Tagesdosis 25.6.2018 – Freibrief für Kinderdroge Ritalin

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Im hochtechnisierten Spätkapitalismus des 21. Jahrhunderts regiert der Stress. Schneller, höher, besser lautet die Devise für moderne Statusakrobaten. Perfekt funktionieren sollen sie als produktiver Teil der ratternden Profitmaschine. Versagen? Gibt´s nicht. Pillen sollen störende Kinder ruhigstellen und integrieren.

Sie sind überfordert von wachsenden Anforderungen, zappeln herum oder träumen, können oder wollen sich nicht im Schulunterricht konzentrieren. Sie passen schlicht nicht ins Schema dessen, was die Gesellschaft für akzeptabel befunden hat: Die Diagnose ADHS – sprich: Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung – ist schnell gefällt. Derart psychiatrisch kategorisierte Kinder sollen in Deutschland nun noch schneller mit dem Wirkstoff Methylphenidat behandelt werden. Das empfiehlt eine neue Leitlinie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim. Bekannt ist die Droge unter dem Namen Ritalin.

Inmitten der Hysterie um die Fußball-WM ging die Meldung am Wochenende bei Tagesschau und Co. fast unter. Die Auswertung der aktuellen Datenlage habe gezeigt, »dass die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie auf die Kernsymptome der ADHS nicht sicher belegt ist«, zitierten die Medien dazu Tobias Banaschewski vom herausgebenden Institut. Er plädierte dafür, künftig auch Kinder mit einer diagnostizierten mittelschweren ADHS mit Ritalin zu behandeln. Bisher empfahl das Institut dies nur für »schwere Fälle«.

Was Banaschewski verschweigt, eindeutig belegt ist die angebliche Wunderwirkung der Pillen keineswegs. Man weiß, dass Ritalin die Weiterleitung von Signalen durch biochemische Botenstoffe wie Dopamin beschleunigt. Dies sei bei ADHS-Kindern beeinträchtigt, heißt es. Damit wirkt das Medikament ähnlich wie die verbotene Droge Kokain. Kritische Forscher warnen seit langem vor der Gefahr, von Ritalin abhängig zu werden. Wer als Kind mit Ritalin behandelt wurde, könnte später zu Ersatzdrogen greifen.

Der Katalog der Nebenwirkungen der Pillen ist lang: Er reicht von Appetitlosigkeit und Schlafproblemen über Wachstumsstörungen bis hin zu schweren Depressionen beim Absetzen oder Verringern der Dosis. Bis heute weiß man wenig über bleibende Veränderungen im Gehirn durch Methylphenidat. Man ahnt nur, die Persönlichkeit der Betroffenen dürfte sich nachhaltig verändern.

Auch die Diagnose ADHS an sich ist in der Wissenschaft umstritten. Wann ist ein Verhalten normal, wann nicht? In welchem Maße sind frühkindliche Traumata, entwicklungsbedingte Überforderungen, autoritäre oder unsichere Erziehungsstile die Ursache für auffälliges Verhalten? Wo genau sollte eigentlich der Rahmen dafür gesteckt werden? Und vor allem, sollte man Kindern Drogen verabreichen, damit sie innerhalb hoch gesteckter, teils fragwürdiger Anforderungen funktionieren?

Eine 2012 fertiggestellte Langzeitstudie der Universität of British Columbia im kanadischen Vancouver kam  zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass ein Großteil der untersuchten ADHS-Fälle – das waren fast eine Million – falsch diagnostiziert wurde. Auf Überforderung und Unreife basierendes Verhalten teils sehr junger Kinder sei zu Hauf irrtümlich als krank eingestuft und medikamentös behandelt worden, so Autor Richard Morrow.

Fakt ist – was normal ist, bestimmt die Gesellschaft. Schaut man auf den Globus mit seinen real existierenden Finanzmärkten, extremem Raubbau an Naturressourcen, Ausbeutung und Hunger auf der einen, sowie exorbitantem Überfluss inklusive der Vernichtung neuwertiger Waren und Nahrungsmittel auf der anderen Seite, erscheint die all dies duldende Gesellschaft nicht besonders gesund zu sein.

Wo Eltern Angst vor der Zukunft haben und immer schneller im Hamsterrad der Konkurrenz am Lohnarbeitsmarkt laufen, übertragen sie ohne Zweifel ihre eigene Zukunftsängste und den ständigen Druck, dem sie selbst ausgesetzt sind, auf ihre Kinder. Wo also verläuft die Grenze zwischen Norm und Krankheit?

Vermutlich hat da die mächtige Pharmaindustrie ein gewaltiges Wörtchen mitzureden. Die dürfte sich auf jeden Fall über die neue Richtlinie freuen. Denn während in den USA nach wie vor Ritalin massenhaft an Kinder verabreicht wird, scheint der Boom in Deutschland seit 2013 vorüber zu sein. 2012 kauften die Apotheken laut dem Wissenschaftsverlag »Konradin Medien GmbH« mehr als 1.800 Kilogramm davon ein. Im Jahr darauf sank der Ritalin-Verbrauch in Deutschland erstmals um zwei Prozent. Dieser Trend  hält an.

Will sich nun ein Zweig des Großkapitals ein paar Sonderprofite sichern? Und gleich noch die zweite Fliege im Sinne der Herrschenden mit einer Klappe schlagen, die medikamentöse Zwangsintegration künftiger Lohnsklaven? Grundsätzlich, und das wissen wir aus der Geschichte, ist dem Großkapital und seinen Staaten alles zuzutrauen. Wer für Profite über zerbombte und verhungerte Kinderleichen geht, macht auch vor den kleinen Menschen in den Industrie-Imperien nicht halt. Hauptsache die Gewinne sprudeln.

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20 Kommentare zu: “Tagesdosis 25.6.2018 – Freibrief für Kinderdroge Ritalin

  1. Als ADHS-Betroffene kommt hier meine sehr wütende Kritik an dem Artikel von Susan Bonat zu ADHS:
    Wenn eine Journalistin den Kapitalismus kritisieren möchte, kann sie das gerne in entsprechenden Medien tun – persönlich habe ich da auch meine Probleme mit Bonat, doch ich muss ihre Meinung weder teilen noch konsumieren.

    Wenn eine Anitkapitalistin sich aber mit medizinischen und einseitig angelesenen Halbwahrheiten öffentlich dazu äußert, dann ist das für Betroffene ein Schlag ins Gesicht und zudem gemeingefährlich. Ich kritisiere hier auch KenFM, dass ein medizinisches Thema von einer dahingehend uninformierten Journalistin politisiert werden darf, das finde ich an dieser Stelle unprofessionell.

    Bonat meint in einem Satz, dass MPH süchtig mache und bezeichnet es als Droge ( bitte dazu den Begriff Droge nochmal recherchieren!), andererseits stellt sie fest, dass die Verschreibungszahlen zurück gehen: möglicherweise macht es nicht süchtig, sonst würden die Zahlen steigen!

    Wie hier auch in anderen Kommentaren erwähnt: MPH wirkt weder aufputschend noch sedierend und es wirkt nur bei vorhandener Pathologie. Bonat hat offensichtlich nicht recherchiert, wie Betroffene zu der Diagnose und den Rezepten kommen, dann wüßte sie, dass weder das eine noch das andere leichtfertig verteilt werden und regelmäßige Untersuchungen gefordert werden, um den Einsatz des Medikaments zu prüfen.

    Bei mir wurde ADHS im Erwachsenenalter festgestellt und es wäre mir (und meinen Eltern) viel erspart geblieben, wenn diese Diagnose schon zu meiner Kindheit „in Mode“ gekommen wäre. Beruflich bin ich jetzt im pädagogischen Bereich tätig und es ist unerträglich, wenn einseitig informierte Eltern ihren Kindern bei vorliegender ADS/ADHS wirksame Medikamente verweigern, weil sie die Pathologie nicht anerkennen. Depressionen werden doch auch behandelt, warum nicht ADS/ADHS? Und dass eine unerkannte ADS/ADHS zu Depressionen und Drogenabhängigkeit führen kann, vergießt Bonat auch zu recherchieren. Betroffene verzweifeln nämlich oft an ihren Symptomen und sedieren sich mit Cannabis und/oder Alkohol, bis jede Hilfe zu spät ist.

    Für Interessierte empfehle ich untenstehende Links und meine Bitte: glaubt nicht jeden Müll, der über ADHS verbreitet wird, damit ist den Betroffenen nicht geholfen:

    https://m.youtube.com/watch?v=46aNUfINH_k

    http://www.adhs-deutschland.de/Home.aspx

  2. Hallo! Danke Frau Bonath!
    Das ist ein Thema, was sich auf alle Bereiche unseres Konsums übertragen lässt. Es wird ein Bedarf erzeugt (Trend, Mode, Seuchen usw.) und dann kommt das Produkt. Aber zu allererst kommen wir ins Spiel. Wir, die wegen jedem Kram nach eigenem Sündenfall nach dem Arzt, Impfen, Pillen, Wunderdiäten und Säftchen brüllen, statt einmal das Gehirn ein- und die Gier auszuschalten. Vieles macht krank. Vieles davon schaufeln wir in uns rein, was uns erst krank macht und machen soll, denn wir sind ja Kunden…Niemand muss den weißen Heiligen auf den Leim gehen (ja es gibt natürlich auch gute Ärzte). Niemand muss glauben was Werbungen versprechen. Niemand wird gezwungen den Supermarkt leer zu kaufen, tonnenweise Ekelfleisch- und Milchprodukte dauerschwangerer Tiermütter ins sich rein zu stopfen, bis der Arzt ran muss. Niemand muss in geradezu religiösem Fanatismus Nadeln und Pillen in seine Kinder und sich selbst stecken und Subtanzen fragwürdigstem Nutzen hereinbitten, die angeblich schützen. Vor Krankheiten, die es in Zeiten bitterster Armut, Kriegen und schlechten Lebensbedingungen mal gegeben haben kann. Oder erst gerade frisch erfunden wurden, um dem schon vorhandenem Stoff Absatz zu bescheren! Aber wer hier fragt, ist verdächtig ein Gotteslästerer zu sein. Schweine-, neu die Wildschweine-, Geflügel-, samt Rinderepidemien sollten uns schon lange dahingerafft haben. Liebe Leute! Wer ist hier der Depp? Wir, da wir uns alles erzählen lassen, uns einschüchtern lassen, Götzen anbeten und aufgehört haben zu denken. Die Politik ist hier weniger gefragt, als unser Verstand, da Politiker zumeist im Verdauungstrakt ihrer Alphatiere schlummern. Geht halt nicht hin und lasst euch den Dreck nicht andrehen, kämpft für eine Schule, die den Namen verdient und keine Fässer – unsere Kinder – abzufüllen gedenkt mit unausgegorenem Leerwissen, die Aufzuchtstätte für Gewinner und Verlierer ist und es sein muss, da sonst die Arbeitssklaven der Zinsschmarotzer fehlen würden. Informiert euch und hört auf zu glauben, zu spalten und in vorgegebenes Gut und Böse zu teilen. Wäre ein Anfang! Nicht das Sinnieren und Meckern ist der Weg, handeln wir und lassen uns nicht mehr für das verkaufen, was wir im Grunde gerne sind, weil es so bequem ist-für dumm! Grüße!

  3. Dies ist der erste Artikel von Susan Bonath, dem ich 100% ig zustimmen kann und erfreut darüber bin, dass die Krake Pharma hier endlich einmal ins kritische Licht gerückt wird, wenigstens erst einmal mit EINEM ihrer verheerenden Produkte. Die meisten Menschen wissen immer noch nicht, wie oft es sich heute um „Designer-Krankheiten“ handelt und glauben wahrscheinlich auch hier, das sei nur eine der vielen „Verschwörungstheorien“. Viele neue Krankheiten sind erst im nachhinein möglichst passend zu den chemischen Substanzen, die laufend in den Labors erprobt werden und in Tierversuchen getestet werden, designed worden. Der ganze Aufwand muss sich ja schließlich auch lohnen!
    Anstatt die gesellschaftlich und zivilisatorisch bedingten Krankheitserscheinungen bis auf ihren Ursprung hin zu analysieren und von dort her Lösungen zu suchen, werden sie durch giftige Chemische Substanzen oberflächlich verdeckt und nachhaltig verschlimmert. Dieses Prinzip ist der gesamten sog. „Humanmedizin“ zu eigen. Das Prinzip der Symptomüberdeckung, was das Gegenteil von echter Heilung ist. Ich verstehe schon lange nicht, dass so viele derjenigen, die in Bezug auf das direkte Politikgeschehen so kritisch und informiert sind, in Bezug auf die Medizin und die Pharma immer noch so gläubig sein können und sich so vertrauensvoll von ihr behandeln lassen.
    Ich hoffe schon lange, dass endlich einmal mehr Menschen aufwachen und hinter die Kulisse dieser wahnsinnig verlogenen Profitmaschinerie Pharma kombiniert mit der „Schulmedizin“ blicken. Bei dem Denken, das hinter dem grenzenlosen Machbarkeitswahn der modernen Medizin steckt, tritt wahrscheinlich am deutlichsten zutage, wie die Menschheit gelernt hat, ihre eitel gezüchtete Ignoranz gegenüber der Natur immer noch weiter auszubauen.

  4. ADS ist ein sehr leidiges Thema und die Meinungsverteilung in der Gesellschaft ist, je nach sozialem Umfeld, recht einstimmig. Ich bin 44 Jahre alt und bei mir wurde vor 20 Jahren ADS festgestellt (ADS ist KEINE Krankheit!). Mir wurde sehr schnell klar, warum meine Kindheit etwas merkwürdig verlief. Ich bin aber, anders als viele bei denen die Diagnose gestellt wird, nicht hyperaktiv. Hyperaktivität und ADS gehören nicht zwingend zusammen. Sicher wäre mein Leben etwas anders verlaufen, wenn ich die Diagnose etwa 20 Jahre früher bekommen hätte, da waren aber die Umstände, warum manche (sehr sehr wenige) Menschen, etwas anders funktionieren als andere.
    Natürlich wird ADHS sehr gerne diagnostiziert, wenn Kinder sich anders verhalten. Das ist selbstverständlich eine fatale Entwicklung ein Kind, das eh schon hyperaktiv ist, mit Ritalin zu „behandeln“ und diese Hyperaktivität noch an zu feuern. Als ich nach etwa einem halben Jahr Ritalin verschrieben bekommen habe, hielt ich es zuerst für ein Placebo, da einfach gar nichts passiert ist. Ich war nicht wacher als sonst, ich war nicht auf einmal aufgedreht und schon gar nicht hatte ich das Gefühl nun in eine Abhängigkeit zu geraten. Nach drei Jahren war die Behandlung mit Ritalin auch vorbei, da ich mich eigenständig in den Zustand versetzen konnte mich nicht von allem ablenken zu lassen.
    Ich kann nicht behaupten dass mich Ritalin für das hochtechnologische und leitungsorientierte Wirtschaftsleben erfolgreicher gemacht hat, im Gegenteil. Ritalin war nie als das konzipiert worden, für was es verwendet wird. Darum musste ich es auch selbst bezahlen und hatte viel Spaß damit, mit einem BTM Rezept diverse Apotheken auf zu suchen.
    Zu der Zeit als bei mir ADS diagnostiziert wurde, konnte so gut wie niemand etwas damit anfangen und ich hätte mir gewünscht dass das so bleibt. Die Reaktion auf meine Beschreibung was bei mir anders ist war meistens der Kommentar “ evtl. habe ich ja auch ein bisschen ADS“ und meine Antwort war grundsätzlich: „Ich denke nicht“. Leider wurde die Diagnose danach zur Modediagnose. Ich habe mitbekommen, dass sich unsere Mainstream Medien auf dieses Thema gestürzt haben. „Da gibt es Eltern die ihren verhaltensauffälligen Kinder Drogen verabreichen?? Wie abscheulich!!! Die sollen erstmal lernen wie man Kinder erzieht“ das war der beliebte Tenor der Medien wenn es um ADHS ging. Verkauft sich auch toll so eine Schlagzeile. Was für eine perfide Welt in der wir unseren Kindern Drogen geben, damit sie „funktionieren“. Das war dann auch der Zeitpunkt, dass mich die öffentliche Meinung zu dem Thema nicht mehr interessiert hat. Leider habe ich nun diesen Artikel gelesen, der so gut wie alle stereotypen hervorkramt, die es zu dem Thema gibt.
    Ich möchte nicht bestreiten, dass speziell die Psychologie dazu verwendet wird, die Patienten zu gut funktionierenden Leistungsmaschinen zu machen. In meinem Fall trifft dies aber nicht zu.

    • Ich denke dass genau diese Fehlentwicklungen der G. durch chemische Waffen wie Ritalin o.ä. eine ist, am Leben erhalten werden. von beseitigen kann keine Rede sein. es wird zumindest versucht…

  5. Hier ein paar gute Buchtipps, nicht zu Ritalin und ADHS selbst, aber dazu, was Kinder wirklich brauchen:

    * Warum Huckleberry Finn nicht süchtig wurde: Anstiftung gegen Sucht und Selbstzerstörung bei Kindern und Jugendlichen
    von Eckhard Schiffer
    * Wie Gesundheit entsteht: Salutogenese: Schatzsuche statt Fehlerfahndung – von Eckhard Schiffer

    Ich bin selbst Lehrerin und habe sehr viel aus diesen beiden Büchern schöpfen können. Allein der Ansatz „Schatzsuche statt Fehlerfahndung“ ist Gold wert – sich nicht auf das fokussieren, wo die Kinder „nicht stimmen“, sondern auf das, wo sie leuchten!

    Das grundsätzlich Kranke an der Schulbildung ist, dass den Kindern etwas „eingetrichtert“ werden soll, damit sie sich später im kapitalistischen Wirtschaftsleben nützlich machen können. So kann Schule weder erziehen noch bilden. Im Idealfall unterstützt Schule die Kinder in ihrer Entwicklung, wie das – zumindest theoretisch – an Waldorfschulen gemacht wird. Da wird nicht danach gefragt, was bis zum Hauptschulabschluss / zur Mittleren Reife / zum Abitur in die Kinder an Wissen hineingeschüttet werden muss (damit es später „funktioniert“), sondern was das Kind in den entsprechenden Altersstufen an Schulstoff braucht, um in seiner Entwicklung unterstützt zu werden – und danach orientiert sich der Lehrplan. Dass dies ein oft unerreichtes Ideal ist, dass auch Lehrer in Waldorfschulen überfordert sind, dass auch Kinder dort Ritalin bekommen, ist traurig, aber wahr – widerlegt jedoch nicht das grundsätzlich Richtige dieses Ansatzes.

  6. Was ist das denn für ein unsachliches Geschreibsel? Allein schon, dass ein für viele Kinder sehr hilfreiches Medikament als Droge bezeichnet wird, zeigt schon, dass hier Stimmung gemacht werden soll, anstatt sachlich zu argumentieren. Auch die Formulierung „ruhigstellen“ ist unangebracht, da keinerlei Sedierung stattfindet.

    In der Tat wird ADHS von vielen Ärzten zu häufig diagnostiziert (von manchen auch zu selten), und dass die Anforderung an Kinder in zunehmendem Maße zu hoch sind, stimmt sicher auch. Daran ist aber nicht das Medikament schuld.

    Dass Methylphenidat ähnlich wie Kokain wirkt, ist nur halb richtig (und Halbwahrheiten sind – wie uns die alternativen Medien lehren – die schlimmsten Lügen). Bei Menschen mit ADHS führt Kokain ebenfalls zu einer Verbesserung der Selbstkontrolle, und damit auch zu einer besseren Konzentrationsfähigkeit. Methylphenidat führt aber zu keinerlei Rauschzuständen und hat nicht die schädlichen Wirkungen von Kokain. Das ist auch mit ein Grund, warum eine medikamentöse ADHS-Therapie das Risiko drogenabhängig zu werden drastisch senkt – und nicht etwa erhöht, wie Frau Bonath das ohne jeden Beleg herbeifantasiert. Das Medikament selbst macht auch nicht abhängig – im Gegenteil. Oft wollen Menschen, die es längere Zeit einnehmen, von sich aus die Dosis reduzieren, da durch einen im Lauf der Zeit reduzierten Schweregrad die optimale Dosis entsprechend sinkt und eine zu hohe Dosis typischerweise als unangenehm empfunden wird.

    Dass die Wirkung nicht eindeutig belegt sei, ist schlicht gelogen. Klar gibt es Leute, die daran zweifeln, es gibt auch Leute die daran zweifeln, dass die Erde rund ist. Egal wie gut etwas wissenschaftlich belegt ist, es finden sich immer „Fach“leute, die daran zweifeln. Dass die Weiterleitung von Botenstoffen bei Menschen mit ADHS beeinträchtigt ist, ist auch keine bloße Vermutung, dies lässt sich mittlerweile mit bildgebenden Verfahren nachweisen.

    Die einzige häufige Nebenwirkung, die nicht schnell wieder abklingt, ist Apetitlosigkeit. Und wenn die Eltern sich dann nicht darum kümmern, dass ihr Kind trotzdem genug isst, dann wächst es halt 1-2 cm weniger. Die übrigen Nebenwirkungen treten typischerweise bei zu hoher Dosierung auf. Und bei zu hoher Dosierung ist alles schädlich, selbst Wasser. Methylphenidat ist auf jeden Fall wesentlich ungefährlicher als z.B. Aspirin.

    Menschen mit ADHS sind anfälliger für psychische Erkrankungen wie Depressionen. Eine schlimmstenfalls lebenslange medikamentöse Behandlung solcher Folgeerkrankungen wäre für die achso böse Pharmaindustrie sicher lukrativer als ein paar Jahre Behandlung mit dem vergleichweise billigen Methylphenidat. Dass der Verkauf von Ritalin zurückgeht, liegt wahrscheinlich daran, dass es mittlerweile Generika mit demselben Wirkstoff von Konkurrenzfirmen gibt.

    Die Kriterien für Normalität und damit auch die Diangnosekriterien für ADHS sind zu Recht umstritten, die Diagnose ADHS an sich aber nicht. Überhaupt wird in diesem Artikel absolut berechtigte Gesellschaftskritik mit grob unsachlicher Kritik an einem Medikament vermischt, das richtig(!) angewendet sehr nützlich ist.

    P.S.: Sehr schön wäre zu dem Thema ein Interview oder gar eine Debatte mit Leuten, die vom Thema mehr Ahnung haben, als Frau Bonath, oder die selbst betroffen sind.

    • Moin, Pingu, schreibt hier der Schulmediziner? Auf jeden Fall liest es sich so!

      Nur ein Kranker verschafft der Pharmaindustrie Profite! Daran lässt sich nicht ruetteln. Es gibt Beispiele, wie die Absenkung der Blutdruckwerte: galten zu meiner Jugend noch Werte wie 100 plus Alter fuer den oberen Wert, so gilt heute maximal 140 fuer besagten Wert. Oder die Luege um die angeblich zu hohen Cholesterinwerte bei manchen Menschen, schaffen zusätzliche Profite fuer die Pharmaindustrie.
      Und nun hat man eine neue und viel juengere „Risiko“gruppe entdeckt, die es abzugrasen gilt.
      Schueler und Kinder in meiner Jugendzeit, die irgendwie auffällig wurden kamen auf die Pestalozzischule. Das war wahrlich nicht das Allerbeste, aber es gab eine spezielle Förderung fuer diese Kinder. Ich kann mir denken, dass man heute bessere Möglichkeiten der Förderung hätte als in der damaligen sozial geächteten „Doof“schule.
      Aber nein, das kostet ja zuviel Geld. Da ist es ratsamer die Kinder mit Gift vollzupumpen, um sie ruhig zu stellen.
      Ausserdem wäre es interessant zu erfahren, was Pingu zu dem gesellschaftlichen Aspekt der Verhaltensauffälligkeit der Kinder zu sagen hat?
      Kurz noch zu Ritalin: Ich kann mir vorstellen, dass Ritalin bei besonders schweren Fällen unterstuetzend wirken kann, doch nicht so, wie es von der Pharmaindustrie im Verbund mit Medizinern und Psychologen als „Giesskanne“ verabreicht werden soll um gesellschaftliche Misstände zu reparieren.

    • Vielen Dank für die Antwort!
      Ich wollte gerade loslegen und eine vergleichbare Antwort schreiben, … , und ich habe Ahnung vom Thema, … , immerhin bin ich Arzt und Psychotherapeut (GOG) und ausgebildet in der Diagnostik des AD(H)S im Erwachsenenalter (das H steht in Klammern, weil nicht alle ADS-Patienten hyperaktiv sind!).
      Vielleicht noch so viel:
      Psychopathologisch handelt es sich um eine Störung des Außenfilters der Wahrnehmung. Die Patienten sind z. B. nicht in der Lage in einem Raum in dem sich mehr als zwei Menschen unterhalten nur einer Unterhaltung zu folgen, … , auch nicht wenn es das Gespräch mit der Person genau gegenüber ist! Damit werden extrem viele Lebenssituationen für AD(H)S-Patienten unglaublich schwer, … , und die Diagnostik beim Erwachsenen relativ einfach. Mit Methylphenidat (Ritalin© und Generika) wird psychopharmakologisch schlicht der Außenfilter wieder aktiviert. Von Patienten mit AD(H)S wird das als neue Erfahrung und große Erleichterung beschrieben. In der Regel ist eine psychotherapeutische Begleitung notwendig um die neuen Erfahrungen verarbeiten zu können. Nebenbei, … , die hier beschriebene Wirkung von Methylphenidat gibt es nur bei sicher nachgewiesenem AD(H)S und jeder andere Behandlungsansatz mit Methylphenidat ist kontraindiziert.
      Es gab Versuche der Uni Basel Kokainsüchtige mit Ritalin zu substituieren. Die Idee dabei war, dass Menschen mit vorwiegendem Kokainkonsum vielleicht ein nicht diagnostiziertes AD(H)S in Eigenregie behandeln. Das Programm hieß ‚Ritalin statt Kokain‘. Wie schon beschrieben verursacht Methylphenidat aber keinen Rausch, weswegen alle Kokainsüchtigen Beikonsum hatten. Entsprechend wurden die Programme sehr schnell wieder eingestellt. Ich habe die Leiter der begleitenden Studien auf einem DGPPN-Kongress gehört. Es gab keine neuen Versuche der Substitution.
      Ich kann mich also der inhaltlichen Kritik nur anschließen und bitte bei solchen Themen um bessere Recherche.
      Der Gesellschaftskritik von Frau Bonath kann ich dann wieder sehr gut folgen.

    • Ich hatte ähnliche unschöne Dinge zu den ADHS Medikamenten schon vor einigen Jahren gelesen. Seitdem hatte ich mit zwei Pärchen Kontakt, die jeweils ein Kind damit behandelten.
      Natürlich versuchte ich vorsichtig, mein gewonnenes Wissen an diese Eltern weiterzugeben, die auch durchaus interessiert waren. Das Ergebnis war jedoch ernüchternd.
      Beide Familien waren nicht (mehr) in der Lage, das Medikament abzusetzen.

      Im ersten Fall war die ehrliche Antwort: Wir haben es versucht, aber ohne das Medikament ist er durchschnittlich zwei Noten schlechter in der Schule.
      Im zweiten Fall ging es nicht, weil es zu den von Fr. Bonath erwähnten Depressionen kam, die bis hin zu extremen Wutanfällen reichten.

      Für mich ist das jedenfalls Droge genug, und mein Kind wird niemals so ein Zeug schlucken.

      Ich höre und lese sehr oft, ein Sachverhalt sei selbstverständlich doch belegt und längst und hinreichend erwiesen, und Zweifler und Verrückte würde es immer geben.
      Für mich ist es dann relativ einfach.
      Gibt es eine breit angelegte, öffentliche Debatte zur besten Sendezeit, und mehrere, wirklich unabhängige Studien, die alle dasselbe Aussagen?
      Oder gibt es doch eher nur eine Meinung, nämlich die derjenigen, die vom Ergebnis profitieren oder zu verlieren haben, und die Möglichkeit haben, ihre Meinung über die Medien zu kommunizieren, während die Verrückten durch alle anderen gestellt werden, die nicht bereit sind, diese Meinung unhinterfragt zu übernehmen?

      Wenn alle Menschen mit abweichender Meinung diffamiert und in einen Topf geworfen werden, anstatt wie es früher mal normal war, vernünftige Diskussionen zu führen und Forschung aus allen Blickwinkeln zu betreiben, dann weiß ich eigentlich alles, was ich für meine Entscheidung brauche.

    • Die Diskussionen hier gehen irgendwie alle am Thema vorbei. Das Problem ist doch: Die Gesellschaft kommt mit einem Kind nicht klar, weil es aus ihrem eng gesetzten Normenrahmen fällt und soll in diesen eingepasst werden.

      Die Fragen sind doch ganz andere: Warum fühlt sich ein Kind in dieser Gesellschaft unwohl, nur, weil es sich nicht so gut wie andere konzentrieren kann? Was hat das mit der gesellschaftlichen (Fehl?)Entwicklung zu tun? Warum darf ein Kind nicht so sein dürfen, wie es ist? Unter welchem Druck stehen Eltern, die darum Angst haben, aus ihrem Kind könne ohne Medikamente ein Versager werden? Warum entwickeln Kinder, die anders funktionieren, in diesem gesellschaftlichen Korsett selbst massive Versagensängste?

      Oder noch primärer: Was passiert eigentlich mit Kindern in Schulen? Welche Aufgaben haben eigentlich diese Bildungsanstalten außer Kindern lesen, schreiben und rechnen beizubringen?

      Hinter allem steht letztlich wirklich eine Frage: Warum bringen wir Kinder medikamentös dazu, auf eine bestimmte Art und Weise zu funktionieren? Und das kann man in jedem Kontext pervers finden.

      Und dazu muss man den gesellschaftlichen Kontext sehen! Also ich finde eher jene nicht gesund, die kein Problem damit haben, sich selbst in diesem spätkapitalistischen Arbeitshaus in steter Konkurrenz zu jedem vermarkten zu müssen. Es ist ja kaum abzustreiten, dass der Funktionsdruck auf das Individuum größer wird. Auch Eltern unterwerfen sich diesem, indem sie von ihren Kindern alles mögliche abverlangen und so Versagensängste produzieren. Und diese Ängste sind ja real. Wer will schon eines Tages im repressiven Hartz-IV-System enden, weil er sich nicht gut genug vermarkten kann?

      Aus meiner Sicht weist die gesamte Entwicklung der Gesellschaft eine sehr starke psychophatische Komponente aus. Überall vollständig individualisierte, zugleich aber vernormte und angepasste, kleine narzisstische Statusakrobaten, die immer unfähiger werden, miteinander zu leben. Und das hat durchaus ihre Ursachen in der Wirtschaftsform, der wir unterworfen sind.

      Und logisch verdient zuerst einmal die Pharmaindustrie daran, massenhaft Medikamente zu verkloppen. Ich erinnere daran: Die Profite der Kapitalisten sind der einzige irrationale Selbstzweck allen Wirtschaftens, nicht etwa die Bedürfnisse. Letztere befriedigen kann ohnehin nur, wer genug Kaufkraft besitzt. Da wir alle von der Produktion leben, ist die Unterwerfung unter diesen Markt zugleich Bedingung für das Überleben der Individuen und das System selbst.

      Es hat also durchaus seinen Grund, Kinder unter die Gesetze des Marktes verhaltenskonform einzufrieden. Und teilweise selbst zu Psychopathen mutierte Eltern und Pädagogen entledigen sich so der sich eigentlich stellenden Aufgabe, dieses System, das die Kinder normen will, zu hinterfragen. Und noch was: Gesund in einem kranken System sind nicht die, die sich vollständig an ein solches angepasst haben. Eher ist es umgekehrt.

    • Ach ja und eins noch: Ich selbst habe es dutzendfach erlebt, dass Lehrer und Schulpädagogen Eltern geradezu nötigen, ihren Kindern Medikamente wie Ritalin oder Medikinet verschreiben zu lassen.

    • Ich gebe Ihnen, Frau Bonath recht, dass die Probleme viel tiefer in unserer Gesellschaft verankert sind. Darum ärgert es mich aber, wenn ich lesen muss, dass ADS eine Designer-Krankheit, eine Erfindung oder gar eine Lüge wäre. Ich halte Dogmatismus grundsätzlich für eine der größten Gefahren der menschlichen Kritikfähigkeit. Die Annahme dass die Gegenteilige Meinung meines erklärten Feindbilds, die richtige Meinung ist, kann keine Meinung sein. Dass die Psychologie dazu Missbraucht wird aus den Menschen erfolgsadequate Aparate zu machen steht ausser Frage, aber daraus zu folgern dass die Psychologie und Medizin grundsätzlich diesem Zweck dient ist genauso falsch.
      Ich möchte nochmal etwas berichtigen: ADS ist keine Krankheit. Also gibt es hier auch nichts zu heilen. Eine Krankheit ist es nur für die, die darin eine Gefahr für die Konsumkonformität sehen. Auch ist es keine „neue Erfindung“. Diese Andersbegabung war schon immer da. Dass es erst Ende der 70er einen Namen bekommen hat ändert daran auch nichts. Ich bin nicht unglücklich über meine ADS Diagnose. Dogmatismus macht mich dagenen sehr unglücklich.

    • Ich meinte nicht Ihren Beitrag Frau Bonath. Ich nahm Bezug auf andere Kommentare hier. Ich gebe Ihrer Kritik an unserem Schulsystem absolut recht und ich sehe darin auch keinen Dogmatismus. Leider sind einige der Kommentare hier aber ganau davon geprägt. Die KenFM Platform ist für mich eine der wichtigsten Informationswege die ich habe und ich stimme so gut wie allem hier zu, aber dass genau zu dem Thema ADS so viel unqualifiziertes zum Vorschein kommt ist erschreckend. Die „bose Droge Ritalin“-Nummer ist 1:1 das was in den Mainstreammedien zu lesen ist. Eltern geben ihren Kindern Drogen, damit sie Funktionieren. Zu dieser Meinung kann man nur kommen, wenn man mit der Thematik ADS nichts zu tun hat und evtl im Bekanntenkreis Fälle von Pseudo-ADS hat. Die Medienüberflutung führt zu exakt den gleichen Symptomen wie ADS, aber ist eben keine und dann ist auch die Behandlung mit Ritalin komplett falsch. Ich habe mich, gezwungenermaßen sehr viel damit beschäftigt und die Ignoranz wie einige Kommentatoren hierzu Stellung nehmen ist eben dogmatisch. Böse Pharmaindistrie, die eine Krankheit erfindet um mehr Geld zu verdienen, aus Prinzip und andere Möglichkeiten gibt es nicht.
      Es war nicht meine Absicht Sie anzugreifen, Frau Bonath und sollte ich dies doch getan haben möchte ich mich dafür entschuldigen. Ich schätze Ihre Beiträge sehr!

  7. Also zumindest die Wirksamkeit in einem Einzelfall kann ich mit meiner persönlichen Erfahrung „belegen“.
    Ich war nie ein ruhiges oder angepasstes Kind und hatte deshalb einige scheinbare Probleme, die mich aber nie gestört haben. In der Grundschule habe ich gestört und gedacht „Wenn ich in eine weiterführende Schule komme, ändere ich das dann und strenge mich an“. Nur funktionierte das trotz Bemühungen meinerseits nicht. Viel zu verlockend waren die kleinsten Ablenkungen. Klar hat das auch mit dem trockenen, größtenteils unnützen und (mich) unterfordernden Schulstoff zu tun, aber dass ich es trotz eigener Bemühungen nicht geschafft habe, hat mich damals gestört.
    Aufgrund meines „Unsozialen Verhaltens“ war ich damals schon bei einigen Psychotherapeuten gewesen (die abgesehen von einem sehr hohen IQ nichts feststellen konnten). Erst in der sechsten Klasse, hatte einer dieser etwas von ADS gehört und empfahl meinen Eltern mir täglich 2 Tabletten Ritalin zu geben. Er bestand auch darauf, dass diese ebenfalls an Wochenenden eingenommen werden sollten.
    Mein Vater sah dies jedoch überhaupt nicht ein, reduzierte die Dosis auf eine Tablette und auf Schultage. Und siehe da, ich konnte mich konzentrieren, wenn ich es wollte.
    Und wieder hat mein Vater die richtige Entscheidung getroffen und daraufhin die Dosis langsam reduziert. So nahm ich zuerst eine Weile nur eine halbe Tablette täglich um schließlich wieder ganz damit aufzuhören (Zirka 1 Jahr nachdem ich damit begonnen hatte). Die Fähigkeit mich zu konzentrieren blieb erhalten (wenn auch etwas mehr Anstrengung nötig wurde) und soweit es mich angeht habe ich keine negativen Nachwirkungen davon getragen.

    Mehrere Jahre später erfuhr ich von einem Mitschüler, welcher nie wirklich aufgefallen war (im Gegensatz zu mir), welcher 15! Tabletten täglich nehmen „musste“. Und alleine bei dieser Vorstellung bin ich damals bereits fast vom Stuhl gefallen.

    Aber auch wenn ich die Wirkung des Medikaments nicht anzweifle, zweifle ich stark an den Diagnosen der Ärzte und an der Art der Medikation. Das Ziel muss sein den Menschen/Kindern zu ermöglichen diese Fähigkeit kennen zu lernen und höchstens kurzzeitig medikamentös zu helfen. Und mit „Fähigkeit“ meine ich „die Aufmerksamkeit gezielt zu steuern“.
    Weder sollte das Medikament verabreicht werden damit Kinder bessere Noten schreiben, noch damit sie weniger stören.

    • Ich kann aus persönlicher Erfahrung und einigen Berichten von Bekannten bestätigen, dass die Diagnose manchmal stärker von der Wahl des Arztes abhängt, als von der jeweiligen Krankheit.

      Bei der Medikation von ADHS können nach meinem Wissensstand die benötigen Dosierungen individuell stark variieren. Grundsätzlich gilt natürlich, dass man nicht mehr nehmen sollte als nötig. Da sind gerade die Eltern gefragt, die heutzutage oft zu gestresst sind, um genügend Zeit mit ihren Kindern zu verbringen.

  8. Meine und nur diese Kinder (ist schließlich Wettbewerb) sollen es unbedingt einmal besser haben als ich, nicht wahr? Also müssen sie unbedingt schneller laufen.
    Nur die Harten kommen in den Garten. Womit der gemeint sein dürfte, bei dem man nicht vom Baum der Erkenntnis naschen darf.

    Aufzucht und Lese. Gerne auch mit Unterstützung einer Nutzen bringenden Medikation (Gruß an die Pharmalobby, bitte unbedingt weitergeben an die Anteilseigner) oder mit Nachhilfe (weitergeben an Bertelsmann) oder noch mehr Büchern über Lernoptimierung (auch Bertelsmann SE & Co. KGaA). Vielleicht dürfen die Kinder der Kinder einfach nur Kinder sein. Also dann spätestens die Enkel.

    Diese Schimäre hält die Menschen seit Generationen auf Trab, ohne zu wissen wann denn diese wundersame Generation, die die es einmal besser haben wird, kommt.

    Eine Litanei, die ähnlich wie Vermögen, immer weiter vererbt wird.

    Anbei noch ein paar weiterführende links:

    Donnerstag, 27. April 2017, 19:36 Uhr
    ~9 Minuten Lesezeit
    „Willkommen in der Untertanenfabrik!“
    Die ökonomische und ideologische Indienstnahme von Bildung scheint kaum mehr aufhaltbar zu sein.
    von Andreas von Westphalen

    Rund eine halbe Million Schüler aus rund 70 Ländern nahmen 2015 am PISA-Test teil. Die gute Nachricht: Deutschland landete in der oberen Tabellenhälfte. PISA-Spitzenreiter ist Singapur. Gefolgt von Japan und Estland. Bevor man sich aber wahlweise der Erleichterung hingibt oder beim nächsten Test einen Platz an der Tabellenspitze einfordert, sollte man sich vor Augen führen, woher der PISA-Test stammt und was er eigentlich testet.

    Die wirtschaftliche Vermessung der Schule

    Bereits im Jahr 1995 forderte die Weltbank eine „Output-Orientierung“ der Schulen. Dies heißt, „dass die Prioritäten in der Erziehung durch ökonomische Kriterien festgelegt werden, durch festgesetzte Standards und die Messung, ob diese Standards erzielt wurden“. Was also im Klassenzimmer geschieht, soll der Wirtschaftswissenschaftler entscheiden, nicht der Pädagoge.
    https://www.rubikon.news/artikel/willkommen-in-der-untertanenfabrik

    Mittwoch, 06. Dezember 2017, 11:00 Uhr
    ~5 Minuten Lesezeit
    Neoliberalismus macht Schule
    Schulsystem und Unterricht unter wirtschaftlicher Dominanz.
    von Jaqueline Chantalle Müller
    Es gibt LehrerInnen und Eltern, die beklagen, dass an unseren Schulen keine lebenstüchtigen Individualisten, sondern gehorsame Konsumenten ausgebildet werden sollen. Pure Paranoia? Verschwörungstheorie? Mitnichten!
    https://www.rubikon.news/artikel/neoliberalismus-macht-schule

    Naturentfremdung
    Warum wird uns die Natur immer fremder?
    Der Drang der Menschen ins Grüne nimmt ab, das Wissen über Natur ebenso. Sind allein die neuen Medien daran schuld?
    von Juliette Irmer

    Spätestens mit 40 weiß man, dass früher alles besser war: Kinder spielten auf der Straße „Räuber und Gendarm“, bauten Baumhäuser – aus Brettern und Planen, nicht aus Minecraft-Würfeln –, stauten Bäche auf, kamen abends dreckig und mit aufgeschlagenen Knien nach Hause und fielen nach dem „Sandmännchen“ erschöpft ins Bett. Heute verbringen Kinder einen großen Teil ihrer Zeit in Innenräumen und kommen mit Natur kaum noch in Berührung. Das Bild mag überzeichnet sein, der Trend aber scheint eindeutig.
    https://www.spektrum.de/news/natur-entfremdung-kinder-kommen-immer-weniger-in-die-natur/1507953

    Und hier noch:

    KenFM im Gespräch mit: Manfred Spitzer („Cyberkrank!“)

    (…)
    Obwohl das Smartphone gerade mal zehn Jahre auf dem Markt ist, hat es die gesellschaftliche Kommunikation grundlegend verändert. Am massivsten betroffen ist jene Generation, die nie ohne Smartphone leben musste, die rund um die Uhr in Chats festhängt, Selfies postet und das Gefühl hat, 24 Stunden am Tag auf die Community reagieren zu müssen.
    Diese Teenager und jungen Erwachsenen sind regelrecht süchtig nach dem digitalen Kick. Die Folgen dieser Sucht sind mit denen von Kokain vergleichbar. In beiden Fällen wird das identische Belohnungszentrum im menschlichen Gehirn aktiviert.
    https://kenfm.de/manfred-spitzer/

    Mein Haus, mein Auto, mein Partner, mein Kind: https://youtu.be/2T1GOCCaiWA?t=63
    So geht’s. The World is Yours.

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