Tagesdosis 4.11.2017 – Die Russische Revolution 1917

Wasser predigen, Wein trinken.

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

Es gibt wenige historische Ereignisse, die von Anfang an so umstritten waren wie die Russische Revolution, die sich in diesen Tagen zum einhundertsten Mal jährt. Für die einen war sie die Machtübernahme durch politische Terroristen, für die anderen der Aufbruch in eine neue Gesellschaft.

Nach vielen Jahrzehnten der Geheimniskrämerei können wir heute – nach der Öffnung wichtiger Archive – auf zahlreiche belegte Fakten zurückgreifen, die uns zumindest folgende Fragen beantworten: Wie konnte eine so winzige Gruppe von Menschen wie die Bolschewisten in einem solch riesigen Reich die Macht ergreifen? Wieso haben die Revolutionäre nach der Machtübernahme genau die Methoden angewandt, die sie eigentlich bekämpfen wollten? Warum ist die von ihnen gegründete Sowjetunion trotz aller Probleme  innerhalb von drei Jahrzehnten vom Agrarstaat zur industriellen Weltmacht aufgestiegen?

Das Märchen von „Brot und Frieden“

Nach ihrer eigenen Version war die Machtübernahme der Bolschewisten darauf zurückzuführen, dass sie bei den russischen Arbeitern und Bauern im Ersten Weltkrieg mit ihren Parole „Brot und Frieden“ auf offene Ohren stießen.

Der wirkliche Grund sah anders aus: Die im Exil lebende Führung der Bolschewisten pflegte trotz ihrer offiziellen Feindschaft gegenüber dem Deutschen Kaiserreich geheime Beziehungen nach Berlin, ließ sich in einem von Deutschland bereitgestellten Zug auf Schleichwegen in die eigene Heimat bringen und anschließend mit Geldern in Millionenhöhe ausrüsten, um an die Macht zu gelangen.

Ohne diese Hilfe durch den kapitalistischen Erzfeind hätten Lenin und seine Gefolgsleute nicht den Hauch einer Chance gehabt, sich an die Spitze des russischen Riesenreiches zu setzen. (Die Deutschen rechneten natürlich nicht mit einem Sieg der Bolschewisten, sondern hofften lediglich auf die Destabilisierung ihres Kriegsgegners Russland.)

Das Hauptziel nach dem Umsturz: Die Machterhaltung

Nach dem Umsturz nutzten die Bolschewisten ihre Macht nicht etwa, um ihre Ideale zu verwirklichen, sondern taten in vielen Fällen das genaue Gegenteil: Hatten sie vor der Revolution die Parole „Alle Macht den Räten!“ aufgestellt, so sorgten sie nach der Machteroberung für deren Auflösung. Hatten sie vor der Revolution die Abschaffung der Todesstrafe und der Geheimpolizei gefordert, so gründeten sie nach der Revolution eine eigene Geheimpolizei und wandten die Todesstrafe häufiger an als das Zarenregime. War vor der Revolution die Gleichheit aller Bürger als Ziel verkündet worden, wurde danach der luxuriöse Kreml zum Sitz der Regierung gemacht, während die Arbeiter und Soldaten, die den Bolschewisten unter Einsatz ihres Lebens an die Macht geholfen hatten, im Kronstädter Aufstand niedergemetzelt wurden.

Warum? Die Antwort ist erschreckend einfach: Weil für die Bolschewisten nach dem Umsturz nicht mehr die Durchsetzung ihres politischen Programms an erster Stelle stand, sondern die Erhaltung der eigenen Macht und die Sicherung der ihnen dadurch gewährten Privilegien.

Da ihr Anspruch, die „Vorhut der Arbeiterklasse“ zu sein, aus diesem Grunde zunehmend mit der Wirklichkeit kollidierte, griffen sie zu immer schärferen Zwangsmaßnahmen und schufen einen Terrorstaat, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Dass sie dabei wesentlich härter vorgehen konnten als die von ihnen angeprangerten kapitalistischen Regimes, lag daran, dass sie auf Grund der Verstaatlichung aller Schlüsselindustrien und der Errichtung des Außenhandelsmonopols mehr Macht in ihren Händen hielten als es unter marktwirtschaftlichen Bedingungen je möglich gewesen wäre.

Millionen Tote, während einige wenige im Luxus lebten

Diese Machtfülle nutzten die nach der Revolution in „Kommunistische Partei der Sowjetunion“ (KPdSU) umbenannten Bolschewisten zu einer beispiellosen Industrialisierung des Landes auf Kosten der Bevölkerung. Millionen von Menschen  wurden zwangsumgesiedelt oder verloren ihr Leben, damit die Wirtschaftspläne der Führung erfüllt werden konnten. Zugleich führte die machthabende Funktionärskaste ein immer ausschweifenderes Luxusleben, das sich am Ende kaum von dem der russischen Zaren unterschied.

Kassieren

Unter den Bedingungen dieser enormen sozialen Ungleichheit wurden die Bekenntnisse zur klassenlosen Gesellschaft und zum Ziel des Kommunismus, also der allgemeinen Gleichheit, immer unglaubwürdiger. Deshalb musste der staatliche Gewaltapparat kontinuierlich  ausgebaut werden und übertraf am Ende alles, was die Welt bis dahin an Überwachung, Bespitzelung und politischer Unterdrückung gesehen hatte.

Die Lehre, die man heute aus der Russischen Revolution ziehen kann, lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Die gewaltsame Machtergreifung einer Minderheit führt – egal, welche Ideale sie vertritt  – in eine historische Sackgasse. Eine wirklich nachhaltige Veränderung der Verhältnisse lässt sich nur dadurch erreichen, dass man die Mehrheit der Menschen mit ausschließlich friedlichen Mitteln von der Richtigkeit der eigenen Ideen überzeugt.

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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35 Kommentare zu: “Tagesdosis 4.11.2017 – Die Russische Revolution 1917

  1. Revolution oder Evolution? Diese Frage treibt auch aktuell die fortschrittlichen Kräfte in der Gesellschaft um.
    Überwindung oder Änderung der Spielart der vorherrschenden Ideologie des Kapitalismus?
    Damit haben die Kräfte, die den Status Quo bewahren wollen überhaupt kein Problem. Denn diese wollen weder das eine noch das andere. Für mich ist Evolution eine Revolution im Zeitraffer und die Frage sollte nicht heißen entweder Revolution oder Evolution, sondern sowohl Evolution als auch Revolution ist möglich.

  2. Ich glaube, es würde sich für uns alle lohnen, wenn wir mal ein paar sog. Revolutionen gründlich studieren und miteinander vergleichen würden. Wenigstens mal die russische, die französische und die kubanische. Denen stehen wir wohl politisch am nächsten.

    • Wir können doch eigentlich Herrn Wolff sehr dankbar sein für diesen Artikel, weil er uns bewusst machen kann, dass wir alle viel zu wenig über die vergangenen Revolutionen wissen und es bisher noch keine spezifische Diskussion darüber gab, obwohl immer von der Notwendigkeit einer Revolution geschrieben wird. Mir jedenfalls ist das damit klar geworden.

  3. Was ich lese im Artikel stimmt, aber zwei wichtige Fakten werden nicht genannt:
    – die demokratische Revolution war Anfang 1917, Kerenski war erster Minister
    – in Oktober war ein Staatsstreich, durch die Bolschewisten, hauptsachlich Juden.
    Wie die Juden gehasst wurden, lese
    Voline ( Vsevolod Mikhailovitsch Eichenbaum), ‘The unknown revolution (Kronstadt 1921 Ukraine 1918-21)’, New York 1955

    • Mich interessiert es überhaupt nicht, welchen Glauben Revolutionäre, Banker, Journalisten oder Menschen ganz allgemein haben, solange die damit verbundenen Verhaltensweisen nicht destruktiv sind und soweit privat bleiben, dass sonst niemand dadurch beeinträchtigt wird.

      Falls man jedoch zu dem Schluss gelangen kann, dass die Februarrevolution eine tatsächliche Volkserhebung war, deren Auswirkungen für globale Planer nicht ganz absehbar waren, dann darf man sicher darüber nachdenken, ob jemand nicht nur das Motiv, sondern auch die Möglichkeit hatte, einen kontrollierten, kontrollierbaren Umsturz zu organisieren, inszenieren, eine Konterrevolution zur Entmachtung des Volkes.
      Was war von Oktober 17 das Resultat: Die Macht den Räten! Und eben nicht dem Volk, dem man ja nur misstrauen konnte. Vielleicht war es ja doch eine Revolution ohne allzu großes revolutionäres Bewusstsein?

      Mag sein, dass einzelne Revolutionäre sogar absolut ehrlich konstruktive Ansätze zu verfolgen beabsichtigten.
      Ich frage mich, ob in der Gesamtkonstellation es überhaupt realistisch war, einen Kommunismus zu erreichten.

      Oder war es nicht eher so, dass ein Haufen teils naiver Trottel dazu benutzt wurde, ein Chaos anzurichten, welches blendend genutzt werden konnte, die Puppen zumindest mittelfristig nach der eigenen Musik tanzen zu lassen?

      Denn wenn man noch mit den besten Absichten ausgestattet ist und in ein revolutionäres Chaos stolpert, dann fährt das Karusell mit Dir und nicht umgekehrt.
      Möglicherweise war dies das Kalkül, dass nämlich Revolutionäre in ihrer Weisheit nicht von 12 bis Mittag gedacht haben und als das ganze am Laufen war kaum eine andere Chance hatten als sich in den Sog von Bürgerkrieg, Konterrevolution, Wirtschaftskrieg etc. zu begeben.

      Ich meine, dass diese „Probleme“ sehr wahrscheinlich waren, wenn man sie nur hätte sehen wollen und demnach wäre dieses Elend zumindest billigend in Kauf genommen worden, weil revolutionäre Alpha-Männchen es unbedingt beweisen wollten, dass er funktioniert, der große, große Plan. Da unterscheiden sie sich im Ego kaum vom General, der auch in echt mal seine Bombe am Werk sehen möchte.
      Hier wird die Rechnung meist gnadenlos egozentrisch ohne den Wirt gemacht, weil die Zeche eh die anderen zu berappen haben.

  4. Anbei noch ein Artikel, denn im Grunde geht es um Rückschlüsse für heute:

    Warum scheiterte das Sowjetsystem? Der Politologe Dmitri Kulikow im Gespräch mit RT Deutsch
    11.10.2016 • 06:30 Uhr

    Die ehemalige UdSSR – heute und vor 25 Jahren: Warum scheiterte das Sowjetsystem? Dmitri Kulikow über historische Fehler und deren Hintergründe aus der Binnenperspektive. Doch „besiegelt“, so die Analyse des russischen Politologen, war der Untergang nicht.

    Kulikow: Es lässt sich erst mal kurz und knapp sagen, dass im Prinzip nichts einfach besiegelt sein kann. Es gibt nichts, worauf wir keinen Einfluss nehmen könnten. Denn wir leben nicht einfach auf einem Planeten mit seinen Ozeanen, Bergen, Bodenschätzen, Tieren und Bäumen. Wir leben in einer Gesellschaft, die durch unseren Denkprozess und unsere Tätigkeit gelenkt wird.
    Wir leben in einer Welt, wo man sich Ziele setzt, und Pläne und Projekte ausarbeitet, um diese Ziele zu erreichen. Man handelt gemäß seiner Einstellung zum aktuellen Problem, mit Rücksicht auf gegebene Umstände.
    Deswegen: Wenn wir etwas ändern möchten, müssen wir entweder etwas an der Denkweise oder an der Handlungsweise oder an den Umständen ändern, unter denen die Entscheidung getroffen werden soll. Das ist immer machbar, wenn wir im Stande sind, dies zu berechnen. Das heißt aber auch: Nichts ist in der Geschichte besiegelt.

    Es gibt natürlich Tendenzen, große historische Tendenzen, jedoch können wir auch darauf Einfluss nehmen, wenn wir sie erfassen können. Diese Tendenzen mögen unaufhaltsam werden, wenn wir sie nicht rechtzeitig  aufgespürt haben. Da lässt sich ein unmittelbarer Zusammenhang erkennen. Wenn wir einer Gefahr ausgesetzt sind, die wir rechtzeitig erkannt haben, können wir der Gefahr ausweichen oder die Risiken mindern. Das ist dann eine rein technische Aufgabe, manchmal eine sehr schwierige, jedoch eine Aufgabe. Und man hat keine Chance, einer Gefahr zu entgehen, von der man keine Ahnung hat.

    Deswegen erweist sich die Frage des historischen Wissens als eine Schlüsselfrage, wenn es um unseren Einfluss auf historische Ereignisse geht. Übrigens hat diesen Gedanken noch Karl Marx formuliert. Vielleicht drückte er das milder aus, als ich das jetzt tue, aber man darf nicht vergessen, dass ich 150 Jahre später lebe. Außerdem gab es auch nach seinem Tod intelligente Menschen, die diese Idee weiterentwickelten. Soviel zum Thema Unaufhaltsamkeit.
    (…)
    Kulikow: Nun müssen wir auf die Grundtendenzen der historischen Entwicklung zurückblicken. Erstens sollte man ganz genau den Sinn der Revolution von 1991 erfassen. Meiner Meinung nach war der Putsch eine bürgerliche Konterrevolution, die sich gegen das sozialistische Projekt richtete. Ich mag das Wort Gesetz im Zusammenhang mit den humanitär-soziologischen Wissenschaften nicht, jedoch kann man doch von einer Art Gesetz sprechen, wenn man von der weiteren Entwicklung Russlands spricht.

    Wenn man eine intensive Zeitperiode aus der Geschichte wegstreichen will, muss man damit rechnen, dass man da landet, wo man vor dem Beginn dieser Zeitperiode war. Die Sowjetepoche war eine Zeit der intensiven Entwicklung. Nachdem man diese Phase aus der russischen Geschichte weggerissen hatte, versetzte man sich, so gesagt, wieder in den Februar 1917.
    (…)
    Und nun ein paar Worte zu den Bolschewiken: Ich bin der Ansicht, dass Marxismus eine ausschlaggebende Rolle in der sowjetischen Zeit spielte. Russland griff die progressivste sozial-humanitäre Idee der damaligen Zeit auf, eine Idee der westlichen Welt, und setzte sie in die Praxis um. Insofern das möglich war, natürlich. Unter den damaligen Umständen, mit den Mitteln, die vorhanden waren.
    Sowohl die Umstände als auch die vorhandenen Mittel prägten zweifellos die Entwicklung, deswegen soll man die ursprüngliche Idee und das Endresultat auseinanderhalten. Theorie und Praxis sind zweierlei.
    (…)
    Ein anderes Konzept, das die USA übernommen haben, ist das Prinzip, die Gesellschaft durch Ideologie zusammenzuhalten. Durch den weltlichen Glauben, praktisch gesagt. Stalin, als ehemaliger Seminarist und Marxist, hielt das Land zusammen, in dem er eine Art kommunistischen Glaubens schuf. Einen Glauben mit Dogmen. Auch der Marxismus wurde von Stalin verfälscht und zu einer Reihe von Dogmen vereinfacht. Aus einer wissenschaftlichen Lehre wurde er zu einem geschlossenen System von Dogmen, die keineswegs bestritten, besprochen oder bezweifelt werden durften. Solche Verwandlung macht eine wissenschaftliche Lehre zu ihrem Gegensatz.

    Unter einer wissenschaftlichen Lehre verstehen wir ein Wissen, das nicht zur letzten Wahrheit erklärt wurde, das frei besprochen, bestritten und widerlegt werden kann. Erst dann gilt die Lehre als wissenschaftlich.

    Unsere Kollegen im Westen machten genau dasselbe. Liberal-demokratischer, weltlicher Glaube unterscheidet sich mitnichten vom kommunistischen Glauben. Verstehen Sie, was ich meine? Man darf in Deutschland, zum Beispiel, oder in den USA die dortige real existierende Demokratie nicht hinterfragen. Das ist ein unbestrittenes Dogma.
    (…)
    Man beginnt erst dann, Veränderungen anzustreben, wenn man es begreift, dass sie unentbehrlich sind. Und diese Auffassung kommt nicht, wenn man nie Probleme auf den Tisch geworfen bekommt.

    Statt das sozialistische Projekt weiterzuentwickeln, verstärkte Chruschtschow dessen dogmatische religiöse Komponente. Er schlug nicht nur vor, an den Kommunismus als an eine Utopie zu glauben, er schlug vor, an den Aufbau des Kommunismus in unserem Land bis zum Jahr 1980 zu glauben. Wir haben bis zum 1980 gelebt, fanden keinen Kommunismus vor und glaubten, wir seien betrogen worden.

    Das war einer der Hauptgründe für den Untergang des sowjetischen Projektes. Jetzt übrigens beginnen die Menschen auch im Westen zu begreifen, dass es die Demokratie, an die man sie zwingt, zu glauben, in der Realität gar nicht gibt und dass die Konsumgesellschaft nur das Leben auf Kredit darstellt.
    https://deutsch.rt.com/russland/41760-warum-scheiterte-sowjetsystem-dmitri-kulikow/

  5. Die tendenziell antikommunistische Stossrichtung des Artikels hat m.E. durchaus ihre Berechtigung.
    Dennoch halte ich diese Tagesdosis ebenfalls für einen von Herrn Wolffs bislang schwächsten Beiträgen, was die Recherche hinter seinen Aussagen angeht. Ich würde ihm die Lektüre von Antony Suttons Buch WallStreet und die Bolschewistische Revolution empfehlen..

    • Die einseitigen und oberflächlichen Reaktionen hier zeigen aber doch, dass so ein Artikel wahrscheinlich hier mal notwendig war. Ich würde hier gern wenigstens mal angetickt haben, in welchen Punkten Herr Wolff hier vermeintlich im Irrtum ist. Ich habe z.B. infolge der Infos, die ich bisher über diese Revolution hatte, nie geglaubt, dass dies eine echte Revolution aus dem russischen Volk heraus gewesen ist, so wie z.B. Petra das hier schrieb und auch andere zu glauben scheinen.

    • Geht auch noch kürzer:
      Das Märchen von „Brot und Frieden“
      1. In Russland gab es zu dieser Zeit nur eine kleine Minderheit, die den Umsturz wollten. Ohne die deutsche finanzielle Hilfe hätte die Revolution keine Chance gehabt.

      Das Hauptziel nach dem Umsturz: Die Machterhaltung
      2. Da es sich um eine Minderheit handelte, musste nun mit Gewalt die Mehrheit unterdrückt werden, um die Macht zu erhalten

      Millionen Tote, während einige wenige im Luxus lebten
      3. Die wirtschaftlichen Erfolge danach wurden durch Zwang generiert.

      Kassieren
      4. Soziale Ungleichheit wuchs, deshalb musste der staatliche Gewaltapparat kontinuierlich ausgebaut werden.

      In diesen Punkten geht es eben nicht um die Darstellung der historischen Fakten, um daraus Schlussfolgerungen für das heute zu ziehen, sondern um die Verfälschung der Geschichte, warum auch immer….

      Ohne eine Mehrheit von bewusst handelnden Menschen hätte sich die Revolution nicht ein Jahr halten können, wären die enormen Erfolge im Bereich in Wirtschaft, Bildung, Kultur und Wissenschaft nicht möglich gewesen und wäre ein Sieg über den Hitlerfaschismus Utopie.

      Und sicher werden sich zukünftige Mehrheiten, die eine gerechtere Ordnung in der Welt anstreben, auf die Erfahrung des Prozesses, der mit der Revolution eingeleitet wurde, zurück greifen und auch aus den Fehlern lernen, die gemacht wurden.

    • @ Maja
      Was sind denn die ‚exakten historischen Fakten‘?
      Was ist denn die einzig wahre Wahrheit?
      Welche ist denn die, des richtigen moralischen Erzählers?

      Idealisten verklären die erzählte Geschichte immer im Sinne ihrer Moral, ihrer Wahrheit.

      Die offizielle Geschichtsschreibung weiß nichts über die Lebenswirklichkeit der Menschen.

      Und nein, bereits an Deinem Kommentar, wie bei sehr vielen hier im Kommentarbereich, ist schnell ersichtlich, daß viele Menschen _gar_nicht_ verstehen wollen:

      Es wird auch weiterhin mit Begeisterung Doppelbindung im Dramadreieck gespielt.

  6. Ich kann mich im Gegensatz zu Michael Haferkorn nicht der allgemeinen Negativ-Kritik dieses Artikels anschließen. Ich bin zwar keine Geschichtwissenschaftlerin und habe mich nie gründlich genug mit der Russischen Revolution befasst, um in alle Einzelheiten zu gehen und zu bestätigen oder zu widerlegen. Aber so weit bin ich informiert, dass diese Revolution eine sehr gewalttätige und blutige war. Grausig z.B., dass man die gesamte Zarenfamilie noch zu ermorden müssen glaubte, nachdem sie schon entmachtet worden war. Insofern volle Zustimmung von mir zu dem letzten Satz von Ernst Wolff hier.

  7. Schon anmaßend mit nicht mal 700 Worten die russische Revolution zu kommentieren… Zudem so etwas von undifferenziert und unter Aschluß von unzähligen historischen Fakten…

    Grausig der Artikel… Eines KenFm Portals definitiv nicht würdig… und ich bin kein Kommunist…

    Ernst Wolf sollte über die Dinge schreiben, von denen er etwas versteht. Von der russ. Revolution hat er jedenfalls keinen blassen Schimmer. Im übrigen schliesse ich mich vielen Kritiken hier an.

    • Warum lassen Sie uns eigentlich nicht teilhaben an Ihrem Wissen über die angeblich wahren Hintergründe und Fakten? Es ist nicht redlich, einfach nur etwas schlecht zu reden, ohne selber faktisch wenigstens an ein paar wichtigen Punkten zu widerlegen mit dem eigenen Wissen. Das hätte mich interessiert.

  8. Ich lese eine Reihe Kommentare, die eine Art Wirtschaftsprüfer in Geschichte zum Besten geben wollen und frage mich: „Ist das Recht haben gerade größer im Bewusstsein, als die Möglichkeit einer Verständigung, oder warum regen sich die Menschen in Wirklichkeit in den Kommentaren so sehr auf?“

    Entscheidend ist aus meiner Sicht, bei den vorgetragenen Informationen die persönliche Sichtweise, das Fazit, die Perspektive:

    Die Lehre, die man heute aus der Russischen Revolution ziehen kann, lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Die gewaltsame Machtergreifung einer Minderheit führt – egal, welche Ideale sie vertritt – in eine historische Sackgasse. Eine wirklich nachhaltige Veränderung der Verhältnisse lässt sich nur dadurch erreichen, dass man die Mehrheit der Menschen mit ausschließlich friedlichen Mitteln von der Richtigkeit der eigenen Ideen überzeugt.

    Das es in gesellschaftlichen Veränderungen zum Wohle der Menschen stets soziale Kämpfe gegeben hatte, dürfte von allen Kritikern dieser Tagesdosis grundsätzlich als richtig anerkannt werden.

    Das Bewusstsein des Gemeinschaftsgedankens, auch innerhalb der Kommentare hier, lässt an vielen Stellen auf sich warten.

    Viel größer scheint die Motivation zu sein, im Sinne der eigenen Selbstoptimierung und geschulter Fehlersuche, Herrn Wolff inhaltliche Fehler vorzuhalten, die er bei der Beschreibung der russischen Revolution vorgetragen hatte.

    Ich frage mich: was ist so clever daran, einem Journalisten Fehler vorzuwerfen, wenn er vielleicht mit seinem Schlußfazit etwas ganz anderes nahelegen wollte?

    Können die Leser und Zuhörer der Tagesdosis auch in den Kategorien des „Veränderungspotenzials“ denken, oder schreiben hier nur die Menschen, die erst zufrieden sind, wenn alle Welt geschichtlich so schreibt, wie sie es gerne hätten?

    Ein Dialog ist über die Kommentarfunktion theoretisch gegeben. Wenn nur geschichtliche Fehlberichterstattung erfolgt hat Herr Wolff zumindest eines geschafft: er hat einige Leser und Kommentatoren berührt.

    Denn ohne emotionale Berührbarkeit, gäbe es diese Kommentare nicht.

    Sie stoßen sich an den Inhalten, aber zum Fazit schreibt kaum Jemand etwas.

    Daher verlinke ich einen aktuellen Beitrag von Prof. Mausfeld aus Anschauungsgründen:

    https://www.youtube.com/watch?v=aK1eUnfcK4Q&t=121m10s

    Dort heisst es:

    Wir neigen nämlich dazu, interpersonale Kategorien der Konfliktlösung wie Dialog und Verständigung auch auf gesellschaftliche Antagonismen , also auf asymmetrische Machtverhältnisse zu übertragen.

    Das ist ein sehr schwieriger Punkt. Man kann es sich aber ganz einfach klar machen. Man kann es sich aber ganz einfach klar machen, durch einen Blick auf die Geschichte: Soziale Errungenschaften wurden den Mächtigen stets abgetrotzt, in sozialen Kämpfen.

    Sie können die gesamte Geschichte zurückgehen. Soziale Errungenschaften wurden immer in sozialen Kämpfen den Mächtigen abgetrotzt und nicht etwa in einem empathischen Dialog errungen.

    Gegen Ende des Vortrags kommt auch nochmal ein Verweis auf Noam Chomsky und die Wichtigkeit sozialer Organisation für mehr soziale Veränderung.

    In vielen Kommentaren zu dieser Tagesdosis vermisse ich ganz klar die thematisch-inhaltliche soziale Organisation und das gesellschaftliche Bewusstsein für mehr Veränderung.

    Die Kommentare wirken an vielen Stellen wie die persönlich-negative Betroffenheit und der Vorwurf an Herrn Wolff geschichtliche Defizite in der Beschreibung aufzuweisen.

    Mir fehlt der Vernetzungsgedanke in den Kommentaren. Die Überlegung, wie aus der Geschichte gelernt werden kann.

    Ich kann jetzt eine Fülle an Methoden aufzählen, wie gesellschaftlich medial, psychologisch und mental auf viele Menschen Einfluss genommen wird, in der Absicht diese Menschen zu neoliberalen Selbstoptimieren werden zu lassen.

    Menschen, die den eigenen Erfolg oder Misserfolg ausschließlich an ihrer eigenen Person festmachen.

    Menschen, die somit vollständig die äußeren Einflussfaktoren wie menschliche Kommunikation, Marktsituation oder äußere Zwänge ausblenden und stets den Fokus auf sich gerichtet haben.

    MIr kommt es so vor, dass die Menschen, die ausschließlich mit dem Finger schriftlich auf Herrn Wolff zeigen, ähnliches Potenzial zur gesellschaftlichen Selbstoptimierung so sehr verinnerlicht haben, dass die Kritik gegenüber Herrn Wolff nur der Ausdruck dessen ist, was in Ihnen als Verhaltensmuster unterbewusst aktiv wirkt.

    Eine auf Fehler, statt auf Veränderung ausgelegte Gesellschaft, kann solch viele kritischen Kommentare gegenüber Herrn Wolff ruhigen Gewissens äußern.

    Die Frage ist:

    Hat die Kritik eines anderen Menschen je etwas größeres verändert, ausser der persönlichen Wutablassfunktion, des Empörtseins?

    Meiner Ansicht nach, sollte eine Kritik konstruktiv sein, im Sinne einer sozialen Gesellschaft.

    Sonst besteht die Gefahr, dass die Kommentarspalten im Internet irgendwann zum plakativen Ausdruck gegenseitiger Selbstoptimierungsvorwürfe werden.

    Was mein Grundgedanke ist:

    Es braucht den Gemeinschaftsgedanken.
    Eine Revolution lebte in der Geschichte an keiner Stelle davon, dass ein einzelner Superheld ( wie oft in Kinofilmen suggeriert) die Welt gerettet, verändert oder gar verbessert hatte.

    Das ist ein Märchen.

    Immer sind es mehrere Menschen gewesen, die etwas gemeinsam als Gemeinschaft verändern wollten.

    Zu diesem Denken, Fühlen und Wahrnehmen sollten all die Menschen zurückkehren, die tatsächlich etwas an dieser Welt zum Besseren verändern möchten.

    Eine rein inhaltliche Kritik an Herrn Wolff ohne Bewusstsein des Gemeinschaftsgedankens gehört für mich nicht zum reflektorischen Potenzial gemeinschaftlicher Veränderung.

    • @bewusst
      Ich habe mir den sehr guten Vortrag von Prof. Mausfeld ebenfalls angesehen und komme aber zu anderen Schlussfolgerungen als Sie.
      Ausserdem geht es nicht um Angriffe auf Ernst Wolff. Er ist Kind seiner Klasse, seines Lebens und seiner Erfahrungen und ich billige Ihm und anderen selbstverständlich zu, dass sie nicht meine Auffassungen teilen.

      Inhaltlich geht es um die antikommunistische Basishaltung in dieser Tagesdosis und eine Geschichtserzählung, die so nicht stimmt.
      Wenn wir also zusammen die Welt verändern wollen, dann geht’s vor allem darum:
      Was wollen wir? Was wir nicht wollen, zeigt uns KenFM hier konstant.
      Wofür wollen wir kämpfen?
      Wenn wir dann schon die Geschichte, die Geschichte der einzigen halbwegs gelungenen Revolution verkehrt erzählen, wie wollen wir dann aus den gemachten Fehlern lernen?
      Das fazit des Beitrages:
      „Die gewaltsame Machtergreifung einer Minderheit führt – egal, welche Ideale sie vertritt – in eine historische Sackgasse. Eine wirklich nachhaltige Veränderung der Verhältnisse lässt sich nur dadurch erreichen, dass man die Mehrheit der Menschen mit ausschließlich friedlichen Mitteln von der Richtigkeit der eigenen Ideen überzeugt.“,
      bricht jeder Bewegung für eine revolutionäre Veränderung das Genick.
      Das ist der Vorfurf den ich dem Autor mache, dass er aus der verkehrten Darstellung (bewusst oder nicht) eine ebenso falsche Schlussfolgerung ableitet.
      Wenn Sie den Mausfeld Beitrag gesehen haben, werden sie wissen wie Rockefeller die Arbeiter ( Miner) hat zusammenschiessen lassen. Vom Carnegie Massaker nicht zu reden und die unzähligen anderen Beispiele, wo die Arbeiter verfolgt, erschossen und bis aufs Blut bekämpft wurden, auch unter Thatcher in UK in den 80-gern und damit das zerschlagen der Gewerkschaften eingeleitet hat.
      Wer dann Gewaltlosigkeit und der Überzeugung der Massen auf friedlichem Wege proklamiert, sollte Lipman , Hayek, Rand und die anderen (Think Tank Grössen) des Imperialismus lesen.
      Sie werden uns auf den Strassen abschlachten wie Vieh, das üben sie heute schon fleissig.
      Ergo: Organisieren, ideologisch und intellektuell wissen was man will und dann:
      Generalstreik, Bewaffnung des Volkes, Besetzung der Schlüsselindustrie und Medien und Installieren von Räten usw.

    • @ fpdcb
      Ich war im Publikum, und stimme ganz bewußt Bewusst zu, daß Kampf keine Lösung ist und auch noch niemals war.
      Kurz zur Russischen Revolution
      Die Frage, die sich stellt ist: Sind Bolschewiki Kommunisten? Was ist überhaupt Kommunismus? Wer hat denn die Anarchisten verraten?
      Das ist doch ähnlich der Worthülse Demokratie. Hohle Worte ohne Bedeutung.

      Kurz zum Kampf
      Im Kampf kann der Mensch sein Leben nur verlieren, er kann es nicht gewinnen. Bereits daraus ist ersichtlich, daß Kampf nur Verlierer erzeugt.
      Die Reichen machen, gemäß ihrer Rolle gar nichts, das machen ihre Büttel.

      Aber genau daher wird sich auch nichts ändern, denn Du verstehst nicht, daß auch Du nur ein notwendiges Büttel bist: Der Feind.

      Übrigens sind auch Albrecht Müllers Vorstellungen vom Kampf geprägt. Rainer Mausfeld meinte, Menschen sollten bspw. in Parteien eintreten. Auch viele im Vortrag können oder wollen nicht begreifen, daß ein System den Menschen verändert und nicht umgekehrt. Eine brilliante Analyse des Ist-Zustandes, die leider wieder nur dialektisch in der Synthese des sein-sollens endet.

      Ernst Wolff hat genau den Punkt getroffen, leider ist euch eure Moral, Gut & Böse, wichtiger als Verständigung.

      Genau deshalb wird erwartbar Deine Prophezeiung selbsterfüllend.

  9. Bisher bin ich von Ernst Wolff immer gern über Zusammenhänger finanzieller Art aufgeklärt worden.
    Bei diesem Artikel stellen sich mir allerdings die Nackenhaare auf.
    Weglassen und halbe Wahrheiten, werfen wir den Mainstream Medien vor aber diese Tagesdosis kann da auch was von.
    Ein Ereignis wie die Oktoberrevolution in 5:53 Minuten giessen zu wollen, erscheint mir sowieso echt schon mehr als ambitiös.
    Und dann kommt ein antikommunistischer Riedel vom feinsten, die Superlative überschlagen sich.
    Ach ja und gewaltfrei muss es sein, hm , ja weil die Machthaber auch niemals mit Gewalt gegen Veränderungen vorgehen werden, nicht wahr?
    Wo hat der Autor sein Leben verbracht? Auch auf diesem Planeten?
    Ganz Deutschland rüstet im Moment auf, nach innen und nach aussen.
    In Hamburg haben die Polizisten ja nur ihren Job gemacht, nicht wahr?
    Alle StaatsGEWALT geht vom Volke aus! Also nix gewaltfrei.
    Ich erspare mir jetzt Nachhilfe in Geschichte zur Oktoberrevolution, Interventionskriegen, Bügerkrieg der Weissgardisten, der Wlassow Bande, Kosaken usw. und der konstanten Unterwanderung und nichtmilitärischer Agriffe von allen Seiten der kapitalistischen Welt gegen die junge Sowjetunion bis 1990 und heute gegen Russland.
    Dazu gibt es genug Literatur, auch kritische.
    Was den Luxus der Führungsriege angeht, sehr geehrterHerr Wolff, da lebt jeder Prokurist eines nennenswerten Unternehmen in Deutschland luxuriöser als die es jemals taten.
    Wo sollte die Führung des grössten Landes der Erde denn Sitz nehmen, wenn nicht im Kreml?
    In einer alten Schule? Das grenzt schon an Unvermögen so einen Satz in diesen Zusammenhang zu formulieren.
    Bei ‚Ihrer‘ Weltbank sitzt man doch auch nicht auf Holzstühlen?
    Die Sowjetunion war der Garant für Frieden, Lenins erstes Dekret war das Dekret über den Frieden..und nicht weil es der deutsche Kaiser so wollte, sondern weil der Sozialismus den Frieden braucht um gedeihen zu können, darum konnte er auch ‚totgerüstet‘ werden.
    Tut mir leid aber diese Tagesdosis ist historischer Unsinn und antikommunistisch.
    Ihnen alles Gute

    • Ein sehr treffender Kommentar. So wird im Artikel zum Beispiel der zentrale Konflikt zwischen Trotzki und Stalin mit keiner Silbe erwähnt. Es währe informativer gewesen versuchen zu ergründen wie es der Bürokratie gelang den Revolutionären, die dezimiert und ausgelaugt von der Westfront nach hause kamen, die Macht zu entreißen. Mit ihrem undifferenzierten Blick auf ein so wichtiges Ereignis im Kampf um die Emanzipation der Menschheit spülen sie nur Wasser auf die Mühlen derer die sie vorgeben zu bekämpfen.
      Mit freundlichem Gruß
      Heinrich Heiler

    • Sie nennen Herrn Wolf alti-kommunistisch. Das hört sich so an, als müsse man hier pro-kommunistisch sein.

      Man könnte aber auch der Meinung sein, dass die Führung dieser so tollen Emanziptaion die Bauern zu einem internen Kolonialvolk gemacht hat, das den Preis für die Industialisierung zu zahlen hatte.
      Für den zwangsweisen Getreidexport haben die Bauern nicht das volle Äquivalent erhalten und so machen Monat gehungert.
      Ist dieser Preis berchetigt auf dem Weg zum großen Ziel? Und was war das Ziel? Den bösen Kapitalismus bei der Industrieproduktion einzuholen? Weil das ja ein so alternatives und emazipatorischen Ziel war/ist?
      Was ist denn alternativ und emazipatotsch, wenn man auch nur eine Industrie aufbauen will, mit der man am Ende Devisen einnehmen möchte/muss?

      Was kam denn in der Praxis heraus, ohne dass man nun alleine das böse Ausland für alles haftbar machen sollte?

      Die Rohstoffe gingen schön weiter ans Ausland, während zuhause teils Hungersnot herrschte mit Millionen Toten. Aber den Preis kann man für edle Absichten schonmal verlangen, sofern es einen nicht selbst betrifft.

      Wer profitierte also noch außer denen, die schon diese „Revolution“ finanziert hatten, um genau jene an die Macht zu putschen, die dafür vorgesehen waren, das Volksvermögen auszuliefern?

      Was genau war denn daran nun so revolutionär neu und solidarisch?

    • Vielen Dank an fpdcb für diesen Kommentar!

      Der Beitrag von Ernst Wolff demonstriert mal wieder, wie auch kritische Köpfe vom antikommunistischen Mainstream vernebelt werden. Zu einer ernsthaften Beschäftigung mit Fehlentwicklungen nach der Oktoberrevolution gehört, dass vom Westen alles daran gesetzt wurde, die Revolution zu vernichten – oder, wie Churchill es formulierte, das Kind bereits in der Wiege zu erdrosseln.
      Die These, Lenin sei Agent des deutschen Militärs gewesen und habe mit dessen Hilfe die Macht an sich gerissen, ist ein alter Hut, der bereits in einer breiten Literatur widerlegt worden ist. Mit dieser These bleibt vor allem unerklärlich, dass die Intervention von 14 ausländischen Mächten zurückgeschlagen werden konnte. Weshalb wurden die Interventen nicht als Befreier gefeiert? Wie konnte die kleine Minderheit der Bolschewiki das Land zurück erobern, das sich zeitweilig zu 14/15 in der Hand der Konterrevolution befand, ohne Unterstützung der Bevölkerung?
      Ich wäre dankbar, wenn nach diesem antikommunistischen Fehltritt auf KenFM noch eine alternative, objektivere Sichtweise präsentiert würde. Unter den Autoren, die hier schreiben, gibt es ja einiges Potential dazu. Ich denke etwa an Herrn Trautvetter, der schon öfter mal antikommunistischen Seitenhieben entgegengetreten ist.

    • @ GLOUCESTER
      Es mag sich für manche anhören, als wäre pro-kommunistisch sein gefordert, aber nicht antikommunistisch würde ja schon reichen, weil das für eine gewisse Ausgewogenheit und Sachlichkeit spräche.
      Millionen Tote wegen Hunger, der regimeverschuldet gewesen sei, erwähnen sie, die Toten durch Konterrevolution oder im Zarenreich verhungerten, von Kriegen nicht einmal zu sprechen, bleiben dagegen unerwähnt. Auch das halte ich nicht für ausgewogen.
      Sicher ist es richtig Fehler und Fehlschläge nicht unter den Teppich zu kehren. Aber dann sollte man Erfolge und Fortschritte auch nicht ausblenden.
      Und dass man versucht hat, dieses rückständige Agrarland zu industrialisieren, sehe ich als gegebene Notwendigkeit, um einen gewissen Wohlstand für alle zu erreichen.

    • Ich meine zu erinnern, dass Russland (bis 1917) bereits ein Land der Kleinbauern war und bei aller verbliebenen Leibeigenschaft enrom viele menschen Grund besaßen. Not und Elend waren groß, aber es gab bereits Reformen.
      Es gab seit einiger zeit eine Art Landwirtschaftsbank, die zu vernünftigen Bedingungen den Bauern Geld für Landerwerb und Modernisierung gab.
      Zusätzlich war die russische Zentralbank nicht in Privathand, sondern gehörte dem Zaren.
      Ähnlich wie das deutsche Kaiserreich in den Krieg gezogen werden musste, weil die Industrialisierung nicht über die internationalen Bankerkreise lief, sollte eben auch Russland fallen.
      Wer sich nun über die Interessen hinter dieser Revolution ein Bild machen möchte, sollte die Währungs- und Geldpolitik der neuen Machthaber ins Auge nehmen.
      Wer eine Revolution im Weltmaßstab organisiert bekommt, der handelt nicht alleine und man wird sich schon fragen müssen, wer denn das Geld dazu bereit gestellt hat.
      Vielleicht die üblichen Philanthropen?
      Für die – so scheint es – war es angenehmer weil leichter, über einen Lenin das Land auszupläündern als über den Zaren.
      Bei wem war die Sowjetunion 1991 bei ihrem Ende verschuldet?
      Ich vermute mal ganz locker beim kapitalistischen Ausland und dort vermutlich am ehesten bei den üblichen Groß- und Zentralbanken.

  10. Wo sind wir denn hier? Dachte, dass Ken sich ernsthaft mit den Artikeln ud mit Geschichte beschäftigt.

    Aus meiner Sicht ist das einfach ein antikommunistischer Beitrag und soll die Bedeutung der Revolution von 1917 in Russland schmälern.

    Stalin und Luxus passt nicht, auch wenn man so einen Unsinn laut schreit. Das ist genau so eine Lüge, wie die Lüge, dass Stalin den Frontverlauf im 2. Weltkrieg an einem Globus verfolgte und von den militärischen Vorgängen keinen blassen Schimmer hatte.

    Schade, eigentlich fand ich viele Beiträge von KenFM sehr gut…….

  11. zum Thema:
    Das kaiserliche Deutschland finanzierte Prawda Von Julius Epstein
    Von Julius Epstein
    27. Juni 1957, 7:00 Uhr
    Aus der ZEIT Nr. 26/1957

    „Wir veröffentlichen hier zum erstenmal den vollständigen Originaltext eines Memorandums, das der deutsche Reichsaußenminister Richard von Kühlmann im Dezember 1917 für Kaiser Wilhelm II. verfaßt hat. Es befand sich bei den Akten des Auswärtigen Amtes, die die Engländer im Jahre 1945 in einem Salzbergwerk auffanden.

    Das Kühlmann – Memorandum beweist zum ersten Male die seit langem umstrittene These der finanziellen Unterstützung Lenins durch die deutsche Regierung. Zum ersten Male hatte das Propagandabüro des Präsidenten Wilson, das unter der Leitung George Creels stand, diese These lanciert. Creels Committee on Public Information hatte Edgar Sisson als Vertreter nach Petrograd entsandt; er sollte das Komitee bei der Kerensky-Regierung vertreten. Als Creel selbst Petrograd erreichte, war Kerensky bereits gestürzt und die bolschewistische Regierung ans Ruder gelangt. Antibolschewisten verkauften Creel damals eine Reihe echter und auch gefälschter Dokumente, aus denen klar hervorging, daß Lenin und seine Genossen große Beträge – eines der Dokumente spricht von fünfzig Millionen Goldrubel – von der deutschen Regierung erhalten hatten. Es blieb freilich ungeklärt, ob Lenin sich über den wahren Ursprung des Geldes im klaren war oder ob er und seine Leute glaubten, daß das Geld (was bei der Höhe der Beträge unwahrscheinlich war) von deutschen sympathisierenden linken Sozialdemokraten stammte, die bei der Übermittlung der Beträge eine Rolle spielten. Manches spricht dafür, daß Lenin und seine Genossen die wahre Quelle der deutschen Subventionen wohl kannten, daß sie aber aus leicht verständlichen Gründen den Schein aufrechterhielten, als glaubten sie an den sozialdemokratischen Ursprung dieser Unterstützung. – Im Jahre 1921 veröffentlichte der deutsche unabhängige Sozialdemokrat Eduard Bernstein eine Reihe von Artikeln im Berliner „Vorwärts“, in denen er die These von der deutschen Finanzierung der Bolschewisten von neuem aufstellte. Auch Bernstein sprach von Millionenbeträgen (allerdings nannte er die Summe von fünfzig Millionen Goldmark). Als Bernstein später, im Jahre 1923, die Quelle seiner Informationen enthüllen wollte, wurde ihm dies vom Parteivorstand der Deutschen Sozialdemokratischen Partei verboten. Die Partei fürchtete, die Veröffentlichung der Quelle der Bernsteinschen Informationen könnte der Weimarer Republik schaden, besonders in Anbetracht der Tatsache, daß das deutsche Ruhrgebiet damals von den Franzosen besetzt war. Bernsteins Informationsquelle war – wie hier zum ersten Male öffentlich mitgeteilt sei – niemand anderer als der Graf Brockdorff-Rantzau, Außenminister der Weimarer Republik, Chef der deutschen Delegation in Versailles und später deutscher Botschafter in Moskau.
    Seit jenen Tagen nun ist die Debatte über die deutsche Unterstützung der Bolschewisten nicht mehr abgerissen. Aber erst das Kühlmann-Memorandum von 3. Dezember 1917 – eine offizielle deutsche diplomatische Urkunde und daher Geschichtsquelle ersten Ranges – beweist die Richtigkeit der Creel-Bernsteinschen These in gültiger Form. Erst dieses Dokument schafft endgültige Klarheit darüber, daß die kaiserliche Regierung und der deutsche Generalstab nicht nur Lenin und Genossen in dem berühmten „versiegelten“ Waggon (der in Wirklichkeit gar nicht versiegelt war) von der Schweiz nach Saßnitz gebracht hatten, sondern daß der Erfolg der bolschewistischen Revolution zum nicht geringen Teil eine direkte Folge deutscher finanzieller Zuwendungen war.
    Zum besseren Verständnis des Kühlmann-Dokuments sei noch folgendes bemerkt: Die in der photographischen Wiedergabe der ersten Seite des Dokuments deutlich sichtbare Überschrift „Tel. Hughes i. Z. Auf Tel. No. 1771“ stellt die Anweisung Kühlmanns an sein Büro dar, den Inhalt des Dokuments mittels Hughes-Fernschreibers an das Große Hauptquartier, wo sich der Kaiser damals befand, weiterzuleiten.

    Unter den von den Engländern in Deutschland gefundenen Dokumenten des Auswärtigen Amtes befindet sich auch die an Kühlmann adressierte Antwort des Kaisers. Diese Antwort, die in Form eines Telegramms an Kühlmann vorliegt, trägt die Unterschrift Grünau. Grünau war offenbar ein Verbindungsmann des Auswärtigen Amtes im Großen Hauptquartier. In dieser Antwort vom 4. Dezember 1917 heißt es: „Seine Majestät, der Kaiser, hat sein Einverständnis mit Eurer Exzellenz’ Darlegungen bezüglich eines möglichen Rapprochements mit Rußland zum Ausdruck gebracht.“
    Der vollständige Text des Kühlmann-Memorandums lautet:

    Berlin, den 3. Dezember 1917

    zu AS 4486.
    Tel. Hughes i. Z.
    Auf Tel. No 1771.
    Die Sprengung der Entente und in der Folge die Bildung uns genehmer politischer Combinationen ist das wichtigste diplomatische Kriegsziel. Als schwächstes Glied in der feindlichen Kette erschien der russische Ring; es galt daher, ihn allmählich zu lockern und wenn möglich herauszulösen. Diesem Zweck diente die destruktive Arbeit, die wir hinter der Front in Rußland vornehmen ließen, in erster Linie die Förderung der separatistischen Tendenzen und die Unterstützung der Bolschewiki. Erst die Mittel, die den Bolschewiki auf verschiedenen Kanälen und unter wechselnder Etiquette von unserer Seite dauernd zuflössen, haben es ihnen ermöglicht, die „Prawda“, ihr Hauptorgan, auszugestalten, eine energische Aktion zu betreiben und die anfangs schmale Basis ihrer Partei stark zu verbreitern.
    Die Bolschewiki sind nun zu Herrschaft gelangt; wie lange sie sich an der Macht werden halten können, ist noch nicht zu übersehen. Sie brauchen zur Befestigung ihrer eigenen Stellung den Frieden; auf der anderen Seite haben wir alles Interesse daran, ihre vielleicht nur kurze Regierungszeit auszunutzen, um zunächst zu einem Waffenstillstand, und dann wenn möglich auch zum Frieden zu gelangen. Der Abschluß eines Separatfriedens würde die Verwirklichung des erstrebten Kriegszieles, den Bruch Rußlands mit seinen Verbündeten, bedeuten.
    Die Stärke der aus diesem Bruch notwendigerweise sich ergebenden Spannung wird die Intensität des Anlehnungsbedürfnisses Rußlands an Deutschland und seine künftigen Beziehungen zu uns bestimmen. Von seinen bisherigen Alliierten in Acht und Bann getan, finanziell im Stich gelassen, wird Rußland bei uns Unterstützung suchen müssen.
    Wir werden Rußland unsere Hülfe nach verschiedenen Richtungen hin zu teil werden lassen können; zunächst wohl bei der Ordnung und Wiederherstellung der Eisenbahnbetriebe (ich denke hierbei an eine deutsch-russische, von uns geleitete Kommission, welche im Interesse einer beschleunigten Wiederaufnahme des Warenverkehrs eine zweckmäßige Ausnutzung der Bahnen nach einheitlichen Grundsätzen durchzuführen hätte); sodann durch Gewährung einer größeren Anleihe, deren Rußland für die Inganghaltung der Staatsmaschinerie bedarf. Diese könnte in der Form von Vorschüssen auf Getreide, Rohstoffe u. s. w. gewährt werden, die Rußland liefern und deren Abtransport jene Kommission überwachen müßte. – Auf einer derartigen, je nach Bedarf noch auszugestaltenden Hülfsbasis würde sich meines Erachtens mit der Zeit eine steigende Annäherung zwischen beiden Ländern vollziehen.

    Österreich-Ungarn wird den Annäherungsprozeß mit Mißtrauen und nicht ohne Beklemmungen verfolgen. Ich möchte den Übereifer des Grafen Czerrin, mit den Russen ins Reine zu kommen, als den Wunsch deuten, uns zuvorzukommen und eine für die Donaumonarchie unbequeme Gestaltung intimer Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland zu hintertreiben. Wir brauchen uns an diesem Lauf um die Gunst Rußlands nicht zu beteiligen. Wir sind stark genug, um in Ruhe warten zu können; wir sind weit eher als Österreich-Ungarn in der Lage, Rußland das zu bieten, was es zum Wiederaufbau seines Staates gebraucht. Ich sehe der weiteren Entwicklung der Dinge im Osten mit Zuversicht entgegen, halte es aber für zweckmäßig, der österreichisch-ungarischen Regierung gegenüber bis auf weiteres in allen Angelegenheiten, welche beide Monarchien berühren, so auch in der polnischen Frage, eine gewisse Reserve zu beobachten, um für alle Eventualitäten freie Hand zu bewahren.
    Die im vorstehenden entwickelten Gedanken bewegen sich, wie ich annehmen darf, im Rahmen der mir von S. M. (Seiner Majestät, Die Red.) erteilten Direktiven. Bitte S. M. entsprechenden Vortrag zu halten und mir die Allerhöchsten Befehle zu telegraphieren. St. S.
    (Gezeichnet) K

    • Ich hätte das Geld auch genommen 😉

      Kann man mal sehen, wohin Destabilisierungsversuche auch führen können.

      Natürlich werfen diese Dokumente ein bezeichnendes Licht auf die Politik der Kriegsmächte, aber das ist ja nun nicht gerade überraschend.
      Daraus etwas Ehrenrühriges gegen die Revolutionsführung konstruieren zu wollen, halte ich für genauso daneben, wie es mit dem Hitler-Stalinpakt gerne versucht wird.

      Ach ja, müssen wir uns jetzt eigentlich kollektiv schämen, dass deutsche Finanzierung die Oktoberevolution ermöglicht hat?

    • Ich wollte nichts “ Ehrenrühriges gegen die Revolutionsführung konstruieren“.
      „Julius Epstein“ (den Autor) habe ich gegoogelt und er schien mir unverdächtig. Eine Wertung fand so nicht statt.
      Meiner Meinung ist der Artikel von Ernst Wolff dem Thema nicht gerecht geworden.
      Das Thema ist zu komplex um in ein paar Sätzen abgehandelt zu werden. In dieser Form kann das nur in die Hose gehen.
      Man kann sich nicht einem Aspekt rauspicken und daraus die Oktoberrevolution beurteilen.
      Sonst macht man den Fehler, den auch die „Geschichtsschreibung der DDR“ (in die andere Richtung) in Bezug auf die Oktoberrevolution gemacht hat.

    • Sorry, wenn ich missverständlich war, ich wollte nicht Ihnen ein „Konstruieren“ unterstellen, sondern nur zum Ausdruck bringen, dass so etwas gerne versucht wird.

  12. Nach meiner Ansicht ist „oberflächlich“ das harmloseste. was man zu diesem Artikel sagen kann.

    Ja, sicher sind Nachrevolutionäre Regimes um ihren Machterhalt besorgt und dabei geht es oft weder gerecht noch zimperlich zu.
    Allerdings ging es da wohl in den aller wenigsten Fällen um Machterhalt gegen das Volk, sondern gegen die, die gern alles rückabgewickelt hätten.
    Zu diesem Zwecke wird ja leider gern das Volk zur Destabilisierung vorgeschickt, indem man ihm Lügen erzählt, den Neid schürt und einigen oder allen das Blaue vom Himmel verspricht – blühende Landschaften oder so.
    Solle man mit der Rückabwicklung erfolgreich sein, ist das alles schnell vergessen. Das Volk bleibt wo und was es war, wenn es gut läuft.

    Wie luxuriös die sowjetische Führung gelebt hat, kann ich nicht einschätzen, aber ich vermute in etwas so luxuriös wie die DDR-Führung in Wandlitz.

    Das Fazit ist dementsprechend auch nicht so toll:
    „Die Lehre, die man heute aus der Russischen Revolution ziehen kann, lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Die gewaltsame Machtergreifung einer Minderheit führt – egal, welche Ideale sie vertritt  – in eine historische Sackgasse.“
    -reichlich kühn postuliert
    Man ist in einer Sackgasse gelandet, aber es ist nicht erwiesen, dass das zwangsläufig so sein muss.
    Mir drängt sich der Gedanke auf, dass solche Artikel entstehen, wenn man gerade Pasternak und Solschenizyn gelesen hat, das scheint mir etwas einseitig.

    “ Eine wirklich nachhaltige Veränderung der Verhältnisse lässt sich nur dadurch erreichen, dass man die Mehrheit der Menschen mit ausschließlich friedlichen Mitteln von der Richtigkeit der eigenen Ideen überzeugt.“
    – selbst hier möchte ich leise Zweifel anmelden
    Ich bin zum einen nicht sicher, ob man eine Mehrheit von der Richtigkeit der eigenen Ideen überzeugen kann, zumal aktuelle Machthaber immer fleißig dagegen arbeiten werden; zum Anderen fürchte ich, dass es mit der Friedlichkeit schnell vorbei ist, sobald an den Machtverhältnissen gerüttelt wird.

    • Ich fand den Artikel auch sehr holzschnittartig.
      Ein wenig mehr Differenzierung und Hintergrundinformationen wären schon hilfreich gewesen.

    • Es ließe sich noch anführen, daß der neue Staat Sowjetunion von Anbeginn an massiv bekämpft wurde, direkt durch entsandte Truppen der Entente und Sanktionen, und weiters, wie von ihnen erwähnt, durch Subversion über Instrumentalisierung von Dissidenten. Hier ist besonders zu erwähnen die Förderung von Faschisten in der Ukraine.

      Bezüglich persönlicher Annehmlichkeiten der Sowjetführung, bin ich soweit orientiert, daß hier der Abstand niemals so groß war, wie es im Westen der Fall war.

      Und ich bin immer noch der Meinung, daß es ein großes Unglück war, als die Sowjetunion implodiert ist. Hat dies doch erst zu den heutigen Exzessen geführt und gleichwohl zur historischen Schwäche emanzipatorischer Bewegungen.

      Anbei noch ein Russia Insider Artikel:

      Gorbachev Might as Well Have Been Working for the CIA

      More than anyone else, he was responsible for handing the US and UK their greatest strategic victory ever

      RI continues with a series of articles about the life and works of the brilliant postwar Russian philosopher, author, and dissident, Alexander Zinoviev.

      This time, his famous essay on how the West destroyed the USSR is introduced by his widow Olga, chairwoman of the Zinoviev Club at Rossiya Sevodnya, a major Russian news agency.

      Zinoviev often said that judging from Gorbachev’s behavior, one cannot exclude the possibility that he was working for the West, but that at the end of the day, it didn’t really matter, because what he did served the West’s interests exactly.
      http://russia-insider.com/en/history/zinoviev-general-secretary-was-weak-link-communist-system/ri11192

      Bezüglich friedvoller vs. gewaltsamer Machtergreifung, hier läßt sich schwerlich eine Regel ableiten. Das indische „friedliche“ Ergebnis, dient gleichfalls nicht als erfolgreiches Beispiel:

      India’s Independence from Colonial Britain and the Partition of India
      By Radhika Patel
      Global Research, August 21, 2017
      Global Justice Now 15 August 2017

      Today marks the 70th anniversary of India’s independence from colonial Britain. Flags in both India and Pakistan fly high to commemorate the end of colonial rule. But in talking about India’s independence we need to rid ourselves of some historical amnesia. The partition of northern India that was drawn up by the British at the same time meant that independence was a mixed blessing, offering freedom from imperialism on the one hand and some inherited imperial power struggles on the other. The rivalry and political tensions between the two countries continue as a result. That’s something which took me over a decade to figure out.
      https://www.globalresearch.ca/indias-independence-from-colonial-britain-and-the-partition-of-india/5605036

      Abgesehen davon, sind in beiden Staaten keine egalitären Gesellschaften entstanden, eher das Gegenteil.

      Herr Mausfeld postuliert am Ende seines aktuellen Beitrags, ein empathisches Entgegenkommen ist von Seiten der Eliten nicht zu erwarten.
      Man mußte stets um soziale Errungenschaften kämpfen.

    • Dickes Danke übrigens noch für Claus Peter Ortlieb. Schön zu sehen, daß es mehr Menschen sind, die sich nicht einfach von den üblichen (Schein)Tatsachen ins Bockshorn jagen lassen. Das erleichtert so manche Diskussion.

  13. Ich denke zu dieser Erkenntnis passt auch der „Whiskey on the Rocks“ Vorgang, daß man durchaus bereit war mit dem „Klassenfeind,“ hin und wieder, auf Geheimdienstebene und vielleicht nur auf dieser Ebene, zusammenzuarbeiten, um Verhältnisse zu zementieren und um einen dritten Weg in Misskredit zu bringen.
    Auch meine ich gelesen zu haben, daß es beim Kampf gegen die italienischen Kommunisten ähnlich war, z.B. beim Fall Aldo Moro.

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