Tagesdosis 28.3.2018 – Freiheit und Schutz für Carles Puigdemont!

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Deutschland, so Altkanzler Helmut Schmidt, solle sich nach 1945 um seine Nachbarn bemühen. Mit ihnen friedensfördernden und gerechten Handel treiben, für Austausch sorgen und helfen, wenn es der Nachbar möchte.  Auch Helmut Kohl gab dem seine Zustimmung, ja die ganze Bonner Republik dachte fast ausnahmslos so. Deutschland wollte lernen, Deutschland musste lernen. Freiheit, Demokratie und Menschenrechte waren bis zur rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder ganz normaler Usus in dieser Republik. Schulbildungsprinzipien wurden danach gefördert und die Wiedervereinigung war erstrebtes Ziel.

Ich bin Jahrgang 1962 und bis in die 1980er Jahre hinein war das, was ich in Schulen lernte Allgemeinbildung. Alle lernten es. Niemals hätte ein deutscher Kanzler einen politisch Verfolgten in Deutschland inhaftiert. Man hätte sich auf die eigene Vergangenheit berufen und kein Staatsmann und keine Staatsfrau hätte dann öffentlich protestiert oder interveniert. Deutschland war ein Land, das lernen wollte und deswegen sogar irgendwann nach 1945 dafür bewundert wurde. Nach der Wiedervereinigung wurden die Macher der Wiedervereinigung sogar nach Süd- und Nordkorea eingeladen, um dem ebenfalls geteilten Land Rat zu geben, wie sie es bewerkstelligen könnten, sich wieder zu vereinen.

Frieden war – noch im Geiste dieser alten Republik – politischer Willensausdruck. Heute hingegen ist das nur noch Makulatur. Spätestens mit der rot-grünen Regierung war das vorbei. Sie machten einen völkerrechtswidrigen Krieg im damaligen Jugoslawien mit und wurden in Europa dafür sogar die Schreihälse Nummer eins. Deutschland stand bis zur Kohlregierung für Verständigung, für Freundschaft und für Neutralität. Natürlich, im Westen für die USA und im Osten für die damals noch existierende UdSSR. Beide deutsche Staaten aber standen für den Frieden ein.

Am Sonntagvormittag, dem 25. März 2018, nahmen deutsche Polizisten den katalanischen Politiker Carles Puigdemont fest. Es gibt einen europäischen Haftbefehl gegen ihn und so könnte man annehmen, deutsche Sturheit und Pflichterfüllung vorausgesetzt, dass man den Katalanen ja festzunehmen habe. Jakob Augstein schreibt dazu in seiner Kolumne auf Spiegel Online:

„Carles Puigdemont ist ein Revolutionär von der traurigen Gestalt. Das Referendum, das er im vergangenen Herbst abhalten ließ, hat er zwar gewonnen – aber gewonnen war damit nichts. Die Unabhängigkeit Kataloniens hat er zwar ausgerufen, aber jeder wusste, dass das böse Erwachen kommen würde. Doch Puigdemont kämpft nicht gegen Windmühlenflügel, sondern gegen einen realen und unerbittlichen Gegner: Der spanische Zentralstaat wehrt sich mit allen Mitteln gegen seinen drohenden Zerfall. Puigdemont befand sich seit Monaten im belgischen Exil. Als klar war, dass die Belgier ihn nicht ausliefern würden, zogen die Spanier ihren europäischen Haftbefehl wieder zurück. Puigdemont reiste in der vergangenen Woche nach Helsinki und machte sich mit dem Auto auf den Rückweg. Just am Freitag erneuerte Spanien den Haftbefehl. Wie muss man sich das vorstellen? Hatten spanische Agenten den Mann quer durch Europa verfolgt und dann den Behörden seine Grenzüberquerung gemeldet? Dann jedenfalls wurde das Vertrauen der Spanier in die Deutschen nicht enttäuscht. Am Sonntagvormittag erfolgte Vollzug – auf der A7, hinter der dänischen Grenze, bei Schleswig-Schuby. Die Festnahme Puigdemonts ist eine Schande. Für Spanien. Für Europa. Für Deutschland.,“ Zitat Ende.

Jetzt drohen dem Katalanen bis zu 30 Jahre Haft. Weiter schreibt Augstein: „Die Spanier werden Puigdemonts Auslieferung verlangen. Deutschland muss sich dem verweigern. Ein Politiker, der mit friedlichen Mitteln für seine Ziele kämpft, gehört nicht ins Gefängnis. (…) Übrigens haben die Deutschen schon einmal einen katalanischen Unabhängigkeitspolitiker an die Spanier ausgeliefert: Der Regionalpräsident Lluís Companys hatte 1934 die Republik Katalonien ausgerufen. Er wurde verhaftet, verurteilt, kam nach dem Sieg der Linken frei, kämpfte gegen Franco, floh nach Frankreich – und wurde dort von der Gestapo verhaftet und nach Spanien überstellt. Er wurde am 15. Oktober 1940 hingerichtet.“

Es verbietet sich schon allein aus der Geschichte dieses Landes heraus, dass die deutsche Staatsgewalt Puigdemont an die spanische Regierung ausliefert. Herr Steinmeier, Frau Merkel. Bitte seien sie nicht so Geschichtsvergessen. Die Katalanen werden das nicht sein.

Freiheit für Carles Puigdemont. Die deutsche Justiz darf ihn nicht an die spanische Regierung ausliefern.

Zum Abschluss noch einmal Jakob Augstein: „Mariano Rajoy versucht, ein politisches Problem mit den Mitteln von Polizei und Justiz zu lösen. Dabei darf Deutschland ihn nicht unterstützen. Denn selbst, wenn Spanien das Recht auf seiner Seite hätte – nicht alles, was recht ist, ist richtig. Wer wüsste das besser als die Deutschen?“ Freiheit und Schutz für Carles Puigdemont!

Quellenhinweis

http://www.spiegel.de/politik/ausland/katalonien-asyl-fuer-carles-puigdemont-kolumne-von-jakob-augstein-a-1199867.html

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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17 Kommentare zu: “Tagesdosis 28.3.2018 – Freiheit und Schutz für Carles Puigdemont!

  1. Ich bin mittlerweile zu einem überzeugten
    Separatisten, Regionalisten, Föderalisten geworden.

    Franz Josef Strauß: „Ich kenne keine Unterfranken, Oberfranken, Niederbayern, usw, ich kenne nur noch Bayern!“
    Adolf Hitler: „Ich kenne keine Bayern, Sachsen, Schlesier, usw, ich kenne nur noch Deutsche!“
    Angela Merkel: „Ich kenne keine Deutschen, Franzosen, Polen, usw, ich kenne nur noch Europäer!“

    Das ist alles die selbe Scheiße nur anders verpackt.

    • Ich würde das Wort Separatisten so nicht akzeptieren, weil man dann genau die Wortwahl der Herrschaftsprache in sich vereint.
      Ein aufgeklärter Mensch der sich seiner Würde bewusst ist, der erkennt und versteht sofort das sein Gegenüber ihm niemals gleich ist, aber auf der übergeordneter metaphysischen Ebene gleichwertig. D.h. er ist auch ein Individuum mit einer Identität und hat eine Würde, diese Werte sind immer gleich, aber er stammt aus einer anderen Region, spricht eine andere Sprache bzw. einen anderen Dialekt und sein äußeres Erscheinungsbild ist nicht gleich.
      Wenn man diese zwei Ebenen durcheinander wirbelt, dann steht die Welt wie momentan der Stand ist alles auf dem Kopf.
      Sowohl aus logischer Sicht als auch auf der Metaebene des Bewußtwerden seiner eigenen Würde, kann man niemals akzeptieren, dass man Entscheidungen trifft bzw. Einfluss ausübt über das Schicksal anderer Mitmenschen die einem nicht mittelbar in seinem Leben viel zu tun hat. Sprich welches Recht nimmt sich ein Bayer, der sein gesamtes Leben nicht in Unterfranken verbringt, zu entscheiden wie mit der dortigen Naturlandschaft sowie Gesellschaft umzugehen ist, oder umgekehrt. Hier sei auf das Völkerrecht hinzuweisen.
      Menschen die das nicht erkennen, sind sich deren eigenen Würde nicht bewusst und Menschen diese Entscheidungen in die Tat umzusetzen, sind würdelos.

      Diesen Quatsch die die Panikmacher als Spaltung der Gesellschaft propagieren, wenn man die Menschen in ihrer Region das natürliche Recht der Selbstbestimmung garantieren, sollen die sich in die Trollschublade einpacken, wo sie ihre Würde auch entsorgt haben.
      Solange jede regionale Volksgruppe gemäßt dem Völkerrecht in Frieden lebt, kann a priori überhaupt nie von Spaltung der Länder oder Gesellschaft die Rede sein. Und das haben die Katalanen bewiesen.
      Das was die Regierung in Madrid praktiziert ist der eigentlich wahre Separatismus.
      Das Berlin betreibt, ist Separatismus für Deutschland.
      Das was Brüssel betreibt, ist Separatimus für Europa.
      Und das was Washington betreibt, ist Separatismus für die Menschenwelt.

    • Das System Wasington D.C. ist durch die amerikanische Verfassung gar nicht
      legitimiert. Die einzige verfassungsmäßige Polizeigewalt hat der von der Gemeinde
      gewählte Sheriff. Alle anderen Vereine/ Agenturen/ Büros usw wie FBI CIA NSA
      usw sind da von irgendwelchen Tricksern aufgesetzt und haben keine
      verfassungsmäßige Grundlage.

  2. da muß er wieder was sagen. ohne auf Puigdemont einzugehen ist ihr „deutsches“ Geschichtsbild sehr von Romantik und Klischees geprägt.
    weniger bild und Augstein lesen und schon gar nicht Guido knopp zuhören, lieber mal ein Sachbuch lesen!

    gruß

  3. Es sind wohl eher widerstreitende Oligarchen die hier die Menschen für ein Luftschloß auf der Straße herumscheuchen und Herr Puigdemont hat evtl. auf’s falsche Pferd gesetzt, ob er deshalb und für wie lange, ein Gefängnis von innen sieht, ist noch nicht raus:

    Separatismus ist ein gefährliches Prinzip
    28.03.2018 • 15:03 Uhr

    Die Sympathien für die katalanischen Separatisten sind groß. Aber bedeuten diese und andere Unabhängigkeits-Bewegungen eine fortschrittliche Selbstbestimmung der Völker, oder sind sie eine Mischung aus emotionaler Ideologie, rigidem Nationalismus und regionalem Egoismus?

    von Thomas Schwarz

    Wenn man von der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung die Fahnen, die Lieder, die unbestimmten „Freiheits“-Slogans und die pure Lust am actiongeladenen Umsturz abzieht, dann bleibt vor allem ein Thema übrig: das Geld. Insofern sind die zum Menschenrechts-Festival umgeschriebenen Demonstrationen gegen den spanischen Nationalstaat mindestens zum Teil Etikettenschwindel: Die Katalanen werden weder in der Sprache oder den Brauchtümern noch in der regionalen Verwaltung „unterdrückt“. Das ist der entscheidende Unterschied etwa zum Kampf der Palästinenser um Selbstbestimmung.

    Der spanische Staat hat mit seiner krassen Überreaktion auf die katalanischen Demonstrationen genau dieses falsche Bild der unterdrückten Katalanen mit produziert. Man sollte aber nicht von der strategischen Dummheit der einen Seite auf die moralische Überlegenheit der anderen Seite schließen.

    Der katalanische Separatismus ist kein „linkes“ Projekt

    Man kann nachvollziehen, dass die wohlhabenden Katalanen ihren Reichtum ungern „nach Madrid“ überweisen. Doch zum einen sind die genauen Mechanismen des spanischen Finanzausgleichs hierzulande nur wenigen vertraut, die beklagte Ungerechtigkeit also nicht genau belegt. Und zum anderen ist es etwas gänzlich anderes, ob es um detaillierte Fragen des Steuerrechts geht oder um einen moralisch überhöhten „Freiheitskampf“. Bei näherer Betrachtung ist der katalanische Separatismus kein „linkes“ Projekt, sondern als Volksaufstand verkleideter Egoismus unter Führung einer wirtschaftsliberalen Partei.

    In der unleugbaren historischen Unterdrückung der Katalanen vor allem durch den Faschisten Franco möchte wohl niemand eine Parallele zum heutigen Spanien sehen. Insofern ist die Berufung auf lange abgestelltes Unrecht kaum ausreichend, um dafür leichtfertig ein Staatengebilde zu zerstören – mit höchstem Risiko für alle seine Bewohner.
    (…)
    Abschaffung des Nationalstaats – ein neoliberaler Traum

    Die Folgen sind katastrophal, sowohl für den nicht lebensfähigen neuen „Staat“ als auch für den Mutterstaat. Dieser Strategie der Destabilisierung ist nur wirksam zu begegnen, indem die Hürden für Separatismus extrem erhöht werden (Wahlbeteiligung, Wahlergebnis) und dem potenziell zerstörerischen Separatismus-Prinzip der Heiligenschein des „Freiheitskampfes“ genommen wird. Davon gibt es Ausnahmen, so setzt das Verhalten der israelischen Regierung die Palästinenser in den Stand, einen eigenen Staat anzustreben. Und auch dramatische Erschütterungen des Mutterstaates wie etwa ein neoliberaler Putsch in der Hauptstadt berechtigt etwa die Krim ebenso zur Sezession. Bei der Krim kommt noch hinzu, dass kein lebensunfähiger Zwergstaat entstanden ist, sondern sich eine Region von einem Staat losgesagt und einem anderen angeschlossen hat.

    Noch ein Wort zum Prinzip des Nationalstaats, das von neoliberaler wie von pseudo-linker Seite unter Beschuss steht und auf das auch beim Thema Katalonien eingeprügelt wird: Nach aktuellem Stand ist der Nationalstaat das einzige, das zwischen den Bürgern und der Totalausbeutung durch die Privatwirtschaft steht. Ein staatenloses „Europa der Regionen“, also eine Ansammlung von schwachen und darum gegenüber Google und der Deutschen Bank wehrlosen Kleinst-Landstrichen ist der Traum der kapitalistischen Konzernlenker.
    https://deutsch.rt.com/meinung/67450-separatismus-ist-ein-gefaehrliches-prinzip/

    • Gibt auch noch ein paar mehr Möglichkeiten, daß eben jetzt genau Herr Puigdemont verhaftet wurde um die erschlaffende Bewegung zu reanimieren, so wie von hj_allemann angemerkt.
      War ohnehin schon schräg als er direkt in’s Herz der Finsternis, nach Brüssel „floh“ und nicht gleich vom Fleck weg verhaftet wurde.

      Nicht zu vergessen, wie im beigefügten RT Artikel erwähnt, die NATO-Oligarchen haben’s gerne separat, siehe Jugoslawien. Ist doch spitze wenn Kleinstaaten sich nicht grün sind und ebenso, alleine nicht lebensfähig sind.

      Man kann es drehen und wenden wie man will, betrachtet man um was es geht, für die meisten, die sich hierbei die Füsse platt laufen, um nichts oder sie legen noch drauf.

    • „Aber bedeuten diese und andere Unabhängigkeits-Bewegungen eine fortschrittliche Selbstbestimmung der Völker, oder sind sie eine Mischung aus emotionaler Ideologie, rigidem Nationalismus und regionalem Egoismus?“
      Die Frage spart mir , den Text zu Ende zu lesen .
      Die Wunsch nach Selbstbestimmung ist elementar und unter zunehmender Bevormundung umso virulenter .
      Wie die Eigenverantwortung und damit Handlungsfähigkeit umgesetzt werden sollte , kann natürlich Basis von Diskussion sein , der grundlegende Wille zu Selbstorganisation aber nicht .

      Darüber hinaus ist die Vorgangsweise gegen die katalanische Unabhängigkeitsbewegung , sowohl von spanischer Seite als auch von deutscher erschreckend an den Faschismus der der 1930er Jahre angelehnt .

    • Ihr Kommentar ist reichlich widersprüchlich. Der von ihnen monierte Satz, welcher sie am „Weiterlesen“ hinderte, impliziert daß es eben mit Separatismus alleine, wenn überhaupt, nicht getan ist.
      Nun, Ego hier, Ego da, im Falle Katalonien, auf Möchtegern-Zwergstaatenebene. Hätten sie mal weitergelesen, hätten sie auch erfahren wie absurd der Vergleich mit 1930 ist und was da sonst noch mit bei ist.

      Manche laufen einer Fahne nach, andere projizieren alles Mögliche in „Unabhängigkeit.“ Sogar Selbstbestimmung. Wessen Selbstbestimmung? Eine Worthülse die auch von der Kanzlerin stammen könnte.

      Danke für das Gespräch.

    • Guter Beitrag von einem anderen Standpunkt aus. Danke Box, Ich hatte schon Angst, hier alleine zu sein. Fast wie auf Telepolis, wo ein Ralf Streck ständig die spanische Zentralregierung angreift (mit Recht) aber kein Wort über das rechte Potential der Separatistas verliert und somit zu einer Glorifizierung dieser Bewegung beiträgt.

      Ich fahre heute übrigens nach Valencia, eine Bewegung „hispanohablantes.es“ sammelt dort Unterschriften und lädt zu Gesprächen ein. Ich will mir das mal kritisch anschauen und werde auch eine Gelegenheit finden, zu berichten.

      Kenfm tut trotz eines gegenteiligen Versprechens im November letzten Jahres da leider nichts, obwohl ich auch meine Mithilfe angeboten habe. Schade. Aber auch ein Beweis dafür, daß auch Gutes stets verbesserungsfähig ist.

    • @ Box
      bin ja beeindruckt, kann ihrer Argumentation nur zustimmen. wenn man diesen Konflikt aus ökonomischen perspektive betrachtet, ist es genau so.
      um noch einen drauf zu setzten, sind diese Bestrebungen auch in d-land zu beobachten, schon seid jahren wird der Länderfinanzausgleich von Bayern beschossen,

  4. Frieden war – noch im Geiste dieser alten Republik – politischer Willensausdruck. Falsch! Hinter der Varsade der verschiedenen Staatsformen, steckt ein raffiniertes System der Täuschungen. Nun könnte man das wieder zur Verschwörungstheorie zählen, aber alles ist gut durchdacht und geplant worden.

    „Ich wünsche euch allen noch viele weitere Staatsformen und Unterdrückungen, das habt ihr alle verdient.“ Eure Mächte!

    Jack Lemmon©

    Diktatur ist ein Staat, in dem das Halten von Papageien lebensgefährlich sein kann.

  5. Die Verhaftung von Puigdement und den anderen politischen Führern der Unabhängigkeitsbefürworter (Separatistas), sowie die Verfolgung der Geflüchteten ist in der Tat eine einzige Katastrophe. Warum?

    1. Meinungsfreiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden

    2. Es wird nur noch über die Verfolgung geredet, statt über die wirklichen Verhältnisse.

    Wie sind die wirklichen Verhältnisse?

    1. In Spanien ist die Justiz weisungsgebunden. Auch die deutsche Justiz ist weisungsgebunden. (freitag.de/autoren/rainer-kahni/deutschland-ist-kein-rechtsstaat). Ein „schönes“ Beispiel: Der NSU-Prozess (blog-rechtsanwael.de/ueberblick-ueber-plaedoyers-der-bundesanwaltschaft-und-der-nebenklage/) Die Ergebnisse dieser angeblichen Gewaltenteilung sind häufig übel.

    2. Ich bin 1948 geboren und mußte selbst noch (vergleichsweise geringfügig) unter dem Einfluß von übriggebliebenen Nazis leiden, die wohl erst jetzt in Deutschland völlig ausgestorben sind. Dafür haben wir neue. Ich fühle mich weder für die alten noch die neuen Nazis zuständig, verantwortlich oder schuldig. Kommt mir bloß nicht mit der Nazimasche. Ich bin nicht stolz Deutscher zu sein und ich schäme mich nicht. Ich kann nichts für Hitler und nichts für Karl Marx, letzerem gehört meine Anerkennung für seine großartigen wissenschaftlichen Arbeiten.

    3. Katalanische Separatisten nutzen geschicktes Framing, um immer wieder einen Konflikt Spanien vs. Katalonien zu konstruieren: darauf fällt auch dieser Autor herein: „Der spanische Zentralstaat wehrt sich mit allen Mitteln gegen seinen drohenden Zerfall.“ und wieder und wieder „Spanien“, „Spanier“, auch: „Dann jedenfalls wurde das Vertrauen der Spanier in die Deutschen nicht enttäuscht.“ und schlußendlich: „Die Katalanen werden das (geschichtsvergessen) nicht sein.“ Und ständig wird die Faschistenkarte gespielt, wie es bestimmte britische Massenmedien noch heute tun. Ich kann es nicht mehr hören, es soll nur von einer völlig veränderten Realität ablenken.

    4. Genauso erznationalistisch wie die Madrider Regierung (nicht die Spanier!) ist die Bewegung der Separatistas (nicht die Katalanen!). Anstatt für soziale Gerechtigkeit für Spanier UND Katalanen zu kämpfen, gehen sie lieber für eine Scheinunabhängikeit auf die Straße. Katalanischer Arbeiter gegen spanischen Arbeiter. Denn die Separatistas wollen Teil der NATO und der EU bleiben. Und was für eine Politik machen NATO und EU? Etwa Frieden mit Rußland? Sozialen Ausgleich? Wofür sind denn Hunderttausende von Rentnern in den letzten Tagen auf Spaniens Straßen gewesen? Die Jugendarbeitslosigkeit gibt es nur in Katalonien? Nicht auch in Spanien? Es gibt eine lange Liste, dafür ist hier nur kein Platz.

    4. Die Mehrheit der Katalanen hat NICHT die Parteien der Separatistas gewählt, obwohl wegen der Zählungsmethode eine Mehrheit im Parlament zustande kam. Viele Stimmen für die Separatistenparteien kamen auch nur als Protest zustande, weil Rajoy gehaßt wird und man keine Verfolgung der Politiker will. Dieses Protest-Wahlverhalten hat durchaus Ähnlichkeiten mit Stimmen für die AfD. Die Ciuadadanos („vergleichbar“ CDU/FDP) sind ja auch nicht unbedingt die geile Alternative zu Rajoy.

    5. Im Ergebnis betreiben die Separatistas eine Spaltung der Katalanen entlang des Nationalismus, statt Arm gegen Reich. Selbst wenn eine knappe Mehrheit für die Unabhängigkeit wäre, wie berechtigt ist es, mit einer knappen Mehrheit einen solchen Prozeß durchzusetzen? Bräuchte man da nicht mindestens 2/3 oder 3/4 Mehrheit? Wie gefährlich und nur auf dem Augenbrlick orientiert eine solche knappe Mehrheit sein kann, sieht man doch auch am Brexit.

    6. Die Führer der Separatistas denken natürlich auch imperial. „Paises Catalan“ fordern sie (lasprovincias.es/comunitat/opinion/paises-catalanes-realidad-20170919000238-ntvo.html) und greifen auf die Provinz Valencia, das südfranzösische Roussillon, Andorra und die Balearen zu. (Nicht nur) da organsiert sich bereits der Widerstand. (es-es.facebook.com/somosmosmovem/)

    7. In ihrem diktatorischen Vorgehen kümmert die Separatistas nicht einmal die katalanische Verfassung, die das Recht auf Gebrauch beider Amtssprachen (Spanisch und Katalan) vorsieht. Nur ein Beispiel: Ein Polizist, der einen Bericht auf Spanisch verfasste, wurde deswegen zum Entzug eines halben Monatsgehalts verurteilt. (eldiario.es/rastreador/desobediencia-superior-vendido-debate-lengua_6_750035024.html) Davon liest man nichts in der deutschen Presse.

    8. Letzte Meinungsumfagen zeigten, daß die Separatistas nur noch 40% erhalten würden. Nüchternheit war teilweise zurückgekehrt. Die Verhaftung Puigdements droht nun wieder, die Stimmung zu kippen.

    9. 200.000 demonstrierten am 04. März auf den Straßen Barcelonas gegen den Nationalismus und für Freiheit und Koexistenz beider Parteien. Ein Bericht auf Englisch ist hier: tabarnia4m.org/english/

    Das wärs jetzt erst Mal. Ich muß gleich zu einer Elternversammlung, denn die wollen sich nicht länger hier den Terror der valencianischen Sprachtaliban gefallen lassen. Die valencianische Provinzregierung versucht weiterhin, Spanisch in den Schulen zurückzudrängen und möglichst nur noch in Valenciano (katalanischer Dialekt) unterrichten zulassen. Dies ist nur eine Form der Diskriminierung, die Spanischsprecher hier in den von den Separatistas beeinflußten Provinzen erdulden müssen.

    Da die meisten Quellen Spanisch sind, google translation hilft etwas, ist aber leider nicht immer präzise.

    • Das Ergebnis der Elternversammlung: Keiner blickt durch. Wir müssen jetzt alle das Gesetz studieren (http://www.ondamusicalradio.com/2018/02/22/ley-4-2018-de-21-de-febrero-de-la-generalitat-por-la-que-se-regula-y-promueve-el-plurilinguismo-en-el-sistema-educativo-valenciano/)

      Was auch immer das Gesetz, der (gutgemeinte) Vorschlag der Direktion für unsere Schule ist: 46% Valenciano, 16% Spanisch und 39% Englisch. Die Fächer Religion und Sport werden auf Spanisch unterrichtet, damit sind die 16% Spanisch erfüllt. Englisch wird nicht wirklich richtig funktionieren, nicht wenige Schüler haben englischsprachige Elternteile und sprechen besser, als die Lehrer. „Englisch von den Lehrern?“ empörte sich meine englische Schwiegertochter.

      Dieses ist der derzeit einzig legale Vorschlag für die einzige spanischsprachige Grundschule in unserem Ort. Ab 6. Klasse geht jedes Kind auf das „Instituto“. Da wird Spanisch nur noch als Fremdsprache unterrichtet, in etwa so wie Französisch auf deutschen Schulen. Als Alternative zu den beiden einzigen Institutos an unserem Ort, hat man noch die Alternative des katholischen Insitutos, da muß man zumindest getauft sein, dann wird hauptsächlich in Spanisch unterrichtet, aber auch da geht es nicht ohne Valenciano und Taufe kommt für uns nicht in Frage.

      Der Hintergrund, so schälte es sich in der Versammlung heraus: Die PSOE regiert in der Comunidad Valenciana zusammen mit der Compromis, einer Partei, in der der sich die Grünen mit dem nationalistischen Block (Bloc) zusammengetan haben. Der Block besetzt das Bildungsministerium und gebiert solche Bildungspläne.

      Ich werde das alles noch genauer studieren und überprüfen, aber an den Tatsachen führt nicht vorbei, ich sehe ja, was für Schulbücher meine Enkel haben. Die wenigsten sind auf Spanisch. Valenciano gibt es nicht einmal auf Google, okay, es ist ein katalanischer Dialekt. Es ist, als ob man Holländer ist und jetzt Schwyzer Dütsch verstehen soll.

      Es ist ein dauernder Krampf – aber überhaupt nicht demokratisch. Denn fast 2/3 der spanischen Bevölkerung der Comunidad Valencia spricht Spanisch. Dazu kommt, daß an diesem Touristenort zig Nationen wohnen, Araber, Belgier, Deutsche, Engländer, Franzosen, Holländer, Polen, Rumänen, Russen usw. Viele merken erst nach einer Weile, was mit ihren Kindern an diesen Schulen passiert. Aber Empörung nützt nichts. Das Bildungsministerium mit dem Bloc-Vertreter bestimmt.

      Naja, für die Ministerposten der PSOE in der Landesregierung von Valencia muß die Bevölkerung schon ein paar Opfer bringen. Das kennt man ja auch von der GroKo. Die PSOE koaliert mit dem Block, ob die SPD auch wohl mit der AfD koalieren würde?

      Die Sprachpolizei in Katalonien verhängt Strafen, wenn ein Unternehmen ein spanisches, statt ein katalanisches Sprachenschild hat, obwohl die Verfassung beide Sprachen als Amtssprachen führt. Auf Ibiza haben sie schon Ärztemangel, weil viele sich das Sprachdiktat nicht gefallen lassen und wegziehen. Wir können nicht wegziehen. Ich werde zwar für die Freiheit von Puigdement eintreten, aber das ist kein Grund, ihn oder die Separatistas mit Demokraten zu verwechseln.

    • Das Ergebnis der Elternversammlung: Keiner blickt durch. Wir müssen jetzt alle das Gesetz studieren (ondamusicalradio.com/2018/02/22/ley-4-2018-de-21-de-febrero-de-la-generalitat-por-la-que-se-regula-y-promueve-el-plurilinguismo-en-el-sistema-educativo-valenciano/)

      Was auch immer das Gesetz, der (gutgemeinte) Vorschlag der Direktion für unsere Schule ist: 46% Valenciano, 16% Spanisch und 39% Englisch. Die Fächer Religion und Sport werden auf Spanisch unterrichtet, damit sind die 16% Spanisch erfüllt. Englisch wird nicht wirklich richtig funktionieren, nicht wenige Schüler haben englischsprachige Elternteile und sprechen besser, als die Lehrer. „Englisch von den Lehrern?“ empörte sich meine englische Schwiegertochter.

      Dieses ist der derzeit einzig legale Vorschlag für die einzige spanischsprachige Grundschule in unserem Ort. Ab 6. Klasse geht jedes Kind auf das „Instituto“. Da wird Spanisch nur noch als Fremdsprache unterrichtet, in etwa so wie Französisch auf deutschen Schulen. Als Alternative zu den beiden einzigen Institutos an unserem Ort, hat man noch die Alternative des katholischen Insitutos, da muß man zumindest getauft sein, dann wird hauptsächlich in Spanisch unterrichtet, aber auch da geht es nicht ohne Valenciano und Taufe kommt für uns nicht in Frage.

      Der Hintergrund, so schälte es sich in der Versammlung heraus: Die PSOE regiert in der Comunidad Valenciana zusammen mit der Compromis, einer Partei, in der der sich die Grünen mit dem nationalistischen Block (Bloc) zusammengetan haben. Der Block besetzt das Bildungsministerium und gebiert solche Bildungspläne.

      Ich werde das alles noch genauer studieren und überprüfen, aber an den Tatsachen führt nicht vorbei, ich sehe ja, was für Schulbücher meine Enkel haben. Die wenigsten sind auf Spanisch. Valenciano gibt es nicht einmal auf Google, okay, es ist ein katalanischer Dialekt. Es ist, als ob man Holländer ist und jetzt Schwyzer Dütsch verstehen soll.

      Es ist ein dauernder Krampf – aber überhaupt nicht demokratisch. Denn fast 2/3 der spanischen Bevölkerung der Comunidad Valencia spricht Spanisch. Dazu kommt, daß an diesem Touristenort zig Nationen wohnen, Araber, Belgier, Deutsche, Engländer, Franzosen, Holländer, Polen, Rumänen, Russen usw. Viele merken erst nach einer Weile, was mit ihren Kindern an diesen Schulen passiert. Aber Empörung nützt nichts. Das Bildungsministerium mit dem Bloc-Vertreter bestimmt.

      Naja, für die Ministerposten der PSOE in der Landesregierung von Valencia muß die Bevölkerung schon ein paar Opfer bringen. Das kennt man ja auch von der GroKo. Die PSOE koaliert mit dem Block, ob die SPD auch wohl mit der AfD koalieren würde?

      Die Sprachpolizei in Katalonien verhängt Strafen, wenn ein Unternehmen ein spanisches, statt ein katalanisches Sprachenschild hat, obwohl die Verfassung beide Sprachen als Amtssprachen führt. Auf Ibiza haben sie schon Ärztemangel, weil viele sich das Sprachdiktat nicht gefallen lassen und wegziehen. Wir können nicht wegziehen. Ich werde zwar für die Freiheit von Puigdement eintreten, aber das ist kein Grund, ihn oder die Separatistas mit Demokraten zu verwechseln.

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