Tagesdosis 30.6.2018 – Griechenlands Zerfall und die grotesken Lügen der Politik

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

Vor wenigen Tagen löste die Meldung, dass Deutschland an den „Hilfszahlungen“ für Griechenland fast drei Mrd. Euro an Zinsen verdient hat, eine Welle der Empörung aus. Deutsche Politiker unterließen es, die Nachricht zu kommentieren – vermutlich, weil ihnen die Argumente fehlen, um ein derartiges Handeln zu rechtfertigen.  

Dennoch sollte man die Meldung nicht einfach übergehen. Sie zeigt nämlich am Beispiel eines der wirtschaftlich und finanziell schwächsten Länder der Eurozone, welches Stadium der Fäulnis und des Zerfalls unser gegenwärtiges Finanzsystem inzwischen erreicht hat und welche Rolle die Politik in der Endphase dieses Prozesses spielt.

Bereits der Eintritt Griechenlands in die Eurozone war ein von Finanzindustrie und Politik gemeinschaftlich begangener Betrug an der arbeitenden Bevölkerung: Um aufgenommen zu werden, wurden mit Hilfe der Großbank Goldman Sachs (unter ihrem damaligem Europachef Mario Draghi) nachweislich Bilanzen frisiert und hohe Risiken an den Kapitalmärkten eingegangen. Den Preis für die entstandenen Verluste in Höhe von 5,1 Mrd. Euro trugen nicht etwa die Konzerne und Banken, die anschließend vom Euro profitierten, sondern – die griechischen Steuerzahler.

Als Griechenland 2010 in den Strudel der Eurokrise geriet, wandte sich die Athener Regierung an die EU-Kommission in Brüssel und bat um Unterstützung. Die nicht gewählten Bürokraten der EU taten sich mit den ebenfalls nicht gewählten Vertretern von EZB und IWF zusammen, setzten Griechenlands Souveränität außer Kraft, stellten das Land unter die Zwangsverwaltung der Troika und gewährten ihm erst dann Kredite.

Diese Kredite waren allerdings keineswegs, wie der internationalen Öffentlichkeit gegenüber behauptet, „Hilfszahlungen“, die den Griechen zugute kamen, sondern dienten fast ausschließlich dazu, den Schuldendienst des Landes bei internationalen Banken zu ermöglichen. Den Preis zahlte einmal mehr die arbeitende Bevölkerung, denn die Troika koppelte ihre Zahlungen an extrem harte Austeritätsprogramme, die den Lebensstandard im Land drastisch senkten.

Während sich die Gläubiger im Ausland zufrieden zurücklehnen konnten, erlebte Griechenland in den Folgejahren einen nie gekannten Sozialabbau: Die Renten wurden bis heute um sechzig Prozent gesenkt, der Mindestlohn wurde bis auf 3,39 Euro gedrückt und das Gesundheitswesen weitgehend zerstört. Die Arbeitslosigkeit, insbesondere unter Jugendlichen, erreichte nie gekannte Rekordwerte, Obdachlosigkeit und Drogensucht griffen um sich, zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg mussten Menschen auf europäischem Boden wieder hungern.

Das aber war nicht alles: 2015 wurde Griechenland Schauplatz des vermutlich größten Polit-Betrugs der vergangenen Jahre. Die im Januar auf der Grundlage ihres Anti-Austeritäts-Programms an die Macht gekommene Syriza-Partei unter Alexis Tsipras ließ die Bevölkerung im Juli 2015 über die von der Troika geforderten Reformen im Land abstimmen. Obwohl mehr als 60 Prozent der Wähler mit „Nein“ stimmten, akzeptierte die Syriza-Führung unmittelbar nach der Wahl sämtliche Forderungen der Troika und setzte entgegen all ihren Ankündigungen das bisher härteste Sparprogramm in ganz Europa durch.

Die Politiker rechtfertigten die Missachtung des Wahlergebnisses damit, dass die Austeritätspolitik zwar hart, aber notwendig sei und das Land schlussendlich aus der Krise führen werde. Auch diese Behauptung ist inzwischen von der Wirklichkeit widerlegt: Obwohl seit 2010 Kredite in der Höhe von über 270 Milliarden Euro nach Griechenland geflossen sind, ist die Verschuldung des Landes auf 325 Mrd. Euro angestiegen und liegt damit heute um zwanzig Prozent höher als 2016.

Doch selbst angesichts dieser verheerenden Entwicklung zeigen die Syriza-Politiker keine Einsicht, sondern steigern sich in immer groteskere Behauptungen. So haben sie vergangene Woche angekündigt, dass das Land in 42 Jahren schuldenfrei sein werde, weil es bis 2060 durchgehend Primärüberschüsse (höhere Staatseinnahmen als Staatsausgaben bei Nichtberücksichtigung der Zinszahlungen) erzielen werde – eine Leistung, die bisher noch kein Staat der Neuzeit erbracht hat.

Übertroffen werden diese an Fieberphantasien erinnernden Aussagen nur noch von denen der EU-Politiker. So erklärte EU-Kommissar Moscovici vor zehn Tagen anlässlich der Einigung über das letzte „Rettungspaket“ allen Ernstes: „Die griechische Krise ist heute Abend vorbei.“ Dass der griechische Finanzminister Tsakalotos ihm zustimmte und ebenfalls vom „Ende der griechischen Krise“ sprach, zeigt, wie weit sich die Politik angesichts der immer bedrohlicheren Entwicklungen an den Finanzmärkten von der Realität entfernt hat.

Nur zur Erinnerung: In Griechenland erhält gegenwärtig jeder dritte Rentner weniger als 500 Euro im Monat, die nächste Rentensenkung steht im Januar 2019 an. Drei Millionen von 10,75 Millionen Griechen können sich keine Krankenversicherung leisten, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 45 Prozent und vierzig Prozent aller Griechen sind derzeit nicht in der Lage, Miete und Rechnungen zu bezahlen.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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25 Kommentare zu: “Tagesdosis 30.6.2018 – Griechenlands Zerfall und die grotesken Lügen der Politik

  1. Anbei, auch von Herrn Wolff, ein sehr sehenswerter Beitrag, über Schöpfung und Zerstörung, über Recht und Unrecht, über arm und reich, über Krieg und Frieden und wer die Hebel, vor allem den Hebel Finanzen, bedient, um dies alles zu kontrollieren.
    Eine Zeitreise die zu den massiven Verwerfungen von heute und schließlich zur Selbstvernichtung führt, wenn dieser Weg weiterverfolgt wird:

    NEU! Ernst Wolff – Die Welt am Rande des Finanzabgrundes – Vortrag und Dialog
    SeeGespräche

    Am 25.06.2018 veröffentlicht

    Welche Hintergründe und Drahtzieher stecken hinter dem Finanzsystem. Welche Gefahren liegen vor uns. Der Deep State wird genauso behandelt, wie die Ideen den Menschen gefügig und abhängig zu machen. Ein Vortrag für Insider und Menschen die sich vieles in unserer Gesellschaft gar nicht vorstellen können und als Verschwörungstheorie abtun.
    Ernst Wolff ist wieder sehr exakt und liefert auch Quellen.

    Der Journalist und Buchautor der Bücher „Weltmacht IWF“ und „Finanz-Tsunami“ beschäftigt sich seit 40 Jahren mit den Hintergründen des Finanzsystems.

    Unsere Empfehlung: Bitte den Beitrag bis zum Ende ansehen!
    Auch für Schulen besonders interessant!
    https://www.youtube.com/watch?v=pGKCx9eJ0ZQ&feature=youtu.be

  2. Griechenland hätte sofort aus dem Euro aussteigen müssen!
    Tsipras wurde korrumpiert, oder erpresst, oder gekauft (was ja das selbe wie korrumpiert ist….)
    Diese Hochverräter, diese EuroWestMafia die sich gemütlich zurücklehnen und ganze Völker ausrauben, unglaublich! Und noch unglaublicher ist, dass sich die Konsumzombies in D dermassen das Gehirn waschen lassen, dass die doch tatsächlich von „faulen Griechen“ und „selber schuld“ schwadronieren. Sogar hier in einem Kommentar!!! (@keeneahnung… der Name ist wohl Programm?!) da kann man nur noch die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Aber die WestMafia reibt sich die Hände ob der durchprogrammierten Schäfchen die sich in ganz Europa und bes. in D ausrauben lassen wie es die Welt noch nie gesehen hat…
    Naja, da ist wohl Hopfen und Malz verloren wie man so schön sagt. Wenn bis heute niemand auf die Strassen geht wir da wohl nicht mehr viel kommen… Für „Schnäppchen“ im Aldi hingegen wird sich schon extra der Vormittag frei genommen… wie krank das alles.
    Man kann der WestMafia nur gratulieren! Denen wird keine Grenze aufgezeigt, die Völker lassen machen…

    • Tsipras wollte nie aus dem Euro aussteigen.
      Die Troika sollte nicht mehr das Sagen in Griechenland haben.
      Schäuble hat damals den Ausstieg Griechenland aus dem Euro in’s Spiel gebracht.
      Damit hat er Tsipras unter Druck gesetzt.
      Man könnte auch sagen, er wurde erpresst.

  3. Leider hat man Mich nicht verstanden und reagiert beleidigt wenn jemand aus Südeuropa mal eine ganz einfache Wahrheit von sich gibt:

    Hier im Süden Europas wehren sich die Menschen und es muß schon die ganze Troika auflaufen damit den „faulen Südländern“ endlich „Reformen“ aufgehalst werden können.In Deutschland aber kam Hartz4 und niemand regte sich auf.Kein Arbeitskampf,kein Massenprotest,von den „Linken“ nirgends was zu sehen.Seit 1998 nicht mehr

    20 Jahre später fragt sich ein Ken Jebsen und (Der nur als Beispiel genannt und stellvetretend für die „deutschen Progressiven“) regelmäßig „wieso die Menschen in Griechenland immer noch so ruhig sind“.Klar Leute..wir Griechen gehen alleine in den Weltkrieg gegen die Milliardäre.Inklusive Bürgerkrieg,extreme Unruhen und alles was die Eliten sonst so auf Lage haben.Und Ken Jebsen (neben den „Berichterstattern“ der Bild und Spiegel) berichtet dann live aus dem brennenden Athen und stellt sich „solidarisch“ auf unsere Seite..sorry liebe Freunde aus D.Das wird so nicht laufen.Kennen wir schon.Hatten wir schon.Nicht schon wieder.

    Meine Absicht ist also ganz einfach..Ich frage „wieso seid Ihr Deutschen eigentlich noch so ruhig“?

    Wann geht Ihr eigentlich mal auf die Strasse?Wann zeigt Ihr eigentlich mal Europa das Ihr einmal in eurer Geschichte massenhaft auf der richtigen Seite der Geschichte stehen wollt?Wo ist die „linke Avantgarde“ die Massen in Deutschland auf die Straßen bringt um für mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland und Europa und Solidarität mit den Nachbarn zu zeigen die von Mutti und ihren Bulldoggen schon wieder in den Abgrund getrieben werden?

    Will Ich jetzt schon wieder alle Schuld auf Deutschland schieben?Oh das tut Mir aber leid..tue Ich aber nicht.

    Alles was Ich will ist zu sagen das Deutschland das größte und mächtigste Land in Europa ist.Die „Revolution“ muß in Ländern wie Frankreich,England,Italien oder Spanien beginnen.Aber zuallerst erst eben in Deutschland.Hier schaut alle Welt hin.Man(also „die Tagesschau“ kann sogar eine Millionen Protestanten In Madrid verbergen(so geschehen in 2012,erinnert Ihr Euch?) aber eine Millionen in Berlin?

    Erwartet also nicht das „Die Revolution“ in Griechenland oder Portugal beginnt.Wir sind viel zu unwichtig.Ökonomisch gar Fliegenschiß.Erst wenn die Menschen in Deutschland auf die Strassen gehen um sich mit uns Griechen (oder den Portugiesen und sonstigem „faulen Pack“ wie Italienern oder Spaniern die es ja alle „selber verbockt haben“..übrigens danke dafür,super..weiter so..) zu solidarisieren werden die Eliten tatsächlich nervös.

    Darauf werden wir natürlich lange warten müssen so wie es aussieht.

    Eher wahrscheinlich ist der Totalzerfall,extremer Nationalismus,AfD & LePen usw..jedenfalls wenn Ich nach dem gehe was Ich hier und anderswo in deutschen „progressiven“ Blogs lesen muß.

    Liebe Grüße..

    • Moin, Angelos, ja auf den Aufstand der deutschen Unterdrueckten wartest nicht nur Du. Ich denke, dass wir, wie Du auch schreibst, mit Deutschland das grösste und mächtigste Land in Europa haben und es spiegelt sich eben auch die Stärke der Herrschenden wider in der Schwäche der Linken und insgesamt der Unterdrueckten. Mit einem ideologischen Druck sondergleichen fällt es selbst der Partei der Linken schwer ihre Linie zu behalten bzw. zu finden. Im uebrigen hat sich selbst Lenin ueber die mangelnde Kampfesmoral der deutschen Arbeiterklasse gewundert.
      Ich fände es natuerlich wunderbar, wenn es in DE eine Initialzuendung gäbe, die auf das uebrige Europa ueberspringen könnte, doch bin ich sehr skeptisch. Im Gegenteil, sehe ich mehr Aufbegehren in anderen Ländern, als gerade in Deutschland.

    • Werter Angelos, ich stimme mit Ihnen soweit überein, als dass der Widerstand am wirkungsvollsten von den Starken ausgehen muss, und das wären in der Tat die Deutschen und Sie fragen zurecht, warum es hier noch so ruhig ist. Abgesehen davon, dass ich es auch nicht wirklich verstehe, sehe ich folgende Gründe: Man hat sich bisher in Deutschland damit begnügt nur 20 bis 25 Prozent ins Aus (Hartz 4, Niedriglohn, Leiharbeit, etc.) zu schießen. Diese werden noch „großzügig“ alimentiert, jedoch immer unter der Knute zu gehorchen, ansonsten werden die paar Euros, die man Ihnen gestattet, auch noch gestrichen. Gleichzeitig dienen sie, genau wie die drangsalierten Südeuropäer, dem Nochmittelständler in Deutschland als Mahnmal zu parieren, wenn er nicht auf deren Niveau abrutschen will. Nebenbei, und das wurde hier auf KenFm auch schon oft thematisiert, wurden die Deutschen mit dem Flüchtlingsthema seit 2015 perfekt gespalten und abgelenkt. Ein Teil stellte sich national Richtung AfD, ein anderer Teil dem diametral entgegen. Den Eliten ist das einerlei, geht es doch nur um die Ablenkung (und natürlich mehr billige Lohnsklaven), frei nach dem Witz mit dem runden Tisch, dem Industriellen, dem Bürger, dem Migranten und den Keksen.
      In einem Satz begründet: Die Deutschen, egal welche Schicht, haben noch etwas zu verlieren. Und diese Karte wird gnadenlos gegen sie ausgespielt, und wir sind naiv genug zu glauben, wenn wir nur still genug halten, die Augen verschließen und uns weg ducken (das können wir großartig), wird man uns nicht beachten, uns gewähren lassen und alles könnte zumindest nicht noch schlechter werden. Das dieser Irrglauben fatale Folgen haben wird, brauchen Sie mir nicht zu sagen. Wir werden allesamt nach der Salamitaktik abgeräumt. Wenn dann in etwa 15 bis 20 Jahren das böse Erwachen kommt (vorausgesetzt es kommt kein großer Krieg, Finanzcrash, Hyperinflation oder ein sonstiger Totalreset), also einfach nur bis die durch Digitalisierung und weitere Rationalisierung im Sinne des shareholder value und dem damit verbundenen Jobverlust, voraussagbare Massenverelendung auch in Deutschland sichtbar wird, werden auch wir unsere Schlagkraft (finanzielle Mittel und zur Zeit noch benötigte Produktivkraft) verloren haben. Falls noch nicht vollständig wird den oberen 0,01% aber mit Sicherheit was Neues einfallen um uns noch einmal wirkungsvoll zu spalten. Ja und dann kann die Ausbeutung von Planet und Mensch bis zum wirklichen Exitus derselben ungestört zu Ende gehen.
      Ist doch Alles in Allem ein brillianter Plan, nicht wahr!?!

    • Gestern zufällig mal auf 3 Sat Frau Maischberger gesehen.
      Da sitzt ein Minister Seehofer ihr gegenüber und sie spielen sich die Bälle zu.

      Frau Maischberger: Herr Minister, Deutschland geht es doch eigentlich gut
      Seehofer : Ja sehr gut aber…Blubber Blubber.

      Es reichte schon wieder, da permanent Stuss erzählt wird.

      Da Deutschland filetiert wurde, wird das mit dem Krach nichts.
      Ich müßte mal wieder zum Arzt, mangels Geld wird das raus geschoben.
      Aber eigentlich geht es doch Deutschland gut.
      Muß wohl an mir liegen, das ich einfach nichts davon mit bekomme.

    • Lieber Angelos
      Jetzt bin ich bei Ihnen und ich hoffe das wir mit einer Evolution statt Revolution davon kommen!

      In der Schweitz haben immerhinschon mal 25% der Bevoelkerung die Notwendigkeit eines Voll(wert)geldsystems
      erkannt.Denn das ist das zentrale Zahnrad welches unsere Wirklichkeit zum besseren veraendern mag.

      Wenn sich von Deutschland aus Europa evolutionieren soll,dann braucht es die direkte Demokratie
      der Volksabstimmung.
      Der Weg ist noch weit,aber er ist es auf jeden Fall Wert fuer den Weltfrieden
      und die Menschheitsfamilie gegangen zu werden.
      Letztendlich muss verhindert werden das die Bankstermafia mit der Schoepfung von Geld aus dem nichts
      Zinsen generiert und damit undemokratisch, perfide sich das Spiel und letztendlich die Welt kauft .
      Nur so vermag Goethes Faust den Teufel fest zuhalten.

  4. Immer wenn ich Quatsch lese, dann höre ich auf zu lesen, weil der Rest, sich auf den Quatsch beziehend, schon von vornherein auf falschen Füßen stehen muss…. zum Beispiel hier:

    “ welches Stadium der Fäulnis und des Zerfalls unser gegenwärtiges Finanzsystem“

    Wenn ich so eine naive Behauptung lese, dann kann ich nicht mehr weiterlesen, weil sie meiner eigenen Misere und der all meiner Bekannter Hohn spricht. Denn genau in dieser vermeintlichen Fäulnis besteht ja die Blüte des sogenannten Finanzsystems, welche ein Wirtschaftssystem ist. Also nix da mit marxistischem Fatalismus, von wegen, der Kapitalismus verrotte, wie ungebliebtes Unkraut.
    Diese Art zu denken sitzt den Deutschen so tief in den Knochen, besonders den studierten, dass es eine unbewusste Macht über sie ausübt, die man fast fantastisch nennen könnte, würde dieses Wort nicht ihren schrecklichen, einzwängenden Charakter unterschlagen.

    Also Leute: Nix da mit Verrotten. Nix da mit Fäulnis – ihr und euer Wohlergehen und die Gesundheit faulen vielleicht, aber nicht das sogenannte „Finanzsystem“ – das erblüht.

    Und wir können das nicht mit „gesellschaftskritischen“ Medien ändern. KenFM hat in den letzten Jahren die Möglichkeit gehabt Auswege zu suchen und an den eigenen Symptomen dieses Herrschaftsystems zu arbeiten.
    Auswege: Fehlanzeige, und ihr Sprecher, Ken Jebsen, hat immernoch nichts über abstrakte Kollektivbegriffe gelernt, wendet diese gestrige Art zu denken immer noch an und sucht bei den Gästen nach „Roots“ und nach „Akzenten“…

    KenFM hat als gutes, kritisches Projekt angefangen, ist aber jetzt, mangels Standpunkten und Mut zur Freiheit der Gesellschaft ins Fahrtwasser der Hypotheken der Vergangenheit geraten, lädt irgendwelche Mathelehrer ein, von der AFD, die schon die Lebenszeit ihrer Schüler verschwenden und ihnen das System und den Gehorsam näherbringen, mit dem „sanften“ Druck durch Noten. Also Helfershelfer, die auf der untersten Stufe der Nato stehen, quasi – Lehrer und gleichzeitig Wahlvieh – was soll an von denen lernen? Duckmäusertum? Jetzt sagt Jebsen dauernd, dass er ja keine Kontaktschudl habe – er und wir alle können aber nur einmal unsere Lebenszeit füllen, dann ist sie vergangen. In der Zeit, in der ich mich mit Schwachsinn auseinandersetze, kann ich nix positives machen…. und wenn ich lese, dass der Kapitalismus verrottet, dann ist die Zeit weg. Dann muss ich mir wieder die Mühe machen zu widersprechen, weil ich es mir selbst schulde und meinem Selbstwertgefühl.

    Wenn wir etwas ändern wollen, dann müssen wir ein neues Wirtschaftsystem aufbauen.
    Kästner hat mal gesagt „Niemals darfst du so tief sinken, von dem Kakao, durch den man dich zieht, auch noch zu trinken.“
    Das bedeutet, ein GANZ neues Wirtschaftsystem. Die Geschichte steckt voller Warnhinweise, worauf es dabei ankommt. Ökonomie und Revolution in Spanien, Die soziale Revolution in Spanien, uvw. sind Buchtitel über Ereignisse die man kennen sollte, wenn man nicht nur labern will, sondern seinem Leben wirklich eine neue Richtung geben will.
    Wer nicht so tief sinken will, wie Kästner es beschreibt, der muss demnach aufhören bspw. sich noch beim Chef für dessen Diebstahl an uns zu bedanken. Der muss einfach mit einer Handvoll guter Leute neue Betriebe aufbauen, ohne Chef und mit Mitsprache aller und gleicher Löhne. Ja, die Lebenszeit eines Arztes ist genauso viel wert, wie die eines Obdachlosen, obwohl sich der Arzt dem Kapitalismus und der Pharmaindustrie angedient hat…..während der Bettler den kleinsten möglichen „sozialen Fußabdruck“ hat…. ich bin da nicht so.

    Wichtig ist, das sieht man an so Beispielen, wie oben, dass man selbst denkt und nicht den Marx in immer neuen Formen wiederkäut. Will man, dass die eigene soziale zu einer Art marxistischem Klerus verkommt, dann kann man das machen. Wenn man in die Zukunft statt in die Vergangenheit schreiten will, dann muss man sich von diesen überkommenen Formen der Diktatur und des Dogmas befreien und mutige eigene Gedanken haben. Hie Spengler, dort Marx – hie Faschismus – dort Bolschewismus und immer eine obsiegende Bourgeoisie drum herum. Das sollte allen, die abhängig sind von ihrem Lohn, also davon, dass der Reiche und der Staat nicht zu viel stehlen, zu denken geben.
    Wir können alles selber machen – wir brauchen keinen, der sich der verantwortungsvollen Aufgabe widmet, für uns zu denken und zu genießen, wir bauen jeden Tag diese Welt auf und reißen sie ein, wenn es sein muss. Wir sind die Arbeiterklasse dieser Welt und brauchen keine Intellektuellen wie hier auf KenFM, die uns sagen, dass wir die Fresse halten sollen, schuften, und dann wird der Kapitalismus, wenn die „Produktivkräfte entwickelt genug sind“ schon von alleine verschwinden. Glaubt diese Kacke nicht und geht einen eigenen Weg, weg von der Herrschaft des Menschen über den Menschen.

    • @Heffner
      Den „Quatsch“ muss man ueber sich ergehen lassen, wenn man Deine Zeilen liest!
      “ welches Stadium der Fäulnis und des Zerfalls unser gegenwärtiges Finanzsystem“
      Du zitierst hier den Autor und bezeichnest seine Meinung als naiv und kannst „nicht mehr weiterlesen“. (Tust es aber dann doch). Ich frage mich, wie man den aktuellen Zustand anders als ‚verfault‘ bezeichnen soll, wenn die reichen, starken Staaten in der Mitte Europas das vergleichsweise arme Griechenland zwingen seine Bevölkerung zu schröpfen ueber eine Austeritätspolitik und der Annahme weiterer Kredite erzwingen, um dann im nächsten Schritt besagte knappe 3 Mrd Euro Zinsen abzugreifen. Wer nicht begreift, dass es sich hier um modernes Raubrittertum des Finanzimperialismus handelt, und quasi den letzten Schritt vor dem Kollaps darstellt, der hat sich hier zu diesem Thema wahrlich nicht zu Wort zu melden!
      Aber wenn es nach Heffner geht, dann sollten wir ein neues Wirtschaftssystem aufbauen:
      “ Der muss einfach mit einer Handvoll guter Leute neue Betriebe aufbauen, ohne Chef und mit Mitsprache aller und gleicher Löhne.“
      Wenn das so einfach wäre, hast Du sicherlich mehrere dieser Betriebe aufgebaut, Du Klugschei..er!

      Du benutzt den Namen Marx recht häufig in Deinen Kommentaren, doch ich vermute, dass Du ihn weder ausfuehrlich gelesen, geschweige denn verstanden hast! Ansonsten ist eine Aussage wie folgende nur schwer zu deuten, hat sie mit Marx und seinen Ideen doch ueberhaupt keine Beruerungspunkte:
      “ Wir sind die Arbeiterklasse dieser Welt und brauchen keine Intellektuellen wie hier auf KenFM, die uns sagen, dass wir die Fresse halten sollen, schuften, und dann wird der Kapitalismus, wenn die „Produktivkräfte entwickelt genug sind“ schon von alleine verschwinden. Glaubt diese Kacke nicht und geht einen eigenen Weg, weg von der Herrschaft des Menschen über den Menschen.“

  5. Der Niederländische Minister Zalm war der einzige die gegen die Zutritt Griechenland an die Euro wählte.
    Es war Mutti die verhinderte das Griechenland wieder die Drachme einführte, unter Verletzung vom Vertrag von Maastrich ‚das wäre das Ende von Europa‘.
    Was ich nicht lese ist das Reiche Griechen etwa € 70 oder 80 Milliarde Euro’s nach die Schweiz brachten, so viel Geld das die Schweiz der Kurs der Frank erhöhen musste.
    Ich lese auch nicht wie Soros Sendezeit mietete um die Deutschen an ihre Pflicht die Griechen zu retten erinnerte, das das Faktisch retten von Soros war wurde aus die Medien gehalten.
    Etwa 10% der Hilfe an die Griechen ging nach die Griechen, 90% ging nach Banken in NW Europa.
    Griechenland besteht noch nicht lange, etwa hundert Jahre.
    Wenn ich mich gut erinnere war es bevor die Euro fünfmal Pleite, jedesmal errichte es sich ohne Hilfe.
    Jetzt wird Griechenland in Brussel regiert.

  6. Die Griechen koennten ein neues Geschaeftsmodell brauchen.
    Also hier in Canada wird grade Canabis legalisiert.
    Das spuehlt Milliarden in die oeffentlichen Kassen
    und lockt Touristen aus der ganzen Welt an.
    Oder warum platzt Amsterdam am Wochenende aus allen Naeten
    und die Stimmung ist trotzdem gut?
    Dialektisch gesehen vermag der Mensch mit seinem Geist aus jeder Schwaeche eine Staerke zu machen.
    Vorausgesetzt ,das er sich dessen Bewusst ist und unter leidenschaftlich l(i)eben etwas anderes versteht als
    fuer die Baenkstereliten zu leiden.

    • Lieber Schual
      Der Geist des Menschen kontrolliert die Materie weiss die Hermetik.
      Nun schafft unser Bewusstsein eine Fiktion welches unsere Wirklichkeit
      abbildet da es eben wirkt.(Wirklichkeit kommt von wirken)
      Wenn wir morgen nicht mehr an das Geld und dessen Schulden glauben,
      dann wirkt da auch nichts mehr und unsere Wirklichkeit verschiebt sich
      zu den Werten an die wir glauben.
      Ich glaube an die Liebe da sie fuer mich die schoenste Wirklichkeit generiert.
      Zu dieser Wirklichkeit gehoert auch das ich mich ueber Taeler genau so freue
      wie ueber Berge.Nur mein innerer Affe (Ego) sieht das anders.
      Er mag nur Berge und sie koennen gar nicht hoch genug sein,selbst wenn er dann keine
      Luft mehr bekommt.
      Wenn er zu viel Laerm macht, dann drehe ich Bewusst durch Meditation seine
      Lautstaerke herunter bis die Ruhe kommt in der die schoepferische Kraft liegt.

      Um noch mal auf ihre Frage zurueck zu kommen.
      „Warum sollte es relevant sein, dass sich die eine Fiktion(Politik) von der anderen Fiktion((Finanz-)Kapitalismus) entfernt?“
      Antwort: Weil es wirkt und damit unsere Wirklichkeit produziert in der wir zur Zeit (und Raum) leben.
      Nur die Gedanken sind wirklich frei ,wenn wir es wollen und der innere Ego-Affe mal still ist.

  7. All das ist dermaßen brutal, dass einem die Worte dazu fehlen.
    Danke für den Artikel.
    An KenFM: gibt es die Griechenland-Hilfe noch?
    Wenn ja, dann wäre es doch wichtig das Spendenkonto in Erinnerung zu bringen….

  8. Lieber Herr Wolff..Schöne Grüße aus Griechenland.

    Seien sie sicher das wir Griechen schon auf uns aufpassen.Deswegen sind die extrem Rechten auch immer noch bei weit unter 10%.Und werden es auch bleiben..trotz aller Vergleiche Griechenlands mit der „Weimarer Republik“ die man als Grieche seit 2010 über sich ergehen lassen mußte..

    Noch was zu den „3 Millionen ohne Krankenversicherung“..

    http://www.moh.gov.gr/articles/health/anaptyksh-monadwn-ygeias/3999-prosbash-twn-anasfalistwn-sto-dhmosio-systhma-ygeias

    Lassen Sie es sich übersetzen.

    Ihr da in Deutschland solltet langsam aufhören euch so „leidenschaftlich“ über uns Südeuropäer Sorgen zu machen.Wir kriegen das schon hin ohne auszuflippen.Tun wir seit mehreren tausend Jahren..Fangt an langsam auch euch selbst zu schauen denn Ich persönlich sehe da was in Deutschland kommen was Ihr selber irgendwie nicht so recht sehen wollt.Gerade die „Linken“ nicht.Warum auch immer.Und das ohne irgend eine „linke Kraft“ die diesen Namen auch verdient.Zumindest nicht wenn man liest was Wagenknecht über das „Flüchtlingsproblem“ sagt.Die Millionen bei den Tafeln sind ja auch kein Thema bei der Deutschen „Linken“..

    Solidarische Grüße aus dem gute alten Hellas..

    • „Die Millionen bei den Tafeln sind ja auch kein Thema bei der Deutschen „Linken“..“

      Das ist schlichtweg die Unwahrheit.

      Ansonsten kann ich Ihr Selbstbewusstsein bewundern und begrüßen.

    • wie lächerlich ist das denn, schiebt mal nicht die schuld auf d-land! das selbe Problem gab es schon zwischen d-ost und d-west (1990).
      eure selber schuld wenn ihr keine Regierung habt, die eine Währungsunion versteht! tja, ohne willen, gibt es nichts zu verhandeln.

    • Lieber Angelos
      Es geht doch gar nicht darum ob jetzt griechische oder deutsche Scheisse besser riecht .
      Es geht darum gemeinsam dialektisch ein neues Ideal zu schaffen und sich nicht spalten zu lassen.
      Dazu muessten die entstandenen Wiedersprueche im gemeinschaftlichen Wirtschaftssystem
      schamlos analysiert und durch die Synthese zum Wohle aller vernuenftig ueberbrueckt werden
      Ich bin froh das es ihnen peroenlich so gut geht das Sie vielleicht die Notwendigkeit nicht erkennen koennen.
      Aber es gibt auch immer mehr Menschen die unter der strukturellen Gewalt des Systems sehr leiden muessen
      und gerne Verbesserung erleben wuerden.
      Ich denke wir sollten diese Aufgabe nicht allein unseren Bankstereliten ueberlassen.
      Den diese Kreise verfolgen skrupellos eigene Machtinteressen.
      Sinngemaess auf die Frage warum man Griechenland nicht einen Teil seiner Schulden erlaesst (wie bei jeder vernuenftigen Insolvenz) antwortete Deutsche Bank Chef Ackermann spontan:
      „Ich glaube es waere mir ergangen wie Herr Herrhausen“.
      Alfred Herrhausen wollte seiner Zeit die Dritten Welt Entschulden damit diese wieder eine
      vernuenftige Chance im internationalen Wettbewerb haette.
      Herr Herrhausen wurde dann nach offizieller Darstellung von der RAF in Bad Homburg 1989 in seinem
      gepanzerten Mercedes gesprengt.

  9. ich bin da nicht auf dem Laufenden, freu mich aber auf Kritik.

    Denn auch der „Schuldner“ Griechenland hätte eigentlich eine starke Position, das EU-Spardiktat zu unterwandern und so den Exportweltmeister zum Umdenken zu bewegen.
    Im Rahmen der ELA-Notkredite ist es nationalen Zentralenbanken (wie Bank of Greece) – an der EZB vorbei – selbst erlaubt, Geldschöpfung zu betreiben.
    Für griechische ELA-Not-Kredite sind „angemessene Sicherheiten“ notwendig, also Ankauf von „Schrottpapieren“, so wie es die EZB selbst betreibt. Also kein Problem, das zu definieren.

    Die nationale griechische Zentralbank könnte sich selbst alle sogenannten „Schulden“ – aus dem Nichts begleichen.
    Das wäre der anarchische Wink mit dem Zaunpfahl an die EU, endlich zur Vernunft zu kommen.
    Spardiktate der schwäbischen Hausfrau sind nur der Hebel zur Ausplünderung.

    • ja, hätte so einfach sein können, nur das dir regionalen Nationalbanken nichts zu sagen haben. das kann nur politisch geschehen, aber die zipras wollte oder konnte nicht, daher bleibt der Status quo wie er ist, bis zur nächsten vermutlich rechten Regierung.

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