Tagesdosis 28.6.2018 – Deutschlands Verteidigung

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Deutschlands Verteidigung hat gestern versagt. Um das leidige Thema Fussball WM zu beenden, folgt keine Analyse des gestrigen Spiels, sondern die Zusammenfassung der Leistung und Einstellung der deutschen Mannschaft bei diesem Turnier in einem Wort: Arbeitsverweigerung.

Die Bild vermisste bei der deutschen Bevölkerung Fähnchen und nationalen Enthusiasmus. Bezogen auf ihre Arbeitsbedingungen, der Entlohnung, dem persönlichen Status eines jeden Spielers dieser deutschen Nationalmannschaft, war die Einstellung, die Umsetzung der vergangenen Tage und Wochen schlicht ein Schlag ins Gesicht, eines jeden Arbeiters, oder Arbeitnehmers, der mit wahrem existenten Druck täglich sein Dasein fristet. Über Jahre, ggf. Jahrzehnte, meist befristet und wohlwissend, dass er nach einem arbeitsreichem anstrengenden Leben, ein paar Taler und Gutscheine zum Rentendasein erhalten wird.

Deutschlands Verteidigung sei in Gefahr, heißt es, liest man. Im April informierte die Welt: Der ursprüngliche Haushaltsplan des früheren Finanzministers Wolfgang Schäuble (CDU) sah vor, dass der Verteidigungsetat von 37 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 42,4 Milliarden Euro im Jahr 2021 steigen soll. Im Koalitionsvertrag vereinbart wurden 250 Millionen Euro extra pro Jahr für die Truppe(1). Doch wozu diese Investitionen, wo lauert der Feind? Die Kriegsministerin von der Leyen erklärt dem unmündigen Bürger: …die zusätzlichen Mittel seien zwingend notwendig: «Es geht um die Zukunftsfähigkeit unserer Bundeswehr und die Verlässlichkeit Deutschlands gegenüber unseren engen Partnern.»(2). Übersetzt heißt das, überlasst das mal schön uns. Wir werden euch schon früh genug informieren, wann und gegen wen wir in den Krieg ziehen werden.

Deutschland sei generell in Gefahr und muss verteidigt werden. So sprechen und denken immer mehr Menschen in diesem Land. „Man muss natürlich darüber sprechen, dass es den Missbrauch des Asylrechts gibt. Dann muss man natürlich sagen, die Folge kann nur sein: Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung. Alles andere wird keine Akzeptanz in der Bevölkerung finden.“. Nein, kein aktueller Facebook Beitrag von Alice Weidel, keine Kolumne von Horst Seehofer in der Süddeutschen, sondern ein Redebeitrag von Kanzlerin Angela Merkel aus dem Jahre 2004(4). Woraus resultierte diese Kehrtwendung, einer prinzipiellen unabdinglichen aktuellen Politik der Kanzlerin?

Schlussfolgernd, sollten etwaig die Bürger vor Politikern geschützt, verteidigt werden? Ein deutsches Sprichwort lautet: Gier frisst Hirn. Machtgier frisst politische Inhalte und Glaubwürdigkeit. Die momentane Stimmung in unserem Land dient hauptsächlich einer Partei, der AFD. Sie weiß Tendenzen zu nutzen und entsprechend bei ihren Anhängern mit einem Kernthema zu punkten. Seit einem halben Jahr ist die AfD Teil des Deutschen Bundestags. Dort kann sie Anfragen stellen, auf die die Bundesregierung antworten muss. Eine Statistikerhebung über alle kleinen Anfragen der AfD in der bisherigen 19. Wahlperiode wurde aktuell ausgewertet (es sind 235 Anfragen). Diese wurden dann mit den Anfragen der anderen Oppositionsparteien (FDP, Linke und Grüne) verglichen (insgesamt 975 Anfragen).

Das Ergebnis: Etwa jede zweite AfD-Anfrage stellt Bezüge her zu den Themen Migration oder Integration (45 Prozent). In den Bereichen Innere Sicherheit, Kultur oder Europapolitik sind Migrationsbezüge besonders häufig. Auch in Bereichen, in denen das Thema sonst kaum eine Rolle spielt, bezieht sich die AfD häufig auf Zuwanderung, zum Beispiel beim Thema Gesundheit. In den Bereichen Wirtschaft, Arbeit, Bildung oder Gesundheit stellt die AfD wesentlich weniger Anfragen als alle anderen Fraktionen(5). 

Berechenbares Kalkül, oder glaubwürdige Umsetzung gesellschaftlicher Notwendigkeit? Schaut man sich die Ergebnisse und die Entwicklung oppositioneller Parteien der letzten Jahrzehnte an, muss die Frage erlaubt sein, woher die AFD Wähler die Gewissheit nehmen, dass sich diese Partei von den anderen unterscheiden wird, sobald die Macht zu regieren erreicht wurde? Weder die Grünen, die Linke, geschweige denn SPD und FDP haben den Wechsel aus der Opposition in die Machtposition zum Wohle der Bürger genutzt. Woran machen die AFD Wähler fest, dass diese Partei dieses Land glaubwürdig verändern wird, verändern will? Ihre Interessen, Nöte, Sorgen ernst nimmt und einen wirklichen Politwechsel initiieren wird?

Die Deutschen selber müssen sich gegen die Gefahr, die Angreifer, aus den eigenen Reihen verteidigen. Dies sollte so langsam bitte erkannt werden. Es ist die Politik der Herrschenden, der Mandatsträger, der Lobbyisten, der Monopolindustrien, die dieses Land zerstören, kaputt machen. 2012 informierte das Handelsblatt(6): Deutsche Waffen sind begehrt. 2011 wurden zwar weniger Kriegswaffen verkauft, aber mehr Exportgenehmigungen erteilt, vor allem in arabische Länder nahm die deutsche Rüstungsindustrie vergangenes Jahr 1,285 Milliarden Euro mit dem Verkauf von Panzern, Kriegsschiffen oder Maschinengewehren ein. Im Jahr davor war noch ein Rekordwert von 2,1 Milliarden Euro erzielt worden. Zugleich wurden 2011 aber Einzelausfuhren für Rüstungsgüter im Wert von 5,414 Milliarden Euro genehmigt, 13,9 Prozent mehr als 2010.

Stellen diese rollenden Exporte eine vermeintliche Sicherung des Standortes Deutschland, so behalten sie aber auch ihren Anteil an der vermeintlichen Invasion von Rollkoffern aus Krisengebieten. Wo andere Industriezweige zwecks Gewinnmaximierung das Land verlassen, die Deutschen im Stich lassen, soll diese Industrie nur zum Wohle des deutschen Arbeiters dienen. Eine wahrlich tödliche Argumentation.

Ursache und Wirkung, oder Versuch und Irrtum sind die jeweilige Maxime, sollten in in einer ruhigen Minute in Betracht gezogen werden, bei der Entscheidung einer politischen Wahl. Bei der Verteidigung individueller persönlicher Interessen.

Quellen

(1) https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/afxline/topthemen/article175702250/Neue-Waffen-fuer-die-Bundeswehr.html
(2) https://www.zeit.de/news/2018-04/23/bundeswehr-soll-neue-waffen-bekommen-180423-99-06305
(3)https://www.facebook.com/aliceweidel/photos/a.1063313067013261.1073741828.1061322973878937/2023321657679059/?type=3&theater
(4) https://www.youtube.com/watch?v=PMkKz6laAGo
(5) https://mediendienst-integration.de/artikel/auf-welche-themen-setzt-die-afd.html
(6) https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/waffenexporte-270-leopard-panzer-fuer-saudi-arabien-100-fuer-indonesien/7387092-2.html?ticket=ST-549027-FeV1sgqhuPusU32FEQ0W-ap2

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8 Kommentare zu: “Tagesdosis 28.6.2018 – Deutschlands Verteidigung

  1. „Deutschlands Verteidigung hat gestern versagt“ – Damit beginnt dieser Text.

    In einem früheren Post habe ich mal geschrieben, es sei wichtig, die Pläne zu erschließen, die gewisse westliche Eliten haben und die sie auf uns, die europäischen Menschen, v. a. die Deutschen, anwenden – so ungefähr.

    Der Satz oben fügt sich wie ein Puzzle-Teil in dieses Gesamtbild eines Planes ein, der sich mir erschließt durch Schlagworte, durch politisches Handeln unserer Eliten, durch EU-NATO-und UNO-Beschlüsse, durch Aussprüche von angelsächsischen „Philosophen“, durch Verhalten von NGOs und viele andere „Puzzle-Teile.“ Man muss sie zusammensuchen, dann ergibt sich der Gesamtplan.

    Ich liefere Ihnen hiermit einige „Puzzle“-Teile, vielleicht geht Ihnen dann der Plan auch auf:

    “Deutschlands Verteidigung hat versagt;“ „Die Mannschaft“, „Farben der deutschen Flagge nicht mehr auf Trikot“, „Offene Gesellschaft“, „Kollektivschuld“, „mono-ethnische Kulturen zerschlagen“, „Migrationswaffe,“ „alternde Gesellschaft“, George Soros, Ansichten Peter Sutherlands und Frans Timmermans;

    http://theosophische-gesellschaft.org/C121/unsere-ziele.htm
    Schon das erste Ziel ist: „Den Kern einer allgemeinen, die ganze Menschheit geistig umfassenden Bruder- und Schwesternschaft zu bilden jenseits aller Grenzen von Nationalität und Hautfarbe, Glaubensbekenntnis, Stand und Geschlecht“

    Okkulte Ideen von Alice Bayley sollen in die Verfassung der UNO eingeflossen sein: https://www.youtube.com/watch?v=uJ1caVV_8xk
    Ab ca. 20:53 geht es los mit den prägenden Personen: Alice Bayley, Dr. Robert Muller

    Dann gab es Coudenhove Kalergi und seine Paneuropäische Bewegung: https://www.youtube.com/watch?v=Ut-Yjn-PlZA&t=139s
    Paneuropäische Bewegung, in Europa soll, seinem Willen nach, eine neue hellbraune Misch-Rasse entstehen, die von einer aristokratischen Elite geführt wird;
    Und dann gab es noch den darwinistischen, imperialistischen Vordenker Brooks Adams: „The Law of Civilization and Decay“ Er trat für den Aufbau eines zentralisierten und auf Effizienz hin organisierten Staates ein sowie für einen expansiven Imperialismus. Er glaubte, dass Nationen auch einen Aufstieg und einen „Decay“ hätten, so wie Menschen Jugend, mittleres Alter und Greisenalter hätten. Der Niedergang einer Kultur trete ein, wenn eine hoch zentralisierte Gesellschaft sich unter dem Druck des wirtschaftlichen Wettbewerbs aufzulösen beginne; dann seien ihre Energien erschöpft, und nur durch die „Infusion barbarischen Blutes“ könne sie sich verjüngen.“ (Zitat aus Markus Osterrieder: Welt im Umbruch, S. 1218. Das Wort „barbarisch“ ist nicht meine Meinung, sondern war die von Brooks Adams. Erinnern Sie sich bitte an die Warnung von Wolfgang Schäuble vom Juni 2016, in der er Europa davor gewarnt hat, durch „Inzucht“ zu degenerieren; Wenn da mal nicht die darwinistischen Thesen eines Brooks Adams hindurchklingen. : Schäuble soll übrigens in der Loge „Joseph de Maistre“ sein, das soll eine ziemlich reaktionäre Loge sein – so wie Joseph de Maistre eine strenk hierarchisch gegliederte Ständegesellschaft befürwortete.

    Dann gibt es noch Thomas Barnett und Kelly M. Greenhill und ihre Untersuchung über Migrationsbewegungen, die gezielt eingesetzt wurden, um Länder zu destabilisieren…

    Ziehen Sie selbst Ihre Schlüsse aus diesen „Puzzle-Stücken“, die ich Ihnen geliefert habe.

    Aber am deutlichsten drückt es Willy Wimmer aus, was der Plan ist:
    https://www.cashkurs.com/wirtschaftsfacts/beitrag/wunderwaffen-vor-dem-einsatz/

    „Das deutsche Volk hat den begründeten Eindruck, dass all das, was auf diesem Feld geschieht, nur einem Zweck dient: die Zahlen der Migration nach Deutschland sollen zur Zufriedenheit des von den Vereinten Nationen betriebenen „sozialen Experimentes“ der Umgestaltung einer Gesellschaft so nach oben getrieben werden, dass der Charakter und die ethnische Eigenart des deutschen Volkes nicht mehr wiederzuerkennen ist.“

  2. von einer deutschen Nationalmannschaft zu sprechen, heißt die Realität negieren.
    National ist Nazi und darum heißt die Mannschaft auch nur noch „Die Mannschaft“.
    Es gibt auch die Nationalfarben „Schwarz-Rot-Gold“ nicht mehr im Trikot und dieses Bekleidungsstück ist so farblos wie der Auftritt der sogenannten Spieler, die doch nur den Rasen betreten haben.
    Am 16. Mai hatten die Stuttgarter Nachrichten einen anschaulichen Beitrag zur Situation der Spieler türkischer Herkunft und des Trainers. Özil, Gündoan und Löw haben den selben Manager, Harun Arslan.
    Ich zitiere mal aus dem Beitrag:
    „Der türkischstämmige Arslan betreibt in Hannover die ARP Sportmarketing GmbH, die gemeinsam mit der Kooperationsfirma Family & Football die Klienten betreut. Und zu diesen Klienten gehören neben Joachim Löw auch Ilkay Gündogan und Mesut Özil. Als Berater arbeiten dort auch Ilhan Gündogan, der Onkel von Ilkay Gündogan, sowie ­Mutlu Özil, der Bruder von Mesut Özil. “ Zitat Ende.
    Emre Can, sonst immer im Team, wurde nicht mitgenommen. Er hat einen anderen Manager! noch Fragen?

    Schon die Spiele nach der Qualifikation, wurden verloren, soweit ich mich erinnere.
    Die 2 Testspiele vor der WM zeigten schon die trainierte Spielweise, wie verhindert werden sollte über die Gruppenphase hinaus zu kommen.
    Toni Kroos, dieser Schlingel, schießt ein Traumtor in der 95. Minute gegen Schweden. Das war nicht geplant und hätte fast das Weiterkommen bedeutet. Dies konnte aber „Die Mannschaft“ erfolgreich verhindern.
    Jede Tip-Kick-Spielfigur hat mehr Temperament, als die gestrige Gurkentruppe. Standfußball, hin und her oder alternativ der Rückpaß und blöd nur, daß Herr Neuer auch noch die beste Möglichkeit für den Gegner vereitelte.
    Doch dann lief alles nach Plan, auch die Krokodilstränen ließen den rasen feucht werden.
    Am 19. Juni schrieb Peter Haisenko im Blog „AnderweltOnline.com“ einen Beitrag zur WM und warum Deutschland nur die Gruppenspiele macht, und bezeichnete ihn mit einem Augenzwinkern als Verschwörungstheorie. Er traf trotzdem mit seiner Prognose den Nagel auf den Kopf.
    Zufall oder nicht oder doch die Umsetzung seitens der Mannschaft, was von höherer Stelle angeraten wurde, nur die Gruppenphase zu spielen und dann nach Hause fahren. Der dumme Fußballfreund aus Deutschland vergißt schnell, spätestens nach dem nächsten Sieg, denn eine EM oder WM im Fußball wird es in Rußland nicht mehr geben, denn die jetzige Veranstaltung wird immer negativ konnotiert sein, mit Rußland wo man ja ach soooo unglücklich ausschied.
    Wäre ja auch im Sinne der Propaganda schlecht in Rußland ein positives WM-Märchen erlebt zu haben, wo doch die Kanzlerin im Grunde ihres Herzens Rußland nicht leiden kann und der Bundesjogi fest an ihrer Seite steht.
    Selbst bei so einer Farce muß man sich fragen: wem nützt es?

    • Schöne Theorie, Tarzan.
      Ich bin aber eher der Meinung das bei „Die Mannschaft“ eher die Betonung auf das „DIE“ gelegen wurde.
      Die Marketingstrategen wollten wohl „das Besondere“ dieser Mannschaft hervorheben.
      Aber auch hier hat die Werbung mehr versprochen als das Produkt.
      Aber überall was „Antideutsches“ zu vermuten kann man manchen halt nicht ausreden.

    • Frei nach Herrn Ganser, „Denken sie jetzt nicht an einen Fußball:

      Brot und Spiele: Die Abgründe des kommerzialisierten Fußballbetriebes
      23.10.2017 • 10:52 Uhr

      Paris Saint-Germain legt 222 Millionen Euro für einen jungen Brasilianer hin. Doch das Fußballvolk, gierend nach Unterhaltung jeder Art, trägt seine bitter verdienten Groschen in die Arenen der Kommerzballgesellschaften und ihrer herangezüchteten Gladiatoren.

      von Flo Osrainik

      Was zu viel ist, ist zu viel. Und 222 Millionen Euro Ablöse bei einem Gehalt von rund 100.000 Euro – nicht im Jahr, am Tag – für einen jungen Brasilianer namens Neymar, der unter anderem schon eine Luxusjacht im Wert von 8 Millionen US-Dollar, zahlreiche Luxuskarossen, Immobilien oder Diamantohrringe besitzt, sind zu viel, auch wenn er den Ball unendlich lange danteln oder schnell wie der Blitz damit rennen kann. So ungefähr meint das jedenfalls Uli Hoeneß, der sich selbst mit dreistelligen Millionenbeträgen und Balldantlern auskennen sollte.
      (…)
      Multimillionäre in den Weltstädten, Sklaven auf Katars Baustellen

      Aber ganz offensichtlich sieht man das weder in Paris noch bei den unterhaltungsbedürftigen Zuschauern des durchkommerzialisierten Fußballs in Resteuropa so. Auch ein frei von Moral handelnder Investor wie Nasser Al-Khelaifi wird dem nichts abgewinnen können. Der katarische Präsident von Paris Saint-Germain dürfte in den Pariser Banlieues womöglich genauso wenig soziale Missstände erkennen wie ein Franz Beckenbauer in Katar Sklaven auf den Baustellen für die Fußballweltmeisterschaft der FIFA.

      Kann sein, dass sich der „Kaiser“ vor Ort nur von Geschenken seiner Gastgeber blenden ließ. Vielleicht wusste Beckenbauer auch nicht, dass Sklaven in absoluten Monarchien wie in Katar keine Eisenketten mehr tragen, denn heute gibt es Bankkonten, die einfach leer bleiben können. Auch müssen moderne Gladiatoren keinen Tod mehr fürchten und dürfen sich nach Eintritt des Rentenalters, also spätestens mit Ende 30, den Kopf darüber zerbrechen, was mit der restlichen Lebenszeit anzufangen ist.

      Der Zusammenhalt der Sklaven, Lohnsklaven oder auch Arbeiter wurde jedenfalls schon früh, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, aufgebrochen, indem man die anfangs erfolgreichen Interessenvertretungen der Arbeiter zerschlug. Dafür begann man früh, Werkklubs zu gründen. In Deutschland zum Beispiel bei Bayer, Wacker, Carl Zeiss, Volkswagen und Opel. International war Gleiches etwa bei Royal Arsenal (FC Arsenal), Lancashire and Yorkshire Railway (Manchester United), Philips (PSV Eindhoven), Pommery (Stade de Reims), Peugeot (FC Sochaux) oder Parmalat (AC Parma) der Fall. Auch entstanden zahlreiche weitere Werksteams in West- und Osteuropa (Zenit Sankt Petersburg, BATE Baryssau, Schachtar Donezk) und in anderen Teilen der Welt, ob in Asien (Urawa Red Diamonds, Sanfrecce Hiroshima), Südamerika oder Afrika, um ein Identitätsgefühl gegenüber dem Konzern und gegen andere Arbeiter herzustellen.

      Verkehrte Welt: Löhne wandern in Trikots und Arena-Besuche

      Mit Propaganda, wegen der Begeisterung der Nazis für diese Methode der Meinungsmache später in Öffentlichkeitsarbeit (PR) umbenannt, hat man es dann auch geschafft, die Interessen der breiten Arbeiterschaft dahin zu steuern, dass diese ihre Wochenlöhne für Tickets und Trikots der millionenschweren Gladiatoren ausgibt, um die Logos von Konzernen Spazieren zu tragen und obendrein in Scharen sogar zu den Auswärtsspielen in die Arenen zu pilgern. Und das selbst dann, wenn die Leute dafür kreuz und quer über den Kontinent reisen müssen.

      Wen stört da schon der an maximale Ungerechtigkeit grenzende Umstand, der einem Jungkicker im Schlaf mehr Geld beschert als manch ein Baustellensklave fern der Heimat und Familie unter der glühend heißen Sonne Katars in seinem ganzen Arbeitsleben zusammenbuckeln könnte?

      Bleiben etwa die Ränge bei Spielen der ersten Ligen in Frankreich, Spanien, England, Deutschland oder Italien, gar der Champions League, leer, die Regale in den Fanshops voll und die Fernsehgeräte aus? Nein! Und das, obwohl schon die Gehälter der Mannschaftskollegen des 25-jährigen Neymar oder auch der Hintermänner dieser ganzen Sportinszenierungen nichts weiter als Hohn und Spott für jeden ehrlich und hart arbeitenden Menschen sind.
      Wie sich Fußballklubs prostituieren

      Wen juckt es, dass sich Konzerne und Oligarchen ihren ganz persönlichen Fußballverein gleichsam als Kurtisane besorgen, um diese als Kapitalgesellschaft auf den Strich zu schicken oder sie für ihre private Liebhaberei zu vergewaltigen? Sie gehen das Ganze nicht einmal sportlich mit einem Neustart in der letzten Liga an, um sich durch den Amateursumpf nach oben zu spielen.
      (…)
      Götzendienst und Widerstand

      Für den Psychologieprofessor Rainer Mausfeld von der Christian-Albrechts-Universität Kiel führt eben jener gedankenlose Konsumismus, sich von irgendeinem Event belustigen zu lassen und in der anonymen Masse unterzugehen, zu einem Identitätsverlust, einer unersättlichen Gier nach verschiedenen Formen von Falschidentitäten, die mit der eigenen Lebenswelt nicht viel zu tun haben und durch belanglose Unterhaltung, durch Plattformen wie Facebook und vermeintliche Stars und Sternchen, gefördert wird. Wie sagte doch Albert Einstein:

      „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“

  3. Anbei ein Beitrag von Herrn Kirner:

    Kollektiver Realitätsverlust
    Veröffentlicht von LZ ⋅ 17. Juni 2018
    von Florian Ernst Kirner – http://www.rubikon.news

    Wird „Die Linke“ je zu der kämpferischen, fortschrittlichen Organisation werden, die wir so dringend benötigen? Der Parteitag gibt kaum Anlass zur Hoffnung. Beide Hauptflügel der Partei sind zerrupft und lahm.

    Es ist schon eine rechte Strafe, über den Parteitag der LINKEN in Leipzig schreiben zu müssen. Denn jeder Blick, den man in das Innenleben dieser Partei tut, offenbart: es ist ja noch schlimmer, als man befürchtet hatte!

    Schadenfreude kommt dabei absolut nicht auf, zumindest nicht bei mir. Denn ich wüsste kaum etwas, das diesem Land in dieser Zeit besser täte, als eine kämpferische, entschlossene, durch und durch rebellische, funktionierende Organisation der Linken, der Arbeiterbewegung, des fortschrittlichen Lagers, wie auch immer. Eine Partei, die echter Theoriearbeit und einer tiefgehenden Analyse der Weltverhältnisse als Plattform dient. Die aber zugleich der Ort ist, an dem sich die besten Kämpfer für höhere Löhne, für Umweltschutz, für gleiche Rechte, gegen Rassismus, für Frieden und gegen die Machenschaften des Tiefen Staates sammeln und wirkungsvoll organisieren.
    (…)
    Migration: die globale Realität

    Tatsächlich blieb die offenbare Mehrheitsforderung nach „offenen Grenzen“ völlig abstrakt. Und sie wird absurd, wenn man sich klarmacht, dass die auf dem Parteitag permanent angeführten „64 Millionen Menschen“, die vor Krieg, Folter, Ökokatastrophe und politischer Unterdrückung fliehen, nur einen Bruchteil der eigentlichen globalen Wanderungsbewegung ausmachen.

    Diese nämlich besteht darin, dass sich in etwa ein Drittel der Weltbevölkerung in den kommenden Jahrzehnten von den Dörfern in Städte und von der Peripherie in die Metropolen bewegen wird. Dieser Prozess findet natürlich mit der größten Wucht in China, Indien, Brasilien oder in jenen Ländern Afrikas statt, die das anhebende Wirtschaftswachstum auf dem schwarzen Kontinent bereits erfasst hat.

    Aber im Zeitalter globaler Mobilität zu Land, zu Wasser und in der Luft und eines transnationalen Kapitalismus wird dieser gewaltige Prozess selbstverständlich auch die Metropolen Europas erfassen und hat es längst getan – zumal wir auch hier eine ähnliche Dynamik haben: die Ballungsräume wirken wie riesige Staubsauger, die immer noch mehr Menschen, Kapital, Infrastruktur, Wissen, Institutionen und Wirtschaftskraft ansaugen. Dem stehen weite Landstriche gegenüber, die, wenn überhaupt, dann nur noch eine Bedeutung als Agrarwüsten der industriellen Landwirtschaft oder als touristische Zielzonen und Erholungsgebiete der Städter haben.

    Wir stehen somit vor einer riesigen Herausforderung, die weit über die im Maßstab einer Menschheitsfamilie von 7,5 Milliarden Mitgliedern eher nicht so sagenhaften 64 Millionen Flüchtlinge hinausgeht. Und dieser Herausforderung ist weder mit blumigen Forderungen nach „offenen Grenzen“ beizukommen, noch mit neuen Mauern und einem „verbesserten“, also unmenschlichen Grenzregime. Auch diese Maßnahmen werden sich als hilflose Symptomdoktorei erweisen.

    Gefordert wären: kluge, weitsichtige Konzepte, die diese in der Hauptsache durch die wirtschaftliche Dynamik der Entwicklungsländer ausgelöste Wanderungsbewegung in einigermaßen kontrollierbare Bahnen steuern, die aber auch gegensteuern, indem sie ländliche Bereiche und die globale Peripherie aufwerten und für alte und neue Bewohner attraktiver machen.

    Hierfür und zum Management der unweigerlich stattfindenden Migration braucht es einen handlungsfähigen Staat und kompetente Institutionen, die effektive Instrumente für eine erfolgreiche Integration von Zuwanderern in den jeweiligen Zielstaaten organisieren. Und selbstverständlich kann alles das nur gelingen, wenn es eine vernünftige und menschenwürdige Regulation der Migration gibt. Und damit diese Regulation gelingt, sind Fragen von Krieg und Frieden, Ökokatastrophe, Zugang zu sauberem Trinkwasser weltweit, entscheidend. Reine Ablenkung stellt dagegen eine illusorische, und in der Praxis gnadenlose Politik der Abschottung dar – aber auch eine Politik des komplett unkontrollierten Zugangs ist illusorisch und stellt letztlich eine Form der Politikverweigerung dar.

    Die Lösung ist weder die totale Kontrolle noch der totale Kontrollverlust, sondern eine pragmatische, lösungsorientierte Herangehensweise, selbstverständlich auf der Basis humanistischer Prinzipien.
    (…)
    Albrecht Müller hat nun einen Artikel mit dem Titel geschrieben: „Rätselhafte Fragenattacke nach der Rede von Sahra Wagenknecht – des Rätsels Lösung: auch die Linkspartei ist fremdgesteuert“.

    In der Tat lag die Parteitagsregie fest in der Hand der alten und neuen Parteivorsitzenden Kipping und Riexinger. Dass etwa Wagenknechts Rede zu einem Zeitpunkt angesetzt war, zu dem Phoenix den Parteitag gerade nicht live übertrug, wird man nicht für einen Zufall halten wollen.
    (…)
    Das Problem an Müllers Artikel ist nun seine außerordentliche Angreifbarkeit aufgrund der völligen Abwesenheit irgendeines nennenswerten Belegs für seine Behauptung. Man mag nun finden, dass es solcher Belege auch nicht bedürfe. Wer auch nur die leiseste Ahnung vom Treiben der Geheimdienste hat, wird auch ohne konkrete Beweise davon ausgehen, dass Gewerkschaften, Parteien, die meisten NGOs und Bewegungen nicht nur ausgiebig überwacht, sondern auch bis zu einem gewissen Grad mit Leuten durchsetzt sind, deren Aufgabe die Zersetzung systemgefährdender Zusammenhänge ist.

    Wenn man sich den innerparteilichen Krieg der LINKEN über die Jahre ansieht, braucht es nicht viel Fantasie, sich auch hier solche Eingriffe vorzustellen. Wer allerdings die deutsche Linke kennt, weiß auch, dass dieses ewige Hickhack seit jeher tief in ihrer Kultur verankert ist. Schon zu Marx und Engels Zeiten waren die Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Führern der Arbeiterbewegung von ausgesuchter Bösartigkeit – allerdings war das geistige Niveau unermeßlich höher…
    (…)
    Trotzem hat Albrecht Müller natürlich recht, wenn er schreibt:
    „Sie werden das Verhalten von Joschka Fischer, von Fücks, von Gysi, von Kipping und vielen mehr nicht erklären können, wenn Sie die Möglichkeit der Fremdbestimmung ausschließen.“
    Aber was für Fischer und Fücks gilt, gilt eben nicht für Johannes Häfke, und mir scheint dieser ganze Erklärungsansatz insgesamt wenig hilfreich, die Misere der LINKEN zu verstehen.

    Auch die Bolschewiki hatten ihre gesamte Geschichte hindurch mit der Infiltration ihrer Parteiorganisation durch den zaristischen Geheimdienst Ochrana zu kämpfen. Jede Organisation, die wirklich fundamentale Veränderungen herbeiführen will, wird sich mit diesen Machenschaften herumschlagen müssen. Will sie erfolgreich sein, muss sie es trotz dieser Manöver sein und nicht darauf warten, dass das alte System eines schönen Tages aus freien Stücken die Bahn freigibt.

    Insofern ist es legitim und hilfreich, den Blick für derlei Möglichkeiten der gezielten Zersetzung zu schärfen. Wer Geheimdienstmachenschaften rundweg ausschließt, ist naiv.
    https://linkezeitung.de/2018/06/17/kollektiver-realitaetsverlust/

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