Tagesdosis 3.11.2017 – Rajoys Rache

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Eine Woche nach dem Unabhängigkeitsbeschluss in Katalonien hat Madrid erneut hart zugeschlagen. Neun Minister der vom spanischen Regierungschef Mariano Rajoy abgesetzten katalanischen Regionalregierung landeten am Donnerstag in Untersuchungshaft. Gegen den entmachteten Regionalpräsidenten Carles Puigdemont und vier weitere Ex-Minister verhängte das Staatsgericht Madrid einen Haftbefehl. Den Betroffenen drohen 30 Jahre Knast. Sie befinden sich derzeit in Brüssel. Ob Belgien sie festnehmen und ausliefern lässt, bleibt abzuwarten.

Die Situation in Katalonien ist differenziert zu betrachten. Unabhängigkeitsbestrebungen in Katalonien sind nichts Neues. Teile der katalanischen Arbeiterbewegung sowie der Linken haben sie immer unterstützt. Es gelte, heißt es aus diesen Kreisen, sich endlich von der spanischen Regierung unter der Nachfolgepartei des Faschisten Francisco Franco namens Partido Popular zu befreien.

Puigdemont gehört indes einer liberalen Partei an. Gleichwohl saßen auch Linke und Kommunisten im Parlament. Linke bewerten die katalanischen Bestrebungen konträr. Die einen kritisieren sie als völkisch und nationalistisch. Die Abspaltung schade vor allem den einfachen Menschen in Katalonien wie im Rest Spaniens, heißt es. Katalonien gilt als wirtschaftlich stärkste Region. Die EU würde die Loslösung nicht tolerieren, der Austritt aus selbiger sowie dem Euro würde fällig. Außerdem könne es auf einen Bürgerkrieg hinauslaufen, der möglicherweise von einflussreichen Kräften sogar gewollt sei und befeuert werde.

Andere wiederum verweisen auf die blutige Geschichte. Historisch sei Katalonien ein von der spanischen Krone erobertes und unterdrücktes Land, beklagen sie. Daher sei der Wunsch nach Unabhängigkeit erklärbar. Die Befreiung von Spanien schwäche schließlich den spanischen und europäischen Imperialismus. Per sé sei die Bewegung zwar nicht antikapitalistisch. Es gebe aber starke Kräfte, die in diese Richtung tendierten.

Man sollte die Argumente beider Seiten durchaus ernst nehmen. So ist etwa bekannt, dass Bewegungen politisch gezielt unterwandert werden, um sie für Interessen der Herrschenden, die sich keineswegs in allem einig sind, zu benutzen. Ein auf youtube verbreitetes Video in Soros-Qualität, das für die Befürworter der Unabhängigkeit fightet, erinnert zum Beispiel an den Maidan.

Andererseits darf die Historie nicht ausgeblendet werden. Rajoy steht der Nachfolgepartei Francos vor. Die ließ brutal und blutig Hunderte Menschen krankenhausreif prügeln, die sich friedlich an Wahlen beteiligten. Haftstrafen von 30 Jahren erhalten in Deutschland nicht einmal Mörder. Rajoy steht für eine autoritäre Herrschaft in einem Land, in dem es kaum Sozialleistungen gibt. Millionen Erwerbslose und Rentner hungern dort inzwischen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei fast 40 Prozent. Viele Betroffene sind obdachlos. Der Abbau sozialer Rechte zieht sich durch ganz Europa und ist längst in Deutschland angekommen.

Das heißt: Die Gefahr eines Bürgerkriegs in Spanien, befeuert von interessierten Kreisen, ist durchaus real. Solidarität mit den Verprügelten, Verletzten und jetzt Inhaftierten und Verfolgten, ist dennoch angesagt. Denn in Katalonien war nichts entschieden. Ob es sich in Richtung eines solidarischen, humaneren Landes oder eine autoritäre Bürgergesellschaft entwickeln würde, wenn man die Katalanen ließe, bleibt vorerst offen.

Entschieden haben Mariano Rajoy, sein Regime in Madrid, seine Polizei, sein Militär. Entschieden haben die spanischen Waffen. Rajoy hat den Katalanen den Kampf angesagt, so wie er ihn schon längst den Abgehängten in ganz Spanien angesagt hat. Die linke Bürgermeisterin Barcelonas, Ada Colau, sprach am Freitag gegenüber Journalisten von Revanchegelüsten Rajoys. Er jedenfalls hat die blutige Schlacht eröffnen lassen. Er zeigt deutlich die Fratze der imperialistischen Herrschaft. Diese tritt in Deutschland nur etwas versteckter zutage. Noch.

+++

Dank an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

Alle weiteren Beiträge aus der Rubrik „Tagesdosis“ findest Du auf unserer Homepage und auf unserer KenFM App

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

16 Kommentare zu: “Tagesdosis 3.11.2017 – Rajoys Rache

  1. Frau Bonath,

    Liebe Gruesse aus Griechenland..

    Mal eine ganz einfache Frage:Glauben Sie eigentlich das die „Multi-Kulti ist gescheitert“-Tante aus dem Jahre 2010 tatsaechlich auf einmal nur ein paar Jahre spaeter Ihr grisses Herz entdeckt und trotz erstarkender AfD nun aus Mitleid und Menschlichkeit die Fluechtlinge aus Syrien regelrecht eingeladen hat?

    Worauf will Ich hinaus..auf eine ganz ueble Verschwoerungstheorie natuerlich.Ich versuche ihnen zu sagen das es doch logisch ist das man in Spanien anders versucht Chaos zu stiften als man es in Deutschland tun wird.Der Rechtsruck,Nationalismus,Rassismus,Seperatismus und (schlussendlich) Krieg ist eine Rettungsinsel fuer die Eliten.Schon immer gewesen.Lieber Syrern auf die Nase als den Leuten von der deutschen Bank.“Lasst doch die verarmten und Verzweifelten sich gegenseitig auf die Nase hauen und Wir erscheinen dann als Retter um fuer Recht & Ordnung zu sorgen“.So denken die Eliten.

    Wer das nicht glauben will und alles als Verschwoerungstheorie abtut was da so als Warnung am Horizont auftaucht ist naiv liebe Frau Bonath.

  2. Liebe Frau Bonath,

    der Artikel hat mir schon deutlich besser zugesagt als Ihr letzter über Katalonien. Es ist eben differenziert zu betrachten.

    Allerdings finde ich – abseits von allen rechtlichen, moralischen und sonstigen Überlegungen – ist dieser Kampf für die Unabhängigkeit Kataloniens, selbst wenn er für eine gute Sache sein sollte, doch unter den gegebenen Umständen ein absolut aussichtsloser. Und macht daher schlicht und ergreifend keinen Sinn.

    Unter den gegebenen Umständen wäre in Europa doch nur etwas zu ändern, wenn eine neue (sozialistische) Bewegung in mindestens einer kompletten Nation an „die Macht“ kommt durch Wahlen. Und sich dann nicht kaufen oder einschüchtern lässt (wie z.B. Tsipras), nicht vom Militär weggeputscht wird und sich eine wirklich fundamental andere Politik traut.

  3. Ein Bericht aus dem Alltag in Spanien, der den meisten deutschen Lesern wohl unbekannt ist und der nichts mit Urlaubs-Erfahrung zu tun hat:

    Die ganze spanische Mittelmeerküste ist voll von ausländischen Residenten, sowohl die Rentner als auch Tausende von Bediensteten, die die Tourismusindustrie am Laufen halten. Von diesen Bediensteten sind in der Provinz Valencia Valencianos in der Minderheit. Hauptsächlich Spanier, Lateinamerikaner und EU-Ausländer.

    Zum Verständnis, die Provinz Valencia schließt südlich an Katalonien an und geht bis hinter Alicante. Valenciano, ein Dialekt des Katalan, ist hier so wie Castellano (Spanisch) Amtssprache. Javea liegt in der Provinz Valencia.

    Folgender Artikel erschien vor 2 Wochen in einer deutschsprachigen Wochenzeitschrift hier an der Küste:

    Direktorin der Hafenschule hat politische Debatte um Landessprachen satt

    Daraus zitiere ich:

    „Im Colegio…sind viele der 80 in Javea lebenden Nationalitäten vertreten. Die Mehrheit der 234 Kinder sind Ausländer, viele sprechen am Anfang kein Spanisch. Dass in der Schule auf Valenciano unterrichtet wird und Castellano nur nach und nach als zweite Sprache eingeführt wird, ist für die ausländischen Schüler kein Problem.“

    Die Direktorin „bedauert, dass sich die Diskussion um die zwei Landessprachen in den Schulen zu einem Politikum entwickelt hat.“…“Als eindeutig positiv bewertet“…sie…“dagegen, dass die Valenciano- und Castellanolinien…abgeschafft wurden….’Die Einheimischen gingen in Valencianoklassen, die Ausländern in Castellanoklassen’…“

    „Wählen könnten die Eltern nur noch, in welcher Sprache die ABC-Schützen Schreiben und Lesen lernten. ‚Und die meisten wählen inzwischen Valenciano. In ganz Javea gibt es nur noch eine Klasse wo ABC-Schützen auf Castellano unterrichtet werden.‘ Darüber freut sich“…die Direktorin…“‚Schulen sollen ja in zweisprachigen Ländern diejenige Sprache fördern, die schwächer ist, damit sie nicht verloren geht.'“

    „‚Wer als Ausländer in den Castellano-Zweig gibt, hat nie ordentlich Valenciano gelernt'“ wird sie weiter zitiert und „‚Das war ein Problem, denn in den weiterführenden Schulen ist Valenciano Pflichtfach und auch bei vielen Stellenausschreibungen wird es später gefordert.'“

    Soweit meine Auszüge.

    Die Direktorin hat die Debatte also satt. Basta! Soviel zum demokratischen Verständnis, daß für viele „Nur Valenciano“-Vertreter steht, die häufig nur deswegen keine Separatistas sind, weil Valencia Geld von Madrid erhält, während Barcelona an Madrid abführt.

    Für die ausländischen (das sind für sie hier auch die spanischen-nicht valencianischen) Kinder sei es kein Problem, daß sie jetzt dem Unterricht auf Valenciano folgen müssen? Warum haben die Eltern früher, als sie die Wahl hatten, das denn wohl vermieden? Vielleicht, weil sie den Kindern bei den Schulaufgaben auf Valenciano nicht helfen können, somit diese in der Benotung dann immer schlechter abschneiden?

    Die Behauptung „die meisten wählen inzwischen Valenciano“ ist insofern interessant, als viele Eltern gar nicht wissen, daß in allen Schulen außer einer einzigen nur noch Valenciano angeboten wird. Wenn die das merken, sind sie überrascht – aber zu spät. Dann trösten die sich häufig damit, daß auf den weiterführenden Schulen in Javea wieder nur Valenciano gefordert wird, es insofern für die Kinder leichter sei.

    Interessant ist auch, wie sich der pädagogische Ansatz der Direktorin verschoben hat: Schule soll jetzt die schwächere Sprache fördern! Ich dachte immer, Schule solle die Kinder fördern.

    Die Schüler bräuchten Valenciano spätestens, wenn es „bei vielen Stellenausschreibungen … gefordert“ wird. Schwachsinn. Das trifft nur für den öffentlichen Dienst in der Provinz Valencia zu. Sonst nirgends. Und wenn es dann gebraucht würde, wäre es so, als ob man in München Bayrisch für seinen Job lernen müßte.

    Dieses Beispiel aus dem Alltag soll dazu dienen, den Freiheits- und Demokratie-Nimbus der Separatistas zu lüften. Nicht besser als die PP und Rajoy.

    Ich bleibe dabei, ich bevorzuge, über die Korruption, die NATO und die sozialen Probleme hier zu sprechen. Muß mich aber leider auch um das Sprachproblem kümmern.

    • Recherchen dürften ergeben, dass irgendwelche NGOs und/oder Think-Tanks aus Brüssel und Washington am Werk sind. In Asien kenne ich westliche Akademiker an dortigen Universitäten, die in EU-NGOs organisiert sind und über diese auch in den Universitäten installiert wurden/werden. Sie arbeiten daran, z.B. im Norden Thailands, „indigene“ Sprachen zu fördern und sind (angeblich) überzeugt, dass das Fördern von Fremdsprachen dem nachträglich wäre. Dazu muss man wissen, daß die Landbevölkerung zu großen Teilen beim Schuleintritt noch nicht die Landessprache spricht/schreibt. Es gibt eine von der Hegemonie (Kolonialismus) der englischen (westlichen) Sprache(n) geförderte und prosperierende Industrie von privaten Sprachschulen (inländische im Bunde mit ausländischen). Dennoch hat z.B. Thailand enorme Probleme, das Image des asiatischen Landes mit den schlechtesten Englischkenntnissen (selbst unter Akademikern) zu verbessern. Dabei bieten Englischkenntnisse die Möglichkeit, entweder den Westen für sich zu nutzen oder sich gegen ihn zu entscheiden. Die Furcht vor der zweiten Möglichkeit bestimmt die Wirklichkeit. Für manche macht das alles Sinn; für manche absolut nicht. Interessant ist, dass in anderen Regionen, z.B. Singapore, andere Akzente gesetzt werden. Wohl weil ein Stadtstaat und die geplante Zukunft. Daraus kann man schließen, daß global für die Metropolen im Gegensatz zu ländlichen Regionen ähnliche Entwicklungen vorgesehen sind.

  4. Fangen wir mit dem Leben in Spanien an. Rajoy führt die PP an, in der man die meisten ehemaligen Franquisten wieder findet. Stimmt! Wieviel ehemalige Faschisten haben sich in der CDU wiedergefunden? (Mit der AfD ziehen nicht die ersten Nazis im Bundestag ein!) Was ist also an Rajoy schlimmer, als z.B. an Kanzler Adenauer, Kiesinger oder Kohl? Was soll also das Erinnern an die versteckten Faschisten in der PP in diesem Zusammenhang? Rajoy schlimmer machen als Merkel? Finde ich weder passend noch nützlich – nur von den eigentlichen Problemen ablenkend.

    Tatsächlich läßt sich das politische Leben in der BRD und in Spanien – wie auch in den meisten westlichen EU-Ländern vergleichen. Im Guten wie im (meistens) Schlechten. Das gilt auch für die verprügelten Opfer beim letzten Referendum in Katalonien. War denn die deutsche Polizei beim G20 in Hamburg besser? Also auch hier die spanische Polizei schlechter/schlimmer machen als die deutsche? Wollen wir zählen, wieviel Verletzte Rajoy mehr zu verantworten hat in Katalonien als Merkel in Hamburg? Ist das das Kriterium?

    Kommen wir zu den Linken! Links ist wenn der katalanische A/A (Arbeiter/Angestellte usw.) solidarisch ist mit dem spanischen A/A gegen die Unterdrücker, gleich welcher Nation. Rechts ist, wenn der katalanische A/A solidarisch ist mit seinem katalanischen Unterdrücker gegen den spanischen A/A vorgeht. (Verzeihung, praktisch läuft das darauf hinaus, für seinen Unterdrücker, denn der hält in der Regel den Kopf nicht selber hin)

    Man prüfe unter diesen Gesichtspunkt, ob in einer katalanischen Partei, die sich links nennt, auch links drin ist. So einfach ist das. (Allerspätestens mit dem Hitler-Stalin-Pakt hat auch die KPdSU für mich jegliches Links-Attribut verloren)

    Insofern ist ein Satz der Autorin völlig wichtig und richtig: „So ist etwa bekannt, dass Bewegungen politisch gezielt unterwandert werden, um sie für Interessen der Herrschenden, die sich keineswegs in allem einig sind, zu benutzen.“ Ich frage mich nur, warum ist sie dann selbst darauf hereingefallen?

    Ich erinnere mich an den letzten Podcast von Ken Jebsen zu diesem Thema (Media 38). Leider hat er, den ich auch sehr schätze, sich an dieser Stelle das Gehirn zukleistern lassen. Er spricht u.a. von Katalanen und Spaniern. Gelungenes Framing!

    Kommen wir zu den Separatistas (nicht Katalanen): Die soziale und solidarische Politik dieser Leute kann man gut an folgendem beurteilen:

    Meldung vom 19.10.2017: Deutschlehrer auf den Balearen werden entlassen, weil sie kein Katalan sprechen
    und schlimmer noch:
    22.10.2017: 8 Putzkräfte werden entlassen, weil sie kein Katalan sprechen.
    (links werden im nächsten Kommentar nachgereicht)
    Es gibt Dutzende solcher Vorkommnisse und schlimmer!

    Alle bürgerlichen Parteien in Spanien sitzen tief im Korruptionssumpf. Puigdement ist der Ziehson von Artur Mas, mit beiden Füßen fett im gleichen Sumpf. Darüber spricht jetzt keiner mehr!

    Aber „Puigdemont gehört indes einer liberalen Partei an.“ Ja und? Weniger Faschisten bei den Liberalen als bei der PP oder was soll das? Lindner besser als Merkel?

    Ich meine, Rajoy und Putschdement: Beide in einen Sack und dann….

    Vor wenigen Tagen erschien hier ein Kommentar von Ernst Wolff „Wer profitiert eigentlich vom Konflikt in Katalonien?“, der im wesentlichen aufzeigte, worum es wirklich geht und der endet mit: „Was kann der Finanzelite in dieser Situation Besseres passieren, als dass eine regionale politische Gruppierung sie aus der Schusslinie nimmt, indem sie die Wut und die Aufmerksamkeit der gesamten spanischen Bevölkerung (und der europäischen Öffentlichkeit) auf einen langsam eskalierenden und möglicherweise auf einen Bürgerkrieg hinauslaufenden Konflikt zwischen Separatisten und Nationalisten lenkt…?“

    Das ist richtig und deshalb darf man der Empfehlung von Frau Bonath: „Man sollte die Argumente beider Seiten durchaus ernst nehmen.“ auf keinen Fall folgen. Man muß sich sicher mit den Separatisten ernsthaft auseinandersetzen und ihnen immer wieder klar machen: Wem nützt der Konflikt und wie sieht es mit Krieg und Frieden (auch Spanien ist in der NATO aktiv) und der sozialen Frage aus?

    • Hey, nun mal nicht gleich so aufgeregt. Hat keiner behauptet, dass die CDU nicht die Nachfolgepartei der deutschen Faschisten sei 😉 Ebenso hat niemand behauptet, dass Puigdemont besser als Merkel sei. Auch kein Mensch hat gesagt, dass die Prügelorgie der Polizei in Hamburg weniger schlimm gewesen sei.

      Aber ich bezweifle, dass sie Menschen aus Katalonien kennen. Ich hingegen schon. Die sehen das sehr unterschiedlich.

      Faschisten mit Hitlergrüßen en masse auf offener Straße waren übrigens in Madrid zu sehen 😉

      Dass es Unruhen in Spanien gibt, ist natürlich auch der erbärmlichen Lage vieler Menschen geschuldet, der enorm hohen Erwerbslosigkeit, der Verarmung, den sozialen Verwerfungen. Ich widerspreche auch nicht, dass sicher die Finanzindustrie vom Konflikt am Ende profitiert.

      Ob das mit den Entlassungen so stimmt, weiß ich nicht, wage es aber zu bezweifeln. Propaganda wird von jeder Seite betrieben. Man müsste mit den Betroffenen selbst sprechen und ihre Situation beleuchten.

      Man kann aber nicht die Geschichte leugnen. Ebenso kann man nicht Bewegungen als homogene Einheit sehen. Bewegungen sind von vielerlei Einflüssen, auch von der gewachsenen Historie geprägt.

      Nicht alle, die für Unabhängigkeit sind, sind zugleich auch Anhänger von Puigdemont und Co. Nicht alle sind völkische Nationalisten. Und das Liberalismus eine Spielart der Macht im Kapitalismus ist, ist klar.

      Die Gründe, für Unabhängigkeit zu sein, sind vielfältig. Es gibt schlechte und gute. Und es gibt ohne Zweifel drohende Folgen, die aber weniger mit den Gründen, als mit der Reaktion der Herrschenden zu tun haben.

      Die Argumentation, dass eine Unabhängigkeit sowieso nur dem oder jenem Kapilisten nützen würde, hinkt. So könnte man gegen jede Bewegung gegen die Herrschenden argumentieren und die Herrschaft auf alle Ewigkeit zementieren, weil, das sei ja besser für alle. Hieße also, alle führen am besten, wenn sie stillhielten. Das kann kein Zukunftsmodell sein.

      Jedenfalls glaube ich nicht an eine große übermächtige Verschwörung des Finanzsektors, Rajoy und Puigdemont. Die beiden letzteren hätten nichts davon, wenn ein Bürgerkrieg im Land ausbräche. Und auch hier darf nicht vergessen werden: Auch sie sind, als Menschen, Produkte ihrer Erfahrungen. Natürlich könnte es dennoch zum Bürgerkrieg kommen. Es bräuchte bloß einer ein paar Scharfschützen von Dächern auf beide Seiten ballern zu lassen und jeweils das andere Lager zu beschuldigen.

      Beste Grüße

    • Das Völkerrecht steht aus gutem Grund über anderem Recht .
      Wie die Bevölkerung auf der Krim das Recht hatte über ihre Belange zu entscheiden, haben die Katalonen das Recht über ihre Belange zu entscheiden .
      Der große Einschnitt und damit die Offenbarung der spanischen Politik, die wiederum in der EU Unterstützung fand ,
      war das beinahe unvergleichbar brutale Vorgehen gegen diese demokratische Willensbildung . Die Würfel sind gefallen, der Faschismus zeigt sein Gesicht .

    • Völlig blöde Idee mal: Wahlzettel in ganz Spanien mit zwei Fragen zum ankreuzen. 1, Sind Sie Spanier oder Katalone? 2.Wollen Sie das Katalonien eigener Staat wird? Bei beiden nur Ja/Nein als Antwort möglich. Dann auszählen und ab geht die Luzi. Könnte es so einfach gehen? Hätten wir im Ergebnis evtl. plötzlich mehr Katalonen als bisher, damit die tolle EU ein wenig weiter zusammengesponnen werden kann? Wie gesagt, völlig blöde Idee…finde die aber irgendwie toll, machbar und viel, viel besser als ein kommender Bürgerkrieg.

    • Susan
      “ Man kann aber nicht die Geschichte leugnen. “
      Ich muss lachen.
      Wozu hat Deutschland Gesetze die die Holocaust und die Armenische Genozid Schützen ?

    • @ wasserader,

      es dürfte ihnen mit ziemlicher Sicherheit bewußt sein, daß das sog. Völkerrecht allerlei Auslegungen und Interessen unterworfen ist.
      Anwendung bzw. die Nichtanwendung ist beliebig und eine Machtfrage. Gilt auch für Verfassungen, sowie für deren Modifikation im Interesse der Eliten.

      Auch ist der Vergleich Krim, Katalonien; ist ein Vergleich von Äpfeln und Birnen. Sie können noch den Kosovo und Donbass dazunehmen, eine Suppe rühren und dabei zig weitere Aspekte ausblenden.

      In Katalonien gibt es XYZ Mitspieler, mit z.T. unterschiedlichen Motivationen, die Mächtigsten dieser Mitspieler haben alles Mögliche im Sinn, jedoch am allerwenigsten demokratische Verhältnisse.

      Was vermutlich tatsächlich zu einem „Bürgerkrieg“ führen würde, was auch ohne dem nicht ausgeschlossen ist, wäre tatsächlich damit zu beginnen, basisdemokratische Strukturen zu etablieren.
      In diesem Fall wären sich „el Rey“ und Señor Puigdemont (und Anhänge) vermutlich sehr schnell wieder einig, daß dies zu unterbleiben habe.
      Man stelle sich vor dieser Virus würde sich ausbreiten.

      Im Übrigen ist es zwar keine allgemeingültige Regel, aber hin und wieder taucht der Faschismus als Antifaschismus auf.

      @ wer auch immer sich angesprochen fühlt,

      macht euch mal keinen Stress, wie die Kommentar-Landschaft zeigt, klappt das mit der Fragmentierung, bewußt und unbewußt, bestens.

    • Apropos Faschisten in Madrid, ich war gerade unterwegs um Einkäufe zu erledigen, da war dann einer dieser blauen, „Bunt statt Burka“ Stände und es wurden munter Pamphlete verteilt.
      Offenbar nehmen die Rechten das mit dem ganzjährigen Aktionismus wesentlich ernster.

    • @ Box .
      Obst . Äpfel als auch Birnen sind Obst , andererseits sind Äpfel nicht gleich Äpfel , die Vielfalt der Natur ist groß .
      Selbstverständlich gelten Vergleiche wenn auch nicht Identität gegeben ist .
      Noch keine notwendige Änderung fand durch Einhaltung faschistuider Gesetzgebung statt . Die Katalonen wollten einen demokratische Abstimmung und das ist ihr Recht . Es ist nicht Recht , unter keinen Umständen , die Wahlwilligen in einer Orgie der Gewalt am Abgeben ihrer Stimme zu hindern .
      Ich bin erstaunt aber wenig überrascht, wie die Gewalt das spanischen Staates gegen die Wahlwilligen gerechtfertigt wird oder versucht wird diese Gewalt unter den Teppich zu kehren .

  5. “ Rajoy steht der Nachfolgepartei Francos vor. “
    Est ist sehr traurig wie die Medien uns informieren.
    Dasselbe wie zitiert hörte ich heute Morgen in Niederländische Radio, wo Mann über Telephon Kommentar geben konnte.
    1978 soll Kataloniën das heutige Spanische Grundgesetz akzeptiert haben, widerwillig, um von Diktatur zu Demokratie zu gehen.
    Was wir hier sehen ist Fascismus gegen Demokratie.
    Man kann es auch anders sehen, die Streit in GB im 19ten Jahrhundert, zwischen Industrie und Wirtschaft einerseits und Grossgrundbesitz anderseits.
    Städte wie Birmingham und Liverpool hatten keine Abgeordnete im Unterhaus, nicht mehr bestehende Dörfer, ‚rotten boroughs‘, doch.
    So kann Mann das Konflikt in Spanien sehen als zwischen alte religiöse Feudal Aristokratie und Industrie usw.
    Es ist schon lange her das ich ein Spanier im Fernsehen hörte ‚Demokratie ist ein Spiel, wer die meiste Stimmen bekommt kan regieren. Aber bei uns hier in Spanien besteht eine kleine Gruppe die glaubt von Gott das Recht bekommen zu haben zu herrschen‘.
    Die Kultur eines Landes ändert sich deutlich sehr langsam, schon im Spanischen Bürgerkrieg stand Barcelona, sozialistisch, gegenüber Madrid, fascistisch.
    George Orwell war Freiwilliger am sozialistischen Seite, er beschreibt es: ‚Homage to Catalonia‘.

    • @ Pieter Kamp

      Es ist weltweit im Gange. Ich habe in den letzten 30 Jahren wechselweise in Europa und in Asien gelebt. In asiatischen akademischen Publikationen und auch manchen Medien beobachtet und analysiert: Es findet ein Rückzug aus der Demokratie/demokratischen Entwicklungen statt und ein Erstarken von royalen, feudalistischen militärischen Systemen mit faschistischen Strukturen, in denen Militär und/oder (Geld-) Aristokratie ihre Länder und Völker „einhegen“. Wo opportun ist man aber noch immer im Bunde mit dem Geld, das die Welt regiert, gleich welcher Herkunft. Das Wirken von Königshäusern, Aristokratie und Faschismus ist in Asien „deutlicher sichtbar“ als im Westen. Ich vermute, Spanien hat einige royale telefonische Anrufe erhalten.

Hinterlasse eine Antwort