Tagesdosis 25.7.2017 – Sag mir wo die Fliegen sind (Podcast)

Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

Unlängst fuhren mein Bruder und  ich mit dem Auto bei hochsommerlichem Wetter von Frankfurt am Main  nach Bad Godesberg am Rhein. Auf dem Hinweg hatten wir die Autobahn genommen und waren in kaum zwei Stunden da,  auf dem Rückweg  fuhren wir gemütlich die Landstraßen am Rhein entlang und nur das letzte Stück auf der Autobahn. Bei der Ankunft zeigte ich auf die Windschutzscheibe: “Fällt dir was auf ?” fragte ich. “Erinnerst du dich, wie wir früher im Sommer bei jedem Stopp die Scheibe sauber machen mußten, weil sie voll war mit den Resten von Insekten. Die harten Schwämme dafür gab es an jeder Tankstelle.” Mein Bruder nickte.  Die Scheibe war bis auf drei oder vier winzige schwarze Punkte, die vielleicht einmal Fruchtfliegen gewesen waren, absolut sauber – nach 400 Kilometern, ohne dass wir ein einziges Mal den Scheibenwischer bedient hatten. Mir war das Fehlen von Insektenleichen auf der Windschutzscheibe schon aufgefallen, als ich ein paar Wochen zuvor im Umland von Berlin unterwegs war, ebenfalls bei herrlichem Sommerwetter – und jetzt bei der Fahrt am Rhein, durch den Westerwald und den Taunus dasselbe. Wo sind all die Fliegen, Mücken, Schnaken, Wespen, Hummeln, Käfer geblieben? Ich wusste zwar, dass ein großes Bienensterben im Gange ist, aber dass  diese Vernichtung offenbar auch all die anderen Insekten betrifft, die seit Jahrzehnten an Windschutzscheiben verunfallten,  war mir neu.

Als ich dann die FAZ-Meldung las ”Schleichende Katatstrophe: Bis zu 80% weniger Insekten in Deutschland” fand ich zwar meine Befürchtungen bestätigt – denn nach den Insekten sterben auch die Vögel und damit wären wir einmal mehr bei Rachel Carsons “Silent Spring”, dem Buch das 1962 erstmals auf die katastrophalen Folgen von DDT und anderen Pestiziden aufmerksam machte –  doch wurde dann gleich wieder beruhigt: “Deutsche Leitmedien fallen auf weitgehend grundlagenlose Wahlkampfbehauptung der Grünen herein” schrieb Telepolis und behauptete, dass die Zahl von 80% weniger Insekten zweifelhaft sei, weil ihre keine bundesweite Studie zugrunde läge, sondern nur eine Erhebung von “Freizeitforschern” aus dem Krefelder Raum.
Tatsächlich hatte es deren Forschung, die seit Jahrzehnten die Insektenbestände ermittelt,  im Mai 2017 in das renommierte Fachblatt “Science” gebracht, dem sich nur schwerlich “Wahlkampfbehauptungen” nachsagen lassen. Doch das wird in dem Telepolis-Artikel nicht erwähnt. Stattdessen wird ein “Agrarbiologe” zitiert, der die makellosen Windschutzscheiben im Sommer mit der “besseren Aerodynamik” heutiger Autos erklärt. Ja sauber. Ein zehn Jahre alte VW-Golf ist also so viel aerodynamischer als seine Vorgänger, dass er keiner Fliege mehr etwas zu Leide tut – das ist in  Zeiten des Dieselbetrugs ja endlich mal eine positive Nachricht aus der Autobranche!

Ich halte sie aber für Fake News, denn die Ergebnisse meiner Freizeitforschung im Rheinhessischen und Brandenburgischen sprechen eine eindeutige Sprache – und die hat mit Sicherheit sehr wenig mit “Aerodynamik” und sehr viel mit “Terrakontamination” zu tun.

Das zeigt auch die erschreckende Bilanz, die  das Bundesamt für Naturschutz in seinem jüngsten Agrareport zieht: nicht nur Insekten, sondern nahezu alle Tier- und Pflanzenarten in den Agrarlandschaften sind im Schwinden begriffen. Die Zahl der Wildkräuter im Inneren von Ackerflächen sind  bereits um mehr als 70 Prozent geschrumpft – Bienen, Hummeln & Co. finden nichts mehr zu fressen und gehen ein. Und nach den Insekten, die fast alle unserer Obst-und Gemüsepflanzen bestäuben müssen, folgen die Vögel…und dann bald auch die Menschen. Und selbst eine um 100% optimierte „Aerodynamik“ wird daran nichts ändern.

+++

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

Alle weiteren Beiträge aus der Rubrik „Tagesdosis“ findest Du auf unserer Homepage: hier.

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen

11 Kommentare zu: “Tagesdosis 25.7.2017 – Sag mir wo die Fliegen sind (Podcast)

  1. Objektivität als Kontrollwerkzeug des richtigen Verhaltens

    An diese Stelle möchte ich meine bereits vor Wochen begonnene Beitrags- oder Kommentarserie zur reduzierten Gefühlswelt des heutigen Menschen fortsetzen, denn auch die Umweltverschmutzung und die damit einhergende Artenzerstörung ist eine direkte Folge der Tatsache, daß die meisten Menschen nur noch eine stark eingeschränkte Verbindung mit ihrer inneren Erlebniswelt aufrechterhalten. Bei manchen scheint die Verbindung total durchtrennt zu sein, so daß sie völlig frei von Gewissensbissen und Schuld tun und lassen können, was sie wollen, wobei sie sich den vermeintlich »dummen«, in Wirklichkeit aber noch fühlenden Menschen weit überlegen fühlen und sie daher verachten, verachten müssen.

    In den vorangegangenen Kommentaren habe ich versucht, die weit verbreitete abstrakte Denkweise des heutigen Menschen darzustellen und wie sie dazu führt, daß wir nicht mehr fühlen, worüber wir sprechen und schreiben. Das Bezeichnende an unserer abstrakten Denkweise ist nämlich deren Trennung vom Erlebten. Das muß nicht zwangsläufig so sein, denn – wie der Vergleich mit den Primitiven zeigte – hat Abstraktion den Vorteil, daß Wesentliches auf Begriffe gebracht werden kann und Denkprozesse dadurch verkürzt werden können. Bei den Primitiven geht, wie zuvor ausgeführt, abstraktes Denken nicht mit einer Trennung vom Erlebten einher. Das Erlebte ist für sie selbstverständlich. Außerdem ist ihr Erleben nicht von mangelnder Selbstachtung und fehlendem Respekt für andere gekennzeichnet, im Gegensatz zu unserem Erleben, und das von Geburt an. Weil die Achtung für das Kind und dessen Entwicklung in unserer Gesellscht weit davon entfernt ist, als selbstverständlich betrachtet zu werden, ist leicht nachvollziehbar, warum sich abstraktes Denken als Schutz gegen die Erlebnisse in der Kindheit entwickelt hat: Es verhindert ein Wiedererleben der Verletzungen während der Kindheit.

    Diese Verletzungen abzustreiten oder gar nicht erst zu erwägen stellt ein so weit verbreitetes Phänomen dar, daß es die meisten Menschen gar nicht bermerken und wenn, für völlig normal halten (ist es ja auch: normal = genormt). Der bekannte Verhaltenspsychologe (Behaviorist) Burrhus Frederic Skinner, dessen Erkenntnisse vorwiegend auf Rattenexperimenten beruhen, hat sogar einmal ein Buch geschrieben (ich glaube, das hieß Jenseits von Freiheit und Würde, wenn ich mich recht erinnere), um zu beweisen, daß Würde und Freiheit gar nicht existieren. Das Innere war für ihn tatsächlich der Feind. Noam Chomsky kommentierte, Skinners reduzierendes Denken habe keine Rückendeckung im wirklich Erlebten und bezeichnete Skinners »Wissenschaftlichkeit« deshalb als eine Art Schauspielerei mit Wissenschaft (play acting at science).

    Skinners Denkweise spiegelt genau das, was bereits in der Wissenschaft des 17. Jahrhunderts zur absoluten Voraussetzung wurde: Realität hat objektiv zu sein! Damit wurde die Trennung des abstrakten Denkens vom Erlebten offiziell etabliert (existierte aber schon lange vorher), denn was man nicht sehen und was man nicht messen konnte, gab es auch nicht, konnte und durfte es nicht geben. So wurden natürliche innere seelische Vorgänge als Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung vollkommen ausradiert und unsichtbar gemacht. Man konnte sie nicht mehr thematisieren, ohne sich lächerlich zu machen. Das philosophische Fundament dafür lieferte René Descartes, für den der ideale Mensch ein leeres Subjekt war, das allmählich mit Objektivität gefüllt werden müsse. Der finnische Theologe und Philosoph Arne Siirala faßte Descartes’ Intention zusammen: Der Mensch muß lernen, seine Beziehung zur Kindheit abzuschneiden und zu vergessen.«

    In seinem Buch Out of Revolution: The Autobiography of Western Man schreibt E. Rosenstock-Huessy: Beschäftigen wir uns noch einmal mit Descartes (…) In seinem Buch über die Methodik beklagt er sich sehr ernsthaft und ohne eine Spur von Humor darüber, daß der Mensch Eindrücken ausgesetzt sei, bevor sich sein Geist zu voller logischer Kraft entwickelt habe. Zwanzig Jahre lang, so seine Klage, wurde ich von Objekten verwirrt und beeindruckt, die ich nicht verstehen konnte. Statt daß mein Gehirn mit zwanzig eine leere Tafel war, fand ich unzählige falsche Ideen dort eingraviert vor. Wie schade, daß der Mensch vom ersten Tag seiner Geburt an nicht klar denken kann, ohne Erinnerungen an sein früheres Leben (…) Dies sagt uns, daß der menschliche Geist nur jene Eindrücke entziffern sollte, die außerhalb seines Selbst entstehen. Deswegen denken Wissenschaftler heute – denn sie alle gehören der Cartesianischen Schule des Denkens an –, daß sie nicht beeindruckt sein sollen, daß es ihre Pflicht ist, kühl zu bleiben, desinteressiert, neutral und leidenschaftslos.

    Mit René Descartes wurde der fehlende Respekt gegenüber unseren ureigenen Reaktionen vor und nach der Geburt als wissenschaftlich institutionalisiert. Und dieses Vermächtnis gibt unsere heutige Wissenschaft immer noch weiter: Die Gefühle und Wahrnehmungen des Kindes wie auch des Erwachsenen haben keine Basis in der objektiven Wirklichkeit und können deshalb abgetan werden. Wie oft mußte ich als Reaktion auf Texte, die ich z.B. im Telepolis-Forum veröffentlicht habe, lesen, daß Geisteswissenschaften wie die Psychologie oder die Soziologie keine exakten Wissenschaften seien und deshalb auch nicht ernstgenommen würden. Auf diese Weise wehren Gegner der Gefühlswelt und ihrer wissenschaftlichen Aufarbeitung ihre eigenen aufkommenden Empfindungen ab.

    Je stärker ich die Eindrücke, die auf mich wirken, unterdrücke, desto mehr werde ich in meiner Orientierung und meinen Schlußfolgerungen von Überbleibseln und Eindrücken, welche das Leben auf anderen hinterläßt, abhängig. Ich würde damit einen Teil der Zeugnisse der Welt, die ich zu beobachten und studieren vorgebe, unterdrücken und abwehren, obwohl ich doch der Meinung bin, mit einem reinen Verstand zu arbeiten.

    Die Wahrheit ist jedoch, daß der große Descartes, als er die Eindrücke des Kindes René auslöschte, sich für jegliche gesellschaftliche Wahrnehmung außerhalb der Naturwissenschaften selbst verstümmelte – ein Preis, den jegliche Methodik in den
    Naturwissenschaften fordert. In dem Maß, in welchem diese angewandt wird und einen Geologen, Physiker oder Biochemiker neutralisiert, löscht sie sein persönliches, soziales und politisches Erleben aus.

    Aus diesem Grund entwickeln die »exakten« Wissenschaften mehr und mehr Überzeugungen, die verheerend für gesellschaftliche Denker sind, denn auf diese Weise wird Wissenschaft selbst zum Ausdruck und Förderer des entfremdenden, dissoziierenden Bewußtseins, das nicht nur den Schmerz und das Leid der Kindheit verneint, sondern einer Lüge gewidmet ist, die dem Erleben keinen Raum gibt.

    Selbstverständlich gibt es wie immer Ausnahmen, denn nicht alle Wissenschaftler und Denker sind dieser Denktradition vollkommen verhaftet. Viele haben an ihrer Kindheit als Quelle des Lebendigen festhalten können. So sagte z.B. Albert Einstein, daß er nur deshalb zu neuen Einsichten habe kommen können, weil er an seinen Kindheitserlebnissen festgehalten habe. An einer Sicht festzuhalten, die das Erleben respektiert und ernst nimmt, ist natürlich sehr schwer, wenn man den gesellschaftlichen Druck, der von den etablierten »exakten« Wissenschaft ausgeht, berücksichtigt. Der amerikanische Wissenschaftsphilosoph J. R. Searle hat in seinem Buch Die Wiederentdeckung des Geistes die etablierte wissenschaftliche Denkweise in Frage stellt, die voraussetzt, alle Realität sei objektiv, obwohl er eingesteht, daß sich diese Denkweise in vielerlei Hinsicht als nützlich erwiesen habe, aber offenkundig falsch sei. »In der Philosophie des Geistes (…) bestreiten viele – vielleicht sogar die meisten – der auf diesem Gebiet führenden Denker ganz routinemäßig die offenkundigsten Tatsachen: zum Beispiel, daß wir subjektive, bewußte Geisteszustände wirklich haben und daß sie sich nicht zugunsten von irgend etwas anderem eliminieren lassen.« Tatsächlich haben auch die emotional verarmten Wissenschaftler keine »objektiven« Geisteszustände, sondern wähnen sich – ermutigt durch weitgehende Zustimmung ihrer Kreise – lediglich im Besitz »objektiver« Wahrheiten. Das Stichwort »Filterblase« dürfte den meisten hier bekannt vorkommen … Es handelt sich lediglich um Übereinkünfte, Dinge so und nicht anders zu sehen, Übereinkommen, die oft stillschweigend entstehen.

    Zwar auch zur mathematischen Theoriebildung und Mechanik, aber vor allem zur mechanistischen Philosophie tragen Entscheidendes die Gelehrten bei, die an den Absolutismus gebunden waren. Merchant erwähnt hier u. a. Gassendi, Descartes und Hobbes: Mit dem Zerfall überkommener Strukturen – durch die französischen Religionskriege des 16. Jahrhunderts, den englischen Bürgerkrieg, den dreißigjährigen Krieg – wurden ihnen Macht und Ordnung im praktisch-politischen und die Erkenntnisgewißheit im wissenschaftlich-theoretischen Bereich zu existentiellen Problemen. In den autobiografischen Abschnitten seines Discours beschreibt Descartes seine verzweifelte Suche nach neuen Lebensregeln, nachdem sich ihm die bisher gültigen als ungewiß und unsicher offenbart hatten: »Solange ich nur die Sitten anderer Menschen in Erwägung zog, fand ich freilich nichts, dessen ich sicher sein konnte.« (R. Descartes, 1960a, S. 54) – »Denn ich befand mich in einem Gedränge so vieler Zweifel und Irrtümer« (a. a. O., S. 50) – »Darum vermochte ich keinen zu wählen, dessen Meinungen mir besser als die der anderen erschienen wären. Und so fand ich mich gleichsam gezwungen, selbst meine Führung zu übernehmen.« (a. a. O., S. 57)

    Aus: Die gesellschaftlichen Wurzeln der modernen Naturwissenschaft – Ein Versuch zur Strukturlogik von moderner Gesellschaft, Ich-Identität und Naturwissenschaft von Bernd Lukoschik.

    Die Suche nach einem wahren Weltbild, »um in meinen Handlungen klar zu sehen und in meinem Leben sicher zu gehen«, bildet den Ausgangspunkt, und der Zweifel an der Führungskraft der Tradition wirft Descartes auf sich selbst zurück. Die Selbstgewißheit stellt das neue Fundament dar. Sie vermittelt ihm die Gewißheit des Daseins Gottes. Auf diesen beiden Gewißheiten aufbauend, rekonstruiert er, an der Maschinenmetapher orientiert, sein Weltbild. Gerade Descartes, aber auch Gassendi, hatten in England beträchtlichen Einfluß, unter anderem auch auf die Naturwissenschaftler Robert Boyle und Isaac Newton.

    Die etablierte Wissenschaft möchte die menschliche Psyche und das menschliche Bewußtsein am liebsten ausschließlich durch Hirnscans und Magrentresonanztomographen untersucht wissen, denn angeblich können nur diese Methoden »objektive Ergebnisse« hervorbringen. Das ist in ungefähr vergleichbar mit dem Versuch, das sein Verständnis von Musik zu erhöhen, indem man eine Geige in ihre Einzelteile zerlegt, um dort die Essenz der Musik zu finden. Der wissenschaftlich-mechanistisch geprägte Mensch, das wußte schon Wilhelm Reich zu berichten, tötet häufig das Lebendige, bevor er es zu untersuchen vorgibt – und dabei gewöhnlich gar nichts findet, das sein Verständnis erhöht.

    Sobald wir die Annahme akzeptieren, daß alles Objektive jedwedem Beobachter gleichermaßen zugänglich sein muß, wenn der Objektivitätsbegriff seiner implizierten Bedeutung gerecht werden soll, verschieben sich die Fragen ganz von selbst; es geht dann nämlich nicht mehr um die Subjektivität von Geisteszuständen, sondern um die Objektivität äußeren Verhaltens. Und das führt dazu, daß nicht mehr gefragt wird: »Was ist das eigentlich: einen Wunsch haben?« Statt dessen stellen wir Fragen, die vom Standpunkt der dritten Person formuliert sind: »Unter welchen Bedingungen würden wir einem anderen System von außen Überzeugungen, Wünsche usw. zuschreiben?« Das kommt uns ganz natürlich vor, denn selbstverständlich geht es bei den meisten Fragen, die wir zu geistigen Phänomenen haben, um andere Menschen und nicht bloß um uns selbst. Doch der Umstand, daß für die Erkenntnistheorie der Standpunkt der dritten Person charakteristisch ist, sollte uns nicht blind machen für die Tatsache, daß die tatsächliche Ontologie der Geisteszustände immer auch eine der ersten Person ist. Die Art und Weise, wie der Standpunkt der dritten Person in der Praxis angewandt wird, macht es uns schwer, den Unterschied zu sehen zwischen etwas, das wirklich einen Geist hat (ein Mensch zum Beispiel), und etwas, das sich so verhält, als ob es einen Geist hätte (ein Computer zum Beispiel), auch weil sich viele Menschen so verhalten, als hätten sie dieses oder jenes Gefühl gerade, in Wirklichkeit jedoch nur die jeweilige Pose darstellen, um dein Eindruck einer Empfindung zu vermitteln.

    Wenn die Unterscheidung zwischen einem System mit wirklichen Geisteszuständen und einem mit bloßem Als-ob-Verhalten erst einmal aus dem Blickfeld geraten ist, dann entgeht einem auch ein wesentliches Merkmal des Geistigen: daß nämlich die Ontologie des Geistigen wesentlich eine Ontologie der ersten Person ist. Überzeugungen, Wünsche usw. sind immer jemandes Überzeugungen und Wünsche und existieren faktisch nicht ohne den überzeugten oder wünschenden konkreten Menschen; sie sind immer potentiell bewußt, auch dann, wenn sie de facto unbewußt sind.

    Paul Claudes hat schon 1903 den Standpunkt vertreten, daß das menschliche Bewußtsein der Grundstein unserer Weltanschauung sein müsse, ein Bewußtsein, das eine in sich selbst ruhende Wirklichkeit widerspiegelt, die sich nicht reduzieren läßt. Sehr häufig wird mir entgegnet, wenn ich von höheren Bewußtseinsebenen schreibe, daß man ja wahrlich ein Übermensch sein müsse, ein vollendeter Yogi oder Buddha, um all dem, was ich von der menschlichen Entwicklung fordere, gerecht werden zu können. In der Tat erscheinen dem emotional reduzierten Menschen jene, die aus ihrer Verbindung zu den eigenen Gefühlen erstaunliche Fähigkeiten und Erkenntnisse entwickeln, entweder größenwahnsinnig oder besonders begabt und daher ihnen selbst haushoch überlegen und somit als essentielle Bedrohung ihres gewohnten Selbstbildes. Diesen Umstand nützen z.B. zahlreiche Scharlatane aus, um sich selbst zu erhöhen, indem sie ihren Rezipienten (Zuhörern, Lesern etc.) weiszumachen versuchen, daß sie bereits über diese und jene erweiterten Fähigkeiten verfügen, die ihnen von irgendwelchen »spirituellen Meistern« vermittelt wurden. Das klingt nicht nur, das ist so falsch wie nur irgend etwas. Man kann die Fähigkeiten und Kenntnisse, die sich infolge einer wiederhergestellten oder verstärkten Verbindung zum eigenen inneren Erleben ergeben, ebenso wenig jemandem vermitteln, wie man ihm das Atmen oder Scheißen abnehmen kann. Oder anders ausgedrückt: Es gibt nirgendwo ihm Gehirn eine nach außen gerichtete Schnittstelle zwischen den Bereichen, die das abstrakte Denken übernehmen und jenen, die für die Gefühle zuständig sind. Man kann seine innere Gefühlswelt nicht 1:1 an ein anderes Gehirn übermitteln, darum geht es im Buddhismus oder anderen nicht-theistischen Religionen auch gar nicht.

    Wenn der Standpunkt der ersten Person – des Beobachters, der subjektiv unter Einbeziehung seiner Emotionalität wahrnimmt – ausgeschaltet wird, passiert noch etwas anderes Folgenschweres. Die Wissenschaft setzt nämlich voraus, daß alles zu Studierende allen Studierenden gleichermaßen zugänglich sein müsse. Davon auszugehen ist jedoch völlig unzutreffend, weil die Studierenden individuell unterschiedlich sind und daher keinesfalls in gleicher Weise wahrnehmen. Wovon die Wissenschaft da ausgeht, grenzt an Gleichmacherei. Denn nur das, was »allen zugänglich« ist, zum Objekt wissenschaftlicher Auseinandersetzung zu machen, schließt jene aus, deren Bewußtsein einen erweiterten Zugang zum Erlebten erlaubt. Wissenschaft reduziert sich damit selbst auf den kleinsten gemeinsamen Nenner dessen, was Beobachter wahrnehmen können oder dürfen.

    Jene zum Beispiel, die keinen Zugang zu ihrem eigenen Schmerz haben, weil sie ihn in ihrer eigenen Entwicklung verneinen mußten, werden ihn nicht wahrnehmen können, werden ihn auch verneinen müssen und werden Erscheinungsformen, die nicht verleugnet werden können, auf anderen Ebenen erklären müssen als jene Wissenschaftler, die Schmerz auf neurologischer und genetischer Basis angeblich »erklären«. Sie können nicht beobachten, was sie einst aus ihrem Bewußtsein ausgeklammert haben. Deshalb glauben Forscher, über Schmerz etwas aussagen zu können, ohne diesen in ihrem eigenen Leben erkannt und gewürdigt zu haben. Das spiegelt nur das Ausmaß der heutigen Verarmung unseres wissenschaftlichen Strebens wider. Da seelischer Schmerz nicht allen gleichermaßen zugänglich ist, vor allem in unserer Zivilisation, wirkt das Diktat, daß das, was angeblich objektiv ist und deshalb allen gleichermaßen zugänglich sein müsse, destruktiv. Die, die ihren eigenen Schmerz nicht erleben können, werden so zu Schiedsrichtern über das, was als objektiv und wissenschaftlich anzuerkennen sei.

    • Erstmal: Puh, sehr viel Text.
      Zur Unterscheidung
      Abstraktion (Verallgemeinerung), ist keine Reduktion (Weglassen). Abstraktion benötigt das Ganze, Reduktion benötigt das Konkrete und das Nichts.
      Eine Emotion ist ein völlig übersteigertes Gefühl. Emotionalisierte Menschen können ja gerade _nicht_ fühlen.
      Menschen können ihre Wahrnehmung nicht einschränken, sie können diese jedoch ignorieren.
      Ignoranz ist Stärke.
      Subjekt und Objekt ist eine dualistische Weltsicht.

      Zu den Fragen
      Was ist eine höhere Bewußtseinsebene?
      Existiert nur der Geist oder nur der Körper oder beides zusammen im dualistischen Sinne oder trifft nichts von diesen zu?

      Was bedeutet ‚Denken‘? Was bedeutet wahrnehmen? Ist es nicht genau das, was der Mensch erlebt? Ist Denken abstrakt oder konkret?
      Wie will ein Mensch sein Denken in Sprache (Symbolik) fassen, wenn er es ja nicht noch einmal erleben kann?
      Geht Sprache dem Denken voraus oder Denken der Sprache?
      Ist das Sprechhandeln bzw. die Sprechakttheorie (nach John Searle) überhaupt ein gangbarer Weg oder nur eine Sackgasse?

      Beruht der Schmerz von dem hier die Rede ist auf direktes Erleben oder auf Erinnerung an Erlebtes?
      Bleiben Erinnerungen immer gleich?

      Ist eine Identität, die ja bleibt, wie sie ist, denkbar oder gar wahrnehmbar?
      Wie entwickelt sich die Identität, wenn sie doch bleibnt, wie sie ist?

      Was geschieht mit dem Menschen, der versucht, etwas zu begreifen, das nicht existiert?

      Das wären einige Fragen auf die Schnelle.

    • Sehr viel Text? Hast du schonmal ein Buch gelesen? Noch viel viel mehr Text …

      Abstraktion ist Darstellung mittels Symbol. Niemals kannst du in der abstrakten Darstellung, zum Beispiel in deinen Gedanken, alle Aspekte einer Sache, eines Dinges, eines Objektes berücksichtigen. Das Denken beschränkt sich auf die als nützlich und relevant erscheinenden Aspekte. Dazu benötigt das Denken eben nicht das Ganze eines zu betrachtenden Objekts. Alles, was als nicht relevant kategorisiert wurde, wird auch nicht berücksichtigt. Abstraktion ist daher nicht nur Verallgemeinerung per se, obwohl verallgemeinernde Abstraktionen durchaus existieren. Bitte lies dir die Wikipedia-Definition einmal in Ruhe durch:

      Das Wort Abstraktion (lateinisch abstractus ‚abgezogen‘, Partizip Perfekt Passiv von abs-trahere ‚abziehen‘, ‚entfernen‘, ‚trennen‘) bezeichnet meist den induktiven Denkprozess des Weglassens von Einzelheiten und des Überführens auf etwas Allgemeineres oder Einfacheres. Daneben gibt es spezifische Verwendungen des Begriffes in bestimmten Einzelwissenschaften und einzelnen Theorien.

      Ignoranz soll ein Ausdruck von Stärke sein? Inwiefern? Würdest du mich als stark empfinden, wenn ich dich bzw. deine Ausführungen ignorieren würde? Wirke ich in deiner Wahrnehmung schwach, weil ich mich auf deine Darlegungen einlasse?

      Subjekt und Objekt ist eine dualistische Weltsicht: Nein, diese beiden Begriffe stellen keine Weltsicht dar, sondern sind vielmehr Abstraktionen komplexer Ideen. Als Subjekt bezeichnet man gewöhnlich einen Menschen mit all seinen Merkmalen. Die Abstraktion wirkt dahingehend, daß diese unzähligen Merkmale beim Denken des Subjektbegriffs nicht wahrgenommen werden und auch nicht in ihrer Gesamtheit im Gedächtnis vorliegen, weil sie dem denkenden Subjekt, das ein anderes Subjekt als Subjekt denkt, gar nicht alle zugänglich sind. Das gedachte Subjekt ist daher immer schon ein auf einen gedanklichen Prototyp reduziertes. Das ist nicht anders als z.B. bei dem Begriff „Baum“: Wenn du „Baum“ denkst, dann hast du entweder eine verschwommene Vorstellung von Bäumen oder die Vorstellung eines ganz bestimmten Baumes, von dem du irgend wann einmal einen winzigen Ausschnitt wahrgenommen hast. Mit diesem Bild arbeitest bzw. „rechnest“ du dann in deinen Gedanken weiter.

      Was ist eine höhere Bewußtseinsebene? Die behelfsmäßige Vokabel „höher“ weist auf eine anzustrebende Erweiterung der Wahrnehmung hin. Wenn du, wie ich im Text bereits versucht habe darzulegen, Teile deines eigenen Wahrnehmungsapparates zu unterdrücken gelernt hast, weil sonst unerwünschte Schlußfolgerungen sichtbar würden, dann kannst du dir weniger Einzelheiten einer gegebenen Sache oder bewußt machen, als es der Fall wäre, wenn dein Innenleben weniger unterdrückt wäre. Bildlich dargestellt kletterst du mit weniger innerer Abspaltung – das Unterdrückte wird unterhalb des wachen Bewußtseins gehalten und ist daher unbewußt – quasi auf einen höheren Baum hinauf als den, den du gewöhnlich erkletterst, was dich in die Lage eines weiteren Blickfeldes versetzt, wonach du einen größeren Überblick über die umgebende Landschaft gewinnst.

      Existiert nur der Geist oder nur der Körper oder beides zusammen im dualistischen Sinne oder trifft nichts von diesen zu?

      „Geist“ ist ein Abstraktum, das bei jedem einzelnen Menschen anders definiert ist und daher auch bei jedem andere Visionen hervorruft. Die Form deiner Frage läßt darauf schließen, daß dir dieser Umstand nicht bewußt ist, denn du gehst ganz offensichtlich davon aus, daß jeder sofort wissen müßte, was genau du damit meinst, wenn du „Geist“ sagst oder schreibst. Das ist jedoch nicht der Fall. Zwar kann man sich darauf einigen, was „Geist“ zu sein hat und was nicht, doch werden sich niemals alle Menschen auf dieselbe Definition einigen. Diese Einigung kannst du auch nicht erzwingen, abgesehen vielleicht bei einigen wenigen, die vielleicht von dir abhängig sind und über die du mit der Macht der Definitionshoheit, sie sie zuvor an dich abgetreten haben müssen, verfügst.

      Denken bedeutet genau das, was es dir bedeutet. Ich weiß nicht, was dir Denken bedeutet, ich kann nur sagen, was es mir bedeutet. Ich denke, ich habe das in diesem und in anderen Text bereits ausführlich dargestellt. Ebenso verhält es sich mit den anderen Begriffen, nach deren Bedeutung du mich fragst. Wenn du mit deinen Bedeutungen nicht glücklich bist, bestünde eine Möglichkeit darin, daß du dir selbständig deine eigenen Bedeutungen erarbeitest.

      Erleben und Denken wird in unserer Gesellschaft sehr häufig verwechselt. Denken ist mit abstrakten Symbolen kalkulieren. Erleben schließt gleichzeitiges Denken aus. Er denkt, erlebt nicht, sondern interpretiert bereits in seinem Verstand, was er in den immer nur kurz aufblitzenden Momenten des Nicht-Denkens vielleicht wahrgenommen hat. Man schaut auf ein Ereignis und denkt sich sofort was dabei. Beim Denken nimmt man das Ereignis aber gar nicht mehr bewußt wahr, sondern ist mit dem inneren Fokus in Gedanken. Mit Sicherheit hast du selbst bereits erlebt, daß du in Gedanken nicht mehr wahrnimmst, was jemand gerade zu dir sagt.

      Wie will ein Mensch sein Denken in Sprache (Symbolik) fassen, wenn er es ja nicht noch einmal erleben kann?

      Auch diese Frage induziert wieder die Vermutung, daß du den Text nicht verstanden oder nur sehr oberflächlich gelesen hast. Denken ist bereits symbolisch. Erleben nicht. Sprache besteht aus Symbolen und vereinbarten Regeln, wie diese Symbole angeordnet werden dürfen, um daraus als sinnvoll empfundene Sätze zu produzieren. Die so häufig geforderte Logik und die ebenso häufig zu beobachtende Wut darüber, daß jemand anderer angeblich unlogisch sei, geht von dem weitverbreiteten Irrtum aus, es gäbe nur eine Logik, und das sei natürlich die eigene. Logik existiert aber nicht unabhängig, sondern verweist immer auf ein bestimmtes logisches System, und derer gibt es zahllose.

      Die Speisekarte ist nicht das Essen. Das kannst du überprüfen, indem du einfach mal versuchst, die Speisekarte zu essen. Die dargestellte Pose ist nicht das Gefühl, das der Darsteller zu demonstrieren versucht. Säuglinge sind bereits in der Lage zu erkennen, ob die Mutter mit ihrem lächelnden Gesicht wirklich Freude empfindet oder ob sie nur die entsprechende Pose einnimmt, um Freude zu simulieren, die sie im Moment gar nicht wirklich empfindet. Die Pose ist das Symbol, die Speisekarte. Die Empfindung ist das Erlebte, das Essen.

      Geht Sprache dem Denken voraus oder Denken der Sprache? Diese Frage verstehe ich nicht. Denkst du nach, bevor du etwas schreibst oder sagst? Beobachte dich doch einfach mal selber etwas genauer, so daß du herausfinden kannst, wie sich das bei dir verhält.

      Das gilt auch für deine weiteren Fragen. Vermutlich wird dich das ärgern, aber eigentlich besteht kein Grund dazu, denn ich beschreibe lediglich mein eigenes Empfinden: Deine Fragen erscheinen mir ziemlich absurd. Was kümmert es den Schmerz, ob er aus schmerzlichen Erinnerungen hervorgeht oder auf aktueller Pein beruht? Du aber hast offenbar den Eindruck, es ginge hier um einen ganz bestimmten Schmerz, entweder dieser oder jener. Des weiteren gehst du von unhinterfragbaren Annahmen aus, wenn du z.B. fragst:

      Ist eine Identität, die ja bleibt, wie sie ist, denkbar oder gar wahrnehmbar? Wie entwickelt sich die Identität, wenn sie doch bleibnt, wie sie ist?

      Jeder Begriff, der von irgend einem Menschen verwendet wird, beinhaltet bereits eine meist unbewußte Fülle an Determinationen. Das ist es z.B., was Prof. Mausfeld meint, wenn er von Mentalvergiftung spricht: Eine Mentalvergiftung kann auch auf unsere kognitiven Kapazitäten zielen und unser Denken so vergiften, dass keine Form rationaler Argumentation hilft, es – wie es in der Zeit der Aufklärung hieß – wieder heller in den Köpfen der Menschen werden zu lassen. Am einfachsten lässt sich dies über geeignete Begriffe und über Bedeutungsverschiebungen von Begriffen bewerkstelligen. Hierzu gehören insbesondere all die Orwellschen Falschwörter, mit denen Politiker und Leitmedien versuchen, über die Sprache auch unser Denken zu bestimmen. Beispiele lassen sich im Überfluß finden, etwa ‚Freihandel‘, ‚Lohnnebenkosten‘, ‚Protestwähler‘, ‚Rettungsschirm‘, ‚Terrorismus‘, ‚humanitäre Intervention‘, ‚Kollateralschäden‘, oder ‚Globalisierungskritiker‘.

      Ich weiß also nicht, was du konkret unter Identität verstehst. Für mich ist Identität das Resultat eines Idendifizierungsvorganges, den wir alle in unserer Kindheit durchlaufen mußten, der aber nicht bei allen gleich starke und nachhaltige Identifizierungen mit dem Aggressor, wie Gruen das nennt, zur Folge hatten. Daß Identität ein Leben lang so bleibt, wie sie anfangs aufgezwungen wurde, konnte ich bislang nicht beobachten. Aber vielleicht erlebst du das ja so, keine Ahnung. Daher ist deine zweite Frage in gewisser Weise unzulässig, weil sie auf der unhinterfragten Behauptung in der ersten Frage beruht, mit der ich nicht übereinstimme. Vielleicht ist für dich Identität auch nur das, was auf deinem Personalausweis steht. Doch sogar das ändert sich, denn ich bin in den letzten 15 Jahren oder so um 5 cm geschrumpft und auch mein Gesicht sieht heute ganz anders aus als damals.

      Alles ändert sich, auch das Selbst und die Selbstwahrnehmung. Selbst und Ich werden ebenso häufig verwechselt wie Identität und Selbst. Identität im innerseelischen Erleben ist nichts anderes als das Ergebnis einer Selbstaufgabe: Ich werde so, wie du mich haben willst, damit du mich nicht verläßt.

      Was geschieht mit dem Menschen, der versucht, etwas zu begreifen, das nicht existiert? Was sollte schon mit ihm geschehen? Was geschieht mit einem Menschen, der etwas zu begreifen sucht, das tatsächlich existiert? Entweder er begreifts oder er begreifts nicht. Wolltest du mit dieser Frage mehr zum Ausdruck bringen? Keine Ahnung. Viele Menschen halten Dinge, die andere für nicht existent halten, durchaus für existent. Treffen beide zusammen, gibt es gewöhnlich Streit.

    • Tja, wenn etwas festgelegt ist, ist das wohl unumstößlich?

      Denkst Du ernsthaft, daß eine tote Sprache und Begriffe genau die Bedeutungen hat, die sie zu ihren Lebzeiten hatte?
      Hast Du damals schon gelebt?

      Sprache ist und war noch niemals eindeutig.

      Was ist eine Idee?
      Ideenlehre?

      Abstraktionen komplexer Ideen?
      Eine Idee ist konkret und nicht abstrakt.
      Ein mathematisches Objekt ist konkret, konkreter geht es gar nicht.
      Ein Ideal ist konkret. Es ist gar so konkret, daß es nicht mal existiert.

      Wahrnehmung ist nicht erweiterbar.

      Nein, Denken ist nicht symbolisch, denn ansonsten gäbe es eine universale, ideale Symbolik. (Universalienstreit)

      Du schreibst viel, ohne wirklich etwas zu sagen.

      Lang lebe die Gewißheit, Peter Pan!

    • Offenbar gibt es von jeder Tagesdosis immer zwei vollkommen getrennte Versionen, so daß auch die Kommentare, die in der einen Version erscheinen, in der anderen nicht sichtbar sind. Finde ich jetzt nicht so toll, zumal man, wenn die Links auf der Hautseite verschwunden sind, nur noch an die Podcast-Version herankommt. Die andere Version ist dann nur noch über das Autoren-Menü auffindbar, so daß man sich merken muß, welcher Autor zu welcher Ausgabe der Tagesdosis geschrieben hat, um eventuell einen Beitrag wiederfinden zu können.

      Eine Anregung an die Administratoren oder Web-Entwickler: Es wäre zumindest hilfreich, wenn man auf dem Profil die eigenen Beiträge verlinken würde, so daß man nicht stundenlang suchen muß, wenn man wissen möchte, ob jemand auf einen Beitrag geantwortet hat.

    • Was mir bei den meisten Betrachtungsweisen fehlt, ist die umfassende Perspektive. Es tauchen laufend und aus allen Ecken und Enden die Phänomene der Lebenszerstörung auf dem Planeten auf und es wird sich daran abgearbeitet, für jedes eine spezifische Ursache herauszufinden und zu bestimmen. Es müsste doch aber irgendwann endlich einmal allen klar sein, dass all diese Phänomene der Lebenszerstörung eine einzige gemeinsame Ursache haben. Warum wird nicht überlegt, worin genau diese Ursache in unserem Denken und Handeln seit Jahrtausenden besteht und von dort aus, also von Grund auf und radikal, ein anderes Denken und Handeln ersonnen. Alles andere ist doch nur noch Oberflächenkosmetik.
      Ich muss immer wieder denken: An der Spießigkeit und am Traditionalismus geht die Welt unter.

    • Specht: Diese Überlegungen existieren bereits sehr lange, sie wurden von zahlreichen Autoren angestellt und publiziert. Doch ins Bewußtsein des heutigen Durchschnittsmenschen haben sie es nie geschaft. Soweit ich mich erinnere, habe ich diese Überlegungen bereit mehrfach hier vorgestellt, natürlich wie erwartet ohne nennenswerte Beteiligung des Publikums. Die Kommentare zu meinen Darlegungen begnügen sich allesamt mit Bemerkungen, die so gut wie nichts mit meiner dargestellten Thematik zu tun haben. Das ist, wenn man die Texte verstanden hat, durchaus nachvollziehbar, denn diese Texte berühren das größte Tabu, das in allen Zivilisationen seit ihrer Entstehung existiert: Die Verleugnung des eigenen Schmerzes.

      Wenn Wissenschaftler Antidepressiva einsetzen, um zu beweisen, daß die Anwesenheit oder Abwesenheit von Depression dem Erleben oder Nicht-Erleben von Schmerz gleichkommt, dann betrachten sie Schmerz unter dem Aspekt, ihn zu beherrschen, nicht unter dem Aspekt, ihn zu verstehen. Sie setzen die Betäubung und Ausschaltung des Schmerzes mit dessen Nichtexistenz gleich. Dadurch verneinen sie aber nicht nur die Bedeutung des Schmerzes für den Patienten, sondern auch, daß dieser Schmerz eine Geschichte in der persönlichen Entwicklung des Patienten hat.

  2. Absolut beängstigend, ja…

    Allerdings ist das ein Thema, das wirklich jeder versteht – und natürlich ist das Argument mit der Aerodynamik an Absurdität nicht zu überbieten. Ich habe genau dieses Thema in letzter Zeit mehrfach angesprochen im Familien- und Bekanntenkreis. In vorsichtiger Art und Weise, weil ich es mittlerweile schon gewohnt bin, meistens als ein sonderbarer „Verschwörungstheoretiker“ dazustehen. Und zu meiner Überraschung haben mir alle Gesprächspartner zugestimmt oder sich sogar stärker darüber ereifert als ich.

    Warum erzähle ich das? Ich denke, das ist ein politisches Gewinnerthema, welches massentauglich ist. Jedenfalls solange unsere Spezies noch massenhaft diesen Planeten bevölkert… 😉

    • Beim Thematisieren der Verringerung der Insektenvielfalt geht es denn Grünen, wie du bereits andeutest, mit Sicherheit nicht um den Umweltschutz. Vielmehr sehen die Grünen längst ihre politischen Felle davonschwimmen und suchen nun verzweifelt nach einem Aufhänger, der ihnen weitere Stimmen einbringt. Das Wählen der Grünen wird jedoch nichts dazu beitragen, die Umweltverschmutzung einzudämmen, denn es geht hier um Macht und Pöstchen.

Hinterlasse eine Antwort