Tagesdosis 3.7.2019 – Frieden heißt alle Menschen

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

„Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts.“ Willy Brandt

Letztes Wochenende war es wieder so weit. Es wurde von der Initiative Stopp Airbase Ramstein nach Ramstein eingeladen, um gemeinsam gegen die dort ansässige US-Airbase zu demonstrieren. Oskar Lafontaine sprach von der Nichtsouveränität Deutschlands. Wow! Auf einer Friedensveranstaltung vormals linker Organisatoren sprach ein linker Berufspolitiker davon, das Deutschland nicht souverän ist. Das müsste Oskar Lafontaine nicht nur einen Eintrag bei Psiram einbringen. Bis zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Artikels steht nichts von dieser Rede in seinen Einträgen auf Wikipedia(1). Vielleicht bemüht sich ja Feliks(2) noch darum? Schwierig, denn wenn Oskar über die Nichtsouveränität Deutschlands im Sinne der Airbase Ramstein redet, ist das Thema nicht mehr reichsbürgernah oder rechts. Oder, Potzblitz, ein Erkennungsmerkmal der AfD. Anmerkung für die selektiven Aufmerksamkeitsmeckerer: Ich bin nicht ein Sympathisant der AfD. 

Du bist unerwünscht

Zeitgleich kommt ein bekannter Friedensaktivist nach Ramstein, zur selben Demo, jetzt Politiker der AfD, in Privatunion, um für den Frieden mit zu demonstrieren. Schon erscheint prompt einer, der dieser Person die offizielle Unerwünschtheit an dieser Demo mitteilt. So geht Frieden, wenn er politisch ist. Er separiert und nimmt nur eine Person in die Arme, die der eigenen Markendefinition und Ideologie entspricht. Dass solche Friedensseparatisten vom Wesen des Friedens jedoch keinerlei Wissen haben, kommt ihnen selbst natürlich nicht in den Sinn. Und dass die zu separierende Person die Friedensfahrten nach Russland ins Leben gerufen hat und damit den Willen der Friedensbewegung selbst nicht hätte besser darstellen können, ist solchen Friedenskriegern völlig egal. Zumal dieselbe Person damals noch hochlobende Worte für diesen Einsatz fand! Der Mensch spielt keine Rolle. Seine Identifikation ist ausschlaggebend, nicht seine Identität. Es wird ausgegrenzt und nicht miteinander gesprochen, obwohl die zu separierende Person zur Umarmung aufrief. Solche sehen den Frieden nicht mit ihren Herzen. Im Grunde genommen sind solche die Feinde in den eigenen Reihen. Aber was heißt das schon im Sinne des Friedens, wenn der politische Frieden zur Eigenmarke und somit politischen Identifikation verschmolzen ist. 

Das Einmaleins des Friedens

Der Frieden ist keine Ideologie im herkömmlichen Sinn. Er ist eine Vorstellung davon, ohne Gewalt wirken zu können. Sein Wirken zeigt sich ohne Beteiligung an physischer, psychischer und struktureller Gewalt. Jemanden auszugrenzen ist zunächst einmal eine Gewaltabsicht von Jemanden an Jemanden (Wir wollen Dich hier nicht, verschwinde!). Sein Durchsetzen wäre soziale Ausgrenzung (Ich will mit vielen Menschen zusammenstehen, werde aber ausgegrenzt!). Dadurch wäre eine Folge seines Wirkens, also der Separation auch strukturelle Gewalt (Ich werde von der Gruppe ausgeschlossen, das schmerzt). Der Frieden ist ein Gefühl, dass jeder Mensch in seinem Inneren erst einmal finden muss. Das heißt, dass ein Gefühl für den Frieden mit der eigenen Identität verbunden wird. Hat sie oder er Frieden gefunden, so wird dieser sich in ihrem oder seinem Verhalten ausbreiten. Erst jetzt kann er sich auch im Außen ausbreiten. Wer ihn für sich im Inneren gefunden hat und das Gefühl für ihn festhalten kann, der wird niemals eine Person von der Teilnahme an der eigenen Friedensbereitschaft ausschließen können. Er wird niemals zur Separierung aufrufen können, denn dieser Mensch hat ja selbst die Erfahrung machen können, dass er den Frieden in seinem Inneren nur dadurch finden konnte, weil er seinen Verstand, der immer vergleicht, der immer werturteilend im Dualismus unterwegs ist, einzäunen konnte. Daher ist Frieden immer schwere und konzentrierte Arbeit an sich selbst, nicht am Anderen oder nur im Außen, Überzeugungsarbeit zu leisten. Die meisten Menschen aber glauben, der Frieden sei eine rein politische Sache und rein an Außenbedingungen geknüpft (Du musst jetzt mal deinen Frieden bezeugen, indem du von uns den Friedensschlag bekommst). Sie glauben das deswegen, weil sein Antagonist, der Krieg, ja auch von der Politik gestaltet wird. Womit sie ja richtig liegen. Doch das ändert nichts daran, dass der Frieden zu einer Wortmarke der Politik missbraucht wird und in den Köpfen politisch denkender Menschen dazu konditioniert wurde. Erst kürzlich ist auf NuoViso ein grundlegendes Video zum Thema Frieden online gegangen, in dem Ralph Valenteano(3) das Einmaleins des Friedens mit Katrin Huß diskutiert. Solche Menschen könnten der Friedensbewegung neue Impulse geben. 

Frieden ist keine Parteiwortmarke

Es weht auch hier der Geist der Separierung, äußerte sich Ken Jebsen in einem kurzen Interview beim You Tube-Sender eingeschenkt.tv(4) zur Veranstaltung der Stopp Airbase Ramstein-Veranstaltung. Alte Männer erzählen dem Aktivistenpublikum, was Friedensphase ist und kommen nicht weiter in ihren Reden und Ausführungen, als es ihr Parteiprogramm ihnen vorschreibt. Es scheint, sie alle verlassen beim Reden nicht ihr Parteibuch. Sie Stecken selbst hier noch fest im Sattel ihrer Parteikarrieren. Kurzum, es war auch eine Veranstaltung für alte Parteihengste, die noch einmal erzählen wollten, wo denn der Friedenshammer hängt. Ich habe einmal auf die Frage von Ken Jebsen, kommst Du auch nach Ramstein, geantwortet, Ich komme erst nach Ramstein, wenn Du dort als einer der Hauptredner eingeladen wirst. Der linke Opportunismus dort muss endlich kooperativ mit den bürgerlichen Aktivisten lernen, umgehen können. Das Hoheitsrecht linker Ideologien ist eine Heuchelei für große Teile der Friedensbewegten, die dadurch ausgeschlossen werden, weil sie nicht erwünscht sind. Das hört sich nicht nach dem Frieden an, den ich in mir fühle. Ich will eine Friedensbewegung der Bürger, in der niemand separiert wird, in der sich die gesamte Bevölkerung widerspiegelt. Frieden heißt alle Menschen. Da gibt es nicht den besseren Frieden oder das parteizertifizierte Friedensalleinstellungsmerkmal. Frieden heißt auch nicht, dass sich irgend eine Gruppe als der Friedenshegemon ausweisen kann. Der Frieden ist eine menschenweit umspannende Idee. Er ist keine in München angemeldete Parteiwortmarke. Friedlich sein heißt ohne Feindbild leben zu lernen. Das ist das Schwerste gerade für ideologisch festzementierte Parteiideologen. Ich entscheide mich für die Demokratie, für echte Demokratie, nicht für die Blattlinie einer Partei. Die Idee des Friedens ist älter als jede Partei. Er hat seinen Ursprung in der Spiritualität. Im Glauben daran, dass uns alle das Netz der Liebe miteinander verbindet.

Friedensfähigkeit erzeugt keine Feindbilder

Was man in Friedensveranstaltungen, die von politischen Parteien oder politisch Denkenden erlebt, ist eine Mangel- und Angstgesinnung. Eine Konditionierung hin zu einem Angst haben müssen, wenn ich nicht die richtige Interpretation der jeweiligen Parteien mit Friedenswortmarkenrecht kenne. Es fehlt dort an Liebesgesinnung, an einer Haltung, den Frieden mit der Liebe zu verbinden. Ohne Selbstliebe ist das nicht möglich. Was vielen Teilnehmern und Aktivisten dort außerhalb des Rednerpults vorzüglich gelingt. Der politische Frieden ist immer vom Mangel und von der Angst gesteuert, was Feindbilder entstehen lässt (Wenn der Andere nicht so unfriedlich wäre, dann könnten wir doch friedlich leben). Eine Friedensgesinnung die Feinde besitzt oder benötigt, um Gruppenzugehörigkeit oder Gruppenzwang dadurch auszuüben, ist nicht friedlich und damit missbraucht sie den Begriff des Friedens lediglich für ihre Ideologie darüber, wie andere mit ihnen, nicht aber auch wie sie mit den Anderen zusammenleben könnten. Es ist ein einseitiger Zwangsfrieden, was an sich ja gar nicht geht.

Das alte Denken überwinden

Oft wird politisch noch immer von Sicherheit geredet. Friedenspolitik ist Sicherheitspolitik und Sicherheitspolitik ist immer mit der Volkswirtschaft verbunden. Heute als Globalisierung und Bündnispolitik in Sicherheitskonferenzen verifiziert. Die ökonomische Sicherheit des uneingeschränkten Wirtschaftswachstums wird als Friedenspolitik missbraucht. Das ist in der westlichen dominierten Welt demokratischer Usus. Darin wird die Umweltpolitik als nicht Wirtschaftsschädigend sein zu dürfen festgeschrieben (Es dürfen keine Arbeitsplätze darunter wegfallen). Der Frieden wird darin als Waffe der Geldwirtschaft missbraucht (So bist du nicht willig, so kommt der militärisch-industriell-mediale-Komplex zu Besuch). Und es ist egal, auf welchem Ross die Politdarsteller daherreiten und den politischen Frieden dem Volk verkünden. Sie alle sind dem Glaube verfallen, dass Friedenssicherung und Umweltschonung zuerst im wirtschaftlichen Kontext zu betrachten sind. Damit wird der menschliche Kontext wegdefiniert. Der politische Frieden ist die Ausrede einer Geld- und Politiker-Kaste, die im ständigen Verkonsumieren der Welt, vor ihrer eigenen Menschlichkeit davonläuft. Sie hält den Frieden von der Menschlichkeit fern, um die eigenen Prioritäten verschieben zu können. Den meisten dieser Politdarsteller ist dies weder bewusst, noch haben sie das Gefühl, dass sich daran in ihnen etwas ändern müsste. Ich bezeichne genau dies als das alte Denken, das überwunden werden muss. Den Frieden zu organisieren heißt nichts anderes, als den Menschen einen Raum dafür zu organisieren, dass sie ihre Menschlichkeit zum Mittelpunkt ihrer Gesellschaft machen können. Das Gemeinwohl hat ein sehr großes naturgegebenes Bedürfnis, sich nicht an einem Krieg über ihre Steuerpflicht beteiligt zu wissen. Das Gemeinwohl will keinen Krieg, es will keine geldscheffelnde und sich am Krieg entlanghechelnde Rüstungsindustrie, es will nicht die eigenen Kinder in den Krieg schicken. Eine reine Verteidigungsarmee würde vielen reichen.

Den Staffelstab des Friedens an die Jüngeren übergeben

Die Friedensbewegung braucht junge Menschen als Redner und Gestalter der Friedensbewegung. Die alten Hasen können beraten und mitmachen, aber genau das scheinen sie nicht zu akzeptieren, weil der potente Hengst in ihnen noch immer nach Bedeutung und Anerkennung wiehert. Mir jedenfalls würde es erheblich mehr Spaß bringen, junge Leute zu beraten, oder Workshops für mehr Friedensfähigkeit im Einzelnen anzubieten als immer bloß Reden zu schwingen. Solange die Friedensbewegung nicht das ist, was sie sein müsste, um erfolgreich zu werden, nämlich eine Bürgerbewegung und Menschenversammlung, wird sie erfolglosbleiben und sich weiterhin bloß in ihrer eigenen Filterblase verharren. Sie ist voller gutmeinender Zersetzer, Selbstdarsteller und politischer Karrieristen. Sie meinen es gut. Das nehme ich ihnen ab. Doch gutgemeint ist nicht immer gutgemacht. Sie hat, auch wenn es sie schon seit den 1970er Jahren gibt, noch immer zu lernen, was das Spektrum des Friedens für eine Kraft und damit für einen flächendeckenden Aktivistenerfolg bedeutet. Sie ist die Kunst, das eigene Brot zu teilen, und zwar mit jedem Menschen. Wirklich mit jedem. Wer das nicht kann, der hat noch vieles über sich selbst zu lernen, nicht über den Anderen. Der Weg des Friedens ist daher immer auch mit einer Ablösung eigener destruktiver Muster verbunden. Daher sind wir alle hier nur Vorbereiter eines Friedens, der von späteren und jüngeren Generationen erst eingelöst werden kann. Auch das gehört zur Verantwortung aller Friedensaktivisten, die Jüngeren mitzunehmen, sie nicht auszugrenzen und ihnen den Weg bereiten. Das heißt auch, sich zurückzunehmen. Daher brauchen wir Älteren die Kraft die Jüngeren und die Jüngeren die Erfahrungen der Älteren als Mentoren, nicht als Lehrer, die sich anmaßen, ihnen etwas beizubringen, was sie noch nicht können. Die Alten müssen lernen, ihre Hierarchiemuster abzulegen. Denn diese dominieren die Friedensbewegung bis heute hinein. Frieden muss Spaß machen, doch mit Unterdrückung, Selbstgefälligkeit und dem alten, gut bewährten Gehorsam an die Autoritäten (wieder so ein Friedenswiderspruch), will heutzutage niemand mehr etwas zu tun haben. 

Die Altparteien sind auf Auflösungskurs. Ich glaube, dass es sich dabei auch um einen gesellschaftlichen Umbruch handelt, der ebenfalls in der Friedensbewegung nicht haltmachen wird. Die Zeichen der Zeit zu erkennen heißt auch, die Zeichen des Friedens zeitgemäß neu zu organisieren und anzuerkennen, dass es ein gesellschaftsangemessenes Friedensmarketing geben muss. Der Staffelstab muss übergeben werden, jetzt. So wie es bisher lief, ist es nicht mehr zeitgemäß. Werden, wie in den Altparteien, die Zeichen der Zeit nicht erkannt und umgesetzt, weil das Ego und die Karriere wichtiger sind, als das Allgemeinwohl, wird es in einem Absturz enden, den dann, wenn er geschieht, allen Fassungslosigkeit und Unkenntnis des Vorgangs ins Gesicht geschrieben stehen wird. Und wieder werden eine oder zwei Generationen vertan. Noch ist die Zeit reif für die junge Kraft. Wer den Frieden will, der wird auch für ihn weichen und Weichen stellen können für die Zukunft der Menschen. Es wäre ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein großer für die Menschheit. 

Quellen

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Lafontaine

(2) https://www.youtube.com/watch?v=pQVODT7KnCk

(3) https://www.youtube.com/watch?v=lkywwffP9MY&fbclid=IwAR1vVUQrQTIQsOSYRR1U1NL7yzosCToOzzCzZTAzKCyTmVASlsP6tP4MVtI

(4) https://www.youtube.com/watch?v=Fv0ZNlU6qLg&t=603s

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: LittlePerfectStock/ Shutterstock

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35 Kommentare zu: “Tagesdosis 3.7.2019 – Frieden heißt alle Menschen

  1. Rüdiger Lenz,
    nachdem ich dieses Video gesehen habe, kann ich mir eine Vorstellung davon machen, wer mit den ‚alten Männern‘ gemeint sein dürfte:
    https://www.youtube.com/watch?time_continue=909&v=Fv0ZNlU6qLg

    Beim diesjährigen Bremer Ostermarsch fiel mir auf, dass weder in der Auftakt-Ansprache, noch auf der Abschlusskundgebung kirchliche Gruppen auch nur erwähnt, die Umweltbewegungen aber als zukünftige Mitmacher eingeladen wurden.
    Keiner Gruppe direkt zugehörig, lief ich mit meiner Regenbogen-Peace-Fahne einfach irgendwo mit. Nächstes mal werde ich mich zu der PAX CHRISTI-Gruppe gesellen, dem bewussten Nichtwahrnehmen zum Trotz.
    Die Freitagabend-Veranstaltung jetzt in Kaiserslautern fand in einem Kirchenraum statt,
    ebenfalls ohne eine Ansprache kirchlicher Gäste. Das hat schon etwas Grenzwertiges.

    Und wenn ich Reiner Braun, Drewermann oder Klaus Hartmann höre, ist alles dabei: Verschweigen beim einen, Distanzieren beim anderen, und Atheismus-Mission bei letzterem. Die Mainstream-Medien verschweigen Friedensbewegungen generell und die Alternativen scheinen sich einig darin zu sein, Kirche in die Ecke ‚bedeutungslos‘ zu stellen. Das ist beschämend! Und geradezu komisch, wenn jetzt Spaltung beklagt wird.
    Einmal habe ich an Helmut Schmidt geschrieben: „Ich möchte mich nicht zwischen Ihnen und Oskar Lafontaine entscheiden müssen, aber wenn ich es muss, entscheide ich mich für Lafontaine.“ Parallel dazu sage ich: „Ich will mich nicht entscheiden müssen zwischen den kirchlichen Friedensgruppen und der real existierenden Friedensbewegung, aber wenn ich es muss, schlage ich mich auf die Seite der kirchlichen Gruppen, nicht zuletzt weil sie in der Vergangenheit ganz entscheidend dazu beigetragen haben, dass es einmal eine große Bewegung gab. Wenn ich daran denke, wie viele Erhard Eppler und natürlich Dorothee Sölle mit einer einzigen großen Rede mobilisieren konnten! Überhaupt die ‚politische Theologie‘ und die ‚Befreiungstheologie‘ auch bei uns! Die hatten Solidaritäts-Bekundungen und -forderungen, da würden junge Menschen von heute staunen, wenn sie von den Forderungen nach einer fairen Wirtschaftsweise und nach Abrüstung und Frieden in den späten 1980er bis ca. 1993 hörten. Die Freiburger KAB-Gruppe (Katholische Arbeiterbewegung) verfasste 1993 ein 8-seitiges Heft Publik forum aktuell mit dem Titel: „PERU – Entwicklung braucht Entschuldung“. Darin heißt es auf der Seite 5: „Knapp 65 Milliarden Mark schulden die Länder des Südens deutschen Großbanken…“, für die aber nach Weltbank-Angaben zu 50 – 80% gewinn- und damit steuermindernde Risikorückstellungen gebildet wurden (will sagen, ein Schuldenerlass wäre locker möglich).
    Obwohl ich Drewermann sehr schätze, muss ich wegen der Klarstellung erwähnen, dass er nie zu dieser ‚politischen Theologie‘ zählte. Warum auch nicht; es gab, bevor Johannes Paul I, der polnische Papst, viel Porzellan zerschlagen hat, eine große Bandbreite von Theologen. (Heute gibt es wieder vereinzelt Theologen, die sich zur Wirtschaftsweise, zum Geldsystem äußern).

    Wie frisch diese ‚alte‘ Friedensbewegung noch ist, und was man alles von ihr lernen kann (zu Formen zivilen Ungehorsams z.B.), zeigt dieses 35 Minuten-Video mit dem Hamburger Pastor Sönke Wandschneider: https://www.ndr.de/kultur/geschichte/koepfe/Ostermaersche-60-Jahre-Demos-fuer-den-Frieden,ostermarsch350.html
    Nach der Bremen-Ostermarsch-Erfahrung, habe ich hier Trost gesucht und gefunden. Warum Jung und Alt nicht gemeinsam und solidarisch für den Frieden eintreten sollten, kann ich überhaupt nicht verstehen.
    Auch interessant:
    https://www.tagesschau.de/inland/ostermaersche-131~_origin-73c43a63-3a21-4ede-9b4c-9a2ece80c52a.html

  2. Kindergarten!

    Frieden heißt alle Menschen

    und dann

    „Ich komme erst nach Ramstein, wenn Du dort als einer der Hauptredner eingeladen wirst. Der linke Opportunismus dort muss endlich kooperativ mit den bürgerlichen Aktivisten lernen, umgehen können.“

    mimimimi, wenn die Anderen mitspielen, dann komm ich nicht….

  3. Wenn es um Ramstein geht, so ist Ramstein ja doch ein Kriegsstuetzpunkt der US-Imperialisten. Eine Demo/Kundgebung gegen diesen Stuetzpunkt auf unserem Grund und Boden ist allemal wert, dass sich viele Menschen dagegen wenden. Man muss schon ziemlich ueberheblich sein, um Menschen auszuschliessen von solchen gemeinsamen Aktionen!
    Waren es hunderttausende Teilnehmer? Und man fand die Parteigänger der AFD fuer ueberfluessig daran teilzunehmen? Wie weit muss ich aus der Spur sein, um diese AFD’ler auszuschliessen?
    Sollten sie (die AFD’ler) mit rechtsradikalen Parolen aufwarten, die NATO befuerworten oder die Krige des US-Imperialismus befuerworten oder verteidigen auf Transparenten, so ist das eine andere Sache, aber solange sie sich den Zielen der Organisatoren unterordnen ist es reines Sektierertum, sie auszuschliessen.
    Dieses Sektierertum ist es was der linken Bewegung bisher immer das Genick gebrochen hat. Aber auch dafuer steht der Hegemon und seine Kopflanger, dass alles schön separiert wird und bloss keine Gemeinsamkeiten entstehen können.

  4. Also ich finde es auch schade, dass Leute AfD-nahe Leute ausgegrenzt werden. Es nützt nichts, in homogenen Massen zu demonstrieren, wenn man damit das Ziel der Demonstration nicht erreicht. Diese Anfeindung gegenüber Dr. Rainer Rothfuß ging gar nicht. Ich bin auch nicht in jedem Punkt seiner Meinung, aber er engagiert sich intensiv für Frieden. Was brauch es mehr?

    „Frieden kennt weder rechts noch links.“ sagte auch ein Redner der Grünen bei der Abschlusskundgebung von Ramstein, Andreas Hartenfels. Da hat er doch recht. Ich bin zwar enttäuscht vom transatlantischen Tenor bei den Grünen, aber ich fand es super, dass Grüne da waren. Auch wenn deren Forderungen mir nicht weit genug gehen (sie wollen die 2 Jahre Kündigungsfrist einhalten und diese nutzen für die Konversion der Arbeitsplätze). Dagegen meine ich, dass man die Base sofort schließen muss, weil dort Straftaten begangen werden und sich die USA auch häufig eh nicht an internationale Abmachungen halten; warum sollten wir das dann gegenüber den USA?

    Wie dem auch sei: Meine Vision ist, dass Leute aus jedem Spektrum bei den Ramsteinprotesten vertreten sind. Vom AfD-Wähler bis zum Flüchtling. Denn sie haben alle einen oder mehrere gute Gründe dafür.

    • Moin, Haroeris, einfach mal schlau machen und das Alte Testament lesen! Viel grausamer geht es eigentlich nicht!

      mfG

  5. Ja guten Morgen.. Stell dir vor, Antagonismus gegen Antagonismus ist auch Quatsch.
    Wohl eher eine Frage wie beschränkt man ist, und für wie wichtig man sich hält..
    Bei MAKE LOVE NO WAR sind Omi und Opi stets herzlicher Bestandteil ebenso wie Neugeborene und auch Spinner wie du.
    Ich sah da einige junge Jungs und Mädels, die sich das Gequatsche gar nicht angehört haben,
    Die wurden von den Ordnungshütern davon getragen.. Dennoch ´´coole Action´´.
    Wenn man sich solch Kopf macht, behindert man nur die Bewegung.

  6. Der Beitrag von Rüdiger Lenz spricht mir aus dem Herzen und entspricht hinsichtlich der Intoleranz der Parteiapparatschiks innerhalb der Friedensbewegung voll und ganz meinen früheren Erfahrungen.
    Ich war bis 2010 ca. fünf Jahre lang regelmäßig sehr sowohl parteipolitisch im linken Spektrum als auch parallel aktiv in der Friedensbewegung in einer westdeutschen Großstadt und habe regelmäßig an diversen Veranstaltungen und auch jedes Jahr am sogenaaten „Friedensratschlag“ teilgenommen.
    Trotz meines damaligen und auch weiterhin bestehenden hohen Interesses an politischen Themen generell und insbesondere auch am Thema Frieden und Friedensbewahrung habe ich mich 2010 aus beiden Organisationen komplett zurückgezogen.
    Ich habe große Teile der Friedensbewegung generell und insbesondere auch den lokalen Ableger als extrem hierarchisch strukturiert und intolerant gegenüber jedem, der eine etwas abweichende Meinung äußerte, erlebt. Große Teile der Friedensbewegung standen vor 10 Jahren und stehen auch heute noch der weiterhin sehr hierarchischen und ideologisch dogmatischen DKP sehr nahe oder sind selbst DKP – Mitglieder. Auch die Partei „Die Linke“ hat ihre „Einflußkader“ in der Friedensbewegung platziert. Auch damals schon wurden ständig Warnungen hinsichtlich „rechter“ Unterwanderungsbemühungen“ geäußert, obwohl meistens keine überzeugenden Belege dafür genannt werden konnten. Auch langjährige Friedensbewegungs – Aktive, die es – selten genug – einmal wagten, Beschlüsse des damaligen, schon seit mehreren Jahren verstorbenen, zu Lebzeiten sehr autoritär und stets selbstherrlich agierenden „Papstes“ der Friedensbewegung, Peter Strutinsky, auch nur leicht zu kritisieren oder andere Vorschläge einzubringen, wurden sofort äußerst mißtrauisch beäugt und im Wiederholungsfall als „Abweichler“ gebrandmarkt.
    Insofern entspricht es absolut meinen damaligen Erfahrungen, daß ein parteipolitisch unabhängiger, selbstständig denkender und sich nicht duckmäuserisch anpassender Mensch wie Ken Jebsen sofort von der Leitungsebene dieser Friedensbewegung als „Rechter“, „Antisemit“ etc. diffamiert wurde und daß es diesbezüglich keinerlei oder höchstens minimalen Widerspruch und schon gar nicht eine Bereitschaft, trotzdem mit Ken Jebsen und anderen Gleichgesinnten zu kooperieren, seitens der vielen angepaßten, nicht widersprechenden Mitläufer gegeben hat.
    Trotz der Tatsache, daß die allermeisten Aktiven in der derzeitigen „offiziellen“ Friedens – und Ostermarschbewegung“ mindestens das 60., meistens sogar das 70. Lebensjahr deutlich überschritten haben und die Friedensbewegung selbst das Fehlen jüngerer Aktiver oft bemängelt, sind sie offensichtlich aufgrund ihrer hierarchischen und dogmatischen Struktur und Haltung weiterhin nicht in der Lage, auf jüngere Interessierte offen und auch interaktionsfähig und veränderungsbereit zuzugehen.

    • @ Gerald Lindenberg
      Wie dogmatisch es innerhalb „linker“ Strukturen zugehen kann, das ist das eine.
      Sich auf die Fahnen zu schreiben „Nichtkampf“ und „Frieden heißt alle Menschen“ und dann selber dogmatisch gegen andere ältere Dogmatiker oder jüngere Umweltbewegte zu kämpfen, wie hier m.E. Rüdiger Lenz, das ist das andere.
      Von weitem erkenne ich da keinen Unterschied.

      Was die jüngeren Interessierten angeht:
      Vielleicht haben die Jüngeren davon gehört, wie die Älteren früher demonstrierten.
      Die naheliegende Frage wäre: „Und was habt Ihr mit Demonstrationen erreicht?“
      Wenn dann eine selbstehrliche Einschätzung der Älteren kommt, ist es eher ernüchternd.
      Aber wenn dann keine selbstehrliche Einschätzung der Älteren kommt, sondern kleinste nebensächlichste Zugeständnisse, die den Regierenden mit Demos abgerungen wurden, als große Erfolge gefeiert werden, dann wird es sogar abschreckend.
      Die jüngeren Interessierten sind doch nicht dümmer, nur weil sie jünger sind.
      Hier auf KenFM wurde eine „Demokratie-App“ (oder so ähnlich) vorgestellt, entwickelt von jungen Menschen, die kann potentiell mehr bewirken als sämtliche Demonstrationen.
      Wenn Demonstrationen etwas ändern würden, wären sie verboten. 🙂
      Mal sehen, wie es der App ergeht.
      Jedenfalls kann ich vollkommen verstehen, wenn Jüngere keinen Bock haben, als einziges Resultat vielleicht Polizeisport-Körperverletzungen für ansonsten nichts zu erleiden, das ist wirklich eine blöde Idee – also was sollen Demonstrationen?
      Da demonstrieren soundsoviele Menschen, dass sie für etwas oder gegen etwas sind.
      Und?!
      Drei Tage oder Wochen später sind die Wahlergebnisse die gleichen wie ohne Demo, die Umsätze der Firmen sind die gleichen; Zyniker würden sagen, die Firmen mit den kindergenähten Schuhen haben etwas mehr Umsatz, weil die kindergenähten Schuhe auf den Demos mehr abgelaufen wurden, als wäre die Leute zu hause geblieben … Scherz beiseite; WO ist die Wirkung von Demos?
      Streiks haben eine Wirkung, eine begrenzte, manchmal nur die Piloten, manchmal nur die Lokführer, aber es ist eine Wirkung.
      Verbraucher-Boykott kann Firmen zu Änderungen des Geschäftsmodells zwingen, zwar fällt mir dafür ehrlich gesagt jetzt spontan auch kein Beispiel ein, aber tatsächliche Änderungen des Umsatzes sind ein wirksames Druckmittel.
      Aber Demos?
      Die letzte große Demo war in Berlin gegen TTIP.
      Wie ist da der letzte Stand, hat die Demo was bewirkt oder die Wahl Trumps oder kommt die „Freihandelszone“ sowieso oder ist sie schon da, ich bin bei dem Thema nicht auf dem Laufenden, aber vielleicht – hoffentlich – haben die Jüngeren kapiert, dass Demos ein herzlich uneffektives Mittel sind.
      Ja Demos sind besser als gar nichts, aber besser als gar nichts ist auch nicht gerade die ultimative Motivation. Besser als gar nichts ist auch Video-Gamen und Pizza bestellen, wenn man schon Klischees bedienen will. 🙂

  7. Zustimmung, Herr Lenz. Die Ausgrenzer merken gar nicht, welchen Demagogen sie mit ihrem Verhalten auf den Leim gehen. Wenn ich Begriffe, wie Querfront und Kontaktschuld höre und erlebe das intelligente Menschen das aufnehmen, wird mir schlecht. Die Motagsdemos in Berlin waren diesbezüglich eine Lehrstunde, erfolgreicher Zersetzungsstrategie. Schlimm, wenn es Menschen gibt, die nichts daraus lernen.

  8. Herr Lenz,
    Sie hatten die aktuelle Umweltbewegung für vieles kritisiert und letztendlich daran gezweifelt, dass die Umweltbewegung authentisch ist.
    Aber bei einer aktuellen Friedens-Demo sollen AfD-Mitglieder mitmachen dürfen, dann sei die Friedensbewegung authentisch.
    Was die Umweltbewegung diskreditiere, mache die Friedensbewegung authentisch.
    Entweder ich sehe den höheren Sinn nicht oder Sie sehen den einfachen Widerspruch nicht.

    Zitat Titel:
    „Frieden heißt alle Menschen“

    „Frieden heißt alle Menschen“, also auch Leute von der AfD.
    „Frieden heißt alle Menschen“, also auch Frieden für Menschen ausländischer Herkunft überall auf der Welt, also auch hier in Deutschland.
    Gegen diese Menschen führen die AfD-Leute aber politischen Krieg.
    „Frieden heißt alle Menschen“, also wenn die Menschen Hillary Clinton oder Benjamin Netanjahu oder eben AfD-Leute bei einer Friedensdemo nicht mitdemonstrieren dürfen, dann haben die Veranstalter der Friedensdemo keine Ahnung.
    Wenn bei Greta der Vorstand von Vattenfall oder auch nur der ADAC mitmachen würde, hui da würden Sie Rüdiger Lenz aber haarklein aufdröseln, wie verlogen Greta und die Umweltbewegung sei.
    Dass eine Friedensdemo verlogen wirkt, wenn Ausländerfeinde mitmachen, das kommt Ihnen aber nicht in den Sinn.
    „Frieden heißt alle Menschen“
    Deswegen die Authentizität der Menschen der Umweltbewegung mit anderem Maß messen als die Authentizität der Menschen der Friedensbewegung?!
    Hat Frieden nicht auch was mit Gerechtigkeit zu tun und hat Gerechtigkeit nicht auch was damit zu tun, mit gleichem Maß zu messen?

    Der Vorwurf an die Veranstalter der Friedensdemo ist:
    Zitat:
    „Dass solche Friedensseparatisten vom Wesen des Friedens jedoch keinerlei Wissen haben, kommt ihnen selbst natürlich nicht in den Sinn.“

    Ist es Wesen des Friedens, alle Menschen bei seinen eigenen Aktivitäten mitmachen lassen zu müssen?
    Oder ist es Wesen des Friedens, alle Menschen in Frieden zu lassen?
    Muss man seine politischen Gegner lieben MÜSSEN und wie Jesus auch noch die andere Wange hinhalten MÜSSEN, oder muss man sie in Ruhe lassen / in Frieden lassen?
    Könnte das ein kleiner aber feiner Unterschied sein?
    Ist es vielleicht auch Frieden, das Recht zu haben sich nicht alles gefallen lassen zu müssen und auch sagen zu dürfen: geh in Frieden aber geh?!
    Und hat eine Demonstration vielleicht auch ein Wesen?
    Könnte es sein, dass es dem Wesen einer Demonstration widerspricht, wenn dort Leute mitmachen dürfen, die willentlich oder unbewusst (nützliche Idioten) für das Gegenteil dessen arbeiten, was die Demonstration erreichen will?

    „Und dass die zu separierende Person die Friedensfahrten nach Russland ins Leben gerufen hat und damit den Willen der Friedensbewegung selbst nicht hätte besser darstellen können“

    „Frieden heißt alle Menschen“ ←→ „Frieden heißt Deutsche und Russen“

    Zitat:
    „solchen Friedenskriegern“

    „Frieden heißt alle Menschen“ ←→ „solchen Friedenskriegern“

    Zitat:
    „Das Einmaleins des Friedens
    Der Frieden ist keine Ideologie im herkömmlichen Sinn. Er ist eine Vorstellung davon, ohne Gewalt wirken zu können. Sein Wirken zeigt sich ohne Beteiligung an physischer, psychischer und struktureller Gewalt. Jemanden auszugrenzen ist zunächst einmal eine Gewaltabsicht von Jemanden an Jemanden“

    Und deswegen greifen Sie Herr Lenz nach den Menschen der Umweltbewegung nun die Menschen der Friedensbewegung an, nennen diese Menschen „solche Friedensseparatisten“ und „solche Friedenskrieger“, sprechen diesen Menschen rundheraus die Qualifikation ab, für ihre Ziele einzutreten, stellen IHRE hohen Weisheiten über diese Menschen … was ist das anderes als dass SIE versuchen diese Menschen aus der politischen Bühne auszugrenzen?!

    Zitat:
    „Der Mensch spielt keine Rolle. Seine Identifikation ist ausschlaggebend, nicht seine Identität. Es wird ausgegrenzt“

    Ihre persönliche subjektive Meinung.
    Wollen Sie meine persönliche subjektive Meinung. wissen? ^^
    Menschen ausländischer Herkunft spielen bei der AfD keine Rolle, wer der AfD beitritt, der hat keine Identität, der hat sich durch seine Identifikation mit Menschenfeinden selber davon ausgegrenzt, bei einer Demonstration für Frieden mitmachen zu können.
    Eher könnte man den Aktionären von Lockheed Martin zubilligen, ernsthaft für Frieden zu sein, denn in deren eigener Logik sollen die produzierten Waffen Frieden sichern und das ist eine verquere Logik, aber noch kohärenter als der Ausländerfeinde Deutschlands beizutreten und zu meinen, man sei für Frieden.

    Und wissen Sie was, dagegen zunehmend abzudrehen – z.B. nicht mehr zu merken, wie man das Gegenteil von dem macht, was man postuliert – hilft es nicht, andere zu kritisieren, sondern sich selbst zu kritisieren und je nach Ergebnis der Selbstkritik sich ggf. zu therapieren.

  9. Sehr geehrter Herr Lenz,

    für Kritik am Friedenscamp in Ramstein hätte es doch sicher einen persönlicheren Weg gegeben?
    Mir ist auch nicht ganz klar, was Sie nun wollen, die Jugend soll ja nicht nur jetzt in gesellschaftliche Prozeße eingebunden werden sondern gerne immer, nicht wahr? Und wenn Sie eine gute Idee haben, den Staffelstab der Friedensbewegung hauptsächlich an die Jugend weiterzugeben hat sicher keiner der kritisierten, gelobten oder nichtgenannten Friedensbefürworter etwas dagegen einzuwenden.

    Auch finde ich es unverhältnismäßig, eine so wichtige Demonstration gleich zu boykottieren, es gibt doch sicher andere Gelegenheiten von der Bühne zu sprechen.
    Nicht zu campen oder schlicht keine Zeit zu haben, fände ich eine wesentlich bessere Begründung, denn noch sind Friedensaktionen weit entfernt von Massenbewegungen.
    mfg

  10. Schöner Text. Der Mensch projiziert ständig aus sich heraus. Wer also die Spaltung in sich selbst nicht überwindet, der kann Frieden in der Welt nicht manifestieren.
    Krieg ist Spaltung, Frieden ist Einheit.
    Alles, was der Trennung dient, dient folglich dem Krieg, alles was einbezieht, dem Frieden.

    Daher ist es klug auf das eigene Denken und die eigene Sprache zu achten. Ur-teilen bedeutet, etwas das ursprünglich zusammen gehörte, zu teilen. Das Problem ist: Wir leben hier in Welt der Spaltung, sie macht Erfahrung überhaupt erst möglich. Doch es ist ein großer Unterschied ob der Mensch keine Ahnung davon hat oder bewusst damit umgeht.

    Solange der Mensch nicht denken und fühlen kann: „Der Andere, das bin auch ich.“ bleibt ihm noch viel zu tun. Der Weg mag weit sein, aber er lohnt sich.

  11. Liebes KENfm Team!
    Warum werden hier (im Nachhinein) Posts rausgeschmissen?
    z.B. aus „Nach dem Suendenfall“ von D. Henn!
    Es waren am 24. 6. noch 100 Kommentare vorhanden. Heute gerade mal 59 Kommentare.
    Gibt es dazu eine Erklärung?

    mfG

    • Der Beitrag „Nach dem Suendenfall“ von Dagmar Henn hat 100 Kommentare. Sie können die Kommentare zählen oder der angezeigten Anzahl an Kommentaren am Beitrag Glauben schenken.

      Die von Ihnen angegebene Anzahl von 59 können wir nicht nachvollziehen.

      Friedliche Grüße
      Redaktion KenFM

    • Vielen Dank, Kenfm Team, ich hatte mich bezogen auf die Spalte: „Top-Beiträge der letzten 30 Tage“.
      Und da waren 59 Beiträge angezeigt.
      Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich einem Irrtum unterlegen war.

      mfG

  12. Wieder einmal eine Punktlandung. Danke Rüdiger Lenz 🙂

    Vor ein paar Jahren las ich eine Äußerung von Aktivisten der „alten Friedensbewegung“ mit der sinngemäßen Aussage „das dies und jenes mit der eigentlichen, also alten, Friedensbewegung nichts mehr gemein hätten“. Und ich dachte mir „zur Hölle was hält euch davon ab, euch wieder an euren eigentlichen Kern wieder zu erinnern“. Frieden.

    Was Frieden mit Status, Ideologie, Selbstdarstellung und politischer Facon zu tun hat, wara mir lange schleierhaft. Da es sich dann ja wie ein „Frieden ja, Friedensaktivismus ja, aber Ego, Status, Politik, Wirtschaft haben first priority“ klingt. Und das geht wohl kaum.

    Jahre später wurde es mir klarer deutlich. In der Natur von der Natur lernen, half mir den Schleier zu heben. Denn die Natur lehrt uns regelrecht aufdringlich: Die Alten bereiten den Boden für die Jungen. Frieden ist Ideologie-frei. Frieden, das ist in erster Linie der Frieden in mir. Frieden mit allen Akteuren in mir. Frieden, den ich für mich erst einmal definieren muss und mir dazu ansehe, was der Gegenpol ist. Krieg, genau diesen blutrünstigen, rachsüchtigen, gnadenlosen Krieg. Er existiert, nicht nur in anderen Ländern, sondern überall, in jedem von uns.

    Von außen betrachtet hebelt Krieg alles menschlich Vorstellbare aus seinen Angeln. Ich durfte Krieg in Krisengebieten erleben. Für das eigene Bewusstsein ist so viel rohe, urgewaltige Vernichtungsgewalt ein Schock sondergleichen. Kaum zu verarbeiten. Vergleichbar mit einem Wahnsinnigen mit Schaum vor dem Maul. Wer das einmal live erlebt hat, wie Menschen mit Machete in der einen Hand und einem abgehackten Kopf in der anderen aus einer Hütte treten, blutrünstig nach dem nächsten Opfer und Feind stieren, wird das nie wieder vergessen. Wohl sich aber erinnern, was anderen Menschen an Traumata in sich tragen, die als Soldaten an die Fronten der Partei’ler, Wirtschaftsgierigen und Ideologiewahnsinnigen geschickt wurden. Um am Ende um das eigene Überleben kämpfend. Damals beschwichtigte ich mein Denken und Selbstwahrnehmung, dass das ungaublich grausig war, aber zum Glück tat ich es ja nicht. So schaffte es en ce moment erst einmal eine Distanz.

    Diese Distanz hob sich jedoch sofort wieder auf, als ich bei meiner damaligen Partnerin die „Verrohung“ live mit erlebte. Sie war tätig in der Notfallmedizin, Rettungsassistenz. Worüber langjährige Rettungsassistenten in wohliger Gruppenrunde lachen, macht andere sprachlos. Aber es war und ist bis heute eine Schutzfunktion.

    So auch meine eigene Schutzfunktion, die es wert wahr näher beleuchtet zu werden. Wie sonst komme ich in das Gleichgewicht und in den eigenen inneren Frieden?

    Zu glauben dieser Krieg und Gewalt wäre nicht in uns selbst, ist einer der großen Irrtümer.

    Ich gehe für diese Erkenntnisse in die Natur, egal wo, egal wann. Dort finde ich den Zugang zu meinen Akteuren im Inneren und stelle mir stets die Frage: was braucht es, damit ihr alle in mir in Frieden miteinander leben könnt. Die erste Erkenntnis war, dass meine bisherigen Lerninhalte aus dem geistigen, spirtuellen Bereich selektive Ignoranz war. Vor der Dunkelheit flüchten schafft niemals Gleichgewicht. Ohne Nacht kein Tag. Es gibt weder das „Gute“ noch das „Böse“. Denn in der Natur „ist“ einfach nur, frei von Wertung.

    Und so ungewohnt es klingen mag, da gibt es den verlogenen Pompeo in einem selbst, der rachsüchtigen Bolton, aber auch die Parteikasper, die Geissens, den Lagerfeld und viele mehr. Sie alle haben eine Stimme und flüstern, suggerieren, verleiten, Süßholz raspeln. Auf der anderen Seite sind die Unermüdlichen, die Ego-freien, die Geradebieger, die Ausbader, die Aufrechterhalter. Die selten murren, sondern ihrer Berufung folgen.

    Ginge es nach der Logik der alten Kader, Ideologen und Selbstdarsteller, müssten genau die Selbigen interniert, gefoltert und gebrain-washed werden. Und genau das verweigern die Aufrechterhalter, Ausbader und Geradebieger.

    Ein Grund vielleicht auch, warum all die Suche nach dem optimalen Zugriff auf das Unbewusstsein, viele Blüten und Formen von sogenannten „Heil-Methoden“ hervor gebracht hat und bringt. Vergleichbar mit der Suche nach dem heiligen Gral, der Erschaffung von Gold, dem Streben nach ultimativer Angst.

    Der Spiegel im außen ist schwer zu leugnen und doch wird es noch viel zu wenig aktiv genutzt.
    Werde ich mir der Gewalt und des Krieges in mir mehr und mehr bewusst und finde eine für mich taugliche Lösung ein Gleichgewicht zwischen dieser rohen Gewalt und dem unglaublichen Frieden zu finden, ist viel getan. Akzeptanz ist meine persönliche Lösung. Ansehen, annehmen und Gleichgewicht finden. Entkernt von „gut und böse“.

    Frieden ist eben Gewalt-frei. Frei von Dominanz, Gnadenlosigkeit, Ordnung und Gehorsam. Frieden ist Leben, also lebendig, vielfältig, anders. Vermutlich ungewohnt. Und bevor ich diesen Blick in das Innere von mir nicht vornehme, wie will ich im Außen, im Miteinander mit anderen Gemeinschaft und friedliches Miteinander leben?

    Ich wünsche mir, dass alle, gleich welcher Herkunft, Status und Vermögens den Fokus ihres Bewusstseins erst in sich selbst richten, um dann im Außen dem größten gemeinsamen Nenner, nämlich die Sehnsucht nach Frieden, Raum geben. Statt mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner, der Sprache, versuchen sich zu positionieren.

    First level priority is peace, ganz gemäß dem Motto „function follows peace“.

    Die Zukunft liegt in der Jugend und wir die Alten können nur beratend, begleitend, inspirierend parat stehen.
    Diese Aufgabe ist partei-frei, ideologie-frei, status-frei. Denn Frieden kennt keine Hierarchie und Status.

    Am Ende ist Frieden Gleichgewicht

  13. Nur nebenbei bemerkt, die Marke Willy Brandt ist in Wort und Tat doch von eher zwiespältiger Natur. Und da das bereits mehrfach dargelegt wurde, ist es schon bedauerlich, daß Herr Brandt für etwas herhalten soll, für das er offenkundig nie stand.

    „Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts,“ mit dieser Plattheit und offenkundigen Lüge wird allenfalls der Kanalisierungsdrang der „Sozialdemokratie“ bestätigt.

    Brandt hat, wie jeder brave Kanzler, bzw. jede brave Kanzlerin, wo es ihm aufgetragen wurde, basisdemokratische Verhältnisse bekämpft und dem Krieg damit auf allen Ebenen Vorschub geleistet.

    Und dazu, Frau Wild hatte es bereits erwähnt, Frieden ist stets Ergebnis von etwas Anderem. Z.b. von Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, also so’n Zeug wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

    Aber so etwas zu fordern, das würde an die Substanz des Systems gehen und das weiß man bei den verschiedenen bürgerlichen Symptombewegungen sehr genau. Dann ist Schluß mit lustig auf Herrschaftsseite.
    Und darum wird das auch nicht gefordert und darum bleibt’s wie’s ist.

    P.S.: Wenn ich mich recht erinnere waren’s beim Irakkrieg, in 2003, noch Millionen die weltweit dagegen demonstrierten. Ein Glück denn womöglich hätte der sonst stattgefunden.

    • P.S.S.: Und selbst wenn die Aktivitäten auch noch so wirkungsschwach bzw. kontraproduktiv im Sinne einer Solidargemeinschaft sind, es ist naiv davon auszugehen, daß sich Manche nicht aus Gründen der Opportunität dazu begeben, um so Zuganz für andere Inhalte zu erreichen,die dem Symptom Frieden nicht unbedingt zuträglich sind und um etwas von dem positiven Bild abzubekommen.

      Im Grunde, … ist es nicht seltsam solche Binsenweisheiten aufzuschreiben, wenn das so offenkundig ist? Schlußendlich, Einfältigkeit vorgetäuscht oder auch nicht, ist kein effektives Wirkmittel gegen tausende Denkfabrikanten.

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