Tagesdosis 28.5.2018 – »Linke Bastionen« in rechter Hand

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Die Leipziger Veranstaltungsreihe »70 Jahre Israel« zeigt, wie reaktionäre Antideutsche die angeblich »linksradikale« Kulturszene im Leipziger Süden beherrschen.

Historisch steht links, wer sich für die unterdrückten Schichten einsetzt. Wer gegen diese vorgeht und, bewusst oder unbewusst, die Arbeit der herrschenden Klasse erledigt steht rechts. Glaubt man dem Verfassungsschutz, sind weite Teile des Leipziger Südens, von Connewitz und Plagwitz über die Südvorstadt bis hin zur Uni in Mitte, »linksextreme« Hochburgen. Doch der Schein trügt. Längst beherrschen rechts-reaktionäre Antideutsche die angeblich »linke« Kulturszene in der Sachsenmetropole.

Die in diesem Umfeld vom gleichnamigen Bündnis organisierte und aktuell laufende Veranstaltungsreihe »70 Jahre Israel« beweist es. Dominiert wird sie von Vortragsrednern, die zu zum engen Kreis um Justus Wertmüller gehören. Wertmüller ist seit langem Tonangeber in der Antideutschen-Szene sowie Mitbegründer und Redakteur deren Propagandablatts Bahamas. Der islamfeindliche, chauvinistische, proimperialistische und teils rassistische Kurs dieses Mediums unterscheidet sich kaum von rechtsradikalen Postillen.

So sind in der Bahamas immer wieder Lobeshymnen auf die AfD, den Front National, die FPÖ und diverse rechtslibertäre Publikationen zu lesen. Ein Großteil der Blattautoren ist auch in dem neokonservativen Blog Achse des Guten von Henryk M. Broder zu finden, wo Hetzartikel gegen Linke, Muslime und diverse unterprivilegierte Gruppen wie am Fließband produziert werden. Kein Wunder, dass sich auch deren Aktivitäten mit dem rechtsradikalen Lager überschneiden. So demonstrierte etwa Wertmüller im Dezember mit der AfD in Berlin »gegen Islamismus« und hielt dort eine Hetzrede gegen muslimische Flüchtlinge.

Doch nur ein Vortragsredner ließ einige am Bündnis beteiligte Protagonisten aufhorchen. Der Bahamas-und Achse des Guten-Autor Thomas Maul, der heute Abend in Leipzig über »islamischen Antisemitismus« referieren soll, teilte am 9. Mai eine Bundestagsrede von AfD-Chef Alexander Gauland zum Thema Israel auf seiner Facebook-Seite. Dazu lobte er: »Immer wieder erscheint die AfD objektiv als einzige Stimme der Restvernunft im Bundestag.« Wer deren »Wahrhaftigkeit« bezweifele, so Maul, müsse »wenigstens die zur Schau gestellte Unvernunft des herrschenden Linkskartells als Bedingung der Möglichkeit dieses Erfolgs anprangern, statt mit Dämonisierung der AfD dem allgemeinen Wahn weiter zuzuarbeiten«.

Zunächst wollte die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig nicht mehr als Mitgastgeberin im Bündnis genannt werden. Dann zogen die »Naturfreundejugend Berlin« und der Verband »Sozialistische Jugend – Die Falken« ihre innerhalb der Reihe geplanten Vorträge zurück. Sie rügten die Zusammenarbeit mit Maul.

Auf Anfrage der Autorin wurde schließlich auch die Universität Leipzig hellhörig. Dort sollen einige Referate stattfinden. Zunächst erklärte eine Uni-Sprecherin, man habe dem Studierendenrat lediglich die Räume zur Verfügung gestellt. Der prüfe das Vorgehen im Fall Maul. Am Donnerstag meldete das antideutsche Bündnis »70 Jahre Israel«, die Uni habe ihre Zusage für den Raum zurückgezogen. Beeindrucken ließ es sich davon nicht: Es verlegte den Vortrag in den angeblich »linksradikalen« Connewitzer Club »Conne Island«.

Mauls Aussagen überraschen indes nicht. Auf der Homepage des Ça-ira-Verlags stellte er schon vor Jahren nicht die Wirtschafts- und Eigentumsverhältnisse, sondern den »ordinären Alltagsislam« als alleinigen Verursacher von »Verarmung, Massenarbeitslosigkeit und Analphabetismus« dar, dem nur die »westlichen Demokratien«, inklusive NATO und Rohstoffkriege versteht sich, »fortschrittlich« entgegen stünden.

Und geht’s mal nicht gegen angeblich »ungebildete Moslems«, zieht Thomas Maul gern gegen Frauen zu Felde. In diesem März etwa ging der Autor in der Bahamas auf die mutmaßlichen Missbrauchsopfer des Filmproduzenten Harvey Weinstein los. Diese Frauen seien »durch Weinstein groß gewordene Heulsusen«, die ihm »erst geizig bis ins Mark, dann kleinlich nachtragend« die »ertrickste Gegenleistung« als »kleine Siege« missgönnten, ätzte er in seinem Artikel in der antideutschen Propagandapostille.

Das Bündnis »70 Jahre Israel« firmiert auf einer Webseite ohne Impressum namens »gegen-antizionismus.de«. Laut seiner Facebook-Seite mischen in diesem unter anderem vermeintlich »linke« Szeneclubs wie das Conne Island, Kulturraum Leipzig und ein räumlich in letzteren Verein integriertes Institut für Zukunft (IfZ) mit. Das IfZ ist ein Beatclub unter Leitung einer Eventfirma, der laut Selbstauskunft eng mit dem namhaften Leipziger Technoclub »Distillery« und der Plagwitzer Szenekneipe Felsenkeller kooperiert. Im Felsenkeller tagte Anfang Mai sogar die diesjährige Bahamas-Konferenz.

Und auf der Rednerliste dieser Vortragsreihe stehen weitere Protagonisten aus dem Wertmüller-Umfeld, das sogar einige gemäßigtere Antideutsche als nach rechtsaußen abgedriftet kritisieren. So soll am 1. Juni der Bahamas- und Achse des Guten-Autor Sebastian Voigt an der Universität referieren. Voigt ist Mitbegründer des Bundesarbeitskreises (BAK) Shalom. Das ist ein Netzwerk innerhalb der Linkspartei, das gegen Linke mit antiimperialistischen und klassenkämpferischen Positionen zu Felde zieht. Der BAK-Shalom ist in diesem Zusammenhang für üble Verleumdungskampagnen bekannt.

Für dieselben reaktionären Medien wie Maul und Voigt arbeiten auch die für den 11. Juni im Conne Island angekündigten Publizisten Alex Feuerherdt und Florian Markl. Ebenso Stephan Grigat, der bereits am 8. Mai dort referierte. Grigat ist darüber hinaus Mitinitiator der Kampagne »Stop the Bomb«. Gemeint ist die westlichen Erfindungen zufolge angeblich vorhandene »iranische Atombombe«. Notfalls, heißt es dort, müsse diese durch »gezielte und wiederholte Militärschläge« des Westens aus der Welt geschaffen werden. Das »Leipziger Bündnis gegen die Iran-Delegation« ist ein Ableger dieser von Neocons und Antideutschen organisierten Anti-Iran-Kampagne und ebenfalls Mitorganisator der Vortragsreihe.

Die Bahamas-Akteure sind im Umfeld der Hochschulen in Leipzig, Halle und Dessau seit Jahren überaus aktiv. Und vielerorts reißen sie sich offensichtlich nach und nach einst linke Kulturbastionen unter den Nagel. Da Politik und Medien diese noch immer als »linksradikal« bezeichnen, ist das an der Öffentlichkeit weitgehend vorbeigegangen. Während rechts-reaktionäre Parteien wie NPD, Die Rechte und Der III. Weg sowie das Bündnis Pegida sowie der Rechtsaußenflügel der AfD um Björn Höcke vor allem auf die einfache Arbeiterjugend abzielen, rekrutierten Antideutsche fast ausschließlich die »intellektuelle« Jugend.

Unter dem Deckmantel der sogenannten »Ideologiekritik« reden sie den Kapitalismus und imperialistische Kriege als »bürgerlichen Fortschritt« schön. Sie erklären den Islamismus zum neuen Faschismus, der durch den Westen ausgerottet gehöre. Dass Faschismus nur eine Spielart kapitalistischer Herrschaftsausübung ist, leugnen sie ebenso wie die Tatsache, dass die große Masse der weltweit fast zwei Milliarden Muslime friedlich lebt. Mit einer vorgeblichen Religionskritik hat das nichts zu tun, eher mit Vernichtungsfantasien gegen einfache, oft bettelarme und abgehängte Menschen.

Man kann konstatieren, wenn Anhänger der Antideutschen fanatisch eine rechtsextreme und rassistische Regierung in Israel abfeiern, hat das ähnlich wahnhafte Züge wie sie radikalisierte Islamisten an den Tag legen. Wer wie sie Klassenverhältnisse und historische Fakten ausblendet und gegen unterprivilegierte Gruppen, darunter auch vor Krieg oder Elend Fliehende, hetzt, steht auf jeden Fall nicht links. Im Gegenteil: Auf diese Weise wird faschistisches Gedankengut, getarnt als »linke Ideologiekritik« und »Antifaschismus« in die Bildungsbürgerjugend getragen. Besser kann ein kapitalistischer Staatsapparat den Erhalt bürgerlicher Machtverhältnisse nicht managen.

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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36 Kommentare zu: “Tagesdosis 28.5.2018 – »Linke Bastionen« in rechter Hand

  1. 1 0 oder 0 1?
    Sind wir schon derart digitalisiert, dass wir unser Denken binär einschränken? Ist das so? Gibt es nur noch Links und Rechts? Eins und Null? Schwarz und Weiß? Ein Kopf, der nur noch diese zwei Schaltzustände kennt, ist gar nicht in der Lage, objektiv zu kritisieren. Nicht mal objektives Betrachten ist unter diesen Voraussetzungen möglich! Ob man nun einen Stein in die Menge wirft, wie einst der Joschka Fischer, oder eine Tastatur zum Stein wandelt, das nimmt sich nicht viel, da beides in der Form niemals Problemlösend sein kann! Wenn zwei „erwachsene“ Türken von ihren Wurzeln sprechen und einem Diktator frönen, dann wird das alles schnell unter den Tisch gekehrt. machen das aber Deutsche, gleich aus welchem Grund, dann brennt die Luft! Die Verhältnisse stimmen nicht mehr, die Vernunft verdampft im Schweiße der Wut! Mir persönlich bleibt für so vieles nur noch Fremdschämen! Es gibt immer mehr als nur eine Perspektive und eigentlich sollten es Minimum drei sein;
    Meine subjektive Sicht, Deine subjektive Sicht und die immer auch notwendige objektive Sicht.

    P.S. Wie kann es sein, das man Gegenden in Duisburg, das hier stellvertetend für viele andere Gegenden steht, Jahrzehnte nicht wahrgenommen hat, heut aber genau weiß, wer in Leipzig „rechts“ wohnt?

    Wahret doch bitte die Objektivität und die Relationen, beides findet sich in der Vernunft! Danke.

  2. Danke für die Mühe, Frau Bonath!
    „Historisch steht links, wer sich für die unterdrückten Schichten einsetzt. Wer gegen diese vorgeht und, bewusst oder unbewusst, die Arbeit der herrschenden Klasse erledigt steht rechts.“
    Schöner Satz, aber Unsinn, weil sinnfrei, denn jeder könnte sich unterdrückt fühlen. Doch nur wenigen ist die Macht gegeben, aus gefühlter Unterdrückung Genozid und Völkerhass straffrei zu generieren. Rechts-Links? Was soll dieser antiquierte Quark?
    Wer dogmatisiert (bezahlt) zu Gewalt aufruft, Hass sät, Intoleranz mit/und/oder Obrigkeitshörigkeit zur Schau trägt ist nur ein A..Loch!
    Wer in´s eigene Nest kackt, sollte gehen, oder wenn er seine Herkunft so hasst sich den Strick nehmen, um halbwegs konsequent rüber zu kommen, liebe Deutschenhasser! Als Vater fehlen mir für dieses Deutschlandgehasse die gemäßigten Worte. Lebte Thälmann noch, er würde sich schämen für diesen Genmüll, der unsere Sprache rülpst!
    Und immer die AfD! Böse und rechts…da sind wir wieder beim Hass und Rassismus, den die wohlfeilen Demokraten und Marxversteherglaubenden kredenzen. Wundert ihr euch, wenn daraus immer mehr Dummheit und Gewalt wächst? Die Linke, die Antifa und die Mitte sind das Ende des Gerippes names Demokratie in Deutschland (was ist Deutschland eigentlich?), welches unter dem Jubel aller Erbfeinde und Auserwählten im jüdischen Glauben in Schutt und Asche zu legen sein wird. Dumm nur, dass die hier eingeborenen Schreihälse, die es ja so hassen deutsch zu sein, ebenso vertilgt werden sollen, eben weil sie Deutsche sind! Blasphemie!? Nennt es wie ihr wollt! Die Spalterei der Gesellschaft und Welt geht eh auf´s USA-Haus, welches sich in guten Jahwehänden befindet. Danke dafür! Es geht um das Leben, nicht um Philosophie und Vorfahrtsrechte! Aufwachen!

    • Hier werden doch zumeist die einfacher Deppen kritisiert, die sich irgendeiner Ideologie anheften.
      Wer aber bringt diese spaltenden Ideen in die Welt, unter die Leute?
      Wer sich blind verteidigend hinter den Iran stellt, weil die Unterstützer eklige Rechte sind, der ist doch zum Teil des Spiels geworden.
      Neo-Rechte sind doch nur da, damit Neo-Linke sich mit Ihnen beschäftigen, ihren Eifer abagieren können. Beschäftigungstherapie für beide Seiten.
      Wer will denn sicher sagen, was richtig und falsch ist, z.B. in der Frae des Iran?
      Wenn die EU-Junta den Atomdeal derart massiv verteidigt, dann kann man sich schon fragen, was da los ist.
      Gerade die Kooperation der Dienste über die Grenze Istael/Saudi Arabien hinweg sollte doch zeigen, dass hinter dem Vorhang alles Szenarien vorbereitet werden und wir in Spaltung leben.
      Wer sich links-rechts verortet ist voll auf den Leim gegangen, wer dieses Schema aggressiv weitertreibt ist NWO-Handlanger(in).
      Denn am Ende soll der Weltstaat stehen und da ist das linksdrehende Narrativ vom Internationalismus eines der Tools, mit der die Masse in Slaverei getrieben werden könnte.

    • Das Problem ist, dass Sie überhaupt nicht erfasst haben, worum es geht und stupide irgendwelche bürgerlichen Zuschreibungen und Interpretationen als Reaktion darauf produzieren – wie andere hier übrigens auch. Das soll kein Angriff gegen Sie sein. Mir zeigt es aber, dass es überhaupt kein minimales Grundwissen über ökonomische Zusammenhänge und politische Entwicklungen gibt. Und auch historisch wird plump wiedergegeben, was bürgerliche Medien so produzieren, zusammengeklatscht mit subjektiven Gedankengebäuden, die nicht viel mit der Realität zu tun haben. So wird mir auch hier wieder bewusst, dass ich ein zu hohes Grundwissen voraussetze, obwohl ich mich redlich bemühe, in einfacher Sprache zu schreiben. Nur wie soll ich es dann machen? Man kann in einer Tagesdosis nicht fehlendes Grundwissen nachholen, denn dann würde es ein Vortrag von mehreren Stunden werden.

      Ich versuche also jetzt erst einmal darzustellen, was Antideutsche eigentlich sind.

      Die allermeisten, auch vom Selbstverständnis her Linke, verstehen das Problem mit den sog. „Antideutschen“ schlicht überhaupt nicht. Darum einige Erläuterungen und, zur Veranschaulichung einen Link: Hier twitterte am Montag ein dem Selbstverständnis nach „linker“ Antideutscher entstetzt aus der angeblich „linksautonomen Bastion“ in Leipzig-Connewitz, dem Conne Island, getwittert hatte. Entsetzt war er darüber, dass chauvinistische Rassisten wie Thomals Maul von der Bahamas-Redaktion ihren faschistischen Müll dort absondern konnten und das auch noch verteidigt wurde. Siehe:

      https://twitter.com/rethnologie?lang=en

      Nun zu den „Antideutschen“:

      Zuerst einmal ist der Versuch, politische Bewegungen psychologisch sowie ideologisch zu unterwandern und zu beeinflussen, nicht neu. Das gab es schon lange vor dem „Großwerden“ der sog. „Antideutschen“ im Zuge des Anschlusses der DDR an die BRD.

      Die „Antideutschen“ traten mit dieser Selbstbezeichnung nach dem Mauerfall 1989 in Erscheinung – mit durchaus verständlichen Befürchtungen. Sie waren gegen den Anschluss, weil sie Angst hatten, Deutschland könne wieder zu einem übermächtigen Imperium in Europa heranwachsen. Und es ist ja Realität: Heute ist Deutschland der wohl stärkste und aggressiviste imperialistische Staat in Europa, der die Profite für seine Bourgeoisie durch Niederhalten vor allem süd- und osteuropäischer Staaten sowie der „Dritten Welt“ sichert.

      Die „Antideutschen“ rekrutierten schon damals vor allem aus intellektuellen Schichten, also Studenten und Studierte. Die sog. Frankfurter Schule spielte da mit rein, war quasi die Vorarbeit. Dies war/ist kurz gesagt das Einbläuen einer Verweigerungshaltung gegenüber dem Lernen einfacher ökonomischer Grundsätze im Kapitalismus, wie sie Marx im Kapital erklärt und die gleichzeitige Berufung auf bürgerlich-philosophische „Weiterentwicklung“ seiner Thesen, die man eigentlich nicht begreifen kann, wenn man keine Grundbildung hat. Das führt fast zwangsläufig zu Fehlschlüssen und wirren Denkkonstrukten – daherkommend allerdings im intellektuellen Mäntelchen. Und unter dieser Denke gründeten sie 1992 ihre Propaganda-Zeitschrift „Bahamas“.

      Nach und nach manifestierten sich allerdings immer wirrere Ideologien. Der deutsche Faschismus wurde auf seinen Antisemitismus und die daraus resultierende industrielle Ermordung der Juden reduziert. Ökonomische und Klassen-Aspekte wurden ausgeblendet. So hämmerte man in die Köpfe dieser Studentenclique ein, die westlichen Allierten-Staaten hätten Deutschland vom Faschismus befreit, weil ihre bürgerlichen Demokratien so fortschrittlich gewesen seien.

      Daraus wurde dann die aberwitzige These, die heutigen westlichen Demokratien seien die wahren Vorreiter im Kampf gegen Faschismus. Und sie schlussfolgerten weiter, dass Faschismus einzig vom ungebildeten Proletariat ausgehen müsse, sie entökonomisierten quasi diese Herrschaftsform und schoben die Schuld einzig der abgehängten Schicht in die Schuhe. Zugleich instrumentalisierten sie den antikapitalistischen Jargon der deutschen Nazis und dichteten daraus, Antikapitalismus und Antiimperialismus führten zwangsläufig zu Faschismus.Sie ignorierten, dass die Nazis ja nicht meinten, was sie sagten, sondern sehr wohl die Herrschaft des deutschen Großkapitals in Krisenzeiten erhalten bzw. extrem vergrößern wollten.

      Und indem sie den Antisemitismus zum Hauptfaktor des Faschismus modellieren, feiern sie die rechtsradikale Regierung in Israel und erklären jegliche klassenkämpferische, antikapitalistische und antiimperialistische Aktion für in letzter Konsequenz antisemitisch.

      Diese irre Theorie enthält natürlich massenhaft logische Denkfehler. Sie vermeidet vor allem die Anerkennung, dass Faschismus eine Form der bürgerlichen Herrschaftsausübung, also des kapitalistischen Managements ist und immer der jeweils herrschenden Klasse nützt. Faschismus ist also ein Machtüberbau eines kap. Staats, ebenso wie die bürgerlich-repräsentative Demokratie. In Krisenzeiten droht letztere immer, in Faschismus umzuschlagen. Denn die herrschende Klasse will ja auf Teufel komm raus ihre Macht sichern.

      Kurz: Die intellektuelle Jugend wurde dahin eingestielt, dass sie begann, die „dumme Unterschicht“ für faschistische Tendenzen verantwortlich zu machen. Sie konnte so ihr Ego kühlen und sich über den Pöbel erheben. Und sie wurde getrimmt, den Kapitalismus/Imperialismus als „Hort des Antifaschismus“ also als „Bastion gegen den Antisemitismus“ zu begreifen. Die pseudointellektuellen Erklärungsversuche sind so blöde und ahistorisch, wie unverständlich. Nur geben viele Menschen, insbesondere Bildungsbürger, wohl ungern zu, etwas nicht zu kapieren. Vermutlich meint(e) die Mehrheit der Anhänger dieser wirren Thesen, intellektuell besonders auf der Höhe zu sein, weil sie glaub(t)en, die Prediger derselben seien dies auch.

      Da die Antideutschen sich damals aus selbsterklärten „linksradikalen“ Gruppen rekrutierten, haftet ihnen das heute immer noch an. Doch merke: Seit vielen Jahren bezeichnet sich etwa die knallharte Bahamas-Fraktion selbst nicht mehr als links, sondern schlicht „ideologiekritisch“, sogar als „Abrissbirne des linken Mainstreams“. Die meisten verwahren sich mittlerweile auch vor dem Betriff „antideutsch“, inzwischen selbst die Bahamas. Für Gruppen, die den bürgerlichen Nationalstaat zum Heil erklären, passt er ja auch schlicht nicht. Nur hat sich der Begriff halt eingebürgert. Inzwischen aber sind sie so wenig „antideutsch“, wie die deutschen Faschisten „sozialistisch“ waren, da sie sonst zum Ziel gehabt haben müssten, das Privateigentum an Produktionsmitteln zu vergesellschaften (ist etwas anderes als Verstaatlichung). Hatten sie aber niemals. Und „Ideologiekritik“ ist natürlich auch so ein nichtssagender pseudointellektueller Begriff, der aber eben allen Spielraum nach rechts lässt. Und den schöpfen sie aus.

      So erklären sie heute nicht nur die inländischen Abgehängten zu potentiellen Nazis, sondern auch und vor allem den Islam zum neuen Faschismus, dem nur die bürgerliche Demokratie, in deren Jargon die „zivilisierte Welt“, als „fortschrittlicheres Element“ etwas entgegen setzen könne. Sie erklären defacto die Bewohner der westlichen Welt zum „Herrenvolk“, das den dummen Wilden im Süden und Osten den Fortschritt bringen müsse. Was nichts andere s ist, als Kolonialisierungsbestrebungen. Das verpacken sie dann harmlos klingend in die Worthülse „Religionskritik“.

      Kritik an ALLEN Religionen und ihrem Missbrauch durch die herrschende Klasse ist zweifelsohne von linker (ich spreche lieber von proletarische) Seite nötig und kommt definitiv zu kurz. Wenn man aber die imperialistischen Machtstrukturen dahinter verleugnet und allen Muslimen den Kampf ansagt, statt die Machtstrukturen dahinter zu bekämpfen, die eben auch auf imperialistischem Boden zur Freude der Herrschenden gedeihen, wird es faschistisch. Denn man schiebt ökonomische Probleme und soziale Erfahrungen unterprivilegierten, also darunter leidenden Bevölkerungsgruppen selbst in die Schuhe und lenkt von den realen Machtverhältnissen ab.

      Es werden also soziale und kulturelle Erfahrungsmuster zum Hauptfeind erklärt, nicht die Interessen der herrschenden, also unterdrückenden Klasse. Dass die massive Verschärfung der Ausbeutung und Zerrüttung durch Kriege zwei Faktoren sind, die extrem patriarchale Strukturen nach sich ziehen, also auch jede Weiterentwicklung hemmen, und die dazu führen, dass mehr Menschen Halt in Religionen suchen, wird ebenso ausgeblendet, wie der Umstand, dass kapitalistische Herrschaftsverhältnisse an sich patriarchal angelegt sind, selbst wenn die Unterdrückung der Frau im Westen versteckt geschieht, etwa über geringere Löhne, Nichtanerkennung gesellschaftlich wichtiger Tätigkeiten außerhalb der Lohnarbeit, wie Kindererziehung und Pflege etwa.

      Kurzum: Antideutsche erklären individuelle und kulturelle Auswirkungen der strukturellen Ausbeutungsverhältnisse zu Faschismus, und damit Menschengruppen zu Schuldigen, die selbst unter den Auswirkungen leiden. So negieren sie jeglichen ökonomischem Kontext und gehen gegen unterprivilegierte Gruppen und jegliche Klassenkampfbestrebungen vor. Sie faseln den Kapitalismus als „Fortschritt“ schön, ohne überhaupt die Ursache für heutige Krisen – nämlich dass das Kapital längst wieder überakkumuliert und immer stärker monopolisiert ist und die Produktivkräfte (technologischer Fortschritt) derweil dabei sind, die Produktionsverhältnisse (Lohnarbeitsgesellschaft) zu überholen – zu reflektieren. Und da diese nicht mehr „antideutsch“ genannt werden Wollenden noch immer von Medien, Politik und Gesellschaft als irgendwie „linksextrem“ dargestellt werden, und vor allem da ihre pseudointellektuellen Theorien gar nicht wirklich gerafft werden können, tingeln ihre studierten Soziologen, Philosophen und Politogen weiterhin durch linke Clubs. Das ist auch eine Auswirkung des flächendeckenden Bildungsmangels in einer Welt, in der die nicht besitzende Masse zugunsten der Herrschenden zu Humankapital aus- aber nicht mehr umfassend gebildet wird – was sich wiederum auf alle künftigen Generationen auswirkt.

      Daneben muss man wissen, dass es wohl Dutzende Fraktionen dieser sog. „Antideutschen“ gibt, die sich untereinander nicht komplett grün sind und vielfach gar nicht „antideutsch“ genannt werden wollen. Einige lehnen die Bahamas-Fraktion selbst als rechts-radikal ab. Allerdings ist die politische Unbildung so weit fortgeschritten, dass vielfach überhaupt nicht durchblickt wird, was erstens die irren Thesen bedeuten und mit wem sie sich einlassen. Anzunehmen ist, dass viele auf die moralistische Plattitüde (Antisemitismus ist böse) und auf den intellektuellen Anspruch der Prediger reinfallen nach dem Motto: „Die sind ja so schlau, also werden sie recht haben und ich muss das gar nicht verstehen.“

      Aber alleine, wenn man die Twitter-Beiträge liest, kann man wissen, dass im Conne Island mit Thomas Maul ein knallharter Faschist aufgetreten ist. Und würde man in der Bahamas lesen, die weitere geplante Redner wie Feuerherdt, Grigat und Voigt stellt, dann würde klar, dass die Gazette ebenfalls faschistische Ziele verfolgt.

      Und das ist doch aus Sicht der Herrschenden eine wunderbare Strategie: Die Alt- und Neurechten rekrutieren die Proleten, die selbsternannten „Ideologiekritiker“ die intellektuelle Jugend für chauvinistische, rassistische, ja faschistische Ziele.

    • @ Susan Bonath:
      Der Wahnsinn hat also Methode? (ôÔ)
      Das hatte ich bislang so nicht auf dem Schirm.. Wenn mir so eine idiologieverbrämte Nichtargumentation wie jene der „Antideutschen“ (oder wie sie nun nicht mehr, oder jetzt doch aber irgendwie anders, genannt werden möchten) unterkommt, dann verschublade ich das unter Idiocracy-Files und lasse den lieben Gott nen guten Mann sein. (Hätte ich MannIn schreiben sollen?)
      Zitat: „Seit vielen Jahren bezeichnet sich etwa die knallharte Bahamas-Fraktion selbst nicht mehr als links, sondern schlicht „ideologiekritisch“ “ – eine ideologiekritische Ideologie..Welch wunderbares Oxymoron. Herrlich! oder – gender korrekt: Dämlich? ;o)
      Fast so schön wie „Keine Toleranz der Intoleranz!“.
      “ Wenn man aber die imperialistischen Machtstrukturen dahinter verleugnet und allen Muslimen den Kampf ansagt, statt die Machtstrukturen dahinter zu bekämpfen, “ – Nagel auf den Kopf getroffen.

      Eine Frage habe ich noch:
      „Die meisten verwahren sich mittlerweile auch vor dem Betriff „antideutsch“, inzwischen selbst die Bahamas. Für Gruppen, die den bürgerlichen Nationalstaat zum Heil erklären, passt er ja auch schlicht nicht.“
      Joh, das ist wenigstens mal logisch. Aber das ist doch eine glatte 180° Wende. Wie haben die denn das geschafft? Sich selbst den Hals rumgedreht?

      Jedenfalls vielen Dank für die Erläuterung. :o) Ich finde die sehr erhellend, und rege daher an, daraus einen Artikel auf der Hauptseite zu machen. Das ist hilfreiches Hintergrundwissen, und hier in der Kommentarfunktion ist das dann doch eher etwas versteckt.

      P.S.
      „(…) an sich patriarchal angelegt sind, selbst wenn die Unterdrückung der Frau im Westen versteckt geschieht (…)“
      Nu des isch en anner Thema.. (kein Anathema, auch wenn’s ausgesprochen genauso klingt [g])
      equal chances ./. equal outcome
      Es gibt eine Lösung. Aber das ist eine Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll.

    • Erstaunlicherweise hat Stefan Molyneux gestern ein Video gemacht, das sich mit diesem Thema beschäftigt. Synchronizität? (C. G. Jung)
      Ein vergleichbares Phänomen ereilt wohl gerade die kanadischen (und US) Universitäten. Begriffe wie „ideological bullies“ und „anger reads better than stupidity“ fallen. Lohnt sich auf jeden Fall anzuschauen.

      „The Diversity/Freedom Paradox | David M. Haskell and Stefan Molyneux“
      Auf youtube: watch?v=vGqWsBdrwVQ

    • @S.B.
      Das Problem Fr. Bonath ist, dass Sie überhaupt nicht erfasst haben, worum es geht und stupide irgendwelche bürgerlichen Zuschreibungen und Interpretationen als Reaktion darauf produzieren. Das soll kein Angriff gegen Sie sein. Mir zeigt es aber, dass es überhaupt kein minimales Grundwissen über ökonomische Zusammenhänge und politische Entwicklungen gibt.

      „Und es ist ja Realität: Heute ist Deutschland der wohl stärkste und aggressiviste imperialistische Staat in Europa,“
      Diese Behauptung ist blanke Realitätsleugnung .
      Es sind GB und Frankreich die den kriegerischen Imperialismus betreiben
      und es ist Deutschland unter fortgesetzt alliierte Besatzung , das die Kriegspolitik der NATO/Transatlantiker mitträgt und nun unter alliiertem Befehl per organisierter Massenzuwanderung kulturellen Suizid begeht .

    • wasserader, ja. Darüber bin ich auch gestolpert. Deutschland ist Vasall des Washingtonischen Imperiums… (PaulCraigRoberts dot org wird nicht müde, das zu beschreiben). Meine Schublade: Missverständnis. Abwarten. Möglicherweise haben Sie Recht. Ich hoffe.. nicht.
      Btw – Sie haben das Thema verfehlt ;o)

    • @waldbaer+wasserader: Mag sein, dass die Franzosen und die Briten es sind immer die Herrschenden, nicht das Volk gemeint) militärisch offener aggressiv auftreten, aber die Deutschen sind a) wirtschaftlich und b) als militärische Mitläufer doch ziemlich aktiv, wirtschaftlich deutlich schlimmer als es die anderen sein könnten, einfach aufgrund ihrer Machtposition.
      Sie sind zwar ein Vasall der USA, habe aber im Rahmen des Bündnisses durchaus ihre eigene Agenda- und solange es den Interessen der USA nicht widerspricht, haben sie auch freie Hand.

    • Wie du kann nur jemand schreiben, der zu Essen hat, sich kleiden kann und keine Angst um das Dach über dem Kopf haben muss. Dann natürlich kann man sich über den Klassen wähnen. Und na klar, auch die Millionärsgattin ist unterdrückt, weil ihr Göttergatte nicht eine vierte Yacht kauft. Das alles ist ziemlicher Mumpitz.
      Unterdrückt ist, wer am Ende des Geldes noch viel Monat hat. Wer seine Kinder nicht zur Klassenfahrt schicken kann, weil sonst ein paar Tage das Essen wegfallen müsste. Oder wer sich unter Brücken und Unterführungen einen Schlafplatz suchen muss. Dieses hohle Geschwätz der Wohlstands-„Unterdrückten“ ist nicht zum aushalten.

    • Und vielleicht sollte ich Eines noch hinzufügen: Die USA sind auch nicht wirklich souverän, sondern wie fast alle Staaten abhängig vom militärisch-industriellen Medien- und Finanzkomplex. Nur so lässt sich erklären, dass die Staaten zum Teil auch (scheinbar?) gegen ihre eigenen Interessen handeln (USA/NATO wollen keine Kriege gewinnen, sondern führen, Ausnahmen sind Kriege, die ihrer Imperiumsnatur dienen, also Rohstoffe und Machtpositionen gegen aufstrebende Konkurrenten sichern).

    • linke wertevorstellungen manifestierten sich im kleinen (unabhängig des politisch-historischen missbrauchs) über die jahrhunderte immer wieder aus der not heraus, dem protektionismus feudalistischer kapitalinteressen entgegenzuwirken .. dadurch, den literarisch und künstlerischen ansatz nicht nur als leid der menschen zu spiegeln, sondern vor allem die daraus entstehenden möglichkeiten der zwischenmenschlichen verständigung hervorzuheben, haben zweifelsohne die menschheitsgeschichte geprägt .. https://youtu.be/kNpJVtvGFtM

    • Zum Thema des fehlenden Grundwissens: Einen längeren Vortrag oder gar eine ganze Reihe würde ich sehr begrüßen. Dann können sich die Menschen ihre Meining dazu bilden oder diese auffrischen.
      Eine offene Diskussion gerade mit Kritikern wäre mutig, auch wenn das eingefleischte Kummunistinnen vermutlich für überflüssig halten, weil sie sich auf der sicheren Seite wissenschaftlicher Wahrheit wähnen.
      Aber gerade dann kann man sich doch dem ideologischen Gegener stellen!

      Machen Sie eine ganze Serie, in welcher Sie Ihre ökonomische Therorie darlegen.

  3. Jeder gegen jeden und Gott gegen alle. Die Linken sind rechts, die Rechten sind links. Jede Ideologie kapert den Gegensatz und argumentiert mit verkehrten Vorzeichen. Da werden plötzlich Juden zu Antisemiten, die wiederum von alles was nicht jüdisch klingt gleich zu Nazis umgespritzt werden.
    Demos gegen Gewalt werden zum Ausdruck rechter Gesinnung und auf die Frage: was ist 3 mal 3, kommt als Antwort: Nazi.
    Und im Sinne der neuen Linken, der ganz linken, die schon soweit links sind, daß sie genau rechts sind, werden dann Länder vom Schlage Saudi-Arabien zu Garanten des Feminismus.
    Schizophrener gehts kaum noch.

    • Alles erklärlich, wenn man nicht auf den Mainstream reinfällt sondern sich selbst ein Bild macht. Was tun denn diese angeblich so „gefährlichen“ Linksextremen? Erschüttern sie den Staat? Gefährden sie die Herrschaft der Albrechts und Quandts, der Klatten und Otto? Nichts davon! Im Gegenteil. Sie sind Fans der NATO und der EU, waschechter imperialistischer Bündnisse. Sie hetzen gegen Migranten, wenn sie das „falsche“ Herkunftsland haben. Und das alles mit ein paar Steinwürfen auf Demos garniert, damit sie als Bürgerschreck noch herhalten und niemand auf die Idee kommt, sie stünden auf der selben Seite wie der Staat, den zu bekämpfen sie vorgeben.

    • Hi Alexander,
      du schreibst leider auch so, dass es Unbeleckte nicht verstehen können oder auf jeden Fall in den falschen Hals bekommen. Oben hab ich mich deswegen ja auch schon selbst kritisiert. Man sieht es an dem Beitrag, auf den wir beide hier reagiert haben.

      1. Von „Extremismus“ sprechen stets der Staatsapparat und seine Vasallen. Alles, was nicht systemimmanent ist, kriegt die Titulierung. Man will die selbst fabrizierte Mehrheitsmeinung waren und eine alles mittragende sogenannte „Mitte“ stärken, das brave Bürgertum also, das alles mitträgt und notfalls auch wieder als KZ-Wächter funktioniert. Zugleich wird mit dem Begriff Extremismus Verwirrung geschaffen, da er eine moralistische, aber keine politische Zuschreibung ist. Sprich: Extremist = böse. Brave Mitte = gut. Dabei wurden alle Verbrechen in erster Linie immer von der braven Mitte mitgetragen und wären ohne sie kaum möglich gewesen.

      2. Eine Eigenbezeichnung entspricht nicht unbedingt der Realität. Wenn sich also Gruppen selbst als „linksradikal“ begreifen, haben sie damit erstens nicht die politische Richtungszuschreibung „links“ definiert, zweitens muss ihre Handlungsweise deshalb dem – bewusst oder unbewusst – nicht entsprechen. Ich benutze die Begriffe links/rechts eigentlich sehr ungern, weil sie von den Herrschenden permanent missbraucht werden, mehr noch: offenbar gerade ins Gegenteil verkehrt werden. Da blickt dann der normale Mensch, der sich damit nicht befasst, eben nicht mehr durch. So sollte man sich vielleicht lieber wieder Proletarier, Kommunist, Marxist oder Sozialist nennen, als sich die verwirrende Bezeichnung „links“ zu verpassen, wenn man doch weiß, dass unter dem Label auch Kapitalistenfreunde und sogar Faschisten unterwegs sind.

      3. Jugendliche begehren seit eh und je stärker gegen bestehende Verhältnisse auf und haben dabei naturgemäß weniger Lebenerfahrung, dafür umso mehr Energie. Wut auf die kapitlistschen Ausbeutungs-Verhältnisse ist mehr als berechtigt, heute bei der laufenden Verschärfung umso mehr. Und die entlädt sich dann vielfach in Aggressionen. Einer, der Steine auf eine Polizeistation wirft, muss von daher kein NATO-Fan sein. Allerdings wird die NATO-Konformität von den Herrschenden als „links“ verkauft, insofern wird es sicher etliche geben, besonders jene in unterwanderten Gruppen, die, meist aus Dummheit, darauf reinfallen.

      4. Die Unterwanderung politischer Gruppen ist seit langem eines der Hauptbetätigungsfelder der Geheimdienste. Um einen Einblick zu bekommen, wie das funktionert, informiere man sich nur einmal über das COINTELPRO-Programm des FBI in den 60er und frühen 70er Jahren in den USA. Staatliche Dienste haben sowohl schon „linksradikale“ als auch „rechtsradikale“ Gruppen gar selbst gegründet, als Auffangbecken oder um diverse Operationen mit unwissenden Staatsbütteln umzusetzen.

      5. Festzuhalten bleibt nur eins: Wenn links fortschrittlich/emanzipatorisch für die Rechte der Unterdrückten kämpft und rechts bewahrend an den alten Herrschaftsverhältnissen festhält, wie es historisch nun einmal begrifflich geprägt ist, sind Antideutsche eines auf jeden Fall nicht: links. Denn sie feiern ja gerade kap. Nationalstaaten wie die USA. Und sie feiern inzwischen auch allgemein die westlichen Staaten wie ein Herrenvolk, dass den Moslems nur ihre Werte mit Bomben oder sonstwie implantieren müsse. Wer also am derzeit kollabierenden Kapitalismus (was in der Peripherie längst ersichtlich ist) festhält, ist schlicht nicht links, sosehr es auch als das bezeichnet wird. Im Übrigen bezeichnen Politik und Medien die Bahamas-Trolle als linksradikal. Sie selbst tun das schon lange nicht mehr. Sie nennen sich „Ideologiekritiker“ und agieren „gegen den linken Mainstream“. Sie räumen ja selbst ein, rechts zu stehen.

      Speziell zu den Antideutschen schreibe ich weiter oben in meiner Antwort auf „Axel“. Hab jetzt keine Lust, das zu kopieren. Kann jeder nachlesen.

    • Dem schliesse ich mich an.
      Besser als die vielen Anfeindungen gegenüber Frau Bonath bei KenFM-YouTube können nicht beweisen, dass sie auf gutem Wege ist.

      „Es geht nicht um Prinzipien, Ideologien und Systeme. Es geht nicht um Machtfragen. Es geht ums Leben“ K. Barth

    • Genau richtig. Einer ihrer vier besten Beiträge, meiner Meinung nach. Die neokonservative Transatlantifa wird platzen vor Wut. Diese Frau schreibt mit ihrem Kopf und mit ihrem Herzen gleichermaßen. Den Hass gegen jede Form von Gemeinheit und Ungerechtigkeit spürt man in jeder Zeile. Das Kronjuwel von KenFM und ich glaube, das ist ihm auch bewusst.

  4. Die „Linke“ ist mit Haut und Haaren
    vom globalistisch-neoliberalen Internationalen Kapital aufgesaugt
    und zerfällt nun in diesem Verdauungsapparat in ungeniessbare Stücke.

    Der Stephan Grigat betätigt sich bereits seit vielen Jahren, bevorzugt auf links-grünen Veranstaltungen
    als radikaler Kriegshetzer und befremdend konnte ich feststellen , dass es bei diesen Veranstaltungen in keiner Weise zu Kritik an dieser Kriegshetze kam .
    Und es waren „Altlinke“ , die sich unter „go free Syria“ als Kampfposter kaufen liessen und Kriegshetze gegen Syrien machten und es war z.B. der „links-liberale“ „der Standard“, der diesen Kampfpostern freie Bahn gab .
    Und es ist z.B. die linke „no border“ Bewegung , die durch propagieren der Massenzuwanderung die entscheidende Grundlage zur endgültigen Zerstörung des Sozialstaates gelegt hat .

    • Bei der CIA gab es die Vorgabe, bevorzugt die linken Medien zu unterwandern, weil man damit die Linken beeinflussen wollte. Schätze dasselbe ist auch mit (ehemals) linken Bewegungen geschehen. so gesehen ist Frau Bonats Definition von Links als humanistisch, sozial, friedlich, antikapitalistisch, gegen Hierarchien und undogmatisch wichtig, um „Spreu vom Weizen zu trennen“.
      Daran sollte man alle Organisationen und Bewegungen messen, dann hat die Einordnung von Links und Rechts wieder Sinn (rechts ist definiert als faschistisch, dogmatisch, machtgierig, engstirnig, totalitär, hierarchisch).

    • Ich denke, man sollte „links“ mit bestimmten politischen Werten verbinden. Nicht mit Personen oder Organisationen. Der italienische Faschismus kam doch auch von links. Und irgendwann, als diverse rote Linien überschritten waren, war er dann eben rechtsextrem. Das gleiche bei den Antideutschen, die das Lager gewechselt haben und nun in einer Reihe mit Gauland stehen.

    • Um es nochmal deutlicher und unmissverständlich zu sagen: Der Faschismus ist rechts und genau deshalb sind auch die Antideutschen rechts. Weil sie die selben „Werte“ teilen. Hass auf die sogenannte Unterschicht. Hass auf muslimische Migranten. Bewunderung für Staaten, die auf Schwachen rumtrampeln.

      Als Mussolini ein Faschist war, da war er rechtsextrem und nicht mehr links. Da haben seine Banden Streiks und Landbesetzungen niedergeschlagen. Im Interesse der Reichen. Das, was Rechte so tun.

  5. “ Historisch steht links, wer sich für die unterdrückten Schichten einsetzt. Wer gegen diese vorgeht und, bewusst oder unbewusst, die Arbeit der herrschenden Klasse erledigt steht rechts. “

    Das war so in guten alten Zeiten.
    Heute ist links und rechts ohne Bedeutung für mich.

    Links ist für mich offene Gesellschaft, Globalismus, gegen die eigene Kultur.
    Rechts ist Nationalismus, Kultur behalten.
    Rechts damit auch gegen EU, und manchmal, nur wenige verstehen wie verheerend der Euro ist, gegen Euro.
    Beide Seiten benimmen sich undemokratisch, viele wollen kein Dialog.

    Unser Mitglied Hiddema, im Parlement von FvD, durch viele gesehen als fascistisch und rassistisch, ging zu Fuss, er wohnt in der nähe in Amsterdam, nach eine Gruppe die ein Gebäude beschädigden mit Farbe und Steine, dort sollte eine FvD Versammlung gehalten werden.
    Ich bewundere seine Mut, er war allein.
    Er erklärte wer er war, und fragte warum sie das historische Gebäude beschâdigten.
    Keiner wollte mit ihm reden.

    • Wenn rechts und links ohne Bedeutung sind, ist es dann auch ohne Bedeutung, ob eine arbeitslose Mutter ihren Kindern am Ende des Monats noch was zu essen geben kann?

  6. Ultra-Kurzwelle , kurz FM , ist für alle Menschen mit Sehbehinderungen ein Hörerlebnis ! Dies scheint eine Lekltion zu sein , für alle die auf dem linken Auge blind sind . Let’s rock the boat , tough times are ahead ! Radio listeners worldwide unite !

  7. Finde den Artikel von Frau Bonath auch gut. Kenne mich zwar in Leipzig nicht aus, aber was sich in der durch die Friedensgebete weltberühmt gewordenen Stadt zu entwickeln scheint, ist sehr traurig. Der Möchtegern-Meinungsmacher Broder auch noch mitten drin … das kennen wir doch irgendwoher. Einfach eklig der Typ, der hat ja sogar Jakob Augstein schon einmal einen „lupenreinen Antisemiten“ genannt.

    • Ich bin aus Leipzig und was sich hier entwickelt hat, ist in der Tat sehr traurig. Rechtsradikale werden durch die Stadt gehätschelt aber gelten offiziell als „Linke“, um links zu diskreditieren. Und viel zu wenige leisten bisher dagegen Widerstand.

  8. Ich stimme Ihnen (endlich mal) 100% zu, Frau Bonath. ;o)
    Was hat alles dieses [redacted] von jenen Leuten vorgebrachte [redacted] gemeinsam?
    It’s #NotAnArgument
    Das ist herbeifabulierte Stimmungsmache, diesmal im Namen der Linken. Argumente beinhalten Fakten und Logik.

    Ist die Antifa eigentlich auch „links“? Wenn ja, so muss ich, frei nach dem Motto „An ihren Handlungen sollt ihr sie erkennen!“, schließen, dass die „linken“ das neue Braun sind..
    Herr Gellermann schreibt gleichzeitig was über die Nutzung der Massenmedien.. Irgendwer hat mir meine Schubladen im Kopf durcheinander geberacht. Was für ein Saustall hier [grummel].. Was ist heute nun links? Alles Nazi außer Sarah? Achnee, die is ja.. [wirrguck] ;o)

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