Tagesdosis 28.8.2017 – Der Staat macht seine Widersacher mundtot

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Das Verbot der Internetplattform »linksunten. Indymedia« wird vielfach bejubelt. Doch bei aller Kritik: Gegen wen geht es wirklich und war das Vorgehen nur der Auftakt für weitere Repressionen?

Sieben Wochen nach dem G20-Gipfel in Hamburg hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière zum Schlag gegen Linke ausgeholt. Der CDU-Mann, dessen mögliche Verwicklungen in den Sachsen-Sumpf nie aufgeklärt wurden, hat mit »linksunten.indymedia« eine der wichtigsten Plattformen der Szene verboten. Springers Welt bezeichnete das Portal als »Hassmaschine gegen Staat und Polizei«.

Der Jubel durchdrang nicht nur Politik und Medien. In der Tat: »Linksunten« war in mancher Hinsicht zu kritisieren. Jeder konnte anonym etwas auf der Seite verfassen. Viele Autoren scherten sich wenig um das Presserecht. Hier und da fanden sich  Aufrufe zu Angriffen auf Jobcenter, Bundeswehr- oder Polizeiautos. Linke Demonstrationen wurden angekündigt, diverse Bekennerschreiben tauchten auf.

Einmal waren eine Zeitlang zum Beispiel Adressen von AfD-Politikern auf der Seite zu finden. Allerdings hatten die dort Geouteten, die sich immerhin kraft ihrer Funktionen selbst einer gewissen Öffentlichkeit ausgesetzt hatten, zuvor auch nicht gerade friedlich gegen bestimmte Menschengruppen agiert. Trotzdem muss ein Kampf gegen politische Gegner anders ausgetragen werden. So weit, so gut.

Die andere Seite ist: Auch zahlreiche gut recherchierte Analysen und Berichte waren dort zu finden. Autoren deckten etwa die Zusammenarbeit von sächsischen Polizisten mit einer Neonazikameradschaft auf. Chats wurden veröffentlicht, in denen Beamte NPD-Größen und militante Faschisten vor Einsätzen warnten und Interna ausplauderten. Das rief sogar die Staatsanwaltschaft auf den Plan, gegen Polizisten zu ermitteln.

»Linksunten« nur eine Plattform. Dass jeder erst einmal ungeprüft alles verfassen konnte, hatte Vor-, aber auch viele Nachteile. Neben Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten, Linksautonomen tummelten sich dort zuweilen auch sogenannte »Antideutsche«. Zwar verkaufen sich diese als »links«. Doch bereits ihre proimperialistische Ausrichtung und die Verteidigung des kapitalistischen Systems führt dies ad absurdum. Selbst Neonazis versuchten dort mehrfach, der »linken Szene« diverse Taten unterzuschieben.

Das Gemetzel kennen wir von Facebook. Hetzjagden gegen politische Gegner oder unliebsame Menschengruppen in weit schlimmerem Ausmaß sind dort keine Seltenheit. Viele nutzen das Netzwerk für Aufrufe zu Aktionen. Hassplattitüden finden sich dort genauso wie gute, differenzierte Beiträge. Käme einer deshalb auf die Idee, Facebook zu verbieten? Im Gegenteil: Das Geschrei wäre riesengroß.

Man muss tiefer schauen, was de Maizière und seine Politikfreunde damit bezwecken. Wollte man Verstöße gegen Pressestandards ahnden, müsste man solche für das gesamte Internet einführen. Unmöglich. Zweitens hätte man in Einzelfällen gegen die Betreiber viel früher vorgehen können. Ist man aber nicht.

Hinzu kommt: De Maizière hatte das Verbot offenbar mit einer Lüge untermauert. Er hatte behauptet, die Polizei habe bei den Betreibern »Messer, Schlagstöcke, Rohre und Zwillen« gefunden. Wie »Netzpolitik.org« am Wochenende unter Berufung auf das Innenministerium indes berichtete, stammten die Gegenstände aus seinem selbstverwalteten Kulturtreff in Freiburg. In dem ehemaligen Betriebswerk der Deutschen Bahn sollen Dutzende Räume frei zugänglich gewesen sein.

Es geht um mehr. Es geht darum, ganz bestimmte Ansichten zu unterdrücken. Ansichten, die das kapitalistische System und das Gewaltmonopol seines bürokratischen Verwaltungsapparats in Frage stellen. Ansichten, die Springers Welt »Hassmaschine gegen Staat und Polizei« nannte. De Maizière sagte, »linksunten.indymedia« sei »die bedeutendste Plattform für gewaltbereite Linksextremisten in Deutschland«. Mit »linksextrem« meint der frühere Sachsen-Sumpf-Minister ganz sicher nicht die kapitalismus- und staatsfreundlichen »Antideutschen« sondern ihren Gegenpart: Antikapitalisten.

Unabhängig von aller angebrachten Kritik an dem Portal bleibt ein Schlag gegen die freie Äußerung der Meinung übrig. Es bleibt ein Schlag gegen Organisierung, gegen Mobilisierung, gegen Vernetzung und Gegenwehr gegen Krieg, Unterdrückung, Armut, Ausbeutung. So entledigen sich die Repressionsorgane des Staates ihrer Widersacher. Widersacher ist nun mal, wer die kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse in Frage stellt.

Es bleibt abzuwarten, wer oder was als nächstes verboten wird. Zu befürchten ist: Die Schläge gegen jeden Widerstand von unten werden zunehmen. Es herrscht Klassenkampf – von oben.

+++

Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

Alle weiteren Beiträge aus der Rubrik „Tagesdosis“ findest Du auf unserer Homepage: hier.

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen

12 Kommentare zu: “Tagesdosis 28.8.2017 – Der Staat macht seine Widersacher mundtot

  1. Das Verbot der Internetplattform »linksunten. Indymedia« wird vielfach bejubelt. Doch bei aller Kritik: Gegen wen geht es wirklich und war das Vorgehen nur der Auftakt für weitere Repressionen?
    ——-
    Ich kannte diese Plattform bis jetzt nicht, und da sie ja nun verboten wurde, werde ich sie ja nun auch nicht kennen lernen.

    Schade, da hätte man bei KFM auch mal einen Hinweis machen können. Schau doch da mal rein.
    So schreibe ich jetzt über etwas, was ich nicht wirklich beurteilen kann.

    Aber wenn es tatsächlich Gewaltaufrufe dort gegeben hat, habe ich durchaus Verständnis dafür, diese Plattform zu unterbinden.

    Was soll da bei raus kommen, wenn sich gewaltbereite Mitmenschen gegenseitig bestätigen und eventuell sogar zu Gewalttaten verabreden.

    Die andere Frage ist, werden gewaltbereite Menschen von staatlichen Stellen unterstützt,
    zB über V-Männer, um dann einen Vorwand zu haben, noch mehr Überwachung zu rechtfertigen.

    Und daraus folgt die zweite Frage, warum will der Staat den Bürger eigentlich so engmaschig überwachen.

    Ist der Volksvertreter wirklich mein Vertreter, oder ist er mein Gegner.

    Bei letzterer Erkenntnis, bin ich wieder am Anfang, und bin für oben genannte Plattform, in der auch zum bewaffneten Kampf aufgerufen wird.

    Ein Paradoxum.

    • geachtete/r Herr/Frau Socke,

      ja es ist schon eine Plage mit der ‚Gewalt‘ ..da hat man uns jahre eingetrichtert das ALLES aber nur KEINE Gewalt-ding doch so hilfreich is..am besten á la Gandhi.
      Gewalt kennt allerdings viele Gesichter und damit ist der ‚gewaltfreie‘ Widerstand eine Absurdität die sogar hier auf KenFM leider oft auch vertreten wird.
      Wenn am Wochenende 100 000 Menschen nach Rammstein gehen ist das eine GEWALT die sich da in Bewegung setzt.
      Wenn ich aufstehe und den Neonazis ins Gesicht sehe, ist es ein Ausdruck meiner Gewaltbereitschaft ihre Anwesenheit und Ansichten nicht zu tolerieren.
      Wenn ich meinen Willen kund tue ist es immer Gewalt, weil ein anderer Wille dagegen steht.
      Was Sachbeschädigung, Köperverletzung usw angeht ist es eine ganz andere Geschichte und soll dann aber bitte auch so benannt werden.
      Gewalt an sich ist gut und im Widerstand zwingend notwendig. Sogar kriminelles Handeln ist im Untergrund / Illegalität gerechtfertigt, oder was denken Sie wie man sonst gegen die Staatsgewalt von 33-45 bestanden hätte?
      Und auch im Grundgesetz heisst es: Alle GEWALT geht vom Volke aus.
      Alsolassen Sie uns bitte aufhören von Gewaltbereiten und anderen zu sprechen, wenn sie was ohne Gewalt erreichen wollen, züchten Sie Erdbeeren, solange die Ihnen niemand kaputt latscht 😉
      Liebe Grüsse, F.P.

    • Ich gehe davon aus, dass sie mich schon richtig verstanden haben. Gewalt im Sinne von Randale, die in blinder Zerstörung mündet lehne ich ab. In sofern ist ja auch jeder Bombenangriff ein Gewaltakt, der in blinder Zerstörung Schaden anrichtet.

      Nur liegt in dieser Art der Zerstörung, Kalkül.
      Bei Albrecht Müller wird von Schockangriffen gesprochen.
      Der Schock als Waffe, um eine Gesellschaft zu paralysieren.

      Wenn sie diese Gewalt meinen, 100000 Demonstranten gegen die Airbase Ramstein,
      Die Amis in Schockstarre paralysiert, Einverstanden.
      Nur glauben sie das wirklich?

      Ich gehe davon aus, dass sie dieses für eher Unwahrscheinlich halten. Auch mit der Parole
      -WIR SIND DAS VOLK,- werden sie das nichts erreichen.

      In sofern sehe ich diese demonstrative Gewalt des Willen zeigens, eher als Feigenblatt unserer Demokratie an.

      Die Demonstranten werden benutzt, um sie entweder als Krawallmacher, oder als aufrechte freiheitsliebende Demokraten in den Medien zu verkaufen. Je nach dem, wie man es gerade braucht.

      Mein Kommentar oben sollte eher ein resigniertes Achsel zucken ausdrücken.

  2. Liebe Frau Bonath,

    ich werde jetzt meine letzten Kommentare hier schreiben und dann eine Pause hiervon machen.

    Es gibt so viele Baustellen. Viel mehr und auch Andere, als jene, die sie dort erwähnen.

    Sie schreiben:

    Es bleibt abzuwarten, wer oder was als nächstes verboten wird. Zu befürchten ist: Die Schläge gegen jeden Widerstand von unten werden zunehmen. Es herrscht Klassenkampf – von oben.

    Und Sie haben in Ihrem Beitrag „der soziale Krieg“ vom 25.04.2016 geschrieben:
    Der Konkurrenzkampf am unteren Ende hilft den Herrschenden, ihr Plünderfeldzüge fortzusetzen. Gezielt werden Junge gegen Alte, Erwerbslose gegen Flüchtlinge, regulär Beschäftigte gegen Leiharbeiter, Niedriglöhner gegen Hartz-IV-Bezieher, Kleinunternehmer gegen Freiberufler und so weiter gehetzt. Erkennen die unteren Schichten dies nicht, droht ein Desaster ungeahnten Ausmaßes.

    Was hat sich seitdem verändert?
    Einstein hat mal formuliert „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

    Warum dieser Einwand von mir jetzt?

    Weil Sie zwar mit dem Finger schriftlich hervorragend auf die Missstände immerzu hinweisen können, aber dadurch den Effekt der Bewusstwerdung der Menschen durch das Lesen ihrer Beiträge vorraussetzen.

    Wenn ich also regelmäßig das Elend dieser Welt von Ihnen beschrieben lesen würde, dann käme ich auf den Gedanken: „so … und jetzt denke ich mal ganz anders als der Mainstream und Frau Bonath und präsentiere deswegen jetzt eine Lösung…“

    Ist diese Reaktion Ihrer Meinung nach oft vorgekommen?

    Ich habe ja einige Ihrer Beiträge häufig in den Jahren kritisiert, weil sie sehr negativ verfasst gewesen sind. Ebenfalls habe ich auch eine Tagesdosis kritisiert und im gleichen Zug später eine Tagesdosis mit Begründung gelobt.

    Mir geht es in erster Linie darum, vielen Menschen die komplexen Verstrickungsmuster der Wahrnehmung und Wechselwirkung nahezubringen; leider auch gegenüber vielen Journalisten.

    Da es auch in dem alternativen Bereich studierte Menschen gibt, die ein Verständnis haben: je mehr negative Informationen ein Mensch liest, desto eher wird er an Lösungen denken.

    Falsch. Das ist meiner Meinung nach ein grundlegender Fehler in der Annahme.

    Wäre das so, hätten die Tagesschau, ZDF und wie die GEZ-Medien alle heissen, ja schon lange für einen Bewusstseinswandel gesorgt, oder?

    Ich mein, die berichten ständig schlechte und schlimme Dinge – aber kaum Jemand scheint aufzuwachen – wie kann das über Jahrzehnte klappen?

    Die Logik ist: ohne Alternativen glauben die Menschen das, was ein Journalist schreibt.

    Nur einige Menschen sind bereit, auch ausserhalb vorgegebener Inhalte Bezüge zu anderen Themen herzustellen.

    MMM als Medienformat hat da sicher vieles in Bewegung gesetzt; aber auch dort hat oft der negative Anteil überwogen.

    Den Unterschied, den MMM zu den normalen GEZ-Medien bewirkt hat: MMM hat an vielen Stellen Zusammenhänge erläutert und zwar ausführlicher, als die üblichen Medien dies getan haben.

    Sie schreiben zwar immer wieder vom Elend der Menschen, aber ohne die alternativen Lösungsgedanken wirkt es wie eine schlechte Laune oder Wut, die aber nicht in etwas positives verändert wird.

    Wie sehen nun Alternativen aus? Denn Kritik schreiben ist ja erstmal keine große Kunst, im Sinne von: mir gefällt einfach nicht, was Sie schreiben…etc.

    Um eine Lösung zu formulieren, gehe ich kurz auf die Problempunkte ein.

    Da kam die Tagesdosis vom 29.08.2017 von Mathias Bröckers wie gerufen.

    Er schreibt einige Kritik über Merkel und endet mit Aber erst wird noch ein bisschen Valium-Wahlkampf geführt und am Ende gewinnt Merkel und ändern wird sich NICHTS.

    Vergleiche ich das mit Meinungen von z.B. dem Spiegel stehen dort Überschriften wie „“Alle Fragen ’neutral‘ beantwortet. 100 Prozent bei CDU“

    Ich verkürze mal kurz auf das Wesentliche: Die Mainstreammedien sind für Merkel und die Tagesdosis von Mathias sagt, am Ende wird es Merkel.

    Ich als neutraler Leser lese also Mainstream: „Es wird Merkel“ und lese nun KenFM und es heisst: „es wird Merkel.“

    Wo ist jetzt die Alternative geblieben ? Im Logo der Afd?

    Und ähnliches lässt sich über Ihre Beiträge an vielen Stellen schreiben: sie formulieren das Elend, aber lassen die Lösung weg.

    Was ist das Problem?
    Das Problem ist: für viele Dinge braucht es Menschen, die sich gegenseitig ermutigen.

    Was ist das Problem beim gegenseitigen Ermutigen?

    Es braucht Verständnis und Lösungswillen für gemeinsame, gesellschaftliche, größere Probleme.
    Wo ist das Problem beim Verständnis und Lösungswillen?

    Menschen können schlecht eine andere Meinung als ihre eigene Meinung aushalten.
    Das wurde überdeutlich bei KenFM-am Set: Ökologische Zeitbombe in Griechenland.

    Einige Menschen sind emotional von den Bildern gefangen und beharren auf den moralischen Zeigefinger, der da heisst : KenFM hätte helfen müssen!

    Andere Menschen wollten viel größere Ursachen und Verantwortungen zwischen sich und der Bevölkerung und der Politik in Deutschland bei dem Beitrag in Griechenland verstanden wissen.

    Es gab noch eine dritte Sorte: die Trolle. Die in jedem Fall ihre Meinung immer wieder hochschaukeln wollte und in jedem Fall Streit suchten und suchen.

    Und es gab einen bis maximal vier Menschen, die nach Brücken des Verständnis gesucht haben, aber durch sämtliche Trolle und Meinungskriege auch schnell die Lust verloren haben, immer wieder zu gegenargumentieren.

    Ich bin Ihnen persönlich dankbar, dass Sie damals Herrn Waldner entlarven konnten und ich für mich dann seine Methodik des PPV ebenfalls in Kontext dazu bringen konnte;

    aber die wirklichen Grabenkämpfe finden zwischen der Unfähigkeit von Menschen zu mehreren Sichtweisen statt.

    Darum wird medial schon seit Jahren in den GEZ-Medien eine einseitige und verkürzte Berichterstattung betrieben. Es wird auf schlimme Dinge fokussiert, ein Feindbild gezeigt und keine weitere Sichtweise ermöglicht.

    Menschen, die solche Nachrichten jahrzehntelang in Zeitungen und dem Fernsehen immer wieder konsumieren, beginnen irgendwann zu glauben: ja Russland ist nur böse – USA ist gut, bis auf Trump, usw..

    Also es werden Meinungskorridore erzeugt.

    Der Mensch lernt nicht: Hier ist die Alternative A , die sieht so und so aus und die gegensätzliche Sichtweise dazu ist Alternative B, die sieht so und so aus.

    Und was Sie und viele andere Journalisten hier etwas anders machen:

    Sie zeigen zwar Fehler im System auf, aber vergessen dabei den Fokus auf die alternativen Lösungen.

    Die Lösungen können durch gesellschaftlichen Wandel hervorgerufen werden. Gesellschaftlicher Wandel braucht aber mehrheitliche Zustimmung. Mehrheitliche Zustimmung bekommen Sie aber erst, wenn Menschen vernetzt denken können und den Vorteil gemeinsamer Lösungssuche als sinnstiftend entdecken.

    Wer soll vernetztes Denken vorleben, wenn nicht die Journalisten, die im alternativen Bereich schreiben?
    Die durch jahrzehntelange Expertise eigentlich Fachkenntnisse besitzen.

    Die Journalisten besitzen diese Fachkenntnisse auch; aber verschließen sich gegenüber den Tatsachen, dass eine gute oder schlechte Laune mit oder ohne Lösungen auch in journalistischen Fachbeiträgen ebenfalls beim Publikum oftmals zu guter oder schlechter Laune mit oder ohne Lösungen führt.

    Anders gesagt: viele Kommentatoren kauen das wieder und das nach, was sie als Autorin vorgekaut haben.

    Das lässt sich auch am Beispiel vom 31.08.2017 Tagesdosis Bernhard Loyen’s erkennen.

    Er fokussiert auf die Afd. Die Kommentare wiederkäuen als Antwort „Afd-ja-nein-vielleicht“ – nicht alle, aber die Mehrheit macht das. Auch hier im Forum. Im kleineren Kreis als bei Youtube.

    Warum ist das so?

    Weil Menschen gerne in Resonanz gehen zu dem, was Ihnen geboten wird.

    Ich schrieb auch dort schon:
    Wir sind im Superwahljahr 2017. Da kann es sinnvoll sein, sich über die Afd zu unterhalten.

    Was die macht, oder nicht macht – nunja; was ist der Effekt hinter so einer Frage?

    Ein Meinungskorridor, worunter die meisten Kommentare abarbeiten werden.

    Hat sich dadurch die Gesellschaft zum Positiven verändert?

    Nein. Es werden lediglich die Meinungen reproduziert im Sinne von :Ich bin für die Afd – gegen die Afd – ich bin für Politik – gegen die Politik – Wählen gehen: ja / nein/ vielleicht … usw..“

    Was ist im Schatten solcher Fragestellungen?

    Die ständige Fähigkeit des Bewusstseins; inwieweit lassen Menschen sich spalten oder vernetzen? Inwieweit gibt es diskussionsfähige Themen, die längerfristiger halten, als sich immer wieder über eine mögliche Relevanz oder Nichtrelevanz von Parteien zu äußern?

    Denn was passiert, wenn ich als Journalist ( als Maler eines Bildes sinnbildlich gemeint) ein Thema vorgebe, dass die reine Politik bearbeitet?

    Ich zeige mit dem Finger auf etwas, was systemisch bisher alle 4 Jahre gewählt wird und danach keinerlei Einflussmöglichkeiten mehr den Menschen erlaubt.

    Ist das sinnvoll?

    Oder kann ein Sinn darin entstehen, sich eher mehrheitlich und gemeinschaftlich in Tagesdosen über die fehlenden Kontrollfunktionen zu unterhalten; welche Lösungen möglich wären, welche denkbar sind – welche jetzt schon umsetzbar wären; umso einfach einen Hebel zu finden, der dem Wort „Einflussnahme durch Wähler“ gerecht wird – den es bisher nicht gab, den es aber dringend brauchen würde.

    Aber wahrscheinlich braucht es dazu wieder mehrere Journalisten, die als Maler mit ihren Farben dann in ihrer Tagesdosis erstmal die Perspektive für eine solche Diskussion vorzeichnen. Ohne Rahmen können viele Menschen nicht denken – sich nicht vorstellen, dass es noch etwas ausserhalb des gedanklich vorgegeben Rahmens / Bildes gibt.

    Ich hatte dort auch noch einen Link zu Prof. Kruse, der ein Bild analysiert hatte, was er in Beziehung zu Netzwerken eingeordnet hatte.

    Wir brauchen Vordenker(-innen) Frau Bonath. Diese Aufgabe erwarte ich eigentlich auch Journalisten, die Ihrer Leserschaft etwas anbieten.

    Wenn Sie mir als Leser nur Schreckensnachrichten ohne Lösung anbieten, ist das so ähnlich wie Jemand der schlechte Laune hat ohne Aussicht auf Besserung.

    Ich schreibe das Alles nicht nur für mich, denn ich denke, da liegt in einem großen Maßstab eine der beabsichtigen Verfehlungen innerhalb von Kommunikation und Verständnis zwischen den Menschen.

    Also anders formuliert: die Absicht Menschen zu spalten, sie in ihrer Ohnmacht belassen, beginnt journalistisch mit Bad News, geht über zur Feindbildgenese, Alternativlosigkeit der Situation und startet bei kritischen Diskussionen mit Trollangriffen in den Reihen der Menschen, die in alternativen Foren über friedliche Lösungen diskutieren wollen.

    So sehe ich die Realität bisher.

    Aber ich habe keinen einzigen Journalistschen Beitrag dazu gelesen. Weder von Ihnen noch von einem Ihrer Kollegen hier.

    Ken Jebsen hat das Phänomen der Uneinigkeit bzw. Ignoranz von Lösungsansätzen mal in MMM 36 thematisiert.

    Die alternative Szene generell würde sich selber einen riesen Gefallen tun, wenn dort auch mal gezielt journalistisch und psychologisch hingeschaut werden würde. Denn in der Kommunikation und Verbreitung von Lösungen wie auch Perspektiven; da liegt ein Potenzial unentdeckt schon länger brach und droht zu vermodern, je länger es ignoriert wird.

    Lieben Gruß Ihnen.

    • geehrter Kommentator/in,

      Sie sprechen mir aus der Seele und dennoch muss ich Frau Bonath ein wenig in Schutz nehmen.
      Aus Ihren beiträgen spricht oft etwas Härte und eine Bitterkeit die ich gut nachvollziehen kann.
      Ihr allerdings vorzuwerfen sie würde keine Lösungsansätze mitliefern, ist etwas kurz gesprungen, denn dies hat sie in verschiedenen anderen Beiträgen oft getan.
      Allerdings sind die Lösungsansätze von Frau Bonath nicht so sehr massentauglich, ja selbst in der ‚alternativen Szene‘ schwer geduldet, da uns ja kontinuierlich eingepeitscht wurde, dass das mit dem Sozialismus ja nun so offensichtlich nicht geklappt hat…sie kennen den Riedel.
      Auch Ken hat in seinen Beiträgen von der DDR, leider oft nicht von seinem eigenen Prinzip gebrauch gemacht, recherchiere gründlich bevor du etwas rufst.
      In seinen Gesprächen mit Owe Shattauer z.B. entsteht ein DDR Bild wie es der Mainstream nicht besser hin bekommen hätte.
      Dabei völlig ausser Acht lassend, das es historisch schon unhöflich und inkompetent ist, die BRD mit der DDR vergleichen zu wollen. Angefangen von den Reparationszahlungen Ostdeutschlands (spÄter DDR) an die Sowietunion, während WEST-Deutschland einen Schuldenschnitt bekam.
      Die Leistungen unserer Menschen unter den Bedingungen einer Cocom-Liste (Verbot von Lieferungen von Technologien vom gesamten Westen an den Osten) , der Brain Drain in den 50iger Jahren wo man sich mit Ärzten, Ingeneuren und anderen Qualifizierten aus dem Osten versorgt hat, und sich damit Unsummen in der Ausbildung gespart hat die durch die junge DDR aufgebracht worden waren, während man selbst in den Geldern des Marshall-plan ‚badete‘.
      Die Weigerung der westlichen Alliierten ein geintes Deutschland entstehen zu lassen und die völkerrechtswidrige Gründung der BRD im August’49, der die Gründung der DDR im Oktober ’49 FOLGTE!
      Her Schattauer wird einige dieser Dinge vielleicht nicht wissen und ich nehme ihm das auch nicht übel. Sein Einsatz für den Frieden und die Friedensfahrt, haben das mehr als wett gemacht.
      Aber zurück zu Ihrer Kiritik; um die gedanken von Frau Bonath zu verstehen muss man wissen das eine Räte Demokratie, wie nach der Novemberrevolution 1918/19 schon zu Ihren Vorschlägen zählte, wenn ich mich ihrer Beiträge recht erinnere.
      Leider ist die Knenntnis der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung heute offensichtlich wenig verbreitet.
      Das heisst aber Revolution! Aufräumen und die Massen leiten, inspirieren…
      Der Sozialismus den wir kannten hatte mit Sozialismus nur dem Namen nach etwas gemein.
      Es war ein ‚Staatskapitalismus‘ bei dem der Unternehmer durch einen Staatsfunktionär abgelöst wurde.
      Die Entscheidungen um die es geht; was wird geproduziert, wie und wann und was passiert mit dem Gewinn sind nicht in Arbeiterhände übertragen worden. Eine staatliche Plankommission hat diese Aufgabe übernommen und sich in einer mehrheitlich kapitalistischen, politischen und ökonomischen Welt/ Handel damit selbst überfordert.
      also hier mein Lösungsvorschlag:
      Räte Demokratie mit kontinuierlicher Kontrollebefugnis durch die Wählendenauf kommunaler / regionaler Ebene.
      Demokratisierung des Arbeitsfeldes/ Betriebes/ Krankenhauses usw.
      Ausübung von staatlichen Aufgaben durch freiwillige, qualifizierte Mitarbeiter bei überdurchschnittlicher Belohnung.
      Diener der Gemainschaft zu sein muss ehren aber sich auch lohnen -korruptionsanreize vermeiden-
      Als letztes: der freie Zugang zu Information zu aller Zeit, in jeder Sprache und ohne Zensur.

      ich wüsche Ihnen alles Gute,
      F.P.

  3. Danke Frau Bonath für den Beitrag.
    Ich muss immer wieder an Friederike Beck denken und welchen Einsatz sie geleistet hat. Leider hat ein plötzlicher Tod sie ereilt.
    Das liest man hin und wieder von Menschen, die sich um die Wahrheit bemühen.

    • Kann mich nicht erinneren das in etwa fünfzehn Jahre Diskussion auf Internet jemals eine Diskission so lange geführt wurde das die Wahrheit heraus kam.
      Bevor es so weit ist wird die Diskussion emotionell.
      Lange her empfand ich Artikel von Revisionisten als Angst erregend.
      Aber wenn man, wie ich, durchgeht die Wahrheit zu suchen, ensteht ein neuer Wahrheit.

  4. “ Hier und da fanden sich Aufrufe zu Angriffen auf Jobcenter, Bundeswehr- oder Polizeiautos
    ……………..
    Einmal waren eine Zeitlang zum Beispiel Adressen von AfD-Politikern auf der Seite zu finden. “

    Nach meinem Ansicht kann kein Rechtsstaat solche Dinge zulassen.
    Das die Betreibern das nicht sehen, dan kommen Verbote.
    Möglich das es um mehr geht, die Betreibern haben dann sich selbst geschädet.

Hinterlasse eine Antwort