Tagesdosis 30.5.2018 – Nachrichten richten sich nicht nach Dir (Podcast)

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Geht es euch auch so? Ich schlage irgendeine Zeitung auf oder schaue ein Online-Nachrichten-Portal eines großen Massenmediums an und schwups, fühle ich mich genervt, nicht angesprochen und für dumm verkauft. Dort werden zuhauf nur noch Schlagzeilen produziert, die mir das Teilen in böse und schlechte Nachrichten erleichtern sollen, Beispiele: „Wohin die Agrarsubventionen 2017 geflossen sind, dass Italiens Rechtspopulisten von Neuwahlen profitieren würden, das Italien jetzt sauer auf Oettingers Wahlempfehlung ist, dass man einen Herrn Riester fragt: Wie denn sowas passieren konnte, dass Christen skeptischer gegenüber Migranten sind, dass ein Asylbewerber sich selbst angezündet hat, dass die gierige Witwe Helmut Kohls keinen Cent kriegt, dass Bayer nun Monsanto schlucken darf, dass ein Bewegungsmuffel einen Selbstversuch macht, dass es gut sei, dass Italien noch einmal wählt, dass deutsche IS-Frauen von sich sagen, dass sie überhaupt nicht gefährlich seien, dass gekaufte Asylverfahren eintausend Euro gekostet haben, dass Boris Becker und Lilly sich trennen“ und so weiter.

Achja, und dass der Druck auf Putin wächst, weil, so die Niederlande und Australien, Russland für den Abschuss der Passagiermaschine MH17 verantwortlich sei. Gähn! Ein langes und ausgiebiges Gähnen überfällt mich – wirklich nur mich?

Man man man, denke ich und sage zu mir, „wer will das alles denn wissen und wozu?“ Und während ich noch weiter in den Portalen surfe fällt mir der Grund gleich auch ein. Menschen wollen Sicherheit. Sie wollen morgen ja mit den gleichen Dingen aufwachen, mit denen sie eingeschlafen sind. Auch mit den Sorgen und Ungereimtheiten, mit dem Unwissen und den Beruhigungspillen der renommierten großen Nachrichtenhäuser. Sie sind die Medizinmänner vergangener Tage. Die Beruhigungspillen derjenigen, die alles so sein lassen wollen, wie es ist. Und davon gibt es viele. Zahlreiche versammeln sich jeden Morgen und verrichten ihr Tagwerk, um sich Abends stumm und völlig ausgelaugt wieder beruhigen zu lassen. Alles plätschert so daher, wird immer belangloser und daher auch noch in einem völlig abgerockten Gehirn aufnehmbar und verarbeitbar. So muss es sein, so soll es sein.

Allein schon der Gedanke daran, dass Deutschland von einer Kriegsbefürworterin und einer Kriegsverbrecherin geführt wird und diese auch noch wiedergewählt wurde, übersteigt das gesamte Vermögen solcher Informationszombies. Dagegen sind sie, die Informationszombies komplett konditioniert worden, als Mutti der Nation kennen sie sie. Um das abzuwenden, überschlagen sich die Medien mit negativen und belanglosen Nachrichten. Und wenn man so seine Zeitung gelesen oder die Tagesschau oder Heute gesehen hat, dann ist alles in Ordnung. Die Gewissheit ist gestärkt, dass alles so bleibt wie es war. Das eigene Leben hangelt sich an der Olympiade Belanglosigkeit entlang. Andere machen es auch so und ich kann mitreden, wenn es darauf ankommt. Kenne den Täter beim Tatort und weiß ganz genau, dass all die, die nicht vorkommen, quasi nicht existent sind. Das gilt für Informationen, für Menschen und Ereignisse. Ja, das Beruhigungsmittel ist eingenommen.

Ach, das lese ich gerade noch, dass unser Ex-Außenmister und Deutscher Meister im Waffenverkauf, Sigmar „das Pack“ Gabriel Kuratoriumsmitglied der „International Crisis Group“ wird und dass er sich nun weltweit um die Bewältigung von Konflikten kümmert. Jaja, erst die Probleme schaffen, dann sich als Befreier und „Coping Master“ aufspielen. Alles scheint wie die großen Banken zu funktionieren. Auch sie spenden auf allen Seiten die Probleme, die sie dann in Form von Krediten wieder einzudämmen vorgeben.

Und zu guter Letzt, auf der Familienseite, ein Ratgeber, mit dem alles leicht zu lösen sei: „Lass los! Es reicht – Wege aus der Verbitterung“ Die Autorin gibt dann auch noch einen Rat zum besten: „Es gibt Menschen, die fühlen sich nicht dazu imstande, irgendwann ihren Frieden mit dem Geschehen zu machen.“ Womit sie ja recht hat. Was aber ist, wenn das Problem nicht loslassen will von mir? Nehmen wir Flintenuschi oder den Hosenanzug. Nehmen wir das Treiben des Verfassungsschutzes mit den Antideutschen und Teilen der Antifa? Nehmen wir die UN, die NATO und den westlichen Imperialismus? Was ist dann der Rat? Ist dann guter Rat teuer? Gut, da schauen wir dann bei Eckhart Tolle mal vorbei. Der rät zu folgender Einsicht: „Wenn Du Dich beschwerst, machst Du Dich selbst zum Opfer. Verlasse die Situation oder akzeptiere sie. Alles andere ist Wahnsinn.“ Ja, damit kann ich schon was anfangen und bin dazu bereit, das zu tun. Doch was für Konsequenzen hat das? Nun, die sind individuell ziemlich ganzheitlich. Aber bei Tolle muss man schon wissen, dass man ihn entweder als größten Oberschwurbler oder als weisen Mann erkennt. Ob Du wohl Deines eigenen Glückes Schmied bist oder sein kannst? Tja, wer sich von solchen Nachrichten sein Hirn richten lässt, ist förmlich selbst nachgerichtet. Erst neulich sagte mir ein Klient, den ich ein ganzes Jahr nicht mehr gesehen hatte, dass er meinen Rat, sich mal komplett aus allem ausklinken, dass er ihn befolgt hat. Er hat weder Internet, noch Radio, noch Printmedien, noch Smartphone oder Fernsehen geschaut. Und er sagte mir, dass er sich jetzt als der glücklichste Mensch der Welt fühle. Ich fragte ihn, ob er mir in einem Satz erklären könne, wie er denn zu diesem Glück gekommen sei. Da entgegnete er mir, dass er das mit nur einem einzigen Wort erklären könne: Selbstbegegnung.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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