Tagesdosis 26.7.2017 – Goldene Merkel: Kanzlerin legt Wow-Auftritt hin! (Podcast)

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Ob Regen oder Sonnenschein: Goldene Kanzlerin legt Wow-Auftritt hin! Na wenn das mal keine Sonderberichterstattung in den Mainstreammedien wert ist. Unsere Goldkanzlerin hat Glück, denn sie hat bekommen, was sie wollte. Sie wollte und will weiterhin Deutschland dienen und damit gedenkt sie auch in den nächsten vier Jahren nicht aufzuhören. Merkel dient aus freien Stücken, sie dient freiwillig. Achja? Wirklich?

Ehe der Hahn kräht, wirst Du Dich drei Mal selbst verleugnen.

Apropos freier Wille.
Der kann manchmal ganz schön unfreiwillig sein. Nehmen wir das Experiment von Solomon Ash, einem Sozialpsychologen, der herausgefunden hat, dass die meisten Menschen sich keine freie Meinung bilden. Setzt man Menschen einem Gruppenideal oder Gruppenzwang aus, dann fügt sich der Einzelne diesem „Zwang der Gruppe“ und dies, obwohl er weiß, dass das, was er gerade mit Wahrheit beflockt oder mit Handlungen versiegelt, völliger Irrsinn ist. Der Zwang der Gruppe ist für den Einzelnen so stark, weil niemand sich ausgegrenzt fühlen will.

Nehmen wir zwei weitere Wow-Auftritte und fragen uns, wieso der Wow-Effekt der Goldkanzlerin überhaupt möglich ist. Schauen wir uns also die andere Seite der Medaille noch ein bisschen genauer an.

Stanley Milgrim schockte die Welt, als er feststellen musste, dass es kein Nazi-Gen gibt sondern, dass fast alle Menschen zu unbedingtem Gehorsam neigen, wenn man ihnen ihr Gewissen erleichtert. Menschen, denen man über eine Autorität vermittelt, dass das, was sie tun sollen, moralisch dadurch abgesichert ist, dass die Verantwortung für ihr Tun bei einer anderen Person liegt, sprechen sich von den Wirkungen ihres Tuns vollständig ab. Auch wenn sie dadurch anderen Menschen hohen Schaden oder die Tötung anderer Menschen vollziehen.

Kadavergehorsam nannte man das früher. Hannah Arendt nannte das „die Banalität des Bösen“ und fordert daher ein Recht auf Ungehorsam. Noch einmal: Menschenmassen können also im Gewand einer für sie hochethischen Ideologie andere Menschen zu Unmenschen erklären und ihnen höchstmöglichen Schaden zufügen, gerade weil sie ihre eigene Moral bei einer Autorität abgegeben haben, die ihnen vorgaukelt, die gesamte Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Dies ist eine Metatheorie politischen Handelns. Ein bloßer Bestandteil unseres Menschseins, auf den wir immer Acht geben sollten, denn zu schnell kann er uns entgleiten und zu sehr wollen mächtige Menschen uns zu dessen Herausgabe verleiten.

Heute ist Gehorsam derart subtil organisiert, dass Menschen im guten Glauben für eine gute Sache Freiheit und Frieden in Ketten legen und jeden sozial vernichten, der tatsächlich Frieden und Freiheit für alle will. Gehorsam ist der Boden auf dem Herrschaft wächst und gedeiht.

Kommen wir zu einem erst in jüngster Zeit erkanntem Spektakel, dass- so sein Entdecker, der Psychologe Christopher Chabris- alle Erwartungen übertroffen hat. Zu Anfang war das Experiment nur ein Hirngespinst, dann aber fesselte es ganze Psychologengenerationen, bis heute.

Zwei Gruppen werden gebildet. Beide Gruppen werfen sich in ihrer jeweiligen Gruppe Bälle zu. Die getestete Person soll sich merken, wie viele Pässe sich die eine Gruppe zuwirft. Nach ungefähr einer Minute wird der Zuschauer gefragt, wieviele Pässe er zählen konnte. Die Antwort ist fast immer richtig. Dann aber wird er gefragt, ob er denn den Gorilla, der durch das Spiel gelaufen ist, ob er ihn gesehen hat? Knapp die Hälfte der Zuschauer sieht den Gorilla, die andere Hälfte aber sieht ihn nicht.

Es spielt keine Rolle, wie intelligent, wie gebildet oder aufgeklärt wir im Ganzen sind. Beim ersten Experiment, also der ersten Selbstverleugnung unseres freien Willens, passen wir uns anderen an, weil wir, und dass ist jetzt wichtig, Bedeutung in der Gruppe wollen.

Selbstwichtigkeit ist die soziale Währung, mit der jeder sein Bedeutsamkeitskonto füllt. In diesem Sinn erscheint der freie Wille eher wie ein Virus, den es zu bekämpfen gilt; in einem selbst.  Die Medikation „unfreier Wille“ erzeugt Konformität der Meinungen und grenzt all diejenigen Meinungen aus, die sich um ihren freien Willen tatsächlich bemühen. Irre, nicht wahr? So wird das Bilden eines freien Willens zur sozialen Krankheit, derer sich ein „gegen den freien Willen möglichst immun werden“ fast alle anschließen. Der freie Wille soll zu einer sozialen Krankheit stigmatisiert werden.

Dass wir unser Handeln davon abhängig machen, ob ein anderer möglichst dafür die Verantwortung trägt, ist der Grund dafür, dass Historiker oft sagen, dass sich die Geschichte wiederholt. Die Geschichte aber wiederholt sich gar nicht. Wir wiederholen unsere Handlungen nach dem Motto: und täglich grüßt das Murmeltier. Es ist der Grund dafür, dass eine schiere Übermacht an Menschen tagtäglich, bevor der Hahn kräht, ihre Selbstverantwort im Schlafzimmer liegen lassen und ohne sie das Haus verlassen. Dadurch gelingt es allen möglichen Menschen die Macht wollen, Gruppen hinter sich zu binden, bei der jeder Einzelne in der Gruppe eine bloße Hülle seiner Selbst bleibt. Mit Intelligenz und akademischen Graden hat dies nichts zu tun. Es nützt auch nichts, sich möglichst intelligent und klug zu machen, damit man nicht in eine dieser Sozialfallen hineintappst und Zeit seines Lebens darin stecken bleibt. Einzig die Selbstermächtigung für das eigene Leben ist hier das Gegengift zu den zahlreichen Sozialfallen.

Kommen wir zur dritten Selbstverleugnung.
Sobald wir eine Tätigkeit in unserem Aufmerksamkeitfokus bannen, nehmen wir nicht mehr wahr, was überhaupt gerade geschieht. Kommt Konformität und Gehorsamsglaube noch hinzu, so entwickelt sich ein der Realität gegenüber orientiertes „ist mir doch egal-Gefühl“, auf das sich die eigene Weltsicht dann auf Dauer prägt. Da nützt es dem Mahner dann auch nichts, dass er mit Wahrheiten und Fakten nur so zu glänzen glaubt.

Drauf geschissen! Scheiß Aufklärung!

Dann ist es ums Verrecken wichtiger, das die Kanzlerin einen goldenen Wow-Auftritt hinlegt, denn die Menschen, die sich tagtäglich und immer wieder aufs neue drei Mal selbst verleugnen, halten die Selbstverleugnung für den freien Willen. Es nützt nichts, ihnen das alles hier beschriebene brühwarm zu erklären. Sie könnten ein Wochened-Seminar mit derlei Erkenntnissen und Selbstreflexionen buchen. Es würde ihnen den freien Willen nicht zurück bringen, da diese große Selbstverleugnung Teil unserer gesamten Kultur geworden ist. Sie ist ein riesenhafter Spiegel, der uns eine Welt zu erkennen ermöglicht, die uns repräsentiert und in der wir uns selbst hineinprojizieren. Das ist auch der Grund dafür, warum nur ein recht überschaubarer Anteil von uns sich von Lösungen beeindrucken lässt und Lösungen will.

  • Konformität, also tun, was alle tun
  • Gehorsam, also nie selbst entscheiden sondern andere wissen es besser und
  • gar nicht erst sich bemühen, um tatsächlich präsent zu sein

dies sind die Ketten um Hals, Füße und Hände, die wir uns selbst schmieden, um im belanglosen Goldkleid der Kanzlerin den Sinn erkennen, um den wir uns selbst gebracht haben: Bedeutsamkeit für das eigene Leben.

In einer Welt der Dreifachselbstverleugner gilt der psychologische Grundsatz: Je intensiver die Lösung zur Selbstermächtigung vor uns liegt, desto heftiger die Gegenreaktion gegen die Selbstermächtigung und um so fester wird an der Selbstverleugnung festgehalten.

Das alles ist also in seiner ganzen Undurchschaubarkeit eine „self-fulfilling prophecy“, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, die wir Kraft unseres daran Festhaltens immer und immer wieder selbst erschaffen: „So wie du über dich denkst, beeinflusst du deine Handlungen gegenüber anderen. Was das Denken der anderen über dich ebenfalls beeinflusst. Das verursacht die Handlungen anderer gegenüber dich, was wiederum dein Handeln, Denken und Fühlen in deinem Weltbild festzurrt.“

Selbstermächtigung ist das kraftvollste und energiereichste Tun, dass Mutter Natur jedem zum Geschenk gemacht hat. Wir können das erkennen und lernen unsere Dreifachverleugnung zu überwinden, die uns alle am Vorwärtsgehen hindert.

Ehe der Hahn also drei Mal zu krähen beginnt, sollten wir uns eine Firewall in unser Hirn einbauen: Selbstermächtigung. Leg also los und erschaffe selbst den Wow-Effekt für dein Leben. Es wird Zeit, genau das zu tun: Gebt der Kanzlerin, was der Kanzlerin ist.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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2 Kommentare zu: “Tagesdosis 26.7.2017 – Goldene Merkel: Kanzlerin legt Wow-Auftritt hin! (Podcast)

  1. Je tiefer Du in Deine eigene Psyche eingetaucht bist, desto tiefer hast Du auch durchschaut, wie diese kranke Ellenbogengesellschaft funktioniert und je kleiner wird die Gefahr, in eine dieser Fallen zu tappen. Nach meiner Erfahrung haben die es damit am schwersten, die von ihrem Elternhaus her überhaupt keine Werte vermittelt bekamen.
    Sie müssen sich erst einmal viele blutige Nasen holen bei der eigenen Weg-Bahnung zu selbst erlittenen Werten. Das bedeutet, dass schon die Eltern nicht genügend Selbstbewusstsein besaßen und unbewusst die oberflächlichen seelenlosen Werte der Gesellschaft übernommen haben. Du musst dann möglichst schön, stark und intelligent sein und natürlich Karriere in diesem System machen und dann möglichst viel Geld verdienen. Viele Eltern wünschen sich ja auch von ihren Kindern, dass sie das schaffen, was sie selber nicht zuwege brachten. Also Du kannst u.U. auch ein bekannter Promi oder Künstler oder ein berühmter Wissenschaftler werden. Dann betäubst Du erst einmal die Minderwertigkeitsgefühle Deiner Eltern und sie können „stolz“ auf dich sein. Was in solchen Elternhäusern am allerwenigsten gefragt ist, das bist Du selbst. Du sollst, ohne Dich selbst überhaupt je richtig kennen gelernt zu haben, Dir diese Allgemein-Werte überstülpen lassen und erfüllen. Dass das immer nur schief gehen kann, ist vorprogrammiert.
    Du kannst dann immer nur bei jeder Schicksalswelle, die auf Dich zurollt, hoffen, dass sie Dich nicht ertränkt und Du am Ende immer ein bisschen gestärkt daraus hervor gehst und ein bisschen mehr durchblickst. Wenn Du dann alle diese Schicksalsschläge einigermaßen heile überlebt hast und die Krankheit und Banalität dieser gesellschaftlichen Erfolgs-Standarts restlos durchschaut hast, dann erkennst Du auch alle diese drei Fallen der Selbstverleugnung und noch viel mehr. Aber nicht jeder erringt diesen Sieg und begreift, dass er nie etwas „werden“ brauchte, weil er doch sowieso mit Eintritt in diese Welt schon etwas war und immer bleiben wird. Namlich er selbst. Und jedes dieser „Selbste“ ist gleich viel wert und gleich interessant, gerade weil jedes anders ist.

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