Tagesdosis 25.10.2018 – Die Verachtung des Volkes

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Die meisten Friedensaktivisten geben an, wenn man sie nach einem Ereignis fragt weshalb sie Aktivisten für den Frieden wurden, dass ihnen der 11. September 2001 dazu verholfen habe. Dieses Datum sei ein ganz entscheidendes, will man verstehen was heute so alles abgeht. Achja, ist das so? Oder ist das Ereignis, das am 11. September 2001 die Welt veränderte, bloß eine Zwischenstation. Eine Normalität herrschender Interessen etwas in Gang zu setzen, damit die Schafherde ihnen folgt, wohin auch immer?

Das geistige Karzinom

Mein ganz persönlicher Aufwachmoment war die Regierungszeit von Helmut Kohl. In ihr repräsentierten und offenbarten sich Skandale und Verflechtungen derart offensichtlich, dass ich die elitären Interessen dahinter sehr leicht wahrnehmen konnte. Interessen, die seit jeher die Massen lenken, die Eliten stärken und die Aktivisten in regelmäßiges Entsetzen zwingen. Fast schon ist man an den großen Mathematiker Carl Friedrich Gauß erinnert, der für derlei menschliche Ausschweifungen eine Kurve erfand, an der man diese Regelmäßigkeit errechnen kann. Doch das Gedächtnis der Menschen scheint wie ein Schicksalsschwert auf allen Generationen zu Lasten, sodass diese Regelmäßigkeit immer wieder aufs Neue erfahren und als Machenschaften hinter dem Thron erkannt werden müssen. Wer morgens ein Ei zum Frühstück isst, der kann leicht bemerken, dass das Salz, das er vielleicht auf sein Ei streut, sich niemals mit dem Eiweiß verbindet.

Genau so ist es auch mit der Macht. Sie separiert sich, weil sie eine Entität ist. Eine eigenständige Einheit, die sich nicht einfach so mit dem Menschen verbindet, sondern der Mensch sich liebend gerne durch sie sein Leben würzt. Macht an sich ist immer vorhanden. Sie schwebt über unseren Geist als solche und vereinnahmt ihn, sobald sie zum Greifen nahe scheint. Wie der Sog eines schwarzen Loches kehrt sie alles um, sobald man mit ihr in Berührung kommt. Moral, Ethik und ein gutes Gewissen scheinen von ihm endlos gedehnt und alles Soziale wird hinweggedrückt. Macht ist der Exzess des Ichs mit seinem Umfeld, ein geistiges Karzinom, das im Leib der gesamten Menschheit wohnt. Von ihm erfasst, ändern sich dann die Menschen, die zuvor vielleicht in höchsten Tönen von Gerechtigkeit, von Frieden und von der Gleichheit des Lebens große Reden hielten.

Bundeswehr bekommt Maulkorb verpasst

Kann man sich hier noch an die Affäre Skripal erinnern? Putin war schuld und Großbritannien ließ die Säbel rasseln. Ja, der ganze Westen war am Rasseln via NATO gegen Russland. Jüngst wurde der Journalist Jamal Kashoggi vermutlich zersägt. Auftraggeber dieses Mordes war vermutlich das saudische Königshaus. Doch was geschieht derweil mit diesem Königshaus? Die Waffenlieferungen an das saudische Königshaus werden von den USA und von Deutschland weitergeführt. Wenn man über das saudische Königshaus recherchiert, gelangt man schnell zum Vorhof der Hölle, an dem sich dann alle westlichen Mächte die Hände mit den Sauds reichen und schmunzeln, ob des schier unendlichen Phlegmas ihrer Völker. Die Verachtung des Volkes zeigt sich andauernd, überall und in fast allen Staaten. So sieht die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine große Gefahr darin, dass sich die Offiziere und Soldaten der deutschen Bundeswehr überhaupt über ihre Aufträge informieren. Sie will, dass in der Bundeswehr niemand mehr einen eigenständigen Kontakt zu den Parlamentariern hat. Sie will das verbieten. So etwas nennt sich Maulkorb-Erlass. Überall, egal wo sich die Herrschenden auslassen. Sie wollen nicht, dass das Volk an ihrer Vorstellung von Lebensgestaltung auch nur ansatzweise beteiligt ist. Darin sind sich alle herrschenden Kreise weltweit einig.

Ehrlich gesagt bekomme ich Angst vor Ihren Überlegungen

Die Begründung dazu hat vor vier Jahren einer von ihnen unmissverständlich und völlig offen zugegeben, um sie dem elitären Nachwuchs ins Hirn zu fräsen. Dort sagte der jetzige Vorstandschef der russischen Sberbank, Herman Oskarowitsch Gref folgendes zu dem Publikum: Große Denker, wie Laozi erdachten Theorien (Dao) und verschlüsselten sie, damit das einfache Volk davon nichts mitbekommt, weil sie verstanden, sobald alle Menschen die Grundlage des eigenen Ichs und der Selbsterkenntnis verstanden haben, wird es sehr schwer sein sie zu manipulieren und über sie zu herrschen. Sobald Menschen das Wissen haben, wollen sie nicht mehr manipuliert werden.

Gref weiß dies alles mit dem Buddhismus, dem Dao und der Kabbala erklären zu müssen und er führte fort: Wie soll man denn über so eine Gesellschaft herrschen, wo jeder freien Zugang zur Information hat, wo alle direkt urteilen können, ohne, dass man den Menschen präparierte Information zur Verfügung stellt durch von Regierung ausgebildete Analytiker, Politologen, große Bewusstseinsmanipulations-Maschinerien und angeblich unabhängige Medien? In Wirklichkeit verstehen wir doch, dass die Massenmedien damit beschäftigt sind die Schichtengesellschaft zu erhalten. Wie soll man (die Herrschenden) also in so einer (freien) Gesellschaft leben? Ehrlich gesagt bekomme ich Angst vor Ihren Überlegungen und ich denke, Sie versehen nicht ganz, wovon sie sprechen.

Herr Gref sagte dies alles vor russischem Nachwuchs-Publikum. Doch was er sagte, das gilt keineswegs nur für russische Nachwuchsherrschende. Das gilt für alle Herrschende, überall. Sie müssen das Volk mit irgendetwas in einer Beschäftigung halten, dass sie im Grunde von der Beschäftigung mit sich selbst abzuhalten hat und ihnen aufzeigt, dass sie selbst nichts sind und sie anderen, den Eliten, den Experten vertrauen können. Wichtig ist immer, dass man dem Volk überall erhabene Persönlichkeiten anbietet, denen sie aus freien Stücken folgen wollen. Regenbogenpresse eben.

Wir wissen, was gespielt wird

Wenn man das alles einmal wirklich verstanden hat, dann hört man damit auf, daran herum zumeckern und sich dauerhaft darüber aufzuregen, dass es seit Urzeiten so ist. Das bringt nämlich rein gar nichts. Wir alle wissen was gespielt wird. Es ist tatsächlich so. Alle die das wissen, aber so tun als sei das Wissen darum pure Verschwörung oder rechte- oder linke Gesinnung, oder Nazi oder antisemitisch, sie alle gehören zum Pyramidendenken und damit zum Herrschaftsfutter. Wenn man dies alles faktisch verstanden hat, dann beginnt man zu handeln und hört damit auf, dass alles in einer Dauerschleife sich immer und immer wieder mit neuen Fakten reinzufräsen. Eine Wahrheit wird dadurch nicht besser, in dem ich sie immer und immer wieder käue. Wahrheiten dienen dem Handeln für Veränderung. Wir sind für die Herrschenden eine Art Mastvieh, das dazu dient, deren Lebensqualität aufrecht zu erhalten, deren Machtgenuss zu mehren und deren vollständiges Ausleben von Bedürfnissen zu stillen. Wer sie daran hindert, der wird seines Lebens nicht mehr froh. Es ist tatsächlich so, wie es einst der Musiker Frank Zappa gesagt hat: „Politik ist die Unterhaltungsabteilung der Rüstungsindustrie“. Damit ist die gesamte Politik gemeint. Auch deren Hofberichterstatter. Das System der Herrschaft besteht darin, mit der gesamten Spezies Mensch so zu verfahren, dass sie nicht bemerken, was für ein Spiel mit ihnen gespielt wird. Darum drehen sich alle Medien die verkünden, sie seien die einzig richtigen Medien und nur sie allein seien für die Wahrheit und den Fortschritt seliges legales Mittel. Alle anderen sind nicht richtig, würden die Unwahrheit sagen und seien moralisch sehr anrüchig.

Niemand wird gezwungen

Die Sonne, für mich der oberste Souverän, lässt ja bekanntlich ihr Licht auf alle scheinen. Auf gute und böse Menschen. Auf reiche und arme Menschen. Darin, so erkannte es Jesus, liegt eine große Weisheit zu Gott und seinem Wollen für uns. Die Sonne ist die Kraft des Lebens. Sie schickt uns gut fünfzehntausend Mal mehr Energie, als wir Menschen derzeit verbrauchen. Und so ist es mit fast allem. Egal was wir machen wollen oder uns daran hindern lassen, es wirklich zu machen.

Unsere Möglichkeiten sind schier unbegrenzt, wenn wir die richtigen Dinge zueinander bringen – in uns. Doch in der Verachtung zum Volk steckt auch Befreiung. Sie gelingt aber nur wenn wir nicht ständig ein Bild von allem und über alles in uns konservieren, das zwar wahr ist, aber an dessen Wahrhaftigkeit meine Seele nicht hängen bleiben darf. Denn diese organisierte und weiter aufrecht erhaltende Verachtung geht in Selbstverachtung über, je länger ich diese Verachtung mit meinen Sinnen achte und dieser dann meine tägliche Beachtung schenke. Zu diesem Treiben wird niemand wirklich gezwungen. Niemand wird befreit von all dem Übel, indem er seine Sinne auf das Übel richtet. Denn im Problem allein ist nie die Lösung zu finden ließ uns Einstein wissen. Ja, die Menschenwelt ist grausam, aber die Welt ist es nicht. Und in ihr kann ich mein Leben trotz aller Beschränkungen so leben, dass mich nur ein Minimum dieser Einschränkungen lange begleiten.

Liebe deine Feinde und besiege deine Angst vor dem Tod

„Jesus sah sie (seine Jünger) an. Er antwortete: Was für Menschen unmöglich ist, für Gott ist es möglich.“ (MK 10,27 – in einer Rückübersetzung von Günter Schwarz). Jetzt kann man für Gott das Universum setzen, die Natur oder alle Begriffe, die dem gleichkommen. Wichtig ist das Vertrauen auf Gott, das Universum, die Natur oder die eigene Lebenskraftenergie. Wer hier vertraut, der wird in seinem Selbstvertrauen wachsen und Berge versetzen können. Wem dies gelingt, dem werden die Herrschenden nicht seine Marionettenfäden erneuern können. Zwei Dinge dazu sind unentbehrlich:

Erstens: Erfahre die Todesgewissheit nicht als Angst. Ändere dies so beharrlich, bis Du über den Tod lachen kannst und Du ihn als Teil deines Bewusstseins verstehst, ihn nicht fürchtest, sondern, ihn als Teil deines Zuhauses begreifst.

Zweitens: Liebe deine Feinde, auf das sie sich nicht mehr als furchtsame Geister in dir breitmachen und dich leiten und lenken können. Liebe alle Menschen trotz allem was sie taten, auch wenn sie es dir antaten.

Beherzigst du beides und lernst dies erst einmal zu akzeptieren und dich darin zu üben, so wird dich nichts und niemand aufhalten können in dem, was du tun möchtest.

Seht her, so ist es und nicht anders!

Wir gehen alle davon aus, dass wir Menschen sind. Fertig, mal männlich, mal weiblich. Zuerst als Baby, dann als Kind und Jugendliche. Als Erwachsene und schließlich als Ältere oder Greise. Doch das ist nur eine Vorstellung von uns, die wir sehr fest von uns gemacht haben. Wir sind nichts anderes als das Leben selbst. Und alles was mit dem Leben zu tun hat, das sind wir. Wir sind kein Teil davon, wir sind Leben. Das sichtbare Leben ist nicht das Leben. Das Leben ist allumfänglich. Was nicht heißt, wir könnten alles und das alles auch überall und zu jeder Zeit. Das Leben ist immer schöpferisch. Das ist seine Natur, das Schöpferische. Und diese Natur des Schöpferischen steckt in jedem von uns. Seine Kraft ist größer, stärker und umfänglicher als viele von uns wahrhaben wollen. Das Leben als Mensch lehrt eines sehr eindringlich:

Alle Vorstellungen, alles was wir zu wissen glauben, es für unumstößlich halten und als gewiss ist eine Illusion über uns und die Welt. Unser Leben und diese Welt, was sie im Innersten zusammen hält entzieht sich unseren Sinnen vollends. Nicht aber unserem Geist. Wir können glauben oder wissen. Beide entpuppen sich als Geländer auf beiden Seiten des Weges, an dem wir Halt suchen und finden. Doch dabei verlieren wir den Weg aus den Augen, weil wir den Halt für das Leben halten. Unsere Angst ist stärker als unsere Zuversicht, an uns selbst zu glauben. Das Geländer kann voller Mord und Totschlag sein, oder voller Güte und Liebe. Und wie wir unser Leben füttern, zu dem wird unsere Vorstellung von Allem sein . Nichts ist beweisbar. Weder Gott noch die Gravitation. Und darum geht es auch gar nicht. Um den Beweis den ich hochhalte und sagen kann „Seht her, so ist es und nicht anders!“ Denn es gibt ein sowohl als auch in so gut, wie allen Bereichen und Belangen.

Das Teilen des Brotes

Franz Alt schreibt in seinem Buch – Was Jesus wirklich gesagt hat: Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Verurteilen. Politiker behaupten, dass der Krieg Sicherheit und Frieden bringen wird. Wer so argumentiert ist ohne jeglichen Zweifel geisteskrank. Die Verurteilung des Volkes von den elitären Kräften weltweit als verachtenswert, liegt in der eigenen Verachtung und Angst vor dem Leben begründet, zu dem man großgezogen wurde und in dem man es sich bequem gemacht hat. Die Reichen sind nicht reich. Sie sind bettelarm im Herzen und in ihrer Güte. Das Dach der Liebe und Güte verachten sie, denn sie wissen ganz genau, dass wahrer Reichtum im Teilen des Brotes und nicht im Herrschen und Teilen der Menschen nach gut und böse ist. Kronprinz Mohammed bin Salman, der mutmaßliche Auftragsmörder von Jamal Khashoggi ist ganz sicher ein an Geld und materiellen Schätzen reicher Mann. Doch in Wahrheit ist er ein vor dem Leben ängstlicher Mann. Er sieht es nicht, kann es nicht wahrnehmen und letztlich ist er so konditioniert, damit er die Herrschaft als König der Sauds in Saudi Arabien antreten kann. Denn so funktioniert Herrschaft. Über die Verachtung und Verurteilung des Volkes. Denn dieses verstehen sie als  für sie erschaffene Menschen niederen Ranges. Die Herrschaft der Eliten der Welt vereinen somit den stärksten und umfangreichsten Rassismus und Speziesismus. Beides gehört bei ihnen zusammen. Denn sie wähnen sich einer höheren Macht zugehörig. Und weil er dieses erkannte wusste, schrieb Leo Tolstoi folgendes nieder: Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben. Übrigens, nicht auszudenken Putin hätte ein Zersägeteam angeheuert um.., oder ein ganz normaler Mensch hätte mit der Säge jemanden zersägt. Mohammed bin Salman kommt ganz sicher dafür weder vor ein Gericht noch in ein Gefängnis oder den Vollzug. Die Reichen und Schönen werden ihm das mit der Zeit nachsehen und sich gerne bei ihm treffen, Geschäfte mit ihm machen.., aber lassen wir das lieber.

Quellen

  1. https://www.sueddeutsche.de/politik/verteidigungsministerium-von-der-leyen-bringt-die-bundeswehr-zum-schweigen-1.4178452?fbclid=IwAR3hWrhAhacOmGY7RiQhx7EUqj3A4TgFETkXIweeBCzFJFVCwvUoevi9nA0
  2. https://www.merkur.de/politik/mord-an-journalist-jamal-khashoggi-erdogan-erhebt-schwere-anschuldigungen-zr-10345943.html
  3. https://www.youtube.com/watch?v=Lqd04xCuGnM&fbclid=IwAR1Pd28VMwAE5xUsIOA0oKmdhxMOVCHply1L7g2YSYqaQhaq4yM4STTw6Xw
  4. https://www.booklooker.de/Bücher/Angebote/autor=franz+alt&titel=die+100+wichtigsten+worte+jesu+wie+er+sie+wirklich+gesagt

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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25 Kommentare zu: “Tagesdosis 25.10.2018 – Die Verachtung des Volkes

  1. In einem diskussionswürdigen Artikel fällt mir als Merkwürdigkeit auf, dass der Daoismus nur durch die Brille eines unbekannten Russen negative Erwähnung findet, während von der Religion mit der vermutlich blutigsten Spur in der Geschichte nur Zitate auftauchen, die positiv gewürdigt werden.

  2. Danke Rüdiger Lenz,
    ob wir nun Schöpfung sagen, was eine Gottheit impliziert oder Faszination Erde/Planet,
    egal, entscheidend ist das Staunen und die Demut im Angesicht dieser unser Denkvermögen
    weit übersteigenden Weltzusammenhänge vor allem Menschengemachten!
    Wir müssen uns darauf besinnen.
    Dieser Tage las ich zufällig in Felix R. Paturi „Die letzten Rätsel der Wissenschaft, Ausg. 2007
    vom ‚rätselhaften‘ Wasser und seinen Eigenschaften.
    Silicon Valley, Facebook, Google, die ganze Technik kann mich nicht mehr beeindrucken
    als so viele Naturdinge.
    Das prägt unsere Wertmaßstäbe und unseren inneren Kompass und gibt uns vor allem
    Zuversicht: es gibt weit größeres als das was derzeit geschieht.
    Aus dieser Zuversicht wächst auch der Mut.
    Politisches Engagement und Faszination vor der Schöpfung, Glaube an eine Gottheit,
    schließen sich überhaupt nicht aus.
    Dorothee Sölle war für mich leuchtendes Beispiel.
    Mein Engagement für AI, heute für Politik ist auf jeden Fall stark geprägt durch
    meine religiöse Sozialisation: von der Aufgabe, sich einzubringen, so man Not und
    Mangel erkennt.
    Kant und der Kategorische Imperativ bzw. das was Prof. Maus und Prof. Mausfeld
    aus dem universellen Humanismus ableiten, ist aber ab meiner Studienzeit ebenso
    wichtig geworden.
    Helmut Schmidt sagte von sich, dass er nicht religiös sei. Er hoffte aber, dass nach
    dem Krieg die Religionen es sein müssten, die gemeinsam mit dafür sorgen, dass
    es eine friedliche Zukunft gibt. Im Vertrauen darauf, ließ er sich mit Loki auch kirchlich
    trauen, bevor er ‚ins Feld‘ musste.
    Auch Peter Scholl-Latour hat nie ein Geheimnis aus seinem Glauben gemacht.
    Prof. Hans Küng wurde von Helmut Schmidt unterstützt bei der Verbreitung
    des Weltethos, das von Tübingen ausging.
    Heute ist wahrscheinlich Geld und ein Lehrstuhl eingebracht und das Ethos
    ‚verschwunden worden‘.
    Höchst beeindruckend sind für mich die Bilder aus der Ukraine vom Pilgerzug
    aus mehreren Richtungen nach Kiew. Wahnsinn, dieser Glaube und diese
    Zuversicht. Klar, dass Petroschenko diese religiösen Verbindungen über
    Staatsgrenzen hinweg zerschlagen will, und schon geht er auch zur Sache
    mit der Aufspaltung der russisch-orthodoxen Kirche.
    Unter meinen Freunden sind so ziemlich alle noch mit Religion aufgewachsen,
    und selbst, wenn wir die äußeren Dinge wie Kirchgang, öffentliche Glaubens-
    bezeugungen nicht mehr mitmachen.
    Der innere Kern und Kompass bleibt davon unberührt.
    Ich möchte nicht in einer Welt leben mit Menschen, die keinerlei Prägung durch
    Ethik und Religion erfahren haben, weil es dann nur um weiter größer, schneller,
    also den neoliberalen Glaubenssätzen geht.
    Adam Smith war noch stark geprägt von solchen Idealen. Wahrscheinlich hätte
    er nicht so leichthin von der ‚unsichtbaren Hand‘ des Marktes gesprochen, wenn er sich
    hätte vorstellen können, wozu Menschen ohne diese Vorprägung fähig sind.
    Ich würde auch nicht zu einem Fremden sagen: „Fühl‘ dich hier wie zuhuase!*
    wenn ich nicht wüsste, wie er sich zuhause verhält.

  3. ….. vielleicht gibt es noch paar Leser, bevor dieser Beitrag von R. Lenz auf die hinteren Bänke verschoben werden

    Ein guter Beitrag mit vielen „Nachdenkzeilen“, nicht immer leicht in seiner Tiefe zu verstehen.
    Das Unaussprechliche auszusprechen, zumindest versuchen es in Worte zu packen, macht diesen Text zum Juwel.

    In jedem gewollten bzw. reflexmäßigen Mißverstehen (Abwehrverhalten) des Beitrages liegt die Wahrheit zu sich selbst näher als man es eingestehen kann.

    Jede Revolution (Veränderung) trägt die Verführung und den Verrat in sich selbst mit. Die Zeit nach einer Revolution ist die Zeit der ENT-TÄUSCUNG. Ich meine es nicht als negativ, sondern mehr als „Abkühlung“ einer „Überhitzung“. Die Tragfähigkeit der „neuen“ Gedanken wird sich anschließend in der „praktische“ Umsetzung beweisen müssen. Spätesten „Jetzt“ wird man die Gemeinsamkeit hinter den Worten finden können oder auch nicht.
    Das heißt, dass jede Erneuerung vorher innerlich verstanden und in einer Art Hingebungsprozeß (sprich Liebe für die Sache) in Handlungswärme umgesetzt werden muss und nicht als ideologische Gefolgsamkeit, die im Nachhinein erklärt erklärt werden muss.

    Der eigentlich wesentliche Teil einer Revolution ist die Bewußtwerdung.

    • „Der eigentlich wesentliche Teil einer Revolution ist die Bewußtwerdung.“
      Stimmt!
      Paracelsus sagt es gibt kein Gift.Es gibt nur eine giftige Dosis.
      Vielleicht reicht ja auch schon Evolution ?

      »Man schafft niemals Veränderung, indem man das Bestehende bekämpft. Um etwas zu verändern, baut man Modelle, die das Alte überflüssig machen. «

      Richard Buckminster Fuller

  4. Ganz wichtig dieser Beitrag, der darauf hinweist, dass die Lösung für unsere grauenvollen Verhältnisse nicht in der Anrufung und Anwendung unserer Denkformen der Bürgerlichen Moderne liegt. Revolutionen sind die Verlaufsform der Moderne und bewirken, was sie dem Wortsinn nach bedeuten: Eine Umdrehung um sich selbst um bei Nämlichen zu landen.

    Sich vom Zwang der Widerspruchsfreiheit der aufklärerischen Vernunft zu verabschieden, ist, wie der Autor richtig bemerkt, dafür eine wichtige Voraussetzung, weil sie Veränderung zulässt. Dabei geht es nicht, wie manche hier meinen, um eine Re-Institutionalisierung der verwichenen Religion als Welterklärung. Es geht darum, das Leben und unsere sozialen Beziehungen wieder auf die menschliche Dasein- und Handlungsweise zu gründen und sie eben nicht an Götter (immerhin Verwandte) noch gar an wesenslogische Entitäten zu delegieren.

    • Ich hänge meinen Dank an Rüdiger Lenz (auch wieder) für diesen Artikel mal hier an,
      da ich mich auch @petra`s Kommentar sehr verbunden fühle.

      Die Aussage im Zitat
      “ Was Jesus wirklich gesagt hat:
      Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Ver-Urteil-en.“
      trifft den Nagel (natürlich) auf den Kopf,
      auch weil er helfen kann, das Wesen des geschriebenen Rechts (welches wir mittragen) wahrzunehmen, einzuordnen und sich selbst dazu zu positionieren:
      siehe juristische Definition von Sittlichkeit (Juristisches Wörterbuch G. Köbler):
      |Sittlichkeit (Moral) ist die Gesamtheit der inneren, auf die Gesinnung
      |bezogenen Verhaltensnormen. Sittliches Verhalten ist das auf das
      |Gute um seiner selbst willen gerichtete Verhalten. Die Ausrichtung
      |am Gewissen und am Guten unterscheidet die S. vom →Recht

      Liebe (… Aufmerksamkeit) enthält den Raum auch für dieses Bewusstsein und für das Leben … .~*

  5. Moin, Ruediger Lenz, und entschuldigung fuer die Wortwahl! Was ist das fuer ein Geschwurbel?! Da muss zuguterletzt auch so ein ehrenwerter Antiimperialist wie Jesus herangezogen werden, fuer einen Satz, den jeder andere (Gläubige) auch hätte sagen können. Dass der Nazaräner Gottgläubig war steht ausser Frage, Alle Juden waren gottgläubig, doch sein Handeln richtete sich gegen die Römer und gegen die römische Besetzung (ruhig mal zwischen den Zeilen lesen!)
    Feindesliebe ist die paulin’sche Variante des NT.
    Und wenn wir ueber die Arroganz der Herrschenden gegen ihr Volk reden, so sollten wir kurz an Lenin denken, der der Arbeiterschaft nach der erfolgreichen Revolution den 7 Std. Tag verordnet hat, um sich zu Bilden durch Lesen!

    • Exakt der Begriff „Geschwurbel“ kam mir auch in den Sinn, deshalb antworte ich hier anstelle eines neuen Beitrags.

      Die „Tagesdosis“ beginnt recht spannend, denn erfolgt aber ein nicht nachvollziehbarer Spin ins Religiöse und von dort gleitet alles schließlich vollends ins Esoterische ab. Ich bezweifle stark, dass dort die Lösung für unsere kaputte Welt zu finden ist. Die weitaus meisten tief religiösen Menschen nutzen ihren Glauben nicht zum Widerstand, sondern ergeben sich in ihr Schicksal, wobei sie auf Gerechtigkeit im Jenseits bauen und darauf vertrauen, dass irgendein Gott schon weiß, warum er sie in diesem Leben so hart bestraft, obwohl sie gar nichts Böses getan haben.

      Und Esoteriker ticken nochmal anders, aber im Kern wohl ganz ähnlich. Auch sie sind nicht dafür bekannt, Regierungen zu stürzen oder Systemveränderungen herbeizuführen. Insofern ist mir am Ende völlig unklar, was Rüdiger Lenz jetzt eigentlich sagen will….

    • „“Auch sie sind nicht dafür bekannt, Regierungen zu stürzen oder Systemveränderungen herbeizuführen““

      Taeter zu Opfer ,Opfer zu Taeter Karussell fahren?

      Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.
      -Albert Einstein-

      »Man schafft niemals Veränderung, indem man das Bestehende bekämpft. Um etwas zu verändern, baut man Modelle, die das Alte überflüssig machen. «
      Richard Buckminster Fuller

      Also ich denke direkte Demokratie und gemeinuetziges Vollgeld bringt uns vernuenftig weiter.

    • Jungs, was is los mit euch? Ich versteh, was Rüdiger Lenz meint. Es ist halt ne sehr lange Version von „sei du selbst die Veränderung, die du wünscht für diese Welt“.

      Warum ist es für viele Menschen so schwer, „links“ und spirituell gleichzeitig zu sein. Das ist doch ein uraltes Dogma. Die religiösen wählen die CDU und die „linken“ halten alles Spirituelle für Nonsens. Mhmmmm… Dabei gehört es eigentlich zusammen, jedenfalls in meinem Kopf. 😉

      Hog1951
      Der Nazarener hatte nen anderen Gott als die Juden. Deshalb auch diese Äußerung zu den Pharisäern, dass sie die Kinder der Schlange, des Bösen, seien. Deshalb musste er auch weg. Und Paulus hat seine Lehre mal glatt umgedreht. Kein Wunder, der war ja en Pharisäer und Bürger Roms. 😉

      Der wichtigste Satz überhaupt, von der Bergpredigt mal abgesehen, ist der „wenn Euer Glaube nur so groß ist wie ein Senfkorn, könnt ihr Berge versetzen“. Jesus meinte damit NICHT den Glauben an Gott, sondern den Glauben an unsere eigene Kraft und Macht.
      Oder für die nicht-spirituellen mit Physik: Gedanken erschaffen Realität. Die Gedanken der Forscher beeinflussen das Ergebnis des Experiments. Einstein nannte es spukhafte Fernwirkung.

      Die Menschen sind immernoch Riesen, denen man eingeredet hat, sie wären Zwerge!

    • Moin, Kristana, warum sollte er einen anderen Gott gehabt haben als seine Mitjuden? Er war Jude und hatte, bzw. glaubte an den gleichen Gott. Ansonsten muesste man schon nachweisen, warum nicht.
      Aus einigen Gleichnissen, kann man schliessen (so wie Jesus sie darbringt), dass er selbst ein Pharisäer war, zumindest die Art der pharisäischen Logik beherrschte und anwendete. Die Phasrisäer waren uebrigens entgegen der Darstellung im NT nicht gegen Jesus, sondern genau wie er selber gegen die Besatzung der Römer. An genau einer Stelle blinkt die unverfälschte Geschichte bzgl. der Pharisäer durch, als sie ihn warnten, er solle getötet werden von Herodes.
      Ein anderer Hinweis auf seine antiimperialistische Haltung und die der Pharisäer ist a) seine Kreuzigung (eine römische Tötungsart wg. Landesverrats) und b) das Eintreten Gamaliels (ein ueberaus bekannter Gelehrter der Pharisäer) fuer Jesus vor dem Sanhedrin.
      Paulus wiederum war kein Pharisäer, obwohl er es wiederholt behauptete. Er besass römisches Buergerrecht und spielte eine sehr zweifelhafte Rolle, wie Du selbst schreibst.Das NT ist bis auf wenige Stellen, die gegen den Strich gebuerstet sind von Paulus inspiriert.

    • Hey Hog1951 🙂 btw schön, euch alle noch hier zu sehen nach 6 Monaten Digitalfasten.

      Über Paulus müssen wir also nicht diskutieren. Das is schon mal gut. 🙂

      Warum? Weil Jahwe nicht der Vater (die Liebe) ist. Gibt ettliche Hinweise in der Bibel und sehr deutliche Aussagen in den Schriften von Nag Hammadi.
      Wenn dich da Details interessieren, setz ich mich gern nachher mal hin und schick dir ne private Nachricht. Für das Forum hier und das Thema an sich, wäre es doch zu sehr offtopic.

    • Moin, Kristana, es wuerde schon reichen, die Schrift der Nag Hammadi codices anzugeben, in welcher die Frage beruehrt wird. Vielen Dank im voraus.

  6. Eine Verachtung des Volkes kann auch darin bestehen, dass man es für dümmer hält, als es eigentlich ist.

    Am Beispiel Khashoggi erkennen wir, dass eine ELITE einen Mord ausgerechnet in einer mit rund 35 Videokameras überwachten Botschaft plant und die Ausführung über SKYPE, wo jeder Staat mithören kann, nach dem Betreten des Opfers, der dann auch noch extra vorher in die Videokamera schaut, befiehlt. Kurz danach soll Khashoggi erst mal seine Smartwatch eingeschalten haben, damit seine Verlobte seinen Mord auch mithören kann. Schließlich kamen am gleichen Tag noch ein Schlachter / Sägemeister und Pathologe, ja sogar ein ganzes Mörderteam, extra aus Saudi Arabien angeflogen, um den fetten Khashoggi in der Botschaft zu zerteilen. Wahrscheinlich ist der Tatort extra so gewählt worden, weil es sonst für den allein reisenden Khashoggi keine bessere Möglichkeit gab, ihn umzubringen. Der Mord an Uwe Barschel, dem man seinen Selbstmord, angezogen mit Krawatte und einem angezogenen Schuh in der warmen Badewanne zutraute, war schon skurril, aber der Khashoggimord scheint alles zu übertreffen.

    Unsere deutschen Politiker sind natürlich die Ersten, welche in der Welt nach Maßnahmen schreien, und das alles ohne Mörder, Leiche und sonstigen Fakten. Ganz vorne melden sich immer die gleichen eifrigen deutschen Politiker, wie im Fall Skripal. Wollen sie es doch der Welt zeigen, wie moralisch gut sie nun geworden sind, die Nachfahren der alten NAZIS und dass sie nur das Beste wollen für die neuen Deutschen und für die restliche Welt.

    Scheinheilig reden sie in die Kameras und die deutschen Massenmedien machen gleich mit und blasen in das gleiche Horn. TRUMP ist da schlauer, er will seine 600.000 Arbeitsplätze in der Industrie nicht gefährden und plant daher keine Sanktionen in der US-Rüstungssparte, das gleiche sagte auch Spanien.

    Die USA = NATO lassen lieber die Deutsche Bundeswehr mit 50.000 Soldaten in Norwegen den Krieg proben. Das gewählte deutsche Parlament hat da nichts dagegen. Das kostet dem deutschen Steuerzahler mal wieder richtig Geld und TRUMP spart dafür seine Moneten, das will das Deutsche Parlament doch so. Die deutsche Verteidigungsministerin wird nach ihrer Bundeswehrkarriere für ihr übertriebenes US-freundliches Verhalten bestimmt wie ihr bayrischer Vorgänger Baron Dr. Karl Theodor zu Guttenberg von den US-Geheimdiensten belohnt werden. Sie wird an eine US-Universität hingeschoben und dort „ihre deutschen Weisheiten“ gegen fürstliche Bezahlung verbreiten dürfen.

    Das ist keine Bestechung, aber die Möglichkeit, deutsche Politiker zu belohnen und damit zu beeinflussen. Politiker wissen genau, dass sie für ihr gefälliges Verhalten gegenüber diesen Staaten dann steuerfreie Preise oder eine lukrative Tätigkeit nach der Politik in diesem Staat erhalten.

    Diese Eliten wissen genau, wie das Spiel gespiel wird und verachten damit ihr Volk.

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