Tagesdosis 30.7.2019 – Die Verantwortungslüge

Der Neoliberalismus missbraucht unser Verantwortungsgefühl, um uns die Schuld für sein Versagen aufzuhalsen.

Ein Kommentar von Roland Rottenfußer.

„Es liegt an dir“, hören wir landauf, landab. Oder: „Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.“ Das klingt so gut und ist so gut gemeint, dass sich sehr viele den Schuh anziehen und sich mit Schuldgefühlen plagen. Unser Verantwortungsbereich scheint immer mehr zu wachsen, während durch die autoritäre Politik der Mächtigen unser tatsächlicher Einfluss nach und nach schrumpft. Der Einzelne wird dazu angehalten, durch ethische Konsumentscheidungen auf eigene Kosten die Fehler von Politik und Wirtschaft zu korrigieren. Von „Eigenverantwortung“ wird immer dann gesprochen, wenn sich die Institutionen aus der Verantwortung zurückziehen. Und wenn sie uns eine Verschlimmerung unserer Situation aufzwingen wollen. Somit ist Eigenverantwortung heutzutage vor allem das Lieblingswort der Verantwortungslosen.

„Ein bisschen Eigenverantwortung finde ich schon richtig“, sagte mein Zahnarzt, als er mir die hohe Rechnung präsentierte. Meine Krankenkasse würde davon keinen Cent übernehmen. Auch der ehemalige FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle forderte mehr Eigenverantwortung. Für die Pflegeversicherung solle — wie schon bei der Rente — jeder selbst vorsorgen. Auf dem Arbeitsmarkt gilt schon längst: „Fördern und Fordern“. Der geringe Hartz IV-Satz soll „die Eigenverantwortung des Leistungsempfängers stärken“.

Das hört sich gut an. Scheinbar steht dahinter das Ideal einer autonomen Persönlichkeit. Man befreit sich aus Abhängigkeiten und trifft für sein Leben Entscheidungen. Geht es schief, trägt man dafür die Verantwortung. Ich bin gerührt, dass sich Menschen wie Brüderle und mein Zahnarzt so für meine Entwicklung zu einer reifen Persönlichkeit engagieren.

Haben wir es uns bisher etwa zu leicht gemacht? Angela Merkel jedenfalls wirft uns vor: „Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt.“ Prinz Charles setzt eins drauf: „Wir zerstören die Klimaanlage unseres Planeten.“ Dirk Fleck, Autor eines Ökothrillers, nennt uns pauschal die „Tätergeneration“. Wir zerstören mit unserer Art zu leben und zu wirtschaften die Lebensgrundlagen unserer Nachkommen. Das bedrückt mich umso mehr, als ich ja schon von Geburt an dem Tätervolk (Deutschland) und dem Tätergeschlecht (Männer) angehöre. Erdrückend viel Schuld für einen eigentlich ziemlich harmlos wirkenden Typen. Ich schlafe in letzter Zeit schlecht.

Schuld sind immer wir

Die drastische und pauschale Zuschreibung von Verantwortung an die breite Masse, an Sie und mich, ist heute gängige Rhetorik. Wenn ich eine bessere Welt will, fange ich mit der Veränderung bei mir selbst an. Eigentlich könnte man sich ja darüber freuen, dass Verantwortung so ein Zeitgeist-Thema geworden ist. Und es gibt echte Verantwortung und echte Schuld. Ich wehre mich aber entschieden gegen Übertreibungen und den Missbrauch des Begriffs „Eigenverantwortung“.

Beispiel Zahnarzt: Ich putze meine Zähne so gut, dass der Zahnarzt seit vielen Jahren nichts zu meckern hat. Obendrein gehe ich regelmäßig zur Vorsorge. Ich bin meiner Verantwortung also beispielhaft nachgekommen. Die Prophylaxe zahle ich trotzdem aus eigener Tasche, zuzüglich Praxisgebühr. Eine Art Geldstrafe für vernünftiges Verhalten.

Beispiel Glühbirnen: Es wird so getan, als ob in der Verwendung der richtigen Glühbirne der Dreh- und Angelpunkt für die Rettung der Welt läge. Die Wahrheit ist: Nur etwa ein Zehntel des CO2-Ausstoßes entfällt überhaupt auf Privathaushalte, davon circa ein Zwanzigstel auf Beleuchtung, also ein Zweihundertstel. Und von den großen Energienutzern, zum Beispiel der Atomindustrie, werden gewaltige Mengen CO2 sinnlos in die Luft geblasen. Für Hans Arpke, Energieexperte aus Weilheim, geht die Verantwortung des Endverbrauchers in Sachen Licht gegen Null: „Glühbirnen alten Typs geben Wärme ab. Wenn sie durch temperaturneutrale Energiesparlampen ersetzt werden, könnte der Verbraucher dies im Winter kompensieren, indem er die Heizung weiter aufdreht.“

Beispiel „Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“: Tatsache ist, dass immer mehr Menschen unter die Armutsgrenze gedrückt werden. Die Prasser sind vor allem die reichsten zehn Prozent. Und die Politik tut alles, um deren Riesenvermögen noch weiter anschwellen zu lassen.

Beispiel Friedenspolitik: Hier herrscht oft eine Eigenverantwortungsmentalität, die zu kurz greift. Spirituelle Menschen argumentieren: „Der Friede beginnt in dir“. Der Friede im eigenen Herzen hat aber mit dem Weltfrieden nur am Rande zu tun. Er muss nach außen getragen werden, um gesellschaftliche Realität zu werden. Der Friedenspsychologe Professor Gert Sommer mahnt politisches Engagement an: „Mit sich selbst im Frieden zu sein ist auch schön. Aber selbst wenn 99 Prozent der Weltbevölkerung im Frieden sind und 1 Prozent ist es nicht, dann reicht das völlig aus, um Kriege zu führen.“

Beispiel Fairtrade-Produkte: Hier kann der Käufer tatsächlich etwas tun, allerdings mit Einschränkungen. Erstens wird ihm ethisch richtiges Handeln durch den Preis erschwert. Wohlmeinende zahlen eine Art Ethik-Strafgebühr. Zweitens verschleiern die Großhändler bewusst die unfairen Herstellungsbedingungen bei den meisten Überseeprodukten. Gleichzeitig werden die Verbraucher durch massive Werbekampagnen ständig zur Bedenkenlosigkeit verführt. Es braucht viel Zeit- und Energieaufwand, um informiert zu sein und Fehlentscheidungen auszuschließen. Die Frage ist also: Warum kaufen mächtige Multis nicht zum vornherein nur faire Produkte ein? Oder warum verbietet der Staat nicht einfach den unfairen Handel?

„Verantwortlich“ im Kleinen, machtlos im Großen

Der Endverbraucher soll also die Fehler kompensieren, die vorher von großen, mächtigen Organisationen begangen wurden.
Es findet eine Art Crowdsourcing des Verantwortungsgefühls statt. Der wohlmeinende Verbraucher lädt das ganze Elend der Welt auf sein Gewissen: „Wenn ich korrekt einkaufe, gibt es keine Ausbeutung mehr“. Dies könnte ein Fehlschluss sein.

Die wesentlichen Probleme können nur durch Strukturveränderung und politische Entscheidungen im Großen gelöst werden. Naheliegend wäre es zum Beispiel, die Gewinnspanne der Aldi-Brüder bzw. ihrer Erben (Vermögen geschätzte 34 Milliarden) drastisch zu reduzieren. Das Geld könnte eingesetzt werden, um Herstellern fairere Preise zu bezahlen. Auch müsste die Gewinnabschöpfung durch Personen verhindert werden, die keine Eigenleistung erbringen (Aktionäre).

Innerhalb des alten Systems erleben wir jedoch immer wieder das alte Spiel: Arbeiter und Endverbraucher sollen das kleine Stück vom Kuchen unter sich aufteilen, das die Abzocker übrig lassen. Der österreichische Sachbuchautor Christian Felber sieht dahinter ein perfides System: „Wir werden vom eigentlichen Platz des politischen Geschehens ferngehalten und in die Supermärkte gelotst, wo wir unsere demokratische Verantwortung ausleben sollen, in einem zugewiesenen Reservat der Wahlfreiheit als Ersatz für echte Demokratie.“

Felber trifft den Kern: Die Bürger werden von wichtigen Entscheidungen systematisch ausgeschlossen. Zum Beispiel durch die Verweigerung direkter Demokratie (außer in der Schweiz) und durch Verlagerung von Entscheidungen auf die EU-Ebene. Gleichzeitig sollen wir uns „immer verantwortlicher“ fühlen.

Kampfbegriff der Unverantwortlichen

Mit Blick auf die von Staat und eingebetteten Medien lancierten Kampagnen kann man feststellen: Eigenverantwortung wird immer dann angemahnt, wenn uns jemand dazu zwingen will, Verschlechterungen unserer Lebenssituation hinzunehmen. Jeder Widerstand wäre ja dann gleichbedeutend mit der Regression auf ein unreifes Entwicklungsstadium. Eigenverantwortung wird von denen angemahnt, die sich aus der Verantwortung zurückziehen wollen, obwohl sie gut dafür bezahlt werden, diese zu tragen. Ein Beispiel: Bei der „Bankenrettung“ 2008 wurde klar, dass Banken zwar ungeniert mit Milliardensummen zockten, aber nicht einsahen, warum sie die Verluste selbst tragen sollten. Dafür hat man ja den Steuerzahler. „Eigenverantwortung“ ist heute vor allem der Kampfbegriff der Unverantwortlichen.

Unsere Verantwortung steht und fällt mit unserem realen Einfluss auf das Geschehen. Der ist oft kleiner als wir denken. Deshalb greifen auch wohlmeinende Appelle aus der Aktivistenszene oft zu kurz. So lesen wir im Webmagazin „Sein“, „dass ein Wandel nicht durch politischen Widerstand und Gewalt erzeugt werden kann, sondern bei jedem Einzelnen beginnt, in jeder einzelnen Entscheidung, die wir jeden Tag treffen.“ Schade, dass der Autor mit der Gewalt gleich auch den Widerstand entsorgt hat. Die Machthaber können sich nur freuen, dass solche Halbwahrheiten im Volk kursieren. Sie müssen dann nur noch unseren Entscheidungsspielraum auf ein für sie ungefährliches Maß verkleinern — und genau das geschieht.

Gefährlicher „Zuständigkeitsburnout“

Das Energie- und Zeitbudget des Menschen ist begrenzt, sein Verantwortungsbereich dagegen potenziell unbegrenzt. Besonders problematisch ist der Satz: „Wer zuschaut, ist mitschuldig“. Er führt, wörtlich genommen, sehr schnell zu einem „Zuständigkeitsburnout“. Natürlich sollte man, wenn einer gerade ertrinkt, nicht am Ufer stehen bleiben — man sollte hineinhüpfen und ihn retten. Wer sich allerdings für den ganzen Globus zuständig fühlt, kommt schnell an seine Grenzen. Das neoliberale Menschenbild zieht eine Negativspirale nach sich: Da sich das Kollektiv zunehmend weigert, Verantwortung für uns zu übernehmen, sind wir dauernd damit beschäftigt, für uns selbst zu sorgen. In der Folge haben wir nicht mehr die Kraft, Verantwortung für das Kollektiv zu übernehmen.

Appelle an unser Verantwortungsgefühl suggerieren, dass unser Zuständigkeitsbereich beliebig ausweitbar wäre. Richtig ist, dass unser Einfluss begrenzt wachsen kann, solange wir die Zeche für ethisches Verhalten selbst zahlen (Beispiel Fairtrade). Schwieriger wird es, wenn unser Handeln massiv Herrschaftsinteressen berührt.

Ein Beispiel sind die Komplementär- oder Regionalwährungen. Wenn sie dem System der Kontrolle über das Geldwesen gefährlich werden, könnten sie von heute auf morgen verboten werden. So geschah es beim berühmten Geldexperiment von Wörgl von 1932. Wenn so etwas nicht geschehen soll, müssen die Machtzentralen mit integeren Leuten besetzt werden — oder die Macht der Zentralen muss insgesamt zurückgedrängt werden.

Schuldgefühle machen klein

Es stellt sich die Frage, wie es möglich war, Verantwortung so massiv auf den „einfachen Bürger“ abzuwälzen. Zunächst ist der Verantwortungstransfer natürlich eine psychische Selbstentlastung der wirklich Mächtigen. Gerhard Polt spottet in seinem Sketch „Der Verantwortungsnehmer“: „Das kann man doch dem Minister doch nicht bloß deshalb anlasten, weil er es veranlasst hat.“ Zweitens sollen natürlich die finanziellen Nachteile verantwortlichen Handelns auf uns verschoben werden. Mir erscheint aber noch ein dritter Grund wichtig: Die dunkle Schwester der Verantwortung ist die Schuld. Und mit Schuldgefühlen kann man Menschen manipulieren.

Wer Verantwortung übernimmt, ohne entsprechende Einflussmöglichkeiten zu haben, wird sich schnell als Versager fühlen. Schuldgefühle lähmen, machen uns klein und lassen uns glauben, wir hätten eine Besserung der Verhältnisse gar nicht verdient.Der US-amerikanische Bürgerrechtler Noam Chomsky schreibt: „Die Menschheit soll denken, sie sei wegen zu wenig Intelligenz, Kompetenz oder Bemühungen die einzig Schuldige ihres Nicht-Erfolgs. Das ‚System’ wirkt also einer Rebellion der Bevölkerung entgegen, indem dem Bürger suggeriert wird, dass er an allem Übel schuld sei, und mindert damit sein Selbstwertgefühl.“

Warum übernehmen viele Menschen die Verantwortung, die ihnen zugeschoben wird, scheinbar bereitwillig? Ich vermute, dahinter steht der Wunsch, sich mächtig zu fühlen. Der König im Buch „Der kleine Prinz“ befiehlt allmorgendlich der Sonne, aufzugehen. Abends befiehlt er ihr dann wieder, unterzugehen. Und siehe da: Sie gehorcht. Auch in der Esoterik ist es üblich, dem Individuum die Urheberschaft an allem zuzuschreiben („Ich bin Schöpfer meiner Realität“). Ich sehe darin eine Abwehr von Machtlosigkeitsgefühlen, die als unerträglich erlebt werden. Die Größenfantasien sprießen in dem Maß, wie unsere tatsächlichen Gestaltungsmöglichkeiten durch die Institutionen zurückgedrängt werden.

„Ent-schuldigt euch!“

Möchte ich mich etwa selbst vor Verantwortung drücken? Ich versuche, uns alle von falschen Selbstvorwürfen zu entlasten. Dafür muss ich uns aber mit einer Verantwortung belasten, die meist gar nicht als solche erkannt wird: Sie besteht darin, die bestehenden Machtstrukturen anzugreifen und zu stürzen. Die Kräfte also, die darüber entscheiden, dass unsere Steuergelder in Kriegsgerät fließen. Jene, die bestimmen, dass das Volk Geld nur als Schuldgeld von Privatbanken beziehen kann. Jene, die das Geld in einem wahnwitzigen legalen Raubzug ständig von unten nach oben pumpen.

Wir müssen handeln. Nicht weil wir schuld daran sind, dass die mies bezahlten Arbeiter in den Bananenplantagen an den Spritzmitteln ersticken, sondern damit eine Welt entsteht, in der dies nicht mehr geschehen kann. Zwischen „weil“ und „damit“ besteht ein großer Unterschied, wie Noam Chomsky gezeigt hat: Fühlen wir uns als Versager, macht uns das depressiv und antriebsschwach. Fühlen wir uns dagegen als wertvolle Menschen, deren Würde von Machtkartellen verletzt wurde, werden wir selbstbewusst unser Recht einfordern. Wer die Verantwortung für alles übernimmt, neigt zur Nabelschau, anstatt an der Umwälzung der Verhältnisse zu arbeiten.

Jenseits der Größenfantasien

Dies ist kein Aufruf, die „kleinen Schritte“ zu einem anständigeren Leben zu unterlassen. Ich finde es wichtig, zum Beispiel unnötige Autofahrten zu unterlassen und fair gehandelten Orangensaft zu kaufen. Aber diese Dinge sollten nebenbei geschehen und allmählich in Fleisch und Blut übergehen. Das Leben des politisch erwachten Menschen sollte so organisiert sein, dass noch Kraft für die großen Kämpfe übrig bleibt.

Das kann bedeuten, auf die Strasse zu gehen, Plätze zu besetzen und Banken zu umzingeln. Das kann bedeuten, bei Regen und Kälte draußen zu stehen und durch die bedrohlichen Spaliere hochgerüsteter Polizisten zu marschieren. Das kann auch bedeuten, den Ungehorsam zu proben und dafür negative Konsequenzen in Kauf zu nehmen.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum es so beliebt ist, zu sagen: „Ich fange lieber mit kleinen Veränderungen bei mir selbst an“? Es ist einfach bequemer, Fairtrade-Rosen für 3 Euro zu kaufen, als auf die Strasse zu gehen und sich mit der Macht anzulegen. Das erstere verschafft ein wohliges Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen. Das letztere verursacht Angst, ist riskant. Es ist oft mit Selbstzweifeln verbunden oder bedeutet zähes Ringen mit Mitstreitern um den richtigen Weg. Gerade dies wäre aber wirkliche Eigenverantwortung ohne falsche Schuldgefühle und Größenfantasien.

Ja, die Veränderung muss bei jedem Einzelnen anfangen. Aber sie darf nicht dort aufhören. Wir haben Verantwortung, aber sie besteht zunächst darin, zu erkennen, wofür wir nicht verantwortlich sind.

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Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

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Dieser Beitrag erschien am 27.07.2019 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Alexander Raths / Trong Nguyen/ Shutterstock,

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23 Kommentare zu: “Tagesdosis 30.7.2019 – Die Verantwortungslüge

  1. einer der Aussagekräftigsten Ansagen die hier (k.FN) in richtiger Weise getroffen wurde! Der Unterschied zwischen einem Teil und dem Ganzen der hier beschrieben wird, aber leider von den „aufgeklärten“ nicht verstanden wird!

    Bitte weiter so, denn viele haben es offensichtlich nicht verstanden!

  2. das stimmt für mich garnicht:

    Der Friedenspsychologe Professor Gert Sommer mahnt politisches Engagement an: „Mit sich selbst im Frieden zu sein ist auch schön. Aber selbst wenn 99 Prozent der Weltbevölkerung im Frieden sind und 1 Prozent ist es nicht, dann reicht das völlig aus, um Kriege zu führen.“

    denn wenn die 99% mit sich und ihren umfeld im frieden wären, hätten die 1% keine macht mehr kriege zu führen!

  3. Naja. Wortklauberei die „geschickt“, am eigentlichen Thema vorbei manövriert und von den apathisch Tatenlosen Applaus erntet.
    Die Sinnlosigkeit der so verschriene „Verantwortung“ durch ihre pervertierte Marketinggewäsch zu diskreditieren ist grober Unfug, da jedes Bewusst-Werden eines Problems, eine individuelle Reaktion auslösen soll, die man dann als Verantwortung bezeichnet.

    Ja, „ich“ kann warten bis der Gesetzgeber die Massentierhaltung verbietet oder ich kaufe das Zeug nicht mehr, ändert dies etwas? Natürlich nicht, da eben die Masse mit obiger „Logik“ sprich Ja-Aber-Die-Anderen argumentiert.

    Jedoch bin ich als reflektierendes Wesen für mein Handeln verantwortlich, dies nimmt mir niemand ab…

  4. Roland Rottenfußer grossartige Analyse.
    Aber bringt sie uns wirklich weiter im Spiel der Gegensaetzlikeit (Polaritaeten)?
    (Nichts ist wahr ohne sein Gegenteil)

    Angewendete Lebenskunst (Kunst kommt von koennen) fuehlt sich fuer mich so an:

    Wer Angst hat ,der liebt nicht und wer liebt der hat keine Angst.
    Der Weg aus der Angst fuehrt immer durch die Angst.
    (Dieter Lange)
    Liebe ist der unedliche Quell an Energie unserer(goettlich) schoepferischen Kraefte.

    Der Weg war und ist immer das Ziel.
    Ankommen ist meistens entaeuschend.
    Deshalb sollten Ziele wie der Nordstern unerreicht sein, der Orientierung dienen
    wie die Präambel des Grundgesetzes.
    „Die Wuerde des Menschens ist unantastbar“
    Natuerlich ist sie antastbar.
    Nur als „Nordstern“zur Orientierung ergibt sie Sinn.
    Ohne Ziel und Orientierung geht es nicht vernuenftig weiter.

    Beispiel:Mein Ziel ist es nicht Arzt zu werden,sondern Menschen zu helfen.
    So laufe ich nicht Gefahr mich im Kulminationspunkt depressiv zu verlieren,sondern
    finde mich selbst beim helfen wieder.
    Das ist kein Ego-Trip sondern ein Weg.(Selbstverwirklichung)

    Warum tuen wir all das in dieser Unendlichkeit von Raum und Zeit?
    Darum!(,weil wir es lieben)
    „Love it or leave it.“
    Eine intelligentere Antwort gibt es nicht und jedes Kind kennt sie.
    Nur wir haben sie vergessen.

  5. Ein zentrales Thema :
    Die vollständige Entmündigung und Entmachtung des Einzelnen auch der Gemeinschaft
    bei gleichzeitiger Schulterung der gesamten Verantwortung .

    Demokratie hat den Zweck, die Verantwortung der Politik der Machthaber als Wille des Volkes erscheinen zu lassen
    und dem Volk , dem Wähler alle Verantwortung der Politik zu übertragen .
    Analoges geschieht wie im Beitrag beschrieben bei der Verantwortung des Konsumenten .
    Die Guten (und die es sich leisten können) kaufen Bio und Fair Trade Veranstaltung quellen über von „ach wie bin ich gut“
    währen das, was dem gemeinen Volk angeboten wird von permanent schlechterer Qualität ist .

    Das „too big to fail“ des Bankensystems wurde angesprochen, aber nicht deutlich die Konsequenzen, wenn quasi gottgleiche Instiutionen wie selbstverständlich durch den Verantwortung tragenden Bürger gerettet werden müssen .

    Und so sollte auch der mündige Bürger Verantwortung tragen, wenn er mit politischen Entwicklungen unzufrieden ist
    aber der mit Verantwortung beladene entmündigte Bürger keinen wirksamen Protest mehr zustande bringt.

  6. Perfekt Herr Rottenfußer!
    So funktioniert das System! Dem Pöbel wir eingeredet, dass mit Verzicht und Steuern und gleichzeitigem hirnlosen Fressen samt dem Hinterherhecheln jedwedem Trend die Wirtschaft, Deutschland, der Euro und dann die Welt mit einer CO2-Abgabe gerettet würde! Gemeint ist aber, dass wir gefälligst zu bluten und das Hamsterrad am Laufen zu halten haben. Klima und Umwelt haben das Militär und die Politik im Griff und verderben alles nachhaltig. Klar können winzige Dinge im Kleinen abgeschwächt werden, doch wird erst durch einen Generalverzicht der gesammten geschröpften Gesellschaft eine Macht entfesselt, die Änderungen bewirken könnte…doch was ist statt dessen hier los? Unsere Jugend erkennt im Freitagsschulverweigern ihre Bestimmung etwas zu retten, was sie als Idioten da stehen lässt und die Politik samt ihrer falschen Propheten oder besser Profeten als Mantren vorbeten. Denken ist verboten! Lasst uns die Politik, das Militär und den krankhaften Wachstumswahn töten, dann haben wir Frieden und Zeit unseren Kindern die Welt zu erklären! Ohnr Google und Farcebook!

  7. Sehr gut zusammen gefasst von Herrn Roland Rottenfußer.
    Genau so funktioniert unser System. Nur die eine Frage bleibt noch offen: Warum wählt die Mehrheit der Menschen noch diese Verbrecher?? Hier passt wohl der alte Spruch; Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.

  8. „Möchte ich mich etwa selbst vor Verantwortung drücken? Ich versuche, uns alle von falschen Selbstvorwürfen zu entlasten. Dafür muss ich uns aber mit einer Verantwortung belasten, die meist gar nicht als solche erkannt wird: Sie besteht darin, die bestehenden Machtstrukturen anzugreifen und zu stürzen. Die Kräfte also, die darüber entscheiden, dass unsere Steuergelder in Kriegsgerät fließen. Jene, die bestimmen, dass das Volk Geld nur als Schuldgeld von Privatbanken beziehen kann. Jene, die das Geld in einem wahnwitzigen legalen Raubzug ständig von unten nach oben pumpen.“

    Sehr richtig und notwendig. Danke !

    Eins möchte ich aber noch hinzufügen: unsere allererste Verantwortung ist nicht ein Kampf gegen etwas , sondern eine ganz entschiedene Anstrengung für etwas. Es ist die Anstrengung, wir selbst zu werden. Ich habe den Eindruck, dass da jeder und jede von uns noch ganz viel Luft nach oben hat. Nur in dem Maß, in dem jeder von uns sich diese Luft unter die Flügel nimmt und der wird, als der er gemeint ist, können wir das Kommando in der Republik übernehmen und der Souverän werden, von dem nach unserem Grundgesetz alle Macht im Staate ausgeht.

  9. BINGO !!!
    Angangs dachte ich echt noch, der Autor wollte den einfachen Menschen nur sauber waschen und das die Fingerzeigerei so weiter gehen soll. Aber mit dem Schwenk am Schluss ist das ein wirklich gelungener Artikel.
    Bravo.

  10. Einfache Loesungen erfahren halt Zustimmung. Die Realitaet ist anderswo. Aldi enteignen, schon am Beispiel erkennt man die Taeuschung. Herr Aldi hat/hatte 40 Milliarden. Toll, macht fuer jeden 500 Euro. Ein neues smartphone und das Geld ist weg. Aber selbst das setzt ja voraus, dass die 40 Milliarden der theoretischen Versilberung des Aldi-Vermoegens irgendwo bei der Masse ankommen. Pustekuchen. Die Laeden in Mitarbeiter-Selbstverwaltung wird natuerlich keiner kaufen. Und die verstaatlichten Schuldverschreibungen des Staates im Aldi-Vermoegen mit denen dieser unter dem „neoliberalen Regime“ den Massenkonsum gefoerdert hat wanderen einfach zurueck an den Staat. Ergebnis des Experiments : keiner hat mehr, die Aldi-Kunden und Mitarbeiter stehen vor leeren Regalen und die Welt wird bei 1% Marge pro Artikel beim frueheren Aldi auch nicht besser.

    Vielleicht koennte man es anstatt mit mehr Staat auch mit mehr echter Selbstverantwortung probieren. Aber echte Selbstverantwortung, nicht die im Artikel beschriebene, ist im gegenwaertigen System gar nicht gefragt. Immerhin zweigt der Staat bis zu 70% des Einkommens in Form von Steuern und Sozialabgaben ab. Dagegen ist die Marge von Aldi sogar sozial.

    • Hallo fufu,
      das ließt sich wie ein Beißrefex (Aldi enteignen = Kommunismus = Teufelswerk = ganz schlecht). Der Autor, Herr Rottenfußer, mahnt diese echte Selbstverantwortung ja dringend an und ich habe bei ihm auch nicht ein Plädoyer für mehr Staat gefunden, ganz im Gegenteil.
      Ist es nicht viel mehr so, dass die Allermeisten nicht den leisesten Schimmer davon haben, dass wenn sie bei Aldi einkaufen sie das System Aldi kaufen. Wer seinen Fuß in den Laden setzt akzeptiert die Verelendung von Produzenten, Raubbau an der Natur, Kinder- und Sklavenarbeit, irrwitzige Transporte, TIERLEID in allen erdenklichen Formen, und so weiter und so weiter…… und das alles nur, damit der Preis so gering wie möglich gehalten wird. Wer die Zeche am Ende bezahlen soll ist allen im Aldi-Konzern und den Kunden, selbst denen die nur die Bio-Karotten kaufen, vollkommen egal.

      Und jetzt kann man das für jede Firma, jeden Konzern durchdeklinieren und dann machen wir weiter mit NGOs, Kirchen und Vereinen bis wir bei Staaten und Staatenbünden landen. Es ist immer das selbe Schema und die Täter haben immer die gleichen Klamotten an. Herr Rottenfußer hat vollkommen recht, wenn er fordert, dass die Bevölkerung, das heiß alle, sich ihr ureigenes Recht zurückholen, welches ihnen vor sehr langer Zeit durch Gewalt und Tücke genommen wurde. Die ganze Brut, sei es aus Politik, Medien und Wirtschaft muss davon gejagt werden, damit ein selbstverantwortlicher Neuanfang überhaupt erst möglich wird.

    • Genausogut kann ich sagen: Aldi enteignen, macht 40Mrd für erneuerbare Energien, und wir sind mit Nachhaltigkeit schon einen riesigen Schritt weiter…

      Kann man drehen und wenden wie man will, die Frage ist: finde eine Verteilung von unten nach oben oder umgekerht statt? Momentan: brutal von unten nach oben, und dann macht man den unteren 99% Angst und Schuldgefühle… so erbärmlich

    • @volume

      „Momentan: brutal von unten nach oben ..“

      Da waere ich mir nicht so sicher. Denken Sie an die direkt oder indirekt mittels Schulden geschaffenen, voellig entbehrlichen, bullshit-Jobs. Ohne sie gaebe es fuer die Masse in unserem System keine Existenzmoeglichkeit.

      @Thor

      Beissreflex .. Neidreflex .. ?? Die Realitaet ist fuer die meisten halt doch subjektiv. Deshalb unterscheidet sich wie hier schon ausgefuehrt der alternative mainstream nicht vom gaengigen mainstream. Und solange sich die Diskussionen auf subcortikalem Niveau abspielen wird sich daran auch nichts aendern. Was ich eigentlich nur sagen wollte : der angebliche Reichtum einiger weniger ist systembedingt, ist das System weg, ist auch der Reichtum weg. Da gibt es nichts zu holen. Das ganze Gesabbere „unten“ gegen „oben“, oder „wir“ gegen „die“ ist doch Banane.

  11. Auf den Punkt gebracht.
    1.
    Je mehr Mist da oben verbockt wird, desto mehr soll den Bürgern davon in die Schuhe geschoben werden.
    Siehe auch das Paradebeispiel CO2.
    2. Ohne strukturelle Veränderung wird sich nichts maßgeblich verändern.

  12. Danke für diesen Artikel.

    Eine der ersten und wichtigsten Aussagen Jesu war, dass die Menschen sich von ihrer ständigen Angst und Schuld befreien sollen.
    Das war eine Botschaft, die die Menschen stark und mächtig machte und zu sich selbst führte. Egal ob es – wie damals – alte Religionen und Glaubenssätze der Herrschenden waren, oder – wie heute – die „Kollektivschuld“ des Neoliberalismus, schon immer gab es diese Dogmen, welche die Menschen und ihren Verstand in Ketten legen sollten.

    Daher trifft der Autor den Nagel auf den Kopf. Wie wäre es denn, wenn wir immer dann, wenn jemand „mehr Eigenverantwortung“ anmahnt, sagen: hey, ich bin auch nur ein Mensch. Ich trage Verantwortung für das was ich sage und denke. Wie wäre es denn mit direkter Demokratie? Abstimmung über Rüstungsausgaben? Echte politische Mitbestimmung.
    Dann wäre ich sofort dabei bei der Verantwortung.

  13. Ein wichtiger Artikel!
    Erlaube mir anzumerken, dass das Militär weltweit einer der größten Verursacher von CO2 ist.
    Darf es noch etwas mehr Manöver sein um Krieg gegen die Menschheitsfamilie zu trainieren?
    Gestern Hiroshima, London, Danzig, heute Gaza und morgen Teheran.
    Von der Marine über den Panzer bis zum Kampfjet, da ist Dieselgate nur eine Lachnummer.
    Dazu darf man dann auch noch das CO2 bei der Betonherstellung zählen, was beim Aufbau der durch Kriege zerstörten Gebäude anfällt.

    • Zur rechten Zeit gekommen:

      Feind allen Lebens
      Der Krieg tötet auch Pflanzen und Tiere, weshalb Friedens- und Umweltbewegung zusammengehören.

      rubikon.news/artikel/feind-allen-lebens

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