Tagesdosis 29.5.2018 – Deppen-Journalismus

Die Tagesschau betreibt viel Aufwand, um davon abzulenken, was sie alles verschweigt.

Ein Kommentar von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam.

Die Tageschau, das Urgestein unter den deutschen Fernseh-Informationssendungen, ist ein Fels in der Brandung: pünktlich, sachlich, absolut zuverlässig. Oder? Ein zweiter Blick lohnt sich in diesem Fall. Und da wird jeder, der nicht unter unheilbarer Russland-Phobie leidet, Heiko Maas für die deutsche Polithoffnung unserer Zeit hält und Saudi-Arabien für einen absolut integeren Verbündeten, doch langsam misstrauisch. Wollen uns die Nachrichten-Macher eigentlich für so dumm verkaufen wie sie selbst offenbar sind?

Guck mal, Nachbar, wie niedlich: „Die Programme der ARD haben der Allgemeinheit einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben.“ (1) Das ist der gesetzliche Programmauftrag für das Erste Deutsche Fernsehen. Herrlich vielversprechend, ne? Den Satz könnte glatt einer deiner Ober-Sozn verfasst und sich gedacht haben: „Je anspruchsvoller formuliert, desto eher wird nix draus.“ Wenn´s mal richtig klappert im Karton, wie jetzt beim „Ausstieg“ der USA aus dem „Atomdeal mit Iran“, dann bringt der öffentlich-rechtliche Qualitätsjournalismus höchstens noch transatlantische Nabelschau.

Auf einen vorgeblichen „Hintergrundbericht“ über Trumps Abenteuerpolitik verschwendete „Tagesschau.de“ sage und schreibe 930 Wörter in 18 Absätzen (2). Motiv und Zielsetzung dieser US-Politik aufzuzeigen schaffte ARD-aktuell trotzdem nicht. Weder im Netz noch in ihren TV-Sendungen.

Trump-Zitate in Bild und Wort, televisionäre Zwiegespräche der Tagesthemen-Moderatoren mit den Korrespondenten in Washington, Teheran und Moskau sowie Interviews mit Frankreichs Staatspräsident Macron und dem deutschen Außenministerdarsteller Maas (3): Damit schickten die Tagesthemen klassisch kleinkarierte Standardware über ein Weltereignis in die bundesdeutschen Wohnstuben: die äußeren Erscheinungen seiner Politik darstellend, nicht aber die Ziele und Beweggründe des US-Präsidenten und der übrigen Akteure.

Ist dir irgendeine Nachricht erinnerlich, dass der Bruch des Atomabkommens mit Iran nur einen Vorwand für den Krieg um Irans Gasreserven und den Energiemarkt Europas (4) liefert? Oder gar irgendein Hinweis darauf, dass der Weltherrscher USA seinen global sichtbar werdenden Einflussverlust mit gesteigerter Aggressivität aufzuhalten versucht, ganz im Profitinteresse seines militärisch-industriellen Komplexes? Das „Flaggschiff der ARD“, die Tagesschau, hält brav transatlantischen Kurs.

Grundregel im guten Nachrichtenjournalismus, lieber Nachbar: Wenn ein komplexes politisches Manöver schwer einzuschätzen ist, musst du die Perspektive wechseln. Das macht ARD-aktuell aber nicht. Sie guckt nur durch die transatlantische Brille.

Kannst du dich noch erinnern? Trumps Amtsvorgänger Obama hatte den Schwerpunkt der US-Außenpolitik in den pazifischen Raum verlagert: „‚Pivot to Asia‘ – Der Feind heißt China“ (5). Ein Machtspiel unter Nutzung traditioneller Gegensätze zwischen Japan, VR China, Korea, Philippinen, Vietnam, Taiwan, Indonesien, Myanmar, Indien, Pakistan. Effekt: Nordkorea trieb seine Atombewaffnung voran. Die VR China beanspruchte die Hoheitsrechte über die Inseln im Südchinesischen Meer. Es häuften sich gefährliche militärische Zwischenfälle. Washington hatte mit diesen Brandherden die Rechtfertigung für seinen riesigen „Verteidigungshaushalt“ von 700 Milliarden US-Dollar. Der militärisch-industrielle Komplex der Supermacht erzielte die verlangten Profitraten.

Der Etat des Pentagon ist größer als die gesamten Verteidigungsausgaben der restlichen Welt.

Darüber erfuhrst du in den Nachrichten der Wunderlampe wenig bis nichts. Auch nicht, dass der unmäßige militärische und handelspolitische Druck der USA in Fernost Emanzipationsbestrebungen wachrief. Die Philippinen wandten sich der VR China zu und einigten sich unerwartet schnell über den Verlauf der Seegrenze(6). Die Verständigungsbereitschaft der beiden Teile Koreas wurde als freudige Überraschung gefeiert und für Denkfaule als Erfolg der wüsten Kriegsdrohungen Trumps gegen Pjöngjang dargestellt. Mag er sich mit diesen Federn schmücken. Das deutsche TV-Publikum hatte dagegen Anspruch darauf, mit qualifizierteren Informationen bedacht zu werden.

Zum Beispiel hätte es erfahren müssen, dass sich die VR China, Nordkorea, Südkorea und Japan über alle ihre tiefen historischen Gegensätze hinweg auf friedliche Zusammenarbeit verständigt haben (7). Man reibt sich die Augen: Ja, auch Japan will mitwirken. Da deutet sich ein friedenspolitischer Schwenk der zweit- und der drittstärksten Wirtschaftsmacht der Welt an, China und Japan bewegen sich aufeinander zu, und die USA müssen Kulisse bleiben. Innerhalb eines Monats gab es gleich zwei Treffen des chinesischen Präsidenten Xi Jinping mit seinem nordkoreanischen Kollegen Kim Jong Un (8). Und es war Xi, der Nordkorea zu konstruktiverZusammenarbeit und zur Aufgabe seiner Nuklearpolitik bewogen hatte, diskret und freundschaftlich schon in der ersten Begegnung am 27. März in Beijing. Die deutschen Hofmedien munkelten da nur faktenfrei und im besten Stil ihres Russlandschmähs von einem „gepanzerten Sonderzug“ aus Nordkorea(9).

Da nun in Fernost der Druck aus dem Kessel ist, brauchen die USA einen neuen Brandherd, damit weitere Steuer-Milliarden in ihren Militärhaushalt und somit an Kriegsindustrie und Banken fließen können.

Die Geldelite lässt sich auch befriedigen, wenn im Mittleren Osten ordentlich eingeheizt wird. Iran. Das liegt zudem im Interesse Israels – und keiner hat größeren Einfluss auf Washingtons kriegsbereite Außenpolitik. Darauf geht die ARD-aktuell lieber gar nicht erst ein.

Komm, Nachbar, guck in die Wunderlampe. Da siehste, wie die Zamperonis und Miosgas mit ihren Interviewpartnern über US-Präsident Trumps ach so irrationale Entscheidung schwadronieren. Wie notwendig es nun sei, dass aber die anderen Vertragspartner des Atomabkommens „vernünftig“ blieben und zu ihrer Verpflichtung stünden.

Merkst du was? Keiner dieser begnadeten Interviewer fragte nach der „Vernunft“ der französischen, britischen und deutschen Politik: Einerseits mit großer Geste auf Bewahrung des Atom-Abkommens mit Iran pochen und andererseits gemeinsam mit den USA die iranischen Hilfstruppen in Syrien bombardieren? Wie bescheuert muss man wohl sein, um diesen Widerspruch zu ignorieren? Das Wort „Völkerrechtsbruch“ kam jedoch bei ARD-aktuell in diesem Zusammenhang nicht vor. Das Wort „Kriegsverbrechen“ erst recht nicht.

Zu intelligenten Fragen langt es einfach nicht.

Wäre Tumbheit strafbar, kämen solche Qualitätsjournalisten in Deppenhaft.

Maas? Das Dum-Dum-Geschoss der deutschen Diplomatie? Welch ein Glück für den kleinen Gernegroß, dass die „Tagesthemen“ sich nicht schon in der gleichen Sendung auch an den russischen Außenminister wandten, Lawrow nicht einmal indirekt zitierten. Zum Beispiel mit seiner Bemerkung, Trumps Vertragsbruch könne durchaus mit Sanktionen der Europäer gegen die USA beantwortet werden. Der direkte Vergleich zwischen beiden Politikern hat inzwischen allerdings doch stattgefunden und gezeigt: Lawrow ist ein Außenminister. Maas möchte nur gern einer sein. ARD-aktuell hält ihm brav das Mikro hin und lässt ihn dicke Backen machen, wenn er seine notleidenden, klapperdürren „Gedanken“ äußern will. Im Sozn-Stil: der Nixwisser als Adabei.

Jetzt sammeln wir mal ein paar schwere Brocken „Sonstiges“, die in den vergangenen Tagen unter den Nachrichtentisch der ARD-aktuell-Qualitätsjournalisten fielen. Einverstanden?

Iran will sein Öl nicht mehr für US-Dollar verkaufen, sondern gegen Euro und chinesische Yuan. Das ist ein Angriff auf den „Petro-Dollar“, er stellt die Leitwährung der Welt infrage. Für vergleichbare Absichten haben die USA vormals zwei Kriege gegen den Irak geführt, eine Million Menschen umgebracht, das Land in Trümmer gelegt und Saddam Hussein hängen lassen. Als der Gaddafi versuchte, eine goldgestütze Währung für Afrika zu kreieren, wurde sein blühendes Libyen zerstört und er selbst viehisch ermordet.

Übrigens: Falls du selbst mal einen Blick auf den „Atom-Deal“ werfen möchtest, findest du die deutschsprachige Fassung auf der Internetseite der Europäischen Kommission (10) und auf den Seiten des deutschsprachigen Dienstes bei den UN (11). Bei ARD-aktuell aber nicht.

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind per Gesetz verpflichtet, dich in die Lage zu versetzen, dir eine sachlich fundierte Meinung zu bilden. Wie vorzüglich das klappt, kannst du an dir selbst sehen: bist nicht nur Sozn geworden, sondern sogar geblieben.

Behauptest immer noch, die Tagesschau sei eine bereichernde Informationsquelle. Wenn jemand von der Fehmarn-Sund-Brücke in die Ostsee pinkelt, glaubst du ja auch, dass davon der Meeresspiegel steigt.

Schau dir lieber ein paar Beispiele für systematische Nachrichten-Unterschlagung der ARD-aktuell an:

Saudi-Arabiens Luftwaffe hat den Präsidentenpalast des Jemen in Sanaa bombardiert. Viele Tote und Verletzte (12). Der Angriff auf ein so eindeutig ziviles Ziel ist ein Kriegsverbrechen. Doch weil das saudische Blutsäufer-Regime ein enger Verbündeter unserer Westlichen Wertegemeinschaft WWG ist und strategisch mit Waffen und Logistik bei seinen Bombardements unterstützt wird, schweigt Berlin. Also schweigt auch die Tagesschau.

Der US-Kongress will die in Syrien mordenden Terroristen- und Söldnerbanden verstärkt mit „Ausbildung und Ausstattung“ unterstützen. Ein Millionen-Programm(13). Kein Wort darüber von ARD-aktuell.

Die USA zündeln in der Ukraine. Seit kurzem liefern sie panzerbrechende Fernlenkraketen an das faschistische Regime in Kiew (14). Was geht der vom Westen geschürte und auch von Berlin mitfinanzierte Bürgerkrieg in der Ukraine den deutschen Fernsehzuschauer und Steuerzahler an? Nichts, meint die Tagesschau. Und unterschlägt alle Nachrichten darüber, wie Faschisten und Neonazis die Ukraine terrorisieren und Russland zum Kriegseintritt zu provozieren versuchen.

Vier Jahre ist es her, dass ein faschistischer Mob in Odessa ein Pogrom an vermeintlich „prorussischen Linken“ verübte, 46 Besucher des Gewerkschaftshauses dort einschloss und das Gebäude niederbrannte; wer dem Flammeninferno entkam, wurde auf der Straße totgeschlagen (15). Im Schutz der ukrainischen Behörden laufen die Mörder bis heute frei herum. Am Jahrestag dieses „Nach-Maidan“ gab es keinerlei Nachricht dazu von ARD-aktuell.

Wann hast du das letzte Mal von den Opfern des angeblichen Giftgas-Anschlags der Russen im britischen Salisbury gehört? Dass das tödliche „Novichok“ nur aus einem russischen Geheimdienstlabor stammen könne? Und jetzt stellt sich raus, dass Vater und Tochter Skripal einfach nicht umzubringen waren undpraktisch jedes gut ausgestattete Chemielabor Novichok herstellen kann (16). Nichts davon in der Tagesschau.

Statt des vielen Berichtenswerten erzählt uns ARD-aktuell regelmäßig von ihrem heißgeliebten Putin-Hasser Alexej Nawalny (17).Der kriminelle Krawallbruder strickt immer die gleiche Masche: Lenkt eine Demonstration an einen Ort, der dafür von den Behörden nicht freigegeben war und ignoriert ihr Ersatzangebot. Wird er daraufhin festgenommen, sind die Kameras westlicher Reporter schon eingeschaltet. 1.000 Nawalny-Demonstranten in Moskau sind für die ARD ein Thema, 10.000 Teilnehmer einer Friedensdemo in Berlin dagegen nicht.

Langt es dir schon, lieber Nachbar? Die Beschwerdeliste über die Tagesschau ließe sich beliebig verlängern. Sendungen der ARD-aktuell sind ein Angriff auf die mentale Integrität des Zuschauers. Maas-stabgerechte visuelle Anreize zu sofortiger Ganzkörperhygiene. Aber sag an: heute Abend, 20 Uhr: Was guckst du?

…genau, der Acht-Uhr-Gong ist doch das Signal, die Bierflasche aufzumachen! ’s ploppt ja auch deutschlandweit um diese Zeit: Jetzt geht’s lo-os!

Quellen und Anmerkungen:

(1)http://www.ard.de/download/1899726/Grundsaetze_fuer_die_Zusammenarbeit_im_ARD_Gemeinschaftsprogramm_.pdf
(2) http://www.tagesschau.de/ausland/iran-atomabkommen-kritiker-befuerworter-101.html
(3) http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tt-5979.html
(4) https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2018/05/09/iran-deal-usa-verschaerfen-gangart-im-energie-krieg-um-europa/
(5) https://deutsch.rt.com/international/40406-obamas-aussenpolitik-pivot-to-asia/
(6) http://www.atimes.com/article/china-philippines-seek-share-south-china-sea/
(7) https://www.telesurtv.net/english/news/China-Japan-South-Korea-Stress-Unity-amid-North-Korea-Moves-20180509-0018.html#cxrecs_s
(8) https://edition.cnn.com/2018/05/08/asia/kim-jong-un-xi-jinping-china-intl/
(9) https://www.welt.de/politik/ausland/article174929796/Kim-in-China-Handyaufnahmen-des-Sonderzugs-liess-Peking-gleich-loeschen.html
(10) http://www.consilium.europa.eu/de/policies/sanctions/iran/jcpoa-restrictive-measures/
(11) http://www.un.org/Depts/german/sr/sr_15/sr2231.pdf
(12) https://www.reuters.com/article/us-yemen-security/saudi-led-air-strikes-hit-yemen-presidential-palace-houthi-media-idUSKBN1I81ER
(13) https://de.sputniknews.com/politik/20180508320618765-usa-assads-gegner-waffenlieferungen-ausbildung/
(14) https://de.sputniknews.com/politik/20180430320532960-poroschenko-panzerabwehrraketen-usa-lieferung/
(15) http://swiss.ch.ma/aktuell/odessapogrom-vier-jahre-spater-laufen-die-morder-noch-immer-frei-herum-video
(16) https://www.youtube.com/watch?v=IaKfW_Lhf9g&t=91s und https://de.sputniknews.com/politik/20180501320542409-grossbritannien-skripal-salisbury-sedwill/01.05.2018
(17) http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-25417.html

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15 Kommentare zu: “Tagesdosis 29.5.2018 – Deppen-Journalismus

  1. Ist dieser Artikel abends beim feucht-fröhlichen Stammtisch verfasst worden? Ich finde ihn inhaltlich sehr gut, aber stilistisch ehrlich gesagt ganz schrecklich!

    1. Bei allem Wahrheitsgehalt und bei allen erhellenden Gedanken scheint mir der generelle Gestus des Kommentars genau so bevormundend wie die Tagesschau selbst: sämtliche Autoren-Meinungen werden vorab als hier längst bekannt und faktisch gesichert dargestellt, alle hier scheinen sich eh einig zu sein, wie die „Wahrheit“ wirklich aussieht. Dem (vielleicht neuen?) Leser scheinen die Autoren nicht viel eigene Auffassungsgabe zuzutrauen, denn nichts wird hier der Phantasie oder eigenen Schlussfolgerungen überlassen – zu jedem einzelnen Themenzweig existiert eine 100% festgefahrene eigene Definition, eine eigene Meinungsbildung des Lesers scheint nicht erwünscht zu sein.

    2. Die Sprache benutzt extrem viele manipulative Begriffe, ganz ähnlich wie es der Tagesschau zu recht vorgeworfen wird, nur eben umgekehrt: Maas ist „Ministerdarsteller“ und „Dum-Dum-Geschoss der deutschen Diplomatie“, die saudische Regierung ist ein „Blutsäufer-Regime“, usw…fehlen noch Flintenuschi und Kampfanzug-Katja, verstehen Sie, was ich meine? Es sind Kampfbegriffe, die das Denken des Lesers unbewusst lenken wollen: haargenau die gleichen Mittel wie die „Systemmedien“ sie auch verwenden, nur eben für eine andere Weltsicht.

    3. Dank genau dieser gerne eingesetzten „Merkel-muss-weg“-Wortkreationen sowie der aggressiven Beleidigungen gegen Maas wähnt sich eher in einer rechts-schäumenden Filterblase statt auf einer „freien“ und alternativen Journalismus-Seite. Ich hätte mich über weitere rechte Modebegriffe wie „Schlafschafe“ oder „Systemlinge“ auch nicht mehr gewundert, Hagen Grell lauert hinter der nächsten Ecke…

    4. Statt die Tagesschau sachlich zu kritisieren und die Ungereimtheiten zu entlarven (gerne auch mit Hilfe subtiler polemischer Mittel), wird hier nur der Holzhammer verwendet und wütend geschimpft. Es kommt leider für mich extrem aggressiv rüber und fällt in seinem recht grob beschimpfendem Gestus immer wieder auf Stammtischniveau zurück.

    Ich wünschte, es gäbe auf KenFM mehr Autoren von der Klasse eines Daniele Ganser – der setzt Polemik subtil und niveauvoll ein, stellt vor allem Fragen und präsentiert sachlich und ruhig erhellende Fakten. Er lässt genügend Spielraum für eigene Gedanken, statt mit roher, aggressiver Sprache herumzupoltern. Ganser ist es auch, der dem Leser/Zuhörer eigene Gedanken zuzutrauen scheint: er lässt Raum für Interpretationen und wirkt sehr sachlich und vorsichtig mit seinen Aussagen. Das gefällt mir sehr und ich würde mir wünschen, dass dieser neue, junge Aufklärungsjournalismus von KenFM in Zukunft mehr in diese Richtung geht.

  2. Die beiden haben doch jahrelang für eine Propaganda-Medium der Nato gearbeitet und merken jetzt, dass alles doof ist, früher aber besser war? Wo war denn das Gewissen all die Jahre/Jahrzehnte?
    Das wundert mich auch bei Herrn Wimmer, dessen Bücher ich sehr schätze, aber der Punkt, dass es erst seit einiger Zeit schief läuft, dem kann ich nicht folgen.
    Als ob früher in der alten BRD alles korrekt war!
    Die Herren golirifizieren ihre Vergangenheit durch die Kritik heute und kaschieen ihr Mittun.

    Warum werden immer die vorlaut, die raus sind?
    Warum gibt es nicht mal einen aktiven whistleblower?
    Alte Männer, die selber ihr ganzes Berufsleben mitgemacht haben, sind für mich verbrannt.

    • Niemand wir mit all seinen Eigenschaften und Sichtweisen, die sich auf mannigfaltige Weise im Laufe des Lebens verändern, geboren.
      Der Mensch ist kein statisches unveränderliche Objekt.

  3. Dr. Gniffkes Macht um Acht: Alles eine Soße – Banker, Gauner, Journalisten
    29.05.2018 • 17:23 Uhr

    In den Nachrichten über Massenentlassungen bei der Deutschen Bank spielt das Schicksal der Betroffenen keine Rolle. Auch über Proteste am Rande der Aktionärsversammlung wird kein Wort verloren. Eine Abrechnung mit ARD-Chefredakteur Dr. Gniffke und der Tagesschau.

    von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

    (…)
    Die Stellenzahl wird also „verringert“. Bloß nicht aussprechen und melden, was Sache ist: Weit mehr als 7.000 Menschen werden ihre Arbeitsplätze verlieren. Sie werden arbeitslos oder auf ungeliebte Posten verschoben, weil einem alerten Banker vom Typ Jungdynamiker nichts Besseres dazu einfällt, wie die Profite der Bank wieder so gesteigert werden könnten, als dass die Aktionäre den Hals vollkriegen. Der Mann verdient mehrere Millionen Euro pro Jahr. Die Tagesschau, wichtigster Nachrichtenanbieter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, berichtet aus seinem und dem Blickwinkel von Aktionären und Managern, vulgo: Beutelschneidern. Das Schicksal von tausenden Lohnabhängigen interessiert sie einen Dreck. Kein wahrscheinlich Betroffener kommt hier zu Wort.
    (…)
    Kein Wort verliert die Tagesschau darüber, dass die jetzt diskutierte Massenentlassung mutmaßlich nur die Spitze des Eisberges ist. Im Dezember 2017 sagte der vorige Vorstandschef John Cryan der Financial Times, seiner Ansicht nach sei bei der Deutschen Bank die Hälfte der 97.000 Arbeitsplätze „überflüssig“. Verschwiegen wird auch, dass die Aktionäre der Deutschen Bank in diesem Jahr immerhin noch rund 1,5 Prozent Dividende einsacken, das Siebenfache dessen, was derzeit ein Sparbuchbesitzer zu erwarten hat.
    (…)
    Mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt

    Diese schlicht daherkommende Frage macht wasserklar, dass sich in solchen Nachrichtensendungen alles um kapitalistische Methodik dreht, nicht um soziale und humanitäre Anliegen. Die Antwort des Lobbyisten enthält das bekannte neoliberale Lamento: Zum Arbeitsplatzabbau bestehe keine Alternative, vergleichbare Banken kämen mit der Hälfte der Beschäftigten aus… Es folgt seine Eloge auf den neuen Bankchef und Arbeitsplatzvernichter Sewing. Journalisten der ARD-aktuell halten solchen Typen bereitwillig das Mikrofon hin und stören sie nicht mit lästig-kritischen Nachfragen. Der Nachrichtenjournalismus steht nicht im Dienste der Aufklärung, sondern im Dienst der wirtschaftlichen Eliten.
    Bei Dr. Gniffkes Qualitätsjournalisten reichte es nicht einmal dazu, eine Stellungnahme der Gewerkschaft ver.di einzuholen, der zuständigen Arbeitnehmerorganisation für die Beschäftigten des Bankengewerbes. Wundern darf man sich darüber nicht. Die ver.di-Verantwortlichen waren mutmaßlich in die Pläne der Deutschen Bank eingeweiht und tragen diese mit. Das geht aus der Aussage des Vorstandschefs Christian Sewing hervor: „Konkrete Maßnahmen zum Mitarbeiterabbau kommunizieren wir immer dann, wenn wir ein Etappenziel erreicht und es mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt haben.“

    Verdi-Chef Bsirske, Mitglied im Aufsichtsrat der Bank mit weiteren sieben Gewerkschaftsvertetern, lobte Bankenchef Sewing als „ausgezeichnete Wahl“, noch bevor dieser sein Amt angetreten hatte. Alles eine Soße: Banker, Lobbyisten, Gewerkschaftsfunktionäre, Journalisten. Man kennt sich, man sieht sich, man versteht sich. Auch bei der ärgsten Lumperei, die Menschen ins Unglück stürzt.
    (…)
    Kritiklose Berichterstattung wird zum System

    Vollends aus dem Blick bleibt schmutzige Geschäft, in dem auch die Deutsche-Bank-Manager bis zum Stehkragen stecken. „Ich krieg‘ die Krise. Raus aus Kohle, Waffen und Steueroasen!“, forderte die Bürgerinitiative Attac während der Hauptversammlung der Deutschen Bank. attac verlangt ein Ende des das Gemeinwohl schädigenden Geschäftsmodells der Bank: mehr als fünf Milliarden Euro in die Rüstungswirtschaft investiert; Spitzenreiter bei der weltweiten Finanzierung des Atomwaffenbaus; Drehkreuz zumindest illegitimer Finanzströme; Steuertrickser mit Niederlassungen in Steueroasen wie Luxemburg und den britischen Jungferninseln; Dienstleister und Hilfesteller einer Kundschaft, die sich mit Steuerhinterziehung und Geldwäsche bereichert.

    Wer attac ist und welche Informationen diese Organisation bereithält über die dunkle Seite der Deutschen Bank, weiß man natürlich bei der Tagesschau. Darum erscheint nur konsequent, dass dieses transatlantisch-kapitalistisches Doping verbreitende Propaganda-Institut kein Wort über die Gegendemonstration der attac gegen die Aktionärsversammlung der Deutschen Bank verlor. Kritiklosigkeit gegenüber den Mächtigen hierzulande ist ein Markenzeichen der Tagesschau.
    https://deutsch.rt.com/meinung/70622-dr-gniffkes-macht-um-acht-deutsche-bank/

    Es ließe sich noch anmerken, daß diese Aktion evtl. noch einen Lerneffekt hat, zumindest dahingehend, da die Bankmitarbeiter ja sonst nichts Vernünftiges gelernt haben, als anderen selbst das Fell über die Ohren zu ziehen.

    Nun erfährt man also, daß da man über andere klettert, über einen selbst hinweggeklettert wird, wenn’s denn paßt.

    Der Kapitalismus frisst seine Kinder, bzw. tun das die Nutznießer an der Spitze.

    • Punkt 1) seit 30 Jahren nicht.
      Punkt 2) Noch nie bezahlt (Da kein Glotzen Konsum vorlag und auch bis zu meinem Ende nicht vorliegen wird.)
      Und Ja wer Schaut & Zahlt ist selber schuld.

    • Hallo Herr Edelhäußer,
      wieso haben Sie das schon vor 30 Jahren (ca. 1988) vor dem Fall der Mauer
      durchschaut. Mir ist das erst 2014 durch besondere Umstände bewusst geworden,
      das die definitiv lügen.

    • @Thomas Erler
      Habe auch mein Fernsehgerät vor 30 Jahren entsorgt .
      Wer seine Sinne offen hatte , konnte auch vor 30 Jahren sehen , wie das Fernsehen
      Verdummung und Propaganda betrieb , damals als Hauptrichtung gegen die Sovietunion ,
      aber auch allgemein kulturell und gesellschaftspolitisch .
      Der Bruch begann in den 1980er Jahren, als eine allgemein doch für die Menschen gemachte Politik in pure Machtpolitik überging .

  4. Öffentlich-Rechtliche Medienanstalten sind unverzichtbar, auch die Tagesschau.

    Politische Hofberichterstattung, sprich regierungsunkritische politische Berichterstattung, muss allerdings zwingend durch plurale Berichterstattung ersetzt werden. Bspw. Polittalkrunden mit regierungskritischen Journalisten, z.Bsp.
    Matthias Bröckers
    Ken Jebsen
    Albrecht Müller
    Jens Berger
    Gaby Weber
    Paul Schreyer oder anderen Personen gehören ebenfalls dazu.

    Reformen sind zwingend erforderlich. Warum lassen wir uns den gegenwärtig politisch verlotterten Zustand der Tagesschau bieten?

    • Ersetze „der Tagesschau“ im letzten Satz mit „Deutschlands“/ „der EU“ / „der Welt“.

      Weil alle politisch apathisch sind dank eben dieser Desinformation durch die MSM sowie unsere Bildungseinrichtungen, weil keiner mehr an große Utopien glaubt und weil alle nach Jahrzehnten des immer weiter forcierten Kapitalismus höchstens noch hoffen, ihren kleinen Arsch zu retten.

  5. Die Kommentare der Herren Klinkhammer und Bräutigam sind immer hervorragend und sprechen mir aus dem Herzen. Ich bereute bis heute noch keine Sekunde, dass ich Dauerunterstützer von KenFM geworden bin. Auch die Nachdenkseiten, Rulbikon, Telepolis, RT-Deutsch, Sputnik, Nichtkampf-TV, die Rationalgalerie, Weltnetz-TV sind hervorragende Seiten um sich objektiv zu informieren.

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