Tagesdosis 31.3.2020 – Zahlenkonfetti: Die desolate Datenbasis der Corona-Prognosen (Podcast)

Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

Es ist sehr zwar lange her, dass ich als Soziologie-Student etwas über Statistik und die Aussagekraft von Stichproben und Umfragen gelernt habe, aber die Basics habe ich mir gemerkt. Vor allem, dass Stichproben nur dann aussagekräftig sind, wenn sie aus einem repräsentativen Querschnitt der Gruppe gewonnen werden, über die eine Aussage getroffen werden soll. Wenn zur Frage des Tempolimits auf Autobahnen nur männliche Autobesitzer auf dem Land befragt werden oder nur weibliche Radfahrerinnen aus Großstädten, sagen diese Stichproben über die Haltung der Gesamtbevölkerung wenig aus – sie sind nicht repräsentativ. Weshalb es ziemlicher Unsinn ist, auf Basis einer solchen Stichprobe dann Hochrechnungen anzustellen, wie am Wahltag das Ergebnis der Volksabstimmung zum Tempolimit ausfallen wird.

Doch mit eben solchem Unsinn müssen wir seit Monaten leben, nämlich mit Hoch,- und Exponentialrechnungen über Infektions, -und Letalitätsraten durch „Covid-19“, die gar keine repräsentative Grundlage haben. Denn wenn ich nur Menschen teste, die mit Symptomen ins Krankenhaus kommen, kann ich über die Verbreitung des Virus in der Gesamtbevölkerung keine Erkenntnisse gewinnen. Dazu müsste ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung, sagen wir 5000 gesunde Leute, regelmäßig getestet werden: auf die Infektion und auf die Anwesenheit von Antikörpern. Nur so lassen sich valide Hochrechnungen über die Verbreitung und Erkenntnisse über die Gefährlichkeit des Virus überhaupt erst anstellen.

Bisher wurden erst zwei solcher halbwegs repräsentativen Screenings durchgeführt. Zum einen in Island, wo bis vergangenen Mittwoch 6143 Tests durchgeführt wurden, d.h. knapp 5% der Einwohner untersucht worden sind. Dabei wurden 52 Menschen positiv getestet, von denen die Hälfte keinerlei Symptome hatte, und die andere Hälfte die einer Erkältung.

Der Stanford-Professor John Ioannidis, der die Daten der knapp 3000 Passagiere des vor Yokohama unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffs „Diamond Princess“ untersucht hat, bei denen es sich mehrheitlich um Senioren handelte, kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Nach einer Alterskorrektur der Daten ergibt sich danach, dass die allgemeine Letalität von Covid 19 bei 0.025% bis 0.625% liegt – im Bereich einer starken Erkältung oder einer Grippe.  Von den 700 positiv getesteten Passagieren waren knapp die Hälfte symptomfrei geblieben, sogar die 80 – 89-jährigen zeigten zu 48%, die 70-79-jährigen zu 60% keinerlei Symptome.  Deshalb fordert Prof. Ioannidis repräsentative Stichproben an Gesunden, denn:   “Wir wissen nicht, ob wir uns bei den Infektionen um den Faktor drei oder 300 irren.“

Auch das Robert Koch Institut hat bis vor Kurzem nur die Fallzahlen von Infizierten, nicht aber die Zahl der durchgeführten Tests publiziert. Damit wurde der falsche Eindruck einer rasanten Ausbreitung des Virus erweckt und die Panik erzeugt, von der die Regierung zu ihren drastischen grundrechtseinschränkenden Maßnahmen veranlasst worden ist. Tatsächlich aber konnte von einer Verdreifachung der Fallzahlen im März gar nicht die Rede sein, denn im selben Zeitraum wurden auch etwa dreimal so viele Tests durchgeführt. Wie der Kollege Paul Schreyer gezeigt hat, betrug der tatsächliche Zuwachs nur 1 Prozent: in Kalenderwoche 11 waren 6% der Getesteten positiv, in Kalenderwoche 12 waren es 7%. Ein „extremer Anstieg“, wie Mitte März überall vermeldet, sieht anders aus. Und auch dass Freund Hein bei diesen positiv Getesteten gleich an die Tür klopft, müssen sie nicht befürchten:

„Den aktuellen Daten des RKI (27.3.) zufolge beträgt der Anteil der Verstorbenen an den positiv Getesteten 0,6 %. Deren Durchschnittsalter (!) liegt laut Aussage von RKI-Chef Wieler bei 81 Jahren. Daraus lässt sich kaum eine extreme Gefährdung für die gesamte Bevölkerung ableiten – zumal bislang völlig unklar ist, ob für den Tod in der Mehrzahl dieser Fälle tatsächlich das nachgewiesene Virus-DNA-Material ursächlich ist, oder aber andere Vorerkrankungen.“

Dass auf Basis solchen Unwissens – sind bei aktuell 50.000 bestätigten Infektionen jetzt 150.000 oder schon 15 Millionen Menschen in Deutschland infiziert? – keine zuverlässigen Prognosen und entsprechende Maßnahmen getroffen werden können, leuchtet auch Nicht-Mathematikern und Nicht-Virologen unmittelbar ein. So sinnvoll es also im ersten Schritt sein mag, mit Quarantänen und Kontaktsperren die Ausbreitung des Virus zu stoppen, so zwingend muss im zweiten Schritt der Nebel dieses Unwissens mit repräsentativen Stichproben gelichtet werden. Nur so kann die Gefährlichkeit des Virus und die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen überhaupt eingeschätzt werden. Das tägliche Zahlenkonfetti mit Horrormeldungen – am Donnerstag 1000 Corona Tote in Italien! – taugen dazu nur sehr begrenzt und sind reine Angstmache wenn nicht gleichzeitig mitgeteilt wird, dass rein statistisch in Italien jeden Tag 2000 Menschen sterben. Da jetzt jeder als Corona-Toter ausgewiesen wird, bei dem das Virus gefunden wird, sind die Opferzahlen grundsätzlich mit großer Vorsicht zu betrachten. In Italien kommt verschärfend hinzu, dass das Land mit weitem Abstand den europäischen Spitzenplatz bei Todesfällen durch Krankenhauskeime belegt. Dass Corona-positiv getestete Patienten sich während der Klinikbehandlung mit einem multiresistenten Keim infiziert haben und daran verstorben sind (im Schnitt sind es in Italien 10.000 im Jahr), müsste in eine Hochrechnung der italienischen Corona-Opfer ebenso einbezogen werden wie zwei weitere gefährliche „Spitzenplätze“:  die Region Lombardei mit der stärksten Luftverschmutzung in Europa und mit einer sehr hohen Antibiotika-Resistenz. Antibiotika sind in Italien zwar nicht rezeptfrei erhältlich, aber werden sehr großzügig verordnet, bei jeder Kleinigkeit konsumiert und funktionieren dann bei Ansteckung mit einem Krankenhauskeim eben nicht mehr. Alle diese Faktoren müssten berücksichtigt werden, wenn man auf Basis der Entwicklung in Italien brauchbare Prognosen über den Epidemie-Verlauf in anderen Ländern aufstellen will. Das geschieht aber nicht, stattdessen werden von den Medien täglich nur neue Horrorzahlen über Leichenberge geliefert – die nicht wirklich etwas aussagen, weder über die Verbreitung des Virus noch über seine Gefährlichkeit.

Deshalb kann die Forderung an die Regierungen und Krisenstäbe jetzt nur lauten, ihre diktatorischen Maßnahmen im Rahmen des Infektionsschutzes umgehend mit aussagekräftigen Zahlen zu belegen. Es kann und darf nicht sein, dass die schwersten Grundrechtseinschränkungen seit Bestehen der Bundesrepublik weiter auf der Basis von irreführendem Datenmaterial durchgezogen werden. Das gilt im Übrigen auch dann, wenn der Ausnahmezustand noch verschärft werden müsste, weil sich das neue Corona-Virus tatsächlich als so gefährlich herausstellen sollte wie die worst case Szenarien mit vielen Millionen Toten prognostizieren. Und es gilt erst Recht, wenn die mittlerweile zahlreichen Kritiker dieser nicht auf sauberen Daten basierenden Prognosen Recht behalten, die wie der renommierte Mikrobiologe Professor Sucharit Bhakdi in seinem offenen Brief an Kanzlerin Merkel, Aufklärung und Richtigstellung der desolaten Datenbasis fordern. Und es gilt für alle Medien und Journalisten, die gerade in solchen Krisenzeiten gehalten sind, nicht als Propaganda-Soldaten offizielle Verlautbarungen nachzubeten, sondern die Aussagen und Aktionen der Herrschenden kritisch zu hinterfragen.

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Mathias Bröckers veröffentlichte zuletzt „Don’t Kill The Messenger – Freiheit für Julian Assange“ im Westendverlag. Er bloggt auf broeckers.com

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Migren art / Shutterstock 

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