Tagesdosis 3.9.2018 – Spirale der Gewalt

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Alles starrt nach Chemnitz. Die Stadt ist Schauplatz sich entladenen Hasses bis hin zu roher Gewalt. Ausländisch aussehende Menschen werden gejagt. Ein junger Afghane wird brutal niedergeschlagen. Er und Dutzende andere müssen in der Notaufnahme des Krankenhauses versorgt werden. Wütende Mobs greifen Journalisten an, Kameras zerbersten, ein Mann stößt einen MDR-Reporter eine Treppe hinunter. Am Karl-Marx-Denkmal recken Faschisten den rechten Arm in die Höhe. Tausende stehen hinter ihnen. Wer es nicht sieht, erfährt es aus den Nachrichten. Wohl die meisten Bürger kommen trotzdem wieder. Slogans wie »Ausländer raus« tönen weithin. Dazu der Schlachtruf von NPD und freien Nazikameradschaften. Eine Masse johlt dazu. Man könnte meinen, Rassekundler Björn Höcke und seine AfD-Gefolgschaft bekommen nun endlich, was sie seit Monaten wortreich regelrecht herbeisehnen: Bürgerkriegsähnliche Zustände.

Niemanden scheint es mehr zu interessieren, worum es geht: Am Sonntag eskalierte ein Streit zwischen Flüchtlingen, Russland-Deutschen und dem Deutsch-Kubaner Daniel H. Worum es ging, ist immer noch nicht völlig klar. Die Story von einer angeblich bedrängten jungen Frau, die letztere beschützen wollten, entpuppt sich, wie etliche andere Geschichten, als von rechts gezielt gestreute Falschmeldung. Um Zigaretten sei es wohl gegangen, meinen die einen. Andere wollen wissen, die Asylbewerber hätten nach einer Geldkarte gefragt und dann angegriffen. Möglicherweise wird die Wahrheit irgendwo dazwischen liegen. Die beiden mutmaßlichen Täter aus dem Irak und aus Syrien sitzen in Untersuchungshaft. Daniel H. ist tot, ermordet mit fünf Messerstichen. In von Rechtsradikalen geführten Facebook-Gruppen echauffiert man sich darüber. 25 oder 27 Stiche sollen es sein. Man mobilisiert für den nächsten Aufmarsch.

Dass ein Freund und die Partnerin des Opfers öffentlich darum bitten, seinen Tod nicht für derlei Hassmärsche und fremdenfeindliche Hetze zu missbrauchen? Dass beide berichten, wie Daniel H. selbst regelmäßig Stress mit Neonazis wegen seiner Hautfarbe und seiner eher linken Einstellung hatte? Dass auch der Getötete einer der nun Gejagten hätte sein könnte? Wie mag sich die Familie durch diesen Missbrauch fühlen? Wen interessiert´s. Ihr auf brutale Weise ermordeter Angehöriger muss herhalten als Alibi für Faschisten. Und die wirklich Trauernden können sich nicht einmal wehren.

Um es vorab klar zu stellen: Ein Mord bleibt das übelste Verbrechen, ob von NATO-Soldaten in einem Kriegsgebiet, von libyschen Folterknechten, von wasserraubenden Großkonzernen oder von steinreichen Lebensmittelspekulanten en masse verübt, ober ob im Affekt  innerhalb der unterdrückten Schichten auf der Straße vollzogen. Jeder Linke mit dem urlinken Ansinnen, die wirtschaftlichen Opfer des globalen Kapitalismus solidarisch gegen die herrschenden Plünderer und Profiteure zu solidarisieren, kann nur scharf gegen jede Gewalt innerhalb der unterdrückten Klasse vorgehen, egal, ob sie von aus dem Ausland  stammenden Clans oder von Neofaschisten, die in den letzten 20 Jahren Hunderte Menschen ins Jenseits befördert haben, verübt wird. Denn Gewalt, psychisch oder physisch, steht der Solidarität entgegen.

Doch blicken wir hinter die Fassade dieser Gewalt. Der kurze Blick geht so: Es gibt Erzählungen, dass einige Geflüchtete seit Monaten einige Straßen in der Innenstadt unsicher gemacht haben sollen. Besonders abends und nachts. Die Polizei habe nie eingegriffen. Diese Erzählung stammt von Deutschen. Was von ihrer Seite dazu beigetragen wurde, geht nicht daraus hervor. Menschen pauschalisieren gerne. Sie denken in »wir« und die anderen. In Deutsche und Ausländer. Beide Seiten. Und sie handeln so.

Dass in zahlreichen Orten Deutschlands kein Linker mehr durch die Straßen gehen kann, ohne von Neonazis angefeindet und bedroht zu werden, ist die andere Seite. Und dass Geflüchtete auch in diese Orte zwangsweise verfrachtet werden – in Mehrbettzimmer mit anderen Flüchtlingen, deren Sprachen sie nicht sprechen, mit Gemeinschaftsklos und Gruppenduschen, unter Residenzpflicht zum Nichtstun verdonnert, abgespeist mit Großküchenessen und Einkaufsgutscheinen in einem Land, dessen Sprache sie nicht kennen. Das kann man vielleicht ein paar Monate aushalten. Aber nicht auf ewig.

Fremdenhass wird gerne kleingeredet. Wenn man nicht betroffen ist, erlebt man ihn nicht. Ich war vor einiger Zeit einmal drei Stunden lang spätabends mit einem Mann aus Togo in Berlin unterwegs. Man denkt: Ist doch ´ne weltoffene Stadt. Denkste. Gleich mehrfach wurden wir aus Gruppen heraus bepöbelt. Worte wie »Bimbo« und »Negerflittchen« waren die harmlosesten. Als wir uns etwas zu essen holten, wurde es so eng, dass ich Angst um mein und das Leben meines Begleiters hatte. Eine Gruppe erkennbarer Neonazis, teilweise stark betrunken, stand unmittelbar hinter uns. »Der Führer hätte dich vergast, du Nigger, und diese Schlampe gleich mit«, brüllte einer und baute sich mit zwei anderen auf. Niemand echauffierte sich.

Doch alleine damit ist das Ausmaß der Gewalt in der Gesellschaft dieses Landes,  wo fast täglich Fälle von schwersten Kindesmisshandlungen, Körperverletzungen, Raubdelikte, Wirtschaftskriminalität und Tötungen publik werden – und das ist nur die Spitze des Eisbergs – nicht zu erklären. Klar ist: Diese Taten werden von Menschen – am häufigsten von Männern – jeglicher Herkunft verübt. Quer durch alle Gesellschaftsschichten. Der tiefere Blick muss daher auf die gesamten Verhältnisse gerichtet werden.

Zu betrachten sind die Verhältnisse einer Klassengesellschaft, die auf staatlich gemanagter, letztlich gewaltsamer Unterdrückung der Mehrheit durch eine Minderheit basieren. Es geht um Gewalt im alltäglichen Leben, gut verschleiert durch einen demokratischen Überbau – und zugleich durch diesen legitimiert. Zu finden ist sie überall. Zum Beispiel im permanenten ökonomischen Konkurrenzverhältnis der Individuen. Lohnabhängige konkurrieren um Arbeitsplätze, Mietwohnungen und Kitaplätze; Kapitaleigentümer konkurrieren um Märkte, Aufträge und Anlagemöglichkeiten.

Die Gewaltverhältnisse lauern im Arbeitsleben. Vor den Werkstoren endet sogar die bürgerlich-parlamentarische Scheindemokratie. Jene, welche ihre Arbeitskraft verkaufen, haben in privat geführten Unternehmen still zu sein und zu arbeiten. Wobei zu bedenken ist: Auch die äußerlich praktizierte bürgerliche Demokratie beruht auf Mehrheitsentscheidungen, was immer zu ungehörten Minderheiten führt, zu Ausgegrenzten und Entrechteten, zu Stimmlosen und Außenseitern; sie selbst birgt die Gewalt der bürgerlichen Mehrheit gegen Minderheiten in sich.

Noch ist der globale Kapitalismus in Nationalstaaten organisiert. So mancher behauptet dieser Tage, der deutsche Staat habe in Chemnitz versagt. Er habe zu wenig Polizei gestellt. Er habe sich zu wenig gegen die ausufernde Gewalt gewehrt, heißt es von links. Von Seiten der Mitläufer bei der rechtsradikalen Demonstration heißt es, dieser Staat unternehme nicht genug gegen gewaltbereite Asylsuchende. Die Realität ist: Keiner hat recht. Der Staat hat gar nicht die Aufgabe, für das Wohlergehen aller zu sorgen. Sein Part ist es, den rechtlichen Rahmen zugunsten der Privatwirtschaft zu implementieren und durchzusetzen, die Profite der Privatiers sprudeln zu lassen, und zwar durch Ausbeutung von Arbeitskraft. Das beste Beispiel dafür ist Hartz IV – ein Inbegriff der gewaltsamen Zwangsintegration der Rechtlosen in das spätkapitalistische Arbeitshaus.

Um diese Aufgabe zu erfüllen, braucht der Staat die bürgerliche Mitte. Sie soll nach oben streben, nach einem Mehr, das sie nie erreichen können wird. Sie soll ihren Fleiß einem Fetisch gleich kultivieren und verächtlich nach unten blicken. Sie soll laufen im Hamsterrad der Profitbeschaffung für die Besitzenden, um des eigenen Egos sowie des Geldbeutels willen. Ein Staat, der es dann noch schafft, jene gegeneinander aufzubringen, die am untersten Limit leben, hat seine Aufgabe, die Unterdrückten im Zaum zu halten, doch bestens erfüllt.

Gewalt hat ihre innerste Ursache in gewaltförmigen Gesamtverhältnissen. Unter der Gewalt des Staats haben schon immer die Ärmsten am meisten gelitten. Der Verlust des Arbeitsplatzes, die drohende Wohnungskündigung, Arbeitsverbote, Residenzpflicht, Sanktionen gegen am Existenzminimum lebende Hartz-IV-Bezieher und Asylsuchende, Zwang zu Überstunden unter Androhung der Entlassung, das Bombardement mit Rechnungen und Gebührenbescheiden sind im Endeffekt rohe Gewalt, letztlich durchgesetzt mit realer Gewalt. Es wäre ein Wunder, wenn all dies – inklusive des Vorlebens der Gewalt durch die Herrschenden selbst – nicht zu gewalttätigen Verhaltensweisen in der gesamten Gesellschaft führen würde.

Zu durchbrechen ist diese Spirale nur mit Erkenntnis über die reale Situation und einer Reaktion von unten darauf, die das Ziel der gewaltfreien Klassensolidarität beinhaltet. Unabhängig von der Herkunft. Denn auch Flucht ist nur eine von vielen Folgen systemimmanenter Gewalt. National sind unsere gegenwärtigen Probleme längst nicht mehr zu lösen.

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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23 Kommentare zu: “Tagesdosis 3.9.2018 – Spirale der Gewalt

  1. Nachtrag zum Bonath-Artikel und meiner Beitrittserklärung zum rechten Mob:

    Liebe Susan Bonath!

    Heute früh um 10 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit trat der wie immer sehr gut informierte Ministerpräsident Sachsens, ein gewisser Herr Kretschmer an, im Landtag eine wichtige Regierungserklärung abzugeben. Er erklärte knallhart und überzeugend:
    „Rechtsextremismus ist eine der größten Gefahren für unsere Demokratie“. Er griff auch scharf insbesondere jene Partei an, die AfD, die im Bundestag einfallslos immer nur von bedauerlichen Fakten, Fakten, Fakten aus Deutschland berichtet, populistisch, versteht sich. Und zwar griff er sie wegen ihrer grundlosen Demonstrationen in Chemnitz an, grundlos rechten Demonstrationen und er brachte es perfekt, wie es sich für einen CDU-Ministerpräsidenten gehört poetisch dichterisch entlarvend auf den Punkt:
    „Das ist keine Alternative f ü r Deutschland. Diese Partei will eine Alternative v o n Deutschland.“
    Ach ja, dann stellte er noch ganz nebenbei fest, keine 10 Tage nach dem Mord, also top informiert, das es . . . . äh, . . . keinen rechten Mob gegeben hätte. Nicht mal Hetzjagden. Seine Dienste hätten das in sehr, sehr kurzer Zeit zuverlässig ermittelt. Genau wie es anlässlich des NSU-Skandals wegen zahlreicher Aktenzerschredderungen bestimmte Belege nicht mehr gegeben hatte, konnte man diesmal in der Kürze der Zeit erst gar keine finden.
    https://deutsch.rt.com/inland/75545-sachsens-ministerprasident-kretschmer-es-gab-keine-hetzjagd-chemnitz/

    Liebe Susan Bonath, da tut es mir im Herzen so für Ihren Artikel leid. Die „Spirale der Gewalt“ an sich bestand also lediglich aus dem messermehrstichaufwendigen Mord und zur Gewissheit hochgerechneten Vermutungen, Vermutungen, Vermutungen.

    Hat also dieser demonstrierende Mob sich unanständig anständig benommen. Meine Freunde, Bekannten und ehemaligen Arbeitskollegen dort in Chemnitz fanden jedoch, genau wie Sie und ich in sämtlichen Medien und sogar vom Regierungsversprecher Rumseier-Seibert persönlich referiert sehr vieles über diese unheilvolle Gewaltspirale. Dass Sie darüber nicht stilles Schweigen bewahren konnten, zeichnet Sie sogar aus als sehr vertrauensvoll. Aus diesem Blickwinkel war es also eine Art Vorahnung von Ihnen, lediglich diese von Ihnen beobachteten Schein-Jagden und den Fast-Beinahe-, den Schein-Mob also, exakt so zu beschreiben, wie die Mediensprecher und der Seier-Seibert es Ihnen gebetsmühlenhaft, gebetsmühlenhaft, gebetsmühlenhaft mitgeteilt hatten, wie das als Gewaltspirale zu beschreiben gewesen wäre. Wenn es denn tatsächlich rechtes Mobbing und tatsächlich angedeutet vorgeführte Hetzjagd gewesen wären. Ich muss mich also nun ganz beschämt entschuldigen Ihnen zu Unrecht vorgeworfen zu haben:
    „Das heißt, Sie sind recht gut in der Lage, Vorgefundenes, Zustände zu protokollieren, aber es ist nicht Ihr Ding, tiefer liegende Ursachen und Wirkungen zu erfassen, Zusammenhänge herstellend so zu analysieren, dass ein heuristischer Ausblick, eine Prognose, eine Vision Besserens herauskäme.“
    Außerdem sind ja die Mordzahlen laut BKA zwar gewachsen, aber nur moderat:
    https://deutsch.rt.com/inland/75522-bka-zahl-von-auslaendern-getoeteten-deutschen-hoechststand/?utm_source=browser&utm_medium=push_notifications&utm_campaign=push_notifications

    Können Sie mir ein vorletztes Mal verzeihen?

    Klaus-Peter Kostag

    • Beim Lesen dieses, nun ja, ähm, wie sagt man gleich dazu? Egal, jedenfalls kam mir diese Frage in den Sinn:

      Ist es denkbar, dass manche den Schuss deswegen nicht gehört haben können, weil sie selbst einen haben?

    • Und nebenbei gefragt:

      Wenn die Täter Opfer sind, Opfer des Kapitalismus versteht sich. Warum hat die Autorin dann nicht mit den Rechte Mitleid, weil das sind doch dann auch Opfer des Kapitalismus. Dann gibt es irgendiwe doch keine Täter.

      Das sind dann doch auch nur Opfer der Umstände. Die Armen können doch auch nichts dafür. Niemand kann für nichts irgendwas dafür. Wir sollten die Individualschuld abschaffen. Aber das muss man Linken ja nicht erklären, die stehen sowieso auf Kollektivschuld.

  2. Liebe Frau Bonath,

    Sie haben da einen Haufen schlimmer Fakten über Gewalt zusammengetragen und Ihr roter Faden war die Darstellung einer gar „Spirale der Gewalt“. Erhebt sich jedoch die Frage, wo begann denn diese beschriebene Spirale? Genau:
    Bei der Merkel-Bewerbung-für-den-Friedens-Nobelpreis-Migration, als der nun zwangsläufig daraus entstandenen europäischen Spielart von Teile und Herrsche nämlich.
    Eines ganz ausgezeichnet funktionierenden Bestandteils von Herrschaftsausübung einer Minder- über die Mehrheit.
    Und wie, wo, wann hat diese Spirale dann als nicht mehr hinnehmbar zu gelten, was können wir dazu tun, hier einen Schlusspunkt zu setzen? Eine gute, Ihre Antwort, darauf wäre m. E. der Sinn, eine solche Beobachtung von beobachteten Zuständen als Schwerpunkt Ihres Kommentars bei TAGESDOSIS zu krönen. Aber was folgern Sie?
    „Zu durchbrechen ist diese Spirale nur mit Erkenntnis über die reale Situation und einer Reaktion von unten darauf, die das Ziel der gewaltfreien Klassensolidarität beinhaltet“
    Schluss.
    Eine solche Quintessenz reißt mich nicht vom Hocker. Sie erinnert mich vielmehr an Ihre Tagesdosis vom 6. August, als Sie der Frau Wagenknecht zwar allerlei Unkenntnis, Unvermögen etc. bescheinigten, ausschließlich einer Qualifikation jedoch, eine LINKE SAMMLUNGSBEWEGUNG zu starten und zu führen.
    Das heißt, Sie sind recht gut in der Lage, Vorgefundenes, Zustände zu protokollieren, aber es ist nicht Ihr Ding, tiefer liegende Ursachen und Wirkungen zu erfassen, Zusammenhänge herstellend so zu analysieren, dass ein heuristischer Ausblick, eine Prognose, eine Vision Besserens herauskäme. Mit so überschaubarem strategischen Rüstzeug kann man zwar eine deutsche Republik verwalten, also Bundeskanzlerin sein, aber nie und nimmer diese Grenze zwischen einerseits nur Kritik und andererseits erwarteten Weg aus dem Schlamassel, einem Ausblick in einem Kenfm-Beitrag überschreiten. Eben nicht in einer Reportage, sondern einem Kommentar. Oder nehmen Sie an, ihr gewissermaßen „hehrer Appell“ könnte das Zeug haben, mich aufzubauen?
    Wir erleben momentan einen Kapitalismus, der ohne jedweden großen Gegner sich selbst als zunehmend unaushaltbarer erweist und sich schließlich gar selbst zu unterliegen anschickt. Eine Schlange, die beginnt, ihren eigenen Schwanz zu verschlingen, ein Apparat, nicht nur zu groß, wirklich funktionieren zu können, sondern wegen des immer größeren Gewaltbedarfs derer „Oben“, die „Unten“ in Schach zu halten. Es bedarf offensichtlich dringend nicht irgendwelcher Reformen, an denen der Kapitalismus genesen könnte (das Modell unserer LINKEN), sondern einer neuen, nach-kapitalistischen Gesellschaft. Wenn Sie das zwar gemeint, aber hinter Ihrer obigen Formulierung versteckt hätten, („zu durchbrechen ist diese Spirale nur mit Erkenntnis über die reale Situation und einer Reaktion von unten darauf, die das Ziel der gewaltfreien Klassensolidarität beinhaltet“) warum sagen Sie es dann nicht?
    In einem Kommentar an so exponierter Stelle wie der TAGESDOSIS bedarf es nicht nur der anprangernden Beschreibung von Zuständen und zu schlechter Letzt eines 0815-Appells, das können Journalisten, das ist ihr Job, sondern weit mehr. Dazu las ich einst im Eingangsbereich der Humboldt-Uni zu Berlin:
    „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern.“
    Helfen Sie also mit, Frau Bonath, dabei Visionen zu entwickeln . . .
    Dieser Kapitalismus ist ja so ein selbstreparierendes System, das in Deutschland von „Oben“ jetzt gerade die AfD gezeugt hat und dem das deutsche „Unten“ in der Ahnung, dadurch gar vom CDU/CSU-Regen in die AfD-Traufe zu kommen, eine linke Sammlungsbewegung #Aufstehen# entgegensetzen will.
    Und so ordnen sich plötzlich die von Ihnen zusammengetragenen Fakten weitaus nachvollziehbarer.
    (Zu einem Detail davon: Beurkundet sind übrigens zwar nur die fünf tödlichen Einstiche im Brustbereich. Andere mussten im Text des Haftbefehls nicht zwingend erwähnt werden)
    Verwandte und Bekannte, frühere Arbeitskollegen aus Chemnitz sahen keinerlei „Menschenjagden“, nicht mal als TV-Beweise, sie waren aber überzeugt, dass ein herangekarrter „Schwarzer Block“ provoziert hätte. Sie trafen auf den Protest gegen Mord-Demos jede Menge Arbeitskollegen, frühere, nun arbeitslose Kollegen, diverse Bekannte und man erkennt in Chemnitz einander als eben Chemnitzer oder Dörfler von nebenan zwangsläufig am Dialekt. Daher ihre nicht ganz unbegründete Sicht und Hörens der Dinge zu „Provokateuren“, „Schwarzem Block“, „Antifa“ und der vielleicht gut gemeinten Musikveranstaltung (zur Feier des Mordes?) am Platz der Gewalttat. Aber das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“.
    https://www.youtube.com/watch?v=60SVl-jJqJc&feature=push-u-sub&attr_tag=Yfs3brq1nXGswGDz%3A6
    Der rechte Mob bestand also ihrer Sicht nach aus ganz normalen Chemnitzer Otto Normalverbraucher-Bürgern. Ganz vielen empörten allerdings. Ich erkläre also nach meiner Konsultation bei der sächsischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte:
    Ich kann Messerstechereien und Mord nicht leiden, stehe zum Gewaltmonopol des Staates, bin gegen jedwede Volksverhetzung, selbst öffentlich/rechtliche und setze mich wie die friedlichen Demonstranten („rechter Mob“ in den Medien) in Chemnitz dafür ein. Deswegen bin ich ab sofort wie diese meine Chemnitzer auch „rechter Mob“. Scheint ja was ganz Gutes, des Folgens wert zu sein. Wo kann ich mich anmelden? Gibt es einen Ausweis? Und wo bezahle ich meine Beiträge?

  3. Werter Herr Jebsen,
    ich höre so gut wie alles von ihnen und stimme ihnen oft zu.
    Aber dieser Text ist Mainstream – ohne selber vor Ort gewesen zu sein eine erwartete Meinung verbreiten.
    Kommen sie zu uns nach Chemnitz und Fragen die Leute vor Ort in der Innenstadt !
    So wie sie es früher gemacht haben- Life mit Mikro die Leute selber befragen!

    • Wo ist eigentlich die Frau, die zur Abwendung von Schaden im Amt vereidigt wurde?
      Warum steht die nicht an vorderster Front, um Ihre Gäste zu verteidigen?
      Was eine lausige Gastgeberin. Wer solche Freunde hat…

      Aber man konnte es ahnen. Die Goldstücke wurden hergeholt nicht um sie dauerhaft zu versorgen, sondern deshalb, um Konflikte zu schüren. Da stehen wir jetzt. Klar war auch, dass es gerade die politischen Grenzöffner sein würden, die dann den Schutz verweigern würden. Von Merkel haben die nichts zu erwarten. Die Migranten sind als Kanonenfutter für die NWO geholt worden und dem Applaus der Linken. Die Herren der Welt lachen sich gerade schlapp über Euch.
      Der Plan war und ist Stunk, deshalb kommen nur B-Promis zum Bürgerbashing. Und Rentner-Punks oder anti-deutsche Gröhl-Honks. Der Campino aus dem Hause Frege…immer am Puls der Zeit.

    • Mal mein best of aus dem youtube Kommentaren:
      – Mainstream-Anbiederung als Alleinstellungsmerkmal unter den Alternativen???
      – Klicken sie bitte weiter. Hier gibt es nichts zu hören
      – willkommen zurück im lotterbett der mainstream system-medien lieber KenFM!
      – Da kann ich einfacher Springer lesen, das ist das Original.
      – Ken Fm ist jetzt Ken-MSM

    • @Gloucester
      Die Bürgerliche Gesellschaft ist auf nichts gebaut als nackte Gewalt. Sie hat keinen Inhalt, keine Substanz, keine Verbindlichkeit, sie ist nicht menschlich, weil sie das Menschliche darauf reduziert, angeblich eine „objektive“ Natur (Objekt = Behandeltwerden) und deren Vernunft zu erkennen, die die Leute wiederum dereinst selbst „geheckt“ haben – in ihrer Not, als das Vorhergehende nicht mehr praktikabel war und unterging (diese Erklärung, die heute allgemeingültig daherkommt war allerdings eher zufällig, es hätte in der damaligen Kontingenz auch anders zum Zuge kommen können).
      Sie, Gloucester, sind hier sehr prominent darin unterwegs, verkürzte Kritik unserer Verhältnisse zu verabsolutieren. Sie tun so, als gäbe es so etwas wie ein „Volk“, das seit Anbeginn der Moderne aber nur ein pseudo-konkreter und völlig abstrakter Mythos ist, der dazu dient, Leute einzuschließen – aber vor allem auszuschließen. Von daher ist auch jeder National-Staat nach Zusammenbruch der religiösen Welterklärung nur mit brutalster Gewalt und jeweiligen Genozid ins Werden gekommen.
      Es mag Sie zwar stören und ich habe das an anderer Stelle bereits gesagt: Sie und Leute, die so denken wie Sie, fordern von allen anderen nur ein, dass sie sich doch bitte alle ihrer individuellen Eigenarten entledigen – wie eben Sie, dass sie der Selbstunterwerfung unter abstrakter Arbeit frönen und nicht aufmucken – wie eben Sie, dass Sie als einzige gesellschaftliche Handlungsform verallgemeinerte Subjektivität als einzig zulässig gesellschaftliche Handlungsform, mithin Reduzierung der „Angelegenheiten, die alle angehen“, auf eine – sehr bornierte – Interessenförmigkeit, die völlig losgelöst bloß abstrakt daherkommt, reduzieren und verlangen – wie eben Sie, und dass Sie alle Leute „über die Klinge springen lassen“, die, selbst wenn sie denn Staats“angehörige“ wären, aber nicht dem aktuellen „Nationalmythos“ und dessen aktueller Ausprägung entsprechen, eben zu eliminieren sind, und das zudem sehr konform auch vom „obersten“ Bürgerlichen Subjekt „Nationalstaat“ verlangen … Einschluss und Ausschluss eben, vor allem letzteres!!!
      Ich mag mich hier über den „Sozialismus“ nicht weiter äußern, weil ein menschlicher Zusammenhang keinen „ismus“ benötigte. Aber der Teil „national“, der ist längst entlarvt.
      P.S. Volk kommt tatsächlich von „folgen“. Das Wort stammt aus der Zeit einer untergegangenen Epoche, die sich an Privilegien bis zum Bettler erstreckte und auf Verwandtschaften und Alimentation basierte. Den Blick darauf hat uns Heutigen allerdings die „Universal“-Geschichte verstellt – zu unserem eigenen Nachteil, weil wir so nicht mehr wahrnehmen können, dass die Welt ganz anders, und vor uns über tausende Jahre „ganz anders“ funktionieren nicht nur funktionieren konnte, sondern tatsächlich hat. Es gäbe uns Heutige sonst nicht.
      Geht allerdings nicht um Rückfall auf „alte“ Zeiten. Die haben es „hinter sich“. Aber darum, dass alles (wie bei Epochenbrüchen zuvor) von „jetzt auf gleich“ eben auch ganz anders praktikabel wird.

    • Ich verlange also neben der Selbstunterwerfung unter abstrakte Arbeit v.a. eine verallgemeinerte Subjektivität als einzig zulässig gesellschaftliche Handlungsform?
      Das haben Sie ja schön formuliert (oder abgeschrieben), aber wollen wir wetten, wieviele Leute den Satz überhaupt gelesen und/oder verstanden haben?

      Und darüberhinaus eher skeptisch:

      Wo jetzt genau?

    • Wie sagte mein Kunstlehrer? (Wenn er zurecht vermutete, dass einer keinen blassen Dunst hatte und dies mit übermäßig vielen wohlklingenden Worten zu kaschieren trachtete.)
      Heh Gschwollschädel, sag, was Du sagen willst und zwar so, dass es alle verstehen und produzier`hier keinen Schwall ins All!

    • Moin, Petra,
      „Die Bürgerliche Gesellschaft ist auf nichts gebaut als nackte Gewalt. Sie hat keinen Inhalt, keine Substanz, keine Verbindlichkeit, sie ist nicht menschlich, weil sie das Menschliche darauf reduziert, angeblich eine „objektive“ Natur (Objekt = Behandeltwerden) und deren Vernunft zu erkennen, die die Leute wiederum dereinst selbst „geheckt“ haben – in ihrer Not, als das Vorhergehende nicht mehr praktikabel war und unterging (diese Erklärung, die heute allgemeingültig daherkommt war allerdings eher zufällig, es hätte in der damaligen Kontingenz auch anders zum Zuge kommen können).“
      Etwas genauer ginge es wohl? Die buergerliche Gesellschaft hat keinen Inhalt? So so! Immerhin wurde die Leibeigenschaft in der buergerlichen Revolution abgeschafft. Es wurden Gesetze erarbeitet, die fuer alle galten. Es wurde das Recht auf Parteienbildung festgeschrieben. Es wurde die Gleichheit vor dem Gesetz festgelegt.
      Das sind doch Inhalte (…) oder? Natuerlich ist es heute nicht mehr ausreichend, zu konstatieren, dass wir die Leibeigenschaft ueberwunden haben, und die kapitalistische Gesellschaft aus Allem und Jedem ein Ware macht.
      In diesem Falle eben auch Menschen, die aus anderen Regionen zu uns geschleust werden von den Menschenfeinden wie z.B. Soros und Co.
      Es spielt dabei auch keine Rolle, ob die Menschen kulturell zu den schon dort wohnenden passen oder nicht. Messerschwinger und Kopfabhacker, Frauenunterdruecker und „Ehren“mörder sind keine Eigenschaften, die uns im Kampf um unsere gesellschaftliche Emanzipation weiterhelfen! Da sind wir dann wieder dort angelangt, wo die buergerliche Revolution die Gesellschaft ein Stueck weit emanzipiert hat.

  4. Nun, wenn sie sich die Kommentare auf YouTube anschauen, können sie den Eindruck gewinnen, daß diverse Einrichtungen für Systembewahrung und -ausbau, ihre Parteisoldaten Überstunden machen lassen.
    Frau Bonaths Tagesdosen treffen schon stets den Nerv und sind damit ein Magnet für die Beauftragten der Systemeigner.
    (Daß im System viel Energie auf die Steuerung von Meinung verwandt wird, dürfte mittlerweile hinreichend bekannt sein.)

    Dafür spricht auch die Güte der Mehrzahl der Kommentare. Meist Einzeiler, die an Absurdität kaum zu überbieten sind.
    Es wird gedroht mit der Kündigung von Abos, die es wohl niemals gab, gedroht mit der Einstellung von Zahlungen, die wohl niemals geleistet wurden.
    KenFM ist Systempresse, was augenscheinlich äußerst absurd ist, wenn man zwei Sekunden Zeit zum Nachdenken hat, denn nirgends in der Systempresse finden sie so etwas wie z.B. den vorliegenden Artikel, der das Ereignis in einen größeren Zusammenhang setzt.
    Besonders grotesk wird’s, wenn der Kommentar mit einem eisernen Kreuz als Nutzerbild versehen ist, denn besser kann man diese Tagesdosis kaum noch bestätigen.

    Einerlei, Frau Bonath u.a. sind nach meinem Ermessen auf dem richtigen Dampfer, wenn sie Ereignisse, anders wie meistens bei der Systempresse und anderen Apologeten, in den größeren Kontext einbetten.
    Die Rahmenbedingungen werden von den Systemeignern doch allzu gerne ausgeblendet.

    Oder anders, vlt. liegt’s nicht an der wöchentlichen Sau, die durch’s Dorf getrieben wird, sondern am Treiber.

    • „Es wird gedroht mit der Kündigung von Abos, die es wohl niemals gab“.

      Redet Euch eure Welt nur weiterhin so zurecht, wie Ihr sie braucht.

      Alles klar, ab jetzt ist jeder, der Euch kritisiert, ein Auftragsschreiber der Systemeigner.

      Gehts noch?

      Ich hab es beobachtet: seit heute 15 Uhr 30 ca. 80 Abos weniger.
      Abos, die es „wohl“ gar nicht gab.
      Die Parteisoldaten haben „wohl“ ganze Arbeit geleistet, vor geraumer Zeit Abos zu klicken, die sie heute
      wieder auflösen. Selten so gelacht.

      Wer glaubt, dass die Autorin, die in Schutz zu nehmen Sie sich hier stets berufen fühlen, irgendeine Bedeutung hat für irgend jemanden, der darf gern weiterträumen.

      Hier wird massiv daran gearbeitet, auch noch die letzte Glaubwürdigkeit zu verspielen.

    • Box

      Sie sind schon lange nur noch ein Schatten Ihrer selbst.
      Ich bin engagiert da, wo ich es für wichtig halte.
      Mit Ihrer Paranoia und üblen Verdächtigungen stellen Sie sich nur selber ein Bein; sprechen Sie nur über Ihre eigenen Machenschaften.
      Gut, nur weiter so. Bis dahin freue ich mich, ja, ich f r e u e mich über 280 Abos weniger
      seit Publikation dieser Tagesdosis. Aber wie schon gesagt: bestimmt alles Systemtreue, Ignoranten und rechte Dumpfbacken mit oder ohne Auftrag.

      Oh hey, can’t you see, by the dawns early light ….

  5. Liebe Frau Bonath,

    danke für den üblichen „Käse“ zu Mittag. Die korrekte (und bereits von Ihnen bekannte) Systemkritik im zweiten Teil Ihres Beitrages ist OK. Doch der erste Teil ist kaum zu ertragen. Das einzige was dort stimmt ist, dass Sie die Straftat (wie ich finde korrekt) im Gegensatz zur offiziellen Anklage, die auf Totschlag lautet, als Mord bezeichnet haben. Der Rest ist vollkommen realitätsfern. Wir haben es hier mit einem Bevölkerungsaustausch und kompletten Sitten- und Sicherheitsverfall zu tun.
    Als Sie mit Ihrem Begleiter aus Togo von den Rechtsextremen bedrängt wurden, hatten Sie da Lebensngst? Mussten Sie damit rechnen, dass Ihr Genosse gleich 5 Messer in den Rücken bekommt?
    Spätestens jetzt sollten Sie den Unterschied verstanden haben!

    MfG
    Addolfo

    • Nur zur Info – Mord und Totschlag haben beide das gleiche Strafmaß mit dem Unterschied, dass bei Mord eine anschließende Sicherungsverwahrung möglich ist, so die besondere Schwere der Tat festgestellt werden kann. Ein Haftbefehl ist keine Anklage, ein Haftbefehl basiert auf gesicherten Tatsachen und in diesem Status des Verfahrens von Mord zu sprechen, ist zweifellos verfrüht. Zum Mord braucht es nämlich ein gesichertes Tatmotiv aus den im Mordtatbestand genannten Gründen, fehlt ein solches Motiv oder kippt das Motiv aufgrund ungesicherter Behauptungen, Mutmaßungen, etc., wird die Prüfung zum Haftbefehl durch den Richter gekippt. Der Staatsanwalt sagt dann nicht, „Dann nehmen wir halt Totschlag.“, sondern er wird Totschlag gleich als Tatbestand anführen und Mord im Zuge der Anklage anbringen, so er dies glaubt beweisen zu können…

      Also im Grunde einfach nur viel heiße Luft um nichts die ganze Debatte!

  6. „Der Staat hat gar nicht die Aufgabe, für das Wohlergehen aller zu sorgen. “
    Da gebe ich der Autorin nur halb recht. Kommt auf die Definition von Wohlergehen an. Es ist definitiv die Aufgabe eines Staates für die Sicherheit zu Sorgen sowie für Infrastruktur. Leben und Wohnen muss bezahlbar sein. Ausbeutung durch den Arbeitgeber muss verhindert werden. Zwang zu Überstunden ist sicherlich nicht schön und ist ein Problem, aber nichts im Gegensatz zu dem was es vor einem Jahrhundert oder vor 150 Jahren war, als die Sozialdemokratie ihren Namen noch verdiente. Da waren 12 Stundenschichten ohne Arbeitsschutz und Kinderarbeit der Standard.
    Die Feinheiten heutiger Arbeit regelt der Staat auch zum Teil, zum Teil die Gewerkschaften. Wenn der Staat so turbokapitalistisch wäre wie Sie behaupten ( „den rechtlichen Rahmen zugunsten der Privatwirtschaft zu implementieren und durchzusetzen, die Profite der Privatiers sprudeln zu lassen, und zwar durch Ausbeutung von Arbeitskraft.“), dann würde wir wieder zu den 12 h Schichten zurückkehren. Das ist jedoch nicht abzusehen.

    “ das Bombardement mit Rechnungen und Gebührenbescheiden sind im Endeffekt rohe Gewalt, letztlich durchgesetzt mit realer Gewalt.“
    Da muss ich vollständig Widersprechen. Steuern und Gebühren sind genau dazu da für Sicherheit und Infrastruktur zu sorgen. Das muss sicherlich mit Gewalt passieren, aber das hat nichts mit der Gewalt zu tun, die wir in Chemnitz sehen. Die „Gewalt“ besteht darin, dass man Bußgelder zahlen muss, wenn man keine Steuern zahlt oder schlimmstenfalls ins Gefängnis kommt. Aber Steuern sind der Preis dafür, dass wir Schulen und Krankenhäuser sowie Feuerwehren und Straßen und Autobahnen haben. Und natürlich noch vieles mehr.
    Aus diesem Einziehen von Gebühren und Steuern abzuleiten, dass daraus die Gewalt in Chemnitz entsteht, halte ich für realitätsfern.

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