Tagesdosis 4.4.2019 – Ein US Militärkrankenhaus der Superlative für Weilerbach

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Die Verbandsgemeinde Weilerbach in Rheinland-Pfalz besteht aus acht Gemeinden. Es finden sich beschauliche Orte wie Eulenbis , Mackenbach, Schwedelbach und eben Weilerbach. Diese Ortsgemeinde liegt nahe der US Air Base Ramstein. Offiziell hat die gesamte Verbandsgemeinde 14.027 Einwohner. Die Statistik erwähnt aber nicht die knapp 5000 US Angehörigen, die in dieser Region leben und arbeiten. Sie sind halt da und gehen ihrer Arbeit nach. Wen stört’s?

Es sind noch immer seit dem Ende des sogenannten Kalten Krieges, dem kompletten Abzug aller Sowjetsoldaten im Jahre 1994, geregelt durch den 2+4 Vertrag, rund 35.000 US Soldaten in Deutschland stationiert, verteilt auf 11 Standorte. Dazu kommen dann noch die Angehörigen, also Frauen und Kinder.

Der wohl bekannteste dieser Standorte liegt nahe Kaiserslautern und erlangt seinen berüchtigten Ruf durch die Tatsache, seit Jahrzehnten den strategischen Dreh und Angelpunkt kriegerischer US Außenpolitik außerhalb der USA darzustellen.

Erst jüngst im März musste sich ein deutsches Gericht mit der Klage jemenitischer Opfer von US Drohneneinsätzen beschäftigen, die ihre mörderische Programmierung in Ramstein erhielten. Im Juristendeutsch klingt die Problematik und Darlegung so, Zitat: Die Schutzverpflichtung, welche aus dem Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit aus Art. 2 Abs. 2 Grundgesetz erwächst, reiche aber nicht so weit, dass die Bundesregierung amerikanischen Drohnenangriffen die Unterstützung verweigern müsse (1). Provokativ decodiert erfolgt damit also die deutsche Absegnung kommender Todesurteile, umgesetzt durch US Drohneneinsätze. Geplant, eingeleitet und ausgeführt in Ramstein, Deutschland.

Was passiert nun aktuell in Weilerbach? Hier wird seit nun mehr als zwei Jahren, völlig an der Öffentlichkeit vorbei, das größte Militärkrankenhaus außerhalb der USA erbaut. Auf 49 Hektar, das entspricht ca. 70 Fussballfeldern, wird ein Krankenhaus der Superlative errichtet. Zitat: neun Operationssäle, knapp 100 Betten, insgesamt über 4.500 Räume. Hier werden die besten Militär-Chirurgen und Trauma-Spezialisten arbeiten (2). 2018 begann die eigentliche Bauphase. 2022 soll das Krankenhaus fertig sein. In einem im März 2019 produzierten Radio-Feature auf Deutschlandradio Kultur gibt es nun Aktuelles und vor allem genaueres zu hören:

Zitat: Die US-Air-Base Ramstein in der Westpfalz ist Dreh- und Angelpunkt amerikanischer Operationen in Afrika und dem Nahen Osten. Das soll auch so bleiben: Die USA investieren Milliarden in den Stützpunkt.

Gab es im letzten Jahr forcierte Diskussionen über die Zusammenhänge von Flüchtlingswellen und Krieg? Sollte also so eine Information, so eine Ankündigung die Politiker vor Ort nicht mehr als beunruhigen? Anscheinend nicht, denn Zitat: Einmal im Jahr fliegt Roger Lewentz in die USA. In ein paar Wochen ist es wieder soweit: Der rheinland-pfälzische Innenminister trifft sich mit Verantwortlichen des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Es geht um Geld, um viel Geld – und um große Politik. Nach seiner letzten Reise im März 2018 hatte er jede Menge gute Nachrichten im Gepäck. Über eine halbe Milliarde Dollar will das Pentagon in die US-Militärstandorte in der Pfalz investieren. Der Dollarregen ließ den SPD-Politiker jubeln.

Tja, die SPD und der Tod. Ein eingespieltes Team. Macht man sich weniger schuldig, stellt man nur Grund und Boden zu Verfügung? Alle Menschen dieser Region wissen um die Bedeutung dieses US Standortes. Warum es dahingehend keinerlei Probleme, vielleicht so gar Skrupel gibt, erklärt sich im Radio Feature so, Zitat: Anja Pfeiffer (CDU), Bürgermeisterin von Weilerbach, sieht die Militärpräsenz in ihrer Region pragmatisch. Die Militärpräsenz hier hat immer positive und negative Stimmungen, das gab es schon immer, aber wir sind damit groß geworden, und es ist hier einfach historisch bedingt verwurzelt(…) Wir sind eine strukturschwache Region, und es ist ein großer Wirtschaftsfaktor, ganz viele Bürger sind davon abhängig…(3)

Ich habe der Bürgermeisterin Fragen zukommen lassen, die sie bedauerlicherweise nicht beantwortet hat. Sie lauteten:

  1. Wie lautet Ihr Gegenargument zu folgender These: die Gewährleistung, bzw. die Unterstützung von militärischen und aktuell kriegsführenden Unternehmen sollte nie in Abhängigkeit von Wirtschaftsfaktoren erfolgen.
  2. Sehen sie persönlich einen Konflikt in dem Bau des Militärkrankenhauses in ihrer Gemeinde und der Tatsache, dass kommende Patienten mehrheitlich durch Kriegseinsätze zu Schaden kommen werden?
  3. Sehen sie persönlich einen Konflikt, dass zukünftig nur US-Bürger dieses Krankenhaus nutzen dürfen?
  4. Bezugnehmend auf das Radio-Feature auf Deutschlandfunk Kultur: Warum ist das Militärkrankenhaus, Zitat: ihre „Lieblingsbaustelle“?
  5. Wie hoch beläuft sich die Anzahl von Flüchtlingen aus Kriegs – und Krisengebieten in Ihrer Gemeinde?

Der Radiobeitrag bestätigt nochmals, Zitat: Immer noch ist der Flughafen in Ramstein die wichtigste Drehscheibe für alle amerikanischen Operationen in Richtung Afrika oder den Nahen Osten. Operationen heißt in diesem Falle Krieg. Zerstörung, Leid und Elend. Tod.

Operiert wird auch ab 2022 in Weilerbach. Brad Dunbar von der Defense Health Agency erklärt, wie das Krankenhaus plant, Zitat: „Das ist das größte Militärkrankenhaus außerhalb der USA. Wir haben zwei Aufgaben, und zwar in Friedens- und Kriegszeiten. In Friedenszeiten ist das Krankenhaus für alle Soldaten und ihre Familien, die in Europa stationiert sind. Und in Kriegszeiten werden hierhin alle Soldaten verlegt, die zum Beispiel in Afghanistan oder im Irak verwundet werden. Sie kommen alle über die Ramstein Air Base.“

Für US-Erläuterungen klingt das zu sehr nach schlichter Humanität, also ein eher schlechtes Zeichen. Die wahren Gründe der US-Armee werden sich daher in den nächsten Jahren zeigen.

Betrachten wir die Kosten und vor allem die Verteilung. Die erklärt Matthias Göbel vom Amt für Bundesbau, Zitat: „Es gibt ein Abkommen zwischen den US-Streitkräften und der Bundesrepublik, und da ist geregelt, wer für welche Kosten in so einem Projekt zuständig ist, und die Baukosten für dieses Projekt übernehmen zu 100 Prozent die US-Streitkräfte. Und die gesamten Planungskosten, die werden komplett von der Bundesrepublik getragen, in unserem Projekt heißt das, dass wir 990 Millionen Dollar für die Baukosten haben. Und 151 Millionen Euro für die Planungskosten werden bereit gestellt. Das sind konkret Steuermittel.“

Bitte kurz inne halten und verstehen. Sie, ich und du, also wir unterstützen mit 151 Millionen Euro Steuergeldern ein Krankenhaus, in dem zukünftig nur amerikanische Bürger behandelt werden. Davon ein nicht unwesentlicher Anteil von Patienten, die in völkerrechtswidrigen Kriegen zu Schaden kamen.

Problematisch? Sie ahnen es vielleicht, Zitat: Weilerbachs Bürgermeisterin Anja Pfeiffer sieht das pragmatisch: „Das ist immer so die große Frage: Arbeitsplätze! Es ist sicherlich wichtig, dass die erhalten bleiben. Und wenn neue dazu kommen, dann freuen wir uns auch. Es wird für die Leute, die hier Häuser bauen und an Amerikaner vermieten, positiv sein, das Aufkommen von Gästen und Personal, aber es wird auch großen Verkehr geben, weil die ganzen Amerikaner in Deutschland hier in das Hospital kommen. Man muss sich das mal vorstellen, es gibt ein Gebäude mit 5000 Räumen!“

Wie nennt man das? Verdrängung, Gefühlskälte, oder eben schlicht Pragmatismus?

Es findet sich die Seite vom Amt für Bundesbau Rheinland-Pfalz, eingerichtet für das Projekt US-Klinik Hospital Weilerbach (4). Weitere Fakten und ein erstaunliches Statement, Zitat: Ausdehnung Gebäudekomplex: ca. 600 m x 300 m, Gesamtgebäudefläche mit Parkhaus: ca. 190.000 m2, Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) hat im Oktober 2014 mit dem ersten Spatenstich den Baubeginn für das neue US-Militärkrankenhaus in Weilerbach markiert. „Dieses Bauvorhaben demonstriert eindrucksvoll die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA“, sagte sie.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit? Die Formulierung „Leichen pflastern ihren Weg“ dürfte in Bezug der weltweiten US Interventionen seit 1990 nun wahrlich nicht als anmaßend betrachtet werden. 1990 wurde auch der 2+4 Vertrag beschlossen, der die Deutsche Wiedervereinigung erst ermöglichte. In der Präambel, Artikel 2, findet sich folgender Text (5), Zitat:

Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik bekräftigen ihre Erklärungen, daß von deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird. Pause und wirken lassen.

Nach der Verfassung des vereinten Deutschland sind Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, verfassungswidrig und strafbar. Pause und wirken lassen.

Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik erklären, daß das vereinte Deutschland keine seiner Waffen jemals einsetzen wird, es sei denn in Übereinstimmung mit seiner Verfassung und der Charta der Vereinten Nationen. Pause und wirken lassen.

Im dreißigsten Jahr des sogenannten Mauerfalls müssen alle friedliebenden Bürger, alle Kriegsgegner Ost wie West, nüchtern erkennen – dieser Vertrag war rückblickend das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben steht.

Quellen:

  1. https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/ovg-muenster-drohnen-usa-ramstein-militaer-toetungen-jemen-grundgesetz-voelkerrecht/
  2. https://www.deutschlandfunkkultur.de/nahe-ramstein-im-bau-groesstes-amerikanische-krankenhaus.1001.de.html?dram:article_id=397090
  3. https://www.deutschlandfunkkultur.de/usa-investieren-in-ramstein-dollarregen-fuer-die-pfalz.1001.de.html?dram:article_id=444499
  4. https://www.abb-rlp.de/hospital-weilerbach/
  5. https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-einheit/deutsche-teilung-deutsche-einheit/43784/2-plus-4-vertrag

Fotohinweis: wikimedia.commons.org, Urheber: U.S. Army Corps of Engineers Europe District from Wiesbaden, Germany [Public domain], Lizenz: CC0 1.0 Universal (CC0 1.0)

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17 Kommentare zu: “Tagesdosis 4.4.2019 – Ein US Militärkrankenhaus der Superlative für Weilerbach

  1. Täglich grüßt das Murmeltier
    Das Grundgesetz wird ja schon lange mit Füßen getreten und das GG ist immerhin alt-bundesdeutsch.
    Wie soll es da um die Wirkungskraft des „Einigungsvertrages“ stehen?!
    Der war doch Glasperlen für die Eingeborenen und wenn es noch eines Treppenwitzes bedürfte, dann die politische Tradition der Familie De Maizere …
    Dazu passt auch, mit welcher erfrischender Offenheit der aktuelle USA-Botschafter in der BRD entsprechend den realen Verhältnissen agiert.
    Und so lange die Mehrheit der BRD-Bürger lieber über e-bay, amazon … i-phones kauft …
    Der letzte Krieg ist so lange her und die meisten Deutschen können gar nicht begreifen, wie es dazu kommen konnte, sie haben auch gar keine Zeit darüber nachzudenken, weil sie sich ja damit beschäftigen müssen, Vorschriften und Anordnungen deutscher Ministerien zu erfüllen …

    Die Bürgermeister dieser Gegend könnte man der Unterhaltung halber auch fragen, was die Arbeitsplätze im schlussendlichen Krieg mit Russland bringen.
    Eine Militärbasis wie Ramstein ist in militärischer Logik für die Gegenseite ein Ziel höchster Priorität.
    Das bedeutet, das Ziel muss sicher vernichtet werden und das bedeutet SICHER vernichtet; im Ernstfall werden auf Ramstein und Umgebung so viele Raketen abgefeuert und Bomben geworfen, dass die Luftabwehr garantiert überfordert ist, und solche Raketen und Bomben, dass ein Treffer reicht die gesamte Basis auszulöschen.
    Im Nuklearkrieg sterben sowieso alle, aber muss man sich dermaßen darum reißen?!
    Diese Gegend würde sprichwörtlich pulverisiert werden, so gesehen immerhin ein guter Wohnort für Lebensmüde, aber sonst so?!

  2. Gibt es nicht wo eine juristische Initiative, mit der man die Berliner Kriegsverbrecher und/oder Parteienfuzzis wegen geplanter oder begangener Kriegsverbrechen und/oder gegen das GG verklagen kann? Oder die Staatsanwaltschaft wg. Strafvereitelung auf Basis § 11 Soldatengesetz?
    Wuerde sofort mitunterschreiben.

    • Verklagen? Soweit ich weiß, hat dieser Lehrer aus Ramstein (er ist Teil der Doku „Ramstein – Das letzte Gefecht“) das beim Verfassungsgericht versucht und ist abgewiesen worden. Mit der Begründung er könne nur klagen, wenn er selbst unmittelbar betroffen ist. Hab da dunkel was im Gedächtnis. Muss die Doku nochmal gucken.

    • „Die Schutzverpflichtung, welche aus dem Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit aus Art. 2 Abs. 2 Grundgesetz erwächst, reiche aber nicht so weit, dass die Bundesregierung amerikanischen Drohnenangriffen die Unterstützung verweigern müsse (1)“
      Das als Antwort auf die selbst direkt betroffenen Jemeniten.

      Die Gerichte gehören doch längst zum Problem dazu.

  3. Vielen Dank, Bernhard Loyen, fuer die sehr interessante Zusammenfassung der Post-Kriegs-Massnahme der Imperialisten. Dieses Krankenhaus hätte auch zur Folge, dass der Sturm der Entruestung in den USA nur schwach entwickelt wuerde, weil die US-Amerikaner und potentiellen Soldaten fuer das Imperium nicht den ganzen Umfang des Desasters zu sehen bekommen.

  4. Oder hier:

    Große Koalition verlängert Bundeswehreinsatz in Mali
    Von Johannes Stern
    4. April 2019

    Am Mittwoch beschloss die Große Koalition, das militärische Eingreifen der Bundeswehr in Mali um ein Jahr zu verlängern und auszuweiten.

    Laut dem Mandatstext sollen die Obergrenzen für den UN-Einsatz MINUSMA sowie die EU Training Mission (EUTM) zwar unverändert bei jeweils 1100 und 350 Soldaten bleiben. Ergänzt wurde jedoch der zusätzliche Auftragspunkt: „Unterstützung bei der Wiederherstellung der staatlichen Autorität in Zentralmali.“

    Was das bedeutet, ist klar. Die Bundeswehr wird neben dem umkämpften Norden nun auch in Zentralmali verstärkt militärisch operieren.
    (…)
    In Wirklichkeit geht es der Bundeswehr in Mali nicht um die Bekämpfung des „Terrorismus“ oder den Aufbau „staatlicher Strukturen“. Seitdem der Bundestag Anfang 2013 beschloss, die französische Militärintervention zu unterstützen und die Bundeswehr in Mali zu stationieren, versinkt das Land zunehmend in Chaos und Gewalt. Das schreckliche Massaker in dem zentral-malischen Dorf Ogossagou, bei dem etwa 160 Menschen getötet wurden – darunter viele Frauen und Kinder –, zeigte jüngst die ganze brutale Realität der Besatzung Malis.

    Die offizielle Propaganda kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland in Afrika neokoloniale Eroberungskriege führt und mit diktatorischen Regimes zusammenarbeitet, um seine wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen auf dem bevölkerungs- und rohstoffreichen Kontinent durchzusetzen.

    Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD spielt die deutsche Afrikapolitik eine zentrale Rolle: „In keiner Region der Welt zeigen sich die Veränderungen der internationalen Politik so drastisch wie in Afrika“, heißt es dort. Die „Zusammenarbeit mit den Staaten Afrikas“ sei deshalb „eine zentrale Aufgabe unserer Zeit“ und liege „in unserem eigenen wirtschaftspolitischen, sicherheitspolitischen und migrationspolitischen Interesse“.
    (…)
    Die Offensive des deutschen Imperialismus in Afrika steht dabei genauso wie der Aufmarsch von Bundeswehrsoldaten an der Grenze zu Russland und die Auslandseinsätze im Nahen und Mittleren Osten in der Tradition deutscher Kolonial- und Großmachtpolitik. Der spätere Reichskanzler Bernhard von Bülow spekulierte vor allem auf den Erwerb von Kolonien in Afrika, als er in seiner berüchtigten Reichstagsrede am 6. Dezember 1897 für Deutschland als angeblich „zu spät gekommener Nation“ einen „Platz an der Sonne“ verlangte.

    Wie direkt die herrschende Klasse trotz ihrer Verbrechen im 20. Jahrhundert wieder an die alten imperialistischen Gelüste anknüpft – gepaart mit einer gehörigen Dosis Hybris und Selbstüberschätzung –, zeigt ein aktueller Beitrag im Magazin Internationale Politik, das vom regierungsnahen Thinktank Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) herausgegeben wird.

    Angesichts der Tatsache, dass „der Wettlauf um den Kontinent“ zwischen China, Russland, den USA und Europa „in die nächste Runde“ gehe, sei es „Zeit, mit einigen Irrtümern aufzuräumen“, heißt es unter der Überschrift „Das Ringen um Afrika“. Die „Bemühungen“ Deutschlands und Europas um Afrika seien „keineswegs“ zum „Scheitern verurteilt“ oder „zu spät gekommen“. Als „ehemalige Kolonialmächte“ verfügten die Europäer über „wirtschaftliche, kulturelle und soziale Verflechtungen mit Afrika, die 200 Jahre oder mehr zurückreichen“. Es seien eher „die Newcomer wie China, die sich Nischen suchen müssen“.

    Auch in der Afrikapolitik wird sichtbar, wie eng die Große Koalition mit der rechtsextremen AfD zusammenarbeitet. Bei der Abstimmung im Bundestag über die „Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Mission der Vereinten Nationen in der Republik Südsudan (UNMISS)“ am 21. März stimmte die AfD-Fraktion für die Vorlage der Bundesregierung. „Der vorgeschlagene Einsatz“ liege „aus grundsätzlichen Sicherheitsüberlegungen… im deutschen Interesse“, erklärte der AfD-Abgeordnete Lothar Maier im Bundestag. Das Land sei „reich an Ressourcen. Es hat Erdöl, Eisenerz, Chrom, Kupfer, Zink, Wolfram, Silber, Gold, Diamanten und manch andere Rohstoffe.“

    Die gleichen räuberischen Interessen stehen hinter der Verlängerung und Ausweitung des Kriegseinsatzes in Mali.
    https://www.wsws.org/de/articles/2019/04/04/mali-a04.html

    Es ließe sich schlußfolgern, wenn sie tatsächlich für ein friedliches Miteinander sind, worin die Ursachen für die Gewalt zu finden sind und wer die Hand an der Produktion der Mittel zur Gewaltausübung hat. Dann kennen sie das Warum und wissen an wen sie sich wenden müssen.

    • Ja, diese Entscheidung der Verlängerung ging ohne viel Aufhebens in den Medien vonstatten. Ich finde das auch sehr traurig – es ist gegen den Geist unseres Grundgesetzes, dass die Bundeswehr dort ist. Ich habe den von Ihnen verlinkten Artikel von Johannes Stern in der World Socialist Web Site gelesen. Was mich an diesem Artikel sehr stört, ist, dass Frankreich, die NATO, die UNO, Großbritannien und die USA und deren Interessen nicht erwähnt werden. Stern tut so, als ob Deutschland DAS einzige imperialistische Land schlechthin sei. Dabei bin ich sicher, dass Deutschland niemals militärisch etwas tun dürfte, was nicht entweder von Frankreich, England, USA, UNO oder NATO nachdrücklich „erwünscht“ ist. Deutsche militärische Eigenmächtigkeiten würden niemals geduldet. Ramstein und dieses neue Militärkrankenhaus nur für Amerikaner sind doch so etwas wie ein Beweis für die mangelnde militärische Souveränität Deutschlands. Das aber schreibt die „World Socialist Web Site“ nicht – und deshalb empfinde ich sie als unseriös. Überhaupt: Mir fällt immer öfter auf, dass links eingestellte, latent deutschfeindliche Propagandisten niemals diesen Status der Kontrolle und Abhängigkeit Deutschlands von den anderen westlichen Mächten thematisieren, sondern sehr oft tun sie so, als ob Deutschland schon immer imperialistisch gewesen sei, als ob es eine ewige, deutsche, militaristische Kontinuität gäbe und versäumen nie, an die deutschen Verbrechen des 20. Jahrhunderts zu erinnern, die furchtbar waren – das ist mir voll bewusst. Doch nehmen Sie mal die Fakten für das 19. Jahrhundert, der Hochzeit des Imperialismus: Vergleichen Sie mal die Anzahl der Kriege deutschsprachiger Länder – und es gab im 19. Jahrhundert zeitweise mehrere deutschsprachige Staaten – mit denjenigen der Kriegszahlen des British Empire und Frankreichs – nehmen wir mal die Zeit nach Napoleon bis 1913 – da kann man sehen, dass deutschsprachige Länder in diesem Zeitraum sogar von den dreien die allerwenigsten Kriege geführt haben:

      Kriege deutschsprachiger Länder 1816-1913 (mit Österreich-Ungarn, aber ohne Schweiz):
      1. Schleswig-Holsteinischer Krieg (1848–1851)
      2. Österreich: Krieg gegen Ungarn 1848 und 1849
      3. Deutsch-Dänischer Krieg (1864)
      4. Deutscher Krieg (1866)
      5. Deutsch-Französischer Krieg (1970-1871)
      6. Boxeraufstand China (1899/1900)
      7. Herero-Aufstand (1904)
      8. Nama-Aufstand (1904-1908)

      Quellen:
      ttps://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kriege_und_Schlachten_Preu%C3%9Fens
      ttps://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Kaiserreich
      ttps://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Milit%C3%A4rgeschichte

      Kriege Frankreichs von 1816-1913:
      1. 1821-1829 Griechischer Unabhängigkeitskrieg / Griechische Revolution (Europa)
      2. 1823 Französische Invasion in Spanien (Europa)
      3. 1828-1834 Miguelistenkrieg (Portugal)
      4. 1833-1840 Erster Karlistenkrieg (Europa)
      5. 1838-1839 Kuchenkrieg (Mexiko)
      6. 1830-1848 Eroberung Algeriens (Nordafrika)
      7. 1853-1856 Krimkrieg (Krim, Schwarzes Meer, Balkan, Pazifik)
      8. 1856-1860 Zweiter Opiumkrieg (China)
      9. 1859 Sardinischer Krieg / Zweiter Italienischer Unabhängigkeitskrieg (Italien)
      10. 1862-1867 Französische Intervention in Mexiko
      11. 1870-1871 Deutsch-Französischer Krieg (Europa)
      12. 1884-1885 Chinesisch-Französischer Krieg (Südostchina, Taiwan)
      13. 1893 Französisch-Siamesischer Krieg (Siam)
      14. 1899-1901 Boxeraufstand (Nordchina)
      das sind fast doppelt so viel wie zwei deutschsprachige Staaten zusammen (Dtl. und Österr-Ungarn)!
      (Quelle für franz. Kriege: Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag, Dokumentation:
      „Beteiligungen Englands und Frankreichs an Kriegen im 18. Und 19. Jahrhundert.“ )PDF.

      Und jetzt kommen dreimal so viele Kriege, wie mehrere deutschsprachige Länder zusammen, nämlich die Kriege des British Empire von 1816-1913:

      1. Gurkha-Krieg (1814–1816)
      2. Dritter Marathenkrieg Dritter (1817–1818)
      3. Erster Anglo-Birmanischer Krieg (1824–1826)
      4. Zweiter Anglo-Birmanischer Krieg (1852–1853)
      5. Dritter Anglo-Birmanischer Krieg (1885)
      6. Erster Anglo-Afghanischer Krieg (1839–1842)
      7. Zweiter Anglo-Afghanischer Krieg (1878–1881)
      8. Erster Opiumkrieg (1840–1842)
      9. Zweiter Opiumkrieg (1856–1860)
      10. Neuseelandkriege (1845–1872)
      11. Erster Sikh-Krieg (1845–1846)
      12. Zweiter Sikh-Krieg (1848–1849)
      13. Krimkrieg (1853–1856)
      14. Anglo-Persischer Krieg (1856 – 1857)
      15. Sepoy-Aufstand (1857)
      16. Schweinekonflikt (1859)
      17. Britische Äthiopienexpedition von 1868 (1868)
      18. Aschanti-Kriege
      19. Red River Expedition (1870)
      20. Zulukrieg (1879)
      21. Erster Burenkrieg (1880/81)
      22. Anglo-Ägyptischer Krieg (1882)
      23. Mahdi-Aufstand (1881–1898)
      24. Gordon Relief Expedition (1884/85)
      25. Britisch-Sansibarischer Krieg (1896)
      26. Zweiter Matabelekrieg (1896)
      27. Malakand Field Force (1897)
      28. Boxeraufstand (1899/1900)
      29. Zweiter Burenkrieg (1899–1902)
      30. Feldzüge in Somaliland (1902–1920)
      31. Britischer Tibetfeldzug (1903-1904)

      Deswegen: Diese Propagandisten, die ständig mit dem deutschen Imperialismus daherkommen – die Fakten sprechen eine andere Sprache! Die Propagandisten haben die Propaganda der Briten und FRanzosen übernommen, die ab den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts das deutsche Kaiserreich zum Feindbild aufgebaut haben.

    • Apropos Fakten. Es nutzt nichts eine Moralität zu zimmern, wo keine ist. Daß die deutschen Fürsten im Ausland weniger geplündert haben, liegt an der geografischen Lage, also zwischen allen und an der späten Einigung, in Folge dessen war der Globus bereits aufgeteilt.
      Und was bei diesen Aufstellungen außerdem fehlt, sind die Gewaltakte gegen die eigenen Bevölkerungen.

      Das Erwähnen von Souveränität im Zusammenhang von Nationen ist wie stets recht seltsam, denn wessen Souveränität ist damit gemeint? In der Anscheindemokratie doch die des Geldadels.
      Da ist wohl zu folgern, daß man sich mit Anderen zusammentut, um gemeinsam zu plündern, wenn es dem deutschen Geldadel so gefällt. Und daß man in Konkurrenz ist, wenn es dem deutschen Geldadel vorteilhaft erscheint.
      Im Zweifel hält man sich an jenen welchen der den größten Stock hat, und wer den größten Stock hat wurde in zwei Weltkriegen verdeutlicht.

      Schlußendlich, die Befähigung zur Unterdrückung und Plünderung hängt von den eigenen Kräften und der Befähigung zum Intrigantentum ab. Die Fürsten sind lediglich unterschiedlich befähigt und haben unterschiedliche Voraussetzungen. Mit Moral hat das nichts zu tun. Egal wo sie herkommen.

      Und bei diesem kurzen Anriss sei noch angemerkt, Krieg ist nicht nur wenn geschossen wird und die strukturelle Gewalt überhaupt ist auch außen vor. Sie sehen, da können sie ein Riesenfass aufmachen.

  5. Ja, auch ich sage DANKE für`s Stehenlassen der oberen Kommentare, liebes Kenfm…..!!!

    Aber ich möchte zur oberen Tagesdosis auch schreiben: Vielen Dank Herr Loyen für die wichtigen Informationen!!!
    Es macht etwas mit mir, habe ich gemerkt – und zwar macht es mich entsetzlich wütend….!!!
    Ich bin letztendlich auf das Vertrauen, das Gorbatschow den Amerikanern damals entgegen gebracht hat, sauwütend – warum konnte man das damals nicht anders, also schriftlich, gestalten…???? Die Amerikaner haben doch schon damals so viele völkerrechtswidrige Kriege und Regime-Changes durchgeführt – das mussten die Russen doch damals auch schon wissen…, wie kann man denn da vertrauen….??? Das war der Anfang vom Ende von Europa….

    • Es muss natürlich heißen: „DANKE für`s Stehenlassen der unteren Kommentare….“

  6. Off-topic, weil es sehr wichtig ist und heute der letzte Mitzeichnungstag ist für die beim Bundestag gestartete
    Anti-5 G-Petition. (Möge bitte KenFm entscheiden, ob das hier stehen bleiben darf.)

    Die Zahl der Mitzeichner hat innerhalb der letzten vier Tage von weniger als 5000 auf (in dieser Minute:) 38 444 zugenommen. Wie Ihr vielleicht wißt, benötigt man für ein Quorum 50 000 Stimmen.
    Bitte macht unbedingt mit, und, falls es Euch zu umständlich ist oder es andere Gründe dafür gibt, beim Bundestag nicht zu zeichnen, dann informiert Euch wenigstens über die katastrophalen Wirkungen von 5 G
    (hier: https://kenfm.de/kenfm-am-telefon-franz-adlkofer; wo wiederum mehrere Links zu finden sind.)

    Bundestagspetition Nr. 88260:

    https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2018/_12/_05/Petition_88260.mitzeichnen.html

    DANKE!!!

    • Danke, Kenfm-Team, fürs Stehenlassen. Die Petition geht gerade durch die Decke, jede Minute 30 – 50 neue Mitzeichner.

    • Aufpassen: Registrierung beim DBT wird wie folgt beantwortet:
      „Vielen Dank für Ihre Registrierung und Ihre Mitzeichnung der Petition Strahlenschutz – Verfahrensaussetzung zur Vergabe von 5G-Mobilfunklizenzen / Keine Einführung des 5G-Mobilfunkstandards ohne Unbedenklichkeitsnachweis Sie erhalten in Kürze eine E-Mail mit einem Link und Angaben zur Bestätigung des Vorgangs. Ihre Mitzeichnung wird nach der Bestätigung aktiviert.“
      Der letzte Satz ist WICHTIG! Weil mein Mail-Konto (Google-Chrom) die Bestätigung in den „SPAM“ geladen hat!

      SCHAUT UNBEDINGT IN DEN SPAM-ORDNER, DORT IST DIE SCHLUSSENDLICHE STIMMABGABE GELANDET!

      –> Was für Drecksäcke haben hier ihre Hände im Spiel, das eine Mail vom Deutschen Bundestag im „Spam“ landet?!!
      Diese Schweine schrecken vor nichts zurück, setzen alle Hebel in Bewegung, um dem Bürger sein Stimmrecht zu nehmen!!
      Augen Auf
      Dennis Voß

    • Danke für den Hinweis, Herr Voß.

      Glücklicherweise wurden die 50 000 heute um ca. 21 Uhr überschritten. Was mich irritierte, war, daß die Zahl der Mitzeichnungen stark variierte, wenn man die aufgerufene Seite aktualisierte. Mal waren es bis zu 200 weniger, dann wieder 100 weniger als der bereits angezeigte Höchststand, dann, nach vier oder fünf Aktualisierungen, kam man endlich wieder auf die höchsten Angaben. Dieses Phänomen verstärkte sich, je mehr es auf die Quorum-Schwelle zuging, und wenn man jetzt aufruft, also um 23 Uhr 35, kann man von 52 500 Stimmen bis
      50 160 Stimmen alle möglichen Varianten bekommen.
      Außerdem wird die Frage „Quorum erreicht“ immer noch mit nein beantwortet.
      Was da vor sich geht, würde man vielleicht bei einem Privatserver tolerieren.
      Aber mich beschleichen da ganz seltsame Gedanken, wenn ich so etwas mit ansehen muß.
      Würde mich nicht wundern, wenn die nächsten Tage versucht würde, die ganze Sache als ungültig zu erklären oder durch vermeintliche Computerstörungen irgendwie unglaubwürdig oder gar wertlos zu machen.
      Wer könnte das Gegenteil beweisen?
      In diesem Land: trau schau wem.

    • Gerade noch einmal aufgerufen.
      Zunächst was über 52 000.
      Dann runter, 51 000.
      Und beim dritten Aktualisieren sogar über 54 000.

      Da bin ich mal gespannt, welche Zahl letztendlich angezeigt werden wird.

    • Jaaaa, Petition mit 54 643 Stimmen angenommen!
      (Vermutlich fürchtet man sich inzwischen vor den zahlreichen Screenshots, die jene inzwischen machen,
      die sich nichts mehr vormachen lassen wollen.)

      Ein wichtiger Schritt.
      Aber wie könnte es jetzt weitergehen?

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