Tagesdosis 27.4.2019 – Kollektive Hysterie, kollektive Trance, kollektive Lügen

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Der Spätkapitalismus im Hightech-Zeitalter wankt. Das beklagen selbst immer mehr Superreiche. In der Washington Post philosophierten kürzlich Milliardäre aus dem Silicon Valley darüber, wie man mit denen verfahren könne, die der allseits geheiligte, für die Profitmaschine unabdingbare Arbeitsmarkt ausgespuckt hat (1). Es werden mehr. In den Ex-Kolonien ist es längst dramatisch. Kapitalismus produziert Arme genauso wie Superreiche. Er zwingt immer größere Massen zur Migration. Doch soweit denkt das Gros der deutschen Untertanen nicht. Ungeachtet der globalen Verhältnisse verteidigen sie verbissen ihr Privileg, ihren Herren in einem der wirtschaftlich stärksten Imperien dienen zu dürfen. Und ihre Aufseher spornen sie an.

Und das funktioniert so: Seit 1993 stampft die Bundesregierung das Asylrecht immer weiter ein. Sie reagierte damals damit auf die Ausschreitungen „deutscher Patrioten“ – die in brutalen Übergriffen, Brandstiftungen und Morden mündeten. Rostock, Mölln, Solingen und Hoyerswerda seien dazu nur als Beispiele genannt. Das ging so weit, dass der Staat Flüchtlingen im Jahr 2012 weniger als zwei Drittel der Hartz-IV-Leistungen zubilligte und ihnen verbot, den Landkreis zu verlassen. Jeder weiß, dass schon Hartz IV kaum reicht.

Dann schritt das Bundesverfassungsgericht ein. Es erklärte die willkürliche Schlechterstellung von Asylsuchenden zum Verstoß gegen die Menschenwürde. Zwar hob die Bundesregierung die Leistungen danach widerwillig an, während Springer und Co. mit Begriffen wie Sozialschmarotzer – wer schon mal mit Hartz IV leben musste, kennt das Wort aus eigener Erfahrung – um sich warfen. Doch das hielt nicht lange an. Entgegen aller Propaganda stagnieren die Leistungen seit 2016. Heute bekommt ein alleinstehender Flüchtling 70 Euro weniger als ein Hartz-IV-Bezieher zugestanden – zum Teil als Sachleistung. Für Paare gibt es 128 Euro weniger, bei Kindern liegt die Differenz zwischen 31 und 60 Euro.

Und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter SPD-Minister Hubertus Heil legt nun nach: Trotz massiv gestiegener Lebenshaltungskosten senkt es die Asylbewerberleistungen weiter. Laut seinem neuen Gesetzesentwurf – bejubelt von der Union, der FDP und der AfD – erhält ein alleinstehender Flüchtling ab 2020 nur noch 344 statt 354 Euro (2). Auch für Paare und für Kleinkinder soll es weniger geben. Darüber hinaus will die Bundesregierung die Repressionen verschärfen. Noch einfacher als bisher soll es Ausländerbehörden möglich sein, die Existenzsicherung Betroffener auf null zu kürzen.

Damit nicht genug: Die Bundesregierung verkauft die Kürzungen gar als Erhöhung, und zwar mit einem fiesen Trick: Sie splittet, anders als bei Hartz IV, die Leistung in einen notwendigen und persönlichen Bedarf. Ersteres ist das physische Minimum, also Nahrung, Kleidung, Medizin. Letzteres nennt sie – und die Presse schreibt es dankbar ab – zynischer Weise „Taschengeld“.

Man nehme nun das physische Minimum für einen Alleinstehenden, kürze es von 219 auf 194 Euro und erhöhe dann das sogenannte „Taschengeld“ von 135 auf 150 Euro. Macht insgesamt zehn Euro weniger. Aber Springers Bild hat was zu hetzen: „Asylbewerber kriegen mehr Taschengeld!“ Da springt der frustrierte Untertan sofort drauf an: Die kriegen alles hinten rein gesteckt! Die Wahrheit will er gar nicht wissen.

Ohne Schaum vorm Mund betrachtet, ist von diesen paar Piepen ein Leben im teuren Deutschland nur unter massiven Entbehrungen möglich. Ein Wochenendeinkauf für 50 Euro ist da nicht drin. Wer an den Asylsuchenden tatsächlich verdient, sind die Heimbetreiber, Vermieter und Kursanbieter, die teils horrende Kopfpauschalen von den Kommunen abkassieren. Dafür kann der Flüchtling allerdings nichts.

Ohne Schaum vorm Mund kann man sich nur fragen: Wie soll sich ein Mensch, der eine lebensbedrohliche Flucht hinter sich hat, bei der Ankunft kein Wort deutsch versteht, dann für lange Zeit in ein Vierbettzimmer eines abgeschotteten Lagers verfrachtet wird, sich kaum die Butter auf dem Brot leisten kann und allseits deutschen Hass erfährt, überhaupt in die Gesellschaft integrieren? Das ist unmöglich. Mehr noch: Sie treiben die Betroffenen geradezu in die Illegalität. Ja, wenn es nicht reicht und zudem verboten ist, sich mit Arbeit was dazu zu verdienen, muss man eben sehen, wie man an Geld kommt. Würde fast jeder genauso tun.

Natürlich schüren permanente Armut und Ausgrenzung auch jede Menge Frust und Aggression bei den Betroffenen. Aggression ist die Voraussetzung dafür, gewalttätig zu werden. Die Ostdeutschen dürften sich damit bestens auskennen. Einst jubelten die meisten von ihnen der D-Mark zu. Als sie sie hatten, mussten sie zusehen, wo sie bleiben. Ihre Betriebe verscherbelte die Treuhand an den nächstbesten westdeutschen Protz. Heute schuften viele im Billliglohnsektor für die Profite lächelnder Schlipsträger. Gebrochene Biographien, niedrige Renten, als Zugabe immer mehr Obdach- und Erwerbslose und die Angst, dass es einen selbst auch treffen könnte – nicht nur im Osten, auch im Westen ist das Realität. Diese Realität will kompensiert werden. Ohnmachtsgefühle sind schwer zu ertragen.

Blöderweise geschieht das auf die widerlichste Weise: Die einen Opfer lecken ihre narzisstischen Wunden, indem sie selbst zum Täter werden und andere niederdrücken. Indem sie sich mit ihren Herren identifizieren, eifrig in deren Auftrag im Hamsterrad treten und Minderheiten oder Schwächeren die Schuld für ihre scheiß Lebenssituation in die Schuhe schieben. Und die andere Seite reagiert natürlich nicht permanent mit einem freundlichen Lächeln darauf. Mutmaßlich ist genau das gewollt.

Ganze Horden diverser kapitalfreundlicher Organisationen haben sich in Europa und den USA auf den Weg gemacht, um all den den angestauten Frust zu kanalisieren und damit Wähler zu ködern. Und die Parteien der viel gepriesenen „Mitte“ jaulen mit im Chor. Auch sie benutzen die brodelnde Wut für ihre Zwecke. Sei es, um Hartz-IV-Bezieher und Flüchtlinge zu drangsalieren, oder Demonstranten mit Zustimmung weiter Teile der Bevölkerung brutal niederzuknüppeln, wie etwa bei G20 in Hamburg.

Ja, es gibt eine Revolte, allerdings von rechts. Ihr Ziel: Ein homogener, autoritärer Law&Order-Staat mit Herrschern und Untertanen. Und letztere scheinen massenhaft begeistert: Diverse Pseudogruppen, zum Beispiel „die Nation“, werden zu Mutter und Vater fantasiert, zur autoritären Domina, bei der man sich ein Gefühl von Stärke durch Unterordnung erkaufen möchte. Die einem großzügig erlaubt, auszumerzen, was man nicht denken, nicht fühlen will, was man an sich selbst hasst und um jeden Preis verdrängt. Man schwatzt von Kultur und meint Unterwerfung. Man frohlockt über Freiheit und meint den inneren Selbstzwangapparat, der keinen Ausweg, nicht einmal den kleinsten Gedankensprung aus lebenslang eingetrichterten Normen erlaubt.

Und jeder, der nicht mitläuft oder anders erscheint, als die herbei fantasierte Gruppe oder man selbst, wird zum Feind erklärt. Dass es so funktioniert, ist inzwischen lang genug erprobte Massenpsychologie, die Strategen und PR-Berater sehr gut kennen. Sie fördern Scheingefechte, kollektive Massenhysterie und kollektive Trance. Oder wie Heinrich Heine es bemerkte: Anstatt sich aufzulehnen, neigt der Untertan viel eher dazu, den Stock, mit dem man ihn geschlagen hat, zu verschlucken.

Selbstbefreiung geht anders, und vor allem erst dann, wenn man bewusst versucht, den Knüppel wieder auszuspucken. Das ist ein langwieriger und schmerzhafter Prozess der Selbsterfahrung und Reflexion, am besten mit anderen gemeinsam. Doch nur so kann es gelingen, sich den Scheingefechten, den medial aufoktroyierten Meinungen und den Filterblasen, in denen man nur allzu schnell landet, zu entziehen.

Und wenn man dann darüber nachdenkt, was die Milliardäre im Silicon Valley wohl ausbrüten, wird einem klar, dass die rechten »Lösungen« keine sind. Dass es schon aufgrund der technologischen Entwicklung kein Zurück in die 60er Jahre geben kann und wird. Dass es deren Profitmaschine ist, die uns alle einbindet und unserer Freiheit beraubt. Und dass die Profiteure sehr wahrscheinlich mit überflüssig werdendem Humankapital genauso umgehen werden, wie sie es nach pragmatischer kapitalistischer Logik auch mit unrentablem Kapital tun – wenn sich „die da unten“ weiter bekriegen, sich weiter weigern, ihre Ketten zu spüren und „die da oben“ nicht endlich gemeinsam davon abhalten.

Quellen:

  1. https://www.washingtonpost.com/politics/capitalism-in-crisis-us-billionaires-worry-about-the-survival-of-the-system-that-made-them-rich/2019/04/20/3e06ef90-5ed8-11e9-bfad-36a7eb36cb60_story.html?noredirect=on&utm_term=.8a0affbe0dd1
  2. https://www.bmas.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/reform-asylbewerberleistungsgesetz.html

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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36 Kommentare zu: “Tagesdosis 27.4.2019 – Kollektive Hysterie, kollektive Trance, kollektive Lügen

  1. Sehr geehrte Frau Bonath,
    Sie schreiben, ich zitiere im O-Ton:
    „Kapitalismus produziert Arme genauso wie Superreiche. Er zwingt immer größere Massen zur Migration.“
    Ein kritischer Faktencheck: Was sind denn die Ursachen für Massenmigration (Migration gabs ja schon immer)? ich meine die wahren Ursachen? Können wir uns drauf einigen, dass dies im Wesentlichen zwei sind:
    1) Kriege und
    2) die Zerstörung der wirtschaftlichen Lebensgrundlage in der Heimat
    Als drittes ließe sich mittelbar die Nichtgewährung von lächerlichen 2 Mrd. für Flüchtlingslager nennen, welche die EU auf einen Hilferuf der UN verweigerte, weil sonst die Ernährung der Flüchtlinge nicht mehr gewährleistet werden könne.

    Wer hat denn diese Kriege losgetreten, Freihandelsabkommen oktroyiert und z.B. die Fischgründe leergefischt?
    Wer hat die Aufstockung der UN-Hilfe verweigert?
    War das ein abstraktes System (Kapitalismus)?
    Oder waren dies Menschen? Politiker und die hinter diesen stehenden Lobbykräfte, Geldmächtige und Großkonzerne? Waren das womöglich Organisationen wie der IWF, der Länder per „letter of intent“ [1] zu „Freihandelsabkommen“ nötigt?
    Also in JEDEM Fall NICHT „der Kapitalismus“, sondern entsprechend verantwortungslos handelnde Menschen (Politiker)?

    Warum das alles? Weil „Ihre Lösung“, so man denn ihren Worten folgt, in der „Überwindung des Kapitalismus“ liegt. Und damit werden sie genauso scheitern, wie alle anderen. Auch aber nicht nur, weil auch sie wie alle anderen kein überzeugendes Konzept vorlegen könne, wie dies konkret und wohin zu erfolgen hat.

    Würden sie die Hauptursache für viele (nicht alle) Probleme hingegen korrekt beim Namen nennen, nämlich NEOLIBERALISMUS, der übrigens keine Steigerungsform oder Endstadium des Kapitalismus ist, so sähe die Angelegenheit ganz anders aus: diese verkommene Ideologie ließe sich – zumindest theoretisch – leicht überwinden. Sofern denn die Regierenden Politiker nur wollten.

    Mit anderen Worten:
    Mit der Forderung nach „Überwindung des Kapitalismus“ können Sie nicht einmal theoretisch Erfolg haben – bei der Abschaffung neoliberalen Gedankenungutes sehr wohl. Und nur so ganz am Rande: ob Sie die Natur des Kapitalismus überhaupt korrekt verstanden haben, da hege ich schwere Zweifel.

    Nicht nur für mich, sondern auch die übrigen Mitleser würde Ihre Erwiderung womöglich erhellend sein.

    [1] https://www.youtube.com/watch?v=Zt7lONlgU-o

    • @ Logos
      Streben Menschen von Natur aus nach mehr als nötig Materiellem und werden davon seelisch krank?
      Oder sind die meisten Menschen seelisch krank und streben deshalb nach mehr als nötig Materiellem?

      Der gute alte Marx hatte sich zwar auch Gedanken zu Bewusstsein und Entartung der Arbeit gemacht, aber „den Kapitalismus“ hat er treffend beschrieben – unter der Voraussetzung des „Homo Oeconomicus“, also unter der Annahme, dass das Verhalten des Menschen von materiell-ökonomischer Motivation bestimmt wird.
      Adam Smith u.a. Liberale gingen übrigens auch vom „Homo Oeconomicus“ aus.
      Das scheint ein Phänomen der damaligen Zeit gewesen zu sein.

      Heutzutage kann man anhand von Psychologie und Hirnforschung sagen, dass materiell-ökonomische Faktoren höchstwahrscheinlich nicht die bestimmende, sicher aber nicht die alleinige Motivation bilden, die das Verhalten von Menschen bestimmt.
      Ein gut im „System“ eingebetteter Philosoph (R.D.Precht) formuliert es kurz: Menschen streben nach sozialer Anerkennung.
      Wenn Geld ein Vehikel zu sozialer Anerkennung ist, dann streben Menschen nach Geld.
      Damit extra Anerkennung daraus resultiert, muss es aber deutlich mehr Geld sein und das geht nur, wenn man andere übervorteilt, also asozial ist.
      Asozial sein als Vehikel zu sozialer Anerkennung – das ist verdreht.
      Wenn es aber trotzdem funktioniert, entstehen Fragen jenseits materieller Ökonomie – und damit Lösungsansätze jenseits materieller Ökonomie. 🙂

    • Es gab in der Geschichte der Menschheit unterschiedliche Produktionsweisen: die Urgesellschaft, die altorientalische Gesellschaft, die Sklaverei, den Feudalismus und den Kapitalismus. Und wenn wir Glück haben und nicht vorher den Planeten zerstören, dann wird der Sozialismus und Kommunismus folgen. Kapitalistische Gesellschaften waren das Deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik, Hitlerdeutschland und ist heute die Bundesrepublik. Der Kapitalismus beruht auf dem Privateigentum an den Banken und Konzernen und der Ausbeutung von Lohnarbeit zur Profitmaximierung.

      Der sog. Neoliberalismus ist nichts als eine bestimmte Art, die kapitalistische Herrschaftsordnung zu managen. Er hat seine geistigen Ursprünge bei Hayek und der Mont Pelerin Society. In der Praxis erprobt wurde er zunächst im Chile Pinochets unter Anleitung der als „Chicago Boys“ bezeichneten US-amerikanischen Gruppe von Ökonomen. Anschließend wurde er unter den Bezeichnungen „Reaganomics“ in den USA und „Thatcherism“ in Britannien eingeführt. In Deutschland erhielt er die Bezeichnung „Agendapolitik“. Natürlich muss das weg aber damit ist nur das Symptom beseitigt, nicht die Krankheit. Wirklich das Überleben der Menschheit gesichert kann nur werden, wenn das Profitprinzip beseitigt und an die Stelle der Produktion von Wert die Produktion von Gebrauchswert tritt. All das hat aber Frau Bonath auch schon eine Million Mal haarklein erzählt. Man sollte einfach mal seine Ohren aufsperren.

    • Der Begriff Kommunismus ist dermaßen vergiftet, das man damit keinen Blumentopf mehr gewinnen kann.
      Wir brauchen feste Regeln um Allen ein gutes Leben zu sichern.

      Wie du das dann nennst ist doch zweitrangig.

      Acht Milliardäre besitzen genauso viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.
      Die haben, wenn du so willst, schon den Kommunismus.

      Rang Person Konzern Nettovermögen
      1 Bill Gates Microsoft 75,0 Milliarden US$
      2 Amancio Ortega Inditex 67,0 Milliarden US$
      3 Warren Buffett Berkshire Hathaway 60,8 Milliarden US$
      4 Carlos Slim Helu Grupo Carso 50,0 Milliarden US$
      5 Jeff Bezos Amazon 45,2 Milliarden US$
      6 Mark Zuckerberg Facebook 44,6 Milliarden US$
      7 Larry Ellison Oracle 43,6 Milliarden US$
      8 Michael Bloomberg Bloomberg LP 40,0 Milliarden US$
      Summe reichste 8 Personen 426,2 Milliarden US$
      Ärmste 50 % der Weltbevölkerung 409,1 Milliarden US$

      (Oxfam)

    • @Andreas
      Nein, Menschen streben nicht von Natur aus nach mehr als nötig Materiellem, sonst dann hätte nie Asketen oder heutzutage Aussteiger gegeben. Außerdem wird man nicht per se vom Streben nach „mehr als Nötig Materiellen“ (was ist „nötig“?) seelisch krank. Das hängt vom Ausmaß (gesund oder ungesund) ab. Letzteres lässt sich also pauschal gar nicht beantworten.

      Ob die meisten Menschen seelisch krank sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Hängt auch davon ab. Welche Referenz als „seelisch gesund“ definiert wird.

      Nein, der gute alte Marx hatte mit dem „Homo Oeconomicus“ gar nichts zu tun. Jener ist ein irres Kopfkonstrukt des Neoliberalismus (womit wir voll bei meinem Thema wären), welcher Marx nicht erlebt hat.

      Wieder nein, Adam Smith ging nicht vom „Homo Oeconomicus“ aus. Schon allein deswegen, weil der nicht so durchgeknallt und realitätsvergessen wie Neoliberale war.

      Nein zum Dritten: sowohl Neoliberalismus und damit auch die irre Vorstellung vom „Homo Oeconomicus“ sind Phänomene der Neuzeit. Lange nach Marx und noch länger nach Adam Smith.

      Offen gestanden ist die Schnittmenge meines Hinweises, dass die Forderung nach „Überwindung des Kapitalismus“ kontraproduktiv ist, weil sie vom wahrem Feind, dem Neoliberalismus, ablenkt, welcher im Gegensatz zum Kapitalismus sehr wohl willentlich überwunden werden kann und ihrem Kommentar enttäuschend klein.

    • @Alexander:
      Warum Sozialismus und Kommunismus auf Kapitalismus folgen wird, will sich nicht erschließen. Insbesondere die Historie deutet auf die umgekehrte Richtung (Zerfall der Sowjetunion) hin.
      Nach den vielfachen katastrophalen Erfahrungen mit Kommunismus dürfte dieser für die meisten Menschen auch keine anzustrebende Alternative darstellen. Zu Recht.

      Ihre Darstellung, worauf der Kapitalismus beruht, ist grob unvollständig. Das wesentliche Merkmal des Kapitalismus fehlt.
      Hint: Was hat denn ab 1760 In England erstmalig zu wirtschaftlichem Wachstum pro Kopf geführt?

      Zum Thema Neoliberalismus hier eine deutlich umfangreichere Darstellung meinerseits:
      https://neoliberalismus.fandom.com/de/wiki/Neoliberalismus
      Daran könnten Sie sehen, dass ich über Neoliberalismus bestens im Bilde bin.

      Was ist denn für Sie „die Krankheit“? Das wäre mal interessant. Seit Anbeginn der Menschheit strebten [gewisse] Menschen nach Profit. Wenn das Überleben der Menschheit von der Beseitigung der Profitgier abhängt, dann „gute Nacht“, denn dafür bräuchten wir einen anderen Menschen. Den gibts aber nicht. Und er lässt sich auch nicht herbeiwünschen. Wir müssen mit dem vorlieb nehmen, was da ist. Schon mal bedacht, dass der Kommunismus u.a. an einen total falschen Menschenbild gescheitert ist? Wie wärs, aus den Fehlern zu lernen?

      Wenn Bonath auch schon eine Million Mal haarklein erzählt hat, was nötig ist, warum haben sich nicht längst Erfolge eingestellt? Weil „erzählen“ nicht auch „überzeugen“ ist und „überzeugen“ nicht handeln?
      Weil schöne Reden viele schwingen können?
      Weil Appelle an die Allgemeinheit im Allgemeinen nichts bringen?
      Was meinen Sie wohl?
      Einfach mal selbstkritisch nachdenken, anstatt anderen deplatziert „Ohren aufsperren“ anraten.

    • Logos, Andreas

      Der Neoliberalismus ist eine weitere Spielart bzw. verschärfte Gangart des Kapitalismus. Der N. ist verknuepft mit Figuren wie Thatcher aber auch mit der Einfuehrung von Sozialabbaumassnahmen wie Hartz 4 unter Schröder. Nachdem der Kapitalismus in Westeuropa ab den 60ern bis zur Annexion der eh. DDR Kreide fressen musste, um die Konkurrenz des Ostens (DDR und Co.) ausstechen zu können, wurde nach dem Fall des Ostblocks mit dem Neoliberalismus ( keine bis geringe Lohnzuwächse ) wieder dem Kapital volle Handlungsfreiheit, eben Liberalismus fuer das Kapital, zugesichert. Dass der N. nicht per Acklamation wegzuschaffen ist, wird daraus deutlich, dass es fuer das Kapital und damit fuer die Profite lebensnotwendig ist.
      Wenn es um die diskussion geht, warum der Sozialismus gescheitert ist, vornehmlich un der SU, so gehört in diese Untersuchung auf jeden Fall die Stärke seines Widersachers, des Imperialismus mit aufgenommen. Seit den ersten Anfängen des Sozialismus hat der Imperialismus erkannt, dass es sich um ein konkurrierendes wirtschafts- und gesellschaftssystem handelte, dass bei freier Entfaltung seiner selbst besser fuer die Beduerfnisbefriedigung der in ihm lebenden Menschen geeignet ist, als die auf Profitmaximierung orientierte Wirtschaftsweise des Kapitalismus, bei der immer nur sehr wenige „absahnen“.
      Dass nun der deutsche Imperialismus Lenin unterstuetzte nach Petersburg zu gelangen, hatte keine Gruende, die in einer Sympathie zu Lenin erklärt werden kann, sondern in der Erkenntnis, dass eine Front, nämlich die zu Russland befriedet werden sollte.
      Seit der Zeit uebrigens, als der Sozialismus, zumindest der Versuch des S., begann, versuchen die USA mit ihren Verbuendeten (nach dem 2. WK) die damalige Su einzukreisen, heute realisiert man Russland und auch China als ernstzunehmende Konkurrenten, die es gilt klein zu halten. Auch hier ist die Einkreisungs- und Sanktionspolitik ein probates Mittel.
      Natuerlich kann man wie Logos, hinterfragen, ob nicht auch immer Menschen fuer die Ungerechtigkeiten verantwortlich sind, doch diese Menschen handeln in einem System, dass nur die Profitmaximierung belohnt.

    • Konkurrenz aus dem Osten? Der Schutzwall war doch semi-permeabel, aber dann doch wohl in die falsche Richtung.

      Wir haben doch keine freie Marktwirtschaft, es ist Koporatismus.

      Und dieser treibt die Monopolbildung voran. Aber die Medizin sollte das absolute Monopol schlechthin sein. Ich weiß nicht recht, ob das ernst gemeint ist.

      Machtmissbrauch? Die Lösung ist die vollkommene Machtkonzentration beim Staat? Ich meine die Sache mit dem Volk als Souverän läuft j abei uns schon scheiße, aber im Osten war das ja nicht mal als Witz lustig.

      Heute kommt der K. auch schlauer daher, nämlich als „Kapitalismus“ a la EU und Supranationalismus. Coole Langzeitstrategie, da brauch es da Geplärre hier eigentlich gar nicht.

      spiegel.de/wirtschaft/protest-gegen-globalisierung-wie-die-g-8-kritiker-die-welt-umbauen-wollen-a-486143-3.html

      Siehe hier, ei guck, ei glotz! Ein Weltministerium, die komm. NWO ist voll am Start!

      Entweder wird die WTO insgesamt verantwortlich für die Einhaltung aller Standards, was aber angesichts des weltweit schlechten Images der Organisation schwer ist“, sagt Finkbeiner. „Oder wir schaffen eine Art Weltministerien für Arbeit und Umwelt und statten sie mit gleichen Exekutivrechten aus.“

    • Apropos : jobboerse.arbeitsagentur.de / Die ganze Plattform ist ein einziger Krampf!

      Staatlich geprüfter Bewerbungsschreiber und zertifizierter Schauspieler zur Wahrnehmung von Vorstellungsgesprächen auf Stellen, die es nicht gibt (IHK)

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      Als „Zertifizierter Schauspieler zur Wahrnehmung von Vorstellungsgesprächen auf Stellen, die es nicht gibt zur Aufrechterhaltung der Vollbeschäftigungsillusion (IHK)“ erscheinen Sie pünktlich in gepflegtem Outfit mit gebügeltem weißen Hemd, dunkler Bundfaltenhose, geputzten schwarzen Schuhen, einem dezenten altersgemäßen Eau de Parfum von Lagerfeld, Lancôme oder Chanel und antworten stets zu allen Fragen: „Ja, ich will arbeiten!“

      Wir garantieren Ihnen schon jetzt, daß Sie die ausgeschriebene Stelle nicht bekommen werden, da es diese Stelle natürlich nicht gibt. Über diesen Sachverhalt sind Sie zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet. Als Zeichen unserer Anerkennung erhalten Sie von uns großzügige Reisekosten als Vorschuß zur Wahrnehmung bundesweiter Vorstellungsgespräche und der obligatorischen Absage auf einem deutschen Qualitätspapier (mind. 150 g/m²) zum Sammeln und zur späteren Vorlage Ihrer Arbeitsbemühungen bei uns.

      Terminieren Sie die Vorstellungsgespräche bei Bedarf auf sonnige warme Frühlings- oder Sommertage und gönnen Sie sich nach dem Vorstellungsgespräch in der Fußgängerzone einer beliebigen deutschen Stadt in einem netten Café auch einmal ein Stück Schwarzwälderkirschtorte und einen Milch-Kaffee bevor Sie nach einem Schaufenster-Bummel oder einem Besuch im örtlichen Stadtpark oder Zoo mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln die Heimreise auf unsere Kosten antreten.

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      Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß bei Verletzung des Betriebsgeheimnisses unseres erfolgreichen Geschäftsmodelles die Agentur für Arbeit sowohl Ihr Honorar für den „Staatlich geprüften Bewerbungsschreiber“, als auch Ihre Gage für den „Zertifizierten Schauspieler zur Wahrnehmung von Vorstellungsgesprächen auf Stellen, die es nicht gibt zur Aufrechterhaltung der Vollbeschäftigungsillusion (IHK)“ ohne Angaben von Gründen unverzüglich einstellen muß und somit die freie Kost und Logis vollständig entfällt.

  2. Würden Sie sich auch für einen „Beschneider“ so ins Zeug legen, weil diese Person in seinem Heimatland auf Grund seines dort widerrechtlich ausgeübten „Berufes“ strafrechtlich verfolgt wird?
    Und warum gibt man Syrern nicht ihre Pässe zurück, um wieder nach Hause zu gehen?
    Und warum sanktioniert man, wirft Bomben, unterstützt Terror, berichtet einseitig?
    Und wohin kann man jemanden abschieben, dessen Herkunft wegen fehlenden Passes, Namens, Identität unklar ist?

  3. Mal wieder die Thematik kurz, bündig und sehr treffend beschrieben, Susan Bonath. Danke.
    Die empörten Reaktionen manch eines Mitmenschen (auch hier im Forum) zeigen mal wieder, wer über Hintergrundwissen verfügt (besser: verfügen möchte) oder wie ein Feigling lieber mal wieder auf die eindrescht, die sich nicht wehren können, sprich: Flüchtlinge, Hartz IV-Bezieher, Senioren, Kranke, etc.
    Die Herren Maaz, Ruppert, Hüther, um nur ein paar Namen zu nennen, wüssten wahrscheinlich schon, was diese Geister zu solch einem Verhalten treibt.

  4. „und zudem verboten ist, sich mit Arbeit was dazu zu verdienen“

    Da könnten die ganzen Initiativen, die angeblich Migranten unterstützen wollen, aber auch mal aus ihrem Helfersyndrom rauskommen und Hilfe zur Selbsthilfe bieten.

    GG Art.1 Abs. 2 + UN-Menschenrechtserklärung Art. 23 Abs. 1

    Ein mittelloser Mensch hat nicht die Kapazitäten, in Deutschland Menschenrechte einzuklagen, das würde ein funktionierendes Rechtssystem voraussetzen, aber für deutsche Richter ist der braune Gestank Stallgeruch, die begehen Rechtsbeugung ohne es zu merken.
    Wenn man Recht durchsetzen will, braucht man die Kapazitäten, diese Damen und Herren Richter zu ZWINGEN sich wider ihres Willens an die Gesetze – und an das grundlegende das Grundgesetz – zu halten.
    Die Anwälte, die man dafür bräuchte, sind ohnehin schwer aufzutreiben und dann müssten die auch noch bezahlt werden.
    Wenn allerdings über einen Präzedenzfall geklärt wäre, ob in Deutschland die Menschenrechte gelten – also selbstverständlich jeder Mensch arbeiten darf – dann wäre Migranten geholfen.
    (Oder die Damen und Herren oberste Juristen müssten die Masken fallen lassen und zeigen, wer sie sind und gegen Menschenrechte entscheiden, das wäre immerhin auch eine die Sachlage klärende Wirkung.)
    Warum macht von den ganzen Initiativen, die angeblich Migranten unterstützen wollen, keine das praktisch Wirksame?
    „Wie gestört ist unsere Gesellschaft?“ – wie gestört sind die angeblichen Helfer?
    Helfersyndrom.

    • Döner statt Daimer?
      zeit.de/2017/08/fluechtlinge-arbeitsmarkt-daimler-fachkraefte-mangel

      War Zetsche nicht anfangs total scharf drauf, seine headhunter durch die Unterkünfte zu jagen, um all die hellen Köpfe ausfindig zu machen?

      Was könnte es bedeuten, dass sich die Ausbeuterkaste nicht drum reißt, diese Fachkräfte mit einer Arbeisterlaubnis auszustaffieren?

      Sind die irre oder schlicht einsichtig geworden?

    • @ D1
      Angestellte (Sie schrieben „Zetsche“ wer immer das ist) der deutschen Autokonzern-Oligarchie sind also für Sie irgendwie Maßstab.
      Okay, Ihre Meinung.

  5. @Hog1951…sie waren schneller. Ein Zusatz noch liebe Frau Bonath: Wer als Flüchtling hier vor Mord und Krieg sicherer sein kann, Wasser und Heim sowie genug zu essen bekommt und obendrauf noch Bares, sollte froh sein, denn es mehr als im Herkunftsland! Wer hier mault, ist kein Schutz Suchender! Als Deutscher, der den gleichen Weg z.B. nach Australien ginge, bekäme man nichts! Und die Masche Bürger dieses Landes, die ob nun faul sind oder mal wieder Pech hatten und als Hartzer abgestempelt sind, mit der Situation der Flüchtlinge zu vergleichen ist dreist und unpassend. Vergleiche mit Millionären und Hartzern verkneifen wir uns fein, gelle? Denn die sind oft faul oder tun nur, als wenn es Arbeit wäre…jedenfalls arbeiten Zinsen nicht, sondern kommen von unten, dort wo auch die Hartzer sitzen! Gruß!

    • „Auch das Dublin-System muss ein Ende haben. Alle Schutzsuchenden sollen sich selbst entscheiden können, in welchem Land sie Asyl beantragen wollen.“
      aus: die-linke.de/fileadmin/download/wahlen2019/wahlprogramm_pdf/Europawahlprogramm_2019_-_Partei_DIE_LINKE__Druckversion_.pdf

      Wenn also alle hierher kommen dürfen und gleichzeitig von den „paar Piepen“ keiner Leben kann, wie soll es dann werden? Mehr Geld für Migration?
      Der UN-Plan wird dank des Marktgeschreies a la Bonath sicher kommen, dafür steht ja replacement-mäßig die Allparteienkoalition, aber ganz praktisch nach der Bezahlung gefragt:

      Da sich sonst nix ändern wird (oder möchte jemand zusätzlich vielleicht das Zentralbankensystem abschaffen und die Geldschöpfung den nationalen Regierungen übereignen?), kommt da wohl nur die Kreditaufnahme in Frage. Und cui bono? Wer kommt als Kreditgeber in Frage??? Vielleicht zufällig die Banken?
      Wer die Zeche wirklich bezahlt steht damit auch schon fest.

      Und Afrika ist dann geholfen? Ich denke sicher nicht.

    • „Vergleiche mit Millionären und Hartzern verkneifen wir uns fein, gelle? Denn die sind oft faul oder tun nur, als wenn es Arbeit wäre…“

      zu viel Bild gelesen? Gesundheit !!!

  6. Hier ist Frau Bonath also endlich wieder bei ihrem Lieblingsthema angelangt.

    „Er zwingt immer größere Massen zur Migration. Doch soweit denkt das Gros der deutschen Untertanen nicht. Ungeachtet der globalen Verhältnisse verteidigen sie verbissen ihr Privileg, ihren Herren in einem der wirtschaftlich stärksten Imperien dienen zu dürfen.“
    Haben Sie immer noch nicht begriffen, dass die Menschen aus z.B. Afrika nach Europa gelockt werden. Mit ebensolchen Versprechen, wie man seinerzeit die Bewohner der eh. DDR in den „goldenen“ Westen gelockt hatte. Und die Annexion der eh. DDR dann, war auch ein grossangelegter Angriff auf das Lohnniveau der westdeutschen Arbeiterklasse. In diesem Zusammenhang von dem verbissenen verteidigen von Privilegien zu schwadronieren, Frau Bonath, ist einfach nur instinktlos. Haben doch die meisten Beschäftigten in DE (und Europa) schon jetzt das Problem einfach nur ueberleben zu können.

    “ Wer an den Asylsuchenden tatsächlich verdient, sind die Heimbetreiber, Vermieter und Kursanbieter,(…)“
    ganz aussenvor bleibt hier der ganz normale Kapitalist, der sich ins Fäustchen lacht bei soviel Unterstuetzung im Volk. Und die Unterstuetzung beginnt bei Merkel, ueber die Teile der Linkspartei, die sich nicht Wagenknecht zugerechnet haben, weiter bis zu Lautsprechern wie Bonath.

    „Und das funktioniert so: Seit 1993 stampft die Bundesregierung das Asylrecht immer weiter ein.“ Das ist einfach falsch. Unter der Federfuehrung der Bundesregierung wurde der UNO Migrationspakt ins Leben gerufen, der eine Erleichterung fuer Migranten darstellt. Die Kapitaleigner in DE begruessten diesen Schritt, verspricht er ihnen doch die armen Menschen unter Mindestlohn zu beschäftigen, um den sog. Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen.

    Schon sehr viel frueher in den 60er und 70er Jahren kamen Menschen aus anderen Teilen Europas nach DE (oder anderswo), doch hatten wir damals eine Situation, wo der Lohnraub noch nicht so eklatant war und von daher nicht so merkbar fuer die abhängig Beschäftigten. Doch faktisch war es ein hereinwinken, um höhere Lohnabschluesse in damals Westdeutschland zu verhindern.

    Ich frage mich zudem, wie man bei diesem Thema die Gelbwesten in Frankreich einfach aussparen kann. Ist es zu kompliziert, darauf einzugehen, weil die Gelbwesten nach Ihrer Meinung auch gegen die Migration aufbegehren?

    • gold.de/staatsverschuldung-deutschland/#entwicklung

      Wenn ich die Staatsverschuldung sehe, dann kann ich mir viele Forderungen vorstellen, aber mit Sicherheit ist die nach entgrenzte Räumen und Zuzug von allem und jedem nicht dabei, denn das verschlimmert alles nur noch weiter und provoziert noch schlimmere soziale Verwerfungen.

      Wer kann denn schon ein Interesse daran haben, dass sich Christen und Moslems an die Gurgel gehen? Wer liefert hier denn wen ans Messer?

    • Da muss ich Dir widersprechen:
      Das Asylrecht wurde und wird immer mehr eigeschränkt.

      Ich könnte das jetzt alles hier rein kopieren, was nach 1993 auf diesem Gebiet in Gang gesetzt wurde.
      Dann wird der Text aber zu lang.

      Der UNO-Migrationspakt ist nicht bindend, eine Blendgranate, eine Maske. Da hält sich keiner dran.
      Es sei dann, man kann Medienwirksam damit Punkten.

      Gesetze und Verordnungen werden, wenn man sich die Zahlen anschaut, immer strikter angewendet.

      Das es da einen Widerspruch gibt, ist schon klar.

      Den Gelbwesten, denen es ausschließlich um Migration geht, sollten sich mal die neokoloniale Politik ihres Landes anschauen. Dann würden Sie warscheinlich auch anders darüber denken.

      Im März 2008 sagte der damalige französische Präsident Jacques Chirac:
      „Ohne Afrika wird Frankreich in die Reihe einer drittklassigen Macht abgleiten.“
      Chiracs Vorgänger Francois Mitterand prophezeite bereits 1957, dass:
      „Ohne Afrika wird Frankreich keine Geschichte im 21. Jahrhundert haben.“

    • D1 :

      Die „Staatsverschuldung“ ist doch ein Todschlaginstrument.
      Schau nach Japan oder die USA. Staatsschulden ohne Ende.
      Verschuldungen stehen immer Guthaben gegenüber.
      Was ist der Wert eines schuldenfreien Staates?
      Wichtig ist doch, für was sich der Staat verschuldet.

    • Hog1951, was sollen die Gelbwesten bei dem Thema? Die Gelbwesten sind keine Rassisten. Sie spalten nicht zwischen einheimischen und zugewanderten Arbeitern, wie Sie es tun. Das ist auch in der Erklärung der Gelbwesten nachzulesen.

      Dass die Ausbeuter kein Interesse daran haben, den Menschen in Deutschland oder anderen Ländern gutes zu tun, ist ein Allgemeinplatz. Albern, darüber zu diskutieren. Aber was ist denn die Schlussfolgerung, die sich für die Ausgebeuteten daraus ergibt? Sich gegeneinander hetzen zu lassen, wie Sie es zu bevorzugen scheinen, oder gemeinsam als Klassengeschwister gegen die Herrschenden den Kampf aufzunehmen?

      Schon 1993 wurde der sog. „Asylkompromiss“ zwischen Kohl und Lafontaine ausgehandelt. Dieser brachte eine einschneidende Einschränkung des Personenkreises, der überhaupt als Flüchtling anerkannt wurde. Es wurden Residenzpflicht und andere Schikanen beschlossen. Massiv wurden besonders Sinti und Roma abgeschoben, eine Personengruppe, die in den KZs, gleich den Juden, systematisch ausgerottet werden sollte. Die Gelder wurden nach und nach immer weiter zusammengestrichen.

    • Steigender Zinsdienst geht immer zu Lasten der Mittel- und Unterschicht. 70% von meinem Brutto landen schon beim Staat und ich soll es schön finden, dass es noch mehr werden dürfte?
      Ich sehe nicht, dass mir dies egal sein kann und kann mir nicht schönreden, dass durch weitere Schulden den Menschen immer weiter die Luft abgeschnürt wird. Fachkräfte…dass ich nicht lache. Bei uns platzt Beschäftigung durch Industry 4.o und IOT weg und wir holen Fachkräfte zum Alphabetisieren hierher.

      Was man mit den Mitteln für die überteuerte Hilfe hier, die sinnlos im Schlund der Asylindustrie als Geld auf Pump verschwindet an Hilfe in der Region leisten könnte. Das ist der eigentliche humanistische Skandal.
      Gleiche Schulden, mehr Hilfe für mehr Menschen, aber wir holen alle ins teuerste Land in Europa.
      Dümmer gehts nimmer.
      Großartiges Beispiel übrigens mit den USA, wo die Slums die Kehrseite der Verschuldung sind.
      Bevor das der Preis für Hilfe ist, dann lieber Grenze dicht, denn die eigenen Leute sind mir auch was wert. Das sind irgendwie auch Mitbürger mit rechten oder zählen die nix, weil es deutsche Kleinbürger sind?

    • „Großartiges Beispiel übrigens mit den USA, wo die Slums die Kehrseite der Verschuldung sind.“

      Ich würde eher sagen, die Slums sind die Kehrseite eines bis zum erbrechen aufgeblasenen Militärhaushaltes.

    • Moin, Alexander, in dem Kommentar von Bonath geht es doch im Wesentlichen um die Verarmung der Bevölkerung und darum, dass noch mehr Menschen kommen sollen (nach Bonath), die uns bei der Verarmung/Verelendung helfen sollen. In Frankreich nun hat sich ein Protest gegen genau diese Regierungspolitik des Herrn Macron herausgebildet.
      Das war der Punkt, auf den ich abheben wollte. Aber Bonath geht ueber diesen Protest hinweg, weil es eben Stimmen bei den Gelbwesten gibt, die die Zuwanderung nicht begruessen.

      mfG

    • „Haben Sie immer noch nicht begriffen, dass die Menschen aus z.B. Afrika nach Europa gelockt werden …“

      Lieber Hog1951,
      ich bin sicher, das wurde alles schon längst und immer wieder und sogar mehrmals begriffen.
      Aber es geht ja nicht um das, was hier vorgeschützt wird,
      Es geht um die Vernichtung des verhaßten, kapitalistischen Westens. Egal mit welchen Mitteln. Denn bei den Kommunisten heiligte schon immer der Zweck die Mittel.
      Und zu diesem Zweck wird man halt man vorübergehend globalistisch (um die globalen Eliten zu entmachten), zu diesem Zweck macht man sich mit mittelalterlichen Wüstengesellschaften gemein, (um die Emanzipation der Frauen durchzudrücken), zu diesem Zweck tut man so ziemlich alles, wovon uns die Omi abgeraten hätte, die noch wußte, was die Mark wert ist und woher sie kommt.

    • Moin, schwarz ist weiss, Das Asylrecht ist ein hohes Gut, dass unbedingt verteidigt werden muss! Nur sind die Fluechtlinge keine Asylbewerber (jedenfalls nicht alle), sondern ganz einfache Migranten.
      Ich bin vollkommen bei Dir, dieses Recht zu verteidigen, bzw, die Einschränkungen des Asylrechts zu verurteilen.
      Also: fuer ein Asyl fuer alle politisch verfolgten wie Assange, Snowden und andere!

      mfG

    • Ach so? Der Pakt ist nicht bindend? Wenn interssieren schon Gesetze oder so Zeugs?
      Geschenkt, dafür ist aber gültig. Ist das nun besser oder noch nur noch einen Zacken hintertriebener?

      epochtimes.de/meinung/analyse/un-migrationspakt-nach-nun-sind-sie-halt-mal-alle-da-folgt-das-ist-nun-mal-so-a2741861.html

    • @ schwarz ist weiß
      Der größte Posten im Bundeshaushalt sind Rentenzuschüsse, danach „Verteidigung“, dann „zweites und drittes Sozialgesetzbuch“, „Verkehr“ = Förderung der Großaktionäre der Autokonzerne und Schuldendienst = Aktionären der Gläubiger Puderzucker/Zinsen in den Allerwertesten blasen usw…
      https://www.bundeshaushalt.de/#/2018/soll/ausgaben/einzelplan.html

      Aber an Fakten kann sich orientieren, wer das will.
      Mit Rassisten diskutieren zu wollen ist sinnlos, denn bei denen wirken bestimmte frühkindliche Störungen, die wurden von ihren Eltern entmenschlicht und deswegen sind die unfähig, andere Menschen als Menschen zu sehen.

    • Moin,Guanyin, ich verstehe nicht ganz Ihr Anliegen!

      „Es geht um die Vernichtung des verhaßten, kapitalistischen Westens.“

      Fuer wen geht es um die Vernichtung? Ich bekenne mich dazu, dass es mit dem Kapitalismus um ein Wirtschafts- und
      Gesellschaftssystem geht, das die allergrösste Mehrheit der in ihm lebenden an den Abgrund drängt und von daher ersetzt werden muss von einem System, das grösstmögliche Gleichbeit bietet fuer die in ihm lebenden.

      „Denn bei den Kommunisten heiligte schon immer der Zweck die Mittel.“

      Da sind Sie ja ein richtiger Kenner des Kommunismus! Haben Sie ausser solchen Plattitueden noch handfeste Argumente?

      An welche Wuestengemeinschaften denken Sie, um die Frauenemanzipation durchzudruecken?

      mfG

    • Da kommen kürzlich 60 gerettete Leute auf einem Schiff übers Mittelmeer und die „willigen“ EU-Staaten brauchen nen knappen Monat und streiten um zu entscheiden, wo, wie viele hinkommen.
      Da sind wirklich alle Dämme gebrochen.

      So sieht nach Unterzeichnung des UNO-Migrationspakts die Praxis aus.

      Sie sollten doch wissen, das die Realität, mit der nach außen zur Schau gestellten Politik, nichts zu tun hat.
      Schauen sie sich die sogenannte „Klimapolitik der Bundesregierung“ an – da erleben Sie Ähnliches.

    • Moin, Alexander,
      Ich habe weder behauptet, dass die Gelbwesten Rassisten seien, noch zähle ich mich sebst dazu. Ich will nicht unfair werden, aber nicht jeder, der sich fuer eine ungehinderte Einreise von Fluechtlingen ausspricht ist per se ein Rassist. Um es auf den Punkt zu bringen: Das Kapital benötigt billige(ere) Arbeitskräfte, um seinen Profit noch mehr zu steigern. Aus diesem Grund werden die Fluechtlinge ins Land geschleust. Ganz grosse Absahner sind natuerlich erstmal die Schleuser. Im Land selber warten dann die anderen Blutsauger, um Geschäfte zu machen mit den Gefluechteten. Ich kann ehrlich gesagt nicht begreifen, wie man dieses unmenschliche geschachere mit diesen Menschen ausblendet. Mich wuerde auch interessieren, warum man Rassist sein soll, wenn man die ungehinderte Einreise dieser Menschen ablehnt. Sie werden hier als Lohndumper eingesetzt und sorgen alleine dafuer fuer einen nachhaltigen Einbruch des Lebensstandards. Wenn Bonath das als verbissenes verteidigen von Privilegien geisselt, so hat sie damit jeden Platz auf der linken Seite der Gesellschaft verloren, weil links damit verknuepft ist die soziale Gleichheit im Staate zu erkämpfen und nicht auf den sankt Nimmerleinstag zu verschieben, wenn es nur noch „global“ heisst. Die Globalisierung ist nämlich nichts worueber man stolz sein kann als Linker, sondern Globalisierung richtet sich gegen uns, die nicht Besitzenden.

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