Tagesdosis 29.3.2018 – Leichen, Leiden, von der Leyen

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Da muss dann doch noch im Laufe des gestrigen Tages der Anruf oder die Mail aus dem Verteidigungsministerium an die ARD erfolgt sein. Nein: zur Tagesschau um Acht wird der Beitrag zur Umbenennung einer Bundeswehrkaserne aus dem Programm genommen. Was noch über den Tag verteilt seine Erwähnung fand, soll den müden Bürger nach einem anstrengenden Tag nicht zum Nachdenken über den Sinn aktueller deutscher Kriegseinsätze auffordern. Der Aufmacher zur Prime Time Ausgabe der Sendung handelte nicht überraschend von – Russland.

Gestern erfolgte durch die Kriegsministerin von der Leyen die Umbenennung der in Hannover liegenden Emmich-Cambrai-Kaserne in Tobias Lagenstein Kaserne. Wer ist Tobias Lagenstein? In den stündlichen Ausgaben des vergangenen Tages klärte die ARD die Bürger noch auf: Statt an einen preussischen General, wird die Hauptfeldwebel Lagenstein Kaserne in Hannover künftig an einen Bundeswehrsoldaten erinnern. Tobias Lagenstein war 2011 bei einem Anschlag in Afghanistan getötet worden. Mit der Umbenennung werde die jüngste Vergangenheit in den Mittelpunkt gestellt(1).

Dekodieren wir etwas. Es fällt auf, das der alte Name schon nicht mehr erwähnt werden möchte. Die Kaserne hieß von 1933 bis 1956 Emmich Kaserne ( benannt nach nach dem preußischen General der Infanterie Otto von Emmich) und von 1956 bis zum 28. März 2018 Emmich-Cambrai-Kaserne. Cambrai wurde während des Ersten Weltkriegs von deutschen Truppen besetzt und später in Brand gesetzt. Wikipedia lehrt uns: Die deutschen Truppen setzten die französische Stadt in Brand, bevor sie sich 1918 zurückzogen. Das gesamte Stadtzentrum musste neu aufgebaut werden. Von den 2500 Gebäuden der Stadt wurden 1500 total zerstört(2). Diese Leistung wollte in der damals jungen Bundesrepublik noch gewürdigt werden.

Durch die Umbenennung soll die jüngste Vergangenheit unserer Bundeswehr in den Mittelpunkt gestellt werden, ließ uns Ministerin von der Leyen gestern wissen. Übersetzt bedeutet dies, Soldaten sind bei entsprechenden Einsätzen Mörder, bzw. könnten etwaig töten und die entscheidende Aussage dieser verklausulierten Formulierung ist die Tatsache, dass Soldaten tatsächlich zu Tode kommen.

Der nun geehrte Soldat starb nicht im unmittelbaren Kampf gegen den Terror. Wie kam Tobias Lagenstein zu Tode? Das Archiv der Zeitung Zeit klärt auf: Der blutige Anschlag im nordafghanischen Talokan auf ein deutsch-afghanisches Sicherheitstreffen war offenbar doch kein Selbstmordattentat. Nach vorläufigen Erkenntnissen der internationalen Schutztruppe Isaf und des afghanischen Geheimdienstes NDS tötete ein ferngezündeter Sprengsatz zwei deutsche Soldaten und fünf Afghanen(3).

Warum die Kaserne nur nach einem getöteten und nicht nach beiden Soldaten benannt wurde, konnte nicht recherchiert werden. Eine Anfrage beim Bundesverteidigungsministerium ist gestellt. Wie erfolgt generell die Auswahl für eine Umbenennung? Der gestrige Tag galt auch der Unterzeichnung des neuen Traditionserlasses der Bundeswehr. Der alte galt von 1986 bis 2018. Unter Punkt 29 findet sich folgende Formulierung: Kasernen und andere Einrichtungen der Bundeswehr können mit Zustimmung des Bundesministers der Verteidigung nach Persönlichkeiten benannt werden, die sich durch ihr gesamtes Wirken oder eine herausragende Tat um Freiheit und Recht verdient gemacht haben.

Betrachten wir diesen Text zusammen mit der Ansprache von Frau von der Leyen zum neuen Erlass am gestrigen Tag: Es war daher überfällig, dass wir uns wieder mal ganz grundlegend mit den Fragen beschäftigen: Was macht uns eigentlich aus? Wo kommen wir her, was können wir aus der Geschichte für das Heute lernen?(1)

Der gesunde Menschenverstand kennt die Antworten auf diese Fragen. Krieg ist um jeden Preis zu vermeiden. Krieg kann nur Leid, Elend und Tod bedeuten. Was die Ministerin zudem noch in ihrer Rede ansprach unterschlug die Tagesschau, konnte aber bei den Stuttgarter Nachrichten nachgelesen werden: Die eigene Geschichte müsse in den Mittelpunkt der Erinnerungskultur gestellt werden, sagte von der Leyen. „Sie wird zum zentralen Bezugspunkt unserer Tradition.“ Die Bundeswehr stehe seit mehr als sechs Jahrzehnten für Recht und Freiheit dieses Landes ein, habe seit einem Vierteljahrhundert zum internationalen Krisenmanagement beigetragen und sich in Einsätzen und im Gefecht bewährt. „Auf diese Geschichte darf die Bundeswehr unendlich stolz sein.“(5).

Was mag der Mutter von Tobias Lagenstein und all den anderen Eltern, Geschwistern, Freunden & Verwandten getöteter deutscher Soldaten bei diesen Sätzen von Frau von der Leyen, deren Kinder nicht bei der Bundeswehr sind, durch den Kopf gegangen sein?

Ist ihnen folgende Statistik bekannt? Die Bundeswehr informiert, Stand: 7. März 2018, Infolge der Ausübung ihres Dienstes getötete deutsche Soldaten seit 1990: 739! Folgenden Satz findet man ebenfalls auf der Seite der Bundeswehr: Neben Unfällen und natürlichen Todesfällen kommt es in der Bundeswehr auch zu Selbsttötungen. Auch dazu die nüchterne Zahl der Statistik seit 1990: 986 (6)

Was gab die Ministerin denn gestern noch so von sich? „Lagenstein steht für die Bundeswehr von heute“, sagte von der Leyen den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Der 2011 in Afghanistan bei einem Einsatz getötete Tobias Lagenstein habe sich „mit seinem Leben für die Verteidigung unserer Freiheit und unserer Werte eingesetzt“(7). Ob Frau von der Leyen zuhause Tucholsky im Buchschrank zu stehen hat. Zu bezweifeln, Tucholsky schreibt:

Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Krieg getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.(8)

Haben sie auch schon saures Aufstoßen? Wessen Werte werden hier angesprochen? Nicht die von der Mehrheit der deutschen Bevölkerung. Gestern Abend fand sich folgender Artikel auf Spiegel Online. Ein Markus Becker, Jahrgang 1973 eröffnet seinen Beitrag, “EU-Plan Panzer sollen schneller durch Europa rollen”, mit einem kleinen Witzchen: Die Russen, so lautete ein gängiger Witz im Kalten Krieg, können mit ihren Panzern gar nicht in Windeseile Deutschland überrollen: Spätestens am Kamener Kreuz stünden sie im Stau. Inzwischen würde der Witz eher andersherum funktionieren: Die Nato könnte ihre Ostgrenze gar nicht gegen die Russen verteidigen – weil ihre Panzer in der EU an Grenzkontrollen steckenbleiben oder von Brücken fallen würden. Lustig, nicht wahr?

Worum geht es: Das zumindest war das Fazit eines geheimen Nato – Berichts der zweifeln ließ, ob das Militärbündnis schnell genug auf einen russischen Überraschungsangriff auf das Baltikum reagieren könnte. Brücken könnten unter der Last schwerer Kampfpanzer zusammenbrechen, Unterführungen seien zu niedrig für schweres Gerät, hieß es. Zudem könnten bürokratische Hürden den schnellen Transport von Gefahrgütern erschweren.Natürlich muss auch die Kriegsministerin von der Leyen zitiert werden: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte zuletzt bereits ein „militärisches Schengen“ gefordert. „Wenn man im Spannungs- oder Krisenfall schnell Truppenbewegungen über große Strecken innerhalb Europas unternehmen muss, dann muss das genau geplant sein und mit großer Geschwindigkeit und Effizienz vor sich gehen“, sagte sie(9).

Bürger, bitte aufwachen ! Diese Kriegsministerin geht über Leichen, sie will Leid, sie muss gestoppt werden.

(1) – http://www.ardmediathek.de/tv/Tagesschau/tagesschau-14-00-Uhr/Das-Erste/Video?bcastId=4326&d

(2) – https://de.wikipedia.org/wiki/Cambrai#Erster_und_Zweiter_Weltkrieg

(3) – http://www.zeit.de/news-052011/30/iptc-bdt-20110530-31-30643166xml

(4)  –https://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/start/streitkraefte/grundlagen/geschichte/tradition/traditionserlass/!ut/p/z1/hU5PC4IwHP0sHbzutyaVddMiKBQMhXSXmLpmsZzM5fr4GZ6CpHd7f3lAIQPasP4mmLmphsmB53R5CbwwDcmakDTe7vAhcoNgfiIk2mE4_wvQwcYT8DEkFYd82FhNbey3C0iAAr2znr1Qq7SR3CBWfh5CXrOmkjxWpT8KR6BCqmK87jeF6wmgml-55ho99SDXxrTdxsEOttYioZSQHFXcwb8ateoMZF9BaB-Zxe5C9qE_ewMuZlu_/dz/d5/L2dBISEvZ0FBIS9nQSEh/#Z7_B8LTL2922TPCD0IM3BB1Q22FC5

(5) –https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.namenswechsel-in-hannover-kasernen-umbenennung-soll-traditionswechsel-einleiten.63fd03da-1fd4-4625-8eba-a61bb459e72a.html

(6) – https://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/start/gedenken/todesfaelle_in_der_bundeswehr/!ut/p/z1/hY4xD4IwFIR_iwNr30uNCG5VF5XBKInQxRSpRVMpKRX8-dYwmUi87d377nLAIQNei-6mhLuZWmh_5zw8L6MkTWhMaZKuVsjCGV3v4gMiDeH0D-D-jSNiCMdSQu475qMdGw8BB34XnXiRxlinpSPi8lkIeSXqUsu9ubDB2AJX2hTDdFYX00gBt_IqrbTkab1dOde0iwAD7PueKGOUlqSUAf5KVKZ1kH2B0DyyHqcz3SVs8gbBF7LH/dz/d5/L2dBISEvZ0FBIS9nQSEh/#Z7_B8LTL2922LTCC0A652DK9R00I0

(7) –https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/kaserne-wird-nach-gestorbenen-soldaten-umbenannt-von-der-leyen-lagenstein-in-afghanistan-fuer-die-freiheit-gefallen-a2386616.html

(8) – https://www.aphorismen.de/zitat/86024

(9) – http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-kommission-panzer-sollen-schneller-durch-europa-rollen-a-1200366.html

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10 Kommentare zu: “Tagesdosis 29.3.2018 – Leichen, Leiden, von der Leyen

  1. Ken, hoffentlich liest Du das. Bitte versuchen wir diese gerade stattfindende Revolution auch hier in DE zu beschleunigen. (akute Kriegsgefahr). Bitte seht Euch auf youtube ein paar neuere Videos von Qanon (internationale Geheimdienste + anonymous + Wikileaks), Jerome Corsi (USA), Billy Joyce (CDN). Sie zählen nur die offengelegene Fakten auf und kommentierenden nur das. Und ich meine das reicht. Wir müssen vorrangig die Verbrecher von den Stühlen hauen. Mit guter Information. Wir dürfen uns nicht in die Diskussion „Du bist! Du bist!“ vergraben (Spalte und Herrsche), sondern nur die wahrlich belegbaren und justiziar belegbaren Fakten vor die Füsse schleudern…

  2. Ich möchte noch etwas anführen. Ich habe mir das Buch von Thankmar von Münchhausen „Paris, Geschichte einer Stadt“, München, 2007, ausgeliehen.
    Darinnen heißt es auf S. 504, dass den deutschen Befehlshaber von „Groß-Paris“ (im Sommer 1944), General von Choltitz am 23. August 1944 folgender „Trümmerfeldbefehl“ erreichte: „Die Verteidigung des Brückenkopfes Paris ist von entscheidender militärischer und politischer Bedeutung. Sein Verlust reißt die gesamte Küstenfront nördl. der Seine auf und nimmt uns die Basis für den Fernkampf gegen England [mit den Langstreckenraketen V1 und V2]. Der Fü… wiederholt deshalb seinen Befehl, daß Paris im Sperrgürtel worwärts der Stadt verteidigt werden muß… Innerhalb der Stadt muß gegen erste Anzeichen von Aufruhr mit schärfsten Mitteln eingeschritten werden, z. B. Sprengung von Häuserblocks, öffentliche Exekutierung der Rädelsführer, Evakuierung des betroffenen Stadtteils, da hierdurch eine weitere Ausbreitung am besten verhindert wird. Die Seine-Brücken sind zur Sprengung vorzubereiten. Paris darf nicht oder nur als Trümmerfeld in die Hand des Feindes fallen.“ Zwei Tage später wurde der „Trümmerfeldbefehl“ durch Fernspruch beim Oberbefehlshaber West wiederholt….“ Zitatende.

    Doch der Befehlshaber von „Groß-Paris,“ General von Choltitz hat das nicht getan. Die Amerikaner hatten schon flußabwärts und flußaufwärts die Seine überschritten. Er blieb besonnen. Im Buch heißt es auf S. 505:
    „Entscheidend ist, daß die Sprengkammern der mehr als dreißig Brücken im Stadtgebiet leer blieben, daß die von entsandten Experten vorbereitete Zerstörung von Fabriken, technischen Anlagen und öffentlichen Gebäuden nicht befohlen wurde.“ (Zitatende).
    Entscheidend ist auch, dass auch die deutschen Flugzeuge, die noch auf Le Bourget standen, nicht zum Bombardieren von Paris aufstiegen und die „Sturmpanzer und Sturmmörser“ nicht mehr „von außen herangeführt wurden“ und dass evt. „in Aufruhr sich befindliche Stadtteile“ nicht „vernichtet“ wurden, wie im zweiten Befehl befohlen (aaO, S. 504/505.

    Ich bin sehr, sehr dankbar, dass das wunderschöne Paris nicht zerstört wurde und NICHT noch Tausende und aber Tausende Menschen bei einer aussichtslosen Schlacht um Paris getötet wurden.

  3. Herr Loyen – gab Ihnen die Umbenennung einer Kaserne einen Grund, daran zu erinnern, was die Deutschen getan haben? Sehen Sie, Wikipedia gibt noch mehr Informationen – z. B. über die Luftangriffe der Alliierten auf deutsche Städte während des Zweiten Weltkriegs – ich habe mal nur diejenigen auf Städte in Baden Württemberg herausgesucht:

    Stuttgart: https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriffe_auf_Stuttgart
    „…Bei 53 Angriffen[1] kamen 4562 Menschen ums Leben, darunter 770 Ausländer, von denen der größte Teil Zwangsarbeiter waren. Der schwerste Luftangriff in der Nacht des 12. September 1944 durch die britische Royal Air Force, bei dem im Stuttgarter Talkessel ein Feuersturm entstand, forderte 957 Opfer
    Weitere Info über Stuttgart:
    https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.ende-des-zweiten-weltkriegs-in-stuttgart-drei-furchtbare-tage-im-april.4db91355-7a93-4448-9b33-25c436205124.html „Es war eine schlimme Zeit für die Stuttgarter Bevölkerung, als vor 70 Jahren die französischen Truppen in die Stadt einmarschierten und der Zweite Weltkrieg endete. Denn es häuften sich Vergewaltigungen, willkürliche Verhaftungen und Plünderungen. Wir blicken zurück.“

    Freiburg : https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Tigerfish
    „Operation Tigerfish, war im Zweiten Weltkrieg der militärische Codename für den mit Abstand schwersten Luftangriff der Royal Air Force am Abend des 27. November 1944 auf Freiburg im Breisgau, dem rund 2800 Menschen zum Opfer fielen.“

    Freudenstadt: https://de.wikipedia.org/wiki/Freudenstadt Zerstörung im Zweiten Weltkrieg
    „Am 16. April 1945, nur wenige Wochen vor Kriegsende, wurde die Stadt unerwartet von Truppen der 1. französischen Armee unter General Lattre de Tassigny angegriffen, wobei es durch Bombenabwurf und Artilleriebeschuss zu großflächigen Zerstörungen kam. ….Es gab einige Dutzend zivile Opfer; etwa 600 Gebäude, 95 Prozent der gesamten Innenstadt, wurden in der Nacht vom 16. auf den 17. April direkt oder indirekt zerstört und 1.400 Familien obdachlos. Beim Einmarsch der französischen Truppen und in den folgenden drei Tagen kam es zu vielzähligen, heftigen Übergriffen durch marokkanische Einheiten.[35] Nach Angaben der Ärztin Renate Lutz seien allein bei ihr über 600 vergewaltigte[36] Frauen in Behandlung gewesen.[37] Auf Vorhaltungen habe die Zivilbevölkerung laut Berichten von Zeitzeugen auch die Antwort erhalten, es sei Krieg, Freudenstadt müsse drei Tage brennen.“

    Friedrichshafen: https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriffe_auf_Friedrichshafen „Während des Zweiten Weltkrieges gab es elf Luftangriffe der Alliierten auf Friedrichshafen mit insgesamt eintausend Toten und Verwundeten und einer nahezu vollständigen Zerstörung der alten Bodenseestadt.“

    Breisach am Rhein: https://stadt.breisach.de/de/stadtinfo/zahlen_daten_fakten/geschichte
    „Im Zweiten Weltkrieg war Breisach mehrfach evakuiert und am Ende des Krieges v.a. durch Artilleriebeschuss zu 85 % zerstört, bis 1954 jedoch bereits weitgehend wiederaufgebaut und 1945 –1997 auch Sitz einer französischen Garnison.“

    Ulm: https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriffe_auf_Ulm
    Schwere Luftangriffe, der erste Juni 1940, der schwerste am 17. Dez. 1944, viele Tote. Bis April 1045 wurde gebombt. Schwere Zerstörungen keine Zahl?

    Reutlingen: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.reutlingen-altes-stollensystem-macht-sorgen-page1.91f28102-d706-485d-98da-b556c36f6cb4.html

    Göppingen: https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6ppingen „Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurden bei einem Luftangriff am 1. März 1945 nahezu 300 Einwohner getötet und 212 Gebäude zerstört.“

    Villingen-Schwenningen: https://www.villingen-schwenningen.de/kultur/stadtarchiv/landesgartenschau-geschichte-des-gelaendes/die-bahnstation-im-2-weltkrieg.html „Damit geriet Schwenningen im Laufe des Krieges in das Visier der alliierten Bombenangriffe, die Ende 1944 einsetzten und insbesondere das Bahngelände mit seinen Gleisen und Gebäuden zur Güterabfertigung und damit den Transport von kriegswichtigen Gütern zum Ziel hatten. Bei den Bombenangriffen im Januar und Februar 1945 wurden aber auch angrenzende Wohngebiete getroffen. Insgesamt 191 Menschen fielen den alliierten Bomben zum Opfer.“

    Mannheim: https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriffe_auf_Mannheim „Während des Zweiten Weltkrieges kam es zu schweren Luftangriffen auf Mannheim. Die Angriffe begannen im Dezember 1940 und dauerten bis Mitte März 1945. Mannheim erlebte über 150 Luftangriffe und war die am meisten angegriffene Stadt im Gebiet des heutigen Landes Baden-Württemberg.“ ….Es lohnt sich, hier das Wiki zu lesen…

    Heilbronn: 1933 : 72.000 Einwohner https://de.wikipedia.org/wiki/Heilbronn „Im Zweiten Weltkrieg war Heilbronn ab Dezember 1940 vielfach Ziel von Luftangriffen. Der Luftangriff vom 4. Dezember 1944, bei dem die Altstadt völlig zerstört wurde und über 6500 Menschen ihr Leben verloren, wurde zur Katastrophe für die Stadt. Als amerikanische Truppen am 12. April 1945 Heilbronn besetzten, hatte die Stadt nur noch 46.350 Einwohner.“ – also sind 25.650 Heilbronner während des Zweiten Weltkriegs umgekommen.

    Pforzheim: https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriff_auf_Pforzheim_am_23._Februar_1945
    „Der Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 forderte im Zweiten Weltkrieg nach den Angriffen auf Hamburg (1943) und Dresden (1945) die meisten Opfer im alliierten Luftkrieg gegen deutsche Städte. Bei dem nur 22 Minuten dauernden Angriff von 379 Bombern der Royal Air Force wurde über ein Fünftel der Einwohner getötet – mehr als in jeder anderen Stadt des Deutschen Reiches. Von den 79.000 Pforzheimern, die bei der Volkszählung 1939 erfasst wurden, kamen 17.600 ums Leben.[1] In Relation zur Einwohnerzahl war dieser Angriff der Alliierten der mit den meisten Bombenopfern.“

    Sindelfingen: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.daimler-in-sindelfingen-mehr-als-40000-bomben-fielen-auf-das-werk.2d47a0e9-1a47-4c3f-8a34-ce854f1785c4.html
    Daimler in Sindelfingen Mehr als 40.000 Bomben fielen auf das Werk
    Tausende Bomben fielen am 13. September 1944 auf Sindelfingen, die meisten landeten auf dem und rund um das Daimler-Benz-Werk. Der Angriff legte das Werk in Schutt und Asche.
    Das Werk lag unter einem Bombenteppich. Foto: Stadtarchiv Sindelfingen

    https://de.wikipedia.org/wiki/Sindelfingen „Aufgrund des industriellen Rüstungspotentials wurde die Stadt im Zweiten Weltkrieg verhältnismäßig stark zerstört,…“

    Bruchsal: https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriff_auf_Bruchsal Beim Luftangriff auf Bruchsal wurde am 1. März 1945 vom 41. Bombergeschwader der 8. US-Luftflotte durchgeführt. Die Stadt Bruchsal wurde dabei weitgehend zerstört. Das Bombardement begann um 13:53 Uhr aus einer Höhe von 6500 Metern. Der Angriff dauerte bis 14:35 Uhr. Innerhalb von 42 Minuten wurden über Bruchsal 901 Sprengbomben und 49.500 Stabbrandbomben abgeworfen.[2] Das Zielgebiet des Angriffs auf Bruchsal stellte im Wesentlichen das dichtbesiedelte Stadtzentrum – insbesondere die Altstadt – dar. In diesem Gebiet wurden durch die Druckwellen der Explosionen der Sprengbomben zunächst die Dächer aufgerissen. Danach wurden mehr als 49.500 Stabbrandbomben über dem Stadtgebiet abgeworfen, die nun in die aufgerissenen Dachstühle der Häuser fielen und diese innerhalb kürzester Zeit in Vollbrand versetzten. Die vielen entstandenen Einzelbrände weiteten sich sehr schnell zu einem Flächenbrand aus.
    Opfer und Schäden
    Dem Angriff fielen mehr als 1.000 Menschen zum Opfer. Die Innenstadt wurde hierbei zu rund 90 % zerstört. Auch zahlreiche historische Bauten, darunter das Bruchsaler Schloss, wurden bei dem Angriff zerstört.[3]
    Karlsruhe: https://de.wikipedia.org/wiki/Karlsruhe „Zwischen 1940 und 1945 sind 135 Luft- und Artillerieangriffe der Alliierten auf Karlsruhe dokumentiert, darunter 13 Großangriffe mit mehr als 100 Bombern. Mindestens 12.000 Tonnen Spreng- und Brandbomben wurden über der Stadt abgeworfen. 1754 Menschen starben und 3508 wurden verletzt. Karlsruhe wurde, je nach Berechnungsgrundlage, zu 24 bis 38 % zerstört.“

    Offenburg: https://de.wikipedia.org/wiki/Offenburg „Während des Zweiten Weltkriegs war die Zivilbevölkerung aufgrund der Nähe zur französischen Grenze den unterschiedlichsten Auswirkungen und Beschränkungen, wie etwa Evakuierungsmaßnahmen nach Kriegsbeginn 1939 und gegen Kriegsendende 1945 ausgesetzt. Darüber hinaus wurden Teile der Bevölkerung zu Arbeiten im Zusammenhang mit dem Bau des Westwalls herangezogen. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs waren die im Nordosten der Stadt Offenburg gelegenen Bahnanlagen mehrfach das Ziel von Angriffen der alliierten Luftstreitkräfte. Der schwerste Luftangriff, der Offenburg am 27. November 1944 traf, war die Operation 727 der USAAF.“

    Waldenburg: Durch Artilleriefeuer, keine Bomben, zerstört: https://de.wikipedia.org/wiki/Waldenburg_(W%C3%BCrttemberg) „In den letzten Kriegstagen im April 1945 wurde Waldenburg, das ursprünglich gar nicht verteidigt werden sollte, von einer einrückenden deutschen Einheit zur „Festung“ erklärt und infolgedessen von amerikanischen Artillerieeinheiten beinahe gänzlich zerstört.[5] Waldenburg wurde daraufhin unter Berücksichtigung moderner Aspekte wieder im historischen Gewand aufgebaut.“

    Ludwigsburg: https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwigsburg „Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Stadt im Vergleich zu anderen deutschen Städten mäßige Zerstörungen. Die Bevölkerung hatte 1.500 Tote zu beklagen. Durch Bombenabwürfe wurden in Ludwigsburg 140 Häuser völlig zerstört.[33] Insgesamt wurde Ludwigsburg zu 2 % zerstört.[34] Nach 1945 gab es ein Internierungslager der Alliierten für Kriegsverbrecher bis Mitte 1946.“

    Mit diesen unvollständigen Angaben habe ich gezählt: 58.113 tote Zivilisten allein durch Bomben und Beschuss in Baden Württemberg während des Zweiten Weltkriegs. Und die Angaben sind wohl nicht vollständig – bei dem schwer bombardierten Ulm habe ich keine Zahl über die Opfer gefunden.
    Warum wohl haben viele deutsche Städte heute keine echte, historische Altstadt mehr?

    • Na da sind wir doch noch echt gut bei weg gekommen! Insgesamt waren es übrigens 6.355.000 tote Deutsche.
      Dagegen 27.000.000 tote Russen und 6.000.000 tote Polen. Da wär Grund genug gewesen nochn bissi mehr zu zerbomben.

    • Seien Sie bitte vorsichtig mit vorschnellen, etwas zynischen Urteilen. Die Bombardierungs-Opfer waren Zivilisten. Die Zahlen führen außerdem in die Irre – man muss ganz genau lesen – die Zahlen oben sind eigentlich wenig aussagekräftig, weil sie manchmal nur die Toten einzelner Angriffstage darstellen. Wikipedias Bevölkerungsdiagramme von deutschen Städten sind aussagekräftiger. Hier ein paar beispielhafte Zahlen über den Bevölkerungsschwund einiger deutscher Städte während des Zweiten Weltkriegs (Zivilisten und Wehrpflichtige): Stuttgart: verlor 240 000 Einwohner (fast die Hälfte), Ulm verlor 20 000, München verlor 300 000 Menschen (von 850 000 auf 550 000) und Nürnberg 240 000, Würzburg: 55 000, das war die Hälfte der Bevölkerung. Und das sind nur 5 Städte, die ich bei Wikipedia anhand der Diagramme zur Bevölkerungsentwicklung nachgeschaut habe… Deutschland hatte aber noch viel mehr Städte…, von denen sehr viele auch bombardiert wurden.

    • Ok kein Ding, dann nur die Zivilisten. Bei der Rechnung kommt Deutschland noch besser weg!

      Polen: 5.700.000
      Russland: 14.000.000
      Deutschland: 1.170.000

      de.wikipedia.org/wiki/Tote_des_Zweiten_Weltkrieges

  4. Da kann es einem Angst und Bange werden, mit welcher Selbstverständlichkeit jetzt schon über Kriegsvorbereitungen gesprochen wird … „Panzer sollen schneller durch Europa rollen“, „Unterführungen zu niedrig für schweres Gerät“, „Truppenbewegungen über große Strecken bewegen“ … da sollen wir wohl desensibilisiert werden. Hört man oft genug Kriegsvokabular, wird es schon seinen Schrecken verlieren. Das Gegengift: auf zu den Ostermärschen der Friedensbewegung!

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