Tagesdosis 25.7.2018 – Warum wir keine Ahnung haben und Demokratie so gefährlich ist (Podcast)

Eine Satire von Julia Szarvasy – einer unpolitischen Ahnungslosen.

Im Deutschen Grundgesetz steht geschrieben „Alle Macht geht vom Volke aus“. Ich habe mich sehr lange gefragt, weshalb dieser Artikel in der Wirklichkeit nicht angewendet wird. Aber nun dämmert es mir langsam: Ich bin zu unwissend im Allgemeinen, zu manipuliert von Fake News im Speziellen  und überhaupt zu naiv in meiner Betrachtung auf die Welt, um weitreichende, hochkomplexe Entscheidungen der Politik zu bewerten und am Ende noch demokratisch mitzugestalten.

Die Erleuchtung überkam mich gestern beim Radiohören. Der Nachrichtensprecher verkündete in seriösem wie väterlichem Ton, der deutsche Außenminister Heiko Maas spreche sich für die Bewilligung von Asyl für syrische Weißhelme und ihre Familien aus. Maas meint, es sei Deutschlands Pflicht, diese guten Menschen, die sich in Syrien selbstlos dem Schutz der Zivilbevölkerung verschrieben haben, aufzunehmen. Wie gesagt, mein Weltbild war zuvor sehr verschwurbelt. Ich dachte doch tatsächlich, die Weißhelme seien dubiose, über drei Ecken von den CIA finanzierte Leute, die die Gräueltaten des syrischen Despoten Assad nur inszeniert hätten, um die westliche Intervention in dem kriegsgebeutelten Land zu legitimieren und Assad in einem schlechten Licht dastehen zu lassen.

Weiter habe ich in diesem Zusammenhang einfach nicht begriffen, weshalb Heiko Maas, dem ja offenkundig sehr viel an Frieden und Humanität liegt, in seiner Funktion als Außenminister nicht aufschreit, wenn deutsche Rüstungsunternehmen entgegen den Bestimmungen des Koalitionsvertrages Waffen an Saudi-Arabien liefern dürfen (und zwar 50-mal mehr als im Vorjahr), die im Krieg gegen den Jemen dringend benötigt werden. Gegen den Jemen, wo bis Dezember über 10 Millionen Hungertote erwartet werden.

Ich sehe ein, dass die Hintergründe und guten Absichten für mich nicht erkennbar sind. Ich darf mich eben nicht auf meinen vermeintlich gesunden Menschenverstand, mein Herz oder das gute alte Bauchgefühl verlassen. Und erst recht nicht auf diese „investigativen Journalisten“, die uns regelmäßig hinters Licht zu führen versuchen.

Nun, da ich einmal ins Grübeln geraten war, fielen mir noch viele andere Dinge ein, die ich zuvor aus Unkenntnis und Desinformation scharf kritisiert hatte. Zum Beispiel die Privatisierungen in Gesundheit, Bildung, Straßenbau, Wasserversorgung, Rente etc.. Mir erschloss  sich nicht, weshalb Deutschland, das Land mit der zweithöchsten Einkommenssteuerbelastung innerhalb der EU, seine Aufgaben, für welche ja Steuern erhoben werden, an private Unternehmen abtritt… und trotzdem die Steuern erhöht. Auch fand ich es moralisch (typisch weibisch) nicht richtig, dass der Etat für Verteidigung und Rüstung verdoppelt werden soll. Ich dachte, diese 35 Milliarden Euro seien besser angelegt, wenn man sie dem Allgemeinwohl zukommen ließe.

Auch hier muss ich eingestehen, dass ich zu naiv, ja zu doof bin, die wichtigen Motive der Regierung zu durchschauen.  

Ein weiteres Mal wunderte ich mich über die Regierungsarbeit und ihre Medien, pardon die Medien, die während der beispiellosen Spaltung innerhalb der Bevölkerung keine Anreize zum Diskurs auf Augenhöhe mit gegenseitigem Zuhören und Respekt erkennen ließ. Heute denke ich, dass das Abwerten von selbst ernannten „Friedensaktivisten“ oder „Wutbürgern“ und das Herabwürdigen zu „Antisemiten“, „Rassisten“ und „Verschwörungstheoretikern“ der richtige Weg unseres Staates ist, der aufkommenden Unzufriedenheit der Bevölkerung zu begegnen. Denn die Regierung weiß es besser als die Bevölkerung. Die Regierung beschäftigt sehr viele kluge Experten in ihren Kabinetten. Außerdem hat unsere Kanzlerin einen Eid geschworen. Darin versprach sie vor der ganzen Welt, Schaden von ihrem Volk abzuwenden.

Aropos Volk. Ich verstand nie, weshalb es zur deutschen Staatsräson gehört, dem israelischen Volk Treue, Unterstützung (zum Beispiel in Form von Kriegs-U-Booten) und Respekt zu garantieren als Sühne für die Verbrechen der Nazis und dem russischen Volk hingegen, das nach dem 2. Weltkrieg 27 Millionen Tote zu betrauern hatte, nur Misstrauen und eine latente Feindseligkeit entgegen zubringen. Aber dann klärte Klaus Kleber mich auf als er eines Abends im ZDF heute Journal erklärte, dass  die scheinbar unerschütterliche Verbundenheit der Deutschen mit Russland jeglicher Logik entbehrt. Ich möchte natürlich nicht unlogisch sein. Außerdem hat Klaus Kleber viel mehr Einblick als ein so kleines Menschlein wie ich… Dass so ein kleines unwissendes Menschlein es befremdlich findet, dass deutsche Soldaten im Schlepptau der NATO vor den Grenzen Russlands postiert sind, sollte man nicht zu streng bewerten. Ich habe nicht das Wissen eines Herr Stoltenbergs.

Früher wurde ich immer wütend, wenn auf den Feldern meiner Heimat Glyphosat versprüht wurde. Viele alternative Medien, sogenannte Umweltschützer und ominöse Wissenschaftler vernebelten mir so die Sinne, dass ich tatsächlich glaubte, die Regierungsentscheidung sei fahrlässig und verantwortungslos im Hinblick auf Insektensterben und Vergiftung von Lebensmitteln und Böden. Die Kritiker wissen vermutlich nicht, dass Angela Merkel als Naturwissenschaftlerin den totalen Durchblick hat und sehr wohl verantworten kann, dass Glyphosat weitere 5 Jahre zum Einsatz kommt.

Und so gibt es noch viele Dinge, die ich nicht recht begreife. Lobbyismus im Deutschen Bundestag ist zwar auf den ersten Blick eigenartig, hat aber ganz gewiss seine Berechtigung. Wie so vieles, was die Bevölkerung an ihrer Regierung kritisiert, weil sie es schlicht nicht überblicken kann. Politik ist sehr sehr kompliziert. Und es macht einem schon Angst, dass eine so ungebildete Bevölkerung sich demokratisch einmischen möchte bei Fragen des Umweltschutzes, der Kriegs- nein „Friedenspolitik“ oder bezüglich sozialer Gerechtigkeit.

Ich plädiere darum für die endgültige Abschaffung der Demokratie. Die repräsentative Demokratie hat zwar schon die schlimmsten Anmaßungen der Bevölkerung abwenden können, aber das ist nicht genug. Die Politik und die Wirtschaft müssen vor der blöden Bevölkerung besser beschützt werden. Am Ende begreift diese sonst noch, dass sie zahlenmäßig millionenfach überlegen ist und stürzt die klugen, altruistisch veranlagten und verantwortungsbewusst handelnden Heilsbringer der Politik.

So, nun ist mir fast schlecht!

Darum: Ironie off.

Bitte, liebe Mitmenschen, lasst euch nicht von Euphemismen und gesalbten Worten einlullen. Gebraucht unbedingt euren gesunden Menschenverstand, hört auf euer Herz, auf  euren Bauch. Diese Politik, die nichts als ein williges Instrument der globalen Finanz- und Wirtschaftsplayer ist, handelt NICHT in unserem Interesse. Naturschutz, Frieden, Gerechtigkeit geht ihr am Arsch vorbei. Worum es ihr geht: Geld und Macht. Um jeden Preis. Und die Suppe müssen wir ihr versalzen. Seid laut, seid mutig, traut euch wieder euch eures eigenen Verstandes zu bedienen. Es ist unser Leben und unsere Zukunft.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Ein Kommentar zu: “Tagesdosis 25.7.2018 – Warum wir keine Ahnung haben und Demokratie so gefährlich ist (Podcast)

  1. Vielen Dank, für diese ausgesprochene starke Satire. Gelegentlich erweckt es mir den Eindruck, als könnten manche Menschen derartig lehrreiche Informationen nur noch mit einer Portion Ironie aufnehmen – geschweige wahrnehmen.
    Freiheitsliebend verstehen – gemeinsam informieren – zuverlässig handeln.
    Machen wir unsere „Demokratische-Suppe“ wieder schmackhaft für unsere Kinder.

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