Tagesdosis 27.2.2018 – Yu Gong versetzt Berge – wir merkeln weiter

Ein Kommentar von Dirk Pohlmann.

Am Sonntag hat die kommunistische Partei in China bekanntgegeben, dass die Begrenzung auf zwei Amtsperioden für den Präsidenten und Vizepräsidenten aufgehoben wird. In den internationalen Medien der westlichen Welt begann danach erwartungsgemäß Heulen, Zähneklappern und ausgedehnte Orakelbefragung.

Was haben die chinesischen Kommunisten jetzt wieder für finstere Pläne, fragten sich die bestbezahlten Köpfe der angeblich bestinformierten Qualitätsmedien?
Ganz klar, die Roten wollen Präsident Xi Jinping offenbar zum Diktator auf Lebenszeit wählen. Ein Abschaffen der Amtszeitbegrenzung kann nur diesem finsteren Zweck dienen. Zwar wird die Einführung des lebenslangen Diktators ein bisschen mühsam, der Präsident muss ja alle 5 Jahre wiedergewählt werden, aber ohne Opposition ist das ohne weiteres machbar.

So etwas ist in der Freien Welt mit ihrer großartigen parlamentarischen Demokratie natürlich nicht vorstellbar. Dort sorgt z.B. das fast 250 Jahre alte System der US Demokratie dafür, dass ein Präsident nicht mehr als zwei Amtsperioden herrschen kann. Großartig. Aber wie wichtig ist das? Was ändert das daran, dass jemand wie Donald Trump mit weniger als 50% der Stimmen zum US Kriegspräsident ernannt wurde? Dass er zum Führer der mächtigsten Streitmacht der Welt wurde, die mehr Geld verschlingt als die Streitmächte aller anderen Länder zusammengenommen, zum Führer einer Regierung, die den Erdball mit humanitären Interventionen und Regime Changes überzieht, dem die Codes der Nuklearwaffen anvertraut sind und damit das Schicksal der Menschheit. Die USA sind eine Demokratie. Na prima! Sie sorgen seit 2001 nur noch dafür, dass dieser Begriff anfängt zu stinken.

In China dagegen herrscht eine kommunistische Diktatur. Aber welchen Krieg hat die noch mal vom Zaun gebrochen? In welchen fremden Ländern kämpfen zur Zeit chinesische Soldaten? Wo haben die Chinesen Flottenstützpunkte? In welchen fremden Gewässern abseits ihrer direkten Umgebung agieren sie aggressiv? Wo führen sie Krieg? Welche ausländischen Regierungen hat China zu Fall gebracht? Wo und wann haben sie sich angemaßt, ungerufen die Rolle des Weltpolizisten zu spielen? Aber die USA sind eine ehrenwerte Demokratie.

Und China ist eine kommunistische Diktatur. Deren Präsident jetzt mehrmals wiedergewählt werden kann. Habe ich geschrieben, dass so etwas in einer parlamentarischen Demokratie nicht vorstellbar ist? Nun, in Deutschland…

Angela Merkel wird zum 4 mal Bundeskanzlerin, nach Helmut Kohl, der ebenfalls 4 mal Bundeskanzler war. Das ist zwar -gefühlt- ein Überbleibsel der wilhelminischen Monarchie, also irgendwie auch Diktatur light, sollte aber mit USA und China nicht verglichen werden. Erstens, lassen wir die Kirche im Dorf, weil Merkel bisher nicht so schlimm wie Trump war und ist.

Aber zweitens, weil in China, wie wir alle aus unseren glorreichen Medien wissen, angeblich ein brutales Unterdrückungssystem herrscht, das seine Arbeitsameisen als Wanderarbeiter Frondienste leisten lässt, oder war es umgekehrt -egal- wichtig ist vor allem der Vergleich mit sechsbeinigen Lebensformen, und der Hinweis auf die roboterhafte Gesichtslosigkeit der gelben Gefahr. In China, auch das haben wir jahrzehntelang „gelernt bekommen“, beutet eine korrupte Nomenklatura das Land aus, neuerdings frönen deren Funktionäre sogar dem „American Way of Life“, rote Parteiprinzen lassen auf sechszehnspurigen Autobahnen im Lamborghini die Champagnerkorken knallen und benehmen sich wie Gucci-bebrillte Yuppies. Obwohl sie dazu keine Berechtigung haben, denn sie gehören ja nicht wirklich der weltweiten IWF-Sekte der Marktradikalen an. Sie sind also FakeYuppies.

Vor allem aber, weil China sich so gar nicht dem wohltemperierten, von RTL2 bespaßten Zerfall überantwortet, der unser Land auszeichnet, und den wir jetzt weitere vier Jahre beobachten werden müssen. China ist nicht Deutschland.

Wo soll man anfangen? China hat mehr Menschen aus der Armut befreit, als jedes andere Land der Welt. Das Durchschnittseinkommen verfünffachte sich zwischen 1990 und 2000 von $200 auf $1000. Von 2000 bis 2010 stieg es mit der gleichen Rate, von $1000 auf $5000. Bis 2020 will die kommunistische Partei die Armut in China, die sie mit schärferen Werten definiert als die UN, komplett abgeschafft haben, was sie schaffen wird, wie bisher alles, was sie angekündigt hat. Die Regierungsverlautbarung „Wir schaffen das“ hat in China ein anderes Gewicht als bei uns.

Mittlerweile ist China auf den Weg in eine Mittelstandsgesellschaft, wie der Gini-Koeffizient zeigt.

Der Gini-Koeffizient gibt an, wie gleichmäßig der Reichtum in einer Gesellschaft verteilt ist, 0 ist der beste Wert, 1 der schlechteste. Diese Interpretation des Wertes gilt, wenn man eine gleichmäßige Verteilung des Reichtums für gut hält, was ja nicht alle so sehen, bei uns z.B. weder CDU/CSU noch SPD noch Grüne noch FDP noch AfD, nur einige Linke hängen noch „Umverteilungsphantasien“ an, aber auch die werden bald vom Klaus Lederer Flügel entmachtet werden.

Auch wenn sie das nicht öffentlich sagen, unsere Politiker handeln, mit wenigen Ausnahmen „neoliberal“ (d.h. privatisieren und Sozialleistungen abbauen) denn das Ergebnis der deutschen Wirtschaftspolitik seit 1949 ist mit etwa 0,77 der zweitschlechteste Wert Europas. Und er wird immer noch schlechter. Wie sagte mein konservativer Sozialkundelehrer immer, mit strafendem Seitenblick auf die UdSSR: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!“.  Er hat es anders gemeint, aber er hat trotzdem recht behalten.

Der Gini-Koeffizient in China liegt nach einer rasanten Talfahrt über viele Jahre, Folge der chinesischen Wirtschaftspolitik, jetzt bei 0,46. Das ist eine einzigartige Leistung. Das Ziel der kommunistischen Partei in China ist übrigens ein Wert von 0,3.

In China wurde in den letzten Jahren bei boomender Wirtschaft außerdem ein Sozialstaat aufgebaut, in dessen Sicherungsnetz rasant immer mehr Menschen aufgenommen werden, mittlerweile sind es etwa 40%, der Bevölkerung, Tendenz sehr schnell und sehr stark steigend. Krankenversicherung, Rente, Arbeitsunfähigkeit, das ganze Paket, das bei uns Stück für Stück beseitigt wird, wird dort aufgebaut. Die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen. Das ist der pure Kommunismus. Oder die pure Sozialdemokratie. Oder auch die pure katholische Soziallehre. Auf jeden Fall ist aus amerikanischer Sicht todeswürdig. Glücklicherweise ist eine „humanitäre Intervention“ der USA zum Schutz der Menschenrechte in China nicht ganz so einfach durchführbar. Obwohl ich sicher bin, dass über die Bedingungen der Möglichkeit in Langley angestrengt nachgedacht wird.

Die Extremwerte der Einkommensverteilung werden in China systematisch beseitigt, sowohl bei den hohen wie geringen Einkommen.

Die immensen Dollarbestände, die China angesammelt hat, werden jetzt vermehrt in Investitionen im chinesischen Hinterland gesteckt, in das „One Belt One Road“ Projekt (der deutsche Begriff „Neue Seidenstraße“ trifft es nicht) und einen Umbau der Wirtschaft. Planmäßig. China wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten um qualitatives Wachstum bemühen, es ist schon jetzt Weltspitzenreiter bei Elektroantrieben von Fahrrad bis LKW (!) die Kohlekraftwerke werden abgeschaltet. Die smogverseuchte Luft in Peking ist im letzten Jahr besser geworden. Nicht nur in Peking. Und in der Wüste Gobi aber auch in anderen Gebieten wird in gigantischem Maßstab aufgeforstet. Umwelttechnologien werden in großen Stil eingeführt. Die Situation in China verändert sich so rasant, dass nur die jeweils neuesten Daten verwendet werden können.

Man könnte glauben, die Ameisenarmee der deutschen Ingenieure wäre unter mutiger Führung losgelassen worden, um die Welt mit Hans Dominik und Jules Verne Projekten zu retten. Man könnte glauben, die deutsche oder europäische Sozialdemokratie würde nach China pilgern, um sich von den Kommunisten zeigen zu lassen, wie man mit Geld umgeht und eine lebenswerte Gesellschaft aufbaut.

Weit gefehlt. Wir besitzen zwar noch die Arroganz der vergangenen 150 Jahre, aber nicht mehr die Fähigkeiten. Während China experimentiert und viele Großprojekte anschiebt, vernünftig geplant, mit vernünftigen Zukunftsaussichten, verschieben wir den Eröffnungstermin für den BER immer wieder um ein weiteres Jahr. Deutschland ist Experte in Sachen Kleinklein. Ein seltsam mutloses Land.

Was hatte Margaret Thatcher auf die Frage geantwortet, was der größte Erfolg ihrer Amtszeit gewesen sei? „New Labour“. Das hat sie sehr böse sehr richtig ausgedrückt. „New Labour“, das war die „Neue Sozialdemokratie“ von Tony „The Poodle“ Blair. Das deutsche Gegenstück dazu war und ist die Agenda 2010. Sie hat uns einen boomenden Billiglohnsektor, Mietarbeit, Jahresverträge, Armut und Praktikantenjobs gebracht. Und Mutlosigkeit.

Jetzt ist die Sozialdemokratie auf dem Weg zu 5% minus X, wie die „Titanic“ es zutreffend beschreibt, aber fälschlich als Satire deklariert. Ausgerechnet jetzt, wo man eine echte Sozialdemokratie brauchen würde, (und nicht diese SPD!) als Bestandteil einer Regierung, die von China lernt, wie man den Kapitalismus als Motor nutzt, aber beherrscht, wie man den Sozialstaat modernisiert und ausbaut, und wie man dabei die großen Probleme der Welt im Blick hat. Eine Sozialdemokratie, die mit gutwilligen Helfern weltweit und gemeinsam mit China und Russland an einer multipolaren Welt arbeitet.

Auf der Suche nach vernünftigen Kooperationspartnern wären wir besser beraten, den Blick nach Osten zu wenden, auf Russland und China. „Im Westen nichts Neues“ ist leider nicht zutreffend. Zutreffend ist: „Aus dem Westen nichts Gutes“. Was von dort kommt, müssen wir im Blick behalten, um Schaden zu minimieren. Die USA sind ein zerbröckelndes Imperium, das mit süßen Worten lockt, aber geostrategisch denkt und handelt. Das macht sie gefährlich. Wir sollten endlich beginnen, auf eigenen Füßen zu stehen. Ohne dabei unseren Nachbarn auf die Füße zu treten. Ohne militärische Interventionen. Wie das geht, ruhig und zielstrebig, ohne große Worte, auch das können wir von den Chinesen lernen.

Yu Gong hat Berge versetzt. Wann fangen wir an?

Quellen

https://www.oai.de/en/45-publikationen/sprichwort/842-yu-gong-versetzt-berge.html

https://edition.cnn.com/2018/02/26/asia/china-xi-jinping-president-intl/index.html

https://www.theguardian.com/business/economics-blog/2015/aug/19/china-poverty-inequality-development-goals

https://www.focus.de/finanzen/geldanlage/laendervergleich-deutschland-nur-auf-platz-117-in-welchen-laendern-die-schere-zwischen-arm-und-reich-am-kleinsten-ist_id_7236465.html

https://www.statista.com/statistics/250400/inequality-of-income-distribution-in-china-based-on-the-gini-index/

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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26 Kommentare zu: “Tagesdosis 27.2.2018 – Yu Gong versetzt Berge – wir merkeln weiter

  1. Neben durchaus vielem Richtigem

    Auf Weltnetz.tv mal wieder die Ökokomiker…

    Nun, solange Zahlen die Welt retten, ist ja alles gut, im Reich der Zahlengläubigen.

    Ernsthaft, Zahlen sind gerade kein Argument. Sie können lediglich _unter_Umständen_ ein Argument stützen.

    Das ist einfach nur statistisches Blendwerkzeug.

    Es geht ihnen gut, weil die Zahlen dies belegen?
    Genauso, wie bei uns hier…super…

    Hierarchosophen, Freunde der Gewißheit, der 100% Wahrscheinlichkeit.

    Reduktionismus pur.

    Leute, Menschen sind keine technischen Geräte, die sich mit mathematisch-naturwissenschaftlicher Methode beschreiben liesen.

    Mathematik beschreibt konkretes, so sind Märkte nichts abstraktes, sie sind konkret auf eine Handlung heruntergebrochen:
    Anbieter und Nachfrager.

    Der Vorgang nennt sich reduzieren, nicht abstrahieren.

    Zur Erinnerung des Versagens
    Statistik ist die Kapitulation der Mathematik vor der Wirklichkeit mit mathematischen Mitteln.

    Natürlich Verständigung, jedoch nicht mit nichtexistenten _juristischen_ Personen bzw. deren hierarchosophischen Vertretern), Unternehmen wie Deutschland, Russland, USA oder eben China, sondern mit den Menschen, was denn sonst?

    Sowenig wie Menschen Deutschland sind, sowenig sind Menschen China.

    Deutsch ist sowenig wie chinesisch eine Eigenschaft des Menschseins. Das ist mit katholisch, evangelisch, jüdisch, buddhistisch, schwarz, weiß, gelb, blauäugig, braunäugig, was auch immer, genauso. Die Perversion des Menschseins wird erreicht, wenn dieser auf Zahlen reduziert wird.

    Genau wie bisher erklärt ihr ansonsten die Problematik durch Reduktionismus zur abstrakten Lösung.

    Wenn ihr wirklich etwas _wesentliches_ verändern wollt:

    _Hört_einfach_endlich_auf_damit_!

    • @ keeneahnung
      wenn Sie eine andere Meinung haben, lassen Sie uns das doch wissen. Und machen sich dafür ebenfalls ein bisschen mehr Mühe als nur diesen einen Satz. Das ist sonst ärgerlich ( auch wenn ich selber nicht betroffen bin ).

  2. Der Chef-Analyst der Bremer Landesbank FOLKER HELLMAYER hatte sich wegen der Sanktions-Politik unserer gewählten Vasallen auch schon im Sept. 2015 gefragt, „warum macht das Europa,,,“. ???
    (Prima Info)
    Folker Hellmeyer: Die neue Seidenstraße Moskau-Peking – eine Bedrohung für den Westen?
    https://www.youtube.com/watch?v=uK0Y5dbtrAQ

    2 Jahre später leider nichts Neues. Es muss Vorsatz sein, – oder aber-, die USA wird tatsächlich von 200 Familien regiert – und unsere 80 regierenden Familien sind engstens mit denen verbandelt – und wir sitzen im Vorführraum und schauen zu.

    Ein boomender Markt aller aufstrebenden BRICS wird ignoriert u. sanktioniert, weil die Geschäfte mit USA-Suppenküchen so lohnendswert sein sollen?
    Mel Brooks – sah das schon realistischer – „DAS LEBEN STINKT“ Ein Millionär tauscht für eine Woche mit einem Obdachlosen.
    https://www.youtube.com/watch?v=swItMBMFbIs

  3. Klasse Beitrag, der meinen Beobachtungen und Überlegungen sehr nahekommt. Beobachtungen auch vor Ort in China, aufgrund beruflicher und privater Beziehungen. Ich denke aber, dass auch der gesunde Menschenverstand genügen sollte, die Dinge realistischer zu sehen als sie uns die transatlantische Propaganda aus nachvollziehbaren Gründen verkaufen wollen. In der Tat lamentieren wir – arrogant, überheblich, besserwisserisch wie der gemeine „Westler“ nunmal ist, vor allem aber in allerhöchstem Maße mit Doppelmoral „gesegnet“ – immer noch über die „kleinen gelben Schlitzaugen“, die angeblich süße Hunde verspeisen, 24 Stunden täglich arbeiten, keine Gefühle kennen und technologisch nur deshalb Fortschritte machen, weil sie uns kopieren. Nichts davon entspricht der Realität, ich will aber nur den letzten Aspekt überhaupt ansprechen: Erstens haben alle irgendwann andere kopiert – das ist eine Tugend, wer es nicht macht, ist dumm -, zweitens aber zeigen wir bereits auch hier wieder genau diese Dummheit und Arroganz und Ignoranz, weil wir nicht zur Kenntnis nehmen, dass die Chiensen uns längst an allen Ecken und Enden überholt haben. Es wäre höchste Zeit, uns ein paar Dinge bei ihnen abzuschauen. Im Gegenzug könnten wir ihnen sicher auch noch ein paar Dinge beibringen – noch! Eine gegenseitige Zusammenarbeit wäre unfassbar fruchtbar für alle Beteiligten. Aber unsere Arroganz und die Nibelungentreue zum Imperium (sicherlich nicht nur freiwillig, sondern auch von diesem erzwungen) werden das zu verhindern wissen. Also lamentieren und stagnieren wir weiter, während die Chinesen auf der Überholspur an uns vorbeirasen.

    Ich möchte einigen anderen Kommentatoren bei dieser Gelegenheit antworten:

    Frank Linnhoff sagt:
    27. Februar 2018 at 14:46

    Mir kam beim Hören dieser Tagesdosis fast der Gedanke Herrn Pohlmann zu wünschen, ein chinesischer Staatsbürger in China und kritischer Blogger zu sein, damit er am eigenen Leib den Unterschied zwischen einem Staat mit Gewaltenteilung und einem Staat ohne diese Erfindung des angelsächsischen Parlamentismus erlebt.

    Warst du schonmal ein kritischer Blogger in China? Weißt du darüber mehr als das, was du aus den Westmedien erfahren hast? Bist du dir sicher, dass das auch alles stimmt? Ich kann es nicht endgültig beurteilen, weil ich diesbezüglich auch keine persönliche Erfahrung habe. Aber eines scheint mir klar zu sein: Kritische Blogger sind kein Problem für die chinesische Staatsführung. Sie haben vor denen auch keine Angst. Auch nicht vor 2.000 oder wegen mir 20.000 Demonstranten in einer Megametropole wie Hongkong (die sie auch wochenlang gewähren ließen, letztlich wurden die Proteste der Anwohner gegen die Blockaden der Demonstranten eher zum Problem). Angst haben sie vielmehr vor Maidanisierungen, Unterwanderungen durch westliche NGOs usw. Das könnte ich noch weiter ausführen, dann wird das hier aber viel zu lang. Deshalb nur so viel: Auch bei uns sehen sich kritische Geister – auch Blogger wie Ken Jebsen – einer Art von Verfolgung ausgesetzt. Das als Rufmord zu bezichnen wäre noch eine harmlose Untertreibung. Und was aus dem „angelsächsischen Parlamentismus“ in neoliberalen Zeiten geworden ist, wissen wir, wenn wir es nicht von selber kapieren, spätestens dank der Beiträge von Prof. Mausfeld. Hier wäre der Begriff „Scheindemokratie“ noch sehr zurückhaltend. Insofern sind auch solche Hinweise – „die ach so geknechteten chinesischen Staatsbürger“ (die das selber, das wiederum kann ich beurteilen, gar nicht so empfinden), aber wir mit unseren ach so tollen Errungenschaften – wiederum ein Stück westliche Arroganz vom Feinsten. Voranbringen wird uns das mit Sicherheit nicht.

    ingsn sagt:
    27. Februar 2018 at 14:11

    Diese Sichtweise über den chinesischen Staatskapitalismus (nun gut, Unterschiede zu DE sind in diesem Wort kaum noch ableitbar) ist für mich ein wenig überraschend; gehe ich einmal davon aus, dass unsere etablierten Hetzmedien in punkto „Platz des Himmlischen Friedens & Menschenrechte“ nicht zu drastisch übertrieben hatten.

    Natürlich gibt es große Unterschiede, Dirk Pohlmann hat sie doch teilweise beschrieben. Und doch, unsere etablierten Hetzmedien haben selbstverständlich drastisch übertrieben, wenn man es beschönigend ausdrücken will. Zum „Platz des himmlischen Friedens“ gibt es eine gute Zusammenfassung z.B. . Was die „Menschenrechte“ betrifft, so ist der Kampf gegen Hunger und Armut für Abermillionen vielleicht höher einzustufen als die ständigen Interventionen in allen möglichen Ländern, bei denen regelmäßig Millionen von Toten hinterlassen werden!? Das ist natürlich nur ein Aspekt, es gibt auch andere, bei denen China (noch) nicht so gut abschneidet, nur wird dadurch nichts des Geschriebenen relativiert.

    Zum Schluss noch ein persönlicher Eindruck von mehreren China-Aufenthalten: Deutschland, das „Land der Tugend“, wie es auf chinesisch heißt, genießt dort einen nach wie vor exzellenten Ruf. Die meisten Leute glaubten mir gar nicht, wenn ich ihnen erzählte, wie in Deutschland von der Mainstrempresse über ihr Land berichtet wird, nämlich praktisch nur negativ (selbst in Naturdokus klingt meistens irgendwann eine negative Bemerkung an). Die meisten Chiensen glauben auch, es lohne sich weiterhin, den Deutschen nachzueifern. Chinesen, die nach Deutschland reisen – das sind ja immer mehr, und immer mehr sind ganz „normale Leute“, die nicht nur selbstverständlich reisen dürfen, sondern es sich auch leisten können), sind dann natürlich eher desillusioniert. Deshalb bleiben die auch nicht in Massen hier, wie man aufgrund ihrer angeblich ach so schlimmen Behandlung in China meinen sollte, sondern fliegen schön brav wieder zurück in die Heimat. Dort gibt es noch wahnsinnig viel zu tun, um all die hehren Ziele zu erreichen, aber die Chinesen werden sie erreichen, währned Deutschland schon an wenig ambitionierten „Klimazielen“ und dem Bau von Flughäfen scheitert.

    • Danke. Sie sprechen mir aus der Seele. Und das wir das im Wesentlichen gleich sehen, hängt eben nicht damit zusammen, dass wir beide gehirngewaschen sind, sondern uns eben für die Realität interessieren. Ich habe nur Bekannte, die China kennen, ich war noch nie selbst da, aber ich fange immer an nachzuschauen, wenn mir jemand mit reale Kenntnissen sagt: Das ist aber in Wirklichkeit ganz anders, als wir das hier präsentiert bekommen.

      Dieses Posting von mir, dass ich VOR dem Lesen ihres Beitrages geschrieben habe, wurde in Facebook sofort als Spam gekennzeichnet.

      Schauen Sie sich doch mal die Situation in den USA und in China an. In den USA waren 2016 47% der Bevölkerung nicht mehr in Lage, eine Autoreparatur von 400 USD zu bezahlen. Uniausbildung gibt es nur noch gegen lebenslange Verschuldung. Die Elite der USA führt Kriege gegen andere Staaten UND ihre Bevölkerung. Die USA sind kein attraktives Modell mehr für den Rest der Welt. Das wissen die selbst, sie können das nur noch über das Militär und Propaganda in den Griff bekommen. Dazu gehört auch, dass wir so wenig wie möglich über die Zustände und Strategien in der Welt erfahren, außer: Assad tötet Kinder mit Giftgas, Putin ist böse und die NATO muss helfen. Widerlegen Sie doch mal meine Daten, statt mit Allgemeinplätzen zu arbeiten. Die Situation der Menschen in China dagegen verbessert sich rasant und jedes Jahr. Auch Kritik ist erlaubt, auch die Presse arbeitet scharf gegen Missstände wie die alltägliche Korruption, aber die oberste Führung darf nicht kritisiert werden. Es ist nun mal eine andere Kultur, in vielerleit Hinsicht, aber nicht so holzschnittartig, wie wir sie vorgestellt bekommen. Selbst wenn man Russland verstehen will, wird man als Putinversteher“ bezeichnet. Selbst hinfahren und nachgucken soll man auch nicht mehr, dann ist man Propagandist von Putin, wie die Druschba Fahrt im NDR (würg) bezeichnet wurde. Falls Sie das mit dem „Man darf die Führung nicht kritisieren“ ganz fürchterlich finden: Mir kommt das sehr bekannt vor, versuchen Sie mal in den deutschen „Qualitätsmedien“ die NATO zu kritisieren, oder -Gottseibeiuns- 911 zu thematisieren. (Über einzelne Missstände darf man sehr wohl investigativ arbeiten, solange man keine grundsätzlichen Themen berührt. WIE IN CHINA.) Ich kenne Kollegen, die das probiert haben. Das sieht im Ergebnis nicht viel anders aus als in China. Dann ist Ende mit dem Beruf. Hören Sie mir auf mit Pressefreiheit! ICH weiß, wovon ich rede. Das ist eine Monstranz, die an Feiertagen herumgetragen wird, im realen Leben überlegt man besser genau, was man schreibt. Noch besser: man erlegt sich die Linie der Chefredaktion selbst auf und sagt dann: „Ich kann immer schreiben, was ich denke!“ Aber Freiheit ist nun mal die Möglichkeit, straffrei von der Norm abzuweichen. Diese Freiheit gibt es bei uns noch in Sachen Sexualität, das war es dann. Passt auch gut zum atomisierten Menschen als Objekt der Begierde der Aktienmehrheitsbesitzer. Keine Bindungen, stets verfügbar, über materialle Vergünstigungen steuerbar. Deswegen wird sich die NATO in Zukunft auch um Schwulenrechte und Frauenrechte kümmern, wie sie angekündigt hat. Weil Überwachung und Armut und Meinungsfreiheit nicht mehr als artbildender Unterschied herhalten können. Selbst die Vorgänge am Tiananmen waren anders, als wir es hier gehört haben. Es gab zwei etwas gleichstarke Fraktionen in der Parteiführung, die für oder gegen Eingreifen waren. Der Fokus lag intern auf der Frage, ob es eine neue Kulturrevolution gibt, die niemand wollte. China hat sich nach 1989 die Vorgänge in Russland sehr genau angeschaut und war vorsichtiger und klüger als Gorbatschow und Jelzin, die Russland in den Ausverkauf und fast in die Katastrophe geführt haben. Versuchen Sie sich doch mal, über die Verhältnisse in China zu INFORMIEREN. Sie stimmen überhaupt nicht mehr mit dem verbreiteten Bild überein. Es wäre ja auch fatal für unsere Führung, wenn die Bevölkerung anfängt zu fragen, warum in China der Sozialstaat aufgebaut wird und bei uns abgebaut. Das hier ist eine nüchterne Bestandsaufnahme, von Russland mit Verweisen auf China. http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_83277358/joerg-baberowski-wir-sollten-froh-sein-dass-putin-an-der-macht-ist-.html

    • Danke Corax,
      für diesen Beitrag. Da mein Beitrag unten nun im Nachhinein etwas substanzlose klingt, hier eine kurze Geschichte von „vor Ort“, die unser kulturelles Unverständnis verdeutlichen soll:

      Wir haben eine große Veranstaltung in einem Stadion in Shenzhen ausrichten können und dabei ein Team von etwa 30 Chinesen einer Agentur für die Kommunikation und Hilfe bei der Umsetzung des Events zur Seite gestellt bekommen. Von diesen sprach etwa ein Drittel gut englisch, und wir kommunizierten mit ihnen in dieser Sprache.

      Nun begab es sich, dass ich ein pPoE (power over ethernet) Adapter / einen Hub für unsere Technik benötigte. Ein Gerät, dass bei uns eventuell bei Amazon und per Express lieferbar gewesen wäre, dort vor Ort allerdings unmöglich zu beschaffen sein sollte. Meine „westliche“ Idee war nun in dieser Technikmetropole einfach loszuziehen und mit einem Ortskundigen dort ein solches Gerät zu beschaffen. Es handelte sich ja bei Shenzhen um die technische Produktionsstätte Chinas, wo an jeder Ecke jemand mit einem Lötkolben saß und iPhone 12s zusammenschraubte. Dafür ging ich nun folgenden Weg: Ich sprach mit dem bestsprechenden Chinesen, der tatsächlich auch noch sechs Jahre in Australien studiert hatte und somit ein gewisses Verständnis für meine Rangehensweise hatte, der mir nun über das Chinesische „Amazon“ ein solches Gerät raussuchte und die Chinesische Bezeichnung fand. Er selbst wusste nicht was es war. Danach druckte er mir einen Zettel mit einem Bild und dem Namen aus, sowie dem chinesischen Spruch „ich suche sowas, wenn sie es nicht haben sagen sie mir doch bitte wo ich sowas finden kann“. Das ganze dauerte 10 Minuten. Dann brauchte ich nun noch einen ortskundigen Übersetzer und los sollte es gehen.

      Dann begann China: Mein westlich angehauchter Helfer wandte sich nun an seinen Kollegen und sprach etwa weiter 5-10Minuten mit ihm. Dieser bedeutete mir nun mitzukommen. Wir gingen einem wortlos durchs ganze Stadion (10 Minuten) hin zum Mischpult in der Mitte der Arena, das vom Videoteam aufgebaut war. Dort sprach der Kollege mit dem Mann vor Ort. Etwa 10 Minuten. Danach kam er zu mir und sagte mit einem Deut auf den Zettel mit der Beschreibung des Gerätes: „er weiß auch nicht was das ist“. No shit! Danach forderte er mich unter Protesten auf nocheinmal mit zu kommen. Es ging auf die Tribüne, wo das Tonteam saß. 5-10min. Ein weiteres 10minutiges Gespräch und die gleiche Aussage „er weiß auch nicht was das ist“. Danach war bei mir zappenduster und nach diesen etwa 45Minuten gefühlter „Arbeitszeitvergeudung“ und Protesten meinerseits war ich so frustriert, dass ich es aufgab und ich gedanklich schon daran arbeitete, wie die Veranstaltung ohne dieses Teil laufen sollte. Dann kam der Satz, der mich innerlich zum Lachen brachte: „du bekommst es morgen“. Danach hatte ich abgeschlossen.

      Aber, staunte nun nicht schlecht, als am nächsten Morgen um 7Uhr auf meinem Arbeitsplatz der Adapter lag.

      Wie sie das gemacht haben, ist mir immer noch schleierhaft, da ich nicht begreifen kann, wie das auf diesem Wege funktionieren soll. Auch wenn ich es nicht verstehe funktioniert es aber und ich denke wir müssen umdenken, sonst wird ein Verständnis nicht kommen.

      Fun fact zu Shenzhen: als ich dort war hatte die Stadt etwa 12-15 millionen Einwohner. Der Altersdurchschnitt war 23! 30 Jahre zuvor hatte die Stadt (wenn ich das richtig verstanden habe) 30.000 Einwohner. Sie haben einen Flughafen in den man den BER reinstellen kann. Und wir wollen denen erzählen, wie man was besser zu machen hat?!

      Und wenn wir so knallhart an die Wand gespielt werden suchen wir uns einen Makel wie „Arbeitsrecht der Frau“, Facebookzensur oder sonst einen vorgeschobenen Mumpitz…

      Wenn man auf 400m eine halbe runde abgehängt ist, kann man ja immer noch hinterherrufen: „Seine Hose passt aber farblich nicht zu seinen Strümpfen!“ Und das ganze deutsche Stadion lacht…

      Ich weine dafür ein bisschen.

  4. Dirk Pohlmann Ich möchte darauf hinweisen, dass mir @Micha Joanni sehr bei den Recherchen geholfen hat. Es ist gar nicht so einfach, über den chinesischen Sozialstaat und die Wirtschaftsentwicklung neuere und sachliche Artikel zu finden. Alleine das spricht Bände. Micha hat mir diese sehr wesentlichen Gespräche geschickt, die ich Interessenten wärmstens empfehlen möchte: https://weltnetz.tv/…/1411-der-sozialismus-chinesischer… und https://weltnetz.tv/…/1412-der-sozialismus-chinesischer…

  5. “ Dort sorgt z.B. das fast 250 Jahre alte System der US Demokratie dafür, dass ein Präsident nicht mehr als zwei Amtsperioden herrschen kann. “

    Roosevelt war President von 1933 bis früh in 1945.

    “ „Im Westen nichts Neues“ ist leider nicht zutreffend. Zutreffend ist: „Aus dem Westen nichts Gutes“. Was von dort kommt, müssen wir im Blick behalten, um Schaden zu minimieren. Die USA sind ein zerbröckelndes Imperium, “

    Ist eine zerbröckelende USA nicht gut ?
    Macht es möglich die Blick nach Osten zu richten.

    • Sie haben recht. Ich war bisher der irrigen Ansicht, dass die 3. und 4. Amtszeit von Roosevelt nur wegen des 2. Weltkrieges möglich geworden war. Aber tatsächlich wurde die Präsidentschaft erst mit dem 22. Zusatzartikel (Amendment) 1951 auf zwei Amtszeiten begrenzt. Soweit ich weiß, ist Roosevelt aber der einzige US Präsident mit mehr als 2 Amtszeiten.

    • pohlmann
      Ich wusste nicht vom 1951 Beschluss, aber so viel ich weiss war FDR der einzige mit mehr als zwei Termine.
      Wäre er nicht gestorben anfang 1945, oder möglicherweise ermordet, dann wäre er noch langer im Amt gewesen, obwohl er so krank war das er mehr auf Erholung war als Regierte.
      Über die mögliche Mord
      Robert E. Sherwood, ‘Roosevelt und Hopkins’, 1950, Hamburg (Roosevelt and Hopkins, New York, 1948)
      Sherwood war einer der beiden Schreiber für Roosevelt’s Reden.
      Fast keiner in die USA wusste, oder weiss, das im Sarg die von Warm Springs nach Washington transportiert wurde, nur eine Urn mit Asche War.
      Es wunderte Stalin das Roosevelt ‚did not lie in state‘, wie in die USSR.

  6. Lieber Herr Pohlmann, vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel!

    finde es sehr gut, wie mit gesundem Menschenverstand einfach mal – jenseits aller Klischees und Framings – 1+1 zusammengezählt wird. Ja es kann wirklich so einfach sein.

    Der Kabaretists Hagen Rether hatte 2015 in einem Auftritt
    („Die Dreckskoreaner . . . . . „; https://www.youtube.com/watch?v=0rmmm0B4c_c
    auch mal wunderbar diese Klischees und Frames, von denen erwartet wird, dass wir diese im Kopf haben, auf den Kopf gestellt und die geopolitisches Aktivitäten der USA und ihre Unterstützung durch die Natoländer ( eben auch Deuschtland) mal in ein anderes Licht gestellt.

    Die gegenwärtige Politik ist ein Trauerspiel. Und es ist erschreckend auf welche primitiven Feindbilder, Framings und Ressentiments zurückgefriffen wird, um weiterhin krampfhaft,, ängstlich und engstirnig eine kapitalistische Wirtschaftsploitik beizubehalten und vorranzutreiben, von der wir mittlerweile alle wissen, dass diese nicht im geringsten geeignet ist, die Interessen der Bevölkerungen abzubilden und mehr noch eigentlich alles irgendwann gegen die Wand fährt.

    auf diese Feindbilder und Frames nicht mehr reinzufallen, den gesunden Menschenverstand zu nutzen ist ein erster wichtiger Schritt. . . .

    • Ja stimme zu, Dirk Pohlmann hat seit „Täuschung-die Methode Reagan“ eine super Entwicklung gemacht, menschlich und intellektuell.
      Seine Beiträge, auch bei Gruppe42 und Nuo Viso (alles auf youtube) sind vom Besten.
      Allerdings bin ich mit den „ersten wichtigen Schritten“ ein bischen klar.
      Die hatten wir 2001 bei 9/11..danach kann man nur noch im Wachkoma gewesen sein, wenn man nun (auch nach dem Bankraub von 2007-2008) noch von ersten Schritten spricht.
      Solange es zu keiner organisierten Massenbasis kommt, ist alles andere kalter Kaffee.
      Aufklärung in Nischen ist geduldet, da es denen nicht weh tut.
      Für meinen teil sehe ich bei 1 Millionen Armen in der BRD ein gutes Potenzial für Aufstände.
      Der nahe Osten und andere ‚heisse regionen‘ werden für die Waffen sorgen und dann ist der Krieg im eigenen Land.
      Dann die Chinesen anzurufen und zu fragen ob wir bei ‚one belt one road‘ mitmachen dürfen, ist wahrscheinlich etwas spät.
      Ich denke wir haben noch 2-3 Jahre, der Zug (Akkumulation der Vermögen) verlangsamt sich nicht.
      Jeder Mensch erträgt nur eine bestimmte Menge an Frustration und Schikane, sei es durch Jobcenter, die Regierung/Parlament/Parteien oder seiner Nachbarn.
      Jeder „Küchenpsychologe“ kann Ihnen erklären warum sich dies gewaltsam entladen muss.
      Besser wäre es die Menschen nun zu organisieren, in Strukturen zu vereinen und Disziplin aufrecht zu erhalten.
      Sonst kommen unsere Kinder eines Morgens, auf dem weg zur Schule, in den Kugelhagel von Polizei und den Hungernden.

  7. Ich lese die Texte von Herrn Pohlmann immer gern und was die Weltpolitik anlangt, sind die Vergleiche mit USA auf jeden Fall zulässig. Aber ob es für das chinesische Volk wirklich vergleichsweise so rosig aussieht, wage ich zu bezweifeln. Ich war zwar selbst noch nie in China und kann mich von da her nur auf für mich glaubwürdige und sauber recherchierte Berichte berufen. Und da gibt es so einiges, was an Schrecklichkeit mindestens vergleichbar ist mit Zuständen in westlichen Ländern, wenn nicht es sogar noch toppt. Diese Berichte sind allerdings schon ein paar Jahre alt. Vor ein paar Jahren noch hatten wir die „Monde diplomatique“ abonniert und da war z.B. mal ein Bericht über diese Fabrikstädte in China, die es bei uns noch nicht gibt. Die bestehen ausschließlich aus Fabrikgebäuden und Unterbringungs-Gebäuden für die ganzen Arbeiter/innen. Unter den Fenstern der Fabrikgebäude hingen jeweils Hängematten, um die vielen Selbstmordkandidaten aufzufangen, die sich da laufend aus den Fenstern stürzen wollten. Diese Wanderarbeiter/innen schufteten dort meist, um ihre Familien etwas zu unterstützen und sie vor dem Hungetod zu bewahren. Deshalb mussten sie vor Arbeitsbeginn einen Vertrag unterschreiben, in dem sie versichern mussten, dass sie keinen Suizid begehen werden, weil ihnen sonst der gesamte Lohn gestrichen würde und auch nicht mehr der Familie zugute kommen konnte. Kann man Menschen eigentlich noch mehr ausnutzen? Oder die Mega-Demonstationen der chinesischen Bauern, anzahlmäßig so hoch, dass ich es mir gar nicht merken konnte, gegen einen dieser schrecklichen Mega-Staudämme, die diesen Menschen das Ackerland einfach durch Überflutung weg nahmen. Später gab es dort schlimme Erdbeben mit vielen Toten und einige Geologen vermuten, dass es an der künstlichen Überflutung lag,
    Ich sehe schon lange die ganze Erde in Gefahr, wobei die USA mit ihrer Weltpolitik anscheinend den größte Teil dazu beitragen. Das ist wohl wahr.

  8. Herr Pohlmann,
    vielen Dank für diesen Kommentar. Ich war ein paar Mal in China und habe dort an verschiedensten Orten aus meinem kleinen westeuropäischen Blickwinkel sehr interessante Dinge erlebt.

    Ich glaube aber, dass ein etwaiges Problem tiefer liegt: Wir versuchen ständig dieses Land, ihre Menschen und die Politik in unsere Denkschema und in ein uns eigenes Bewertungsraster zu pressen. Das funktioniert nicht.
    Der „Erfolg“, den die Chinesen bei ihrer Arbeit und bei ihrem sozialen und politischen Handeln an den Tag legen, ist von diesem schmalen Blickwinkel nicht erfassbar.

    Wer einmal da war und sich mit offenen Augen und offenem Herzen umsieht, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Verstanden was, wie und warum hat er aber auch dann noch nicht.

    Natürlich gibt es von unser Warte aus betrachtet Defizite, was etwa soziale Errungenschaften dort angeht, aber unsere Warte reicht eben für das Erdenken eins Landes nicht, in dem man Hamburg, München, Köln, Berlin + x zusammenlegen und als Kleinstadt verkaufen kann.

    Wir sollten also versuchen unsere Fähigkeit zu verstehen einzusetzen (wenn es einen westlichen Wert oder eine Kultur unsererseits überhaupt gibt, dann vielleicht diese) und da ist Herr Pohlmanns Beitrag eine prima Trittleiter von unserem ach so hohen Ross. Klettern müssen wir aber alle selbst 😉

    LGj

    • “ Wir versuchen ständig dieses Land, ihre Menschen und die Politik in unsere Denkschema und in ein uns eigenes Bewertungsraster zu pressen. Das funktioniert nicht. “

      Das tun wir doch weltweit ?

  9. Mir kam beim Hören dieser Tagesdosis fast der Gedanke Herrn Pohlmann zu wünschen, ein chinesischer Staatsbürger in China und kritischer Blogger zu sein, damit er am eigenen Leib den Unterschied zwischen einem Staat mit Gewaltenteilung und einem Staat ohne diese Erfindung des angelsächsischen Parlamentismus erlebt.

  10. In Berlin gibt es nach offiziellen Angaben 3-6000 Obdachlose, wurde gestern im Radio gesagt. Vermutlich sind es noch viel mehr. Ich denke jetzt bei der Kälte schon die ganze Zeit an die. Ich selber gehe da kaum noch aus dem Haus.

    • Ich sehe erst jetzt im Jahre 2018 auf einigen deutschen „linken Blogs“ Fakten und Daten über die Massenarmut in Deutschland.Leider gehört KenFM eher zu den „linken Blogs“ die zu 99% über die Massenarmut in anderen Ländern der EU berichten..und damit der merkelschen „uns geht es doch noch gut“-Kampagne helfen.

      Und das ob der Tatsache das die AfD bald zweitstärkste Partei in Deutschland ist.

      Obwohl Ich als Grieche (lebe seit 2012 dort) dem Ken sehr dankbar bin das Er über die Zustände in Griechenland schreibt (und fast täglich spricht) und außerdem auch nich hilft („Griechenlandnothilfe“) wäre Ich doch sehr froh wenn die „deutschen Linken“ mehr über die verheerenden Zustände in Deutschland sprechen würden.Nur so steigt die Wahrscheinlichkeit das sich die „einfachen Menschen auf der Strasse“ Länderübergriefend solidarisieren und miteinander gegen das internationale Finanzverbrechertum kämpfen.

      In Deutschland gibt es (immer im relativ zur Größe der jeden Nation) sehr viel mehr Obdachlose,Suizide etc als in jedem Land Südeuropas.Wieso die deutschen Progressiven erst jetzt anfangen Ihr Augenmerk auch auf die eigenen verheerenden Zustände zu richten ist nicht nur mir als Grieche schleierhaft.Das Risiko bei Arbeitslosigkeit zu verarmen ist in D 20-30% höher als in Griechenland,Spanien oder Portugal:

      http://ec.europa.eu/eurostat/de/web/products-eurostat-news/-/DDN-20180226-1?inheritRedirect=true&redirect=%2Feurostat%2Fde%2Fhome

      Wacht auf..und bringt endlich eure Bürger auf die Strassen zum friedlichen Protest.Es gibt keine „Friedenbewegung“ wenn 15-20% der Menschen in einem Land so sehr leiden das man bei den „Tafeln“ keine Reste mehr für Flüchtlinge übrig hat.

  11. Diese Sichtweise über den chinesischen Staatskapitalismus (nun gut, Unterschiede zu DE sind in diesem Wort kaum noch ableitbar) ist für mich ein wenig überraschend; gehe ich einmal davon aus, dass unsere etablierten Hetzmedien in punkto „Platz des Himmlischen Friedens & Menschenrechte“ nicht zu drastisch übertrieben hatten.
    Ok, USA als Weltmacht kann man wohl schon jetzt abschreiben, denn wer möchte denn in Zukunft noch für deren gigantischen Militärapparat zechen müssen? Gesetz dem Fall also, dass wir dadurch zwangsläufig russisch-chinesische Paradigmen und Wirtschaftsverhältnisse importieren werden, sich uns eine wohl rosigere Zukunft eröffnen wird, als die, der wir uns heute noch allgemein konfrontiert sehen?

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