Tagesdosis 3.3.2018 – Zentralbank-Politik: Was steckt eigentlich hinter der „Zinsangst“?

Ein Kommentar von Ernst Wolff

Es gab Zeiten, in denen sich so gut wie niemand für die Zentralbanken interessierte. Bis vor zehn Jahren wusste kaum jemand, wer an der Spitze der Zentralbank seines Landes stand und welche Beschlüsse er oder sie fällte.

All das hat sich mit der Krise von 2007/2008 geändert. Mario Draghi ist in Europa ebenso bekannt wie die vor kurzem abgelöste Janet Yellen in den USA. In dieser Woche erhielt auch Yellens Nachfolger Jerome Powell bei seinem ersten großen Auftritt in Washington gewaltige mediale Aufmerksamkeit.

Dabei stand vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Wird Powell die Zinsen in den USA erhöhen oder nicht? Börsen-Insidern und Finanzfachleuten zufolge ist die Beantwortung dieser Frage für die Zukunft der Finanzmärkte von entscheidender Bedeutung. Warum?

Die Folgen der Rettung des Finanzsystems

2008 konnte der Zusammenbruch des globalen Finanzsystems nur dadurch verhindert werden, dass mehrere Regierungen den Finanzsektor ihres Landes mit riesigen Summen stützten. Das aber riss gewaltige Löcher in die Staatshaushalte, während die Wirtschaft wegen der Folgen des Crashs nicht wieder in Gang kam. Daraufhin griffen die Zentralbanken mit einer Kombination aus zwei Maßnahmen ein: Sie schufen per Knopfdruck Geld und senkten die Zinsen.

Angeblich diente dieses künstlich erzeugte „billige“ Geld dazu, die Realwirtschaft wieder anzukurbeln. Tatsächlich aber wurden damit (durch den Verkauf von Unternehmens- und Staatsanleihen) einzelne Konzerne und ganze Länder gestützt, die sonst zahlungsunfähig geworden wären.

Außerdem wurde ein großer Teil des Geldes zur Spekulation genutzt und erzeugte riesige Blasen an den Anleihen-, Aktien- und Immobilienmärkten. Das enorm schnelle Wachstum dieser Blasen lockte immer mehr Spekulanten an, von denen viele ihre Einsätze „hebelten“, also mit geliehenem Geld zu zocken begannen, was ihre Gewinne, aber auch die Verschuldung in die Höhe trieb.

Doch nicht nur die Spekulanten nahmen Kredite auf: Da der Lebensstandard großer Teile des Mittelstands und der Arbeiterschaft nach 2008 erheblich sank, waren auch viele arbeitende Menschen gezwungen, sich zu verschulden. Auf diese Weise hat der globale Gesamtschuldenberg (staatlich, gewerblich und privat) größere Ausmaße als je zuvor angenommen.

Erhöht man in dieser Situation die Zinsen, so erschwert man die Bedienung der laufenden Kredite bringt sowohl die Staaten, als auch die verschuldeten Spekulanten in immer größere Bedrängnis. Bei den Privathaushalten würde man die Kaufkraft weiter herabsetzen und so zu wachsendem sozialem und politischem Widerstand beitragen. Aus diesen Gründen haben sich die Zentralbanken, allen voran die US-Zentralbank Federal Reserve, bisher mit Zinserhöhungen zurückgehalten.

Die Zentralbanken befinden sich in einer ausweglosen Lage 

Warum aber setzen sie diese Politik nicht einfach fort? Warum verzichten sie nicht auf weitere Zinserhöhungen und schaffen per Knopfdruck noch mehr Geld?

Zu diesem Mittel würde vor allem die Federal Reserve gern greifen – wenn da nicht ein verheerender Nebeneffekt wäre: Das viele billige Geld hat nämlich bereits zu einem fortschreitenden Wertverlust des US-Dollars geführt. Dieser wiederum hat bewirkt, dass US-Staatsanleihen ebenfalls an Wert verloren haben und – ohne Zinserhöhung – weiter an Wert verlieren werden.

Die US-Staatsanleihen aber sind sozusagen das Blut, das durch den Organismus der USA fließt. Mit Hilfe dieser Staatsanleihen finanziert das Land sich selbst und vor allem auch seine Kriege. Wenn sie an Wert verlieren, drohen eine nachlassende Nachfrage oder ein massenhafter Verkauf durch die Halter der bisher ausgegebenen Staatsanleihen. Beides hätte für die finanzielle Situation der USA verheerende Folgen. Um diesen zu entgehen, gäbe es für die Federal Reserve nur ein Mittel – sie müsste die Zinsen für US-Staatsanleihen wieder erhöhen.

Die USA und ihre Zentralbank Federal Reserve befinden sich also in einer ausweglosen Lage: Eine Zinserhöhung zieht Riesenprobleme nach sich, ein Verzicht darauf schafft Bedingungen, unter denen eine Zinserhöhung unvermeidlich wird.

Egal, was die Federal Reserve und die US-Regierung in nächster Zeit tun – es sind, bildlich gesprochen,  reine Verzweiflungsreaktionen eines Ertrinkenden, für den es keine Rettung mehr gibt.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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21 Kommentare zu: “Tagesdosis 3.3.2018 – Zentralbank-Politik: Was steckt eigentlich hinter der „Zinsangst“?

  1. Etwas zum Verhältnis, Zentralbank, Banken, Staat.

    Es heißt immer, die Zentralbank sei die BANK DER BANKEN. Das ist in doppelter Hinsicht richtig. Einerseits versorgt die Banken mit Zentralbankgeld über Kredite oder Ankauf von Wertpapieren. Aber sie ist auch die Bank der Banken, weil die Banken entscheiden, was die Zentralbank macht. Das geschieht über personelle Verflechtungen (Draghi war vorher bei Goldman-Sachs) oder durch Kungel-Clubs wie die G30, die Group of Thirty.

    Nicht wenige behaupten, die Zentralbanken über die Gelddruckmaschine, den Staaten helfen, über ihre Verhältnisse zu leben und zu einer unverantwortlichen Staatsverschuldung beitragen. Dem muss widersprochen werden. Staatsanleihen werden in sogenannten Auktionen von einem kleinen Kreis von Großbanken ersteigert. Sie kommen nicht direkt in den Markt, sondern nur über Privatbanken. Die haben großen Einfluss auf Zinsen und Kurse der Staatsanleihen. Insofern haben Banken hierüber nicht wenig Macht über den Staat. Vereinfacht ausgedrückt: Wenn die Banken nicht wollen, bekommt der Staat kein Geld oder nur mit ungünstige Konditionen. Ein direkte Staatsfinanzierung durch die Zentalbanken ist auch verboten. Momentan wird dieses Verbot aufgrund der Krisensituation über den Sekundärmarkt aber umgangen.

    Über Stützungskäufe von Staatsanleihen durch die Zentralbanken wird aber nicht nur den Staaten geholfen. Wer sind denn die größten Halter von Staatsanleihen? Richtig, die Banken. Deshalb wurden mit den Rettungsgeldern für Griechenland auch nicht der Staat oder die Bürger gerettet, sondern die Banken, die griechenländischen Staatsanleihen hielten. Allen voran deutsche und französische Banken.

    • Zur Erinnerung …

      Franz Hörmann (Professor für Rechnungswesen) „ … eine Bank, die in Wirklichkeit einen Kredit verliert, hat keinen Verlust, denn das Geld ist ja im Kredit erst entstanden …“

      „ … Geld ist kein positives Vermögen – “

      „ … Geld ensteht heute in einem Buchungssatz jeder privaten Geschäftsbank durch eine sogenannte Bilanzverlängerung … “

      „ … ein privater Mensch oder ein Unternehmer, der sich bei einer Bank oder Sparkasse Geld ausleiht, der bekommt nie das Geld eines Sparers, sondern das Geld hat vorher noch nie exisitiert. Das ist ein Buchungssatz Forderung an Verbindlichkeit und so beide Male an dem selben Menschen, dem Kreditnehmer und das ist – ich bin ja Rechnungswesen-Professor – ziemlich pervers das muß man so sagen ne? Denn die Bank hat eine Forderung, die sich verzinsen läßt und gesteht bilanzrechtlich gleichzeitig ein, daß sie noch nicht geliefert hat. Und eine Verbindlichkeit heißt ich bin das, was ich eigentlich liefern wollte nach wie vor schuldig. Nech? Und eine Forderung mit einer eigenen Schuld zu begründen ist zumindest nicht sehr schlüssig … “

      Und wieso soll sich ein souveräner Staat von einer privaten Bank Geld gegen Zins ausleihen? 😉

  2. Das Zinsniveau und die Geldmenge wird in erster Linie durch Privatbanken und die Zinszahlungsbereitschaft der Kunden beeinflusst. Die Steuerung der Geldmenge durch die Zentralbank über Leitzinsen hat nie funktioniert. Kein Wunder, die Banken müssen nur auf die Zentralbankreserven die Leitzinsen bezahlen. Diese machen aber nur einen Bruchteil des Volumens der Kreditvergabe der Banken aus. Die Banken müssen nur rund 3% ihrer Kredite mit Zentralbankreserven hinterlegen. Die Mindestreserve ist 1%, hinzu kommen ca. 2% für die Liquiditätsreserve. Hinweis für jene, die nicht so vertraut mit dem Geldsystem sind: Durch Kreditvergabe der Banken erhöht sich die Geldmenge. Bei Rückzahlung der Kredite verringert sie sich.

    Einen direkten Zusammenhang zwischen den Leitzinsen und den Zinsen für Bankkredite gibt es also nicht. Darüber hinaus haben Untersuchungen von Richard Werner (Buch: „Neue Wirtschaftspolitik“) ergeben, dass nicht die Bankzinsen den Leitzinsen folgen, sondern umgekehrt. Er hat hierzu auch eine umfassende empirische Studien durchgeführt, die dies belegen.

    Das Zinsniveau hängt von der Zinszahlungsbereitschaft der Kunden und der Gewinnoptimierung der Banken ab. Sie gestalten die Zinsen so, dass der Zinsgewinn optimal wird. Je höher die Zinsen, desto weniger Kredite werden aufgenommen. Je niedriger die Zinsen, desto mehr Kredite werden aufgenommen. Das Zinsniveau wird dann so gewählt, dass der Zinsgewinn maximal wird. Der Zinsgewinn berechnet sich ja aus der Kreditmenge mal Zinssatz.

    In der aktuellen Ausnahmesituation kaufen die Zentralbanken Unternehmensanleihen und Staatsanleihen auf. Wenn sie Unternehmens- oder Staatsanleihen von Nicht-Banken aufkaufen, erhöht sich in der Tat die Geldmenge. Wenn sie aber Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen von den Banken aufkaufen, erhöhen sich nur die Zentralbank-Reserven-Bestände der Banken, nicht die Geldmenge. Und der größte Teil an Staatsanleihen wird von Privatbanken gehalten. Zentralbankreserven zirkulieren nur zwischen Banken und der Zentralbank. Nur jemand, der ein Konto bei der Zentralbank hat, kann in den Genuss von diesen Reserven kommen. (Warum Genuss? Sie sind so sicher wie Bargeld).

    Selbstverständlich versuchen die Banken und die Zentralbanken, die Zinszahlungsbereitschaft der Kreditnehmer zu beeinflussen. Dazu dient unter anderem die immer wieder angekündigte, dann aber doch nicht erfolgende Erhöhung der Leitzinsen. Damit soll die Zinszahlungsbereitschaft der Kreditnehmer gesteigert werden. Das funktioniert zur Zeit aber nicht. Der optimale Zinssatz verharrt deshalb auf sehr niedrigem Niveau.

    • Sehr richtig, das Zinsniveau für uns, das Publikum, hat nichts zu tun mit den Leitzinsen, welche allein für Zentralbankgeld gelten, dem Geld, welches die Banken unter sich verwenden. Tatsächlich ist unser jetziges Geldsystem für Laien schwer verständlich. Doch von Fachjournalisten erwarte ich, dass sie sehr wohl wissen, wie unser Geld- und Bankensystem funktioniert und keinen Unsinn von sich geben. Tatsache ist, dass dieses Geldsystem der multiplen Geldschöpfung ausgesprochen krisenanfällig ist, innert kürzester Zeit zusammenbrechen kann, wenn die Banken untereinander das Vertrauen verlieren und dadurch der Kreislauf des Geldes stoppt. Deswegen gibt es weltweit Wirtschaftswissenschaftler, welche sich für eine „Vollgeldreform“ einsetzen. In Deutschland setzt sich der Verein „Monetative“ dafür ein http://www.monetative.de

    • Ich bin auch voll für Vollgeld. 🙂

      Der Begriff multiple Geldschöpfung sollte aber vermieden werden. Das Modell des Geldschöpfungsmultiplikators stellt den Geldschöpfungsprozess nicht korrekt dar.

    • Wer das Geheimnis der Geldschöpfung kennt, der weiß auch warum Zins und Wachstumszwang zusammen gehören …

      So ist unser Geldsystem : Gäbe es keine Schulden, so gäbe es auch kein Geld. (Marinner S. Eccles, Chairman and Governor of the Federal Reserve Board)

      Jedes Mal, wenn eine Bank einen Kredit gibt, wird ein neues Guthaben erzeugt. neue Einlagen, brandneues Geld. (Graham F. Tower, Director Bank of Canada, 1934-1954

      Unser nationales Umlaufvermögen hängt vollkommen von der Kreditvergabe der Banken ab, die selbst kein Geld verleihen, sondern Versprechen abgeben Geld zu liefern über welches sie nicht verfügen. (Irving Fisher, Ökonom und Autor)

      Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum könne ewiglich in einer endlichen Welt fortschreiten, ist entweder ein Irrer oder ein Ökonom. (Kenneth Boulding, Ökonom)

  3. werter hr. wolf,
    wieso verstehen sie nicht , dass zentralbanbanken eine makro-steuereung betreiben!
    was heißt es denn denn , wenn die FED die zinsen erhöhen? natürlich eine Aufwertung des us-Dollars!, haben sie die Zeiten nicht verstanden? alle möchten ihre währungen abwärten(Merkantilismus betreiben). sie sollten sich ein wenig mit saldenmechanik beschäftigen um zu verstehen, dass wir mittlerweile in merkwürdigen ökonomischen Zeiten leben.

    • Er, der Mann heisst übrigens WolFF (soviel Höflichkeit muss trotz ihrer Abneigung sein), hat doch geschrieben, dass durch Niedrigzinsen eine Dollarabwertung stattfindet. Somit bewirkt eine Zinserhöhung eben das Gegenteil, einer Abwertung. Was soll daran falsch sein?

      Sollte ich mich irren, erklären Sie uns doch die bitte ausführlich die korrekte Sachlage oder, falls Sie das hier schon getan haben, verweisen Sie bitte auf den entsprechenden Artikel.

      Besten Dank

    • @ BluShit
      ich halte die Erklärung/Analyse aus der alleinige Betrachtung der „Finanzmärkte“ für 100% falsch. leider verwechselt hr. wolff Ursache mit Wirkung.
      es sind ja politische Entscheidungen gewesen, die in der Vergangenheit (seit den 70`ziger) die lohnquote zu Gunsten der Gewinnquote verschoben haben, was dazu führen muss, dass einige reich werden bzw das unternehmen zu sparern werden. und was machen die denn mit ihren Reichtum, natürlich suchen die nach finanz-anlage (welche sich im zuge der zeit entladen müssen) . denn in der realen wirtschaft ist nix mehr zu verdienen, aufgrund sinkender lohnquote, sinkt auch die nachfrage.

      viele Jahrzehnte später und weiterer politische Fehlentscheidungen, finanzkriesen (seit den 80`zigern), brauche ich mir nur noch die finanzierungssalden (USA) anzuschauen, um festzustellen, dass die privaten, Unternehmer und das Ausland Sparer geworden sind und der Staat logischerweise der Schuldner. und zurecht will der Staat auch kein Schuldner sein. was passiert denn, wenn niemand Schuldner sein will? natürlich, der zins sinkt!
      blöderweise hat der us-doller in der welt eine besondere Stellung (Leitwährung) daher steckt die fed in einem besonderen Dilemma. einerseits möchten sie den us-doller attraktiv halten (mittelfristig will sie den zins auf 3% erhöhen), andererseits würgen sie damit die us-witschaft ab.

      worin besteht nun der unterschied zu hr. wolff? in seinen Kommentaren nimmt er immer eine Mico-perspektive ein.
      Beispiel:
      „Angeblich diente dieses künstlich erzeugte „billige“ Geld dazu, die Realwirtschaft wieder anzukurbeln“

      wieso angeblich? wären gleichzeitig fiskalische und politische Entscheidungen in Richtung „Zentralbankpolitik“ getroffen worden, würde genau das eintreten!

      „globale Gesamtschuldenberg (staatlich, gewerblich und privat) größere Ausmaße als je zuvor angenommen“

      den nettoschulden steht immer das Nettovermögen gegenüber (schulden+vermögen=0) , reine verteilungsfrage!

      “ wenn da nicht ein verheerender Nebeneffekt wäre: Das viele billige Geld hat nämlich bereits zu einem fortschreitenden Wertverlust des US-Dollars geführt. Dieser wiederum hat bewirkt, dass US-Staatsanleihen ebenfalls an Wert verloren haben und – ohne Zinserhöhung – weiter an Wert verlieren werden“

      wenn Zentralbanken den zins senken, fällt logischerweise auch der zins auf Staatsanleihen. Wertverlust einer währung ist ein relatives Konzept! (ab-aufwärtung)

      „Was steckt eigentlich hinter der „Zinsangst“?“

      wieso zinsangst, solange die westlichen Ökonomien neoklassisch gesteuert werden, wird es keine Zinserhöhung geben!

    • „Teile und Herrsche“ ist eine Methode die man auch für komplexe verworrene Strukturen anwenden kann, um dadurch eine logische vernünftige Erklärung darzustellen.
      Gemäß dem propagandistischen Ideal haben wir das Volk das gleichzeitig der Staat ist. Dann haben wir die Zentralbank die auch eine Institution eines Staates ist die lediglich die Finanzströme verwaltet sowie kontrolliert.
      So wenn man dieses Ideal logisch durchdenkt, kommt einen die Frage was bitteschön soll der Käse mit Schulden bzw. die Probleme die daraus ergeben sollen?
      Aus der simplen Gleichung: Volk = Staat = Zentralbank. soll man sich doch die Frage stellen, was für einen Sinn bzw. unsinn es ist bei sich selber zu verschulden.
      Noch leichter ist es, wenn man das auf eine Familie oder auf eine einzelne Person herunterbricht. Warum sollte die Familie bzw. man bei sich selbst verschulden? Macht das einen logischen Sinn?

      Die Sache löst sich auf, wenn eine Ungleichung vorherrscht. Das Volk =/= Staat und die Zentralbank =/= Institution eines Staates. Dann nämlich kann sich der Staat sowohl bei seinem Volk als auch bei der Zentralbank verschulden. Hier ist aber noch ein ganz wichtiger Parameter nicht zu vergessen, die Privatbanken. Wobei in der Realität sind fast alle Zentralbanken sämtlicher Staaten nur ein Deckmantel, eine Zentralbank ist ein Konglomerat von Privatbanken.
      Dann stelle man sich die Frage warum Staatsanleihen nur über Umwegen über Privatbanken zu vergeben sind?
      Nun aber, kaufen Zentralbanken auch noch diese Staatsanleihen auf. Das ist nicht nur per Gesetz verboten, sondern auch unsinnig, wie im ersten Absatz begründet (Staatsfinanzierung durch den eigenen Staat). Macht aber wieder Sinn, wenn das eine Privatinstitution ist.
      Betrachten wir doch noch einmal das sinnfreie Schema des Schuldenmachen bei der eigenen Bevölkerung. Wenn man bei der eigenen Bevölkerung hat, warum dann Steuern abverlangen?
      Das ganze macht überhaupt einen Sinn, wenn man überhaupt nicht bei der „Bevölkerung“ schulden hat, sondern bei einem winzigen Teil davon.
      Um das Ganze mal abzurunden, selbst wenn man unsinnigerweise bei sich selbst Schulden aufgenommen hat, so kann man sich wieder selbst entschulden, also bezogen auf den Staat der bei der eigenen Bevölkerung Schulden macht.
      Dummerweise sieht in der Realität das ganz anders aus. Der Staat, der von den wenigen Privatbanken okkupiert wird, nimmt Schulden bei dieser kleinen Verbrechervereinigung auf und verlangt die Rückzahlung dafür bei der Bevölkerung. Das ist eine Win-Win-Situation (hoch n) für die Verbrechervereinigung:
      – Schulden die keine sind, vom Volk abverlangen
      – Zinsen auf Schulden die unbegründet sind auch abpressen
      – Steuern die zur Tilgung der Schulden die a priori keine sind, abzweigen
      – Bei Verweigerung schützt die Staatsmacht, korrekter, die StaatsGEWALT, dass diese Schulden beglichen werden müssen

      Diese naive Nachplapperei der indoktrinierten Macro-, Micro-, VWL, BWL- oder -was zum Teufel was-Ökönomie ist doch langsam albern und einschläfern.

    • Hallo Keeneahnung,

      danke für die gute Erklärung.

      Das macht Sinn und erklärt auch ihre Kritik an Wolffs Artikel.
      Ich bin der Sache, obwohl ich vor 20 Jahren u.a. durch B.Senf´s Buch die womögliche Hauptursache für den ganzen Mist der hier abläuft grob verstanden habe, aus Zeitgründen niemals so richtig bis auf den Grund der Gülle gestossen.

    • Merkwürdich, ja zweimal.

      Noch nie wurde die Zins so niedrich festgestellt, und nicht verstanden durch Fachleute, glücklich nicht alle, das es eine Mausfalle ist, die nun dicht ist.
      Zurück ist fast unmöglich.
      Das Geld ist ziemlich einfache Logik.

      Das zweite Mal, wie wenig Leute verstehen was Geld ist, das man heute durch Knopfdrück macht.

      Die Gegensatz zu die Phantasieën von Von Däniken hier ist erstaunend, da hat ein jeder ein Urteil fertig.

    • Son_Snow sagt:
      „Dummerweise sieht in der Realität das ganz anders aus. Der Staat, der von den wenigen Privatbanken okkupiert wird, nimmt Schulden bei dieser kleinen Verbrechervereinigung auf und verlangt die Rückzahlung dafür bei der Bevölkerung. Das ist eine Win-Win-Situation (hoch n) für die Verbrechervereinigung“

      Es ist in der Tat seltsam, dass der Staat zur Finanzierung seiner Ausgaben, Schulden bei Privatbanken aufnehmen und dafür Zinsen zahlen muss. Die Privatbanken halten ja die meisten Staatsanleihen und kaufen diese mit „selbstgeschöpften Geld, also per Knopfdruck, wie Wolff immer so schön sagt. Die Banken erzeugen somit neues Geld in Form der Kreditvergabe an den Staat. Wenn dagegen Bürger Staatsanleihen kaufen, bezahlen sie mit erspartem Geld. Hier wird also kein neues Geld geschaffen.

      Durch die Verzinsung von Staatsanleihen erfolgt eine Umverteilung von jenen, die über Steuern mehr Zinsen für die Staatsverschuldung zahlen als sie mit dem Besitz von Staatsanleihen erhalten. Es gibt sogenannte „Zinsgewinner“ und „Zinsverlierer“. Zinsgewinner sind Banken, Hedgefonds, Vermögende. Die, die wenig bis nichts haben, zahlen an die, die zuviel haben.

      Der Schuldendienst des Staates, der fast ausschließlich aus Zinszahlungen ohne Tilgungen besteht, belastete das Budget in den letzten Jahren durchschnittlich mit 10%. Damit nahm er den zweit- oder drittgrößten Posten ein, noch vor Gesundheit und Bildung. Das sollte einem zu Denken geben.

    • Son_Snow:
      „Dann haben wir die Zentralbank die auch eine Institution eines Staates ist die lediglich die Finanzströme verwaltet sowie kontrolliert.“
      Na was denn nun staatlich oder doch privat?
      Und ab wann tritt das Volk als Staat auf?

      keeneahnung:
      Ich schließe mich Ihren Ausführungen an.

  4. Das Drama läuft .
    Die Schuldeneintreibung läuft über Enteignung und Ausbeutung der Arbeitskraft .
    „Arbeitskräftemangel“ ist der Installationsbegriff für Fremdarbeiter, der gleichzeitig durch Arbeit für Billig und Willig Druck auf die einheimischen Arbeiter macht und systematisch zur Abschaffung von Arbeiterrechten und zur Durchsetzung von Lohndumping führt.

  5. „Da der Lebensstandard großer Teile des Mittelstands und der Arbeiterschaft nach 2008 erheblich sank, waren auch viele arbeitende Menschen gezwungen, sich zu verschulden.“
    Na zwangsläufig ist das meist nicht. Wenn ich bei Arbeitskollegen sehe, WARUM und für WAS Sie sich verschulden, hab ich große Zweifel ob das sein musste.
    „Ich kann mir das leisten“, höre ich immer wieder. Warten und Sparen ist Quatsch – bei den niedrigen Zinsen. „Ich lebe nur einmal“.
    Die Folgen werden Sie bei einer Zinserhöhung spüren, wenn der Zinssatz nicht bis zur kompletten Rückzahlung fest ist.
    Es wird doch oft nur „von der Tapete bis zur Wand“ gedacht.

  6. Wenn man es versteht ist es wieder ganz einfach.
    In guten alten Zeiten mussten Zentralbanken Geld verdienen, aus Zinsen.
    Nun ist das nicht mehr nötig, der Steuerzahler zahlt.
    Darum is es möglich die Zins absurd niedrig zu halten, die ECB geht nie pleite, Draghi wird immer sein Gehalt bekommen, und all die die dort Arbeiten.

    Ist einmal die Zins extrem niedrich festgestellt, grosse Folgen die wieder auf ein Normal Niveau zu bringen, vier %, Inflation nicht mitgerechnet.
    Alll die Länder die hohe Schulden haben, pleite.

    Nun ist es so das ein Land nie Pleite geht, aber wenn es nicht mehr zahlen kann was es muss, bricht doch das Finanz System zusammen.
    Jean-Noël Jeanneney, ‚Francois de Wendel en République, L’Argent et le Pouvoir 1914-1940, Paris 1976
    beschreibt es ausgezeichnet.
    De Wendel war im Aufsichtsrat der denn noch Private Französische Bank, der als Einzige Geld drücken konnte.

    Niedrige Zins, also eine Mausefalle, mit verheerende Folgen, die Mann am besten seht in Spanien.
    Lufthafen von etwa vier Milliarden verkauft unter € 100.000.
    Kapitalvernichtung.
    Es ist nicht einmal deutlich wieviele von solche Lufthafen Spanien gebaut hat, Geld in Luft umgesetzt.
    Die Spanier zahlen, wird der Zins erhöht, zahlen sie noch viel mehr.

    Pension Organisationen müssen bei Gesetz gezwungen werden fakisch wertlose Staats Obligationen zu kaufen.
    Die Zins ist niedricher als die Inflation.
    Hier zahlen die Pensionierte.

    Also, die Euro und die Dollar Krise haben verheerende Folgen.
    Die Implosion kommt.

  7. „Angeblich diente dieses künstlich erzeugte „billige“ Geld dazu, die Realwirtschaft wieder anzukurbeln. Tatsächlich aber wurden damit (durch den Verkauf von Unternehmens- und Staatsanleihen) einzelne Konzerne und ganze Länder gestützt, die sonst zahlungsunfähig geworden wären.“
    —> es muss heißen durch den KAUF und nicht VERKAUF. Übrigens wird alles Geld künstlich und per Knopfdruck erzeugt. Wolff schreibt so, als sei dies illegal oder ungewöhnlich.

  8. Gibt es wirklich gar keine Rettung?`Was wird der Ertrinkende tun? Sang- und klanglos einfach als failed Imperium sein Dasein fristen? Oder gute Deals machen, die aus dem Dilemma herausführen? Welche Deals könnten das sein?

    • Nach die Finanz Krach ist der Erde dasselbe, mit alle Fabriken noch da.
      Nach ein Paar Jahre funtioniert das wieder, ’nur‘ sind alle alte Leute arm geworden.
      So ging es in Deutschland nach die Hyperinflation mitte zwanziger Jahre.

  9. Ich bin entsetzt über den geringen Sachverstand des Autors dieses Artikels. Offensichtlich weiss er nicht, wie unser Geld- und Banksystem der Mindestreserve und multiplen Geldschöpfung tatsächlich funktioniert. Nun ja, die meisten deutschen Ökonomen wissen es auch nicht. Informieren Sie sich, Herr Wolff, zum Beispiel hier: http://positivemoney.org/how-money-works/banking-101-video-course/ Nein, die Federal Reserve Bank steht überhaupt nicht mit dem Rücken an der Wand; denn sie und andere Zentralbanken können nicht pleite gehen, wogegen Geschäftsbanken sehr wohl. Solange das System des Interbanken-Zahlungsverkehrs nicht ins Stocken gerät, der „Rubel rollt“, ist jede Krise des Finanzsystems überwindbar. Dies, nur dies ist die Aufgabe einer Zentralbank, dafür zu sorgen, dass die Geschäftsbanken, selbst wenn sie überschuldet sind, immer ausreichend liquide sind. Diese Aufgabe erfüllt die Federal Reserve Bank doch auch die EZB unter Draghi mit Brillianz.

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