Tagesdosis 25.11.2019 – Von Fürsten und Knechten

Ein Kommentar von Dagmar Henn.

Man wird in Deutschland die alte Herrschaft nicht los. Die Nachfahren des Kartätschenprinzen, der einst die Revolution 1848 im Blut ertränken ließ, fordern eine Entschädigung. Und die Tatsache an sich löst kein Entsetzen, keine Empörung aus; nein, die Debatte dreht sich einzig darum, wie behilflich die Herren von und zu Hohenzollern (1) dabei waren, den Gefreiten aus Braunau in den Sattel zu hieven.

Das trifft juristisch zu, mag mancher einwenden. Schließlich geht es um Ländereien und Schlösser, die nach dem zweiten Weltkrieg in der sowjetischen Zone enteignet wurden, weil sie Unterstützern der Naziherrschaft gehörten. Da das die meisten der dortigen Junker waren, traf diese Einteignung fast die gesamte Klasse, nicht nur die Hohenzollern. Und ja, die Treuhand hat sich viel Mühe gegeben, den meisten dieser adligen Herrschaften ihren Besitz zurückzugeben; wenn das als Rückübertragung nicht ging (weil sie eben die Macht der Nazis gestützt hatten, und die Enteignungen aus diesem Grund durch den Einigungsvertrag festgeschrieben wurden), dann, indem man ihnen für einen Spottbetrag die Güter zurückverkaufte. Klar, dass auch die Hohenzollern als Alphatiere des Rudels da ihr Teil abhaben wollen.

Eine Debatte darüber, wie eifrig sie nun dem Gefreiten die Steigbügel gehalten haben, bleibt aber auf halber Strecke stehen, weil sie so tut, als hätten sie einen Anspruch auf diesen Besitz, wenn dem nicht so wäre. Haben sie das wirklich? Gut, einer ihrer Ahnen hat mit Voltaire Briefe gewechselt; wiegt das die Hektoliter Blut auf, die ihre Untertanen in den unzähligen Kriegen der Preußenherrscher vergießen mussten, macht das vergessen, dass Preußen wie ein Bleimantel auf den deutschen Landen lag und den Geist durch den Kommiß verjagte? ‚Schlaf, mein Kind, schlaf leis‘, heißt es in einem badischen Volkslied (2) aus dem 19. Jahrhundert, ‚da draußen geht der Preuß. Deinen Vater hat er umgebracht, deine Mutter hat er arm gemacht. Und wer nicht schläft in guter Ruh, dem drückt der Preuß die Augen zu. Schlaf, mein Kind, schlaf leis. Da draußen geht der Preuß‘.

Der deutsche Nationalstaat war, als er 1871 aus der Taufe gehoben wurde, ein abscheulicher Zwitter aus Bürgerlichkeit und Feudalmacht, Leibeigenschaft mit eingeschlossen, und der verstümmelten Revolution 1918 gelang es noch immer nicht, den Griff des Adels um den Hals zu brechen; das Volksbegehren zur Fürstenenteignung 1926 scheiterte, und die Blutsauger wurden entschädigt…

Es sind übrigens nicht nur die Fürsten, es sind auch die Kirchen (3), die bis heute staatliche Gelder erhalten, weil ihr Landbesitz säkularisiert, also enteignet und verteilt wurde. Das geschah bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts, und bis heute fließen Jahr für Jahr Millionen an Steuergeldern zusätzlich zur Kirchensteuer – also auch aus den Taschen jener, die nicht Mitglied irgendeiner Kirche sind. 460 Millionen Euro sind das jedes Jahr, entrichtet, weil Klöster und Bistümer keine Leibeigenen mehr die Ackerfurchen ziehen lassen dürfen.

Unzählige Zeitschriften der Gelben Presse arbeiten unermüdlich daran, die Lakaiengesinnung aufrecht zu erhalten, aber selbst das bürgerlichste Journal schämt sich nicht, Adelstitel zu gebrauchen, die seit 1918 verschwunden sein sollten; sie müssten vom Herrn Hohenzollern schreiben, nicht vom ‚Prinzen’… Einzig im annektierten Teil war es vorübergehend gelungen, den Geburtsfehler der ersten deutschen Republik zu beheben. 

Dabei kann selbst einem Fünfjährigen mühelos erklärt werden, dass der Reichtum der Fürsten nicht durch eigene Leistung erworben, sondern aus Zwangsarbeit gepresst und zusammengeraubt wurde. Niemand käme angesichts der Porträts dieser Herrschaften auf den Gedanken, sie hätten ihre Zeit mit der Erschaffung von Werten verbracht; sie ließen nur schaffen. Eine ordentliche bürgerliche Gesellschaft, die sich, anders als in Deutschland, rechtzeitig der Aristokratie entledigt hat, hat auch keine Probleme damit, diese einfache Wahrheit auszusprechen.

Nur in Deutschland kann das nicht einmal mit Blick auf die Fürsten gesagt werden. Ça ira (4) wurde hier nie gesungen. Das Elend der einfachen deutschen Untertanen, auf dem all der aristokratische Pomp beruhte, wird gnädig vergessen; vom Gemetzel, das der ‚Bauernjörg‘ (5) gerufene Waldburger Graf 1525 unter den aufständigen Bauern anrichtete, über die Verwüstungen des Dreissigjährigen Krieges, in dem sich unzählige Fürsten wie Köter um die Beute balgten und das Land verheerten, bis hin zum Holzsammelverbot in preußischen Wäldern – lasst uns den Mantel des Schweigens darüber legen und so tun, als sei das ehrlich erworbenes Gut. Schließlich ist das Eigentum heilig, zumindest dort, wo es in großer Menge auftritt.

Niemand in dieser glorreichen Republik ist Willens, das große Faß aufzumachen und den Besitz all der unzählig vorhandenen großen und kleinen Fürsten in Blick zu nehmen. Im Gegenteil; eher wären sie wohl bereit, die Hohenzollern abzufinden, damit ja niemand den Deckel dieses Fasses lüftet und auf all die anderen weist, die ebenfalls reichlich Leichen im Keller haben, die Nachfahren besagten Bauernjörgs beispielsweise, die nach wie vor reich und mächtig sind, die Thurn und Taxis,  die Welfen… bis hinunter zu einem Herrn Egloffstein (6) alle miteinander überzeugt, die besseren Menschen zu sein und zu Recht auf ihren zusammengeraubten Schätzen zu sitzen. Die meisten davon dürften eifrige Verfechter der Naziherrschaft unter ihren Ahnen haben, gern auch den einen oder anderen SS-Offizier; aber jene, die in der Westrepublik lebten, wurden niemals dafür zur Rechenschaft gezogen, so wenig wie für alle anderen Verbrechen in den Jahrhunderten davor.

Dumm gelaufen für die Hohenzollern, weil die sowjetischen Truppen ihnen den Besitz nahmen? Nein, eher dumm gelaufen für die Einwohner der Westrepublik, weil sie den Weimarer Geburtsfehler weiter ertragen mussten und nicht einmal die Nester der äußersten Reaktion, des deutschen Adels, ausgehoben wurden. Und ihnen anerzogen wurde, nicht nur für die Herren der Banken und Konzerne den Knecht zu geben, sondern auch immer noch für die Fürsten. Und dieser Knechtsgeist, das Kratzfüßige, das Untertanenhafte, derart eingebläut wurde, dass nicht einmal mehr ein Dichter zu finden ist, der diese Vorgänge angemessen sarkastisch kommentiert, wie dies Erich Weinert 1925 tat:

Fürstenaufwertung

Die abgetakelten Dynastien
Die dunnemals auf Grund von vergilbten
Familienpapieren und großem Spleen
Dahergeschwenkert im Hermelin
Und Kronen über die Ohren stülpten,

In deren komplettem Ahnensaal
Gepanzerte Spitzbuben rumgespenstern,
Die fürstlich versoffen das Kapital,
Das man mit Gott zusammenstahl,
Mit Huren und untertänigen Wänstern,

Die dann von Detmold bis nach Berlin
Sich aufgetakelt in Denkmalsposen,
Die schauerlich große Bögen spien,
Solange die Sache nicht brenzlig schien,
Doch dann verduftet mit vollen Hosen,

Dieselben, die wir, rührend human,
Leider damals nicht in den Kasten steckten,
Die fühlen sich wieder als Obertan
Und schnarzen herum mit Größenwahn
und sämtlichen Militäreffekten.

Dieselben, die damals Gebete gelallt,
Daß wir ihnen nicht den Arsch verdroschen,
Die brüllen heut nach dem Staatsanwalt
Und fordern ihr volles Friedensgehalt,
Und das bis zum letzten Arbeitergroschen.

Ein republikanisches Landgericht
Entschied für die Schwarzburg-Sondershausen:
Die guten Sitten erlauben nicht,
Dass den deutschen Fürsten ein Leids geschicht;
Denn die hatten schon immer das Recht zu mausen.

Wir verstehen uns schon auf den guten Ton
Und leben in landesherrlichen Zeiten.
Wovon soll auch sonst der Landespatron
Die Kosten der Konterrrevolution
Und der teuren Denkmalsparaden bestreiten?

Was die Herren vorzeiten expropriiert
(Das heißt zusammengeklaut mit Gottes Gnaden),
Wird ihnen feierlichst garantiert.
Und der kleine Mann, der hungert und friert,
Bezahlt den ganzen Monarchenladen.

Nun bezieht sich jeder Winkeldynast
Auf die vornehmen thüringschen Rechtsentscheide.
Jeder Stammbaum bis zum fünfzigsten Ast
Fällt uns dann lebenslänglich zur Last
Und liegt uns wie Blei im Eingeweide.

O du höfliche deutsche Revolution,
du verkanntest damals den Sinn der Laternen!
Du vergoldest die Strolche, die dich bedrohn.
Wann wirst du gegen den „guten Ton“
und die „guten Sitten“ verstoßen lernen?

  1. https://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/Politik/Historiker-Entschaedigung-fuer-die-Preussen-Familie-waere-moralisch-schwer-begruendbar 
  2. https://www.volksliederarchiv.de/schlaf-mein-kind-schlaf-leis/ 
  3. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/enteignung-der-kirchen-entschaedigungen-bis-in-alle-ewigkeit-12555649.html 
  4. https://www.youtube.com/watch?v=L9VoRmjxvPs 
  5. https://www.ovb-online.de/weltspiegel/bayern/bauernjoerg-4998760.html 
  6. https://www.sueddeutsche.de/bayern/der-graf-will-uns-mit-allen-mitteln-schaden-alles-meins-1.3236762 
  7. Erich Weinert, Zeit-Gedichte, Berlin 1968

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildhinweis: Viacheslav Lopatin / Shutterstock

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18 Kommentare zu: “Tagesdosis 25.11.2019 – Von Fürsten und Knechten

  1. Städte ohne Baudenkmäler, sei es historisch erhaltene Bausubstanz in Form von
    Wohnhäusern, Kirchen, Parks und Schlössern fehlt es an Attraktivität. Die Kosten
    für baudenkmalgerechte Renovierung und der Erhalt sind hoch. Teilweise braucht
    man Handwerkskunst aus anderen Ländern (ein Stukkateur hierzulande ist kaum
    zu finden, Dachdecker zur Neueindeckung runder Turmspitzen ebenfalls).
    Wenn die Zuwendungen an Eigentümer solcher Zeitzeugenmale sich in etwa in Höhe
    dieser Kosten bewegen, finde ich das vollkommen in Ordnung.
    Ich möchte mir auch nicht vorstellen, dass solche Baudenkmäler zuerst dem Staat
    zufallen, und dieser sie im Zuge der Privatisierungswut gewinnbringend an Leute
    wie die Milliardäre Peter Thiel, Ray Dalio, Stephen Schwarzman, Elon Musk,
    Jeffrey Bezos verkauft würden.

  2. 1. Zu dramue sagt: 25. November 2019, 20:53 Uhr:

    Nach Ihrer Schilderung liegt es nicht an dem "guten" Adel, sondern an einer bestimmten Strukturierung durch die Stände, die zudem ganz anders als heute, durch den "religiösen Überbau" deutlichen Begrenzung und zu einer Art Pflicht zu "Empathie und Fürsorge" führte. Das bringt Josef Gabriel Twickel (25. November 2019 20:44 Uhr) letztlich deutlich zum Ausdruck.

    Damit gelangen Sie in der Tat zu der Entscheidenden und heute dringend zu beantwortenden Frage, ob bzw. inwieweit die derzeitige faktisch grenzenlose Eigentums- und Vermögensordnung beizubehalten ist. Damit ist meines Erachtens aber noch nicht die Frage nach der Rückgabe vom zudem nur vermeintlich "rechtmäßigen" Vermögen oder Eigentum der Hohenzollern beantwortet. Das hängt allerdings durchaus zumindest mittelbar damit zusammen. Die von mir zitierte Alimentierung der Wittelsbacher ist allerdings wiederum etwas anderes als eine Rückgabe nach vermeintlich unrechtmäßiger Enteignung.

    Schließlich stimme ich Ihnen, dramue, allerdings in Bezug auf eine wie auch immer zu gestaltende Begrenzung durchaus zu. Ob das mit einer "grundlegenden Reform" oder mit einer vollständigen Neuordnung gelöst werden kann, ist fraglich. Denn eine Gemeinwohlverpflichtung von Eigentum befindet sich bereits heute in Art. 14 Absatz 2 Grundgesetz ("Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen."!). Diese läuft jedoch bekanntlich weit überwiegend leer.

    2. Zu A. Eberl, 25. November 2019, 20:41 Uhr:

    Vielen Dank für diesen sehr eindrucksvollen Beitrag. Sicherlich sind auch bei dem, was Frau Henn anführt, Zweifel angebracht. Gleiches gilt allerdings für das vom Kommentator Humml formulierte. Mir fehlt leider schlicht die Zeit, das im Einzelnen zu verifizieren oder zu falsifizieren. In der Anmoderation zu den von Ihnen geposteten Listen führen Sie an, dass dabei verschiedene Großmächte und deutschsprachige Länder verglichen hätten. Allerdings vermisse ich nach der Wiedergabe dieser Listen diesen Vergleich bzw. Ihr Fazit dazu. Oder sollte sich das etwa allein aus der Länge der jeweiligen Listen sozusagen von selbst ergeben?

    Apropos sehr lange Liste der Kriege der USA: Der ehemalige Bedienstete des US-Foreign-Office William Blum listet in seinem Buch Zerstörung der Hoffnung (in den USA unter dem Titel "Killing Hope" erschienen, erstmals 1987; in deutscher Sprache erschienen 2008) 55 bewaffnete Interventionen der USA und der CIA allein seit dem Zweiten Weltkrieg auf!

    3. Zu Hog1951, 25. November 2019, 21:56 Uhr:

    1900 habe ich deshalb genannt, weil am 01.01.1900 das Bürgerliche Gesetzbuch mit unserem heutigen Erbrecht in Kraft getreten ist. Auch weil das nur 29 Jahre nach Gründung des Deutschen Reichs und somit dem Ende des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" erfolgte, steht das deutsche Erbrecht in der römischen und kirchlichen Tradition und damit vor allem vor allem dem “Corpus Iuris Civilis”, der Gesetzessammlung des oströmischen Kaisers Justinian (527 bis 565). Das römische Recht wurde im Mittelalter nicht als fremdes Recht, sondern als "Kaiserrecht" verstanden und bestand neben germanischen Rechten. Eine recht gute Übersicht ist im Netz in einer rechtsgeschichtlichen Seminararbeit zum Thema „Wer will wohl und selig sterben, lass sein Gut dem rechten Erben.“ vom November 2008 zu finden (https://www.ruhr-uni-bochum.de/ls-muscheler/downloads/seminar0809/Silvia_Langer_Wer_will_wohl_und_selig_sterben_lass_sein_Gut_dem_rechten_Erben.pdf).

    Schließlich ist Ihrem Schlusssatz "zur Klarstellung" zu entnehmen, dass Ihre Gedanken in die gleiche Richtung gehen, wie die von dramue. Damit wären wir in etwa auf einem vergleichbaren Stand.

  3. Das Adelsbashing im anachronistischen Rückblick unter Massnahme an den heutigen Werten wird der der deutschen Geschichte meines Erachtens nicht gerecht. Im 15. und 16, Jahrhundert hat die ständische Gesellschaft in Deutschland weiten Bevölkerungskreisen einen Lebensstandard geboten, der erst im späten 19. Jahrhundert wieder angesteuert werden konnte. Damals herrschte noch ein Wertekanon, der auch den Feudalherrn zu patriarchaler Fürsorge anhielt und ein Großkapitalist wie Jakob Fugger sah sich bemüßigt ein bis heute bestehendes Sozialprojekt wie die Fuggerei in Augsburg zu begründen, um nicht in der Hölle zu enden. Und ganz generell denke ich, dass die meisten absolutistischen Herrscher einen Wertekanon in Ihrer Erziehung vermittelt bekamen, der sie bei aller Überheblichkeit zu Empathie und Fürsorge für das Volk verpflichtete. Den heutigen neoliberalen Finanzkapitalisten fehlt das völlig.
    Die grundsätzliche Frage ist nicht, ob Adelshäuser zu privilegieren sind, sondern ob man prinzipiell die bestehende Eigentumsordnung – und damit die "Rechtmäßigkeit" großer Vermögen akzeptiert. Wer das tut, muss auch die Rückgabe des "rechtmäßigen" Eigentums an die Hohenzollern akzeptieren. So wie das Eigentum der Wittelsbacher, anderer Adelshäuser und der Finanzaristokratie dann akzeptiert werden muss.
    Wenn wir irgendwie wirklich in Richtung Volkssouveränität marschieren wollen, dann muss die Eigentumsordnung grundlegend reformiert werden – und zwar weg von Individualeigentum mit Profitorientierung hin zu Kollektiveigentum mit Gemeinwohlverpflichtung.

  4. Also, in gewissen Punkten möchte ich den Zweifeln, die der Kommentator Humml hier unten zeigte, zustimmen. Wieviel ist wahr an dem, was Frau Henn schreibt und wieviel ist Propaganda der Siegermächte aus der Zeit des Ersten Weltkriegs und danach? Eine antideutsche Propaganda, die sozialdemokratisch eingestellte, einflussreiche deutsche Politiker wie Kurt Eisner, Richard Grelling, Eduard Bernstein und Karl Kautsky schon früh kritiklos übernommen haben. Und ihre geistigen Nachfolger, nämlich viele links Eingestellte, bis heute! Stimmt es denn, dass Preußen, „unzählige Kriege“ geführt hat?
    Ich habe vor einiger Zeit mal eine Liste der Kriege der Nach-Napoleonischen Ära (bei den Napoleonischen Kriegen war übrigens Frankreich der Aggressor!) bis zum Jahre 1914 erstellt und dabei verschiedene Großmächte (British Empire, Frankreich, Russische Zarenreich und deutschsprachige Länder (Preußen, Österreich-Ungarn und deutsches Kaiserreich verglichen.

    Hier ist die Liste:

    Kriege des British Empire zwischen 1816-1913
    1. Gurkha-Krieg (1814–1816)
    2. Dritter Marathenkrieg (1817–1818)
    3. Erster Anglo-Birmanischer Krieg (1824–1826)
    4. Zweiter Anglo-Birmanischer Krieg (1852–1853)
    5. Dritter Anglo-Birmanischer Krieg (1885)
    6. Erster Anglo-Afghanischer Krieg (1839–1842)
    7. Zweiter Anglo-Afghanischer Krieg (1878–1881)
    8. Erster Opiumkrieg (1840–1842)
    9. Zweiter Opiumkrieg (1856–1860)
    10. Neuseelandkriege (1845–1872)
    11. Erster Sikh-Krieg (1845–1846)
    12. Zweiter Sikh-Krieg (1848–1849)
    13. Krimkrieg (1853–1856)
    14. Anglo-Persischer Krieg (1856 – 1857)
    15. Sepoy-Aufstand (1857)
    16. Schweinekonflikt (1859)
    17. Britische Äthiopienexpedition von 1868
    18. Aschanti-Kriege
    19. Red River Expedition (1870)
    20. Zulukrieg (1879)
    21. Erster Burenkrieg (1880/81)
    22. Anglo-Ägyptischer Krieg (1882)
    23. Mahdi-Aufstand (1881-1898)
    24. Gordon Relief Expedition (1884/85)
    25. Britisch-Sansibarischer Krieg (1896)
    26. Zweiter Matabelekrieg (1896)
    27. Malakand Field Force (1897)
    28. Boxeraufstand (1899/1900)
    29. Zweiter Burenkrieg (1899-1902)
    30. Feldzüge in Somaliland (1902-1920)
    31. Britischer Tibetfeldzug (1903-1904) ttps://de.wikipedia.org/wiki/Britischer_Tibetfeldzug
    Weitere Quelle: ttps://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Britisches_Weltreich/Kriege_des_Britischen_Weltreiches

    Kriege des russischen Zarenreiches zwischen 1816-1913
    1. 1816–1825: Russisch-Georgischer Krieg
    2. 1817–1864: Kaukasuskriege – nach „Russische Zaren“)
    3. 1826–1828: Russisch-Persischer Krieg
    4. 1827: Sieg von Admiral Micahil Lasarew über die türkisch-ägyptische Flotte in der Bucht von Nawarin.
    5. 1828–1829: Russisch-Osmanischer Krieg
    6. 1830-1831: Polnischer Aufstand. Niederdrückung des Aufstands im Jahre 1831.
    7. 1849: militärische Intervention zugunsten Österreichs in der Ungarischen Revolution 1848/1849
    8. 1853: Mittelmeer-Feldzug von General W. Perowski. Einnahme der kokandischen Festung Ak-Metschetj. (Quelle: Russische Zaren)
    9. 1853–1856: Krimkrieg
    10. 1857–1858: Russisch-Georgischer Krieg
    11. 1858: Gewinn der Gebiete zwischen Amur und Küste. (Quelle: Russische Zaren)
    12. 1859: Eroberung des Ostkaukasus (Quelle: Russische Zaren)
    13. 1865: Einnahme von Taschkent durch russische Truppen (Quelle: Russische Zaren).
    14. 1868: Einnahme von Samarkand. (Quelle: Russische Zaren).
    15. 1865–1868: Eroberung des Emirats Buchara
    16. 1865–1869: Eroberung des Khanats von Kokand
    17. 1877–1878: Russisch-Osmanischer Krieg
    18. 1881: Einnahme von Aschchabad.
    19. 1885: Russisch-afghanischer Konflikt. Anschluss von Merw. (Quelle: Russische Zaren).
    20. 1899–1901: Boxeraufstand
    21. 1900: Russisch-Chinesischer Krieg
    22. 1904–1905: Russisch-Japanischer Krieg
    23. 1911–1914: Russische Invasion in Täbris, Persien
    Entnommen aus:
    ttps://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Milit%C3%A4roperationen_Russlands_und_der_Sowjetunion
    und: Boris Antonow: Russische Zaren. Petersburg 2012.

    Kriege Frankreichs zwischen 1816-1913
    1. 1821-1829 Griechischer Unabhängigkeitskrieg / Griechische Revolution (Europa)
    2. 1823 Französische Invasion in Spanien (Europa)
    3. 1828-1834 Miguelistenkrieg (Portugal)
    4. 1833-1840 Erster Karlistenkrieg (Europa)
    5. 1838-1839 Kuchenkrieg (Mexiko)
    6. 1830-1848 Eroberung Algeriens (Nordafrika)
    7. 1853-1856 Krimkrieg (Krim, Schwarzes Meer, Balkan, Pazifik)
    8. 1856-1860 Zweiter Opiumkrieg (China)
    9. 1859 Sardinischer Krieg / Zweiter Italienischer Unabhängigkeitskrieg (Italien)
    10. 1862-1867 Französische Intervention in Mexiko (Mexiko)
    11. 1870-1871 Deutsch-Französischer Krieg (Europa)
    12. 1884-1885 Chinesisch-Französischer Krieg (Südostchina, Taiwan)
    13. 1893 Französisch-Siamesischer Krieg (Siam, heute Thailand)
    14. 1899-1901 Boxeraufstand (Nordchina)
    15. Am 21. Mai 1911 marschierten französische Truppen unter General Charles Moinier nach Marokko ein und besetzten Fès und Rabat. ( ttps://de.wikipedia.org/wiki/Zweite_Marokkokrise)

    Entnommen: – wissenschaftl. Dienst d. Deutschen Bundestags, als PDF herunterzuladen:
    Wd-1-046-16-pdf-data.pdf-Adobe Reader
    Siehe auch: Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag, Dokumentation: „Beteiligungen Englands und Frankreichs an Kriegen im 18. Und 19. Jahrhundert.“

    Kriege deutsch-sprachiger Staaten zwischen 1816-1913, also Preußen, der Deutsche Bund und Österreich und ab 1971 das Deutsche Kaiserreich im gleichen Zeitraum:
    1. Schleswig-Holsteinischer Krieg (1848–1851)
    2. Krieg gegen Ungarn 1848 und 1849
    3. Deutsch-Dänischer Krieg (1864)
    4. Deutscher Krieg (1866) (da haben sich Deutschsprachige gegenseitig zerfleischt!)
    5. Deutsch-Französischer Krieg (1970-1871)
    6. Militärische Besetzung Bosnien-Herzegowinas durch Österreich-Ungarn (auf Anraten Lord Salisburys während des Berliner Kongresses, 1878)
    7. Boxeraufstand (1899/1900)
    8. Herero-Aufstand (1904)
    9. Nama-Aufstand (1904-1908)

    ttps://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kriege_und_Schlachten_Preu%C3%9Fens
    ttps://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Kaiserreich
    ttps://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Milit%C3%A4rgeschichte

    UND HIER DIE LISTE DER KRIEGE DER USA : Die ist so lang, dass sie den Rahmen hier sprengen würde:

    http://www.washingtonsblog.com/2015/02/america-war-93-time-222-239-years-since-1776.html

    Aber wenn jemand mehr weiß und die Liste ergänzen möchte, weil ich was vergessen oder nicht gefunden habe, wäre ich dankbar -ich suche möglichst, der Wahrheit näherzukommen.

  5. Im Unterschied zu "Humml" stimme ich dem Kommentar von Dagmar Henn im Wesentlichen zu. Insbesondere ist mit kaum begreiflich, dass "unsere" uns vermeintlich repräsentativ vertretenden Politiker / Kellner / Herrschaftsmanagementebene mit diesen Herrschaften bereits seit vielen Jahren verhandeln und auch ein Verwaltungsrechtsstreit anhängig ist – und dies erst in diesem Jahr uns als vermeintlichem Souverän bekannt wurde.

    Worauf kürzlich Jan Böhmermann meines Erachtens sehr treffend hingewiesen hat, haben diese uns vermeintlich repräsentativ vertretenden Damen und Herren Entschädigungsansprüche der Hereros bisher ohne jegliche Verhandlungen ins Leere laufen lassen (http://hohenzollern.lol/). Jan Böhmermann hat dabei noch mehr initiiert, wie auf Hohenzollern.lol zu lesen ist. Nach den dort zu erhältlichen Gutachten steht es derzeit sozusagen 2 : 2 unentschieden.

    Zu diesen durchlauchtigen Forderungen gibt es unter anderem Beiträge von Bernd Stegemann und von Benjamin Hasselhorn vom 30.07.2019: https://www.cicero.de/kultur/hohenzollern-forderung-cecilienhof-zweiter-weltkrieg

    Ergänzend zu dem von Dagmar Henn angeführten Gedicht von Erich Weinert 1968 sei auf ein bei den Nachdenkseiten (https://www.nachdenkseiten.de/?p=53977) hingewiesenes weiter aktuelles Gedicht von Kurt Tucholski von 1926 (https://das-blaettchen.de/2019/08/wollt-ihr-die-dummen-sein-49160.html) aufmerksam gemacht.

    Dagmar Henn führt zutreffend das von der kirchensteuer unabhängige Staatskirchengeld für beide christlichen Konfessionen an. Damit sollte nach der Weimarer Verfassung, was in Artikel 100 Grundgesetz übernommen wurde, schon vor 100 Jahren Schluss sein.

    Bei den Nachdenkseiten wird in einem Leserbrief (https://www.nachdenkseiten.de/?p=53773) aufgezeigt, dass es übrigens den Wittelsbachern seit 1923 gelungen ist, mit ähnlichen Forderungen zu Lasten der Steuerzahler durchzudringen. Damals ist der "Wittelsbacher Ausgleichfonds" vom Freistaat Bayern als Stiftung errichtet worden, um die Mitglieder des Hauses Wittelsbach zu alimentieren. Bis Februar 2016 war dies ein offenbar ein gut gehütetes Geheimnis, bis es die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte (https://www.sueddeutsche.de/bayern/wittelsbacher-erben-der-bayerischen-koenige-kassieren-immer-noch-millionen-1.2852054). Danach erhalten die Wittelsbacher jedes Jahr – und damit seit bald 100 Jahren knapp 14 Millionen Euro!

    Das allerdings nach der Anmerkung von Hog1951 im Wesentlichen auf "das" bzw. "dieses Erbrecht" zurückzuführen, halte ich für zumindest unzulänglich. "Dieses" unser Erbrecht gilt erst seit 1900. Hog1951 meint auch wohl eher das Erbschaftsteuerrecht oder eben auch die fehlende Vermögensteuer, was beides zu absolut monströsen Begünstigungen u.a. von von hog1951 beispielhaft angeführten Personen führt.

    • Moin, Tastend, vielen Dank fuer Deinen Hinweis!
      Ich meinte in der Tat das Erbrecht, bzw. das Vererben von Vermögen an die Nachkommen. Ich frage mich wie der Umstand des Vererbens vor 1900 wohl geheissen haben mag, aber ich bin mir sicher, dass auch vor 1900 Vermögen weitergereicht wurden; das halte ich, wie geschrieben fuer nicht demokratisch, weil ja die Erbnehmer in aller Regel nichts fuer die Gesellschaft erwirkt haben. Und ich kann keine *Gleichheit* erkennen, wenn ein neuer Erdenbuerger schon als Millionär zur Welt kommt, im Gegensatz zu den vielen nicht vom Erblasser Beguenstigten. Nur zur Klarstellung: es geht mir nicht um das Familiengeschirr oder um das Einfamilienhaus, das vererbt werden soll, sondern um Länder und Fabriken und Aktien.

      mfG

  6. jetzt weiß ich warum es keine Laternen mehr gibt, die man so einfach erreichen kann… Danke an die Autorin für diesen Beitrag. Der Kunstraub in Dresden, eine Tragödie, für wen wohl? Die Sachsen lieben "Ihr" Grünes Gewölbe und mussten für jeden Eintritt bezahlen, ob wohl es doch "Ihre" Kunstschätze sind, wie nun die Politiker schnell wieder betonen. Was für mich nur klingt: Tja dumm gelaufen liebe Sachsen, nun müsst ihr wieder bluten… unglaublich!

  7. Vielen Dank, Dagmar Henn!
    Was mir spontan zu Ihrem Artikel einfällt, ist dieses Erbrecht, das Menschen/Erbnehmer beguenstigt, die nicht das Geringste fuer die Gesellschaft geleistet haben, ausser der Bereitstellung ihrer Adern, durch die nun *blaues blut* fliessen darf. Welch ein Anachonismus! Jeder einfache Arbeiter leistet ein Vielfaches fuer die Gesellschaft.
    Das Erbrecht ist EINE Grundlage fuer die immer weiter fortschreitende Bereicherung der von Anfang an Bevorteilten in der Gesellschaft. Ich denke hier z.B. an die Quandt's, die wie im Artikel beschrieben als Nazi-Nutzniesser "ihr" Geld machten und den Kindern vererbten, auch ohne blaues Blut. In der Wikipedia lesen wir dazu:
    " In der Zeit des Nationalsozialismus vermehrte und vergrößerte Günther Quandt den Familienbesitz teils auf Kosten unrechtmäßig enteigneter, meist jüdischer Konkurrenten und wurde zu einem großen Produzenten von Rüstungs- und Industriegütern im Dritten Reich. Die Quandts profitierten im Zweiten Weltkrieg vom Zwangsarbeitereinsatz in ihren Fabriken."
    Um aber bei den Blaubluetern zu bleiben, so fällt mir noch dieser Blitzmerker ein, der kurz vor dem Ende des 2.WK den Gröfaz in die Luft sprengen wollte. Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg, so sein voller Name, aber leider neben dem Blitzmerken auch noch unfähig seinen Entschluss in die Tat umzusetzen. Aber dafuer wird er heute als Freiheitsheld verehrt.

    mfG

    • Hog1951, den dummen Spott über Claus Graf Stauffenberg braucht es nicht. Schade genug, dass sich der Gröfaz im Moment der Explosion etwas entfernt hatte. So überlebte er das Attentat und ließ Stauffenberg und etliche andere Adelige aus dem Widerstand hinrichten.

    • Moin, Josef Gabriel Twickel, ja, vielleicht sind die Pferde mit mir durchgegangen! Allerdings ist die Erwähnung und Wuerdigung des Georg Elser so gut wie nie zu lesen im Mainstream, offensichtlich, weil er keinen Titel trug, sondern nur Schreiner war. Das erboste mich und riss mich zu meinem Spott hin.

      mfG

    • Aus meiner Familie hätten vermutlich wesentlich mehr Menschen den Krieg überlebt, wenn der Herr Graf erfolgreich gewesen wäre.

      Und ich komme nicht umhin, dies als vorteilhaft anzusehen. Gewiss nicht; zumal das für sehr viele andere Opfer auch vermutet werden kann.

      Der Graf ist für mich kein Held und immer schon fragte ichmich, warm er es nicht einfach gemacht hat und zur Not mit seinem eigenen Leben dafür eingestanden wäre.

      Aber mir ist jede Arroganz in der Frage fremd, denn ich kann für meinen Teil nicht eindeutig sagen, dass ich mein Leben dafür dran gegeben hätte.

      Und wenn ich unter Umständen auch zu feige gewesen wäre, steht mir der Spott für andere, die möglicherweise zu feige waren, nicht gut zu Gesicht.

      Oder war die Bombe doch sabbotiert worden wie so manche spekulieren?

    • Nocheinmal zu Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg.

      Sein Versuch, Hitler zu beseitigen fand statt nach der Niederlage der Deutschen um die Schlacht um Stalingrad. Dieser von Stauffenberg war alles andere als ein Gegner des Natinalsozialismus, sondern war im Wesentlichen besorgt um seinen Stand. Dass er abwartete bis die Rote Armee die Befreiung Europas in die Hand nahm, ist Ausdruck dieser Haltung, noch die eigene Haut zu retten, bevor die SU Europa uebernehmen wuerde.
      Der Schwur der Verschwörer um Stauffenberg lautete:

      „Wir bekennen uns im Geist und in der Tat zu den großen Überlieferungen unseres Volkes, die durch die Verschmelzung hellenischer und christlicher Ursprünge in germanischem Wesen das abendländische Menschentum schufen. Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt, verachten aber die Gleichheitslüge und fordern die Anerkennung der naturgegebenen Ränge. Wir wollen ein Volk, das in der Erde der Heimat verwurzelt den natürlichen Mächten nahebleibt, das im Wirken in den gegebenen Lebenskreisen sein Glück und sein Genüge findet und in freiem Stolze die niederen Triebe des Neides und der Mißgunst überwindet.“ (aus Wikipedia)

      Im Gegensatz dazu hat der Schreiner Georg Elser schon am 8. Nov. 1939 die schändliche Politik der Faschisten erkannt und gehandelt. Leider ohne Erfolg.

      Wenn heute aber Stauffenberg als der Freiheitsheld gefeiert wird, so liegt das m.M.n. auf der gleichen Ebene wie man heute die USA als die Nazibefreier abfeiert und nicht die Sowjetunion, sondern letztere eher versucht aussenvor zulassen.

      mfG

    • Ja, Hog, jammerschade, dass Georg Elsers Dynamitladung 1939 13 Minuten zu spät explodierte. Welche Geister wohl immer wieder ihre schützende Hand über Hitler gehalten haben ?
      Wikipedia berichtet wenigstens anständig über Georg Elser https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Elser

  8. Frau Dagmar Henns „Umwälzung der (Geschichts-)Wissenschaften“ – oder das erbärmliche „Milchmädchen-Geschichtsverständnis“ der sog. „Linken“.
    Wir nannten das früher wohl „linkes Sektierertum“.
    Dieses „wie aus der Zeit gefallene“, seltsam anmutende, vor allem demagogische Elaborat auseinander zu nehmen, würde hier den Rahmen sprengen – daher nur einige Anmerkungen.

    Der alte Marx verfaßte wesentlich Teile seines Werkes auf Grundlage eines, wir möchten sagen, „angelsächsisch“ geprägten Kapitalismus – besser bekannt in Verbindung mit der Stadt Manchester. Und er soll dazu bemerkte haben, man solle nicht darauf vertrauen, daß es hier (d.h. in damals deutschen Landen) noch nicht so schlimm sei.
    Die Briten hatten natürlich, was ihre „demokratische“ Entwicklung betrifft, einige Besonderheiten, wie im Übrigen JEDER europäische Nationalstaat, was dieses permanente, auch hier anklingende, Geschwätz vom „deutschen Sonderweg“ ad absurdum führt, zumal uns noch niemand die elementare Voraussetzung für die These eines Sonderweges beschreiben konnte – nämlich die eines solchen – dann normalen, typischen – Weges.
    Was die Briten angeht, nun sie hatten da z.B. insoweit etwas „Glück“, als daß sich der englische Hochadel, der „Träger“ der „Fürstenherrschaft“, im Verlauf der sog. Rosenkriege (15. Jh.) nahezu vollständig selbst ausrottete. Aber das ist sicher nur ein „Moment der Geschichte“.

    Von der „Bismarckschen Sozialgesetzgebung“ „zehren“ wir noch heute, und die Briten sahen sich erst mit Beginn des 20. Jh. zu ähnlichen Schritten genötigt.
    Dessen ungeachtet ist es gerade die, eng mit dem „angelsächsisch“ geprägten Kapitalismus verbundene, Ideenwelt des marktradikalen Liberalismus, die weltweit aus bekannt Gründen zur Vorherrschaft gelangte, welche uns heute diese, auf den alten Bismarck zurückgehende Sozialgesetzgebung, wider aller ökonomischer Vernunft, zu zerschlagen trachtet.

    Was „die Hektoliter Blut“ angeht, nun wir sind uns sicher, das sich die europäischen Nationalstaaten, jedenfalls bis einschließlich der 20iger Jahre des 20. Jh., da absolut nichts schuldig geblieben sind, zumal der Umstand immer wieder „übersehen“ wird, daß Briten, Franzosen und Spanier etc. ihre diesbezüglichen Aktivitäten doch recht früh in anderen Kontinenten „auslagerten“ und dort auch recht frei auslebten, – ganz abgesehen davon, daß eine „Kopfgeburt“ der „französischen Revolution“ in Moskau mittels Blumengebinden und Kirchengesängen einmarschiert sei, wäre uns dann auch völlig neu.

    Nun halten wir von einer unkritischen Glorifizierung eines Friedrich II., König von Preußen, aus dem Hause Hohenzollern auch nicht viel, allerdings wüßten wir nicht, inwiefern man ihn für die Verfehlungen seiner ferneren Nachkommen verantwortlich machen könnte – es ist schlicht eine abgrundtiefe Dummheit, „Zivilisation“ außerhalb von „Geschichte“ ausschließlich vom Standpunkt der Gegenwart aus zu beurteilen.

    Besagter Friedrich soll 6 Tage nach seiner Inthronisation die Folter abgeschafft haben – mit der Begründung, selbige sei „eines Staates unwürdig“.
    Allein dafür gebührte ihm der Beiname „Der Große“ – das ist europäische Aufklärung.

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    • "Nun halten wir von einer unkritischen Glorifizierung eines Friedrich II., König von Preußen, aus dem Hause Hohenzollern auch nicht viel, allerdings wüßten wir nicht, inwiefern man ihn für die Verfehlungen seiner ferneren Nachkommen verantwortlich machen könnte …." Wer ist "wir" und "man"?

    • Es ist eine "abgrundtiefe Dummheit" als Untertan, die Welt aus der Sicht des Adels zu betrachten. Friedrich II soll 6 Tage gebraucht haben, um die unmenschlichen Quälereien mittels Folter an seinen Untertanen abzuschaffen. Unglaublich!

    • "…es ist schlicht eine abgrundtiefe Dummheit, „Zivilisation“ außerhalb von „Geschichte“ ausschließlich vom Standpunkt der Gegenwart aus zu beurteilen…" So gut hätte ich es nicht sagen können. Danke, Humml !

      Das heißt nun im vorliegenden Fall nicht, dass ich sagen will, dass adeliger Besitz, adelige Privilegien, adelige Grausamkeit in den vergangenen Jahrhunderten und heute – sofern noch vorhanden – toll und fraglos in Ordnung waren und sind. Das hat schon Jesus klipp und klar gesagt.

      Es heißt aber, dass das Lauf der Weltgeschichte ist, soweit wir sie überblicken, dass die Reichen und Mächtigen sich immer rücksichtslos Besitz und Privilegien aneignen und brutale Gewalt ausüben, auch heute, wo es weitgehend nicht mehr Adelige sind. Ohne Adelsherrschaft ist es nicht besser geworden. Keinen Deut.

      Die Demokratie ist weiter weg als je und die heutigen Herrscher foltern, solange es ihnen nützt. Und Jesus wartet immer noch darauf, dass wir ihm nachfolgen.

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