Tagesdosis 3.8.2019 – Der christdemokratische Waldgipfel

Ein Kommentar von Hermann Ploppa.

Der Wald ist kein Luxus. Er ist unsere Lunge.

„Jeder Baum, der eingeht, da verlieren wir einen Mitkämpfer im Klimaschutz. Denn der Wald ist nicht nur Erholungsgebiet oder auch für Artenreichtum für Tiere, für Flora und Fauna, sondern der Wald ist Kohlenstoffspeicher, ist Klimaschützer, reinigt das Wasser, die Böden sind wichtig.“ Das sagte unsere Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Julia Klöckner. Die ehemalige Weinkönigin von Rheinland-Pfalz rief zum 1. August ihre Fachkollegen aus den Ländern zusammen (1), um im so genannten Waldgipfel über die Rettung des darniederliegenden deutschen Waldes zu diskutieren.

Allerdings waren nur die CDU-Minister eingeladen. Klar. Flüchtlinge sind ja jetzt nicht mehr das Top-Thema, mit dem man Wähler ködert, sondern die Umwelt. Und da haben geschickte Kampagnen dafür gesorgt, dass beim Thema Umwelt die Grünen als die besseren Umweltanwälte wahrgenommen werden und nicht die Christdemokraten. Und schon holt die CDU gegen die Grünen in den Umfragen wieder auf. Denn die CDU hat jetzt auch ihr Herz für die Umwelt entdeckt. Das will Frau Göring-Eckardt von den Grünen so nicht stehen lassen (2). Ihre Forderung: nicht 2.6 Prozent Urwald brauchen wir, sondern 5 Prozent!

Es ist zunächst mal gut, dass Frau Klöckner das Thema Wald wenigstens für ein paar Tage unter die fünf Top-Themen gehievt hat. Die Fakten sind tatsächlich alarmierend: allein im letzten Jahr sind 110.000 Hektar Wald in Deutschland kaputt gegangen.

Dieses Jahr sollen weitere 25.000 Hektar gestorbener Wald hinzukommen. Allein in Sachsen sind bereits in den letzten Jahren 100.000 Hektar Wald zerstört worden. Und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND spricht sogar von einem „Waldsterben 2.0“. Das Waldsterben war ja in den frühen Achtziger Jahren verursacht worden durch sauren Regen. Der BUND ist die kritische Begleitstimme im Orchester unserer medialen Umweltpolitik.

Der BUND fordert sogar 10 Prozent Urwald (3). Die Probleme, die wir uns jetzt eingebrockt haben, sind aus der Anpflanzung von industriellen Baumplantagen entstanden, vorwiegend mit Fichtenbäumen. Fichten gehören nach Skandinavien oder nach Sibirien. In Deutschland war früher die Rotbuche zuhause, die war robust. Aber die Fichte wächst schneller, und man kann mit ihrem Holz schnelles Geld machen. Jedenfalls trägt die Fichte nichts zum Artenreichtum bei und fällt bei den heutigen Stürmen schnell um.

Und das ist der Ansatzpunkt auch bei Frau Klöckner: wir müssen halt jetzt Bäume pflanzen, die besser mit dem gewandelten Klima fertig werden. Für Städte sucht man schon nach neuen Baumarten, die vierzig Grad aushalten. Neue Bäume braucht das Land, auch für den zukünftigen deutschen Wald.

Also, ich finde meine Beobachtungen in diesem ganzen medialen Wald-Orchester nicht wirklich wieder. Und damit stehe ich nicht alleine. Als begeisterter Wald-Wanderer habe ich schon sehr viele Wälder in Hessen, Thüringen, Sachsen, Bayern oder auch Schleswig-Holstein durchstreift. Was ich überall gleichermaßen wahrnehme, ist eine Art von försterlichem Vandalismus.

Und Teile davon sind auch im Waldbericht des BUND aus dem Jahre 2016 wiedergegeben. Wanderwege sind nicht mehr begehbar und sind in Schlammpfützen mutiert. Bäume werden vollkommen unsachgemäß gefällt oder gar verstümmelt. Baumkronen sind dilettantisch abgeschnippelt, der Rest bleibt seinem Sterben überlassen. Ohne Sinn und Verstand werden einzelne junge Bäume niedergeschlagen.

Ich vermisse den lautstarken Protest gegen Harvester (4). Harvester sind tonnenschwere Ungetüme (5), die im ersten Schritt Bäume abschneiden, dann die Äste abschälen und sodann den geschälten Baumstamm auf einen Stapel legen. Alles was nicht Stamm ist, bleibt kreuz und quer liegen im Schlamm. Für diese riesigen Harvester-Boliden werden vier Meter breite Schneisen neu in den Wald geschlagen. Der empfindliche Humusboden ist für lange Zeit zerstört. Einmal wurde ich Zeuge, wie drei Harvester gleichzeitig innerhalb kurzer Zeit ein prächtiges Waldstück in eine Mondlandschaft verwandelten. Der natürliche Waldboden enthält empfindliche Netzstrukturen aus Pilzkulturen, die die Kommunikation und auch den Stoffwechsel der Bäume untereinander ermöglichen (6). .

Über diese massive Zerstörung unserer Wälder findet man in den Medien und auch im Internet so gut wie gar nichts. Auch findet sich über das wirkliche Grundproblem, das nicht nur dem deutschen Wald den Garaus macht, nirgendwo eine Bemerkung. Die Krankheit heißt Marktradikalismus, Neoliberalismus, Deregulierung – wie immer man es nennen will. Im Wald vollstreckt sich unerbittlich, was unsere gesamte Gesellschaftsordnung austrocknet und chaotisiert: nämlich die Unterwerfung aller Lebensbereiche unter die „Logik“ der Profitmaximierung für einige Wenige. Statt nachhaltiger Hege und Pflege und Ausbau wird alles in dieser Gesellschaft, sei es Gesundheitswesen, Kultur oder Soziales, in Grund und Boden ruiniert. Das ist auch im Forstwesen kein Deut anders. Wobei es in anderen europäischen Ländern noch viel schlimmer zugeht. In Rumänien werden gerade die letzten europäischen Urwälder für den Profit plattgemacht.

Da gab es z.B. früher den fest in seinem Revier verankerten Förster, der sein Leben lang die Entwicklung in seinem Forst beobachtet und begleitet. Der quasi jeden Baum beim Namen kennt. Die meisten Forstreviere sind mittlerweile aufgelöst und zu einem gigantischen Forstrevier zusammengefasst. Spart schon mal Löhne für viele Förster ein. Dann gibt es heute den mobilen Förster, der von einem Forst zum nächsten eilt und dann ohne große Ortskenntnis seine Genehmigung gibt für alle möglichen und unmöglichen Maßnahmen.

Jene 110.000 Hektar Wald sind im Jahre 2018 nicht nur zugrunde gegangen, weil sich das Klima gewandelt hat. Oder weil der böse Borkenkäfer die geldbringenden Fichten verspeist hat. Dafür sollte man sowieso den Borkenkäfer mit dem Umweltpreis auszeichnen, weil er die Pervertierung der Wälder ein wenig abmildert. Der Krieg gegen die fleißigen kleinen Käferchen wird mit härtesten Mitteln geführt. Denn im brandenburgischen Fläming oder in Franken versprühten unlängst Hubschrauber gefährliche Pestizide. Dabei geht alles Leben vor Ort zugrunde, nicht nur das Leben unserer Borkenkäfer. Aber die Fichten sind möglicherweise gerettet, und damit der bereits fest einkalkulierte Profit der Holzbarone, seien sie nun privat oder öffentlich.

Viel zu zart fällt auch die Kritik der Umweltverbände am Unwesen der Hobbyjäger aus. Ich spreche wohlgemerkt nicht von Berufsjägern. Man fürchtet wohl, mit Klagen überschüttet zu werden. Trotzdem muss es mal gesagt werden. Diese privilegierten Fettärsche, die sich in ihrer Freizeit ein Vergnügen daraus machen, unschuldige Bambis und Hasis über den Haufen zu ballern, sind das Letzte. Sie hocken in ihrem Hochsitz. Vor ihnen in Sichtweite, befindet sich ein präparierter, mit den Sexualsekreten von Hirschkühen präparierter Gegenstand.

Damit werden Hirschböcke angelockt, und sie können aus nächster Nähe erlegt werden. Aber der moderne Hobbyjäger muss gar nicht mehr auf seinem Hochsitz Jägermeister saufen und auf den Hirschbock warten. Thermische Fühler benachrichtigen den Möchtegern-Jäger, wann ein Hirsch in der Nähe des Hochsitzes läuft, und der Jäger kann nun aus der gewärmten Kneipe zum Hochsitz kutschieren. Für solche idiotischen Szenarien werden ganze Forstreviere bereitgehalten.

Und die viel zu zahlreich herumäsenden Jagdopfer zerbeißen die jungen Baumtriebe und verwirklichen sich als natürliche Bonsai-Künstler. Ein Überbleibsel des Feudalismus ruiniert auf diese Weise die deutschen Wälder zusätzlich.

Dann wollen wir nicht den Douglasien-Wahn unerwähnt lassen. Das Interesse der marktradikal gewendeten Försterei gilt nun einmal der Profitmaximierung, und nicht der Pflege eines möglichst natürlichen Waldes. Und da ist die Douglasie die forstwirtschaftliche eierlegende Wollmilchsau. Bei der Douglasie handelt es sich um einen aus den USA eingeführten immergrünen Nadelbaum.

Eine so genannte invasive Pflanze, die sogar auf der Schwarzen Liste der Behörden steht. Die Douglasie steht jetzt überall da, wo man vorher den natürlichen Waldboden mit dem Harvester dauerhaft zerstört hat. Die Douglasie soll einen besseren Halt gegenüber den neuen klimagewandelten Orkanen aufweisen. Allerdings ist sie genauso unverträglich gegenüber Dürren wie die Fichte, liefert aber gegenüber der Fichte besseres Holz und erzielt bessere Preise auf dem Weltmarkt. Und darauf kommt es doch an, oder? Da stört es nur wenig, dass die Douglasie erheblich weniger Artenvielfalt in ihrem Umfeld duldet als die guten deutschen Laubbäume.

Das Grundübel ist wie überall in der marktradikal gewendeten Welt: der Wille der Solidargemeinschaft, der sich durch die Instanzen von Bund, Ländern und Gemeinden durchsetzen soll, ist erheblich geschwächt. Aufsicht der Wälder findet in weiten Teilen nicht mehr statt. Papier ist geduldig. Die Behörden sind machtlos und können nur mit geballter Faust in der Jackentasche registrieren, wie ihnen die Holzmafia eine lange Nase zeigt. Oder sie sind gleich selber korrupt.

Ministerin Klöckner will im September einen nationalen, parteiübergreifenden Waldgipfel einberufen. Das ist sehr zu begrüßen. Es liegt aber an uns, dafür zu sorgen, dass dort Butter bei die Fische kommt. Dass hier nicht wieder so genial am eigentlichen Problem vorbeigeredet wird wie beim CDU-Waldgipfel. Wie alle anderen Bereiche muss auch der Wald vom Joch des Marktradikalismus befreit werden.

Für den Wald ist das Gebot, dass die Rettung der Atemluft oberste Priorität hat. Die ETH Zürich hat bereits ausgerechnet, dass in Deutschland ohne Probleme sofort 900.000 Hektar Land in Wald umgewandelt werden können. Die alten Forstreviere müssen wieder hergestellt und mit ausreichend Förstern besetzt werden. Die nachwachsenden Förster müssen für eine nachhaltige ökologische Waldgestaltung ausgebildet werden, nicht für industrielle Holzerzeugung mit Profitorientierung. Die Behörden müssen gestärkt werden. Schließlich sollte der Douglasienwahn unterbunden werden. Der Pestizidkrieg gegen alles organische Leben muss verboten werden. Und perverse Hobbyjäger brauchen wir auch nicht mehr.

Dann können sich Fuchs und Hase endlich wieder Gute Nacht sagen.

Quellen:

  1. https://www.deutschlandfunk.de/waldgipfel-kloeckner-kuendigt-hilfsprogramm-fuer.1939.de.html?drn:news_id=1033811
  2. https://www.watson.de/deutschland/politik/692960485-goering-eckardt-fordert-urwald-offensive-in-deutschland
  3. https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/bund/position/lebendige_waelder_position.pdf
  4. https://www.waldwissen.net/technik/holzernte/maschinen/bfw_wissen_harvester/index_DE
  5. https://www.youtube.com/watch?v=A0YIf39_EK0
  6. Peter Wohlleben: Das geheime Leben der Bäume: Was sie fühlen, wie sie kommunizieren – Die Entdeckung einer verborgenen Welt. Ludwig Buchverlag 2015

+++

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

+++

Bildquelle: thorsten.guenthert/Shutterstock,

+++

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

Alle weiteren Beiträge aus der Rubrik „Tagesdosis“ findest Du auf unserer Homepage: hier und auf unserer KenFM App.

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

+++

Jetzt kannst Du uns auch mit Bitcoins unterstützen.

BitCoin Adresse: 18FpEnH1Dh83GXXGpRNqSoW5TL1z1PZgZK

24 Kommentare zu: “Tagesdosis 3.8.2019 – Der christdemokratische Waldgipfel

  1. Anscheinend schafft der Buchdrucker nur die relativ schlanken, schnell hochgewachsenen Fichten.
    Die mit einem Stammdurchmesser von cq. 60cm in 1m Höhe harzen
    und halten sich den Käfer so bisher erfolgreich von der Borke.
    Genaueres kann ich nächstes Jahr dazu sagen, weil ich dann erst wirklich
    sehe was abgestorben ist.

  2. mein erster gedanke war und bleibt, die waldlobby will geld vom staat haben, deshalb der alarmismus. die waldbesitzer müssen sich doch ersteinmal selbst um ihr eigentum kümmern, bevor sie nach dem staat rufen. sie haben die situation doch , durch ihre art und weise der waldbwirtschaftung erst hervorgerufen.es liegt nicht ( allein ) am wetter / klima oder dem lieben gott , der borkenkäfer leben läßt, es liegt an der verwahrlosung des waldes , die fehlende aufforstung , die gnadenlose rodung , das abholzen ohne sinn und verstand. in unserer gegend wird der gemeindewald – v.a. fichten alle 5-6 jahre von harvestern heimgesucht. in den von ihnen erzeugten schneissen wächst kein baum mehr , nur noch stacheliges gebüsch , himbeeren/ brombeeren, weißdorn, ginster , farne , das wird richtig undurchdringlich… und nach 6 jahren ziehen die harvester die nächste schneisse nebendran durch. angeblich sollen ja die liegengebliebenen baumreste / äste / stöcke usw den waldboden aufpäppeln bei deren zersetzung, aber das schein wesentlich längern zu dauern, als die „wissenschaftler“ dachten, da liegen die äste unversehr lange jahre noch rum.

  3. Bei diesem Waldgipfel ging es doch niemals um den Umweltschutz oder den sterbenden Wald.

    Von vornherein war es absolut klar, dass es darum geht die Herrschaften Waldbesitzer, unter denen sicherlich auch einige wenige Menschen sind, die man nicht generell verachten muss, schadlos zu halten.
    Diejenigen die Monokulturen erst eingeführt und dann jahrzehntelang finanziell profitiert haben, wollen jetzt selbstverständlich nicht für die Aufforstung der ruinierten Regionen geradestehen. Müssen sie auch gar nicht, der Steuerzahler wird das übernehmen, und damit die Wartezeit bis dahin nicht gar so schlimm wird für den blaßbläulichen Pöbel, wird es noch satte Ausgleichszahlungen geben, für die Jahre, in denen die Rendite nicht so sprudelt. Die neuen Yachten müssen ja auch an irgendwen verkauft werden.

    Oder hätte jemals eine Bundesregierung für irgendwas freiwillig einen Gipfel einberufen, bei dem es nicht um finanzielle Interessen der Großverbrecher ging? Lasse mich gerne belehren. Irgendwann mal?

  4. 48% des Waldes in D ist Privatwald.
    Ich sehe regelmäßig, wenn dieser abgeholzt wurde, passiert erst mal garnichts. Also keine sofortige Wieder-Anpflanzung.
    Bestimmt würde eine verschärfte Gesetzgebung helfen, die verlangt sofort aufzuforsten.
    Für Immobilien gibt es z.B. im BauGB §176 in „Baugebot“, was allerdings unwirksam ist.
    Es wäre aber ein Vorbild, um für den Wald daraus zu lernen.
    https://www.gesetze-im-internet.de/bbaug/__176.html

  5. Zitat: „Brasilianische Medien berichten, dass im Juli fast dreimal so viel Regenwald abgeholzt wurde wie im selben Monat des Vorjahrs. Konkret sollen 1864 Quadratkilometer Wald gerodet worden sein, berichen die Zeitungen „Estado de Sao Paulo“ und „O Globo“. Das wäre die doppelte Fläche der Insel Rügen. Die Zeitungen berufen sich dabei auf Zahlen des Instituts INPE. Eine offizielle Meldung des Instituts gibt es noch nicht, den Zeitungen liegen offenbar vorläufige Daten vor.

    Bolsonaro gilt als Freund der Agrarlobby. Er hatte die Idee in Umlauf gebracht, auch geschützte Urwaldregionen für die Landwirtschaft zu erschließen. Ein großer Teil der abgeholzten Flächen wird zur Rinderzucht sowie zum Anbau von Sojabohnen genutzt.“

    Quelle: tagesschau.de/ausland/bolsonaro-regenwald-101.html

  6. „Grüne Politik? Das heißt in Deutschland vor allem: Verbote, Einschränkung, Gängelung, Regelung und teure Ablassprodukte für reiche Latte-Hipster, die sich mit Bio-Food und E-Autos ein gutes Gewissen erkaufen. Dass grüne Politik auch anders gehen kann, zeigt in diesen Tagen der afrikanische Staat Äthiopien.

    Dessen Premierminister Abiy Ahmed rief im Rahmen „Green Legacy Initiative“ (Initiative Grünes Vermächtnis) zu einer Kollektiv-Aktion gegen die Abholzung des Waldes auf: einer großflächigen Wiederaufforstung. Damit wolle er verhindern, dass sich die Wüsten weiter ausbreiten. Landwirtschaftsminister Umer Husen ergänzt: „Äthiopien wird immer anfälliger für Klimaschocks, Wasserstände schrumpfen und die Fruchtbarkeit des Bodens ist wegen des Mangels an Bewaldung beeinträchtigt“.

    Ganze 350 Millionen Bürger beteiligten sich an der Aufpflanzungs-Aktion, so dass innerhalb von zwölf Stunden über 350 Millionen Bäume gepflanzt wurden. Das ist ein internationaler Rekord. Aber damit ist die Aktion keineswegs beendet: Im kommenden Mai bis Oktober sollen nochmal 4 Milliarden Bäume gepflanzt werden. Was für ein Unterschied: Grüne Politik, bei der sich Menschen freiwillig beteiligen, zu der man sie nicht durch Öko-Diktatur und Verzichtsethik zwingt. Jene, die den Klimawandel als Menschenwerk betrachten und jene, die dem CO2-Einfluss skeptisch gegenüberstehen: hier finden sie zusammen. Denn Bäume wandeln CO2 in Sauerstoff um.

    Natürlich fand die Alpen-Prawda (Süddeutsche Zeitung) auch einen Forscher von der Berliner Humboldt-Uni, der sowohl die Zahlen wie auch den Wert der Aktion anzweifelte. Nach seiner Spekulation könnten 40 Prozent der Setzlinge aufgrund mangelnder Umhegung frühzeitig absterben. Motto: Lieber Verzichtsethik a la Thunberg. Für die hiesigen Grünen wäre eine Adaption dieser Wiederaufforstung übrigens auch ein Zurück zu den eigenen Wurzeln: Der Künstler Joseph Beuys, Anthroposoph und Mitbegründer der Grünen, wollte bereits 1982 in seinem Landschaftskunstprojekt „7000 Eichen“ eine Wiederaufforstung betreiben. Natürlich wurde Beuys von grünen „Realpolitikern“ sehr bald an den Rand gedrängt. Wie weitsichtig der Verstoßene war, zeigt das Beispiel Äthiopien.“

    Karel Meissner

  7. Das Thema „Wald“ verbindet Menschen vom Romantiker bis zum Jäger. Der Wald als Sehnsuchgtsort über Bedürfnisort bis hin zum Nutzort. Der Wald als Heimatbegriff und Dunkelort deckt alle Gefühle des Menschen ab. Das Leben ohne Wald wäre in unseren Breiten ein völlig anderes Leben, denn unser Denken und unsere Spiritualität wären anders.

    Über den Wald müssen wir uns keine Sorgen machen, denn Bäume brauchen den Menschen nicht, sie waren vor dem Menschen da und werden auch nach dem Menschen da sein, aber der Mensch braucht die Bäume. Der Wald ist ein lebendiges Mahnmal an die Menschheit, es spiegelt das bestehende Gesellschaftssystem und stellt es in Frage. Der Mensch ist verletzlich und Bedarf der Heilung … die Heilung findet er in der Natur in inniger Spiritualität.

    Joseph Beuys „Das sind ja alles Dinge, die sehr stark beschädigt sind in unserer Zeit. Die müssen gerettet werden. Dann ist alles andere sowieso gerettet.“ …. auch der Wald.

    Joseph Beuys: „Ich möchte diese Bäume und diese Tiere rechtsfähig machen. Das ist selbstverständlich eine Pflicht des Menschen. Wenn er seine Aufgaben hier auf der Welt im Sinne des wirklichen Christentums, der wirklich christlichen Substanz, also des Sakramentes, das durch die Baumwipfel weht, wahrnimmt, dann muss er sich entsprechend verhalten.“

    • PS:
      Wie könnte eine Rechtsfäigkeit von Bäumen und Tieren aussehen? Hier werden Eigentumsrechte und Nutzungsrechte angesprochen, die gänzlich aus dem „Sachbegriff“ des BGB gelöst werden müssen. Das Thema Grund und Boden spielt eine ganz bedeutende Rolle. Ähnlich wie der Mensch die Luft zum Atmen benötigt, braucht er den Boden für seinen Stand zum überleben. Es sind tiefgreifende Fragen die beantwortet werden müssen, bevor das Privatrecht von „Finanzungeheuern“ zum pervertierten Naturrecht gänzlich umgedeutet wird.

  8. Sehr gelungener Artikel und wieder viel gelernt. Menschliche Gier frisst erst das Hirn, dann die Umwelt. Der Einzige Umweltschädling, der ausgerottet gehört, ist wohl der Mensch, der seine Gier nicht überwinden kann.

  9. Solange man in den Städten, Dörfern, Gemeinden, Kommunen und Ländern große Bäume und ganze Baumalleen für das G5 Mobilfunknetz einfach abholzt ist doch alles in Ordnung. Solange man weiterhin die Fichte wie die Birke als Pseudonym für den Beweis des Klimawandel benutz ja super. Vergleichbar als würde man versuchen südländische Palmen aus der subtropischen Zone in das subpolare Klima Schwedens anzupflanzen. Das mag in dem westlich subtropischen Klima Englands funktionieren, aber nicht im gemäßigten Klima Mitteleuropas. Ansonsten würde in jedem Garten ein Zitronen, Bananen und Apfelsinenbaum stehen. Eigentlich zeigt sich jetzt der natürliche Reinigungseffekt basierend auf die Klimazonen. Die Erde erlebt gerade eine Warmzeit mit ausgiebiger Trockenheit. Desgleichen wird es auch wieder eine Nasszeit mit ausgiebigen Regenfällen geben , bei denen die Ernten geradezu verfaulen.

  10. Danke für den guten Beitrag, wie schrecklig traurig und alarmierend ist dies alles!

    Vandalismus ist wirklich die richtige Bezeichnung und leider beschränkt der sich nicht auf die Landesgrenzen, sondern im gesamten Europa ist es in den großen Waldgebieten sicher ganz ähnlich.

    Ob das Thema in Brüssel länderübergreifend behandelt wird?
    Würde ja Sinn machen, aber irgendwie kommen mir da Zweifel…

    • Stimmt!
      Schon weil man sich hier mal nicht auf eine Diskussion über Scharlatanerie einlässt, wie es leider allzu oft der Fall ist. Die Status-Quo-Sachlage und den räudig kriminellen Vandalismus beleuchten, ( anstatt sich mit dem CO2–Klima-Knochen die Zähne auszubeißen,) sollte Standard sein.
      Der Tenor sollte sein:„ wisst ihr was noch viel schlimmer ist“, dann besteht zumindest die Chance, dass durch „friday for future“ etwas positiv verändert wird.

  11. Jetzt behauptet Frau von der Leyen, dass sie ca. 1,1 Bio. EUR für das Klima investieren will.

    Hier muss man es wissen, dass Geld im Grunde genommen nur eine Art Schuldversprechen ist, das die Politik beliebig abgeben kann, aber die Einzelbürger doch nur begrenzt.

    Für das Sozialisieren von Schulden gibt es für die Politik kein Limit und gleichzeitig gibt es eben auch immer mehr Umweltschäden.

    Es werden ständig Banken gerettet und alle möglichen Ausgaben getätigt, aber unser Geld hat wegen der Geldillusion völlig unabhängig von der schuldenbasierten Geldmenge einen „stabilen“ Wert. Wir bemerken es insofern nicht, dass die Politik ein totes Pferd reitet.

    Aber was tut sich bei der SPD?
    Roth und Kampmann wollen für die SPD-Spitze kandidieren.

    Beide wissen es bereits, was zu tun ist. Sie wollen die Schuldenbremse lösen.

    Frau Gesine Schwan warnt die SPD vor dem Spitzenduo aus Regierungsinsidern. Es sei falsch auf klassische Machtpolitik zu setzen. Jetzt erwägt sie auch selbst für den Parteivorsitz zu kandidieren.

    Aber die Linkspartei behauptet es auf ihrer Webseite doch genauso:
    „Die SCHULDENBREMSE ist gegen uns alle gerichtet!“

    Aber ist es wirklich nur die Schuldenbremse?

    Dann lese ich
    10.000 Gläubige beten für Ex-Kanzler Kurz.

    Die Ibiza Affäre weitet sich also immer mehr aus.

    Viel Aufregung über Millionen-Spenden an die ÖVP.

    In 2017 hat die ÖVP 3 Mio. EUR an Spenden bekommen.
    Der Porr-Großaktionär Klaus Ortner war dabei der größte Einzelspender.

    Etwa seitens der SPÖ kommt der Vorwurf, dass die ÖVP nicht die Wahrheit über ihre Parteispenden gesagt hat.
    Jedenfalls ermittelt die dortige Staatsanwaltschaft sowohl gegen die ÖVP und als auch gegen die SPÖ.

    Der Standard schreibt zudem:
    „Wie die CIA der FPÖ auf die Beine half“

    Gerade auch wegen der Vorträge und sonstigen Veröffentlichungen von Markus Kompa über u.a. Allen Dulles, ehemaliger CIA-Direktor, ist mir nicht besonders wohl dabei, wenn die CIA irgendwelchen politischen Parteien auf die Beine hilft.

    Auch ist es alarmierend, dass dermaßen viele Politiker wie eben auch Sebastian Kurz in Elite Clubs wie dem ECFR European Council on Foreign Relations des Investmentbankers George Soros sind.

    Ob die Kirche sich da wirklich zu christlichen Werten bekennt, wenn sie auf ihren Mega-Events für Politiker wirbt, die dem Finanzkapital dermaßen nahe stehen?

  12. Vandalismus ist die zutreffende Bezeichnung. Genau damit haben wir es zu tun. Nicht nur in der Forstwirtschaft, sondern bzgl. der Umwelt insgesamt. Es ist gruselig.
    Wir sind mitten dabei uns selbst nebst Sachverstand zu verkonsumieren.
    Es ist VANDALISMUS ,und das daraus folgende Planetenschmarotzertum was dringend thematisiert werden muss, weil eben dieser Vandalismus immer schneller zu noch viel mehr Mega- Elend führen wird, wenn wir die Dinge nicht beim Namen nennen.

  13. Herr Ploppa, vielen Dank! Ein ausgezeichneter Beitrag, in jeder Hinsicht. 🙂

    Mich würde auch mal die Meinung von Erwin Thoma zum Waldsterben 2.0 interessieren. Ich kann mich erinnern, dass er in einem Vortrag mal die Forstwirtschaft in Deutschland gelobt hatte, man hätte viel gelernt aus den Fehlern der Vergangenheit mit vielen Monokulturen – so in etwa habe ich ihn im Ohr. Wie passt das denn nun zusammen?

Hinterlasse eine Antwort