Tagesdosis 27.7.2017 – Die gottloseste Gegend der Welt

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Um Gottes Willen. So Gott will. Ach Gottchen. So wahr mir Gott helfe?

Die gottloseste Gegend der Welt. Dies bezog sich, laut einem Artikel des britischen Guardian aus dem Jahre 2012, auf Ostdeutschland[1]. Demnach hätte eine Studie folgende Ergebnisse dargelegt. 52,1% der Ostdeutschen seien Atheisten. Im Westen, des gleichen Landes, läge die Quote bei 10,3%.

Worauf basiert Gläubigkeit? Aus der familiären Prägung und Erziehung? Den staatlich verwurzelten und damit vermeintlich gesellschaftlichen Grundwerten? Wir leben in Zeiten radikaler Umbrüche. Weltweit existieren auf den Kontinenten Zustände, die den eigentlichen Möglichkeiten und Verpflichtungen, der so hoch entwickelten Zivilgesellschaft nun wahrlich nicht entsprechen. Wie lauten die Ziele? Wo soll die Reise eigentlich hingehen?

Die klassischen Glaubensgemeinschaften sind in gewisser Hinsicht Volksvereine mit rigiden Spielregeln für ihre Mitglieder. Ausnahmen werden geduldet, sind aber eigentlich unerwünscht. Vereinsmeierei nannte man das mal.

Was passiert täglich und in den vergangenen Jahrhunderten alles im Namen Gottes, Allahs und der anderen Vereinspräsidenten? Zuviel Schlechtes und wenig Gutes. Zuviel Hässliches und zu wenig Schönes.

Ich bin Atheist, schon immer. Ich persönlich lebe, für mich, existentielle Werte. Nächstenliebe, Intoleranz vermeiden. Verständnis, trotzdem Missstände formulieren. Hilfsbereitschaft, nach dem schlichten Prinzip, helfen wo man helfen kann. Sehr wichtig – Glaubwürdigkeit.

In der heutigen Ausgabe der Zeit fand ich folgenden Artikel[2]: Die gottloseste Gegend der Welt. Die Foren Beiträge, naja. Der Bürger und seine bedingten Flexibilitäten .

Bleiben wir mal in unserem Lande. Haben wir Kummer und Sorgen? Ja, sicherlich differenziert und individuell. Wann haben Sie das letzte Mal ein Pläuschken mit einem Nachbarn gehalten. Ihn gefragt, wie es ihm geht. Familie und so?

Ein letzter Gedanke, bezugnehmend auf kommende Jahre, mit hoffentlich viel Schönem und wenig Hässlichem. Wunschdenken.

Solidarität ist ein zartes Pflänzchen, kann aber zu einem starken Baum werden.

Quellen

[1] – https://www.theguardian.com/commentisfree/belief/2012/sep/22/atheism-east-germany-godless-place

[2] – http://www.zeit.de/sport/2017-07/atheismus-hochzeitskapelle-callenberg-osten-religion-ueberland

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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9 Kommentare zu: “Tagesdosis 27.7.2017 – Die gottloseste Gegend der Welt

  1. Wer an den Staat glaubt oder an Führer und Manager, sprich eine wie auch immer geartete Form des Klerus, der ist kein Atheist. Wer glaubt, der Staat gebe uns Sicherheit und müsste uns dafür notgedrungen das kleine Übel Krieg und Steuern aufbürden, für all diese famose Sicherheit, der ist kein Atheist.

    Nur ANarchisten können Atheisten sein, weil Herrschaft und Glauben miteinander verbunden sind.

    Das Prinzip dahinter ist das selbe: Mit Hilfe von geistiger und „weltlicher“ Macht raubt der Herrscher einem alles um es dann wohl kontrolliert ein klein wenig zurückzugeben. Dafür soll man dann dankbar sein. Himel und Hölle rauben uns die Hoffnung und versetzen uns in Schrecken. Dann kommt Jesus mit den Zimtlatschen und „schenkt uns himmlische Hoffnung“… toll, danke Jesus – jetzt müssen wir nur noch den Römerbrief befolgen und dann haben wir wieder ein wenig Hoffnung! Danke Gott! Klasse gemacht, mit der Schöpfung.
    Danke STaat: Du baust mit unserer Arbeitskraft all diese schönen Dinge und hälst mit unserer Kampfkraft all die Terroristen fern… Danke, dass du all das für uns machst!

  2. Spinner und Verrückte

    Das bezeichnende Aber jener Menschen, die uns als seelisch krank vorgeführt werden, ist die gewöhnlich verschleierte Tatsache, daß sie sich gegen eine Bewußtseinsspaltung wehren, die unsere Kultur ausmacht und bestimmt. Voller Verzweiflung und ohne dabei auch nur den geringsten Eindruck auf unsere Gesellschaft zu machen, halten Sie an ihrem eigenen Selbst fest, auch wenn das bedeutet, für verrückt erklärt zu werden. Wenn sie überhaupt wahrgenommen werden, dann als abstoßend und als Kläger. Wir verneinen, daß sie uns einen Weg weisen könnten aus den Verstrickungen unserer individuellen und somit auch gesellschaftlichen Gespaltenheit, die uns immer mehr in das Verderben treibt. Ihre verschlüsselten Botschaften können wir gar nicht erst wahrnehmen, weil uns die Ursache unseres eigenen Unbehagens nicht bewußt ist, die in der Identifikation mit unseren Unterdrückern liegt. Statt dessen kämpfen wir gegen die politischen und gesellschaftlichen Kräfte, die wir jeweils für unser Unbehagen verantwortlich machen und fühlen uns wie Helden in einem immer verheerenderen Kampf gegen Phantome, die wir im Grunde selbst heraufbeschworen haben.

    Wir sehen im Kranken all das, was wir in uns selbst fürchten, um es so nicht in uns selbst erkennen zu müssen. Deshalb sagen wir auch ganz automatisch, wenn wir eine Aussage oder Handlung nicht verstehen oder nicht mit ihr übereinstimmen: »Du hast wohl nicht nehr alle Tassen im Schrank! Bei dir ist wohl eine Schraube locker! Du tickst wohl nicht richtig.« All diese Zuschreibunen sollen darauf hinweisen, daß der andere einer geistigen Störung unterliege und somit geisteskrank sein müsse. Die gewählten Metaphern zeigen jedoch, daß man den anderen rein mechanistisch betrachtet und sich dessen ausbleibendes Wohlverhalten und seine den gesellschaftlichen Regeln zuwiderlaufende Äußerungen nur damit erklären kann, daß der andere Automat, der Roboter gegenüber nicht richtig funktioniert – natürlich ohne sich selbst als geist- und seelenlosen Roboter wahrzunehmen.

    Doch ist das Leid eines Gegenübers immer auch unser Leid, sein Schmerz ist immer auch unser Schmerz, egal wie wir es drehen und wenden. Allerdings dürfen wir das nicht erkennen, denn sonst würde uns die Wahrheit über unsere ursprüngliche Unterdrückung und die Idealisierung, mit der wir die von ihr produzierte Angst bewältigen, bloßgestellt. So projizieren wir diese Angst in unsere Kranken hinein und wandeln sie mit Hilfe unserer wissenschaftlichen Vorgehensweise in hochdifferenzierte Krankheitsbilder um. Damit schaffen wir eine wissenschaftlich untermauerte »Wirklichkeit«, die uns den Zugang zu unserem Tun weiter verstellt.

    Gewöhnlich halten wir einen anderen für »normal«, wenn er frei von Schmerz und Leiden zu sein scheint. Wer leidet, wer sein Leiden, seinen Schemerz, seine innere Not zeigt, der muß einfach krank sein, das ist anders gar nicht vorstellbar. Indem wir aber den Schmerz des Kranken so vollkommen losgelöst von der uns umgebenden gesellschaftlichen Pathologie, der kranken Gesellschaft betrachten, können wir sein Leiden als narzißtische Nabelschau abtun, als übertriebenes Selbstmitleid, als krankhafte Überempfindlichkeit. Zugleich vergewissern wir uns selbst einer vollkommenen Gesundheit.

    Die Psychiatrie, die diese Betrachtungsweise unterstützt, macht sich damit zum Handlanger des Unmenschlichen in unserer Zivilisation und bestraft diejenigen, die ihren Schmerz nicht verdrängen, sondern ihn »unverschämterweise« zeigen. Ich werde nie vergessen, was Psychiatrie aus Menschen macht, die ihren Schmerz nicht verdrängen konnten und daraufhin zwangseingewiesen wurden. Vor fast vierzig Jahren kam die Freundin eines Bekannten, sie war damals wohl so um die 16 Jahre alt, in die geschlossene Abteilung, nachdem sie von ihrer eigenen Mutter bei ihrem Hausarzt als irre und vollkommen durchgedreht denunziert worden war. Der Arzt ordnete dann, soviel ich noch weiß, die Einweisung an. Was dem genau vorausging, weiß ich aber bis heute nicht, doch das Mädchen war mir zuvor immer entspannt und fröhlich erschienen, wenn ich sie traf.

    Nach drei Jahren täglicher Hammerdrogen und Elektroschocks war sie nicht wiederzuerkennen: Vollkommen abwesender Blick, ständiges Brabbeln unzusammenhänender Sätze, Sprechen mit Unsichtbaren oder sich selbst, und vor allem: Sie schien von einer unerklärlichen Angst getrieben, ihr Blick wirkte gehetzt und unstet. Nun, damals war ich Mitte Zwanzig und hatte noch nicht viel Ahnung von der Welt oder von mir selber. Ich glaubte, sie wäre einfach verrückt geworden und man habe sie als unheilbar entlassen. Ich wußte noch nichts von den Psychopharmaka und den Elektroschocks, sondern erfuhr das alles erst viel später.

    Eine andere weitläufige Freundin, ein paar Jahre jünger als ich, wurde viele Jahre später wegen einer angeblichen Haschisch-Psychose in dieselbe Anstalt eingewiesen. Sie wirkte auf mich schon immer etwas weltfremd, war aber immer betont sexy gekleidet, wies zudem als Sportstudentin immer eine klasse Figur auf und hatte ein ausnehmend hübsches Gesicht, das von langen braunen Haaren umrahmt war, so richtig zum Anbeißen. Leider war sie „schon immer“ mit einem Heroinsüchtigen zusammen, sie selber hat, wie sie damals meinte, immer nur gekifft. Nachdem Ihr Freund sie verlassen mußte, man hatte ihn wohl verhaftet und für längere Zeit weggesperrt, war sie ganz allein. Ich wußte schon damals, daß sie das nicht ertragen würde, fühlte mich aber auch nicht wirklich zu ihr hingezogen, eher im Gegenteil, denn sie hatte schon immer etwas Besitzergreifendes an sich. Ich traf sie in den folgenden Jahren immer wieder mal auf Konzerten, wo sie stets einen Pulk junger Männer um sich versammelt hielt, mit denen sie durch die Gegend „schob“. Bei solchen Gelegenheiten hatte sie des öfteren versucht, mich in ihren „Pulk“ zu locken, ich lehnte stets dankend ab. Beim letzten Mal hab ich sie sogar vollkommen ignoriert und nicht mal auf ihr Rufen reagiert. Irgendwann vor ein paar Jahren hab ich sie dann wiedergetroffen: Sie saß vor einem dieser Billig-Shops (alles 1,- Euro) in einem Plastiksessel und schien zu telefonieren. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich jedoch, daß sie gar kein Handy in der Hand hielt, sondern die leere Hand an ihrer rechten Kopfseite lediglich diesen Eindruck vermittelte. Sie erkannte mich nicht, ihr vollkommen leerer Blick sagte alles, und sie sprach laut mit sich selbst.

    In anderen Kulturen begegnet man diesen Kranken mit Respekt. Man sieht sie als Götter oder Orakel, weil sie mit ihrem Leid etwas ausdrücken, das etwas über alle Menschen aussagt und dadurch zur Besinnung zwingt (Diamond 1976). Deveraux (1939) spricht – ebenso wie andere Anthropologen – davon, daß die Schizophrenie bei primitiven Völkern vorkommt, aber nicht wie bei uns in ihrem »klinischen« Bild gesehen wird, sondern in ihrem Prozeß. Das heißt, daß sie als diagnostische Kategorie irrelevant ist, aber von ihrem Wesen her erkannt wird. Sie hat die Funktion eines Wegweisers – heraus aus unseren Entstellungen. Die Kranken werden nicht zu Opfern gemacht – bei uns hingegen haben sie die Funktion, den Ursprung unseres eigenen Opferseins zu verdecken.

    Erkennen wir aber die als krank Ausgestoßenen, zum Beispiel die Schizophrenen, wie uns selbst als Menschen an, dann hält das mechanistische Diagnostizieren nicht stand. Der amerikanische Literat Edmund Wilson (1965) hat dies anhand von Sophokles’ »Philoktet« herausgearbeitet. Wilson stellte sich die Frage, wie man einem seelisch Kranken helfen könne. Und er kam zu dem Schluß, daß man den anderen als Menschen betrachten müsse, nicht als Ungeheuer oder als einen »magischen« Besitz, mit dem man seinen Selbstwert stärkt. Psychiater und Psychologen machen aber genau das, wenn sie ihr eigenes Leid nicht wahrnehmen können, es jedoch im Kranken als etwas Fremdes und Nachteiliges wiederfinden. Sie müssen es im Kranken finden, um sich selbst als besser und überlegen bestätigen zu können. Man muß den anderen als den Geringeren einstufen können, um dem eigenen Schmerz auszuweichen. Auf diese Weise wird das, was uns alle verbindet, nämlich unser gemeinsames Leid, ignoriert und treibt uns auseinander. Deshalb kann auch ein wahres Verständnis für unsere gemeinsame Lage als Menschen nicht erreicht werden. So aber gelten unter Psychiatern und Psychologen Schizophrenie und andere weiterhin als unheilbare Krankheit. Doch nun die Geschichte von Philoktet:

    Er ist ein abstoßender Invalide, der den gesellschaftlichen Alltag mit seinen Flüchen und Schreien ständig durcheinanderbringt und sich weigert, mit und für die Menschen zu arbeiten, die ihn deshalb auf eine einsame Insel verbannt haben. Von den Griechen um Hilfe im Kampf gegen Troja gebeten, weigert er sich, denen zu helfen, die ihn zur Einsamkeit verurteilt haben. Odysseus beauftragt daraufhin ausgerechnet den ehrlichen und mitfühlenden Neoptolemos, Philoktet seinen Bogen – eine Wunderwaffe, die einst Herakles gehörte – zu entwenden, damit die Griechen sich dieser Waffe bedienen können. Dem widerstrebt es aber, einen Kranken zu täuschen und zu berauben, weil er treuherzig, arglos und menschlich ist. Er behandelt Philoktet nicht als einen abstoßenden Krüppel, sondern als einen Menschen, dessen Leid sein Mitgefühl erweckt hat und dessen Mut und Würde er bewundert. Indem er sich zu dem gemeinsam Menschlichen mit dem Kranken bekennt, riskiert Neoptolemos, auch zu einem Ausgestoßenen zu werden, der Gesellschaft fremd zu werden. Dadurch aber wird Philoktet geheilt.

    Mit Sicherheit gibt es auch menschliche Psychologen und Psychiater, die mit seelischer Krankheit in einer Weise umgehen, die nicht der Aufrechterhaltung des Mythos’ einer vermeintlich menschlichen Zivilisation dient. So hat z.B. Gaetano Benedetti (1978) auf das Schöpferische im Schizophrenen hingewiesen und miterlebt. Er meint, daß der Therapeut es wagen müsse, in die Welt des Patienten einzusteigen, wenn er ihn wirklich heilen wolle. Nur so könne er dessen Wahrheit erleben und gleichzeitig seine eigene erweitern. Genau das stellt im Grunde auch die Basis der Psycholanalyse dar, wie sie einst von Freud entwickelt wurde. Leider hat aber in der global organisierten Psychoanalytischen Gesellschaft ebenfalls der Zahn der Zeit genagt, so daß es heute unter »Abweichlern« von der klassischen PSA, wie z.B. Fromm und Gruen und vielen anderen, Konsens ist, daß diese Psychoanalytiker meist kaum noch ausreichend Empathievermögen aufbringen, um sich voll und auf ihre Patienten einlassen zu können. Sie leiden an derselben Krankheit wie ihre Patienten. Die »offizielle« PSA hat sich zudem kaum weiterentwickelt und erkennt die von zahlreichen Freud-Kritikern aufgeworfenen Fehleinsichten Freuds nicht an. Für sie ist Freud quasi zum Gott geworden. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Der Prozeß der Entwicklung zum Menschen in dieser Zivilisation beruht auf dem Verständnis, daß ein Mensch in seiner individuellen Menschwerdung für seine Menschlichkeit kämpfen muß. Aktzeptiert man diesen Grundsatz, erkennt man zwei entgegengesetzte Richtungen der Entwicklung unserer Zivilisation: Die eine führt zur Integration ausnahmslos aller Lebenserfahrungen, weil nicht bereits die frühe Hilflosigkeit des Kindes nicht zu einem zerstörenden Erlebnis wird. Die andere bewirkt, daß diese Hilflosigkeit des Kindes zu einem Terror und dieser zum Grunderlebnis seines weiteren Überlebens wird. Dabei kommt ganz früh eine seelische Spaltung zustande – vielleicht schon in den ersten Tagen, Wochen und Monaten im Leben eines Säuglings. Um aber mit diesem erlebten Terror weiterexistieren zu können, muß dieser aus dem Bewußtsein ausgeschaltet werden. Hier setzt dann unweigerlich der Vorgang der Identifizierung mit denen ein, die dem Kind das Weiterleben ermöglichen. Die Welt, die einen verletzte und die den Terror zuließ, wird zu einer Welt, deren Sichtweise das Kind als seine eigene übernimmt. Nur wenn die Hilflosigkeit nicht zu einem terrorisierenden Erlebnis führt, kann ein Kind lernen, seinen eigenen Wahrnehmungen zu trauen, auf diese zu bauen, und so seine eigene Identität aus sich selbst heraus entwickeln, die dann zwangsläufig auch seinen natürlichen Anlagen entspricht. Verläuft die Entwicklung aber nicht in dieser Weise, dann verläuft der Prozeß der Identitätsbildung immer entlang der Vorgabe derer, die den Terror verursachten. Diese Art von Identität verewigt das, was sie formte, indem sie den erlebten Terror verneint, ihn aber dadurch weitergibt, daß das Opfer andere Opfer suchen muß, um mit dem Verneinten zurechtzukommen. Dabei werden Hindernisse auf dem Weg zur Erweiterung des eigenen Horizonts eingebaut, da das Sein auf der Identifizierung mit der Macht gründet.

    Wir sehen die Welt nicht so, wie sie ist, sondern so, wie wir sind.

    • Es wäre schön, wenn der user all diese tiefsinnigen Erkenntnisse unserer besten bekannte Psychologen und Philosophen dann auch mal so verinnerlichte, dass er sie ganz praktisch hier in seiner Einstellung zu allen anderen verwirklicht. „Auf diese Weise“(wie jetzt noch) „wird das, was uns verbindet, nämlich unser gemeinsames Leid,ignoriert und treibt uns auseinander. Deshalb kann auch ein wahres Verständnis für unsere gemeinsame Lage als Menschen nicht erreicht werden.“

    • Im Gegensatz zu Ihnen, werter Specht, weiche ich dem Leid nicht aus, sondern stehe zu meinen schmerzhaften Erfahrungen, publiziere sie sogar und biete damit Leuten wie Ihnen Angriffsflächen, die dann auch gerne weidlich ausgenutzt werden. Sie dagegen wehren Ihr eigenes Leid ständig heftigst ab, so zum Beispiel, wenn Sie um Antworten auf die Frage nach Beweisen für Ihre Behauptungen gefragt werden und darauf hochaggressiv reagieren. Lieber beißen Sie sich die Zunge ab, bevor Sie einen Fehler oder ein Nichtwissen eingestehen, nicht wahr? Und dann nehmen Sie meine Formulierungen dazu her, sie gegen mich zu wenden. Bin ich Ihnen bisher nicht in zahlreichen Erwiderungen entgegengekommen. Natürlich erwarten Sie, daß man Sie nicht mehr wegen unbelegter Behauptungen belästigt, aber das wird nicht passieren. Ich habe kein Problem damit, Ihre Scheinheiligkeit bei jeder sich bietenden Gelegenheit wieder und wieder zu entlarven.

  3. Ich kann nur an etwas glauben, was ich auch lieben kann. Deshalb ist für mich „Gott“ nur ein interpretierbarer Begriff, während ich glaube, dass Jesus von Nazareth tatsächlich gelebt hat. Den Gott des AT z.B. verabscheue ich. Ich halte den Jawe für entweder einen Gewaltherrscher, oder für die Erfindung von Gewaltherrschern.

    • Aber ich möchte hier relativierend hinzusetzen, dass vielleicht mit dem Gott Jahve ein ähnlicher Missbrauch von den damaligen Machthabern betrieben wurde, wie später mit dem Jesus. Es ist halt heute nicht mehr feststellbar, wer alles und in wessen Auftrag am AT und am NT mitgeschrieben hat. Das Evangelium der Essener, der Glaubensgruppe, der auch Jesus entstammte, wurde ja auch nicht im Mainstream veröffentlicht. Die „Rolle von Qumran“ mit den Schriften der Essener(in denen Jesus übrigens das Tiere-Essen als schlimme Sünde darstellt) lagert meines Wissens seit ihrer Ausgrabung in der Wüste im Vatikan. Es gibt aber eine übersetzte Version der „Rede an die Kranken“ von Jesus daraus im Netz.

    • Danke Chester!
      Man schreibt u.a.:
      „Lieber Chester, unsere Herzen sind gebrochen“, beginnt das Statement.
      „Die Schockwellen der Trauer und des Leugnens rauschen immer noch
      durch unsere Familie, während wir versuchen zu realisieren, was passiert
      ist“, schreiben Linkin Park, ehe sie ihren Frontmann würdigen: „Du hast
      so viele Leben berührt, vielleicht sogar mehr als Du Dir vorstellen
      konntest.“ „Deine Abwesenheit hinterlässt eine Leerstelle, die niemals
      gefüllt werden kann – eine übermütige, witzige, ambitionierte, kreative, liebenswürdige,
      großzügige Stimme im Raum fehlt.“
      https://www.youtube.com/watch?v=EI8RQw5u9EA

  4. 1.)
    Gott allein weiß, wer den Glauben an ihn hat und wer den Glauben an ihn nicht hat, denn er allein schenkt den Glauben. Darum nennt es die Bibel auch das Geheimnis des Glaubens, denn es ist Gottes Geheimnis.
    Alles andere sind Vermutungen, die Menschen haben, die sich selbst für gläubig bzw. andere für ungläubig halten/bezichtigen.

    2.)
    Das Problem mit diesen Menschen, die sich selbst für gläubig halten, ist, dass sie ihre selbstattestierte Gläubigkeit dafür benutzen, um über andere bestimmen zu können, was sie wiederum darauf zurückführen, dass sie als „Gläubige“ vermeintlich Gottes Willen kennen und befolgen und denken anderen Menschen ihren Willen aufoktruieren zu dürfen/wollen/müssen/sollen.
    Und dies leider notfalls auch und vor allem vermittels physischer Gewalt oder deren Androhung – wie über die Jahrhunderte geschehen.
    Dies kann nie und nimmer im Sinne des Gottessohnes gewesen sein, denn es bedeutet letzten Endes die Fremdbestimmung von Menschen.

    3.)
    Fremdbestimmung jedoch ist immer ein Werk Satans.

    • Glauben können ist eine Funktion des menschlichen Geistes oder Verstandes, eigentlich aber der menschlichen Psyche. Glauben heiß nichts zu wissen, sagt ein geflügeltes Wort. In gewisser Weise trifft das zu, zumindest in unserer Kultur, in der Wissen mit wissenschaftlichen, auf rein kognitiver Verarbeitung beruhenden Kenntnissen beruht. Unter anderen Apsekten trifft es nicht zu: Man kann nämlich auch den Glauben an sich selbst, der auch unter dem Begriff der Selbstgewißheit bekannt ist, nicht wirklich als Nichtwissen bezeichnen. Gewißheit im kognitiven Sinne benötigt nicht wirklich einen Nachweis, eine Begründung oder einen Beleg, sondern lediglich eine Entscheidung. Die Religiosität, die sich auf kognitive Bekenntnisse beruft, dient in erster Linie dem Erhalt von Machtstrukturen: Den die Eltern repräsentierenden Über-Ich wird noch eins draufgesattelt, das Über-Über-Ich, dem man noch absoluteren Gehorsam schuldet und das Ungehorsam mit den ewigen Qualen der Hölle bestraft. Der sogenannte religiöse Schauder entsteht bei der Überflutung mit gewissen Hormoen wie Adrenalin, die bei großer Angst ausgeschüttet werden. Man kann das leicht selber ausprobieren und diesen Schauder herbeiführen, indem man sich nachts allein irgendwo in einen dunklen Wald begibt, wo man sich dann ungeschützt hinsetzt und allerlei Horrorsituationen herbeifantasiert. Nach einiger Zeit setzt echte Angst ein, die Geräusche des nächtlichen Waldes tun dann ihr übriges, und dann fühlt man es auf einmal: Irgend etwas ist da, schleicht um einen herum. Bei Religiösen wurde dasselbe Resultat durch anhaltende Indoktrination und Angstmacherei bereits während ihrer Kindheit erzielt.

      Nein, Fremdbestimmung ist nicht das Werk irgend eines Dämons, ob nun eines christlichen, der ja laut Bibel einmal ein Engel gewesen sein soll und wegen Ungehorsam verbannt wurde, oder eines sonstigen bösen Horrorwesens aus den Tiefen unseres gesellschaftlichen Unbewußten. Fremdbestimmung ist vielmehr das Resultat von Grenzverletzungen durch Menschen, von denen der Fremdbestimmte einst fest geglaubt hatte, sie wären wohlwollend. Waren sie aber nicht, sie haben dem noch nicht denk- und sprechfähigem Baby bereits ihre Vorstellungen, wie es zu sein habe und wie nicht, eingeimpft, und setzen das bis zum Weggang des Nachwuches fort. Die Eltern sind nicht Satan, sonst würden ja auf dieser Welt nur Teufelinnen und Beelzebuben herumlaufen. Ich hab noch keinen getroffen, dafür aber schon zahlreiche Opfer, die selbst zu Tätern wurden, werden mußten.

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