Weimar. Zudem schreitet die sozialräumliche Spaltung in Städten schneller voran, wo eine bestimmte Schwelle der Armutssegregation bereits überschritten ist(1).

So seien arme Familien mit Kindern besonders betroffen. In 36 Städten gibt es inzwischen Quartiere, in denen mehr als die Hälfte aller Kinder von Leistungen nach SGB II leben. „Diese Entwicklung kann sich negativ auf die Lebenschancen armer Kinder auswirken. Aus der Forschung wissen wir, dass die Nachbarschaft auch den Bildungserfolg beeinflusst“, so  Stefanie Jähnen, eine der beiden Sozialforscherinnen.  

Die Studie zeigt aber auch, dass bestimmte Altersgruppen immer seltener Tür an Tür wohnen. So konzentrieren sich junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren zunehmend in bestimmten Wohnvierteln, in anderen wiederum alte Menschen ab 65 Jahren.

Die benannte Hartz-4 Problematik ist mit 23% in Ostdeutschland, gegenüber 8% in den alten Bundesländern signifikant angestiegen. Die Ballung solcher Bevölkerungsgruppen trägt hauptsächlich seine Wurzeln im politischen Versagen der letzten Jahrzehnte der Bevölkerung bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Forcierte Verdrängung durch staatlich gestützte Gentrifizierung zerstört gewachsene Gesellschaftsstrukturen. Staatliche Regulierung von dringend benötigtem sozialem Wohnungsbau wird durch entfremdete Politik verhindert.

Diese dringend benötigten Neubauten gehören jedoch in die Mitte der Stadt, der Gesellschaft, um alte soziale Mischungen wieder zu beleben. Nicht, wie mehrheitlich praktiziert, an die Stadtränder. Die baulichen Sünden der 70er und 80er, sog. Trabantenstädte zu errichten rächt sich nun, da die Politik die innerstädtischen Filetstücke lieber an internationale Investoren verhökert, die jedoch keinerlei Interesse am Normalbürger haben. Rentner, sozial Schwache und Abgehängte, Familien mit Kindern aus dem Niedriglohnsektor, Studenten gehören nicht in ihre solvente güldene Parallelwelt.

Die soziale Spaltung unserer Gesellschaft wird nicht nur politisch geduldet, sie wird mutwillig politisch erzeugt. Mit der Öffnung der Grenzen  werden sich die nun bekannt gewordenen Fakten in einer Form dynamisieren, die absehbar nur ein Ergebnis mit sich bringt: die Gesellschaft wird sich noch mehr voneinander trennen, in Gruppen teilen, voneinander entfernen. Aus Problemfeldern werden Problemghettos. Der Spiegel informierte seine Leser im April: Mehr als die Hälfte der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger in Deutschland haben inzwischen ausländische Wurzeln. Hauptgrund dafür ist der starke Flüchtlingszuzug der vergangenen Jahre, wie eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit erklärte. Nach den aktuellsten Zahlen vom September 2017 haben von den 4,3 Millionen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten 55,2 Prozent einen Migrationshintergrund. 2013 waren es noch 43 Prozent(3).

Das war absehbar, wird aber von der Politik weg gelächelt. Eure Sorgen, liebe Wähler und Bürger. In Berlin kam es Pfingstsonntag zu Hausbesetzungen. Dies wurde medial belächelt bis kritisiert. Der Parteichef der Grünen Habeck zeigte umgehend seine elitäre Fratze: Wer als Hausbesetzer in Häuser eindringt weiß, dass das Unrecht ist und entsprechende Konsequenzen hat. Da muss man nicht um den heißen Brei herumreden: Dass das Rechtsbruch ist, ist klar wie Kloßbrühe(4).

Eine dermaßen entrückte Wahrnehmung wird sich früher oder später rächen. Dies ist ein gesamtdeutsches Problem, welches medial auf den Osten reduziert wird. Auch diese Tatsache wird die Stimmung in diesem Land verändern. Die gesamtdeutsche Bevölkerung sollte sich durch die herrschende Politik nicht auseinander dividieren lassen. Nicht in Arm und Reich, nicht in Ost und West. Bitte aus der Lethargie erwachen und sich der Politik entgegen stellen. Auch Hausbesetzungen machen da natürlich Sinn und gehören nicht belächelt(5).

Quellen

(1) https://www.wzb.eu/de/pressemitteilung/arm-und-reich-jung-und-alt-immer-seltener-tuer-an-tuer
(2) 
https://www.zeit.de/feature/deutsche-bevoelkerung-stadt-land-unterschiede-vorurteile
(3) http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hartz-iv-haelfte-der-hartz-iv-empfaenger-hat-migrationshintergrund-a-1202179.html
(4) https://www.welt.de/politik/deutschland/article176606425/Robert-Habeck-Hausbesetzungen-in-Berlin-sind-Rechtsbruch.html
(5) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-05/berlin-hausbesetzungen-protest-gentrifizierung-mieten-wohnungen

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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9 Kommentare zu: “Tagesdosis 24.5.2018 – Deutschland schafft sich seine Ghettos

  1. Diese Mischungen, theoretisch gewunscht, aber wer will die wirklich ?
    Als Kind wohnte ich gemischt, in meine Grundschule anfang 50er Jahre war mein Vater der einzige mit ein PKW, auch hatten wir das einzige Haus mit Zentralheizung.
    Machte es meine Jugend glücklich, nein.
    Machte es meine Mitschüler glücklich, auch nicht, denke ich.
    Ich war froh die Grundschule hinter mich zu haben, und im benachbarten Städtchen das Gymnasium besuchen zu können.
    Niemals Ärger mit Mitschüler.

  2. Die soziale Spaltung unserer Gesellschaft wird nicht nur politisch geduldet, sie wird mutwillig politisch erzeugt. Mit der Öffnung der Grenzen  werden sich die nun bekannt gewordenen Fakten in einer Form dynamisieren, die absehbar nur ein Ergebnis mit sich bringt: die Gesellschaft wird sich noch mehr voneinander trennen, in Gruppen teilen, voneinander entfernen. Aus Problemfeldern werden Problemghettos. Der Spiegel informierte seine Leser im April: Mehr als die Hälfte der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger in Deutschland haben inzwischen ausländische Wurzeln. Hauptgrund dafür ist der starke Flüchtlingszuzug der vergangenen Jahre, wie eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit erklärte. Nach den aktuellsten Zahlen vom September 2017 haben von den 4,3 Millionen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten 55,2 Prozent einen Migrationshintergrund. 2013 waren es noch 43 Prozent(3).

    Um ein Zeichen der Solidargemeinschaft zu setzen wäre es dringend nötig zum Beispiel
    Asylbewerberheime in den öffentlichen Blickpunkt zu stellen. Ein starkes Zeichen wäre diese wunderbar große Spielwiese vor dem Bundestag in Berlin. Leider hat man den ja jetzt mit Hecken bepflanzt, als Wellenbrecher gegen eventuell aufmüpfige Demonstranten.

    Auch ein Münchner Rathausplatz eine Domplatte oder ein Schloß Neu Schwanstein würde sich vorzüglich eignen.
    Hier würde die Welt sehen, schaut her wir tun was für die Menschen. Sähe natürlich blöd aus, wenn man um diese KZ Ankerzentren dann auch noch einen Käfigzaun mit Maschinenpistolenbewachung installiert.

    Lieber an den Rand zum Müll der Gesellschaft, Da ist kein Profit zu machen,
    da ein Herr Lederer und sonstige Misspoke lieber unter sich bleiben.

  3. Passt nur Zeitlich nicht Bezüglich 😀
    Ich würd mal sagen Trump ist schlauer als jeder Politiker der vergangenen Führungselite.
    Der Schachzug des Mainstream ihn als psychisches Wrack darzustellen ergab den idealen Verblendungseffekt.
    Jeder der da mitgemacht hat hats völlig verschissen aus politischer Sicht
    Ich würd mal sagen Nordkorea vs. America. 2:5
    Nordkorea : Friedensbemühungen und Atomanlagenvernichtung
    AmericaTrump: Südkorea, Militärübungen, Sanktionen, die Atomanlagenvernichtung zum politischen Mittel erwirkt. Gespräche Topediert (wichtig hierbei ist das es TrumpUSA war)

    • Also die Politik macht scherze über Trump und Trump führt seine Politik scherzhaft. 😀
      Ey moment ich bin erstmal raus aus dem Kreislauf, muss mich erstmal wieder einfinden 😀

  4. Eines möchte ich noch kritisieren an dem ansonsten guten Beitrag: „Sozial Schwache“ sind nicht auf Hartz VI angewiesen, denn die haben ein leistungsloses Großeinkommen. Ich z. B. bin auf Alg. 2, weil ich nicht bereit war, den ganzen Mist mit unsinniger (Über-) Produktion und Umweltverpestung mitzumachen. Das ist ja wohl nicht sozial schwach.

    • Du kannst sehr froh sein überhaupt Alg. 2 zu bekommen.
      Weil das nicht natürlich ist, wenn Verwandte über einem Durchschnitt leben.

      Sozial schwach sind sowieso jene die äh Menschen kategorisch unterscheiden.

    • Hey, ist es aber nicht die Bundesregierung die viele Immigranten hinein gelassen hat und somit die sozialfähigkeit aus Regierungssicht mindestbefriedigt hat

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