Tagesdosis 30.04.2018 – CDU-Fantasien: Überflüssige entsorgen

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Man debattiert über Faulheit. Man beleidigt sie als Schmarotzer, sanktioniert und schikaniert sie ohne Ende: Die Verachtung der Armen als überflüssiges Humankapital ist politisches Programm in Deutschland. Doch mehr als 70 Jahre ist es her, als jemand so konkrete Vernichtungsgedanken gegen materiell Outgesourcte äußerte, wie jetzt der CDU-Jungpolitiker Christian Gräff. Der 39jährige Berliner Abgeordnete und dortige Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung, kurz MIT, will Hartz IV für unter 50jährige abschaffen. Keinen Cent Hilfe sollen diese Erwerbslosen bekommen. Nichts fürs Wohnen, nichts fürs Essen, gar nichts.

In einem Papier hat die MIT die Forderung verbrieft. Begründung: Der vermeintliche Fachkräftemangel. Der Staat müsse die Leute noch mehr aktivieren, heißt es da. Der Berliner Morgenpost erklärte Gräff: »Es ist bei der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt nicht einzusehen, dass Menschen, die 25 oder auch 45 Jahre alt sind, zu Hause sitzen und Hartz IV beanspruchen.« Und er weiß genau: Der Schichtarbeiter, die Kassiererin, der Leiharbeiter und die Putzfrau könnten darauf anspringen. Gräff kennt die Neiddebatte: Hier die Fleißigen, da die Faulen, die man zur Arbeit prügeln müsse.

Ja, es ist ungerecht, dass die einen Überstunden schrubben und die anderen nichts finden. Es ist ungerecht, dass rund neun Millionen Beschäftigte im Niedriglohnsektor schuften, dass vor allem Frauen sich nicht selten mit zwei, drei Minijobs über Wasser halten und oft in totaler Abhängigkeit von ihrem Ehemann auf die Altersarmut zusteuern, während andere hohe leistungslose Einkommen beziehen.

Es ist genauso ungerecht, dass inzwischen ein Drittel des von Arbeitern erwirtschafteten Volkseinkommens in Gewinne und Renditen fließt, sich auf diese Weise oben sammelt und unten fehlt. Es ist ungerecht, dass Unternehmer ungestraft entlassen dürfen und sich Betroffene nun selbstverantwortlich erneut auf dem Arbeitsmarkt verdingen müssen. Ja, auch Arbeitskraft ist eine Ware in der schönen bunten Warenwelt. Das weiß Herr Gräff durchaus, der selbst als Abgeordneter vom Steuerzahler prächtig lebt.

Nicht jedem fällt es leicht, sich anzubieten auf dem Markt, der nur einer Sache dient: Profite abzuschöpfen. Es gibt Leute, die Kinder allein erziehen, ihre alten Eltern pflegen, einfach gestrauchelt sind oder psychische Probleme haben. Ihnen wollen Gräff und Co. das Existenzminimum streichen. Noch mal: Es geht nicht um Luxus, sondern um das Minimum, um in der teuren BRD nicht unter einer Brücke sterben zu müssen.

Schon jetzt wird Betroffenen selbiges für drei Monate gekürzt oder ganz entzogen, wenn sie sich einer Maßnahme oder einem Billigjob verweigern. Jährlich strafen Jobcenter rund eine Million mal auf diese Art. Schon jetzt sind deutsche Großstädte voller verwahrloster Obdachloser und Bettler. Schon jetzt sind 200.000 der propagierten 750.000 angeblich offenen Stellen Mini- und Teilzeitjobs. Schon jetzt ist die Hälfte vom Rest unsichere und mies entlohnte Leiharbeit. Wer auf diesem Sklavenmarkt nichts findet, soll nach Ansicht des CDU-Mannes und seiner »Leistungsträger«-Truppe schlicht verhungern.

Denn was sollen die Millionen übrig Gebliebenen essen? Wo sollen sie schlafen? Was soll aus ihren Kindern werden? Sollen sie alle mit Drogen dealen, sich prostituieren, stehlen oder Einbrüche begehen, um nicht zu verhungern? Soll die Politik sie in Arbeitslager stecken, um das zu verhindern? Was sollen sie dort tun, wenn es keine produktive Arbeit für sie gibt? Steine für einen täglichen Teller Rübensuppe hin und her schleppen, bis sie geschwächt umfallen? Diese Fragen muss man stellen.Gefängnisplätze sind teurer als Hartz IV.

Christian Gräff und seine Freunde von der CDU wissen genau, dass Erwerbslosigkeit unter heutigen Besitzverhältnissen ein strukturelles, kein individuelles Problem ist. Sie wissen, dass die Erzählung eine Lüge ist, wonach Reichtum das Ergebnis von Fleiß sei und Faulheit arm mache. Sie wissen auch, dass der neue deutsche Wirtschaftsboom erkauft ist: Mit dem Elend von Millionen Erwerbslosen in Süd- und Osteuropa. Mit extremster Ausbeutung und Verelendung in der sogenannten Dritten Welt. Und ihnen ist klar, dass der Boom zeitlich sehr begrenzt ist. Nicht nur, weil keine Wirtschaft auf einem begrenzten Planeten ewig wachsen kann. Er hat ganz sicher schon einmal etwas von Digitalisierung und Hochtechnologie gehört.

Man muss es konstatieren: Gräff und seine Truppe praktizieren Menschenverachtung pur. Sie wollen ganz offensichtlich ein völlig rechtloses Sklavenheer schaffen, das bei ökonomischer Untauglichkeit knallhart entsorgt werden kann. Sie wollen die Noch-Arbeitsplatzbesitzer absolut gefügig machen: Wer aufmuckt, riskiert die Kündigung. Wer gekündigt wird, dem droht der Hunger- und Kältetod.

Ja, auch der Entzug der Grundbedürfnisse ist Mord. Schon jetzt erfüllt Hartz IV den Zweck der Erpressung bestens. Niemand will sein Erspartes verlieren und in diesem Strafsystem landen. Hartz IV ist bereits ein Instrument, das Lohnabhängige in wirtschaftlich nutzbar und unbrauchbar einteilt – mit entsprechenden Folgen für die Psyche vieler, die dem Wettbewerb am freien Markt nicht gewachsen sind.

Hinter diesem System stehen die Unionsparteien beileibe nicht alleine. Auch die SPD, die FDP und die AfD verteidigen es so vehement, wie sie höhere Steuersätze für reiche Profiteure ablehnen und Ressourcenkriege der NATO befürworten.

Bluten soll das Lumpenproletariat des 21. Jahrhunderts – entmenschlicht, gedemütigt, entrechtet. Die Outgesourcten in den Wirtschaftszentren gehören längst ebenso dazu, wie Millionen Kriegs- und Elendsflüchtlinge. Deren Herkunftsländer lassen erahnen, was den ökonomisch Überflüssigen in den reichen Staaten bei einem Weiter so bevorsteht. Fast jeder Lohnabhängige kann schnell dazu gehören.

Und doch sind diese repressiven Ansinnen nur das Resultat der sich verschärfenden systemischen Widersprüche. Die moralische Verrohung ist das Ergebnis des auf die Spitze getriebenen Wettbewerbs, in dem Statusakrobaten verzweifelt gegeneinander ringen. Es ist der Ausfluss der strukturellen Gewalt, mit der jeder Staat in dieser Wirtschaftsordnung die Interessen des Großkapitals vertritt. Wie er letztere durchsetzt, bestimmen weder Faulheit noch Fleiß, sondern die Profitrate. Stagniert das Wachstum, stagniert auch sie.

Am Ende jeder Herrschaft steht immer rohe Gewalt, und zwar gegen alle, die nicht von Kapitalbesitz und fremder Arbeit leben können. Wäre es anders, wäre die heutige global agierende und national Zwang ausübende Herrschaftsordnung längst gescheitert.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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32 Kommentare zu: “Tagesdosis 30.04.2018 – CDU-Fantasien: Überflüssige entsorgen

  1. Über Deutschland steht als Fixstern die Arbeit als Zentrum der Existenz .

    Der Mensch ist nicht zum Arbeiten geboren .
    Ist nun Arbeit auch Teil des Lebens – sind die grundlegenden Fragen : Was ich mit der Arbeit bezwecke
    und wem ich die Frucht meiner Arbeit widme .
    Kann ich vor dem Beginn der Arbeit diese grundlegenden Fragen nicht stellen und zufriedenstellend beantworten,
    ist dies der Punkt, an dem Zwangsarbeit beginnt .

  2. Deutschland ist ein SOZIALSTAAT.
    Das ist ein UNVERÄNDERLICHER Artikel im Grundgesetz, selbst wenn 100% unserer Vertreter dagegen stimmen.
    Gräffs gehetzte zeigt, dass Herr Gräff und seine Mittelstands-Unionisten leider kein Rechtsstaat Empfinden haben, was eigentlich den Frieden des Zusammenlebens zersetzt. Ist das nicht ein Straftatbestand gem. StGB ?

    Da mit einem gemeinsamen Europa die nationale Gesetzgebung zusehens verschwindet, und dort in Brüssel NICHTS mehr vom SOZIALSTAAT zu lesen sein wird, ist GRÄFFS gekeife gegen Abgehängte nur die Vorstufe zu ABSCHAFFUNG des nationalen GRUNDGESETZES zugunsten neoliberalen Ellenbogen-Denkens aus Brüssel.

    Herr Gräff gehört noch zu den Besserverdienenden, er hat Arbeit, Freunde, Wohlstand.
    Doch was grämt ihn, dass er so verbittert um sich schlägt ?

    • Moin, Fantastin, Sie schreiben :“Doch was grämt ihn, dass er so verbittert um sich schlägt ?“
      Das ist nach meiner Auffassung nicht der springende Punkt. Es ist nicht das Problem eines einzelnen durchgeknallten CDU’lers. Das Problem ist, dass diese Durchgeknallten im Auftrtag des Kapitals nach Lösungsmöglichkeiten suchen, um eine weitere und vermehrte Akkumulierung des Kapitals zu gewährleisten. Der Staat (hier seine Erfuellungsgehilfen als Parlamentarier) ist der Organisator des (und natuerlich auch anderer) Gaunerstuecks. Insofern ist der Hinweis auf das Grundgesetz zwar richtig, und wir sollten auch versuchen unsere Rechte einzuklagen, doch werden ueber kurz oder lang dann, wie sie selber anmerken andere Gesetze verabschiedet, die uns noch mehr druecken werden; es sei denn wir wehren uns dagegen.

    • Das mit dem Rechte einklagen, ist so eine Sache.
      Ich hab es probiert, und mußte dafür noch mal Lehrgeld zahlen.
      Wenn man das nötige Kleingeld hat, kann man es ja mal versuchen, ob man am System rütteln kann.
      Leider nehmen die Organisationen, welche eigentlich zur Wahrung dieser Rechte, geschaffen wurden, ihre Aufgabe nicht war. Und so kommt es zum Kampf, David gegen Goliath. Oder auch Klitschko gegen den Kindergarten. Der Ausgang ist absehbar.
      Es gab Zeiten, da wurde zu den Unterlegenen gehalten. Diese Zeiten sind vorbei. Wer Unten ist, hat nichts zu erwarten sondern wird von seinen Mitmenschen im besten Fall mitleidig belächelt.
      Der Lernprozess, halt dich bei den Gewinnern, ist Programm.
      Neusprachlich auch „DU OPFER“, was abwertend gemeint ist.

  3. Fakten, Urteile des BVG zur Grundsicherung

    Sehr geehrte Frau Bonath,
    ein Beitrag, der im wesentlichen von Fakten aufzählen lebt. Nur so können zir das auferlegte Elend überwinden: Immer und immer wieder die Fakten aufzählen. Die Lügner machen mit ihren Lügen dasselbe. Da nützt nur eines: Gegenhalten und die Lügen zerlegen.

    Eine Frage aber: Gibt es nicht Urteile vom Bundesverfassungsgericht (BVG), dass niemand ohne Grundsicherung muss? Basierend auf dem Humanismus, in dem einstmals das Grundgesetzt gestaltet wurde. In den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren hat man durch Klagen viel erreicht. Das hat erheblich dazu beigetragen, den Unrechtsstaat Hitlers zu überwinden.
    Deshalb hatte das BVG auch ein hohes Ansehen bei der Bevölkerung.

    Bezüglich der Urteile hjätte ich gerne eine Antwort.
    Gleichzeitig wäre das eine Anleitung zum Handeln und Klagen.
    Warum findet z.B. keine Mobiliserung der Armen und Entrechteten statt?

    Herzliche Grüsse

    • Moin, De-Ville,
      „Basierend auf dem Humanismus, in dem einstmals das Grundgesetzt gestaltet wurde. In den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren hat man durch Klagen viel erreicht. Das hat erheblich dazu beigetragen, den Unrechtsstaat Hitlers zu überwinden.“
      Ich vermute, dass Sie einer Geschichtsklitterung aufgessen sind. Das Grundgesetz sieht heute so aus, weil zum Glueck nicht alle Sozialisten und Kommunisten in den Konzentratiponslagern ermordet wurden. Als Zugeständnis an die linke, antikapitalistische Haltung entstanden dann z.B. auch solche Kuriositäten, dass die CDU die Vertstaatlichung der Schwerindustrie in ihr Programm aufnahm.
      Doch 1956 war schluss mit Lustig, und es kam das KPD-Verbot. Dass dann doch noch nicht das Ende aller Tage begann lag an der Existenz der DDR, der man in Sachen Wohlstand und Meinungsfreiheit Paroli bieten wollte.
      Das Ausbluten der damaligen DDR (durch Flucht) war Programm des BRD-Kapitalismus.
      Was die Ueberwindung des Faschismus angeht, so habe ich da so meine Zweifel, ob die sich als alleinige Sieger aufspielenden USA tatsächlich den Faschismus beseitigen wollten. Ich habe nicht mehr alle Namen im Kopf, aber es waren einige, die in Amt und Wuerden weiter machen durften.

  4. ne endlich fr. bonath haben sie erkannt was rechts und links bedeutet!
    rechts/links ist nur wirtschaftspolitisch zuzuordnen! d.h. entweder darf der bürger am ökonomischen erfolg in einer arbeitsteiligen welt teilhaben (links) oder nicht, wie in der brd unter CDU, die ausschließlich industriepolitik betreibt (rechts)!

  5. Hallo! Guter Beitrag. Aber sattsam bekannt, dass die üblichen Phrasen bemüht werden. Schön, dass es bis in die letzte Fussel sezierte Diagnosen hierzu gibt.Kann man dagen tun, diesem Irrsinn zu entkommen? Ja. Wir als Menschen müssen uns zusammen schließen, Grenzen überwinden, Links und Rechts in die Mülltonne treten und endlich Hass und ekelhafte Lügen aus Vergangenheiten überwinden. Fronten aufbrechen und Lagermentalitäten verdammen. Es geht um Menschen, nicht um Meinungen! Aber…was verbricht der Bundesbürger? Billig fressen und shoppen und ja nichts vom Nichts des nichts mehr werten Geldes oder Besitzes abzugeben. Frau Bonath, wenn ihr Analyse und die vermuteten heren Ziele greifbar werden sollen, dann muss ein Aufstand beginnen. Verweigerung, Vereinigung, Überwindung der ideologischen Stacheldrahtzäune und ein sauberer Neustart ohne jede historisch verbrämten Ideale, die bei genauer Betrachtung immer Instrumente der damaligen Zeit und heutigen Strippenzieher waren und sind! Marx, Lenin und Co. waren und sind Werkzeuge bis heute, nicht Ideale! Links ist keine Lösung und Rechts ist kein Weg. Machen wir uns nichts vor: Feinsinnig die Schandtaten unserer Zeit zu analysieren nützt nichts, ebenso wie Bildung nichts nützt, wenn man sie nicht gebraucht! Solange das Individium auf den Nächsten…schei…wird es nichts! Wenn wir unser Wissen nicht nutzen, ändert sich nichts. Ich rufe alle Menschen zur Verweigerung jedweder unrechtmäßiger Staatlichkeit, Parteilichkeit, Gesetzgebung durch die nicht legitimierten Sesselfurzer im Bundestag, der EU, den USA, Israel und Religionen auf! Hört auf zu glauben, lernt zu wissen und die Natur zu achten…dann wäre ein kleiner Schritt getan. Dass die da oben und die Reichen alle doof sind aus Sicht derer, die nicht dazu gehören ist klar und braucht keinen ellenlangen Kommentar…Danke!

    • Moin, Konrad,
      „dann muss ein Aufstand beginnen“ Ja, das sehe ich genauso! Doch was ist das Ziel des Aufstandes?
      Da wir nicht allzuviele Möglichkeiten dafuer haben, muss jeder Schritt wohl ueberlegt sein! Ich möchte, um bei dem Begriff der „ideologischen Stacheldrahtzäune“ zu verweilen, nicht aufwachen, um irgendwann von Braunhemden umgeben zu sein. Also, ich möchte eine demokratisch Räterepublik, die die Mitwirkung der Einzelnen garantiert, die aber auch Schutz vor Angriffen von aussen bietet.
      Naja, soweit ist es noch nicht, aber diese Fragen sollten unter anderen diskutiert werden!

  6. Bausback in Hof: Details zum größten Abschiebegefängnis Bayerns
    In Hof soll bis 2019 das größte Abschiebegefängnis in ganz Bayern entstehen. Es soll Platz für 150 abgelehnte Flüchtlinge bieten, die das Land nicht freiwillig verlassen wollen und deshalb abgeschoben werden.
    Von: Christiane Scherm
    Stand: 30.04.2018 |Bildnachweis

    Justizminister Winfried Bausback (CSU) hat heute (30.04.18) das Grundstück für das geplante Abschiebegefängnis in Hof besichtigt und nähere Details bekannt gegeben. So solle das neue Gefängnis direkt neben der bestehenden Justizvollzugsanstalt auf dem gut 11.000 Quadratmeter großen Gelände der ehemaligen Straßenmeisterei entstehen, heißt es aus dem Justiziministerium. 30 Millionen Euro investiert der Freistaat Bayern in Hof.
    150 Haftplätze in Hof
    In Hof entstehen damit 150 Haftplätze für Flüchtlinge, die abgeschoben werden sollen. „Alle, die nachvollziehbar ausreisepflichtig sind und nicht bereit sind, freiwillig das Land zu verlassen, müssen wir konsequent abschieben“, so Bausback.
    Größtes Abschiebegefängnis Bayerns
    Mit 131 Plätzen in den Gefängnissen in Eichstätt und Erding stelle Bayern schon heute etwa ein Drittel der Abschiebehaftplätze in ganz Deutschland, heißt es weiter. Die Einrichtung in Hof wird mit 150 Plätzen das größte Abschiebegefängnis in ganz Bayern sein.
    Neue Arbeitsplätze in Hof
    In Hof entstehen dann auch 100 neue Arbeitsplätze in der Justiz. „Damit werten wir den Justizstandort Hof enorm auf“, betont Bausback. So haben Justizbeamte, die momentan in Südbayern arbeiten, beispielsweise die Möglichkeit, in ihre oberfränkische Heimat zurückzukehren.
    Gefägnis ab 2019 in Betrieb
    Wenn alles glatt läuft, soll das Gefängnis Ende 2019 in Betrieb gehen. Gebaut wird es aus Beton-Fertigbauteilen in Modulbauweise. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte in seiner ersten Regierungserklärung Mitte April überraschend den Neubau einer Abschiebe-Haftanstalt in Hof angekündigt.

    Na das sind doch 100 neue Arbeitsplätze.
    Zwar haben die Insassen die dort einsitzen, nichts verbrochen, aber man sperrt sie mal vorsichtshalber weg. Man kann ja nicht wissen.
    Falls diese Haftzellen mal leer stehen, wäre dort Platz für arbeitsscheue Hartz 4 Empfänger.
    Früher hieß das zwar Arbeitslager.
    Ach lieber Gott mach mich stumm das ich nicht nach Dachau kum.

  7. Leute wie dieser Gräff sind keine Idioten, sondern Psychopathen: Das ist ein gewaltiger Unterschied. Idioten wären einfach nur strunzdumm und wüssten es nicht besser. Psychopathen hingegen sind im herkömmlichen Sinne durchaus nicht unintelligent. Allerdings besitzen sie kein Gewissen, sind frei von Mitgefühl und unfähig zu lieben. Also steht ihrer steilen Karriere in Politik und Wirtschaft nichts im Wege!

    • Nee doof ist der Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung nicht.
      Er sieht das als seinen Job und ist ein Sprachrohr der Wirtschaft.
      Wenn er es nicht gesagt hätte, würde es ein anderer aus seinem Verein tun.
      Glaubt doch nicht, dass er sich das alleine ausgedacht hat.
      Darüber wurde im Verein geredet – wahrscheinlich mit viel Zuspruch.
      Er ist nur ein Lobbyist der Wirtschaft.

    • Moin, Sabine Reifenschneider, bei der Schwere des Angriffs auf die arbeitende/nichtarbeitende Klasse ist es doch wohl ziemlich einerlei ob der Gräff ein Idiot oder ein Psychopath ist. Fakt ist, dass er mit seinem Vorschlag der herrschenden Klasse genau die Bedingungen schaffen will, die das Kapital braucht, um noch mehr Profit zu erwirtschaften. Der Staat ist doch nur das Vollzugsorgan der Herrschenden.

    • Und wenn man als erstes nach diesem Artikel denkt: jetzt werden doch wohl endlich Massen aufstehen + Demos machen……….nein, das wird wieder nix. Die Hartzler haben kein Geld überflüssig für weitere Anfahrten + werden sich hüten, negativ aufzufallen………….und die , die drei Jobs machen müssen, haben weder Kraft noch Zeit…und diejenigen, die noch nicht im „sozialen Netz“ gelandet sind und „normal verdienen, wollen so etwas Bedrohliches gar nicht erst hören und/oder sagen sich „betrifft mich nicht“…..ach, Mist alles.

  8. Vorsicht Satire!

    Menschenwürdiges Hartz IV!
    Geplante Reform gibt Armen und Bedürftigen endlich ihre Würde zurück.
    von Jens Wernicke, Jens Lehrich (RUBIKON)

    Es könne nicht sein, dass man als unter 50-Jähriger dem Staat jahrelang auf der Tasche liege, aber am Ende keine Gegenleistung bringe, so Christian Gräff weiter. Gräff betreibt seit vielen Jahren mit seinem Bruder Andreas den erfolgreichen Online-Organhandel Amazorgan, die einzige Organplattform weltweit mit 30 Tagen Rückgabegarantie.

    Der neue Perso-rganspendeausweis sei wie eine Zehnerkarte im Freibad so konstruiert, dass man ihn mit einer kleinen Metallzange abknipsen könne. Für ein Jahr Hartz-IV-Bezug müsse sich der „Arbeitsverweigerer“ (CDU-Sprache) zukünftig wahlweise von seinen Haaren, einer Niere, einem Teil der Lunge, einem Stückchen Bauchspeicheldrüse oder von etwas anderem trennen.

    Um ganze zehn Jahre Hartz-IV zu beziehen, müssten die Schmarotzer (ebenfalls CDU Sprache) sich mit dem zehnten und letzten Stempel schließlich bereit erklären, den eigenen Körper freiwillig der Wissenschaft oder, wovon man im Regelfall ausgehen dürfe, der Futtermittelindustrie – Pedigree Pal – zur Verfügung zu stellen. „Keine Leistung mehr ohne Gegenleistung“, das sei das christliche Grundprinzip demokratischer Unions-Politik, so Gräff mit einem Lächeln im Gesicht. Das gebe dann endlich auch all den Armen und Bedürftigen im Land ihre Würde zurück. Denn alles sei freiwillig. Wer essen wolle, spende eben seine Organe – aber niemand werde dazu gezwungen!

    Doch das ist lange noch nicht alles: Um den Haushalt weiter zu entlasten, hat die CDU noch weitere Konzepte in der Schublade. So sollen ab 2020 Rentner, die es nicht geschafft haben, bis zu ihrem 70. Lebensjahr zu sterben, keine Rente mehr bekommen. Sie müssten begreifen, dass es irgendwann auch mal gut sei, so ein Sprecher der Christlichen Union, der sogar fordert, das alte Lied von Udo Jürgens umzutexten auf: „Mit 66 Jahren da hört das Leben auf.“

    Einwände gegen diese drastischen Eingriffe kamen allerdings umgehend vom ZDF, das nun um seine Kernzielgruppe fürchtet. Auch der Verband deutscher Pharmaunternehmen protestierte in einer eilig verfassten Stellungnahme. Gerade die 70- bis 90-Jährigen seien meist chronisch krank und damit eine hervorragende Einnahmequelle, auf die man in Zukunft unter keinen Umständen verzichten könne.

    Und da sage nochmal einer, die Pharmaindustrie würde keine Menschenleben retten.

    PS: Humor ist wenn man trotzdem lacht.

    • Um ganze zehn Jahre Hartz-IV zu beziehen, müssten die Schmarotzer (ebenfalls CDU Sprache) sich mit dem zehnten und letzten Stempel schließlich bereit erklären, den eigenen Körper freiwillig der Wissenschaft oder, wovon man im Regelfall ausgehen dürfe, der Futtermittelindustrie – Pedigree Pal – zur Verfügung zu stellen.

      Da sich ja viele Hartz 4 Bezieher von Hunde und Katzenfutter ernähren, wehre der Kreislauf geschlossen.

    • Bei so viel Realitätsnähe bleibt einem das Lachen leider eher im Halse stecken.
      Man muss heutzutage auch vorsichtig sein, was man äußert. Satirische Übertreibungen können schon morgen als bedenkenswerte Anregung verwendet werden.

      Schade, dass das nur wenige von denen lesen werden, die sich heute noch aufhetze lassen. Mancher könnte glatt begreifen, was auch demnächst schon sein Schicksal sein könnte.

  9. Danke Susan Bonath, für ihren Kommentar.

    Nach dem in der Gesellschaft, aber auch von Politikern, über das Für und Wieder von Hartz 4 diskutiert wird, bringen sich die Befürworter dieser „Maßnahme“ in Stellung.
    Erst Jens Spahn…. „Hartz 4 reicht aus“ , nun Christian Gräff, der noch ein paar große Schaufeln drauflegen will und für Menschen unter 50 Jahren, das System noch verschärfen will.
    Es mag ja sein, dass die „Wirtschaft“ momentan Arbeitskräfte sucht.
    Ist Sie aber auch bereit, denen einen anständigen Lohn zu zahlen? Das gilt selbstverständlich auch für die, die arbeiten.

    Das Problem mit dem Fachkräftemangel ist ein vorgeschobenes Argument.
    Gute Löhne sind ein wirksames Mittel gegen Arbeitslosigkeit. Das schafft mehr Nachfrage und damit auch mehr Arbeit.

    Das erinnert mich an eine selbst erlebte Situation.
    Nach einem Jahr fragt ein Mitarbeiter den Chef, wann er denn den gleichen Lohn wie seine Mitarbeiter bekomme.
    Darauf er, „Wir haben schon überlegt, ob wir dich nicht wieder entlassen. Ende des Gespräches.

    Christian Gräfe hat sich wohl das Programm der AFD gelesen.
    Wenn sein feuchter Traum Wirklichkeit wird, haben wir ganz offiziell Zwangsarbeit.
    Den Eindruck haben heute aber schon Einige.

    • Nach meiner Meinung gibt es zwei Probleme:
      – in unsere Gesellschaft ist viel Arbeit, auch Arbeit die einfach scheint, nicht einfach mehr. Wir hatten einige Kachel die im Winter durch Frost und Wasser kaputt waren, die wir selbst repariert haben. Ich war erstaunt wie kompliziert das ist, wie lange mann studieren muss um es gut zu tun, und wie sorgfältig mann arbeiten muss. Ein PKW Mechaniker heute, er muss sehr viel mehr verstehen von Technik als, sagen wir, vor zwanzig Jahre.
      – die Bildung geht zurück, wie überall im Westen. Ich bin alt, habe das als Student und Vater mitgemacht seit 1960. Sarrazin schreibt darüber. Es wird behauptet das USA militärische Technik weit hinter Russland und China ist. Vielleicht sehen wir in Syriën das es wahr ist. Die USA kann natürlich nicht Ausländer neue Waffen entwickeln lassen.

    • Wenn man arbeiten selber durchführt und davon nicht viel Ahnung hat, ist es schwierig.
      Man hat vielleicht nicht das richtige Material und Werkzeug ist auch nicht das Richtige am Start.
      Bestimmte Techniken und Tricks hat man nicht auf der Pfanne.
      Nicht umsonst gibt es verschiedene Berufe, was aber nicht ausschließt, dass es Menschen gibt, die bei vielen unterschiedlichen Arbeiten, „goldene Hände“ haben.
      Wenn ich etwas selber machen will, lese ich mich erst mal (Z.B. im Internet) und frage Leute, die damit zu tun haben, was zu beachten ist.
      Beim PKW-Mechaniker gibt es auch große Unterschiede.
      Wer einen Spezialisten in einer freien Werkstatt kennt, ist im Vorteil.
      Der kennt sich bei vielen Autotypen besser aus als ein Monteur in einer Vertragswerkstatt oft nur Baugruppen von 1 oder 2 Automarken austauscht. Also, ich gehe lieber zu einem „alten Fuchs“ der inzwischen auch gelernt hat, ein Diagnosegerät zu bedienen.
      Ich fahre jetzt 5 Jahre mit einem reparierten Kat. (Preis: 30€). Ein Edelstahlblech wurde aufgeschweißt.
      Die Vertragswerkstatt wollte mir knapp 800€ für einen neuen Kat abknüpfen. (Auskunft der Werkstatt – schweißen hällt nicht)

    • Wie kompliziert PKW’s heute sind erfuhr ich mit einen neuen 308, es war nicht möglich die Heizung aus zu schalten.
      Ein Expert dachte die Lösung zu wissen, im Fabrik nicht gut programmiert.
      Der Vertrags Werkstatt konnte nichts finden, sagten sie mir, aber doch fuktionierte es nachdem sie lange damit beschäftigt waren einwandfrei, ich vermute das sie ohne es zu wissen die gute Programmierung eingeführt haben.
      Ein anderer Peugeot Kunde erzählte mir das manchmal bei Probleme das Auto Diagnose gerät unmittelbar mit ein Expert der Fabrik in Frankreich verbunden wurde.

  10. Das ist als ob man sich in einem schlechten Horrorfilm befindet oder in „silent green“ (oder so ähnlich).
    Es gibt keine moralischen Schranken mehr!
    Diese individuen haben nichts anderes im Sinne, als noch mehr Druck aufzubauen auf dem Arbeitsmarkt, was zu einer weiteren Erkrankung der Betroffenen, und damit auch der ganzen Gesellschaft, fuehren wird. Welche kranken Gehirne können sich sowas nur ausdenken?!
    Doch die entscheidende Frage wie immer:“ Wie werden wir diese Idi… wieder los?“
    Es reicht doch wahrhaftig nicht in 3½ Jahren das Kreuz an der richtigen (welche?) Stelle zu machen! Wir muessen den Widerstand gegen dieses System beginnen: Wir brauchen eine KPD, die den Namen auch verdient!

    • Diese Idioten denken das Menschen nicht arbeiten weil sie faul sind.
      Solche gibt es natürlich, aber wie ich hierunter schrieb, die meisten können einfach nicht mitkommen in unsere Gesellschaft.

    • Moin, Pieter Kamp, das Problem sind m.M.n. nicht nur die paar Dummköpfe, die sich hier outen mit obigen Vorschlägen, sondern das System an sich muss weg.
      Ich las vorige Woche, dass die von der Leyen (Kriegsministerin) 12 Milliarden mehr fordert fuer ihren Verein. Wo kommt das Geld her? Wer schuftet dafuer?
      Ich nehme mal an, dass wenn wir fleissig wären, wuerden wir hier hunderte von Posten dingfest machen, die der Gesellschaft gestohlen werden, um sie von unten nach oben zu transportieren.
      Dabei ist dieser Vorschlag von den CDU-Fritzen vielleicht das Absurdeste, aber bei weitem nicht das einzige. Soll es mit uns einigermassen vernuenftig weitergehen, so muss etwas grundlegendes an den gesellschaftlichen Eigentumsverhältnissen verändert werden!

  11. Bei uns sagt Rutte ähnliches, ‚weniger Geld, dann gehen sie schneller arbeiten‘.
    Und das in einem Land wo Grossstädte Millionen zahlten an Arbeitsvermittler, die, wenn ich mich gut erinnere, allein in Amsterdam 30.000 Bijstand Leute, etwas wie Hartz, beurteilten in Zirkus Zelten, mit speziëlle Busse dahin gefahren.
    Beurteilten ob sie arbeiten konnten.
    In Amsterdam resultierte das in einen Job !
    Natürlich, ein Niedrichlohn verursacht Arbeitslosigkeit, ein Niedrichlohn Null kan dazu führen das ein Jeder arbeitet, leider für ein Lohn wobei mann schnell stirbt von Hunger, und Kälte.
    Selbst die USA ist nicht so unmenschlich, da gibt es food stamps, womit mann Essen kaufen kann.

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