Tagesdosis 26.8.2019 – Die Ossi-Verachtung

Ein Kommentar von Jens Wernicke.

Rubikon-Herausgeber Jens Wernicke widerspricht der Analyse von Götz Eisenberg zum „autoritären Charakter“ im Osten der Republik.

Nun ja, ich biete jedem Autor und jeder Autorin im Rubikon stets aufs Neue an: „Nein, wir zensieren Menschen mit anderen Positionen nicht, wir diskutieren Dinge aus, vorausgesetzt, sie werden in guter Absicht vorgetragen und sind von humanistischem Geiste beseelt. Wenn Dir also etwas nicht gefällt, dann spar Dir bitte den ‚Das, was der da denkt, ist unpublizierbar, schmeißt den sofort raus!‘Spruch, sondern schreibe das auf, was Du meinst, und wir veröffentlichen es als Replik. So arbeiten wir hier. Von Demokratie nicht nur reden, sondern sie auch leben und vorleben, bei aller Kraft, die das jeden von uns immer wieder einmal kosten mag.“ Dieses Recht nehme ich mir nun auch selbst einmal heraus – denn insbesondere ein Artikel unserer Samstags-Ausgabe zu den Machenschaften der AfD hat mich wirklich geärgert. Und zwar derjenige vom von mir hoch geschätzten Götz Eisenberg, dessen Arbeiten wichtig und in aller Regel über die Maßen klug und geistreich sind.

Ich will meine Kritik versuchen, in kurzen Worten zusammenzufassen; und ich sage dazu:

„Ja, ich bin Ossi – und genau in dem Alter, über das Götz Eisenberg hier weitgehend schreibt“.

In aller Kürze:

Erstens: Was mir immer wieder auffällt, ist, wie sich „gute Menschen“, die sich selbst leider viel zu oft als „besondere Menschen“ verstehen, meinen, gegen jede Form von Rassismus, Stereotypen und Gruppendenken vorzugehen – und dabei doch genau diese drei Dinge viel zu oft reproduzieren, ohne dies auch nur zu merken. Da erlebe ich oft eine Art „Theorie-und-PraxisPhänomen“, das dazu führt, dass für das vermeintlich Gute doch die staubigen Denkgebäude derer, die man zu bekämpfen vorgibt, benutzt werden.

Das ist kein inhaltliches Argument, aber es fällt mir immer häufiger auf: Götz Eisenberg ist gegen „Schubladendenken“, das Menschen pauschal über einen Kamm schert, sich aber zugleich nicht zu schade, „Studien“ der einen oder anderen Herrschaftswissenschaften auszukramen, um dann den „archetypischen Ostdeutschen“ auf dem Reißbrett zu entwerfen. Ich finde das unredlich – und keine der genannten Studien wirft auch nur im Ansatz ein Licht auf die eingeschränkte Perspektive des Herangehens, die gar nicht erst gestellten Fragen sowie die Parteilichkeit der Interpretation der Ergebnisse, die in aller Regel, natürlich macht- wie stereotypenkonform, gleich mitgeliefert wird.

Zweitens: Ich bin der Meinung, dass Wissenschaft eben bedeutet wirkliche Wissenschaft es bedeuten würde –, nicht vorgefertigte Auffassungen einfach weiter zu bestätigen, sondern an deren Ende und in deren Brüchen, dort also, wo der Erklärungsansatz der Herrschenden in seiner Blindheit und Pauschalität scheitert, die wirklichen, die eigentlich wichtigen Fragen zu stellen. Das eine ist, wenn ich so sagen darf, für mich „intellektuelle Eitelkeit“, das andere Neugier, die mit Ergebnisoffenheit einhergeht und einhergehen muss.

Nur letztere bringt uns dabei einander wirklich näher und gemeinsam weiter voran: Will ich recht haben oder die Dinge und meine Mitmenschen wirklich verstehen? Bin ich offen für Neues oder bestätige mir nur selbst, was ich ohnehin zu denken beabsichtigt hatte und immer schon dachte? Denke ich auch meinen eigenen „Schatten“ mit oder projiziere diesen, „mein Böses“, einfach auf die anderen?

In diesem Sinne muss ich feststellen, dass im gesamten Artikel von Götz Eisenberg das für mich Entscheidendste vollkommen ausgeblendet, die wichtigste aller Fragen nicht einmal angedeutet wird: Wenn denn, wie Götz Eisenberg behauptet, die Sozialisation „in der DDR“ quasi „zu Zwangsresultaten“ und an deren Ende zu einem mehrheitlich „autoritären Charakter“ geführt hätte – wieso um alles in der Welt existieren dann „Ossis“ wie Susan Bonath, ich und viele andere überhaupt, für die keine dieser Analysen in der vorgetragenen Form auch nur im Ansatz Gültigkeit erlangt? Diese Frage zu beantworten wäre Aufgabe kritischer Intellektueller, weil sie eben nicht neuen Staub auf die Vergangenheit packte, sondern Veränderung denkbar machen würde.

Drittens: Meine tiefste Kritik, das, was meine Gefühle in Wallung brachte, am Artikel von Götz Eisenberg – und ein wenig auch an dem meiner Freundin Susan Bonath, deren Analyse zum Thema ich jedoch weitgehend teile – ist aber eine ganz andere, schwerwiegende: Warum so viel „intellektueller Popanz“ um eine so banale Wahrheit, die beide Autoren offenbar weder sehen, noch auszusprechen wagen:

• Den Westdeutschen wurde nach 1945 viel zugemutet, aber stets auch das Märchen von der sozialen Marktwirtschaft und dem gerechten Kapitalismus verkauft, und der Mythos der individuellen Freiheit konnte daher lange ungebrochen fortbestehen – bis mit Schröder und Fischer nicht mehr nur wieder Krieg von deutschem Boden ausging, sondern auch das größte Sozialabbauprogramm nach 1945 exekutiert wurde. Auch hier gibt es mehr und mehr Verwerfungen, sitzt die Hoffnung auf „eine gerechte Ausbeutung“ vielen aber in den Knochen, haben sie eine vermeintlich solche doch über Jahre erlebt und können schwer verstehen, dass dies wohl nur eine „historische Ausnahme“ – auch und vor allem aufgrund der OstWest-Konkurrenz sowie des Gleichgewichts des Schreckens gewesen sein soll.

• Der Ostdeutsche, gehen wir einmal von einer Art „kollektiver Erfahrung“ im Sinne eines „kollektiven Gedächtnisses“ aus, hat etwas ganz anderes erlebt: Wir wurden in der DDR zu Objekten gemacht, die kaum irgendetwas an ihrer Umwelt selbst zu beeinflussen vermochten; und wir wurden nach der „Wende gleich vom nächsten System verarmt und wieder nur zu Objekten degradiert. Eben genau die von Götz Eisenberg zitierten „Ossis um die 50“ haben allesamt den Zweiten Weltkrieg nicht erlebt, gleichwohl aber Unterdrückung in zwei Staaten, die wirklich manifest gewesen ist. Und zudem im ersten dieser beiden Staaten eine Unterdrückung, die man ihnen als „ganz besonders links“ verkauft hat. Ihre Erfahrung lautet: Egal welches System, wir werden immer belogen, verraten und verkauft. Und wir wurden eben schon von den vermeintlich „linksten Linken“ behandelt wie Dreck – und durften dann, nach der Wende, erleben, wie SPD und Grüne Kriege und Sozialabbau forcieren und die sogenannte Linkspartei in Berlin die halbe Stadt zugrunde richtet und den Reichen und Mächtigen zum Verkauf feilbietet, zuletzt sogar unser staatliches Schulsystem.

Lieber Götz Eisenberg, liebe Susan Bonath, was hier helfen würde, um „den Ossi“, den es, wie gesagt gar nicht gibt, zu verstehen, wären vor allem Demut und harte Selbstkritik am eigenen politischen Milieu. Und das, was Rubikon-Autor Jens Lehrich in folgende Worte fasst:

„Wir brauchen Empathie da, wo es weh tut — alles andere ist keine Empathie“.

Wenn Sie, lieber Götz Eisenberg, doch Freund der Frankfurter Schule und Kritischen Theorie sind, dann verstehen Sie vielleicht, was ich meine, wenn ich sage: Ihre Analyse ist eine der „kalten Vernunft“, die laut Bloch die Welt kaum besser zu machen vermag, da ihr die Liebe, das Mitgefühl und wirkliches Verständnis abgehen. Das Werk Ihrer Schule zum Thema lautet „Zur Kritik der instrumentellen Vernunft“ und wurde von Max Horkheimer verfasst.

Worauf will ich hinaus? Darauf, dass es eigentlich alles andere als schwer sein sollte, die „Volksseele“ der „Ostdeutschen“ ein wenig respektvoller zu interpretieren, anstatt sich erzieherisch und mit erhobenem Zeigefinger moralisch über diese zu erheben. Massenpsychologische Prozesse mögen uns politisch oft nicht gefallen, denn ist auch die „Psychologie der Massen“ eine, die stets Gründe für ihr handeln kennt, die als solche zu sehen und anzuerkennen sind, wenn man in anschließender Analyse überhaupt einen Beitrag zu wirklichem Verstehen und zukunftweisender Veränderung leisten will.

Konkret: Da der heute 50-jährige Ossi sein Leben lang von nunmehr zwei verschiedenen Staaten verarmt, unterdrückt und entmündigt wurde – und da er sehr genau erlebt hat, dass ihn CDU, FDP, SPD, Grüne und auch Linke ein ums andere Mal im Kern seiner Interessenlagen verraten, und dass „Linke“ in seiner Erfahrung sowieso die sind, die im Zweifel eine Mauer bauen und seine Tochter oder Schwester abknallen, wenn diese sich nach – wie moralisch oder politisch vermeintlich falsch das auch immer sein mag – mehr wirtschaftlicher oder politischer Freiheit sehnt, meine Güte, was sollte da massenpsychologisch auch anderes am Ende rauskommen als:

„Nun gut, alle haben mich von vorne bis hinten verarscht, außer die Rechtspopulisten, die Nazis, die kenne ich nicht, die waren zu Lebzeiten noch nicht am Zug; wahrscheinlich lügen die auch, aber es ist einen Versuch wert, beim nächsten Mal diese zu wählen. Vielleicht tun sie ja was gegen Hartz IV und all den anderen Scheiß? Die Linken tun da angeblich seit fast 20 Jahren was dagegen — angekommen ist davon nichts bei mir!“

Dieser Gedanke ist rudimentär vernünftig und aus dem kollektiven Erleben eines wiederholt verratenen „Volkes“ sehr wohl verständlich.

Dass dieser Gedanke ebenfalls ein Betrug ist und wir ohne soziale Kämpfe von unten gegen oben in diesem Land gar nichts mehr zum Besseren verändern werden – das ist diesen Menschen noch zu vermitteln. Zuhören werden sie allerdings niemandem, der von Beginn an so auftritt, dass bei ihnen nur ankommen kann „Ihr seid ja eh ein wenig dumm und qua Sozialisationszwang geborene Nazis“.

Und, das noch zum Schluss: Diese ganze Debatte mit „rechts und links“ ist inzwischen fraglich, in Zeiten, in denen die CDU teils eher noch für Sozialpolitik steht, als die Linke dies tut. Wichtiger aber: Diese klassische Projektion der eigenen Probleme auf „den Ossi“ ist auch eine wunderbare Leistung, die der eigenen Entlastung und Verdrängung dient. Oder meinen Sie wirklich, „die 68er“ seien alles Gutmenschen gewesen und diese Revolution von Sinn, Verstand und Liebe inspiriert? Puh, da wären Sie ja wirklich Abkömmling eines „ganz besonderen Volkes“; was ich, zu meinem Bedauern, in keiner Weise zu glauben vermag.

Und haben Sie eigentlich einmal mit der oberen Mittelschicht zu Mittag gegessen in den letzten Jahren? Ist Ihnen bei diesen Gesprächen, wohl gemerkt, „mit Westdeutschen“, der tief verwurzelte Hass gegen Arme und Kranke entgangen, der sich nur noch schwer zu tarnen vermag? Wieso eigentlich sind „Ossis“ „Nazis“, wenn sie AfD wählen, diejenigen aber, die nichts gegen Euthanasie oder Sozialeugenik hätten, die Armen gern verhungern lassen würden, aber aus dem Westen kommen und in aller Regel Schlips tragen – wieso diese eigentlich nicht? Lassen Sie mich raten: Zu deren „rechten Einstellungen“ stand in den von Ihnen zitierten Studien nichts, da ging es nur um den „Habitus im Osten“.

Und warum sind Ökonomen, die gezielt die Ideologie der Massenverarmung als Wissenschaft ausgeben, eigentlich keine „Rechten“ – Menschenfeinde sind sie doch allemal.

Wo Linkssein stets auf Neue meint, empathie- und beziehungslos zu agieren, über andere moralisch zu urteilen und zu richten – da ist es an der Zeit, kein Linker mehr zu sein; kein Linker dieser Gattung jedenfalls.

Vielmehr ist es an der Zeit, uns einmal an die eigene Nase zu fassen: Wo sind wir, wir alle, auch wir Linken, latent oder offen autoritär, vernunftfeindlich, nicht mehr offen für Neues, nicht mehr im Besitz von Empathie? Wo verurteilen wir andere, eben weil wir es können und die intellektuellen Waffen hierzu von jenen bekommen haben, gegen die wir sie eigentlich einsetzen sollten?

Und genau dort, an diesem Punkt und hinter dieser Selbstreflexion verschwinden die Konzepte von falscher, weil bedingungsloser Liebe zum eigenen Milieu und werden wir überhaupt erst offen dafür, uns als Mensch unter Menschen lebendig zu erfahren, nicht als „Linker“ oder „Rechter“, der all seine Unterdrückungserfahrung auf das jeweils andere politische Spektrum projiziert – und damit nur das alte, verlogene Märchen weitertradiert, das da behauptet: Der Faschismus käme von unten, von den einfachen Menschen, die ihn hervorbringen.

Das kam er noch nie. Und unsere stärkste Waffe im Kampf gegen ihn ist und bleibt daher unsere Solidarität mit anderen Menschen, egal, welcher Hautfarbe, welchen Wohnorts oder Geschlechtes sie sind. Und egal auch, welcher politischen Gesinnung sie den Eid geleistet haben; dafür können sie wenig bis nichts.

Das heißt, wohl gemerkt, nicht, dass das, was andere tun, richtig sein muss, nur müssen wir die Sphären trennen: Ihr Handeln erfordert Kritik, ihr Menschsein jedoch verlangt unseren Respekt.

Wer das nicht versteht, treibt immer weitere Teile der Bevölkerung im Land mit seiner beziehungslosen Moral von oben herab den Rechten in die Hände, die tun, wozu sie gerufen wurden:

Den Klassenkrieg gegen alle Armen — auch die rechten — auf die nächste Stufe heben.

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Dieser Beitrag erschien am 25.8.2019 im Rubikon

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Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

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22 Kommentare zu: “Tagesdosis 26.8.2019 – Die Ossi-Verachtung

  1. Kurz ist bei so einem Thema nicht mgl, deswegen wollt‘ ichs eigentlich auch lassen, doch beim Rubikon häuften sich solche Artikel, die irgendwie verkürzt und unlogisch sind.
    Bei dem Artikel von Götz Eisenberg bin ich ausgestiegen bei:
    „dass im abgeriegelten staatssozialistischen Gehege der DDR-Gesellschaft traditionelle Haltungen und Erziehungsstile ungemindert fortexistierten.“ (gemeint sind hier „haben alte preußisch-deutsche Tugenden und Haltungen überdauert..“ (dem wird die 68iger Bewegung gegenübergestellt, unter anderem mit dem Stichwort „sexuelle Befreiung“. Dazu möchte ich sagen, daß das schlicht nicht nötig war in Ostdeutschland, sich von sexueller Prüderie zu befreien.))

    Das ist diffamierend (für jeden, der nicht genug Eigenständigkeit besessen hat zu fliehen aus dem „Gehege“) und hat doch nichts mit dem Wahlverhalten zu tun!
    Es sagt höchstens, das Leistung im Osten noch als Wert angesehen wird, das kann nicht schaden, wurde der Osten doch dauerhaft zur Werkbank gemacht, nachdem man den Ostdeutschen nahezu alle Produktionsmittel aus der Hand genommen hatte… und die westdeutsche (nun gesamtdeutsche) Gesellschaft ist alles mögliche, jedoch keine Leistungsgesellschaft.

  2. Da die Artikel nun bis hierhin folgen, will ich mich doch dazu äußern, zumindest kurz (wie mgl.)

    Bevor man seine Bewertung pauschal über Ostdeutsche abgibt, sollte man sich vielleicht mit der tatsächlich abgelaufenen Geschichte befassen. (Nicht mit den staatlich finanzierten Verleumdungsarien über den „Unrechtsstaat DDR“ den man quasi mit dem Totalitarismus der NS-Zeit gleichsetzen möchte (und damit schon per se Ossis als Faschisten assoziiert.)

    Als Linker bietet sich zum Einstieg vielleicht das Buch
    „Was war die DDR wert?“ von Siegfried Wenzel an.

    Im Übrigen stimme ich @Viceman zu.
    In der DDR waren die sozialen Menschenrechte erfüllt, in der BRD nicht, dort waren es die freiheitlichen. Eigentlich hätten wir gern beide und das war ja auch mit dem „3. Weg“ gemeint. Das sich die AfD jetzt „Vollende die Wende“ auf die Plakate schreiben kann, ohne daß die Linke sofort reagiert ist eine Farce. Stattdessen gibt es in Sachsen ein Interview einer linken Abgeordneten (https://kandidatencheck.mdr.de/?kandidat=6540) beim mdr in der sie auf alle Fragen „42!“ antwortet! Glaubt man’s?

    Ein Beitrag im ÖR (https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-am-puls-deutschlands—wasmichimostenstoert-100.html) beleuchtet das AfD Thema und verweist auf einen interessanten Aspekt – die Hartz VI Proteste waren ebenso groß wie die Pegida Demonstrationen… haben sie Eingang in die mediale Berichterstattung gefunden?
    Soweit ich weiß kaum.
    Ganz anders als jetzt Pegida und AfD; denn hier wird ein längst bestehendes Narrativ erfüllt – der Ossi ist dumm, stumpf und rechts.

    Nur knapp ein fünftel der Deutschens Bevölkerung ist Ostdeutsch! Ohne Beteiligung aus den westdeutschen Ländern können diese also nicht links wählen. Gibt’s dort Aktionen auf der Straße?
    (Doch knapp 4% deutsche Wähler einer unliebsamen Partei reichen um Dauerthema in den Medien zu werden.)

    Zum Schluß noch was Positives: Der Ostdeutsche weiß noch, was Solidarität ist, denn er hat sie erlebt.

  3. es geht vielen Menschen nicht so gut, wie sie es sich wünschen auch im Rheinland und in Bayern. Und es gibt viele Negativ-Urteile über andere z.B. Düsseldorfer über Kölner, Deutsche über Holländer …… langsam sollten wir uns daran gewöhnen und die Sache mit Humor betrachten. Die kulturelle Vielfalt und Eigenart der Länder und Regionen in Europa ist unser Reichtum und reale Benachteiligungen müssen konsequent abgeschafft werden. Für mich gibt es keine Begründung für Lohn- und Gehalts-Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern, die Differenzen sollten sich durch „Angebot und Nachfrage“ klären. Und im Übrigen finde ich es an der Zeit, in der ARD die unterschiedlichen Dialekte Deutschlands, auch das sächsische, zu hören.

  4. ich meine, auch der artikel bestätigt teilweise die stereotypen des herrn eisenberg. ich versuche mich an die jahre in der ddr zu errinnern, aber eine „besonders linke unterdrückung “ …da kommt bei mir nicht viel ! wenn ich nur von meinem umfeld , meiner schulzeit an pos/eos ausgehe und auch später, dann faselten die leute von „druck , unterdrückung“ , die heute ihre feisten ä… in den sesseln von firmen,parteien und/oder staat breitdrücken.diese schafften es , trotzdem zu studieren, karriere zu machen und ‚gut zurechtzukommen ‚. das ist „kein neid“ oder ähnliches, worauf denn auch ! wer in einem volkeigenen betrieb gearbeitet hat, der kann das duckmäusertum in der heutigen wirtschaft, ja der ganzen gesellschaft ,das falsche buckeln und kratzen überhaupt nicht verstehen. hier und heute feiert „der untertan“ fröhliche wiederauferstehung in einem unglaublichen ausmaß. karrieristen, neid , mißgunst, intrigen gab es ganz sicher in der ddr auch, aber eines war klar im betrieb , arschlöcher konnte man arschlöcher nennen, auch laut und vor anderen und keine ist deshalb nach bautzen oder sonstwo hingekommen. evtl. wurde er dann mal nicht ‚befördert‘ aber das wars dann auch. die ddr / das ganze system erzog zu gemeinsinn, solidarität, zusammenarbeit, kollektivgeist , gegenseitige unterstützung und emphatie … eigenschaften, die seit 30 jahren sytematisch zerstört , verzerrt und verhindert werden.

    • danke viceman für diesen authentischen Kommentar. Ich kenne sehr viele Leute hier, denen es ebenso geht. Ich glaube ohnehin, die Funktion der DDR-Delegitimierung ist, dass man sich gar nicht mehr traut, eine Alternative zu dieser Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung vorzustellen! Kaum fallen einem so Sachen ein, wie Sie sie berichten, soll im Kopf „Diktatur, Stasi, Doping, verordneter Antifaschismus, Jugendwerkhof, usw., usf“ aufpoppen.

  5. Es läuft doch immer auf das Gleiche heraus: was von der Regenseite her kommt, ist fast immer betrüblich. Der Osten ist ihnen ein grosses Rätsel, dass sie diesem die einzige Oppostion zu verdanken haben seit langem, ist ihnen ein Greuel. Ja, die Opposition steht rechts, ist aber immerhin eine, anders als die Grünen, so links, dass es knallt und stinkt im goldenen Westen. Wenn diese Theorie kritisch ist, dann reichen alle Besen der Welt nicht, um sie zu fressen. Leute wid Eisenberg, Knabe, fast die gesamt Presse arbeiten unisono daran, den Leuten In der DDR, die eine andere Gesellschaft aufbauen wollten, ihre Biographie zu nehmen und ereifern sich anschliessend darüber, dass deren Kinder und Enkel eine kräftige Wut aufbauen – während im goldnene Westen die halbe Mannschaft die kriegsgeiferndsten Parteien wählt und darauf auch noch indirekt gelobt wird (sind ja sensible Kerlchen, alle die). Wer da nicht kotzt, hat keinen Magen!

    • Nur daß die „Grünen“ weder links und auch lange schon nicht mehr grün sind. Gleiches gilt für die genannte „Opposition,“ also die Pseudo-Opposition. Gemeinsam vom großen Geld gefördert, einzig damit es noch größer wird, koste es was es wolle.
      Das ist übrigends das derzeit medial beförderte Narrativ, die übliche Wahl die man durch die Eliten bekommt. Entscheide dich für Pest oder Cholera. Eben Wahloligarchie.

    • Ja, genau die Grünen meinte ich, die kriegsgeifernden – und macht man ein paar Tage vor der Wahl das Radio an, wer wird einem empfohlen, oh heiliger Eisenberg? Die Grünen, vor und zurück! Damit wieder alles in Ordnung kommt, wa?

  6. Sehr geehrter Herr Wernicke,
    vielen Dank für diesen hervorragenden Beitrag. Es ist eine Wohltat, wenn Menschen ohne ideologische Scheuklappen versuchen, das Geschehen zu interpretieren. Das gelingt leider nur Wenigen, Ihnen gelingt es sehr gut. Den Anderen versuchen zu verstehen, ist ja die Voraussetzung, um ihm und uns überhaupt helfen zu können.

    • Vorab: Nicht jede Ideologie ist gleich als gefährlich oder als kognitiv, emotional, sozial einschränkend einzustufen. Aus der Funktion der Ideologie ergibt sich ihre Gestaltungskraft für Individuum, Gruppe, Gesellschaft. Auch für Ideologien gilt Wilhelms Buschs Bemerkung zu Toleranz:

      Toleranz ist gut, aber nicht gegenüber den Intoleranten.
      (carl-auer-akademie, Gitta Peyn systemzeit)

      „Die Ausgrenzung und Selektion von sozial Benachteiligten nach vermeintlichen Leistungskriterien zum Wohle von Weltwirtschaft und Volk fügt sich in die sozialdarwinistische Ideologie der völkischen Antikapitalisten ebenso ein wie in das marktradikale Denken neoliberaler Hardliner.“
      (Stefan Dietl)

    • Dazu habe ich mich an etwas erinnert:

      1. Befreiende Toleranz würde mithin Intoleranz gegenüber Bewegungen von rechts bedeuten und Duldung von Bewegungen von links. Was die Reichweite dieser Toleranz und Intoleranz angeht, so müßte sie sich ebenso auf die Ebene des Handelns erstrecken wie auf die der Diskussion und Propaganda.

      2. Allerdings ist eine derart extreme Aufhebung des Rechts der freien Rede und freien Versammlung nur dann gerechtfertigt, wenn die Gesamtgesellschaft in äußerster Gefahr ist.

      Sehen Sie eine Gefahr, die solche Denkmuster denkbar werden lassen?

    • @Mensch

      ihrem Kommentar kann ich nur zustimmen! ein hervorragender Artikel und eine hervorragende sprachliche Fassung der jeweiligen Konstellationen und Aspekte . . .

      und eben, es kann so einfach sein!! . . einfach hinschauen, Empathie entwickeln, mit Demut als Mensch hinschauen und dann kommste eigentlich von selbst drauf ganz ohne Parteien- und Gruppen-Mensch-Ärgere-Dich oder interlektuellem Deutungs-Schach . . .

  7. Hallo liebe Streithennen und – hähne, ich habe einmal eine wunderschönen Spruch zum Thema wleche Seite sei nun die richtige aufgeschnappt: „Wer zu weit links steht, glotzt rechts schon wieder raus!“ Mal darüber nachdenken, was vertikales Kastendenken außer Tod und Unglück für zu bieten hat! Ein umfassendes Aufarbeiten der Geschichte und Offenlegung der Hintergründe von 1900 an bis heute wäre angesagt. Das würde aber einigen Kreise in die Krise stürzen. Herrlich Herr: „Warum so viel „intellektueller Popanz“ um eine so banale Wahrheit…“
    Wie oft verlieren sich die gescheiten Geister in den Thorien alter toter Männer, obwohl deren phrasenreiche Werke allein durch das Beobachten vor der Haustür sich erübrigen würden. Klar doch, man muss den oder den gelesen haben, um seine Ansichten mittteilen zu dürfen. Aber genau da beginnt der Dünkel und die Linie, die andere nicht überschreiten dürfen ohne in der Luft zerissen zu werden. Die Zerissenen dürfen sich aber auch nicht erdreisten anderer Meinung sein, sonst haben wir da die verfemte historisch genial von den Lügenmächten betonierte Ecke in die man flugs geschubbst wird! Das kann auch manchen passieren, die der Herkunft wegen eigentlich immun sein sollten. Ich sag es mal deutlich: Ihr mit eurer Selbstgerechtigkeit im Glauben an die eine oder andere Seite oder die immer wieder von Individuen torpediert und damit ad absurdum geführt werden, werdet erwachsen und nabelt euch ab von Sätzen aus Schriften, die sich längst überholt haben oder nur den Tod für andere in sich tragen, weil hier und da deren Meinung nicht passt. Damit seid ihr meiner Meinung nach immer im Bereich dessen, was ihr zu verachten und zu bekämpfen vorgebt, dem Faschismus, der nicht nur deutsch spricht und deutsch aussieht. Das Opfer kümmert es nicht ob der Stiefel, der sein Gesicht zertritt brau oder rot ist. Mord ist Mord und Unterdrückung bleibt es, auch wenn´s rot gemalt wird!

    • Nach Streit schaut das nicht aus, es sei denn man mag ihn herbeireden. Aber zu ihrem Kommentar; es ist wie es ist, herrschaftliche Propaganda bleibt herrschaftliche Propaganda:

      28. Pleisweiler Gespräch mit Professor Mausfeld – 22. Oktober 2017

      Wie sich die „verwirrte Herde“ auf Kurs halten lässt: Neue Wege der „Stabilitätssicherung“ im autoritären Neoliberalismus

      Und dazu gehört ein ganz wichtiges Mittel: „Die Mitte“. Die „Mitte“ ist etwas ganz Tolles, heute sind alle in der Mitte. Das gehört wieder zum neoliberalen Falschwörterbuch, weil hier ein Begriff neu besetzt worden ist, denn „Mitte“ ist für uns alle etwas ganz Tolles.
      ‚Mitte‘ suggeriert Harmonie, Ausgeglichenheit, vielleicht auch Geborgensein, ‚Mitte‘ ist ein ganz positives Gefühl, weil wir ungerne zu den Extremen gehören wollen. Der Neoliberalismus hat diesen Mittebegriff neu besetzt, indem jetzt eigentlich mit „Mitte“ eine extremistische Position bezeichnet wird. Nämlich die extremistische Position eines Kampfes gegen Demokratie. Und die „Mitte“ ist sogar eine extrem fundamentalistische Position, weil sie einen Ausschließlichkeitsanspruch hat: Es kann keine Alternativen mehr geben. Die „Mitte“ ist eine extrem fundamentalistische Position mit einem Ausschließlichkeitsanspruch, übt aber auf uns eine gewisse Faszination aus. Wir gehen diesem Wort immer wieder auf den Leim. Und Sie sehen, wie häufig dieses Wort als Attraktionsmittel in der politischen Rhetorik verwandt wird, und zwar immer im Kontext auch des neoliberalen Programmes.

      Tony Blair: „a radical centre in which you are able to take decisions fort he future of
      the country“

      Gerhard Schröder 1998: „Es gibt keine linke oder rechte Wirtschaftspolitik, sondern
      nur eine gute oder schlechte Wirtschaftspolitik.“

      Emmanuel Macron 2017: „ni droite, ni gauche“ (weder rechts, noch links)

      Faschismus: „weder links noch rechts“

      Die „radikale Mitte“ – auch eine interessante Wortschöpfung. – Es gibt gar keine Interessen-gegensätze mehr. Es gibt keine Interessengegensätze zwischen Unternehmer und Lohnabhängigem mehr. Es geht nur noch um ‚Vernunft‘, es geht nur noch darum, ‚rational‘ die besten Lösungsansätze zu finden. Es hat auch keinen Sinn mehr, gegen irgend etwas zu kämpfen, es geht nur darum, die ‚beste‘ Lösung zu finden, denn letztlich sitzen natürlich Unternehmer und Lohnabhängige im gleichen Boot, haben die gleichen Interessen, nämlich: die ‚besten‘ Lösungen zu finden. ‚Letztlich ziehen wir doch alle am selben Strang‘ – das ist die Ideologie, was ja irgendwie auch richtig ist, nur eben an unterschiedlichen Enden.
      Interessanter ist hier noch der Punkt – das finden Sie heute ganz häufig -, dass jemand sagt: „ich bin weder rechts noch links“. „Links“, das heißt ja eigentlich für eine gerechte Verteilung und eine solidarische Gesellschaft – und „rechts“ heißt, nicht für eine gerechte Verteilung. Jemand, der weder rechts noch links ist, kann sich eigentlich nur damit noch retten, dass er sagt: „Naja, ich bin völlig apathisch!“
      Und interessant ist, dass der italienische Faschismus genau diesen Slogan hatte, er ist „weder rechts noch links“. Und da war etwas dran. Der Faschismus war extrem anti-links, aber er war auch nicht rechts, denn ‚rechts‘ hieß damals eigentlich reaktionär und bewahrend. Der Faschismus war revolutionär, der wollte nicht bewahren. Das war ein totalitäreres System, er wollte etwas ganz anderes. In gewisser Weise konnte er zurecht sagen: „wir sind weder rechts noch links“. Auch dort lohnt es sich wieder, einen Blick auf die Geschichte zu werfen.

      Aber um noch etwas Wesentliches beizutragen, aus dem gleichen Text:

      Es kann keine Alternativen mehr geben, weil nämlich die Akteure, die jetzt das Welt-geschehen bestimmen, von einer Art sind, für die wir nicht gerüstet sind, und gegen die wir eigentlich nichts ausrichten können. Die politischen Akteure sind jetzt Großkonzerne. Die sind nichts anderes als private, totalitäre Strukturen, die sind ihrer Natur nach antidemokra-tisch. Ein Großkonzern kann nicht demokratisch sein. Die politischen Akteure sind totalitäre private Strukturen, die vollkommen einer gesellschaftlichen Kontrolle entzogen sind. Und mit diesen international agierenden Großkonzernen haben wir in der Zivilisationsgeschichte die perfekteste Form totalitärer Strukturen geschaffen, die es je in der Kulturentwicklung gegeben hat. Für die wir auch nicht gerüstet sind, weil sie weitgehend unsichtbar sind. Extrem hierarchisch, extrem autoritär, extrem pathologischen Zielen verpflichtet, nämlich Gewinn machen, und wenn die Erde, der soziale Zusammenhalt, die Ökologie darunter vernichtet wird.

      Und noch Dieses:

      Demokratie war nicht nur Selbstweck. Sie war einerseits Selbstzweck, als etwas, das zur Erfüllung des Menschseins gehört, über sein eigenes soziales Schicksal mitbestimmen zu können. Aber es gab auch einen pragmatischen Aspekt, nämlich die Hoffnung: in dem Moment, wo Menschen darüber beschließen, welche Handlungen sie kollektiv ausführen – und damit meint man insbesondere Krieg – würden bestimmte Handlungen nicht mehr stattfinden. Ein berühmtes Beispiel dazu ist die Kantsche Schrift vom ewigen Frieden, dass Kant sagt, in dem Moment, wo wir eine echte Demokratie haben und die Menschen darüber beschließen können, welche Gräueltaten, von denen sie selbst auch betroffen sind, durchgeführt werden, wird es keinen Krieg mehr geben oder zumindest die Wahrscheinlichkeit sehr reduziert sein. Demokratie war also auch immer ein pragmatisches Prinzip, um uns vor bestimmten Entwicklungen zu schützen, in denen man in der Geschichte viele Erfahrungen gemacht hat.

      Dazu gehören:

      – Alle Machtstrukturen haben ihre Existenzberechtigung nachzuweisen und sich der Öffentlichkeit gegenüber zu rechtfertigen. Wenn sie das nicht können, sind sie illegitime Machtstrukturen, und somit zu beseitigen.

      – Jeder Bürger soll einen angemessenen Anteil an allen Entscheidungen haben, die das eigene gesellschaftliche Leben betreffen.

      – Zentrale Bereiche einer Gesellschaft, insbesondere die Wirtschaft, dürfen nicht von einer demokratischen Legitimation und Kontrolle ausgeklammert werden.

    • Fast hätt‘ ich’s vergessen. Zu Zitat, „Mal darüber nachdenken, was vertikales Kastendenken außer Tod und Unglück für zu bieten hat!“

      Das ist, mal wieder, erneut die Scheidelsche Drohung

      „Das Bewußtsein der Massen wird eines Tages reif sein zu erkennen, daß ihre Arbeitsbedingungen, insbesondere die Folgen der Arbeitsteilung, inhuman sind, das heißt, ihrer Lage als ganzheitliche menschliche Wesen nicht entsprechen.
      Wenn dieses Gefühl von einer politischen Bewegung umgesetzt werden kann in eine massenhafte Empörung gegen diese Ungerechtigkeit, dann wird die Lage kritisch (…)

      Ob unsere Demokratie die Kraft hätte, Maschinengewehre gegen revoltierende Arbeitermassen zu richten, bezweifle ich.
      Ein Noske, der 1919 erklärte: einer muß den Bluthund machen, scheint mir nicht am Horizont.“

      (Günther Nollau, Wie sicher ist die Bundesrepublik?)

      Hr. Mausfeld: An dieser trockenen Analyse, würden wir auch heute noch sagen, da ist sicherlich etwas dran. Der Schluß erscheint mir etwas optimistisch, denn ich denke wenn die Situation da ist, daß die Zentren der Macht sich wirklich bedroht fühlen, dann wird es sicherlich auch keinen Mangel an Noskes geben, die bereit sind sich für diese Aufgabe zur Verfügung zu stellen.
      (…)
      Begriff der ,Gewalt´ gehört zum politischen Falschwörterbuch

      Als ,Gewalt´ werden Reaktionsweisen der Machtunterworfenen angesehen,
      Gewalt ist das, was einzelne (nicht staatliche) Täter begehen

      Nicht zur ,Gewalt´ zählen:

      – Gewalt durch staatliche Zwangs- und Sicherheitsorgane
      – Gewalt durch Zerstörung ökonomischer und ökologischer Lebensgrundlagen
      – Gewalt durch die systematische Erzeugung von Angst und Unsicherheit
      – Gewalt durch Verletzungen sozialer Menschenrechte
      – …

      > Die Folgen struktureller Gewalt werden auf das Individuum projiziert – individualisiert und pathologisiert. Dadurch wird strukturelle Gewalt unsichtbar.
      (…)
      Hr. Mausfeld: Vergessen sie den Traum von sozialer Gleichheit, das führt nur zu Gewalt. Das ist die Scheidelsche Drohung.
      Interessant ist auch hier wieder, wichtig ist ja sozusagen daß wir politische Denkmethodologie üben und uns immer wieder die Sprache ansehen. Scheidel spricht von dem ungeheuren menschlichen Leid. Er meint das ungeheure menschliche Leid das in der Geschichte dadurch entstanden ist, daß Leute gegen menschenunwürdige Zustände gekämpft haben.
      Er meint nicht das ungeheure menschliche Leid das durch die Zustände, durch die Mechanismen die zu diesen Zuständen geführt haben, durch die Zustände selbst entstanden ist.
      Hier sehen sie im Grunde schon wieder eine ideologische Verbrämung des Status quo.

      (Verbrämung – positive, abgeschwächte Darstellung von etwas Negativem)

      Aus:
      Rainer Mausfeld: Neue Wege des Demokratiemanagements

  8. dieser Artikel bringt es in vielen auf den Punkt, allerdings eines machte mich stutzig „die im Zweifel eine Mauer bauen und deine Tochter oder Schwester abknallen…“ Da gehört schon viel politische Naivität zu um es so zusehen und auch der erhobene Zeigefinger spielt moralisierend mit. Damals waren wir noch Brüder und Schwestern, heute haben wir ausgedient, heute sind es die armen Flüchtlinge. Die Tragödien interessieren die Mächtigen nur wenn man sie politisch gegen die anderen ausspielen kann. Es geht aber immer darum, dass sich der Westen an den billigeren Fachkräften der Länder bedient, die sich ökonomisch emanzipieren wollen.

  9. Es ist nicht möglich auf den Kommentar von Jens Wernicke eizugehen, ohne den Kommentar von Götz Eisenberg mit einzubeziehen.
    Also als erstes möchte ich darauf hinweisen, dass es keine Revolution gegeben hat, die die DDR zwingend herbeigekämpft hat. Das mag nicht viel bedeuten, doch Kampfhandlungen, auch wenn sie nur mit dem Wort gemeinsam gefuehrt werden, schweissen zusammen. bzw. extrahieren gemeinsame Positionen, die dann mitunter ueber Jahre oder sogar Jahrzehnte Bestand haben können.
    Zudem ist ein anderer Umtand relevant, dass nämlich die damalige DDR wie auch ueberhaupt der real existierende Sozialismus von einer Einkeisungspolitik der Imperialisten betroffen war, die nicht nur militärischer Natur war, sondern hauptsächlich ein ideologisches Bombardement gegen die Ideen des Kommunismus und eine Verunglimpfung dieser Ideen.
    Diese Seite des „Kalten Krieges“ wird gewissenhaft ausgeblendet bei G. Eisenberg, muss wohl auch so sein, er ist ja Psychologe und von daher am pers. Wohl der Menschen interessiert und nicht so sehr an gesamtgesellschaftlichen Phänomenen!
    Eine andere Geschichte ist das Entstehen der 68’er Bewegung. Wir hatten es mit den Resten der Naziherrschaft zu tun im Westen. Namen wie Kiesinger, Filbinger und andere mehr oder weniger populäre Altnazis waren wieder/Immer noch in Amt und wuerden. Dazu die aggressive antikommunistische Politik des Imperialismus (Mossadegh, Lumumba, Allende, ich kann sie gar nicht alle aufzählen) fuehrten zu dieser Gemengelage, die diesen Zorn gegen die Herrschenden hervorbrachte.
    Das sind ebenfalls Fakten, die zur Erklärung der Entwicklung in der BRD und DDR fehlen bei Eisenberg.
    Wenn nun die Wahl der AFD als Beweis herangezogen werden soll, dass die eine Hälfte, nämlich die DDR-Deutschen nie mit dem Hitlerismus gebrochen hätten, kann man ebenso konstatieren, dass, weil Fischer und andere Flachpfeifen der Gruenen ebenso wie Fuecks und Ebermann sich heute imperialistischer Ideen bemächtigen, sie sich trotz Pflasterstrand und Steinewuerfen nie vom Imperialismus losgesagt haben.
    Was heisst das nun? Wir, die sich gegen die Ungerechtigkeit wehren, vermissen eine revolutionäre Kraft, die uns ideologische Navigation vermittelt. Die die Kräfte buendelt und nicht jeden einzelnen die gleichen Aufgaben machen lässt.

    Zum Schluss noch ein Wort zu J. Wernicke. Ich halte die Kategorisierung in LINKS und RECHTS ueberhaupt nicht fuer ueberholt, sondern meine, man sollte genau um diese Fragen streiten! Was steht fuer links? Mein Standpunkt dazu, alles was die emanzipatorischen Bewegungen unterstuetzt ist links!

    mfG

    • „alles was die emanzipatorischen Bewegungen unterstuetzt ist links!“
      Das bringt für viele Linke das Problem mit sich, dass sie sich einzugestehen und zumindest vorläufig damit abzufinden hätten, dass die sogenannte Rechte aktuell sowohl, was die Qualität der Argumente, was das Aufspüren antiemanzipatorischer Entwicklungen, als auch was die Verve des Engagements betrifft, die „Linke“ wie die Linken beim Unterstützen emanzipatorischer Ziele bei weitem übertrifft. Das nicht erkennen zu können und nicht zu wollen, birgt die Gefahr, dabei eines Tages feststellen zu müssen, dass sie den Umschlag emanzipatorischer Bewegungen in ihr Gegenteil mit zu verantworten haben. Das sehen wir noch deutlicher als bei uns in den USA.

    • Moin, teddiefidel, in der Tat bringt es viele Linke in Identitätsprobleme.
      Ich denke hier z.B. auch an die Unterstuetzung der israelischen Unterdrueckungspolitik gegen die Palästinenser. Ich höre kein Aufschrei von der Partei „die Linke“. Es wird so abgenickt wie es von den Israelis gewuenscht wird. Man könnte sicherlich noch viel mehr zusammentragen, man/die Linke sollte sich aber nicht wundern, warum sie immer weniger Zuspruch erhält.

      mfG

  10. Ossis , Wessis , Amis und Russkis , was solls . Einer ist Keiner , zwei sind mehr als Einer , es lebe die Solidarität und das Mitgefühl . Lets come together now , but please with a sharp left mind . Denn die linke Gehirnhälfte ist creativ und weiblich .

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