Tagesdosis 31.7.2018 – Das war der freie Westen!

Ein Kommentar von Dirk Pohlmann.

Julian Assange steht vor der Auslieferung aus dem Botschaftsasyl an Großbritannien und damit letztlich an die USA. Das ist kein juristisches Detailproblem des Völkerrechts. Es ist Ausdruck eines fundamentalen Problems der westlichen Welt.

Zu Zeiten des Kalten Krieges waren die Rollen klar verteilt, zumindest in der Selbstwahrnehmung des Westens: Der Ostblock hatte politische Gefangene, Dissidenten, und bestand aus einer Bevölkerung, die nur auf eine gute Gelegenheit wartete, in den „Freien Westen“ zu fliehen. Im Osten gab es Unterdrückung und Mangel, im Westen Meinungsfreiheit und und prall gefüllte Supermärkte. Ost-Flüchtlinge wurde gerne als von der „Freiheit“ überwältigte Menschen dargestellt, die sich verwundert die Augen rieben, ob der Möglichkeit, den Staat zu kritisieren und der langen Regale voller verschiedener Käsesorten in den glänzenden Supermärkten . Flüchtlinge waren Menschen, die leicht desorientiert vor Glück in der bunten Vielfalt des „American Way of Life“ aufblühten, stets überfordert von den Möglichkeiten, die sich ihnen plötzlich boten. „Alles so schön bunt hier“, wie Nina Hagen das kritisch und dankbar zugleich formulierte. Die westliche Pop Musik, in die sie geflüchtet war, war Ausdruck und Botschaft des Systems: Alles ist möglich, und es macht so viel mehr Spaß als im grauen Osten. Jeans und LPs waren die wirksamsten Wunderwaffen des Kapitalismus, Erscheinungsform einer vitalen Gesellschaft, die im Selbstverständnis wenig Schattenseiten hatte, die zudem meist als Preis der Freiheit dargestellt wurden. Insbesondere Kalifornien mit seiner gefühlten Hauptstadt Hollywood war das verheißene Land der Menschheit, die realexistierende Möglichkeit, nach eigener Facon selig zu werden, seinem ganz eigenen „Pursuit of Happiness“ zu folgen, was, weltweit einzigartig, jedem Individuum von der amerikanischen Verfassung garantiert wurde. Die Rolling Stones, die Beatles, die Doors und viele andere lieferten den Soundtrack zu dieser Kultur. Auch im Vietnamkrieg, dem Menetekel des westlichen Selbstverständnisses.

Als Bestätigung dieses Selbstbilds gab es den ungarischen Erzbischof und Primas Joszef Mindszenty, der sich gegen den Faschismus und den Kommunismus gewehrt hatte und nach dem von den Sowjets gewaltsam niedergeschlagenen Aufstand 1956 in die US Botschaft flüchtete. Mindszenty hatte zuvor in einem aufsehenerregendem Schauprozess alle Vorwürfe gestanden, die ihm die kommunistische Führung gemacht hatte, also Verrat und Agententätigkeit für den Westen, mit leeren Augen, gefoltert, offenkundig unter Drogeneinfluss. Die Nutzung der ersten von der pharmazeutischen Forschung entdeckten Psychopharmaka zu geheimdienstlichen und staatlichen Zwecken im Ostblock war -angeblich- der Anlass für das später bekannt gewordene „MK Ultra“-Programm der CIA, mit dem die USA auf einem neuen Gebiet der Kriegführung gleichzuziehen versuchten, dessen populärster Ausdruck die „Gehirnwäsche“ war. Mit ihr brachen die kommunistischen Staaten die Persönlichkeiten der westlichen Kriegsgefangenen des Korea Krieges und ihre dissidenten Bürger, zombifizierten sie. So hieß es in den „Freien Medien“ des „Freien Westen“

Der gefolterte und unter Drogen gesetzte ungarische Erzbischof in der US Botschaft, in der er 15 Jahre seines Lebens verbrachte, war ein Symbol für die Unterdrückung im Ostblock und die moralische Überlegenheit des Westens.

Tatsächlich wurde Mindszenty über die Jahre zu einer Last für die USA, die katholische Kirche und Ungarn. 1971, als er auf Betreiben des US Präsident Richard Nixon freigelassen wurde und freies Geleit in den Westen erhielt, war er weniger strahlender Held als ein reaktionäres Fossil des Kalten Krieges, das alle Seiten ohne großes Aufsehen loswerden wollten.

Jetzt gibt es wieder einen Botschaftsflüchtling, der Symbol für Unterdrückung und die Angst vor der Wahrheit ist:  Julian Assange, Gründer von Wikileaks, der seit 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London festsitzt. Er ist zum Symbol für die Widersprüche in der Ideologie des freien Westens geworden. Assange bot mit Wikileaks den westlichen Dissidenten aller Coleur, den „Whistleblowern“, die Gelegenheit, geheime Dokumente der Öffentlichkeit zukommen zu lassen. Die „Freie Presse“, Adressat dieser Veröffentlichung, war bis dahin Wesenselement des „Freien Westens“, angeblich unverzichtbar als Reparaturinstanz des Systems und gleichzeitig artbildender Unterschied zum politischen System des Ostblocks. Aber das war nur Propaganda.

Assange musste flüchten, weil die einzige Weltmacht keine Kritik und keine Hofnarren mehr ertragen will. Nachdem Gorbatschow dem Westen das Feindbild entzogen hatte, wurde der politische Islam zum neuen ideologischen Erzfeind ernannt, Samuel Huntingtons „Clash of Civilisations“ definierte diesen neuen Erzfeind. Die islamische Welt ist ein bequemer Feind, militärisch fast machtlos, der sich gut nach Belieben in endlosen Kriegen bekämpfen lässt, dessen Werkzeug „Terrorismus“ keine fundamentale Bedrohung der Herrschaft des Westens ist, keine Existenzbedrohung, sondern eine politische Kraft, die als Anlass und Katalysator für Kriege dient, die gegen fast beliebig definierbare Gegner geführt werden können. Ein gutes Werkzeug des Imperiums, um seinen Machbereich für das Finanzkapital zu erweitern.

Die berühmtesten westlichen Dissidenten sind jetzt also Menschen, die sich auf die fundamentalen Werte des Staates berufen, der sie gleichzeitig in seinem Großraum verfolgt. Julian Assange, Chelsea Manning und Edward Snowden sind Whistleblower, die Lügen, Untaten und Widersprüche der Weltmacht USA öffentlich gemacht haben. Sie haben dafür gesorgt, dass der Kaiser nackt zu sehen war.

Und dafür verfolgt sie das kaiserliche Imperium mit einer Hartnäckigkeit und Erbarmungslosigkeit,  wie einst die kommunistischen Regierungen ihre Dissidenten. Sie werden vom Imperium nicht als Personen gesehen, die vielleicht etwas zu weit gegangen sind bei ihrer Interpretation der Freiheit des freien Westens, wie es notwendigerweise wäre, wenn der Westen an seine eigenen, angeblich unverzichtbaren Werte glauben würde.

Sie werden als Erzfeind behandelt, dessen Existenz unerträglich ist. Die USA lassen keinen Stein auf dem anderen, um ihrer habhaft zu werden. Chelsea Manning wurde zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt, aber nach 2 Selbstmordversuchen von Präsident Barack Obama begnadigt. Die Betonung liegt auf „begnadigt“. Egal ob das juristisch der richtige Ausdruck ist, es ist die politische Realität. Das Urteil ist gesprochen, es wird „vollstreckt“, ein Ausweg ist nur die Gnade des allmächtigen Staates. Der Staat will demonstrieren, dass er keine Verletzung seiner Entscheidung über Krieg und Frieden toleriert.

Kein Individuum soll sein eigenes Gewissen über die Entscheidung der Staatsmacht stellen dürfen, und wer es trotzdem tut, soll in seiner Existenz vernichtet zu werden. Gerade wenn Individuen sich auf ihr Gewissen berufen, muss ein Exempel statuiert werden.

Die Rachsucht, mit der sogar die extralegale Tötung der Dissidenten ins Gespräch gebracht wurde, hat pathologische Züge, sie ähnelt der Haltung der Täter bei Ehrenmorden, oder der Ketzerverfolgung der Kirche. Sie ist Ausdruck eines Systems, dass auf einen offenbar werdenden Widerspruch nicht mehr angemessen reagieren kann.

Als Daniel Ellsberg die „Pentagon Papiere“ veröffentlichte, war das im Wesen kein Verrat, auch wenn es das juristisch gewesen sein mag, sondern die Tat eines Individuums, dass die Verlogenheit seines Staates nicht mehr ertragen konnte – zu recht. Es war ein Dammbruch, und hinter dem Damm staute sich nicht kristallklares Wasser, sondern Gülle. Der Dammbruch war die Bedingung der Möglichkeit, den Augiasstall auszumisten. (Was nicht wirklich geschah.) Es war Ausdruck einer Sinnkrise des Systems, eines Widerspruches, der offenbar wurde.

Damals hatte die USA noch die Kraft, sich angesichts des Menetekels Vietnam dieser Realität zu stellen.

Mittlerweile ist sie zu schwach dazu. Der Hass, mit dem Assange, Manning und Snowden verfolgt werden, ist auch Erscheinungsform der Zukunftsangst, die die USA plagt. Zu recht.

Insbesondere der Opfergang Edward Snowdens ist Ausdruck des fundamentalen Widerspruchs, in dem sich die USA befinden. Wer nicht begreifen kann, dass dies im Wesen kein Verrat ist, keine kriminelle Handlung, sondern eine Gewissenstat, wer einen Menschen wie Edward Snowden nicht als Warnsignal begreifen kann, dass etwas fundamental faul ist im Staat, sondern nur von Kerkerhaft oder Schlimmerem für den Delinquenten phantasieren kann, der befindet sich in der Geistesverfassung eines Staatsanwaltes der UdSSR im Jahre 1984. Oder eines Großinquisitors.

Edward Snowden ist der Stauffenberg der USA. Der Ehrenretter eines Systems, dass selbst nicht mehr an sich glaubt. Er, nicht Michael Hayden, ist der wahre Amerikaner, Repräsentant eines Landes, dem man vertrauen könnte, falls er denn auch der offizielle Repräsentant wäre.

Julian Assanges Schicksal, die Frage, ob er für seine Taten vor Gericht gestellt wird, wenn er von Ecuador in einem mehr oder weniger dreckigen Deal auf die Straße gesetzt wird, ist der Lackmustest, wie es um die Pressefreiheit in den USA und im „Freien Westen“ bestellt ist. Ob die USA weiter den Weg zur autoritären Bananenrepublik mit Nuklearwaffen beschreiten, ob sie ihre „westlichen Werte“ ohne Not mit Säure übergießen, ihre Super-Macht bis zum Exzess feiern, oder ob sie in der Lage sind, die Kurve zu kriegen.

Und für uns Fußgänger und Plebejer ist das Schicksal Julian Assanges, Chelsea Mannings und Edward Snowdens, aber auch Mordechai Vanunus und anderer Whistleblower eine Erinnerung, dass es nichts Gutes gibt, außer man tut es. Selbst. Auf eigene Verantwortung.

Denn der Staat hat aus sich selbst heraus keine Tendenz zum Guten. Er verdient kein Vertrauen, wenn er nicht konstant seine Vertrauenswürdigkeit beweist. Er bedarf der konstanten Wachsamkeit und konstanten Reparaturanstrengung freier Bürger, um frei zu sein. Wenn sie dann noch die wesentlichen Entscheidungen in Abstimmungen träfen, könnte man von einer Demokratie sprechen.

Wir müssen uns angewöhnen, den Staat an seinen eigenen, proklamierten Maßstäben zu messen.

Sorgt er wirklich für das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl? Sorgt er dafür, dass jeder dabei den Freiraum für sein individuelles Streben nach Glück hat? Dazu gehört auch, keine Exinstenzangst zu haben.

Und wir müssen uns angewöhnen, ihn selbst zu gestalten, statt ihn nur tatenlos zu kritisieren.

Wenn Assange ins Gefängnis geworfen wird, dann ist es höchste Zeit, sich der Realität zu stellen und sich zu wehren. Wer nichts tut, wird nicht davonkommen, sich nicht irgendwo unbehelligt verstecken können. Wer nichts tut, wird die Folgen zu tragen haben. Das Imperium braucht keine glücklichen Untertanen. Es braucht nur ausbeutbare, ruhiggestellte Untertanen, die sich nicht wehren.

Wie Perikles sagte: Wenn auch nicht jeder von uns in der Lage ist, sich ein Gemeinwesen auszudenken, so ist doch jeder in der Lage, es zu beurteilen.

Wir alle können aus den Taten seit 1989 ablesen, was aus dem „Freien Westen“ geworden ist, seit ihm der Große Gegner abhanden kam, als dessen Gegenbild er sich inszenierte.

Wir alle können beurteilen, zu was der „Freie Westen“ unter Führung der USA fähig ist, seit er die einzige verbleibende Supermacht ist. Und es kann noch schlimmer kommen.

Assange, Snowden und Manning sind keine Verräter, sondern ein Menetekel, eine unheilverkündende Warnung.

Trauen wir uns, auf der Straße Asyl für Assange in Deutschland zu fordern? Mit dem Willen, das auch durchzusetzen? Aus den Reaktionen auf solche Demonstrationen werden wir ablesen können, wer es ernst meint mit den Sonntags vielbeschworenen „Westlichen Werten“, mit den Werten der Demokratie und Pressefreiheit – und wer nur Erfüllungsgehilfe der Supermacht USA ist.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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11 Kommentare zu: “Tagesdosis 31.7.2018 – Das war der freie Westen!

  1. „Edward Snowden ist der Stauffenberg der USA.“ Stauffenberg und seine Verbündeten waren alles andere als Helden…Was wurde und wird die Geschichte für uns Dumme verfälscht und zurecht gebogen!
    Aber wie immer geschätze Kommentatoren und deren Kommentatoren: Wohlfeile Gespräche am Kamin beim Glaserl Rotem und dem Rezitieren von Angelesenem im trautem Kreise. Statt sich Weisheiten um die Ohren zu hauen sollten wir etwas tun und unsere Energie aus diesem Forum ins Land tragen! Damit wir uns nicht wie jetzt schon vor unseren Kindern und Enkeln schämen müssen! Unsere Urgroßeltern würden sich abwenden mit Grausen ob unserer Rotweinrunden. Denn sie wußten was Leid ist und wer es anrichtet. Gestern wie heute! Wenn man weiß wo der Feind steht, hat der Tag Struktur!

    • Was haben denn unsere Urgroßeltern uns voraus, dass sie sich uns gegenüber so überlegen fühlen sollten? Die hatten voll den Durchblick und wir nicht?

    • Das Problem war das Hitler’s Gegner dieselbe Aussenpolitische Ideeën hatten wie Hitler.
      Gespräche mit die Allierten führten darum zu Nichts.
      Mitten 1944 wurde dann doch versucht Hitler zu töten, es war nach meinem Ansicht etwas wie ‚wir können nun noch etwas retten, uns selbst rehabilitieren‘.
      Sie verstanden nicht das, wäre Hitler getötet, es hatte nichts geändert an die Politik Roosevelt’s, er wollte bedingungslose Kapitulation.

      Es ist interessant zu sehen wie es in Italiën ging:
      Mario Toscano, ‚Designs in Diplomacy, Pages from European Diplomatic History in the Twentieth Century‘, 1970 Baltimore
      Auch da wollte Roosevelt bedingungslose Kapitulation, selbst nachdem Mussolini getötet war.
      Politische und Kriegs Umstände machten es unmöglich, wie in Japan.
      Robert J.C. Butow, ‚JAPAN’S Decision to Surrender‘, Stanford, 1954

      Und so wurde Deutschland das einzige Land was verschwund, bis 1953, wenn die USA entdeckte das Hitler Recht hatte, die USSR von Stalin war eine Bedrohung.
      Die Folgen der bedingungslose Kapitulation sehen wir noch heute, fürchte ich, ein gehirngewäschter Merkel, die die Deutschen ändern will durch Massen Immigration.
      Ich fürchte das es ihr gelingt.

  2. Bedenkenswert sind die Ausführungen von Webster Tarpley vom 18. Juni 2013 in Veterans Today: How to identify CIA limited hangout op?

    Zum einen hinsichtlich der pentagon papers:

    „Another important feature of the limited hangout operation if that the revelations often contain nothing new, but rather repackage old wine in new bottles. In the case of Ellsberg’s Pentagon Papers, very little was revealed which was not already well known to a reader of Le Monde or the dispatches of Agence France Presse.“

    Die großen Leaks kommen meinem Bauchgefühl nach sehr oft aus dem System selbst.
    Wem hat es geholfen?

    „The rest is history, and the lasting heritage has been a permanent weakening of the office of the presidency and the strengthening of the worst oligarchical tendencies.“

    Und zur jüngeren Vergangenheit:

    „Assange’s Wikileaks document dump triggered numerous destabilizations and coups d’état across the globe. Not one US, British, or Israeli covert operation or politician was seriously damaged by this material.“

    Zufall? Pech? Absicht?

    Oder:

    „The appearance of Snowden’s somewhat faded material in the London Guardian was the trigger for a firestorm of criticism against the Obama regime by the feckless US left liberals, who were thus unwittingly greasing the skids for a US slide into a general war in the Middle East. […] This obviously put Obama on the defensive just as Cameron and Hollande were twisting his arm to start the Syrian adventure.“

    Fazit: „If the Snowden operation can help coerce the vacillating and reluctant Obama to attack Syria, our new autistic hero may claim credit for starting a general war in the Middle East, and perhaps even more.“

    Sowie: “ As time passes, Snowden may emerge as more and more of a provocateur between Washington and Beijing.“

  3. Der beste Satz in diesem Aufruf war für mich:

    Denn der Staat hat aus sich selbst heraus keine Tendenz zum Guten.
    thanx4that, Dirk Pohlmann

    Genau das muss man den Obrigkeitsgläubigen in Deutschland immer vor Augen halten. Und gerade jetzt unter der monarchistischen Regierung von Angela Merkel, verschlimmert durch die GROKO!

    Da stellt sich die Frage, warum passiert nichts? Warum bewegen sich die Leute nicht? Das ist die Frage, die ich mir heute morgen gestellt habe und weiter, was ist jetzt zu tun? Das Ergebnis meiner Meditation ist dieses Pamphlet:
    Die Zukunft ist ein Loch voller Möglichkeiten

    Vielleicht ist dort in der Zukunft auch ein Loch durch das Julian Assange und Edward Snowden hindurch schlüpfen. Whistleblower verhindern Feindschaft und Krieg. Sie brauchen die Hilfe von Millionen:

    (Zitat aus dem genannten Text:)
    …am besten viele Millionen von Demonstranten helfen, die auf die Straße gehen. Und wenn die Straßen zu eng werden, auf Plätze, und wenn die Plätze für eine Million Menschen zu klein sind, gehen wir auf Festivalgelände und wenn es Milliarden Demonstranten sind, dann gehen sie alle erst mal ins Internet und blockieren die Seiten der Kriegshetzer, überfluten ihre Mailboxen mit lebendigem Spam.

    Rob Kenius, kritlit.de

    • „Genau das muss man den Obrigkeitsgläubigen in Deutschland immer vor Augen halten.“

      Haben Sie dieses Klischee von der deutschen Obrigkeitsgläubigkeit denn niemals hinterfragt? Könnte das nicht Teil der psychologischen Kriegsführung sein? Sind Deutsche denn wirklich so unterwürfig? Wo fand denn die Reformation statt? Hier. Wo hat sich ca. die Hälfte des deutschen Volkes gegen das autoritäre Papsttum aufgelehnt? Nicht im Süden Europas, sondern hier. Wo haben Deutsche gegen andere Deutsche gekämpft – mal für – mal gegen Napoleon? Hier. Wo gibt es heute sehr viele Merkel-Gegner? Hier, in Deutschland. Wo hatte die Sozialdemokratie aus SPD/USPD und schließlich KPD sich gegen das preußische Kaisertum aufgelehnt? Hier, in Deutschland. Wo gibts die meisten Individualisten und die größtmögliche persönliche Freiheit für junge Menschen, insbesondere junge Mädchen – ohne diese lästige Sozialkontrolle, die sie ständig beobachtet? Unter Deutschen. Glauben Sie mir, woanders ist die Sozialkontrolle und die damit verbundene Unfreiheit viel schrecklicher – auch in Ländern, die sie für „frei“ halten würden, wie z. B. Belgien, Frankreich, Italien… etc…. Schauen Sie sich doch mal England oder Frankreich im Verlauf ihrer Geschichte an – die waren viel mehr „Untertanen“ ihrer Königshäuser oder Präsidentenn oder gläubige Gefolgsleute ihrer geheimbündlerischen Anführer als hier – deshalb haben die Revolutionen dort doch eher geklappt, als hier, weil die dort viel eher große Gruppen suggestiv beeinflussen konnten, als hier, die Gruppenmentalität war dort stärker, als hier, wo alle Individualisten waren und sind. In Westeuropa hatten sie lange nicht so viel Spaltungen unter sich, wie wir. Es stimmt vielleicht, dass die Anzahl der Merkel-Anhänger groß ist – aber eine andere, große Gruppe ist gegen sie – bloß werden die als „dunkeldeutsch“ diffamiert und man schweigt sie tot.

    • Wir finden Rob Kenius hier immer sehr vernünftig und sympathisch. Auch hier hat er u.E. wieder das beste Kommentar geschrieben. Dass er meistens nur angegriffen oder falsch interpretiert wird, schade.
      A. Eberl: Er hat doch hier nichts weiter gesagt, dass es hier in Deutschland Obrigkeitsgläubigkeit gibt. Viele Menschen lassen sich auch hier durch die MSM und das Gelaber der hier Regierenden in die Irre führen. Das kann doch niemand in Zweifel ziehen!

  4. Auf die Tagesdosis letzten Donnerstag von Caitlin Johnstone zum Fall von Assange gab es nicht einen einzigen Kommentar, was auf KenFM ein First sein könnte. Das scheint mir Bände zu sprechen, wie vielen selbst sogenannten Progressiven das Schicksal Julien Assanges irgendwie am Arsch vorbei zu gehen scheint. Höchst seltsam! Das die Mainstream-Presse – Spiegel, Guardian, New York Times -, die an den Wikileaks Enthüllungen damals still und heimlich ganz schön verdient hat, ihn heute beinahe mit Genuss in den Dreck stossen verwundert mitlererweile noch kaum jemanden. Das zeigt so richtig den abgrundtiefen Zynismus, der sich unter unserer sogenannten Freien Presse breitgemacht hat. Der englische Guardian hat in den letzten Wochen sogar gar aktiv eine Schmierenkampange gestartet, um Assange aus der equadorischen Botschaft herauszubekommen. (Vorwurf: Assange hätte in die Elektronik der Botschaft gehackt.) Erstaunlich ist aber, das bis auf einige Unermüdliche mit Transparenten in London in der sogenannten Truther-Szene kaum jemand bereit ist für Julian Assange eine Lanze zu brechen. Warum ist das so? Sind da persönliche Emotionen im Spiel, wie etwa von Domscheid-Berg, dem deutschen Mitarbeiter von Wikileaks, der sich vor Jahren mit seinem Chef Assange derartig verkracht hat und dann sozusagen eine Wikileaks-Enthüllungskarriere hingelegt hat, mit einem Buch und einem Film. Wie manipuliert sind wir, das wir mit derartigen persönlichen Intrigen den Blick für’s grosse Ganze verlieren? Allen Ritchie, der extrem alternative Radiomacher in Grossbrittanien, der von Montags bis Donnerstags die Allen Ritchie Show übers Internet ausstrahlt, interessiert sich wenig für Julien Assange, weil er der Meinung ist, das Wikiliks wenig an echten Enthüllungen gebracht hat. “Das meiste wussten wir ohnehin schon!” Ähnlich denkt auch James Corbett, der Kanadier, der in Japan lebt und in Amerika eine riesen Fangemeinde mit seinen, meiner Meinung nach, sehr guten Videos und Artikeln hat. Corbett hält auch nicht viel von Edward Snowden. Das sind die Truther über den Truthern oder die Truther-Truther! (Sorry, konnte mir dieses kleine Witzchen nicht verkneifen.) An Julian Assange scheinen sich die Geister also ganz schön zu scheiden und es gibt eine Menge worüber man sich hier Gedanken machen kann und vielleicht auch soll. Deshalb dieser Kommentar.

    Zum Schluss aber recht herzlichen Dank an Dirk Pohlmann für seinen ausgezeichneten Beitrag! 🙂

    • Mir geht das Schicksal von Julien Assange nicht am Arsch vorbei, sondern hat mich schon immer berührt. Was kann man denn schreiben, wenn man hilflos mitansehen muß, wie der Deep State seine Kritiker fertigmacht?
      Ich denke, daß es vielen so geht, daß sie gern einschreiten würden, aber nicht wissen, wie.

    • Ich verstehe die Verzweiflung. Ohnmächtige Wut…
      Es gibt so viele Opfer im ‚freien Westen‘, der das immer schon nur in der Propaganda war.
      Nehmen wir die Opfer des McCarthyismus, die Rosenbergs, Sacco und Vanzetti, die Berufsverboteopfer, politische Gefangene nach dem KPD-Verbot, deren Schicksal sich u.a. der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann und Diether Posser annahmen, Opfer ungerechtfertigter Verfolgung in der Zeit der RAF-Deutschland-im-Herbst-Law-and-Order-Verhältnisse, … Antifaschisten, die sich gegen die NPD u.a. stellten. Man kann sich tagtäglich aufbäumen. Viele von uns tun was sie können… Bitte keine Verurteilungen, wenn das nicht reicht

  5. Es ist aber doch auch denkbar, dass jene leaks, die seinerzeit ungestraft hochkamen, ihrerseits gedekct waren durch Fraktionen des Establishment, so eine Art limited hangout als Kampf zweiter oder mehrerer Fraktionen desselben Systems. Nur wir überinterpretieren dies.
    So könnte auch jeder Skandal inszeniert sein. Früher hielt man sich einen Hofnarren. Und wer weiß schon sicher zu sagen, ob die Herren, welche jetzt als als Opfer gehandelt werden, nicht doch Teil einer Operation sind, einer Inszenierung. Sehen oder überblicken wir das gesamte Spiel?
    Die Linke empört sich über einzelne Personen und darüber geraten die Inhalte ins Vergessen. Könnte Taktik sein. Ich glaube, dass die Spähre geheimer Operation immer noch einen Tick verdrehter sein kann. Können wir sicher sagen, dass Assange nicht doch mitspielt oder besser gesagt mitspielen muss? Vielleicht hatte man ihn schon länger mit einer Geschichte am Haken und ihn per Erpressung zum asset gemacht.
    Ich bin nur noch noch vorsichtig/misstrauisch, mit Verurteilung wie auch mir Heiligsprechung auf Verdacht.

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