Tagesdosis 26.4.2018 – Politik gegen den Bürger, Gesetze gegen den Alltag

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Die gestrige Tagesdosis betrachtete, bzw. kommentierte in schlichter Subjektivität einen Artikel auf Spiegel Online. Die kritisierte Kolumne, bzw. der Autor dieses Artikels wollte die berüchtigte deutsche Nörgelmentalität hinterfragen, dieses vermeintlich konstante Jammern und Meckern gewisser Bevölkerungsstrukturen anhand einer Auflistung von positiven Merkmalen der bundesrepublikanischen Gesellschaft und dem damit verbundenen System darlegen und in gewisser Hinsicht provokativ konterkarieren.

Die Kolumne verwies auf eine statistisch belegte Quote aus dem Jahr 2017, von 93% Zufriedenheit in unserem Land. Diese Zufriedenheit teilt sich bei genauerer Betrachtung in 32% sehr zufriedener und 61% ziemlich zufriedener Bürger(1). Wie definiert man jedoch, ziemlich zufrieden? Dieser Parameter wirkt schwammig, bzw. lässt doch recht viel Raum für eine sehr individuelle Interpretation. Zur Vollständigkeit sei erwähnt 6% sind nicht sehr zufrieden und 1% überhaupt nicht zufrieden.

Der Spiegel Autor schrieb: Ich glaube, dass die unfassbare Waschlappigkeit, mit der die deutsche Politik, insbesondere der rechte Flügel der Union und die CSU, der AfD begegnet, ein zentraler Grund für die groteske Realitätsverzerrung ist, der dieses Land kollektiv zu unterliegen scheint. Es geht uns, im Vergleich mit den meisten anderen Ländern auf dieser Welt, hervorragend.(2) 

Welche Länder er beim formulieren dieses Satzes vor dem geistigen Auge hatte, verriet er seinen Lesern nicht. Meinte er Länder in Europa, oder eher im afrikanischen, bzw. arabischen Raum? Egal, kommen wir doch lieber zur realen Alltagswelt. Das Problem, die Ignoranz vieler Journalisten und Politiker liegt in der Negierung existierender Katastrophen, dramatischer Trauerspiele und schlicht aus dem Blickfeld verlorener Tragödien in diesem Land. Desinteresse, oder Borniertheit?

Was sind nun die wahren Gründe für das reale Stimmungsbild in vielen Teilen der Gesellschaft? Es ist die Kombination von politischen Vorgaben in Form von Gesetzen und den starren, bis annähernd betonierten Unflexibilitäten ausführender Beamter. Eine Politik, die sich bewußt und beabsichtigt immer mehr von den Bürgern entfernt.

Die jedoch gleichzeitig die ausführenden Kräfte mit dem dadurch verursachten Chaos alleine lässt und zudem hunderttausende Opfer mit ihrem Schicksal in eine ungewisse Zukunft schickt.

Die Sendung Frontal21 vom Dienstag dieser Woche entließ den Betrachter kopfschüttelnd in die Nachtruhe. Sie zeigte an exemplarischen Beispielen, wie diese Regierung völlig realitätsfern, durch Gesetzesvorlagen bzw. mangelnder Umsetzung, die Integration von Migranten massiv stört und völlig surreal bewußt verhindert. Ein Beitrag lautet: Warum Integration scheitert – Sprachlos in Deutschland . Der Zuschauer erfährt: Horst Seehofer ist für mehr Härte, sagt er. Härte gegenüber Flüchtlingen. Die sollen bitte schön Integrationswillen beweisen, zum Beispiel durch das Erlernen der deutschen Sprache…Wer kein Deutsch lernt, ist an Integration nicht interessiert. Dumm nur, dass der harte Bundesinnenminister auch für das Bundesamt für Migration, kurz BAMF, zuständig ist. Und auf dessen Sprachkurse müssen Flüchtlinge teils über ein Jahr warten. Wer versagt also bei der Integration? 

Interview mit dem Bürgermeister von Salzgitter: Wir haben Wartezeiten von 16 Monaten für einen Alphabetisierungskurs und zwölf Monate für einen Integrationskurs. Das heißt, sie sind erst nach zwei Jahren dazu gekommen zu sagen: So jetzt kann ich mich um eine Ausbildung kümmern, um ein Praktikum kümmern. Das sind Zustände, da können Sie gar nicht eine Integration erfolgreich leisten. Die Folgen umschreibt der Politikwissenschaftler Abdel-Samad: Das hat zur Folge, dass wir die Leute, die eigentlich eine Chance für das Land hätten sein müssen, jetzt langsam zur Belastung für sich und für das Land werden. Frustrierte, enttäuschte junge Menschen, die die Sprache nicht können. Es gab kein Konzept von Anfang an. 

2.Beispiel: Flüchtlinge als Pflegekräfte – Abschiebung trotz Personalmangel. Der Beitrag informiert: Sprache ist ein Integrationsfaktor, genauso wie Arbeit. Viele Flüchtlinge wollen arbeiten. Und viele Pflegeeinrichtungen suchen händeringend Personal. Die Idee: Geduldete Asylbewerber werden während ihrer Pflegeausbildung und anschließender Tätigkeit nicht abgeschoben. Dame Ndow, aus Gambia lernte hier Altenpflegehelfer. Seine Ausbildung sollte zwei Jahre dauern. Für die Ausländerbehörden keine qualifizierte Ausbildung, die vor Abschiebung schützt. Nur wer einen dreijährigen Lehrvertrag hat, kann vorerst bleiben. 

Später im Beitrag: Auch in Berlin sind die Personal-Probleme in der Pflege bekannt. Deshalb schrieben Union und SPD ein Versprechen in ihren Koalitionsvertrag: Bei kürzeren Lehrzeiten sollen Asylbewerber künftig bleiben dürfen – mit sogenannten Ausbildungsduldungen: Jedoch, das zuständige Bundesinnenministerium lässt auf Anfrage von Frontal21 mitteilen: Für die nötige Gesetzesänderung gebe es keinen Zeitplan.(3) Dame Ndow wurde abgeschoben.

Das ist bundesrepublikanischer Behördenwahnsinn, nein, nennen wir es Schwachsinn. Durch diese Tatsachen werden Realitäten erzeugt, die diesem Land und seinen Alt- wie Neubewohnern Perspektiven vorsätzlich raubt. Wer verhindert hier Integration? Wer ist verantwortlich für atmosphärische Schwankungen mit Pegelausschlag bis an die rechte Kante? Wer aus diesem mutwilligen Chaos Profit einheimst, ist bekannt und muss wenig dafür leisten. Wöchentliche Steilvorlagen kommen direkt aus der Bundeshauptstadt.

Die Realitätsverzerrung liegt bei der Politik und einer gebündelten Journaille, die sich lieber erneut mit einer Gaga Story über den vermeintlichen Bodyguard von Osama Bin-Laden als Leistungsempfänger in Deutschland beschäftigt(4). Diese Politik boykottiert die Arbeit von Millionen Beamten und Bürgern auf den Ämtern und Behörden und vor allem Millionen von ehrenamtlichen Unterstützern, desillusioniert, die eine glaubwürdige Umsetzung von Integration und ein ehrliches Interesse am Zusammenleben in diesem Land tagtäglich hart erstreiten.

Mit diesem Status Quo, wird dieses Land nicht zur Ruhe kommen. Ziemlich zufrieden sein, schaut anders aus.

(1) – https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153748/umfrage/allgemeine-zufriedenheit-mit-dem-eigenen-leben/

(2) – http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/islam-debatte-die-waschlappigkeit-der-deutschen-politik-a-1203826.html#js-article-comments-box-pager

(3) – https://www.zdf.de/politik/frontal-21/frontal-21-vom-24-april-2018-100.html

(4) – http://www.spiegel.de/politik/deutschland/osama-bin-laden-ex-leibwaechter-erhaelt-in-deutschland-staatliche-leistungen-a-1204446.html

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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36 Kommentare zu: “Tagesdosis 26.4.2018 – Politik gegen den Bürger, Gesetze gegen den Alltag

  1. Zit.:Das ist auch was bei Ihnen Sarrazin schreibt, ‚wenn ein Anatolischer Landarbeiter bei uns mit nichts tun ein höheres Einkommen hat,“
    Also 1. ist es nirgends in Deutschland so, dass man ohne Arbeit mehr Geld zur Verfügung hat als mit, außer vielleicht bei denen, die ein leistungsloses Einkommen haben aufgrund ihres Reichtums.

    • und 2. waren die Türken (Jugoslawen, Italiener etc.), die als „Gastarbeiter“ zu uns gelockt wurden oft fleißiger als die Einheimischen, und konnten es auch zeigen, da es damals Arbeit im Überfluss gab.
      Sarrazin halte ich übrigens für einen Oberschmarotzer, der hat sich am Ausverkauf der DDRWirtschaft eine goldene Nase verdient- auf Kosten nicht nur der Ossis!

    • Ich denke Sie verwechseln Einkommen mit Auskommen.
      Wenn Menschen aus wirtschaftlichen Gründen Ihr Land verlassen, reicht ihr Einkommen nicht um damit auszukommen.
      Das ist aber nur einer der Gründe, warum jemand sein Land verlässt.
      Aber das wissen Sie ja selber.

  2. Es ist der neoliberale Materialismus ,
    der den Menschen zur weltweit verfügbaren Arbeitskraft reduziert und damit die Verfügbarkeit weltweit .
    Durchgesetzt wird der neoliberale Materialismus über geheucheltes Gutmenschentum . Geheuchelt, weil entscheidende gesellschaftlich relevante Fragen ausgeklammert — die Menschen ihrer kulturellen Wurzeln enthoben werden .
    Der Zerstörung weltweiter Mannigfaltigkeit wird das faschistische Konzept der Integration , der totalen Unterordnung ,
    entgegengesetzt .
    Dieser totalitären Unterordnung verweigern sich intelligente Menschen ganz selbstverständlich —
    die nun kommen, kommen weil sie von der deutschen Politik das Angebot bekamen , ohne Arbeit mehr Geld zu bekommen als in ihrer Heimat mit Arbeit. Dieses Angebot nahmen sie an— aber warum sollten sie ihre Kultur aufgeben ?
    Viele lernen kein Deutsch, weil sie kein Interesse haben, deutsch zu lernen . Dieses Getue um Wartezeit bei Deutschkursen ist doch lächerlich . Wer Deutsch lernen will , lernt unabhängig von angebotenen Deutschkursen auch Deutsch .

    • Die sind faul?
      Und wir müssen uns totarbeiten, damit die „Neubürger“ sich einen Lenz machen können?
      Das ist doch Schwachsinn.
      Warum schmeißt man denn Leute raus, die bereits ne Arbeit haben und zum Teil schon integriert sind?
      Um Platz für Faulenzer zu machen?
      Das passt doch alles hinten und vorne nicht.
      So kann doch nur jemand denken, der sich selbst gerne alimentieren lassen würde.

    • Zit.:“Viele lernen kein Deutsch, weil sie kein Interesse haben, deutsch zu lernen “
      Nicht zugehört? Wie sollen sie deutsch lernen, wenn sie bis zu 2 Jahre auf einen Kurs warten müssen? Und dann bekommen sie auch nur das Notwendigste an Unterricht, damit sie nutzbar sind. Darüber hinaus unterrichten ist verboten und muss getarnt werden als etwas anderes.
      „das faschistische Konzept der Integration“
      Faschistisch ist das Konzept der Nichtintegration, weil dadurch Verständigungsmöglichkeiten unterbunden werden und so die Migranten gegen Einheimische ausgespielt werden können.
      „die nun kommen, kommen weil sie von der deutschen Politik das Angebot bekamen , ohne Arbeit mehr Geld zu bekommen als in ihrer Heimat mit Arbeit.“
      Das ist eine völlige Verdrehung der Tatsachen. Sicher wurden einige mit Versprechungen von Sorros Verein gelockt, aber die Tatsache, dass sie sich auf den Weg zu uns gemacht haben liegt doch in erster Linie darin, dass sie in ihrer Heimat keine Überlebenschancen mehr haben- Nahrung wird ihnen vor der Nase weggefischt, durch Landgrabbing von Großkonzernen wird ihnen ihre Nahrungsquellen auf dem Land weggenommen, Kriege und Umweltzerstörung nehmen ihnen die Lebensgrundlagen. Und das waren nur ein paar Punkte.
      „Wer Deutsch lernen will , lernt unabhängig von angebotenen Deutschkursen auch Deutsch .“
      Ja, wenn er die Möglichkeit hat, mit Deutschen in Kontakt zu kommen und zu verkehren, was ihnen in den Lagern verwehrt wird. Kontakt ja, zu faschistoiden Schlägern, die als Hauswarte und Sicherheitspersonal angestellt werden, oder zu den KassiererInnen in den Supermärkten, wo sie (wie z. B. in Messtetten) hingeschickt werden zuim Lebensmittel klauen, weil für die ordentliche Versorgung weder personal noch Geld da ist.
      Die Ehrenamtlichen Helfer (auch wieder Beispiel Messtetten) sind überlastet und werden teils noch behindert.
      Das hat mM nach Methode, gehört zur Strategie der Spannung (der US-Geheimdienste), die damit im Sinne der herrschenden Pseudoeliten durch das Teile-und-herrsche-Spiel deren Ausbeuterwirtschaft schützen.

    • Glauben sie wirklich das Migranten nach die USA rund 1900 zwei Jahre warten konnten für einen Kurs ?
      Selbst für Analphabeten, vermute ich, sind Sprachkurse da, genügend Angebote im Internet.
      Aber die Wille muss da sein, ein geflüchteter Tsjeche1968, der für mich arbeitete, vollendete niederländische Uni, sprach 1985 unsere Sprache noch sehr schlecht.
      Die Organisation wo wir beide arbeiteten hatte Kurse, ich sandte ihn dazu, und sagte ihm das er Zuhause kein Tsjechisch mehr sprechen sollte.
      Seine Sprache wurde besser.
      Ich habe fast als Nachbarn Ukrainer, untereinander sprechen sie ukrainisch, die Frau spricht schlecht niederländisch, der Mann kann mich nicht in niederländisch antworten wenn ich etwas zu ihm sage.
      Sie, gebildete Krankenpflegerin, findet keine Arbeit, ob das die Folge ist der schlechte Sprachkenntnis, ich vermute es.

  3. Stimmt schon: Deutschland geht es verglichen mit vielen anderen Ländern noch erstaunlich gut. Das ist aber nicht gut, sondern im doppelten Sinne pervers.

    1) „Uns“ geht es nur so gut, weil es „denen“ total schlecht geht. Wir leben auf Kosten ganzer Kontinente (Afrika, Südamerika, Indien, …), wo die Menschen oft nicht einmal genug zu essen haben, von medizinischer Versorgung, Sicherheit/Frieden und hygienischen Standards ganz zu schweigen.

    Außerdem leben wir nicht nur auf Kosten anderer Menschen, sondern des gesamten Planeten, den wir rücksichtslos ausbeuten. Der „Earth Day“ lässt grüßen.

    2) Selbst „wir“, denen es noch so gut geht, sind mi-se-ra-bel dran. Altersarmut, Erosion des Rechtsstaates, Abbau des Sozialstaates, Arbeitslosigkeit, … Der Neoliberalismus schafft so viele Probleme und eine so extreme Umverteilung von unten nach oben, dass selbst in den reichsten Ländern – zu denen Deutschland nach kapitalistischen Maßstäben sicherlich gehört – riesige Probleme deutlich werden und sich weiter zuspitzen.

    Die Parole „uns geht es gut“ ist folglich pure Propaganda, die die zwei wichtigsten Tatsachen völlig ausblendet: Wir beuten andere Menschen und den Planeten rücksichtlos aus, und auch bei uns werden die neoliberalen Ungerechtigkeiten immer deutlicher und lassen sich nicht länger kaschieren. Für beides gibt es keine Lösungen seitens der Politik, diese Propaganda ist also ziemlcih fatal.

    • “ „Uns“ geht es nur so gut, weil es „denen“ total schlecht geht. Wir leben auf Kosten ganzer Kontinente (Afrika, Südamerika, Indien, …), wo die Menschen oft nicht einmal genug zu essen haben, von medizinischer Versorgung, Sicherheit/Frieden und hygienischen Standards ganz zu schweigen.

      Außerdem leben wir nicht nur auf Kosten anderer Menschen, sondern des gesamten Planeten, den wir rücksichtslos ausbeuten. Der „Earth Day“ lässt grüßen. “

      Kann diese Behauptung bewiesen worden ?
      Keine Ahnung wie Venezolaner grosse Probleme bekamen ?
      Keine Ahnung wie das reiche Rhodesia das arme Zimbabwe wurde ?

    • Woher soll einer dieser Flüchtlinge/Migranten das 1. Wissen, 2. finden und 3. die Geräte hernehmen um diese Angebote zu nutzen? Mit einem Smartphone kommt man da nicht weit.

    • @vizero: wiso soll man mit einem Smartphone nicht weit kommen? Habe ich selbst gemacht bzw. mache ich gerade selber (Russisch auf babbel).
      Im übrigen sind doch die Migranten sehr firm im Umgang mit Smartephones, hat ja auch jeder eines und sie holen sich damit ja auch eine Menge an speziell für sie zugeschnittene Infos zB der Umgang mit Ämtern, was muss ich sagen um zum gewünschten Ziel zu kommen, was ist zu tun wenn mein Antrag abgelehnt wurde (Klage) usw…
      Also, verstehe ich mal gar nicht. Wer Interesse hat eine Sprache zu lernen kann das per PC oder Smartephone mM nach wesentlich effizienter als in einem Volkshochschulkurs. Ausserdem kann man wenn man in Deutschland ansässig ist das gelernte auch noch sofort umsetzen und üben.
      Nein. Diese Argumente zählen für mich nicht. Was hier gemacht wird ist doch ganz klar eine Irreführung der Menschen (von wegen die Migranten können keine Sprache lernen weil es zu wenig Kurse gibt) Bitte? Hallo? Im 21. Jahrhundert?! Digitalisierung wird doch überall sooo groß geschrieben….

    • Finanziert wird das schon. Ein Kostenbeitrag wird trotzdem gefordert.
      (Auf Antrag können die Teilnehmer aber auch von diesem Kostenbeitrag befreit werden.)
      Es gibt für alles Formulare und Anträge – wie überall in Deutschland.
      Alles sehr bürokratisch.

      Zu Internet-Sprachkursen:
      Ihre Muttersprache können sie lesen, sprechen und schreiben.
      Sie kennen auch die Regeln der Grammatik.
      Dann haben Sie auch Vorraussetzungen zum erlernen einer anderen Sprache.
      Fehlt Ihnen das, werden sie große Schwierigkeiten haben, mit Hilfe eines Online-Sprachkurses deutsch zu erlernen.
      Deutsch ist auch nicht grade leicht.
      Einige Wörter können sie schon lernen, aber das alles in einen Zusammenhang zu bringen. Das ist schwer.

  4. Man sollte nicht die Politiker an den Pranger stellen sondern die Gesellschaft selbst.
    Probleme können nicht mit den gleichen Strukturen gelöst werden, durch welche sie entstanden sind.
    Es braucht Kontrolle um die Qualität von Prozessen zu halten oder zu optimieren. Das sollte aber nicht nur in der Wirtschaft so sein, sondern auch in der Politik.
    Es wird Zeit für ein Qualitätsmanagement geleitet durch den mündigen Bürger oder besser noch die Pflicht zur Beteiligung an politischen Entscheidungen. Dann kann auch keiner mehr sagen: „Da hat man sowieso keinen Einfluss!“
    Aber wie?
    Zum Beispiel mit einer wöchentlichen Abstimmung (15 min) von aktuell wegweisenden Fragen der Kommunen, Länder und dem Bund. Ein paar Fragen zu beantworten sollte jeder schaffen und wenn nicht. Dann ist er selber schuld. Technisch sollte es jedenfalls keine Herausforderung darstellen.

    • Ich finde es gut, wenn sich die Menschen in die Gesellschaft einbringen und fragen, wie man Probleme lösen kann.
      Fragte dazu sind meinerseits:
      Wer stellt dann die Fragen und formuliert sie wie aus?
      Und wie hoch ist denn der Einfluss der Antworten auf die Politik?

      Wir wissen aus Umfragen, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan ist.
      Alle wissen es – und?

    • Oder wie wäre es mal wieder mit einer Petition.
      Der mündige Bürger wahrt ja die Contenance und macht von seinen demokratischen Rechten Gebrauch.
      Ob allerdings der Politiker die Petition als Auftrag des Bürgers begreift, davon erfahren wir nie.
      Oder gibt es irgend welche Rückmeldungen zu einer Petition.
      Man kann sich die Welt schön träumen, wenn man nicht gerade Betroffener ist.
      Ich sehe das 180000 Unterschriften alleine für Entlastung der Krankenversicherung bei Kleinunternehmern eingegangen sind. Gibt es irgend eine Reaktion.
      Hauptsache der Paketbote liefert pünktlich seinen Amazonmüll ab.
      Wie das geschieht ist egal, Amazon schüttet Dividende aus und auch der Spiegelredakteur nagt nicht am Hungertuch.

    • Hallo,

      „Wer stellt dann die Fragen und formuliert sie wie aus?“
      Die Frage zielt darauf ab, das der Fragenformulierer im eigenen Interesse handeln kann.
      Ein perfektes System kann es von Anfang an nicht geben, sondern es muss sich entwickeln.
      Es werden vorerst die Politiker sein, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass Fragen welche durch den Bürger eingebracht werden, per Voting zugelassen werden können.
      Mein Einwurf soll den Bürger überhaupt an dem demokratischen Prozess teilnehmen lassen.
      Ich denke er würde dadurch auch mehr Debatten führen.
      Das wäre eine großer Schritt Richtung Demokratie.

      Die Beteiligung durch Petition oder was auch der Verein Mehr Demokratie e.V. versucht scheitert am System selbst, da die Wege den Bürger zu beteiligen quasi durch Gesetze blockiert werden.
      Es gibt meiner Meinung nach viel einfachere und schnellere Wege.

      Das Zeitalter der verkappten Demokratie ist überholt.

    • Wie setzt man direkte Demokratie (Schritt für Schritt) durch?
      Die Politik hat kein Interesse daran.

      Bundespräsident Steinmeier gestern in der Schweiz:

      „Deutschland habe mit dem Grundgesetz die Lehren aus dem Scheitern der ersten Demokratie von 1918 bis 1933 gezogen, sagte Steinmeier weiter. Auch weil die demokratischen Institutionen derzeit von einigen in Zweifel gezogen würden, wäre deren Rückzug ein falsches Signal. Es bestehe das Risiko, dass dann die Legitimität parlamentarischer Entscheidungen gegen Elemente der direkten Demokratie ausgespielt werde.
      Dennoch sehe er das Schweizer Modell „mit einiger Bewunderung und Riesenrespekt“.“
      (General-Anzeiger Bonn)

      Der letzte Satz ist ne Höflichkeitsfloskel an die Schweiz.

      Steinmeier tut so als hätten wir von 1918 bis 1933 eine direkte Demokratie gehabt. Zumindest schwingt das mit.
      Dem Souverän wird nicht getraut – in einem Land wo angeblich 93% zufrieden sind.
      Die Politik würde dann wahrscheinlich auch argumentieren, bei 93% Zustimmung ist doch alles OK – an direkter Demokratie ist gar kein Bedarf.

  5. Im Spiegel wird berichtet, dass laut einer Umfrage 93% zufrieden oder sehr zufrieden sind und 7% sind das nicht sind.
    Was ist denn dann der Beweggrund für den Spiegel, so einen Artikel zu veröffentlichen?
    Richtet sich der Artikel an die 7%?
    Wohl kaum, denn von den 7% liest die Mehrheit nicht den Artikel.
    Sollen die mehrheitlich zufriedenen bei der Stange gehalten werden?

    Leute die in’s Nachdenken kommen und Zweifel anmelden, sind die Zielgruppe.

    • Es bleibt auch die Frage: Inwieweit stimmt das überhaupt? Propagandisten schrecken auch vor dreisten Lügen nicht zurück.

    • Sie meinen die Prozente?
      Das bezweifle ich auch. Anderseits, wer gibt schon gerne zu das er unzufrieden ist.
      Wenn ich eine solche Frage gestellt bekommen hätte, wäre ich für meine Person, auch eher zufrieden.
      Schon im Vergleich mit anderen Menschen auf der Welt, lebe ich, bei allem was mich aufregt und unzufrieden macht, auf der Sonnenseite.

    • Solche Artikel sind meiner Meinung nach immer für die Kritiker geschrieben. Die die keine Plüschelefanten oder regenbogenkotzende Einhörner an jeder Ecke sehen und sich Sorgen um die Zukunft machen.
      Ich kann schon im Grund keinen Wert darin sehen, zu sagen: „Im Verhältnis zu xyz geht es uns gut“. Das impliziert zumindest mir, dass man grundsätzlich kein Problem damit hat, sich xyz anzunähern.
      Und um Vertrauen in die Politik zu wahren und weitestgehend ungestört fortfahren zu lönnen, wird dann gesagt: „Im Verhältnis …blubb“
      Mir fehlt dabei der Fokus auf das Optimale, für den der Vergleich mit xyz überflüssig ist.

    • diese Spiegel-Umfrage ist doch der blanke Hohn! Wer glaubt denn dem Spiegel?! Dieser Bellizisten – Lügen – Propaganda – Lappen!? Eine schallende Ohrfeige für all die die in prekären Arbeitsverhältnissen feststecken, die Harz4 beziehen oder sanktioniert sind, die ohne Wohnung obdachlos in einem Teufelskreis gefangen sind, für alleinerziehende Mütter und Väter die Doppelt und dreifach Steuern und Abgaben zahlen müssen und für all die, die die Lügen und Kriegshetzerei unserer Polit- und MedienMafia nicht mehr hören können.
      Ich wünsche der Tag der Wahrheit möge kommen und all die die jetzt so hetzen, sich bereichern, nach Krieg schreien, lügen und betrügen, all die soll ihre gerechte Strafe ereilen. Am besten Arbeitslager für den Rest ihrer jämmerlichen verachtenswerten Existenz. Zum Beispil Julian Röpke: Arbeistlager und er muss noch froh sein wenn er so glimpflich davon kommt!

    • Ich sehe keinen Sinn darin, auf eine „soft-power Aktion“ mit Arbeitslager zu drohen.
      Das mag gut für ihr Ego sein, ist aber nicht zielführend.
      Würden Sie auch so argumentieren, wenn der Autor des Artikels vor ihnen stehen würde?

  6. Vielen Dank Herr Loyen,, dass sie die Realpolitik wieder in das Blickfeld gerückt haben.

    Diese Zufriedenheitsumfrage finde ich eh ziemlich substanzlos und da läst sich nun wirklich auch alles und nix draus ableiten.
    soweit ich es lesen konnte (habe ich vielleicht was übersehen?), wurde in dieser Umfrage lediglich die Frage im Wortlaut gestelllt: „Sind Sie insgesamt gesehen mit dem Leben, das Sie führen, sehr zufrieden, ziemlich zufrieden, nicht sehr zufrieden oder überhaupt nicht zufrieden?“

    Nun, ich kann ein ziemlicher Rüpel sein, unsozial, egoistisch, menschenverachtend, naturzerstörend, Kriege führen, sonstwas. solange es nach meinem Plan läuft, bin ich sehr zufrieden mit meinem Leben. (um hier mal ein extrembeispiel zu nennen)
    ich kann aber auch gerade erfahren haben,, dass ich nicht an Krebs erkrankt bin, Vatter, Mutter Oma oder Opa sonstwas geworden bin, glücklich verliebt, verheiratet,, einen tollen Freundeskreis habe etc. und bin ebenfalls sehr zufrieden mit meinem Leben (um ein anderes extrembeispiel zu nennen)

    Diese Zufriedensheitsumfrage gibt also keinerlei Aussage darüber, woher diese „Zufriedenheit“ kommt bzw. was damit im Detail gemeint ist.

    Was ein Herr Stöcker in seine Kolummne da für ein verschrobenes und beschränktes Weltbild hineininterpretiert, ist allein seine private Sichtweise und zeigt nur, auf welchem Niveau sich dieser Mann bewegt (Über seine Reichweite kann man sich sehr wohl aufregen) und nach jeden Strohalm greift, die- immer wieder und mehr ans Tageslicht kommenden – Probleme in diesem Land zu übertünchen, damit er weiter in seiner Wohlfühlblase leben kann (da werden noch viele weitere Artikel für seine eigene Gehirnkosmetik folgen) und die Politik doch bitte schön nur hart (und braun selbstbewußt) durchzugreifen braucht.

    Von daher freue ich mich,, dass Sie hier den Focus wieder auf die reale Politik gelegt haben.

    …..“Diese Politik boykottiert die Arbeit von Millionen Beamten und Bürgern auf den Ämtern und Behörden und vor allem Millionen von ehrenamtlichen Unterstützern, desillusioniert, die eine glaubwürdige Umsetzung von Integration und ein ehrliches Interesse am Zusammenleben in diesem Land tagtäglich hart erstreiten“ . . .

    Das kann ich hier nur unterstreichen.
    Seit Anfang des Jahres unterstütze ich ehrenamtlich einen jungen Mann aus Gahna bei seinen Behördengängen und wir haben es geschaft, für ihn Sprachkurse, Qualifizierungskurse und sogar die Perspektive auf eine Umschulungsmaßnahme zu erreichen. Die Erfahrungen bei den Behörden, Jobcenter, Handwerkskammer, Bildungsträger, etc. waren sehr positiv (wenn sprachliche Unterstützung da ist (in meinem Falle reichte ein wenig englisch, um mit dem Mann aus Gahna zu reden)) und ich kann nur sagen, dass ALLE unglaublich bereit waren Lösungen zu finden.

    Da kann man dann schon ziemlich wütend werden, wenn auf der anderen Seite, so wie Sie es, Herr Loyen, in Ihrem Artikel beschrieben haben, die Politik und Medien diese unsäglich „Abschiebungs- und Verhärtungsdebatten“ führen.

    Schlussendlich, bleibt dann eigentlich die Frage: Für was wird das eigentlich gebraucht? Hier geht es doch um was ganz Anderes, oder . . .??

  7. Es gibt nur 2 Möglichkeiten betr. dem Versagen der Integrationspolitik.
    Es ist entweder Unfähigkeit bzw. Gleichgültigkeit oder man will genau diesen Zustand.
    Das ist AFD-light-Politik.
    Von einer Regierung erwarte ich Lösungen und nicht die Schaffung von noch mehr Problemen.
    Das leistet Sie aber nicht.

  8. “ Das hat zur Folge, dass wir die Leute, die eigentlich eine Chance für das Land hätten sein müssen, jetzt langsam zur Belastung für sich und für das Land werden “

    Humor.
    In den Niederländen arbeiten nach acht Jahre bei uns 30% der Somaliër.
    Was das deutsche Wort für Geld geben an diejenigen die nicht arbeiten ist ist mich nicht deutlich, die Hartzen, aber een Grossteil dieser Unterstützung geht nach Niederländer mit Migrations Hintergrund.

    • Dabei habe ich noch vergessen was Migranten kosten fur Medizinische Behandlungen, Zahlen darüber will mann nicht geben, aber es scheint pro Kopf ziemlich mehr zu sein, und Kosten von Polizei Einsatz, unser Programm Opsporing Verzocht, Hilfe gesucht um Verbrecher zu finden, lässt fast immer Migranten sehen, darunter auch innerhalb der EU, Albanier, Rumänen, usw.

    • Es sollte doch eher heißen:
      “ Das hat zur Folge, dass wir die Leute, die eigentlich eine Chance für das Land hätten sein müssen, jetzt langsam zur Belastung für sich und für das Land GEMACHT werden. “

      Ich kenne mich nicht so in den Niederlanden aus.
      Welche Gründe sind es denn, wenn von einer Gruppe 70% nicht arbeiten? Pauschal kann man das sicher nicht beantworten.

    • Warum die nicht arbeiten ?
      Meine subjektive Meinung ist das sie kein Problem damit haben das alles Umsonst ist.
      Das ist auch was bei Ihnen Sarrazin schreibt, ‚wenn ein Anatolischer Landarbeiter bei uns mit nichts tun ein höheres Einkommen hat, dann er, wenn es Arbeit gibt, in Anatoliën hâtte, ist die Wahl schnell gemacht‘.
      Ich sah im Fernsehen ein Gespräch mit einer, er war acht Jahre bei uns, und beherrschte die Sprache noch immer nicht.
      Wer arbeiten will tut dafür Mühe, ist wieder meine subjektive Meinung.
      Aber es ist natürlich auch so das viele fast keine Bildung haben, Analphabet sind.
      Einfache Arbeit gibt es nicht viel mehr, in unsere komplizierte Gesellschaft.
      Wenn ich in meine Stadt zu Fuss gehe, und ‚Ausländer‘ begegne, das sie untereinander Niederländisch sprechen, eine grosse Ausnahme.
      Wir sind so dumm für sehr viel Übersetzungen zu geben, in 27 Sprachen !
      Aber ich muss auch zugeben, mann sieht wie viele kleine Unternehmen beginnen, Haare schneiden, Bäckerei, Handys reparieren, Imbiss Geschäften, usw.
      Nicht alle überleben.
      Und es gibt Fälle die ich nicht verstehe, eine Ukrainse Frau ein paar Häuser weiter war Operations Schwester, was das in die Ukriane ist oder war weiss ich nicht, aber ich denke das sie doch Erfahrung hat die es möglich macht bei uns zu arbeiten, wahrscheinlich nicht im alten Beruf, aber etwas ähnliches.
      Aber auch ihre Beherrschung unsere Sprache ist ungenügend.
      Ihr Mann spricht unsere Sprache fast gar nicht, er arbeitert, was, keine Ahnung.

    • Es gibt bei uns auch Fälle, die ich nicht verstehe. Vor allem, wenn ich nicht mit den Menschen in Kontakt trete.
      Aber wenn ich über die Situation nichts oder nur sehr wenig weis, kann ich nichts qualifiziertes dazu sagen.
      Da hilft mir auch kein Buch vom Sarrazin.
      Vielleicht unterhalten Sie sich einmal vorurteilsfrei mit den Menschen, denn wenn man mit ihnen spricht, lernen sie auch besser die Landessprache.
      Ich weis auch nicht, was sie daran stört, dass sich Landsleute in Ihrer Sprache unterhalten. Das würden wir doch genau so machen.

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