Tagesdosis 31.7.2017 – Mangel im Überfluss

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Extreme Dürre, bewaffnete Kriege: In Teilen Afrikas und Vorderasiens bahnen sich die schlimmsten Hungerkatastrophen seit dem zweiten Weltkrieg an. Die ersten Opfer sind wie immer die Kinder. Von Milch können sie nur träumen.

Die Europäische Union könnte ihnen helfen. Ihre Lagerhäuser sind mit überschüssigen Lebensmitteln prall gefüllt. Aktuell hortet sie zum Beispiel 358.000 Tonnen Magermilchpulver. Das räumte die EU-Kommission jüngst ein. Allein in Wilhelmshaven türmen 5.700 Tonnen des Trockenlebensmittels in einer 10.000 Quadratmeter großen Halle der Tiefkühl-Logistikgruppe Nordfrost.

Hintergrund war der drastische Verfall des Milchpreises. Viele kleine Bauernhöfe überlebten das nicht. Sie gingen reihenweise pleite. In Bayern sollen 1.600 Landwirte die Milchproduktion aufgegeben haben, 400 in Schleswig-Holstein. Helfen wollte ihnen die EU mit bekannten Mitteln: Sie kaufte selbst Tonnenweise Milchpulver selbst an.

Dabei ist die EU am Preisverfall nicht unschuldig. Um den angeblich überregulierten Markt zu liberalisieren, hatte sie die Milchquote aufgehoben. Ganz der er Ideologie »freien Marktes« folgend, erhofften sich viele Bauern davon das große Geld. Sie produzierten Milch im Überfluss. Hinzu kamen die Sanktionen des Westens gegen Russland, die den Export eindämmten. Die Preise purzelten in den Keller.

Die Milchquote hatte durchaus ihren Sinn. Auch in den 1970er Jahren führte auf ein auf der einen Seite subventionierter, ansonsten aber unregulierter Landwirtschaftsmarkt zu enormer Überproduktion von Milch. Die europäischen Staaten reagierten mit Interventionskäufen. Auch damals galt es, den Bauern die Gewinne und damit die Existenz zu sichern. Gigantische Butterberge türmten sich auf. Tonnenweise vergammelte das Lebensmittel in Europas Lagerhäusern. 1984 wollte man dem ein Ende bereiten: Die Quote sollte die Produktion auf einem bestimmten Level halten.

Die jüngste Deregulierung des Marktes hatte ihren Preis. Die EU konnte die Pleite tausender kleiner Bauernhöfe mit ihren Massenankäufen nicht aufhalten. Es profitierten, wie immer, Großkonzerne mit Massentierhaltung, die genug Kapital besitzen, um Preisabstürze zu überstehen.

Schlimmer noch: Das Spiel hat sich ins Gegenteil verkehrt. Weil tausende Zulieferer wegfielen, sank die Milchmenge so drastisch, dass – laut »Financial Times« – »ganz Europa nun ein Buttermangel droht«. So dezimierten die Bauern in der Krise den Bestand an Milchkühen. Die Nachzucht kostet Geld und vor allem Zeit. Das ist der Grund, warum der Butterpreis um mehr als 60 Prozent in die Höhe schnellte. Ein Ende der Teuerung sei nicht abzusehen, so das Blatt.

Nun greift der Verbraucher wieder tiefer ins Portemonnaie. Anhänger der Ideologie des freien Marktes mögen aufatmen: Da siehe, wie dieser sich von selbst regelt. Pustekuchen: Zwar zog mit dem Ladepreis auch der Ankaufspreis für Rohmilch nach. Allerdings in weit geringerem Umfang. Er stieg gerade um 13 Prozent auf 33 Cent pro Kilogramm. Das decke die Kosten von etwa 42 Cent noch immer nicht, mahnt der Dachverband europäischer Milchbauern »European Milk Boards«.

Natürlich handelte auch die EU mit dem massenhaften Pulverkauf nicht uneigennützig. Jetzt, wo die Preise oben sind, will sie das Lebensmittel gewinnbringend verkaufen. Das klappt offenbar nicht: Seit Dezember 2016 hätten gerade 140 Tonnen Pulver den Besitzer gewechselt, räumte die EU-Kommission ein. Wann die Lagerhäuser geleert werden, weiß sie nicht. »Das hängt von den Marktbedingungen ab«, hieß es.

Volle Lagerhäuser auf der einen, Hunger und Elend auf der anderen Seite: Das Spiel ist irre. Aber wir spielen es seit einem halben Jahrtausend. Angeblich regelt die »unsichtbare Hand« des freien Marktes alles. Außer die Versorgung aller Menschen und den Schutz unseres Planeten. Vor dem fortgesetzten Raubbau an unser aller Lebensgrundlage schützt das »Händchen« jedenfalls  kein bisschen.

Im Gegenteil: Umweltzerstörung hin oder her – der Dollar muss rollen. Auch um den Preis, dass Hunderttausende Tonnen Nahrung verrotten, während jeden Tag 10.000 Kinder verhungern – Tendenz wieder steigend.

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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41 Kommentare zu: “Tagesdosis 31.7.2017 – Mangel im Überfluss

  1. Hallo Peter Pan nochmal,

    ich beziehe hiermit Stellung zu möglichen „Fehlverhalten“ von Veganern. Ich möchte vor allem aus meiner persönlichen Sicht erläutern, dass bei mir tatsächlich bezüglich der unermesslichen Qualen, die wir Tieren antun, eine gewisse Traumatisieren stattgefunden haben könnte. Wenn Dich einmal der Blick eines leidenden Tieres (Lebewesens) trifft, dann ist das schwer wieder aus dem Leben zu verbannen. Bei jedem Anblick eines tierischen Produkts siehst du die Augen, bzw. bist bemüht, das alles weit weg zu drängen, weil es anders nicht auszuhalten ist. Gleiches gilt für menschliches Leid. Die Überwindung des Speziesismus, den die meisten vertreten, besagt jedoch auf keinen Fall, dass ein Menschleben weniger Wert ist. Im Zweifelsfall dürfte auch jeder Tierrechtler seiner eigenen Spezies den Vorzug geben, da sie den meisten letztlich doch näher steht. Das gilt vor allem für Fälle in denen entschieden werden muss, ob man den einen oder des anderen rettet. Solche Fälle kommen aber in der Alltagspraxis doch selten vor. Meistens gilt, wer sich für Tierrechte einsetzt, setzt sich ebenso für Menschenrechte ein. Nicht zuletzt deswegen, weil das eine so oft mit dem anderen zusammenhängt. Wie auch im Falle der Milchüberschüsse.
    Ich bin der Ansicht, dass Menschen in ihrem Denken keinen anderen Ausgangspunkt zur Verfügung haben als eben den Mensch. Deshalb fallen Enschätzungen über das Fühlen von anderen Lebewesen „menschlich“ aus. Man weiß jedoch durch zahlreiche Studien, Experimente und andere Forschungen, dass die meisten Tiere über ein Bewusstsein verfügen, dass über das Fühlen hinausgeht. Also das Tier ist sich bewusst, dass es fühlt. (Ich-Bewusstsein, ich hab jetzt doch tatsächlich die wissenschaftliche Bezeichnung vergessen, wird nachgereicht). Die Kontinuität von Bewusstsein kann man in Martin Balluchs gleichnamigen Buch nachlesen.
    Nochmal anders und ganz erstaunlich eindringlich wird diese Tatsache vorhandenen Bewusstseins in „Zoopolis“ beschrieben von Sue Donaldson und Will Kymlicka (der sich auch mit dem Thema Gerechtigkeit bezüglich Menschen uvm. beschäftigt). Hier wird unter anderem auch Stellung genommen zum Abolitionismus vieler Tierrechtler, die tatsächlich ein Verschwinden oder in Ruhe lassen der Tiere, auch der domenstizierten fordern. Die Autoren möchten hier einen Schritt weiter gehen und die Unmöglichkeit dessen zeigen (Domesitizierung hat vielen Tieren ein Leben ohne den Menschen unmöglich gemacht) und versuchen aufzuzeigen, wie ein Zusammenleben mit Tieren auf dem Planeten möglich sein könnte. Natürlich ohne pauschalen Lösungsangebote. Die müssen immer wieder neu diskutiert, probiert und ausgelotet werden. Selbstverständlich jedoch muss keine Kuh an prallen Eutern leiden.
    PS: Das Buch heißt „Zoopolis, eine politische Theorie der Tierrechte“

    • Lieber Angi K! Du beschreibst ja selber, wie es dich mitnimmt, diese Tiere leiden zu sehen. Du erfährst deren Leiden durch Deine eigenen Sinne. Das kenne ich gut. Deshalb habe ich für mein Gewissen über das Leiden dieser Tiere auch nie wissenschaftliche „Beweise“ benötigt. Dass dieses Leiden überhaupt jemals angezweifelt werden konnte, ist schlimm genug. Dass es von der Mehrzahl einfach ignoriert wird, ein kollektives Verbrechen nicht allein gegen diese Tiere, sondern genauso gegen die eigene Art und die gesamte Schöpfung.

    • Lieber Specht,

      meines Wissens nach haben wir das unter anderem Descartes zu verdanken, der seinen Hund lebendig aufgeschnitten hat und sein Heulen als maschinelle Reflexe bezeichnet hat. Auch die bewusste Empfindungsfähigkeit von Säuglingen wurde meines Wissens nach schon negiert und diese demzufolge beispielsweise ohne Betäubung operiert. Für die Behauptung zu Descartes hätte ich Quellen-nachweise, die ich aber erst suchen müsste, für die Behauptung zu den Säuglingen, da bin ich mir nicht sicher, ob ich die nicht nur vom Hörensagen nachplappere …

    • Descartes beschreibt selber in einer seiner Schriften, wie er lebendige Hunde aufschneidet und „untersucht“.
      Mir und vielen anderen ist schon lange klar, dass ein Descartes ein Psychopath gewesen sein muss mit seiner gesamten Sicht auf das Leben. Aber zu glauben, man könne diese ganze Fehlentwicklung der Menschheit nur an dieser einen Person festmachen, finde ich erstaunlich naiv. Die Vivisektion(Lebend schneiden) z.B. kommt schon in Schriften der griechischen Antike als angeblich adäquate „Forschungsmethode“ vor. Wir müssen, um der Sache auf den Grund zu gehen, einen größt möglichen Bogen spannen. Wir müssen uns darüber bewusst werden, dass diese ganze Zivilisation auf Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung aufgebaut ist. Das geht also bis zur letzten Sintflut zurück. Sie können ja sich das Video „Die verfälschte Bibel“ einmal anschauen, das ich auf „100 Gramm Liebe“ gerade erst gestern verlinkt habe.

    • Hallo Specht,
      so naiv bin nicht einmal ich, als dass ich das gesamte Elend der Welt auf Descartes schieben würde!!! Descartes ist für mich allenfalls ein Sinnbild für den Geist einer falsch verstandenen Aufklärung. Einer Wissenschaftsgläubigkeit, die Gefühle und Emotionen, Seele und Geist höchstens noch in messbaren Hormonschwankungen verorten mochte. Glücklicherweise lässt sich auch dort ein Fortschritt verzeichnen. Mittlerweile kann man im Gehirn sehen, dass dort seelischer Schmerz die gleichen Reaktionen auslöst, wie körperlicher Schmerz.

    • Ja, Descartes ist ein anschauliches Beispiel für diese niederträchtige Weise, die ganze Welt, ihre Geschöpfe und das Leben zu definieren. Leider funktioniert aber unsere maßgebliche „Wissenschaft“ immer noch und durch den Profitgedanken mehr denn je nach diesem niederträchtigen Prinzip. Das mag vielleicht für manche zu „düster“ klingen, aber wenn wir uns immer nur weiter etwas über diese verkehrt aufgebaute Zivilisation vormachen, können diese zerstörerischen Kräfte auch immer nur weiter greifen und zerstören.

  2. Verachtung

    In den Kreisen der Besitzenden und Wohlhabenden hat man gewöhlich nichts übrig für notleidende Menschen, denn dort herrscht weitgehend der Konsens: Jeder sei seines eigenen Glückes Schmied. Demzufolge sind die Hungernden und Notleidenden dieser Welt selbst für ihr Elend verantwortlich und haben es daher nicht anders verdient.

    Diejenigen, die anscheinend zu blöd, zu faul, zu was-auch-immer sind, um ausreichend für sich selbst sorgen zu können, fallen der Verachtung all jener anheim, die sich selbstzufrieden in ihrem Wohlstand und in der daraus entstehenden Machtfülle zu sonnen pflegen. Doch wie entsteht diese Verachtung überhaupt? Ist sie bereits im Neugeborenen angelegt, wie vielfach behauptet wird, ohne daß bislang auch nur der geringste Beweis dafür angeführt werden konnte? Alice Miller hat uns in ihrem Buch Das Drama des begabten Kindes ein sehr anschauliches Beispiel hinterlassen, das den »Mechanismus« der Entwicklung von Verachtung deutlich macht:

    Auf einem Spaziergang ging vor mir ein junges Ehepaar, beide groß gewachsen, neben ihnen lief ein kleiner, ca. zweijähriger Junge und quengelte. (Wir sind gewohnt, solche Situationen vom Erwachsenen aus zu sehen, und ich möchte hier absichtlich versuchen, sie vom kindlichen Erlebnis her zu schildern.) Die beiden hatten sich soeben am Kiosk ein Eis am Stiel gekauft und schleckten genüßlich daran. Der Kleine wollte auch einen solchen Stiel haben. Die Mutter sagte liebevoll: »Komm, du darfst von meinem einmal abbeißen, das Ganze ist zu kalt für dich.« Das Kind wollte nicht abbeißen, es streckte die Hand nach dem Stiel aus, den die Mutter ihm entzog. Es weinte verzweifelt, und nun wiederholte sich ganz die gleiche Situation mit dem Vater: »Da, Mäuschen«, sagte der Vater liebevoll, »du darfst bei mir abbeißen.« »Nein, nein«, rief das Kind, fing wieder an zu laufen, wollte sich ablenken, kam aber immer wieder zurück und schaute neidisch und traurig hoch hinauf, wo die beiden Großen zufrieden und solidarisch ihr Eis genossen. Immer wieder bot ihm eines der Eltern einen Biß an, immer wieder streckte das Kind sein Händchen nach dem Stiel aus, und dann zog sich die erwachsene Hand mit dem Reichtum zurück. Und je mehr das Kind weinte, um so mehr amüsierten sich die Eltern. Sie mußten sehr lachen und hofften, mit diesem Lachen auch das Kind erheitern zu können: »Guck mal, es ist doch gar nicht so wichtig, was machst du da für ein Theater.« Einmal setzte sich das Kind auf den Boden, mit dem Rücken zu den Eltern und fing an, kleine Kieselsteine hinter sich in Richtung auf die Mutter zu werfen, aber stand dann plötzlich auf und schaute beunruhigt, ob die Eltern noch da waren. Als der Vater an seinem Stiel alles gründlich abgeschleckt hatte, gab er ihn dem Kind und ging weiter. Der Junge versuchte erwartungsvoll, an dem Stück Holz zu schlecken, schaute es an, warf es weg, wollte es wieder aufheben, tat es nicht, und ein tiefes, einsames Aufschluchzen voll Enttäuschung erschütterte sein Körperchen. Dann trottete er brav hinter seinen Eltern her. Es schien mir klar zu sein, daß der kleine Junge nicht in seinem »oralen Triebwunsch« frustriert wurde, denn er hätte ja mehrmals abbeißen können, aber er wurde dauernd gekränkt und frustriert in seinen narzißtischen Bedürfnissen. Es wurde nicht verstanden, daß er den Stiel wie die anderen in der Hand haben wollte, ja noch mehr – es wurde darüber gelacht, man hat sich über sein Bedürfnis lustig gemacht. Er stand zwei Riesen gegenüber, die sich, stolz auf ihre Konsequenz, gegenseitig noch unterstützten, während er mit seinem Schmerz ganz allein war, außer »Nein« offenbar noch nichts sagen konnte und sich mit seinen Gesten (die sehr ausdrucksstark waren) bei diesen Eltern nicht verständlich machen konnte. Er hatte keinen Anwalt. … Die Verachtung für diesen Kleineren, Schwächeren ist so der beste Schutz gegen den Durchbruch der eigenen Gefühle der Ohnmacht, sie ist Ausdruck der abgespaltenen Schwäche. Der Starke, der um seine Ohnmacht weiß, weil er sie erlebt hat, braucht nicht mit Verachtung Stärke zu demonstrieren.

    irwish.de/pdf/Miller-Drama_des_begabten_Kindes.pdf Kapitel 3: Über die Verachtung

    Wie zahlreiche weitere Autoren – z.B. Gruen, Fromm, Maaz, Hüther, Drewermann – in ihren Büchern sehr ausführlich darstellen, besteht Schwarze Pädagogik nicht nur in dem einfachen »Trick«, Kinder bei unerwünschten Verhaltensweisen körperlich zu züchtigen, also mit Strafe und Belohnung rein physisch zu »arbeiten«. Weitaus subtilere Methoden, die ebenfalls die Zuckerbrot-und-Peitsche-Methodik anwenden, sind heute sehr viel weiter verbreitet, als die Prügelstrafe oder die Bestrafung durch Entzug von Spielzeug oder Hausarrest oder die Belohnung mit einem Eis oder einem Geschenk. Die Hauptarbeit der Sozialisierung – der zwangsweisen Anpassung an die jeweiligen gesellschaftlichen Strukturen und Normen – erledigt die Abweisung natürlicher Regungen, wenn sie nicht ins Bild der Eltern passen oder aber bei den Eltern längst verdrängte Gefühle und abgespaltene Selbstanteile anregen.

    Konkret beginnen Eltern schon bald nach der Geburt, ihre Neugeborenen an die Erfordernisse der jeweiligen Gesellschaft anzupassen. Eltern sind in der Regel ebenfalls bereits mehr oder weniger an die Gesellschaft angepaßt. Die Anpassung geschieht in der Hauptsache durch Nichtanerkennung von Teilen des sich gerade zu entwickeln beginnenden Selbst. Die unweigerliche Folge besteht darin, daß das Kind kein nachhaltiges Vertrauen in seine eigene Wahrnehmung entwickeln kann und somit später auch nicht über ein eigenständiges Urteilsvermögen verfügt. Daher bleiben die meisten Menschen heute wie auch in der Vergangenheit in ihrer Wahrnehmung und Beurteilung der Welt um sie herum lebenslang auf die Bestätigung von gesellschaftlich anerkannten »Autoritäten« und »Experten« angewiesen.

    Kurz: Der Schwerpunkt der bereits früh begonnenen gesellschaftlichen Anpassung liegt in der Gehorsamserziehung: Ungehorsam oder auch nur ein Abweichen von dem Bild, das sich die Eltern von sich selbst machen, wird mit Aufmerksamkeits-, Anerkennungs- und Liebesentzug bestraft. Gerade die Abwendung vom Kleinstkind versetzt dieses in Todesangst, und es sucht die Schuld immer sofort bei sich selbst: Was habe ich getan, daß Mama nicht kommt, wenn ich schreie oder weine? Das Kind sucht fortan alles zu vermeiden und zu unterdrücken, was die Gefahr einer Wiederholung dieser Todesangst heraufbeschwören könnte und verhindert damit die Entwicklung einer natürlichen Beziehung zu allen seinen Selbstanteilen, zur eigenen Wahrnehmung und zu eigenen Empfindungen. Das Resultat ist ein emotional reduzierter Mensch, wie sie uns in der großen Mehrheit aller Menschen täglich begegnen. So lange sich daran wesentlich nichts ändert, so lange sich kein breites Bewußtsein für diese Zusammenhänge bildet, wird sich an der grundsätzlichen Struktur der heutigen Industriegesellschaften nicht wirklich etwas ändern lassen, denn die jeweiligen Gesellschaften sind immer auch Ausdruck der Charakterstruktur der in ihr lebenden Menschen.

    Durch die vielfach erzwungenen, dem eigenen Selbst und der eigenen Wahrnehmung widersprechenden Äußerungen gegenüber den Eltern entwickeln wir die Fähigkeit zur Pose: Wir lernen, daß wir von den Eltern Wohlwollen ernten, daß wir von ihnen bekommen, was wir im Augenblick von ihnen verlangen, wenn wir uns ihnen so zeigen, wie sie uns haben wollen. Manche Menschen geben dabei schon früh ihr eigentliches Selbst auf und glauben forthin, sie seien das, was sie mit ihren einst unfreiwillig erlernten Posen darstellen müssen. Andere bewahren sich den einen oder anderen Zugang zu ihrem eigentlichen Selbst, zu ihren eigenen Gefühlen, mehr oder weniger, zerbrechen dann später aber oft an der daraus resultierenden Zwiespältigkeit, ständig bewußt anderen etwas vormachen zu müssen, um nicht anzuecken, nicht aufzufallen und sich nicht verdächtig zu machen. Vielen widerfährt es auch, daß ihr Körper eines Tages nicht mehr mitspielt, weil sie sich im Streben, den gesellschaftlichen Erfordernissen zu genügen, vollständig verausgabt haben. Als Stichwort sei hier das weithin bekannte Burnout-Syndrom genannt: https://www.palverlag.de/arbeitssucht-test.html

    All die Erkenntnisse, die ich aus den bereits genannten Büchern wie auch zahllosen weiteren gewonnen habe, ließen mich zu folgender Schlußfolgerung kommen:

    Die allen »verachtenswerten« und abzuschaffenden Erscheinungen wie Kapitalismus, Neoliberalismus, struktureller gesellschaftlicher Gewalt usw. zugrundeliegende Ursache ist in der vorherrschenden menschlichen Charakterstruktur zu suchen und zu finden. Was nützt es uns am Ende, was hilft es jedem Einzelnen, wenn wir all diese Symptome bekämpfen und sie vielleicht auch für eine Weile eindämmen können, wenn diese Symptome an anderer Stelle und in anderer Form wieder sichtbar werden oder bereits erreichte Fortschritte, wie sie mit der heute schon fast vollkommen zerstörten Sozialen Marktwirtschaft verbunden waren, in wenigen Jahren ausgelöscht werden?

    Die Wut, die Empörung, die z.B. Herr Drewermann bereits zu Beginn seines Vortrags in der Berliner Urania am 11. April 2016 hielt, kann ich deshalb nicht nur kognitiv gut nachvollziehen, nein, diese Worte rufen bei mir jedesmal, wenn ich ihnen lausche, »empathische Gänsehaut« hervor. Eugen Drewermann spricht mir aus der Seele:

    Sie werden heute Abend sich ins Bett legen mit den Bilden der Tagesschau: Menschen an der Grenze von Idomeni. (1) Sie selber haben gerade warm geduscht, legen sich in ein warmes Bett, weich und geborgen. Aber da draußen sind Menschen, Frauen und Kinder seit Wochen, ohne Wasser, ohne Wärme, ohne Nahrung, mitten im Schlamm! Und wir erklären gerade, wir schaffen das, wir haben eine Kultur des Willkommens, und tun nichts weiter als sie abzugrenzen, auszugrenzen, abzuschieben. Ein Wort des Unmenschen, geboren im Reichstag.
    https://kenfm.de/eugen-drewermann-urania-04-2016/

    (1) Flüchtlingslager Idomeni: Im August 2015 campierten zeitweise 5000 oder 6000 Menschen bei Idomeni. Das Auffanglager direkt am Grenzübergang ist für 1500 Menschen ausgelegt. https://de.wikipedia.org/wiki/Idomeni

    • Ich kann Deinen Ausführungen nur zustimmen. Aus meiner Sicht ist das die Wurzel des Übels. Der Großteil der Menschheit sieht das jedoch bestimmt anders. Vor allem wenn es in Richtung Kinder“erziehung“ geht. Ich habe „Das Drama des begabten Kindes“ aus anderen Gründen schon lang vor der Schwangerschaft und der Geburt meiner Tochter gelesen. Ich habe versucht, die Botschaft des Buches umzusetzen. Ganz gelingen konnte und kann das nicht, zumindest nicht vollständig. Jetzt ist sie 20 und findet sich kaum zurecht in der Gesellschaft. Leidet manchmal so stark, dass sie glaubt in eine psychiatrische Klinik gehen zu müssen. Entweder man macht die Kinder fit und für das System tauglich oder man hat das Glück und findet seine „ökologische Nische“ oder eben nicht.
      Ich frage mich sehr oft, weshalb die grundlegende Eigenschaft des Menschen, die Empathie, zu gering geschätzt wird. Wahrscheinlich, weil es oft so schmerzhaft ist, empathisch zu sein.

    • Liebe Angi K: Da hast Du einen Nagel auf den Kopf getroffen: Viele Menschen verdrängen das Mit-Leiden, weil zu befürchten steht, dass dann der Schmerz unerträglich wird. Das geht sogar so weit, dass sie nicht nur nicht mehr mit-fühlen, sondern auch nicht mehr mit-denken wollen. Das eine zieht das andere nach sich. Mir sagte einmal tatsächlich ein Freund: „Wenn ich anfange, nachzudenken, werde ich nur traurig“.
      Das zeigt deutlich, dass diese Art Zivilisation einen Zustand hervorgebracht hat, der eigentlich gar nicht mehr erlebt werden kann bzw. will.
      Das wissen wir jetzt also, wir, die wir uns informiert und nachgedacht haben. Beschreibungen des Ist-Zustandes gibt es für uns zuhauf. Die Frage ist nun, wo ist der Hebel anzusetzen, wo ganz praktisch der erste, wichtigste Schritt zu tun ist für alle, diesen Zustand zu beenden? Von den Herrschenden kann man ihn ja nicht erhoffen.

    • Angi K, ich danke Ihnen für Ihre Zustimmung. Bezüglich Ihrer Tochter, die, wie Sie es darstellen, durch die Anwendung der Erziehungshinweise Alice Millers nun mit dem Leben nicht zurechtkommt, stellt sich mir die eine oder andere Frage:

      Kam Ihre Tochter auch in der Schule bereits nicht zurecht?

      Finden Sie selbst sich denn in der Gesellschaft zurecht?

      Sie haben also versucht, Ihre Tochter nach den Hinweisen aus diesem Buch großzuziehen, was Ihnen, wie Sie sagen, nicht gelungen ist. Haben Sie denn auch versucht, sich selber nach den Regeln dieses Buchs zu erziehen, so zusagen im Sinne einer ernsthaften Nachreifung in all den bereichen, wo Sie erkannt haben, daß Sie nicht den Vorstellungen entsprechen, die Alice Miller zum Ausdruck bringt?

      Liegt es nicht nahe, daß die heutigen Schwierigkeiten Ihrer Tochter in engem Zusammenhang mit Ihrer Mutter stehen könnten?

      Angi K, ich bin weder Psychologe noch Psychotherapeut und kann Ihnen in der Tat nicht dabei behilflich sein, dieses Problem zu lösen. Ob eine psychiatrische Klinik hier wirkliche Hilfe zu bieten in der Lage ist, kann ich ebenfalls nicht beurteilen, denn das kommt ganz darauf an, welche Methoden dort zum Einsatz kommen. Mit Sicherheit könnte ein Psychotherapeut sich in die Situation soweit einfühlen, daß er Ihrer Tochter bzw. Ihnen helfen kann.

    • Angi K: Ich selbst habe als junger Mensch auch einmal eine zeitlang geglaubt, psychiatrische Hilfe zu benötigen und zwar zu dem Zeitpunkt, als ich mich intensiv damit auseinander setzte, wie diese Art Menschengesellschaft mit ihren Mit-Lebewesen umgeht. Als Stadtkind habe ich sowieso erst sehr spät erfahren bzw. mir klar machen können, wie die Wurst und der Käse auf meinem Brot produziert werden und ich habe auch nicht gewusst, was hinter geschlossenen Labortüren so alles mit den Tieren, der dort so genannten „schmerzfähigen Materie“ gemacht wird. Die Informationen darüber, die ich mir als Tierschutzaktivist naiv und ungeschützt zuführte, haben mich damals fast in den Wahnsinn getrieben. Heute muss ich über meine damalige Naivität lächeln, geglaubt zu haben, mir könne irgend ein Seelendoktor dabei helfen, mit der Realität dieser Gesellschaft fertig zu werden. Ich wusste zwar damals schon, dass man gute Psychiater mit der Lupe suchen muss und dass Psychiatrische Kliniken in der Regel zu meiden sind wie die Pest, aber ich wusste damals noch nicht, dass viel weniger ich selbst seelisch gefährdet war und geistig behindert, sondern viel mehr diese ganze Menschen- Gesellschaft.
      Das hat uns allen ja u.a. Arno Grün so schön deutlich offenbart, den sie vermutlich auch gelesen haben.
      Ich denke also, dass ihre Tochter jetzt oft unter großem Seelenschmerz leidet, ist eher eine ganz natürliche Reaktion eines jungen Menschen auf diese Art Umwelt, der noch nicht gelernt hat, seine Gefühle zu verdrängen bzw. damit bewusst umzugehen- sich selbst, wo nötig, zu schützen und mit seinem individuellen Handeln richtig zu kanalisieren.

    • Hallo Peter Pan, Hallo Specht.

      Danke für die Kommentare. Ja meine Tochter hatte seit der 1. Note in der 2. Klasse Probleme in der Schule, auch abseits der Zensuren. 2. Ich selbst habe mich in gewisser Weise, jedoch bestimmt nicht ausreichend, alleine und mit Hilfe, „nachtherapiert“. 3. Ich habe schon meine 2. ökologische Nische in der Gesellschaft gefunden und komme zurecht, ob das jetzt als positiv zu bewerten ist (weil es heißt ja nicht, dass ich alles für gut befinde dort, im Gegenteil) und ich werde auch irgendwann noch meine 3. Nische finden 🙂
      Selbstverständlich spiegelt mich meine Tochter. Und sie hat natürlich auch väterliche Anteile, wenn auch hauptsächlich über die Gene …
      Es heißt also weiterhin, „liebevoll“ an mir arbeiten, bzw. herausfinden, wie das geht.

  3. Und wie üblich, schreiben die Sektenmitglieder des Veganismus mal wieder am Thema vorbei und (zer)stören damit das Anliegen der Autorin.

    Holzhammermethodik:
    Pflanzliche Nahrungsmittel sind gesund, also das Gute (TM), tierische Nahrungsmittel machen krank, daher das Böse (TM).

    Veganer verkaufen hier Gewißheiten, über die sie nichts wissen können. Sie behaupten an vielen Stellen, wie offen sie seien, dabei belügen sie sich nur selbst, denn Gewißheit steht im direkten Widerspruch zur Offenheit. Alles was ihrer behaupteten Gewißheit widerspricht, müssen sie in ihrer Erinnerung an das Wahrgenommene ignorieren, ansonsten bricht ihre Ideologie ja sofort zusammen.
    Sie versuchen die Menschen über die Emotionen Angst, Schuld, Trauer, Ekel & Scham zu manipulieren und zu spalten.

    Da ist er mal wieder, der Herrschergeist, denn sie selbst wollen unbedingt unschuldig sein. Lustigerweise verstecken sie in ihrer verlogenen Moral die Tatsache ihres Herrschaftsanspruches, denn sie werten Menschen höher als Tiere und Tiere höher als Pflanzen.

    Liebe Sektierer, ihr habt Mitleid mit Tieren? Warum habt ihr kein Mitleid mit Pflanzen?
    Erhalten Pflanzen zuviel Wasser, verfaulen sie, erhalten sie zu wenig Wasser, verdorren sie, zumindest üblicherweise.

    Mitgefühl ist nur _ohne_ Wertung, ohne Moral möglich. Moral hält Verständigung für überflüssig, sie ist ja bereits überlegen. Daher entsteht bei missionierenden Moralaposteln auch kein Verständnis, keine Verständigung und kein Verstehen. Mündige Menschen, die ihren Verstand ohne Anleitung verwenden können, sind in allen Sekten unerwünscht.

    Ein Mensch, der offen bleiben will, der kann behauptete Gewißheiten des Idealismus nur ablehnen, egal von wem diese kommen.

    • Die unsichtbare Hand ist die Annahme der Marktschreier, daß Gott die Seinen schon erkennen wird…

    • Und mal wieder schreibt der Herr FMA über Moral, obwohl er garnicht weiß, was das ist. Jeder einzelne Satz seines Kommentars ist völlig falsch.

    • Da beschreibt mal jemand in einem Artikel am Beispiel Milchganz sachlich und wahr, wohin der Wahnsinn führt. Bei den Konzernen der Wahnsinn der Profitmaximierung, bei den Bauern und Konsumenten der Wahnsinn des Geizes und der Habgier, und bei den Politiker der Ehrgeiz und ddie Not immer genug Geld haben tzu müssen um wiedergewählt zu werden…

      Und dann liest man hier solche absurden Konnmentare…?
      Naja, es erklärt natürlich warum es in DE so aussieht wie es aussieht.

    • Lieber Torsten! Wir haben uns den Film angesehen. Sehr gut gemacht, finde ich. Aber bei den Szenen aus der Hölle, muss ich, wie immer, wegschauen, sonst drehe ich durch(siehe auch mein Kommentar zu Angi K weiter oben). Unglaublich, was Menschen sich so alles einfallen lassen, um immer noch mehr Profit zu machen mit immer noch mehr Leid und Qual und unverständlich, warum immer noch so viele willig dabei mitmachen! Ich bin jedem Mitmenschen unendlich dankbar, der sich so engagiert wie dieser Filmer.
      Die Menschen leben in ihrer selbst hergestellten Hölle und wollen es immer noch nicht wahrhaben! Das ist unbegreiflich wahnsinnig!

    • Franz Maria Arwee meinte: Mitgefühl ist nur _ohne_ Wertung, ohne Moral möglich.

      Das kann ich unterschreiben. Moral besteht ja im wesentlichen aus Ge- und Verboten, die ein moralisches Wertesystem bilden. Solche Wertesysteme gleichen im weitesten Sinne Gesetzen, wie z.B. die zehn Gebote. Sie bestehen aus Worten und Sätzen, die der Mensch mit seiner Denkfähigkeit (Vernunft) zu interpretieren weiß: Du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen usw. wird überall auf der Welt verstanden, aber nicht zwangsläufig auch befolgt. Wer sich dagegen zu einem weitgehend autonomen Menschen entwickeln durfte und sein Selbst nicht aufgeben mußte, der benötigt im Grunde keine Gebote von außen, der fühlt von selbst, wo er Unrecht begeht und wo nicht.

      Franz Maria Arwee meinte: Moral hält Verständigung für überflüssig, sie ist ja bereits überlegen.

      Das trifft wohl auch zu, denn das rein kognitive Moralverständnis ist nicht zwangsläufig auf assoziierte Gefühlslagen angewiesen. So lassen sich z.B. bestimmte Menschen, in denen regelmäßig gewalttätige Bedürfnisse emporsteigen, von den zu erwartenden Strafen für Körperverletzung davon abhalten. Die meisten Menschen, die ich kenne, neigen jedoch erst gar nicht zu Gewaltausbrüchen und würden daher auch kein entsprechendes Gesetz benötigen, um nicht gewalttätig zu werden. Mit anderen Worten: man kann sich nach außen moralisch (oder politisch) korrekt verhalten und innendrin dennoch ein Schweinehund sein. Oder man verstößt immer nur dann gegen die herrschende Moral, wenn’s keiner sieht und das jeweilige Opfer mit Sicherheit nichts weitersagen wird. In dieser Hinsicht gibt es eigentlich nichts, was es nicht gibt …

    • Michel Eyquem zeigt begründete Empörung:

      Da beschreibt mal jemand in einem Artikel am Beispiel Milch ganz sachlich und wahr, wohin der Wahnsinn führt. Bei den Konzernen der Wahnsinn der Profitmaximierung, bei den Bauern und Konsumenten der Wahnsinn des Geizes und der Habgier, und bei den Politiker der Ehrgeiz und ddie Not immer genug Geld haben zu müssen, um wiedergewählt zu werden …

      Richtig, der Artikel ist zutreffend und sachlich formuliert. Für weitere Ergänzungen und Hinweise ist das Publikum zuständig.

      Und dann liest man hier solche absurden Konnmentare…? Naja, es erklärt natürlich warum es in DE so aussieht wie es aussieht.

      „Absurd“ stellt in diesem Zusammenhang reinsten Euphemismus dar. Einmal gewählte Feindseligkeiten lassen sich wohl nicht beilegen. Versuche, hiesigen Feindbildgeneratoren eine Brücke zum gemeinsamen Verständnis zu bauen, werden ausgeschlagen. Ob man das auf deutschen Wohnstuben extrapolieren kann, weiß ich nicht. Umfragen werden stets äußerst selektiv konzipiert, weil die Auftraggeber ganz bestimmte Ergebnisse erwarten. Vergleiche ich die hiesigen Kontrahenten – so muß man viele hier tatsächlich sehen – mit meinen realen Kreisen mit eigentlich eher „normalen“ Leuten, stellen hier die „Absurden“ weitgehend die Mehrheit. Daher glaube ich nicht, daß die hiesige Verteilung dem Bundesdurchschnitt entspricht.

      Man kann die Menschen nicht dafür verurteilen, daß Sie Angst haben.

    • Peter Pan, was zum nachdneken für Sie:

      Es ist kein Problem wenn man Angst.
      Ein Problem ist es wenn die Angst dich hat!

      SIe verstehen den Unterschied?

    • Mut besteht darin, seiner Angst zu trotzen und das, wovon einen die Angst abzuhalten versucht, trotzdem zu tun. Und siehe da: Die Angst zieht sich zurück und verpufft in einem unsichbaren Wölkchen.

      Für mich gibt es drei Kategorien von Angst:

      1. Die früh erzeugten Urängste, die unsere abgespaltenen Selbstanteile in Schach halten: Immer wenn wir mit diesen unbewußten Bereichen unseres Selbst in Kontakt kommen, löst das die bei der einstigen Abspaltung empfundene Todesangst aus.

      2. Die aus diesen Urängsten enstandenen kognitiven Ängste: Bilder, die wir durch unser Denken und Analysieren in unserem Kopf entstehen lassen, können Ängste hervorrufen, z.B. bei der Vorstellung, eine Spinne krabble einem in den Mund oder man würde mitten in der City plötzlich nackt dastehen, aber auch beim Vorstellen peinlicher und schambehafteter Situationen und bei vielem mehr.

      3. Konkrete Furcht bei konkreten Gefahren: Die Furcht, in die Tiefe zu stürzen, wenn man sich z.B. auf dem Dach eines Hochhauses befindet und hinunterschaut, empfindet man unmittelbar. Jeder kennt das. Im Gegensatz zu den Ängsten wird Furcht nicht kognitiv vermittelt. Ein zähnefletschender Hund ohne Leine mit Herrchen dran ist genauso furchteinflößend wie die besoffenen oder randalierenden Jugendlichen, die sich gerade daranmachen, einen Passanten totzuprügeln.

      Der Furcht sollte man daher nicht so bereitwillig zu trotzen versuchen, wie den aus dem eigenen Inneren stammenden Ängsten. Ausnahmen bestätigen die Regel.

  4. Führt man sich das mit der Herstellung dieser gewaltigen Milchmengen verbundene Tierleid vor Augen, könnte man glatt durchdrehen. Leider erwähnt Frau Bonath, deren Analysen ich davon abgesehen schätze, dieses Tierleid fast nicht (einmal fällt das Wort „Massentierhaltung“). Das selbe gilt auch für Ken Jebsen und Daniele Ganser. Alle drei sind im geistigen Gefängnis des Anthropozentrismus gefangen und können oder wollen es nicht verlassen. Das ist ihr großer Schwachpunkt, denn Gerechtigkeit kann nicht geben, wenn die Tiere davon ausgeklammert werden. Was Menschen Tieren antun, kommt auf die gesamte Menschheit zurück, das wußte schon Pythagoras vor 2.500 Jahren.

    • Ja, lieber Torsten. Man muss sich da immer wieder fragen, wo diese mutigen, sonst so um Realismus, Gerechtigkeit und Innovation bemühten, politisch und historisch informierten Menschen alle in diesem Punkt ihren kritischen Verstand und ihr logisches Denken gelassen haben. Niemand von ihnen scheint zu bemerken, wie dieses Thema immer noch tunlichst und konsequent ausgespart wird und wie immer NOCH irrsinnigere Ausreden erfunden werden, um diese Wirklichkeit zuzudecken. Und zwar in allen Bereichen.
      Dass das Gewaltsystem mit der ihm innewohnenden Ungerechtigkeit und den zwangsläufig immer wiederkehrenden Kriegen so niemals abgeschafft werden kann, wollen sie unter allen Umständen immer noch nicht sehen, geschweige denn zugeben. Was steckt eigentlich von Grund auf dahinter? Das frage ich mich immer wieder.

    • Genau! Was steckt eigentlich von Grund auf dahinter? Das frage ich mich immer wieder.

    • Aus meiner Sicht stellt es keine anthropozentristische Haltung dar, wenn man nicht in jedem Artikel und in jeder Publikation Ihr Lieblingsthema erwähnt. Der Anthropozentrismusbegriff ist zudem ein mindestens zweideutiger Begriff. Einmal bezeichnet er den erkenntnistheoretischen Fakt, daß Ethik- und Moralsysteme menschengemacht sind, auch wenn viele, z.B. Religiöse, das leugnen: Bibel und die Zehn Gebote stammen demzufolge direkt von ihrem Jehova, dem zornigen Berggott der Israeliten. Zum anderen gibt es den moralischen Anthropozentrismus, der z.B. Umwelt- oder Tierschutz als Normen versteht, die für den Menschen sinnvoll sind. Siehe auch Wikipedia.

      Bei einer anthropozentrischen Weltanschauung sieht der Mensch sich selbst als das Zentrum der geistigen Welt an. Wie dieser Begriff mit Ihren Ausführungen in Zusammenhang stehen soll, wissen vermutlich nur Sie selbst.

      Die Entwicklung zu dieser Sicht ist aus der Bewußtseinslage des Menschen leicht zu verstehen: Jedes Individuum fühlt sich zwangsläufig als Zentrum der Welt, weil alles außerhalb seiner Existenz um ihn herum ist. Daraus folgt auch die „Vermenschlichung“ zahlreicher Phänomene, die seine Sinne ihm mitteilen.

      Was Sie Ganser, Jebsen und Bonath eigentlich vorzuwerfen haben, ist genau dasselbe, was Ihr Kumpel Specht ständig allen zum Vorwurf macht: Daß sie nicht in jeder ihrer Aussagen auf Massentierhaltung hinweisen und daß sie nicht ständig, wie Sie und Ihre Clique hier das tagtäglich tun, oft genug schäumend vor Wut, den Fleischverzicht predigen.

  5. Auf die Gefahr hin als Zyniker dazustehen trotzdem folgendes: Wenn jeder Hungernde, den man durchfüttert, 5-10 Kinder in die Welt setzt, die dann wieder hungern, dann vermehrt man die Zahl der Hungernden, statt sie zu verringern. Jedes Land benötigt zunächst eine souveräne, nicht korrupte Regierung, die die Interessen der Bevölkerung vertritt. Diese muss dann für eine vernünftige Bevölkerungspolitik sorgen und natürlich dafür, dass das Land genug Nahrung für den Eigenbedarf anbaut und dafür weniger Cash-Crops, an denen letzlich nur die Großkonzerne wirklich verdienen. Das kann aber nur funktionieren, wenn man zuvor die Macht besagter Großkonzerne einschränkt.

  6. Milch und Butter gegen Hunger? Wenn wir endlich all die Agrarflächen der armen Länder, die heute zum Anbau von transgenen Pflanzen für Tierfiutter verwendet werden, zum Anbau gesunder pflanzlicher Nahrungsmittel direkt für Menschen verwenden würden- besser noch für Perma- Gartenkulturen, dann bräuchte niemand auf der Welt hungern und in den reichen Ländern gäbe es die ernährungsbedingten Krankheiten nicht mehr. Mit Milchprodukten macht man die armen Menschen auch nur krank. Und nicht nur dies – die riesigen Flächen, die für den Gen-Pflanzen- Anbau verwendet werden, verwüsten und vergiften in kurzer Zeit die Erde und machen sie für unabsehbar lange Zeit unfruchtbar. Dabei werden auch alle Kleintiere und nützliche Insekten vernichtet. Aber das ist ja schon altbekannt.
    Kann man alles u.a. auch in dem Buch: „Food Revolution“ von John Robbins von 2001 nachlesen.

    • Und wie üblich, schreiben die Sektenmitglieder des Veganismus mal wieder am Thema vorbei und (zer)stören damit das Anliegen der Autorin.

      Holzhammermethodik:
      Pflanzliche Nahrungsmittel sind gesund, also das Gute (TM), tierische Nahrungsmittel machen krank, daher das Böse (TM).

      Veganer verkaufen hier Gewißheiten, über die sie nichts wissen können. Sie behaupten an vielen Stellen, wie offen sie seien, dabei belügen sie sich nur selbst, denn Gewißheit steht im direkten Widerspruch zur Offenheit. Alles was ihrer behaupteten Gewißheit widerspricht, müssen sie in ihrer Erinnerung an das Wahrgenommene ignorieren, ansonsten bricht ihre Ideologie ja sofort zusammen.
      Sie versuchen die Menschen über die Emotionen Angst, Schuld, Trauer, Ekel & Scham zu manipulieren und zu spalten.

      Da ist er mal wieder, der Herrschergeist, denn sie selbst wollen unbedingt unschuldig sein. Lustigerweise verstecken sie in ihrer verlogenen Moral die Tatsache ihres Herrschaftsanspruches, denn sie werten Menschen höher als Tiere und Tiere höher als Pflanzen.

      Liebe Sektierer, ihr habt Mitleid mit Tieren? Warum habt ihr kein Mitleid mit Pflanzen?
      Erhalten Pflanzen zuviel Wasser, verfaulen sie, erhalten sie zu wenig Wasser, verdorren sie, zumindest üblicherweise.

      Mitgefühl ist nur _ohne_ Wertung, ohne Moral möglich. Moral hält Verständigung für überflüssig, sie ist ja bereits überlegen. Daher entsteht bei missionierenden Moralaposteln auch kein Verständnis, keine Verständigung und kein Verstehen. Mündige Menschen, die ihren Verstand ohne Anleitung verwenden können, sind in allen Sekten unerwünscht.

      Ein Mensch, der offen bleiben will, der kann behauptete Gewißheiten des Idealismus nur ablehnen, egal von wem diese kommen.

    • Hier wird gesagt, Veganer verkauften Gewissheiten, über die sie nichts wissen können. Da muss ich lachen. Wer sollte denn mehr Wissen über Tierleid- freie Ernährung haben, als die Veganer? Nicht nur, dass Tierevertilger in Bezug auf deren Leiden unter einer selbst auferlegten Zangsverdrängung leiden, sie KÖNNEN ja doch real gar nicht wissen, wie das Leben ohne Qualfrass sich anfühlt.

    • Der Starke, der um seine Ohnmacht weiß, weil er sie erlebt hat, braucht nicht mit Verachtung Stärke zu demonstrieren.

    • Ja was machen wir dann eigentlich mit den ganzen Milchkühen, wenn ab morgen keine Tierprodukte mehr verwendet werden dürften? »Na freilassen«, weiß der Vegetarier sofort Rat, »das ist doch keine Frage.« In den nächsten können wir dann zuschauen, wie all diese Milchkühe elendig zugrunde gehen, weil keiner sie melken darf. »Na dann müßt ihr sie eben jeden Tag melken, und die Milch schüttet ihr einfach weg, dann muß sie keiner mehr trinken und dadurch aggressiv werden.« Wir können auch weiterhin beobachten, wie noch immer die Menschen in den Hungerländern der Welt zugrundegehen, aber das ist nicht das Problem der Tierschützer. Jetzt finden sich aber gar nicht genug Milchmelker, um den Kühen die Qual der kurz vor dem Platzen stehenden Euter zu ersparen. Dann wissen die Tierschützer mit Sicherheit auch wieder einen guten Rat, denen wird schon was einfallen. Tierquälerei dürfen sie auf keinen Fall zulassen. Millionen vor Schmerzen muhender Kühe, die überall frei herumlaufen. Was wird wohl passieren?

      Anderes Szenario: Wir müssen also den ganzen Reichen und Profiteuren ihre Agrarflächen in den Dritte-Welt-Ländern, deren Produkte sie in den Westen verkaufen, entreißen. Wieso sieht man dann keinen dieser militanten Tierschützer, Veganer usw. im Kampfanzug und schwer bewaffnet diesen Job erledigen? Das ist nicht unsere Aufgabe, sagt der Tierschützer, dafür haben wir die Soldaten. Aber die Soldaten hören nicht auf die Tierschützer, sondern auf die Politmarionetten. Dann müßt ihr eben andere Politiker wählen, sagen die Tierschützer. Welche das sein sollen, sagen sie nicht, oder? Doch, einige sagen, die Grünen würden das machen. Wer aber wählt die noch, seit Fischer Jugoslawien zu bombardieren half? Erst die Tiere, dann die Menschen, sagen die Tierschützer. Okay, und wie soll das aussehen?

      Auf die zentralen Fragen wissen unsere militanten Tierschützer hier im Forum keine Antworten. Ja, sie weisen dich ab, wenn du nicht einer der ihren bist, denn du hast eine Antwort erst gar nicht verdient. Und wenn man sich nicht abweisen läßt, wird man bis aufs Blut diffamiert, in der Hauptsache mit frei erfundenen Behauptungen, wie z.B. dort:

      Also ich glaube die psychologischen Erkenntnisse dieses Fundi-Moralapostels auf der unermüdlichen Suche nach den Fehlern seiner Mitmenschen stammen von seinen eigenen Sitzungen bei seinem Psychotherapeuten. Letzterem ist sicher Lob zu zollen, wenn er es immerhin geschafft hat ihn von 135 kg auf 110 kg abzuspecken. Immerhin ein ausbaufähiger Teilerfolg auf der physischen Ebene. Auf der psychischen Ebene erscheint mir das bisher Erreichte eher noch etwas mager. Der Patient hat zwar gut aufgepaßt und kann auch gut über menschliche Unzulänglichkeiten und deren Ursachen in der Erziehung referieren. Aber der Schmerz zu akzeptieren was ihm widerfahren ist scheint doch so heftig zu sein, daß er nicht anders kann als all das auf andere projizieren zu müssen. Das kann nicht gut gehen. Nicht mal im virtuellen Raum. Das nervt einfach nur. Da muß der Therapeut noch nachlegen. Aber wahrscheinlich weiß der ja gar nicht was sein Patient so alles treibt.
      https://kenfm.de/tagesdosis-25-7-2017-sag-mir-wo-die-fliegen-sind/#comment-120188

      Auffallend empathische Aussage, nicht wahr? Oder dort:

      Specht: Ich bin nicht verpflichtet, Spiessern und Mitläufern Informationen aufzudrängen, die sie sich alle selbst besorgen könnten, dies aber nicht tun, weil sie lieber bequem im Vorurteils-Mainstream mitschwimmen.
      https://kenfm.de/tagesdosis-25-7-2017-sag-mir-wo-die-fliegen-sind/#comment-120070

      Oder hier:

      Specht: Peter Pan: Ich finde Dich hier mit Deinen Statements, die ich schon gefühlte millionen mal von anderen gelesen habe, einfach nur noch uninteressant.

      Genau, deshalb geht Specht ja auch immer wieder auf meine Äußerungen ein, nicht wahr?

      Specht: Du redest hier mit dem Mainstream über Dinge, von denen Du gar keine Ahnung hast.

      Dabei hatte er in der Hektik ganz vergessen zu zeigen, wo ich denn tatsächlich mit dem Mainstream rede und wo über Dinge, von denen ich keine Ahnung habe.

      Specht: Wenn Du tatsächlich etwas über Geo-Engineering weißt, dann erzähl doch mal!

      Dabei habe ich das nie behauptet.

      Specht: Du gibst hier ja quasi zu, dass Du gar nichts darüber weißt!

      Genau, ich habe bereits mehrfach betont, daß ich von GeoEngineering keine Ahnung habe. Genau deswegen hab ich ja den Spezialisten Specht gefragt, was mich in seinen Augen sofort zu einem »Spießer und Mitläufer macht, der bequem im Vorurteils-Mainstream mitschwimmt«.

      Specht: Aber Du bist Dir ganz sicher, dass es keine Chemtrails gibt und die das behaupten, Spinner oder „Esoteriker“ sind, was immer Du dir darunter vorstellst.

      Auch das habe ich nicht einmal angedeutet, sondern betont, daß ich noch niemals eine überzeugende Argumentation für die Existenz von Chemtrails gefunden habe. Die Worte Esoteriker und Spinner habe ich auch nicht verwendet, die hat mir Specht in seiner Rage einfach mal so in den Mund gelegt. Ist ganz leicht zu überprüfen, wenn man auf der Seite, die ich bereits verlinkt habe, nach dem Wort Esoteriker sucht: Alle drei Fundstellen stammen eindeutig vom Specht.

      Specht: Du hast ja keine Ahnung, wie viel Unwissen Du hier demonstrierst. Dass es diese Anlagen wie „HAARP“(in Alaska) und „Woodie Woodpacker“(in Russland) gibt(neben zahlreichen weiterenübrigens), wirst Du ja wohl nicht bestreiten wollen. Na dann erzähl doch mal irgend etwas darüber, was die so alles machen!

      Ich weiß nicht, was die alle so alles machen. Specht schon, aber er rückt damit nicht raus, wenn man ihn fragt, sondern wird ausgesprochen beleidigend. Eigentlich immer, wenn man genau hinschaut. Nur wer ihm ausdrücklich zustimmt, den hat er lieb, alle anderen verachtet er aus tiefstem Herzen, so mein Eindruck.

      Specht: Wenn Du darüber nichts weißt oder nichts wissen willst , dann kannst Du hier über Chemtrails gar nicht mitreden!

      Hatte ich auch nicht versucht, oder?
      https://kenfm.de/tagesdosis-25-7-2017-sag-mir-wo-die-fliegen-sind/#comment-120091

      Merken Sie noch immer nicht, Herr Specht, daß Sie sich ständig bloßstellen. Jeder kann doch diese Lügerei beobachten. Die Aussagen sind eindeutig von Ihnen. Was meinen Sie dazu?

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