Tagesdosis 26.9.2017 – Alle reden von „Jamaica“

…aber R2G2 (Rot-Rot-Grün-Gelb) hätte eine Mehrheit!

Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

Die CDU hat das schlechteste Wahlergebnis seit 1949 eingefahren. Um damals die Regierung zu bilden und Konrad Adenauer zum ersten Kanzler der Republik zu wählen, mußte sie mit der CSU eine Fraktionsgemeinschaft und mit der FDP und der “Deutschen Partei” (DP) eine Koalition bilden. Diese DP war eine rechtsgerichtete, national-konservative Partei, die sich vor allem für ehemalige Wehrmachtsangehörige einsetzte – also durchaus eine Art frühe AfD, nach deren Parteichef Gauland man ja noch heute auf die Taten dieser Truppe in zwei Weltkriegen stolz sein sollte. Während Adenauer damals keine Bedenken für eine Koalition mit der Rechtsaußen-Partei hatte, fällt für Angela Merkel und die CDU  diese Option im Moment noch aus.

Nachdem die SPD nun angesichts des schlechtesten Ergebnisses aller Zeiten sofort verkündet hat, für eine Fortsetzung der großen Koalition nicht mehr zur Verfügung zu stehen, war dann am Wahlabend nur noch davon die Rede, dass jetzt “Jamaica” kommen müsste. Und kein Mensch redete darüber, dass SPD, FDP, Grüne und Linke zusammen mehr Stimmen und Sitze haben, als CDU/CSU und AfD.

Offensichtlich hatte die “Zäsur”, die “tektonische Plattenverschiebung” von der ARD, ZDF und die Hochrechner aller Anstalten am Wahlabend dauernd sprachen dazu geführt, dass durch dieses “Erdbeben” die Kunst der einfachen Addition verschütt gegangen war. Die hätte nämlich ergeben, dass Rot-Rot-Gelb-Grün über eine Mehrheit im Bundestag verfügt aber danach fragte am ganzen Abend niemand. Wenn nach einer Wahl die stärkste Fraktion den Auftrag der Regierungsbildung hat und damit scheitert können die anderen Parteien ja durchaus eine Koalition bilden. Doch kein Wort darüber, auch nicht in der “Berliner Runde”, weder von den Journalisten noch von den Parteioberen.

Was ist da los ? Hat jemand aus dem deep state “Jamaica” als “alternativlos” verordnet und alle machen mit ? Haben die Russen die Wahl gehackt, der AfD 13% verschafft, und hat Putin dann dem Schulz die Pistole auf die Brust gesetzt, fünf Minuten nach der ersten Hochrechnung sofort in der Opposition zu verschwinden ?  Anders ist das Verhalten der SPD ja kaum zu erklären. Oder tagen etwa in den Hinterzimmern ihre heimlichen Strippenzieher schon mit denen der FDP, Linken und Grünen schon, um Mutti Merkel bei ihren Kuschelversuchen in Sachen Koalition auflaufen zu lassen ?  Es wäre zu schön – und eine echte Zäsur: eine ökologisch-links-liberale Super-Koalition. Zugegeben müsste, um solches Anti-Jamaica-Regierungsbündnis zu schmieden, die Phantasie möglicherweise mit einer Dosis Jamaica-Gras gedüngt werden und die SPD bräuchte als leader of the pack eine charismatischere Figur als die Schnarchnase Schulz.

Aber dass diese Option den ganzen Wahlabend über  und auch am Tag danach nicht einmal Erwähnung findet,  ist schon äußerst merkwürdig.  Sie wäre auf jeden Fall interessanter als das was jetzt kommt, Merkel macht weiter!  Schwarz-Geld-Grün oder: CDU und zwei Mal FDP, mit Porsche und  mit Fahrrad…

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16 Kommentare zu: “Tagesdosis 26.9.2017 – Alle reden von „Jamaica“

  1. Die eigentliche Leistung der Wahlwerbung vor der Wahl, der Stimmabgabe während der Wahl und der Diskussion nach der Wahl besteht darin,

    Aufmerksamkeit auf ein Konstrukt zu richten, was nach geltendem Recht ( vgl. BVG 2012 Sitzzutteilungsverfahren) verfassungswidrig entstanden ist und der hohen Wahlbeteiligung ( wenn es denn stimmt) der Menschen in Gänze keinen Nutzen bringen wird.

    Wieviele Wahlen gab es? Und wie hat sich bemerkbar für die aktuell 76 % der Bevölkerung deren Leben verändert?

    Es ist schön für bestimmte Kreise, wenn viele Menschen daran glauben, dass die Wahlen oder die schönen Parteifarben mancher Parteien nun eine farbenfrohe Zukunft versprechen könnten.

    Die Frage, die sich jeder stellen kann:

    Wann habe ich mehr erreicht im Leben:

    Durch eigenes tun, oder durch Wahlbeteiligung?

    • Ich denke die Diskussion über den Sinn über Wahlen erübrigt sich, wenn man Rainer Mausfelds Vorträge nochmal repitiert.
      Momentan sind die Lämmer im Aufruhr, welcher Hirte mit welchem Schäferhund am besten die Herde gängeln kann.
      Nur die Besitzer sieht bzw. kennt der Schafshaufen immer noch nicht. Und diese haben doch schon die Konstellations ausgekaspert.

    • Ich denke die Diskussion über den Sinn über Wahlen erübrigt sich, wenn man Rainer Mausfelds Vorträge nochmal repitiert.

      Nicht jede Sprache wird von Allen verstanden, auch wenn diese Deutsch ist und die Empfänger Deutsch verstehen.

      Momentan sind die Lämmer im Aufruhr, welcher Hirte mit welchem Schäferhund am besten die Herde gängeln kann.

      Ja. Einige sind es ganz sicher – ich kann dazu nochmal auf den Beitrag von Harald Lesch beim ZDF „die Lüge vom gerechten Artenschutz verweisen:

      ab Minute 16:06 :“ Auch die Schafe auf Island, ohne die es weder Islandpullis, noch leckeres Lammfleisch gäbe, sind Einwanderer.“
      Ab Minute 16:34 : „Die einen liebt man, die anderen erschießt man. Bei Tieren mit Migrationshintergrund, da gibt’s keine klare Linie. Da sind wir unentschieden…“

      Da bekommt seine Aussage noch eine weitere Facette – je nach Perspektive.

      Nur die Besitzer sieht bzw. kennt der Schafshaufen immer noch nicht. Und diese haben doch schon die Konstellations ausgekaspert.

      Die Frage wird interessant, wen Sie als Besitzer der Schafsherde auszumachen wissen.

      „Wenn Wahlen etwas änderten, wären sie längst verboten.“

      Kurt Tucholsky

      „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“

      Henry Ford

  2. Hmm, also das müsste schon auch ziemlich guter Stoff sein, um sich das dann schönzurauchen…

    An Rot-Rot-Grün-Gelb wäre nicht so viel besser, finde ich. Möglicherweise wäre dann ein besseres Verhältnis zu Russland möglich, aber schon um das zu verhindern, würden die Putin-Hasser Özdemir und KGE sicher diese Koalition platzen lassen.

    Übrigens: Herr Kretschmann hat heute tatsächlich Jamaika schon als „alternativlos“ bezeichnet. Ist doch auch wieder nur ein abgekartetes Spiel, als ob das jetzt so wahnsinnig überraschend käme.

    Ich bin gespannt, wie man die für Jamaika notwendigen Verrenkungen der verschiedenen Partner (bzgl. Migrationspolitik, Klimaschutz, Sozialpolitik,…) den Wählern nahebringen will. Wobei – man hat es damals auch geschafft, den Rot-Grün-Wählern den Kosovokrieg zu verkaufen, z.B. …

  3. Marin lässt die Muskeln spielen.
    Wir sind die stärkste Partei in der Oposition.
    Ja, das wird der Grund sein, AFD verhindern!!!
    Fragt sich eigentlich, warum man sie dann erst aufgebaut hat.
    Martin der Kämpfer für die gute Sache!

    Da ich ja schon der Rentnergeneration zugehöre, kann ich wohl schon mal vorausschauend sagen, SPD nie wieder. In meinem Leben wird sie sicher keine Rolle mehr spielen, und ich wünsche mir, dass dieser Haufen von der Bildfläche verschwindet.

    Zu groß ist der Schaden, den sie anrichtet.
    Da lobe ich mir einen Feind mit offenem Visier. Da weiß man wenigstens wo man dran ist.

    Dieses Gefasel, von wegen, der Wähler hat uns nicht verstanden, ist doch das letzte.
    Natürlich hat der Wähler die SPD verstanden, deswegen ist sie ja auch weg vom Fenster.

  4. Diese ganze Wahlgeschichte ist so langweilig. Interessanter ist die Geschichte hinter der Wandlung des dicken Siggy. Während der gesamten Regierungszeit hatte man nie etwas wahrgenommen, dass er sich so russlandfreundlich auftrat wie zuletzt. Er riskiert sogar den Zorn der deutschen Propagandpresse. Also, da muss entweder gewaltige Gerantien vorhanden sein, dass er den schröderschen Weg einschreitet, oder er riecht den Zerfall der transatlantischen Elite und ist opportunistisch clever genug, um schnell die Seite zu wechseln.
    Mich würde das eher interessieren, was genau dahinter steckt, weil um den Friedens Willen von Deutschland mit Russland ist er der Letzte den man sowas zu sprechen kann.

  5. Berlin (dpo) –
    “ Die SPD zieht Konsequenzen aus dem schlechtesten Wahlergebnis der Nachkriegszeit: Bei einer Pressekonferenz verkündeten heute die Hauptverantwortlichen der Niederlage Martin Schulz, Hubertus Heil, Thomas Oppermann, Andrea Nahles und Sigmar Gabriel geschlossen ihren Rücktritt.
    Der erfolglose Kanzlerkandidat Schulz erklärte sich zuerst: „20,5 Prozent sind das schlechteste Wahlergebnis der SPD in der Geschichte der Bundesrepublik. Ich übernehme Verantwortung für den trostlosen Wahlkampf, der es verpasst hat, die Bürger mit ihren Problemen direkt anzusprechen, und ziehe mich aus der Führungsspitze der Partei zurück. Jeder mit einem Funken Anstand würde so handeln. Die SPD braucht jetzt eine Rückbesinnung auf ihre Wurzeln.“
    Quelle: Der Postillon

  6. Was ist los ?
    Nach meinem Ansicht nichts, im Gegenteil, Demokratie funktioniert doch.
    Wähler wahlen anders, nicht alle, aber diejenigen die die Meinung sind das die geführte Politik schlecht war.
    Und was ist 13 %?
    Frans Tmmermans erkannte das in Frankreich 40% der Wähler, von links, Mélenchon, und von rechts, Marine le Pen, gegen die EU wählten.
    Macron musste viel grössere Sorge haben als Merkel jetzt, aber er scheint ohnesorg.
    Wir sind in Frankreich, morgen voll tanken, es gibt neue Streiks.

  7. Herr Bröckers – Gratulation zum Text.
    Das R2G2 nicht gedacht werden darf, ist wirklich schade.
    Rot-Rot-Grün war in der letzten Legislaturperiode schon möglich.
    Jetzt ist auch klar warum Jamaica-Gras nicht freigegeben wird – und warum Herr Ströbele das offen gefordert hat.

  8. Was die Wahl schön zeigt (was vermutlich das einzige ist, wozu die Wahlen taugen), ist das folgende traurige Bild.
    Den Verrat der angeblich sozial ausgerichteten Parteien am Wähler hat dieser mit einem „Protest-Willen“ quittiert, der rundum für ein weiteres Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich steht und für den kommenden ungehinderten Vormarsch von TTIP & Co. Die eigentliche Mehrheit der Wählerstimmen vereinen die tatsächlichen „Gewinner“ der Wählerstimmen AfD+FDP zusammen mit dem „Pseudo-Gewinner“ CDU/CSU

  9. Wieder schöner Beitrag von Mathias Bröckers. Allerdings fehlt mir im Artikel der eigentliche Grund für das Verhalten der SPD kurz nach der ersten Hochrechnung. Die GroKo-Busenfreunde haben natürlich hinter den Kulissen alle etwaigen Möglichkeiten im Vorhinein abgesprochen. Das Abspringen der SPD wenige Minuten nach dem Ergebnis hat nur einen einzigen Grund: Die AfD als stärkste Oppositionspartei im Bundestag zu verhindern. Das ist der Grund für das alternativlose Jamaica.

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