Tagesdosis 4.6.2018 – Rassismus für Intellektuelle

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Wer sind die Antideutschen? In meiner letzten Tagesdosis schrieb ich über ihr Treiben in der angeblich linksradikalen Clubszene im Leipziger Süden. Die laufende Veranstaltungsreihe »70 Jahre Israel« wird von Vertretern ihrer härtesten Front dominiert. Gemeint ist das Umfeld der Redaktion ihres Sprachrohrs »Bahamas« um Wortführer Justus Wertmüller. Wie er vertritt das Blatt teils klassisch rechtsradikale Positionen. Es grassiert anti-arabischer Rassismus, Parteien wie die AfD, die FPÖ und der Front National werden bejubelt. Die Tagesdosis stiftete Verwirrung. Tatsache ist, dass die Meisten, auch selbst erklärte Linke, das Phänomen »Antideutsche« nicht verstehen. Eins vorab: sind weder links noch »antideutsch«.

Links und rechts

Zunächst müssen die Zuschreibungen links und rechts näher beleuchtet werden. Sie entstammen der französischen Revolution. Im damaligen Parlament saßen rechts jene, welche die Monarchie bewahren wollten. Links saßen die Vertreter der bürgerlichen Demokratie. Letztere brachte den armen und am meisten unterdrückten Bevölkerungsschichten erstmals in Gesetz gegossene Rechte. So konnte die Monarchie – ein Relikt aus feudalen Zeiten, das dennoch bereits als Überbau des frühkapitalistischen Staats fungierte – von einer repräsentativen Demokratie abgelöst werden.

Was im Frühkapitalismus des späten 18. Jahrhunderts ein Fortschritt im Sinne der Armen war, ist es heute jedoch längst nicht mehr. Das seit seinem Beginn nach globalem Wachstum strebende System zerfällt bereits. In der Peripherie verlieren Staaten ihre Macht und Kontrolle, Oligarchen, Warlords und deren Terrormilizen übernehmen das Ruder. Alles drängt in die Barbarei. Auch in den Industrienationen zeigt sich der Verfall. Soziale Strukturen zerbrechen, Millionen rutschen in elementare Armut. Und die Staatsapparate rüsten auf. Politisch drängen sie in die autoritäre Richtung in Form von Polizeistaat, Diktatur, Faschismus.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen unterliegt jeder Kapitalist dem Zwang, seinen Profit zu mehren. Dabei steht er in Konkurrenz zu anderen Kapitaleigentümern. Die Folge: Das Kapital konzentriert sich in wenigen Händen. Aktuelle Zahlen, wonach inzwischen die acht reichsten Menschen etwa so viel besitzen, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, belegen das. Es ist logisch: Wo sich oben immer mehr anhäuft, bleibt unten immer weniger. Und es schwinden die Anlagemöglichkeiten. Darum privatisieren Staaten, wo es geht.

Zweitens hat der technologische Fortschritt die auf Kapitaleigentum auf der einen und abhängiger Lohnarbeit auf der anderen Seite basierenden Produktionsverhältnisse längst überholt. Wo Maschinen und Computer die Arbeit erledigen, werden Arbeiter freigesetzt. Das lässt Steuereinnahmen schrumpfen. Während die Zahl der Outgesourcten steigt, bauen die Staaten ihre Sozialsysteme ab. Die Verelendung innerhalb der unteren Schichten schreitet voran. Das treibt das Kapital noch schneller in die Überproduktions- und Verwertungskrise, die am Ende nur ein globaler Krieg im Sinne des Systemerhalts lösen kann. Wir sind mittendrin. Wer daran heute festhält, will bewahren. Per Definition steht er rechts.

Pseudointellektuelle Thesen

Zunächst: Der Versuch, politische Bewegungen zu unterwandern, psychologisch zu beeinflussen und zu verwirren, ist nicht neu. Die herrschende Klasse und ihr Instrument, der Staat, haben dazu alle Mittel. Schulen, Universitäten, Stiftungen, Institute, politische Parteien dienen vor allem dazu, Menschen systemkonform zu integrieren. Und Geheimdienste waren und sind ebenfalls nicht untätig.

Die »Antideutschen« traten erstmals mit dieser Selbstbezeichnung nach dem Mauerfall 1989 in Erscheinung. Sie rekrutierten sich aus Gruppen, die sich als »linksradikale« Intellektuelle sahen. Deren Befürchtung war damals durchaus nachvollziehbar: Sie wollten den Anschluss der DDR an die BRD aus Angst vor einem neuen Erstarken Deutschlands zur imperialistischen Supermacht verhindern. Fakt ist: Heute ist Deutschland einer der ökonomisch stärksten und aggressivsten Staaten in Europa, der die Profite für seine Bourgeoisie durch Niederhalten vor allem Süd- und Osteuropas sowie der »Dritten Welt« sichert. Dass die Politik dafür auf das Bündnis mit der global stärksten Militärmacht USA setzt, ändert daran nichts.

Vorarbeit für das Ideenwerk der »Antideutschen« leistete die »Frankfurter Schule«. Sie verkaufte wohlfühl-linken Studenten die Philosophien von Theodor Adorno und Max Horkheimer als neue Richtlinien. Politisch-ökonomisches Grundlagenwissen blieb außen vor. Dass deren Thesen ohne ein solches nicht zu verstehen sind, führte zu Fehlschlüssen. Darauf gründeten die »Antideutschen« 1992 ihr Blatt »Bahamas«.

Nach und nach manifestierten sich immer wirrere Ideologien. Man reduzierte den deutschen Faschismus auf seinen Antisemitismus und die daraus resultierende industrielle Ermordung der Juden. Die Alliierten-Mächte hätten, so hieß es, Deutschland vom Faschismus befreit, weil ihre bürgerlichen Demokratien besonders human und fortschrittlich gewesen, ja bis heute die wahren Vorreiter im Kampf gegen drohenden Faschismus seien. Das wahre Übel, so die These, sei das ungebildete Proletariat. Man negierte, dass Faschismus ebenso wie die bürgerliche Demokratie, letztlich eine Herrschaftsform im Kapitalismus ist.

Darauf aufbauend zerrissen die »antideutschen« Wortführer den »antikapitalistischen« Jargon der Nazis. Sie behaupteten, Antikapitalismus und Antiimperialismus – klassische linke Haltungen also – führten zu Faschismus. Damit ignorieren sie, dass die Nazis nicht meinten, was sie sagten, als sie sich als Sozialisten verkauften. Schließlich galt ihr Bestreben in letzter Konsequenz dem Erstarken der deutschen Bourgeoisie.

Ersatzweise fixierten »Antideutsche« sich auf den Antisemitismus, der zweifelsohne die Vernichtungs-Maschinerie der Nazis mit ermöglichte. Allerdings rechtfertigen sie damit die autoritäre rassistische Besatzungspolitik Israels. Jegliche antikapitalistischen und antiimperialistischen Aktionen gelten für sie daher als latent antisemitisch. Jedes Engagement gegen den Klassenkampf von oben deuten Antideutsche zum Hort faschistischer Bestrebungen um.

Seit an Seit mit AfD und Co.

Aufgrund von prokapitalistischer Heroisierung und ahistorischer Entökonomisierung des Faschismus bestimmt heute die Verachtung der Unterschicht das Denken der Antideutschen. Nur so konnte es kommen, dass sie den Islam zum neuen Faschismus erklärten, der die westlichen Imperien bedrohe. Das geht so weit, dass sie den von den USA nach 9/11 im Jahr 2001 ausgerufenen »Krieg gegen den Terror“ zu einem »antifaschistischen Projekt« umdeuten. Angriffe auf den Irak, auf Libyen und Syrien wurden in der Bahamas bejubelt. Lobeshymnen auf die AfD oder den Front National, ja, gar Rufe nach faktischer Neokolonialisierung von als rückständig bezeichneten Ländern gehören zum guten Ton.

Der ehemalige Chef des vermeintlich »linksradikalen« Clubs »Conne Island« und heutige Bahamas-Autor, Sören Pünjer, erklärte beispielsweise in einem Interview mit einem »antideutschen« Portal antirassistische Haltungen zu einer »menschenverachtenden Ideologie des Multikulturalismus«. Und der Bahamas-Redakteur Thomas Maul lobte vor einer Woche im »Conne Island« die unmenschliche Flüchtlingspolitik von Viktor Orban in Ungarn und entsprechende Forderungen der AfD in Deutschland. Damit liegen sie auf einer Linie mit der neuen Rechten. Und daraus machen sie auch gar keinen Hehl.

Nun ist Kritik an allen Religionen und ihrem Missbrauch durch die herrschende Klasse als ideologisches Machtinstrument nötig. Die heute links firmierende Seite blendet sie weitgehend aus. Dabei war Religionskritik immer wichtiges Element linker Programmatik. Von neoliberaler, rechtsextremer wie antideutscher Seite kommt sie indes chauvinistisch daher. Die imperialistischen Machtstrukturen hinter patriarchaler Rückständigkeit und religiöser Radikalisierung werden verleugnet. Sie konstruieren Leidtragende zu Haupttätern, verkehren Symptome zur Ursache, hetzten untere Schichten ethnisch gegeneinander auf – ein perfekter System erhaltender Job für die Herrschenden.

Verwirrung stiften

Wie diese Ideologie in den Teilen des Bildungsbürgertums, das sich links sieht, greifen konnte, lässt sich nur vermuten. Sicher trug die »politisch korrekte« Indoktrination künftiger staatstragender Protagonisten in den Hochschulen und der ohnehin in diesen Kreisen vorhandene bürgerliche Chauvinismus dazu bei. Hinzu kommt flächendeckend, auch in der Linken, fehlendes politisch-ökonomisches Grundwissen. Jedenfalls zieht offensichtlich die schlichte Moralkeule a la »Antisemitismus ist böse«.

Im Übrigen: Längst lehnen die meisten »Antideutschen« die Bezeichnung »antideutsch« ab. Sie firmieren als »Ideologiekritiker«. Traf »antideutsch« in Bezug auf ihre Haltung zum Anschluss der DDR an die BRD zu, passt der Name heute nicht zu ihrer Verteidigung imperialistischer Nationalstaaten, auch des deutschen. Auch als »links« bezeichnet sich etwa die Bahamas-Fraktion längst nicht mehr. Im Gegenteil: Sie wendet sich vielmehr »gegen den linken Mainstream«.

Als »linksextrem« dargestellt werden diese Hardcore-Antideutschen und ihre Anhänger, die kurioserweise in Teilen sogar lautstark gegen AfD-Veranstaltungen protestieren und so eine Konkurrenz simulieren, die es nicht gibt, lediglich von politischer und medialer Seite. Das geschieht offenbar sehr kalkuliert. Denn wer politische Begriffe umdeutet und diskreditiert, stiftet unstrukturierte Empörung und Verwirrung. Politisch Verwirrte sind leichter zu lenken.

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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29 Kommentare zu: “Tagesdosis 4.6.2018 – Rassismus für Intellektuelle

  1. Ein wenig Rat- und Hoffnugslosigkeit macht sich bei mir breit.
    Nein, nicht deswegen, weil ich nicht weiß, wer der künftige Fußballweltmeister sein könnte oder wie viele Enkel Englands „Königin“ haben wird.
    Ratlos macht mich die heute herrschende Zeit der Maskeraden. Das „who is who?“ der politischen und gesellschaftlichen Schichten.
    Ist die Hartz-IV-SPD noch eine sozialdemokratische Partei? Sind die Oliv-Grünen eine ökologische Antikriegspartei? Sind die Rechten rechts und die Linken noch rechter als die Rechten?
    Ist das Gesundheitsministerium wirklich an der Gesundheit der Bürger interessiert? Warum heißt das Verteidigungsministerium nicht Kriegsministerium (entsprechend der tatsächlichen Funktion heute)?

    Warum rat- und hoffnungslos? Weil angesichts der wenigen oben genannten Beispiele ich mir (zur Zeit) nicht vorstellen kann, wer oder was eine echte Alternative dazu sein und bahnbrechende, ja revolutionäre Schritte in eine menschliche Richtung einleiten könnte.
    Mag sein, dass meine Sicht der Dinge etwas pessimistisch gefärbt ist, aber ich sehe weit und breit niemanden und nichts, was uns aus diesem teuflischen Karussell aussteigen lassen könnte.
    Naja, es sei denn die zweite biblische Sintflut…..

    • Es gibt die Partei „Neue Mitte“, deren Frontmann Christoph Hörstel heißt, und die genau das möchte. Ob die überhaupt eine Chance haben, weiß ich aber leider auch nicht.
      Für die Finanzen ist da Franz Hörmann zuständig, der übrigens ein Vollgeld-Befürworter ist. Vollgeld hätte den Vorteil, dass es sich leicht umsetzen ließe. Man müsste lediglich das Buchungsverfahren und ein paar Geschäftsprozesse umstellen; ein Softwareupdate sozusagen. Der Rest, Banken, Sparkassen und so, könnte alles so bleiben..

    • Christoph Hörstel, schaue ich mir auch regelmäßig an.
      Ich halte ihn in dem Maße gut, das er einen anderen Blick auf das Weltgeschehen (Geopolitik) so wie auf Deutschland hat, als das, was einem sonst so geboten wird. Er ist ein guter Analyst.
      Als Parteichef – oder Politiker mag ich ihn nicht. Er kann es einfach nicht.
      Alles springt nach meiner Pfeife …. das wird nichts.
      Die Querelen in der „Neue Mitte, Deutsche Mitte und wieder zurück“ – Austritt –> Neugründung….(wie oft noch?)
      Auch sein Mitstreiter Franz Hörmann hallte ich für „nicht ganz koscher“.
      Selbstüberschätzung + viel Eigeninteresse = meine Wahrnehmung.

    • Ich versteh Dich da gut, Adam. An die Sintflut denke ich da auch. Meine kleinen Freudenhupfer kriege ich nur noch von einzelnen couragierten Individualisten, deren Blick noch offen und vorurteilslos ist – oder war. Aus der Vergangenheit so wie auch aus der Gegenwart. Heute kann man sich glücklich schätzen, wenn man nur wenigstens eine vertraute Menschenseele an seiner Seite weiß.

    • @ schwarz ist weiß:
      „Selbstüberschätzung + viel Eigeninteresse = meine Wahrnehmung.“

      Also so wie die Regierungspolitiker derzeit auch?
      Möglicherweise.. Mer waas es ned..

    • „Selbstüberschätzung + viel Eigeninteresse = meine Wahrnehmung.“
      Also so wie die Regierungspolitiker derzeit auch?
      Kann man so sagen – in der Opposition sieht es auch nicht viel besser aus.

  2. @ Susan Bonath, Zitat: „Heute ist Deutschland einer der ökonomisch stärksten und aggressivsten Staaten in Europa, der die Profite für seine Bourgeoisie durch Niederhalten vor allem Süd- und Osteuropas sowie der »Dritten Welt« sichert. Dass die Politik dafür auf das Bündnis mit der global stärksten Militärmacht USA setzt, ändert daran nichts.” – Zitat Ende

    Das ist so nicht richtig. Um die Rolle Deutschlands verstehen zu können, muss man zwei grundlegende Faktoren identifizieren:

    1. Die Entstehungsgeschichte der BRD – die nicht identisch ist mit dem Völkerrechtssubjekt Deutschland auf der Grundlage seiner völkerrechtlich gültigen Verfassung von 1919 – und respektive den Aufbau der BRD durch die USA bzw. CIA, die Deutschland bis heute politisch und militärisch kontrollieren.

    2. Die Integration des deutschen Kapitals nach dem Weltkrieg in den transnationalen Imperialismus (evidenter Weise hatten die USA kein Interesse daran, eine eigenständige, unabhängige deutsche Bourgeoisie neu aufzubauen).
    Als Teil des transnationalen Imperialismus ist das deutsche Kapital imperialistisch. Das bedeutet, dass dieser Imperialismus, den das Kapital selbst als „Globalisierung“ bezeichnet, politisch durch die USA geführt wird und sich militärisch in der NATO konstituiert. So ist bspw. die Deutsche Bank kein deutsches Unternehmen, nur weil diese immer noch so heisst, sondern wie die meisten Grosskonzerne gehört sie mehrheitlich internationalen Finanzkonzernen.
    Marxisten schauen immer auf die ökonomische Basis. In diesem Zusammenhang ist auch die Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich „The network of global corporate control“ interessant:
    http://RoteFahne.eu/2011/11/aktuelle-studie-wer-und-was-ist-die-imperiale-oligarchie/

    Die EU ist das Projekt des US/NATO geführten Imperialismus und wird über Deutschland durch diesen kontrolliert. Der entscheidende Punkt aber ist, dass das (westliche) internationale Grosskapital den Bezugs- und Ordnungsrahmen des Nationalstaates längst verlassen hat. Die Annahme, es gäbe eine imperialistische Konkurrenz zwischen bspw. Deutschland und Frankreich oder zwischen der EU und den USA ist daher falsch.

    Zitat: „die unmenschliche Flüchtlingspolitik von Viktor Orban in Ungarn” – Zitat Ende

    Worin besteht die? Meinen sie die Masseneinwanderung? Sprechen Sie Ungarn das Selbstbestimmungsrecht ab? Sind Sie eine Gegnerin des internationalen Völkerrechts?
    Internationales Völkerrecht – Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte
    Teil I, Artikel 1
    1. Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung. Kraft dieses Rechts entscheiden sie frei über ihren politischen Status und gestalten in Freiheit ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.

    • Da bin ich gerade über ein Video von Stefan Molineux gestolpert. In einem Gespräch mit Diana West geht es um ihr Buch „American Betrayal“. Dort wird u.a. der 2. Weltkrieg und die Entstehung der BRD in einer etwas vollständigeren Geschichte erzählt als an der Schule so üblich:
      „The Communist Subversion of America | Diana West and Stefan Molyneux“ (04.06.2018)
      Auf youtube: watch?v=N5RLR77bpr4

      Viktor Orban unmenschlich.. Vielleicht ist er ja tatsächlich Vulkanier? ;o) SCNR

    • „Die Annahme, es gäbe eine imperialistische Konkurrenz zwischen bspw. Deutschland und Frankreich oder zwischen der EU und den USA ist daher falsch.“
      Vielleicht bin ich naiv? Ist der Handelskrieg (USA- EU) nur Simulation?
      Auch die „Reformen“ von Macron auf die angeblich wirtschaftliche Stärke von Deutschland hat nichts mit Konkurrenz zu tun?
      Es gibt Zusammenarbeit – aber nur, wenn es den eigenen Machtinteressen nutzt.

      Ungarn ist fester Bestandteil der EU.
      Ungarn’s Selbstbestimmungsrecht (Flüchtlingspolitik), wird verurteilt, weil es die Interessen von z.B. der deutschen Regierung entgegensteht.
      Alle Länder der EU sollen so handeln wie Deutschland.
      Der Hintergrund ist, das Deutschland eventuelle Nachteile seiner Flüchtlingspolitik relativieren will.
      Würden die Flüchtlinge nach einem Schlüssel in der EU aufgeteilt, würde Deutschland seinen Führungsanspruch schneller weiter ausbauen können.
      Hier geht es meiner Meinung nach schon um imperialistische Konkurrenz.
      Das Hemd ist einem näher als die Hose.

    • @ schwarz ist weiß – Es gibt keinen „Handelskrieg“ zwischen den USA und der Institution EU. Es gibt hier und da Feinabstimmungen zwischen verschiedenen Lobbygruppen, aber ein Handelskrieg sieht anders aus.
      Ganz im Gegenteil arbeitet die EU dem US-geführten Kapital in Sachen TTIP und Co. zu.

      Macron wurde durch das Bankkapital an die Macht gebracht, er ist der Mann von Goldman Sachs. Nur mit massiver Hilfe der NATO-Medien konnte dieser Niemand innerhalb von 1 1/2 Jahren auf den Thron gehievt werden.

      Sie haben nicht verstanden, dass sowohl die französischen Grosskonzerne, wie auch die deutschen grösstenteils denselben internationalen institutionellen Investoren gehören. Deshalb denken Sie immer noch in den Kategorien von vor 100 Jahren, als die jeweiligen Nationalstaaten noch auf nationalem Kapital gründeten.
      Eben weil das heute nicht mehr so ist, will das Kapital ja die Republiken bzw. Nationalstaaten beseitigen.

      Es gibt keine Flüchtlingspolitik oder Flüchtlingskrise. Das ist mediales Wording, um zu verschleiern, was in Institutionen der UNO und der EU „Replacement Migration“ genannt wird.

    • Na ja, Feinabstimmungen kann man Strafzölle auch nennen.
      Doch will ich nicht ihre Ausführungen ganz in Frage stellen.
      Den Satz „Eben weil das heute nicht mehr so ist, will das Kapital ja die Republiken bzw. Nationalstaaten beseitigen.“ sollten sie mal belegen.
      Hinter dem Kapital verstecken sich die unterschiedlichsten Interessengruppen.
      Das mag für einen Teil der Kapitalgeber zutreffen – es handelt sich aber um keine homogene Masse.

      „Macron wurde durch das Bankkapital an die Macht gebracht, er ist der Mann von Goldman Sachs.“
      Macron war nicht bei Goldman Sachs sondern vier Jahre lang im Dienst der Investmentbank Rothschild.
      Das sein Wahlkampf auch durch Banken unterstützt wurde, ist anzunehmen – was aber keinen Wahlerfolg garantiert.
      Auf Epochtimes wurde am 9.Mai 2017 gemeldet: „11,47 Prozent ungültige Stimmen – Le Pen-Stimmen beschädigt ausgegeben“
      Da wurde, wenn man dem glauben kann, an „verschiedenen Fronten gekämpft“.

      Replacement Migration:
      Is It a Solution to Declining and Ageing Populations?
      (aus dem Original hier rein kopiert. Sehen Sie das Fragezeichen am Ende!)
      Es sind keine „Forderungen“ der UNO.
      Aber das sehen bestimmt Anhänger dieser Theorie nicht so.
      Wenn man dann Ausführungen des amerikanische Militärstrategen Dr. Thomas P. M. Barnett mit ins Spiel bringt, kommt dann solcher Unsinn bei raus, der unsere Ängste befeuert und uns in die Opferrolle bringt.

    • Ein erhöhter Zoll auf einzelne Produkte ist noch kein Handelskrieg.

      Der Beleg ist die Institution EU. Muss man das im Jahre 2018 wirklich noch erklären? Hier ein Auszug aus einer meiner Schriften aus 2010:

      „Im Manifest der Kommunistischen Partei von Karl Marx und Friedrich Engels von 1848 heisst es u.a.:

      – „Die Bourgeoisie hebt mehr und mehr die Zersplitterung der Produktionsmittel, des Besitzes und der Bevölkerung auf. Sie hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das Eigentum in wenigen Händen konzentriert.

      Die notwendige Folge hiervon war die politische Zentralisation.

      Unabhängige, fast nur verbündete Provinzen mit verschiedenen Interessen, Gesetzen, Regierungen und Zöllen wurden zusammengedrängt in eine Nation, eine Regierung, ein Gesetz, ein nationales Klasseninteresse, eine Douanenlinie.“ –

      Was im Kommunistischen Manifest (entsprechend dem damaligen Entwicklungsstand) die Bildung regionaler „Provinzen“ zu regionalen „Nationen“ analysierte und beschrieb, lässt sich heute quasi 1:1 auf die imperiale Ebene übersetzen – man tausche lediglich das Wort „Provinzen“ durch „Nationalstaaten“ aus, denke also einfach eine Ebene höher.
      Wir sehen also, wie unsere Analyse der heutigen Entwicklung hier vollständig mit dem Kommunistischen Manifest korrespondiert.“

      Stimmt, Macron ist Rothschild, nicht Goldman Sachs, mein Fehler.

      – Replacement Migration –
      The report considers replacement migration for eight low-fertility countries (France, Germany, Italy, Japan, Republic of Korea, Russian Federation, United Kingdom and United States) and two regions (Europe and the European Union).
      Quelle: http://www.un.org/esa/population/publications/migration/migration.htm

      Ich sagte nicht, dass dies eine „Forderung“ der Vollversammlung der UNO sei, sondern dass dies in Gremien der UNO und EU „Replacement Migration“ genannt wird.

  3. Vielen Dank für die nochmalige (angenehm kurze) Zusammenfassung.
    Angesichts der Tatsache, dass der ganze Irrsinn mitunter über staatliche Stiftungen finanziert wird, frage ich mich, ob das nicht Teil einer gewollten Verhinderung einer erfolgreichen Integration ist.

    Ich habe mir heute abend ein paar Videos angeschaut, darunter
    „Hamed Abdel-Samad – Integration – DAI Heidelberg“ vom 29.05.2018
    Auf youtube: watch?v=TsuqnaU4LmM
    (Der eigentliche Vortrag ist nur etwa 1h20 lang) Seine Analyse finde außergewöhnlich fundiert und zutreffend.

    Den phillipinischen Oliver kann man sich auch mal angucken, wenn man zuviel Zeit hat [g]:
    „Der Rassismus der Linken – Jason im Interview“
    Auf youtube: watch?v=hxPv3Pe4Ai4

  4. Ein Beispiel zu „Rassismus für Intellektuelle“ aus meiner Wohnheimat Zweibrücken – Ein Aufruf der örtlichen Antifa am 01.03.2017:
    Aufhänger ist eine Gegendemo gegen einen „Naziaufmarsch“, das lässt den schönen Spruch „NO TEARS FOR KRAUTS“ zu. Die Antifa meint damit, dass ausnahmslos alle Deutschen 1945 Nationalsozialisten waren und alle Nationalsozialisten die Todesstrafe mittels Bombardierung durch Engländer und Amerikaner verdient hatten.

    „NO TEARS FOR KRAUTS“ ist für mich extrem fehlentwickeltes Denken und Handeln der Antifa Menschen, getreu deren Motto: es ist alles in Ordnung (im eigenen Handeln), tu was du magst, mal schauen wie weit man gehen kann, was wir tun ist helfen.
    Dieser Antifa Hass auf die Deutschen werden die einzelnen Antifa Individuen zeit ihres Lebens nicht wegbekommen. Zukünftige Rentner voller Hass.

    Quelle: http://solidarischerose.blogsport.de/2017/03/01/aufruf-zur-antifaschistischen-demonstration-am-14-maerz/
    …“Anlass ist die Bombardierung der Stadt durch die Alliierten im Jahr 1945.“…
    ….“Dort stellt der Nationale Widerstand Zweibrücken Deutsche als die eigentlichen Opfer des Zweiten Weltkriegs dar, deutet die Geschichte zu seinen Gunsten um und leugnet jeden Grund, der zur Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten führte.“…
    …„Die Luftwaffe der Alliierten bombardierte Zweibrücken und andere deutsche Städte um die nationalsozialistischen Verhältnisse und die damit verbundene Barbarei zu beenden. Das ist für Neonazis ein Grund zu trauern – für uns nicht.“…

    • Die Antideutschen, die eigentlich zumeist gar nicht mehr „antideutsch“ genannt werden wollen, sind alles, nur keine Antifaschisten (was ja eigentlich Antifa bedeutet). Sie haben einen Teil der Anfifa-Strukturen fest im Griff mit ihren kruden Thesen. Was die Begriffsverwirrung natürlich perfekt macht. Ich nenne die Antideutschen, also die sich selbst als „Ideologiekritiker“ Bezeichnenden darum eigentlich „Transatlantifa“

      „No Tears for Krauts“ hängt übrigens auch mit der Bahamas zusammen. Auf deren Webseite lässt sich das bestens nachvollziehen. Sie schreien gegen Nazis, stehen aber in der Tat auf derselben Seite wie sie. Nun ist bei solchen Netzwerken anzunehmen, dass wie immer die meisten Mitläufer nur dumme Studies sind, die gerne intellektuell rüberkommen und sich so über andere erheben wollen. Das ändert aber nichts daran.

  5. Danke Frau Bonath!
    Sie greifen ein Thema auf, das für mich ein einziger Irrsinn ist.
    Da schmieren Pöbelanten Sprüche auf Transparente („Deutschland, du Stück…), als gelte es einer Person mal so richtig in die…zu hauen. Wer oder was aber damit gemeint ist, bleibt unerwähnt.
    Mutti, Vati, Omi, Opi, der nette Dealer von an der Ecke, der Boden in den Grenzen dieser BRD (nicht Deutschland)? Das System kann ja wohl nicht der Adressat sein, da sich diese Bande schließlich davon füttern und hofieren lassen darf, wie Claudia, die Rothe, so schön zur Schau stellte oder unsere vom Sendungsbewusstsein gestählte Kanzlerin und beide wegen Volksverhetzung verurteilt gehörten, wie alle diese Brüllaffen, die den kollektiven Tod einer Nation/Bevölkerungsgruppe, also ein Genozid herbeisehnen und damit zum Mord aufrufen! Hier sollten wir zunächst ansetzen und auf den strafrelevanten Inhalt aufmerksam machen! Als was sich jene Nestkacker politisch bezeichnen ist irreführend. So was kann aus geschichtlicher Perspektive gesehen nie und immer „Links“ sein. Wer jetzt gleich wieder auf Faschismus tippt, der liegt meiner Meinung nach falsch, da zumindest zur Schau gestellt, dem Faschismus seine Nation etwas zu bedeuten schien. Ich halte es für müßig, gemäß StVO hier Seiten zu deklarieren, da jede Seite sowieso nicht das ist, was sie auf der Fahne hat.
    Wie dümmlich die „Antideutschen“ agieren wenn sie sich bei der AfD anwanzen sollten, ist offensichtlich, da offiziell die AfD den Deutschen, also dem erklärten Endlösungskandidaten, den Vorzug zu geben gedenkt. Ist für mich ein Widerspruch. Ebenso unerklärlich bleibt mir, wie diese „Bewegung“ etwas anhasst und beschimpft und das auch noch in der Sprache des erklärten Feindes, die sie selber auch noch spricht. Das ist so was von inkonsequent und lächerlich – für mich. Ich empfehle hier gerne die sektengeprüfte kollektive Selbsttötung als ersten Schritt zur Dezimierung deutschstämmigen Untervolkes.
    Antideutschbewegungen stinken für mich gewaltig nach gelenkter Unruhestiftung und Spalterei – also Verschwöhrungspraxis! Immer muss die Frage gestellt werden, wer davon profitieren könnte und schon kann man diese Paviane nur noch als Söldner bezeichnen, die genauso das tun, was sie selber so vorgeben zu verachten.
    Ich gehe davon aus, dass derartigen Schattengestalten bei Wegfall des aktuellen Feindes fix ein anderer Stamm ins Visier gerät. Man kann hier keine Toleranz dulden. Weg damit in den Gulag!
    Liebe Frau Bonath, danke, dass sie den Rassismus der israelischen Machthaber ansprechen. Die Völker Arabiens werden wissen, warum sie Israel hassen und das dürfen. Wir sollten hierzu den Mund halten, nicht aus der verordneten Kollektivschuld heraus, sondern, weil unser Groll gegen diese Religionssekte nicht ganz so viel Gehalt hat. Solidarität mit Israel oder wahlweise Arabern geht auf jeden Fall für uns nach hinten los, da wir von beiden Seiten verachtet und nur benutzt werden.
    „Man reduzierte den deutschen Faschismus auf seinen Antisemitismus und die daraus resultierende industrielle Ermordung der Juden.“ Hier streuen sie Gift ein! Ja, ich tue es und zweifle die letzten fünf Worte des zitierten Satzes an. Warum? Das kann jeder, der nicht gehirngewaschen ist herausfinden. Es gibt hierzu Hilfen wie die Physik, Logistik, die Kriegsumstände, die Nachlässigkeit der Tötungsindustrie, da immer wieder jüdische Zeugen auftauchen, die mindestens zwei Vernichtungslager überlebt haben wollen (was nach Opferlogik gar nicht sein könnte), die Nachkriegsumstände, die Geschichte dieser oft recht aggressiv agierenden Opfergemeinschaft und natürlich das Geld der anderen, wenn es ihnen zu Gute kommt. Geld war schon immer deren Ding und auch der Drang nach Osten, dem nahen!
    Was uns allen fehlt – denke ich – ist ein Verständnis damaliger Umstände und Situationen, um Verläufe und daraus resultierende Ereignisse respektieren zu können, ohne Schaum vorm Mund und Lügen im Kopf. Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben, schrieb mal jemand!

    Danke und ideologiefreie Grüße!

    • Ich frage mich, was „KenFm“ für Geschichtsrevisionisten so attraktiv macht ?! Überlebende Zeitzeugen quasi als Schwindler und aggressive Akteure hinzustellen – somit Opfer zu Tätern umzudeuten – und mit Berufung auf angedeutete physikalische und logistische Argumente die Existenz des Massenmordes in Zweifel zu ziehen (nicht zu leugnen …natürlich) schlägt dem Fass den Boden aus.
      Frau Bonath ist zu beudauern, sich von „ideologiefreien“ Gesellen Ihres Schlages als „Liebe Frau“ anreden lassen zu müssen.

  6. Antideutsche: Grundanliegen gut.

    Das „Grundanliegen“, dass die „antideutsche“ Bewegung innerhalb der deutschen Antifa-Szene ungefähr seit Annexion der DDR verfolgt, ist gut:

    1. Deutschland soll kein großes Reich mehr werden, mehr Macht = mehr Krieg. Das hat sich heute bewahrheitet
    2. Der Antisemitismus als Ressentiment soll verschwinden. Auch das bleibt für uns alle, ob Antideutsche oder nicht, eine Charakterprobe – denn klar dürfte sein: Eine zukünftige Gesellschaft, die Teile von sich selbst als „unwert“ ansieht, ist nicht lebenswert.
    3. Deutscher Nationalismus flammte eben durch die Annexion der Ostgebiete wieder auf und kanalisierte sich in Fremdenhass und größerer kapitalistischer Ausbeutung. Das Deutschtum, dass sich in der Geschichte schon stets exklusiv und selbstbezogen geäußert hat und zu den schlimmsten europäischen Katastrophen geführt hat, sollte geächtet werden. Auch das kann ich voll nachvollziehen, denn dieses Deutschland ist nicht das Land der Lohnabhängigen, wie mir, sondern wir sind nur Mittel zum Zweck. Nationalismus von Unten ist eine lächerliche Selbstversklavung, eine Clownsnummer vor der Geschichte.

    Diese drei Eckpunkte ziehen nach wie vor junge Leute in der Antifa an. Das kann man, wie gesagt nachvollziehen.

    Das Problem ist also nicht direkt das Anti-Deutschtümelnde, sondern die Philosophie, die von ihren Sektengurus dazugedichtet wurde.

    Dazu gehört der Mythos einer Nation (Israel / USA) als „Schutzraum“ für Verfolgte. Gerade der Elfte September hat gezeigt, dass selbst die schon satirisch hochgerüstetste Nation der Welt nicht mal ein paar Passagierflugzeuge abwehren konnte. Und wenn alles ein sogenannter „Inside-Job“ war, dann zeigt dies erst Recht, dass Nationen mit ihren Herrschenden an der Spitze nicht als „Schutz“ ihrer Bewohner dienen, sondern lediglich als Viehstall oder Bordell, in dem sich die Reichen der Zuhälterei bedienen.
    Dazu gehört das Überkompensieren der eigenen Schwäche mit dem vermeintlich starken Militarismus der „Siegermächte“.
    Ich habe schon von „Antideutschen“ gehört, die die russische Armee gefeiert haben… ohne selbstverständlich ein Wort über den dort herrschenden Antisemitismus und jenen in der UDSSR zu verlieren. Also ein sehr zweischneidiges Schwert – hier hat sich auch eine Entwicklung eingestellt. Jene Antifas, die noch teils humorvolle Sprüche brachten, wie „Bomber Harris Do it again!“ verschwanden und an ihre Stelle traten hyperkorrekte, humorlose Loser, die ihren Führern an den Lippen kleben und bei zahlreichen Diskussionen und Vorträgen ihre Führertreue mit möglichst peniblen Zitaten unter Beweis stellen. Zitiert werden gerne Adorno und die frankfurter Schule, aber auch die noch lebenden Gurus, wie Grigat, Wertmüller und co, die sich offen für ein Revival des Nationalismus und einer Sozialdemokratie, statt Klassenkampf und Sozialer Revolution aussprechen. Das sind keine „rechten“ Positionen, sondern Positionen des Bürgertums – das „links“ wie „rechts“ ist, wenn es eben passt.

    Das Grundvokabular, das Susan Bonath benutzt ist unzureichend, denn die Grenzen verlaufen zwischen Oben und Unten und nicht zwischen den politischen Kampfbegriffen „rechts“ und „links“.
    Es gibt zahlreiche Menschen, die stehen „rechts“ und „links“, aber die nicht für ihre Rechte eintreten, sondern für die der Herrschenden. Sie kämpfen Grabenkämpfe, als „rechte“ SPDler gegen „linke“ SPDler, was bleibt: Der Machterhalt der Eliten, während sich die Beherrschten zerfleischen und nicht in der Lage sind, wirkunsvolle Gegenkonzepte in die Tat umzusetzen.
    So sind Antideutsche auch nicht „links“ und nicht „rechts“ – es sind Leute, die die philosophische Grundlage für einen neuen Nationalismus liefern und sich dabei alten Mustern bedienen, bspw. der geschichtsklitternden „Gefahr durch den Osten“.

    Verfangend dabei ist, dass sie im Hass auf die Regime des Islams Recht haben.
    Religion ist eine faschistische Unterordnung unter einen Gott, der die Verantwortung der Menschen untereinander aufhebt und an sich bindet. Das ist schon mal nicht, was wir unter progressiv verstehen können, sondern das ist Kirchenterror und den haben wir schon Jahrhunderte satt.
    Und auch der Kampf gegen Antisemitismus ist richtig und wichtig.
    Aber darum geht es den „Antideutschen“ leider nicht: Wären es die Tibeter, die einen „Schutzraum“ gut gebrauchen könnten, dann wären diese Nationalisten und Mietmäuler der Herrschenden eben Anti-Chinesen.

    Man muss eben differenzieren und erkennen, dass die Antideutschen eine hippe, intellektuelle Bewegung sind, die sich aus Marx bis frankfurter Schule speist und dabei Kapitalismus und Nationalismus revisionieren wollen. Auch der Revisionismus der Geschichte steht an: Christopher Clark, der in den Augen völkischer Rassisten, wie den Antideutschen keinen Verdacht der Deutschtümelei auf sich ziehen könnte, schrieb das geschichtsfälschende Werk „Die Schlafwanlder“.
    Darin erlöst er die Nationalisten und „Kaisertreuen“ von der Verantwortung für den Ersten Weltkrieg, denn laut Clark hatten daran die Serben und alle anderen Nationen Schuld, aber nicht der Kaiser Deutschlands oder Österreichs…
    Das passt den Antideutschen prima in ihrer verzerrten Welt ins Programm: Sie sind in der Lage diktatorische Zentralisierung zu fordern und eine reingewaschene Geschichte anzubieten – und wer was dagegen hat, ist zwar kein deutscher Nationalist mehr, denn das wäre in den Augen der ANtideutsche kein Vorwurf, denn Israel, profitiert ja militärisch von einer deutschen Nation, sondern ein Antisemit, denn Antinationalismus, der aus der Geschichte lernt, muss zwangsläufig diese Lehren auch beim nie bereisten Lieblingsland der Antideutschen anwenden: Israel.

    Wie mit den Antideutschen umgehen:
    Zunächst finde ich, müssen sich Juden bei einer sozialen Bewegung sicher fühlen. Nicht Juden, die religiösen Dünkel verbreiten wollen, wie Buddhisten, Christen oder Moslems, sondern Juden, die von Antisemiten verfolgt werden, wegen einer konstruierten „Völkischkeit“ und einem konstruierten kollektiven Interesse „aller Juden“. Solche Menschen sollten dann offen die Antideutschen angreifen, damit hier schon mal Wind aus den Segeln genommen wird. Das wird ja auch gemacht, das ist schon mal gut und zeigt mir als Zuschauer: Nein, die alternativen Medien sind zwar oft wirr und geschichtslos, aber nicht „Anti-Semitisch“ oder „Anti-Judaisch“.
    Jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen unterliegen oft einer Doppelbelastung, was man schon anerkennen muss und was in den 1920er Jahren auch zum Erblühen fruchtbarer Flüchtlingsbewegungen der Juden des East-Ends in London geführt hat. Hier hat auch mein Lieblingsmainzer gewirkt: Rudolf Rocker, der dort die Kämpferin Milly Witkop heiratete. Hach ja – lang ists her – und heute so eine stupide Welt. Seufz.
    Nun ja und als nächstes ist wichtig: Bildung.
    Marxismus, also die Basis der Antideutschen Ideologie muss in Deutschland als politische Religion (aller Intellektuellen) abgelöst werden, durch eine proletarische Bewusstwerdung der Geschichte und der Kultur.
    Hierbei können Anti-Marxisten wie Rudolf Rocker Wunder wirken. Er ist ein Freigeist, der durch seine Mitarbeit in jüdischen Bewegungen frei von Antisemitismusvorwürfen ist und in seinem Wirken nie für die Eliten eingetreten ist. Einer der wenigen, die ihrer Sache treu geblieben sind und die tolle Bücher geschrieben haben.
    Unbedingt lesen – ist heute sehr selten, weil ja alle immer ihren Christus Adolf Marx brauchen.
    Wichtig ist auch die Betrachtung der syndikalistischen Arbeiterbewegung in den frühen Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts, die bewusst anti-marxistisch war und sich deshalb nicht vom Staat und einer Partei indoktrinieren ließ.
    Auch hier können Lohnabhängige von heute viel lernen!

    Erkämpft euch die Geschichte eurer Klasse, damit euch niemand mehr in die Geschichte „eurer“ Nation zurückwirft!

  7. Ein kritischer Blick auf die Französische Revolution aus Arbeiterperspektive von heute:

    „Zunächst müssen die Zuschreibungen links und rechts näher beleuchtet werden. Sie entstammen der französischen Revolution. Im damaligen Parlament saßen rechts jene, welche die Monarchie bewahren wollten. Links saßen die Vertreter der bürgerlichen Demokratie. Letztere brachte den armen und am meisten unterdrückten Bevölkerungsschichten erstmals in Gesetz gegossene Rechte.“

    Falsch. Das Bürgertum hatte zunächst für die Bauernbefreiung und die Rechte der Proletarier gar nichts übrig. Wären sie militärisch in der Lage gewesen ohne niedrigstehende Soldaten, Arbeiter und Bauern ihr Emporkommen durchzusetzen, dann wäre eine Gesellschaft ohne diese sogenannten Rechte sehr wahrscheinlich gewesen.
    Die Arbeiter und Bauern machten die Revolution – ohne sie wäre das gesamte Leben nicht möglich gewesen, denn auch das Bürgertum isst hin und wieder und schläft hin und wieder in Gebäuden.
    Defakto hat das frz. Bürgertum die Revolution mit „Rechten“ ausgebremst, indem es die eigene Machtposition gegenüber den Bauern und Arbeitern bewahrte – quasi einen neuen Adel bildete, der nicht mehr auf Blut basierte, sondern auf Eigentum.
    Die frz. Revolution war deshalb am Ende blutig und diktatorisch, weil das Bürgertum seine Macht blutig gegen weiterreichende Revolutionsbestrebungen des untersten Standes verteidigt hat. Die neuen Eliten haben sich im sogenannten „Terreur“ formiert:
    Und heute stellen sich diese Eliten als Garant von Recht und Ordnung dar… können sie auch, denn die eigenen Geschichte kennen die Unterdrückten nicht, siehe Susan Bonath. Sie glaubt an Revolutionsromantik ohne die Revolution, die heilige Kuh der Marxisten, mal näher zu betrachten und die Interessenlagen zu beleuchten. Denn bei dem, was das Bürgertum und seine Geschichtswissenschaft „Revolution“ nennt, muss nicht unbedingt für die Arbeiter und Bauern „Revolution“ drin sein….
    So konnten die Reichen von Heute, die Reichen von damals ablösen uns zu beherrschen und haben das ganze „Demokratie“ statt „Monarchie“ genannt.

    Ein Buchtipp:
    Piotr A. Kropotkin „Die große französische Revolution 1789-1793“
    Gustav Landauer „Briefe aus der Französischen Revolution“

    Wer heute was anders machen will, muss sich erstmal im Klaren darüber sein, wo er / sie steht. Wer Lohnabhängig ist, sollte daran festmachen, wo er / sie steht: Und zwar am Ende der Nahrungskette und das zu zementieren, dazu hat das Bürgertum die Revolution gemacht – gegen den Adel UND gegen die unter ihnen stehenden.
    Das heißt jetzt aber nicht, dass wir Freunde des Adel oder des Bürgertums seien – denn wir Lohnabhängigen sind für beide nur das Kanonfutter und das Humankapital.
    Wir müssen daher eine richtige Revolution machen, die nicht in den „Terror“ des Bürgertums zurückfällt – man nennt dies eine „Soziale Revolution“. Eine, die nicht wie der beknackte, bürgerliche Marxismus eine neue Diktatur fordert, sondern eben jene dadurch bekämpft, dass die „Soziale Revolution“ zum Inhalt hat, die Gesellschaft umzustrukturieren, sodass gar kein pyramidales Grundmuster mehr besteht. Ohne diese gesellschaftliche Grundsituation, diese zentralistische Struktur – ein Begriff gegen den sich schizzophrene, für die Rechte des Bürgertusm eintretende Proletarierinnen wie Susan Bonath , verwehren – da er nämlich in der Lage ist, den Zusammenhang herzustellen, zwischen Marxismus und Diktatur.

    Ich kürz das hier mal ab – kann ja jeder / jede selber lesen. Nur ein noch: Die Geschichte des Parlamentarismus ist eben nicht die Geschichte geschenkter Rechte, sondern erkämpfter Rechte.
    Ferner eine Geschichte nicht der Progression, sondern des Erstickens der Progression, sodass noch genug Ausbeutung für Emporkömmlinge übrig bleib, die sich heute in Macrons und Merkels, Trumps und Putins personifiziert.

    Solche Äußerungen, wie in dem Text, sollten Lohnabhängige nicht mehr hinnehmen!

    • „Hinzu kommt flächendeckend, auch in der Linken, fehlendes politisch-ökonomisches Grundwissen“ schreibt die Autorin schon richtig und mir fällt das in vielen Kommentaren hier immer wieder auf.

      @ Jean Heffner
      Entsprechend werden auch hier fröhlich Begriffe wie Arbeiterklasse, Lohnabhängige, Bürgertum etc. völlig undifferenziert benutzt. Ist schon mal aufgefallen, daß eine Schneiderin in Bangla Desh und ein Daimler-Arbeiter mit Jahresprämien von mehreren Tausend Euro schwer in die Kategorie „Arbeiter“ zu pressen sind? Obwohl sie es sind! Sind ja auch beide lohnabhängig. Der Manager mit, sagen wir mal, über 50.000 Euro p.a. ist auch lohnabhängig, der hat ja in der Regel eine Hypothek am Hals, der kann nicht einfach aufhören. Die Friseurmeisterin, die in ihrem Laden Mitarbeiter nur zum Mindestlohn beschäftigen kann, ist einfach nur Bürgertum? Der verbeamtete Studiendirektor ist wieder lohnabhängig usw.

      Auch der Begriff „Revolution“ wird hier nicht aufgefaßt als eine Änderung der Produktionsverhältnisse, sondern als Ergebnis von Wünschen: „Denn bei dem, was das Bürgertum und seine Geschichtswissenschaft ?Revolution? nennt, muss nicht unbedingt für die Arbeiter und Bauern ?Revolution? drin sein?.“

      Ich will das hier nich auflösen, aber Beiträge, die so lässig mit diesen Begriffen umgehen, tragen nichts zur Klärung bei, nur zur Verwirrung „auf einer höheren Stufe“.

      Ich weiß auch nicht, was das soll: „Wer Lohnabhängig ist, sollte daran festmachen, wo er / sie steht: Und zwar am Ende der Nahrungskette und das zu zementieren, dazu hat das Bürgertum die Revolution gemacht“. Ende der Nahrungskette ist wohl gleichbedeutend mit „oben“. Also Lohnabhängige sind oben?

  8. Natürlich gilt es die rechte Szene, wo auch immer, im Auge zu behalten, was aber momentan an Schäden in diesem Land produziert und/oder geduldet wird, kommt alles von Links! Mir nützen keine spekulativen Artikel die so tun, als hätten wir nur dieses Problem! Rechte waren in diesem Land kaum ein Thema, jetzt, wo Links alles durchregiert und durchwinkt und „Toleranzen ohne Grenzen“ spielt, jetzt finden die wieder Gehör, warum geht ihr nicht die Ursachen an?

    „Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß, und sie eine Lüge nennt der ist ein Verbrecher!“
    [Berthold Brecht]

    • @MahatmaGlück Ändert das irgendwas an den Ursachen? SPD, CDU und Grüne sind eine Suppe, die sollten fusionieren, alles andere ist Blendwerk! Und ob die sich Links und/oder neoliberal oder einfach nur sich selbst sehen, ändert nichts an den Zuständen welche sich hier auftun und die nicht weniger werden! Mahatmas kapiert, ma nicht!

  9. Ergänzend Herr Mausfeld:

    Die Links-Rechts-Demagogie. Ein Interview mit Rainer Mausfeld.
    Datum: 5. August 2016 um 9:55 Uhr

    (…)
    Können Sie an einem konkreten Beispiel aufzeigen, wo und wie in wichtigen
    gesellschaftlichen Fragen kritische ideologische Prämissen versteckt sind, die es bei der
    Mediennutzung aufzudecken gilt?

    Der gesamte Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik ist im Gefolge des Neoliberalismus dermaßen
    verseucht durch eine Orwellsche Umdeutung nahezu aller relevanten Begriffe, dass man ein ganzes
    „Falschwörterbuch“ benötigte, um die sich darin verbergenden ideologischen Vorannahmen
    aufzuschlüsseln. Im Neoliberalismus haben sich die Falschwörter zu einem so dichtgesponnenen
    Gewebe eines ganzen Weltbildes verwoben, dass es nicht leicht ist, die Realität hinter dieser
    Ideologie zu erkennen.

    Ein aktuelles Beispiel anderer Art ist der Umgang mit den Problemen, die gegenwärtig durch
    Migranten aus Syrien und Afghanistan sowie aus Westafrika entstehen. Auch hier ist bei der
    Formulierung dessen, was eigentlich das Problem ist, sorgfältig darauf zu achten, welche
    ideologischen Prämissen und stillschweigenden Vorannahmen sich bereits in der
    Problemformulierung verbergen. Denn wer festlegen kann, was als Problem zu gelten hat, kann
    damit auch den Raum dessen einschränken, was als mögliche Lösung angesehen werden kann.

    Das Flüchtlingsproblem ist – weil es innen- wie außenpolitisch selbst nur ein Symptom für sehr viel
    tieferliegende Probleme ist – so komplex, dass es hierfür keine einfachen Lösungen geben kann.

    Folglich ist der Spielraum sehr groß, durch unterschiedliche Fokussierungen auf verschiedene
    Teilaspekte zu unterschiedlichen Haltungen und Wertungen zu kommen. Die daraus resultierenden
    Konflikte müssen aber in einer Demokratie nicht nur ausgehalten werden, sondern gehören
    geradezu zum Wesensmerkmal einer Demokratie; sie müssen im öffentlichen Diskurs gelöst werden.

    Bei der Formulierung dessen, was eigentlich das Problem darstellt, müssen wir uns jedoch vor
    historischen und ideologischen Verkürzungen hüten. Wir sollten uns also derjenigen Aspekte des
    Problems bewußt sein, für die „wir“ – also europäische Staaten und ihre Bürger – politische
    Verantwortung für die gegenwärtige Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten tragen. Das Sykes-
    Picot-Abkommen von 1916 steht stellvertretend hierfür. Wir haben seitdem große Teile des Nahen
    und Mittleren Ostens in seinen gewachsenen kulturellen Strukturen und in seinen funktionierenden
    Nationalstaaten zerstört, wir haben ganze Staaten zusammengebombt, den Islam radikalisiert und
    in dem Vakuum Organisationen wie die Taliban und den IS entstehen lassen und sogar gefördert.

    (…)
    Wenn, wie Sie sagen, links und rechts gesellschaftliche und politische Gegenpole bilden,
    wie kann es dann eine Querfront geben und wie können Linke tatsächlich oder
    vermeintlich „rechts-offen“ sein? Oder stellen diese Begriffe auch nur Propaganda dar,
    um Linke zu diskreditieren? Wenn ja, was sind dann die Gründe hierfür?

    In der Sache sind links und rechts in der Tat Gegenpole und können daher in der Substanz so wenig
    Berührungspunkte miteinander haben wie Aufklärung und Gegenaufklärung oder wie Demokratie
    und Elitenherrschaft. Blickt man jedoch statt auf die Sache auf die Ebene einzelner Personen oder
    auf die Ebene konkreter politischer Gruppierungen, die sich als links bezeichnen, so lassen sich aus
    naheliegenden Gründen alle möglichen Konstellationen von Haltungen finden, die in der Sache völlig
    unvereinbar miteinander sind.

    Das war auch zur Zeit der Aufklärung nicht anders. Beispielsweise gilt der große schottische
    Philosoph David Hume als zur Aufklärung gehörig; gleichwohl sah er Schwarze „von Natur aus den
    Weißen unterlegen“ an, vertrat also rassistische Auffassungen. Auf der Ebene einzelner Personen
    können also Überzeugungen gleichzeitig nebeneinander bestehen, die in der Sache völlig
    unverträglich miteinander sind.
    Das ist eine Konsequenz unserer beschränkten Rationalität und
    anderer Eigenschaften unseres Geistes. Wir sind oft nicht in der Lage zu erkennen, dass einige
    unserer Überzeugungen in der Sache miteinander unverträglich sind. Beispielsweise können uns
    bestimmte Affekte daran hindern, derartige Unverträglichkeiten zu bemerken.

    So war Hume einerseits von den Leitidealen der Aufklärung fasziniert; zugleich vertrat er – weil er
    eine mögliche Gefährdung seiner eigenen privilegierten Lebensform fürchtete – ein gesellschaftliches
    Weltbild, das die damalige gesellschaftliche und kolonialistische Praxis rechtfertigte. Doch auch unter
    denjenigen, die sich aufrichtig und konsequent der radikalen Aufklärung und den genannten
    Leitidealen verpflichtet fühlten, fanden sich zahlreiche, die Bedenken hatten, das Volk über diese
    Leitdeale aufzuklären, weil sie fürchteten, durch den dadurch möglicherweise ausgelösten
    gesellschaftlichen Transformationsprozess Nachteile hinsichtlich ihres privilegierten Status quo zu
    erleiden. Erst kommt bei den Privilegierten eben die Sicherung des eigenen gesellschaftlichen Status
    quo, dann kommt die Moral.

    Wir müssen also die sachliche Ebene moralischer und politischer Leitideale klar von einer personellen
    Ebene trennen. Man wird dann auch innerhalb von Organisationsformen, die sich als links verstehen,
    Personen finden, die Überzeugungen vertreten, die den genannten Leitidealen widersprechen. Es
    gibt also Personen, die sich als links bezeichnen und gleichwohl chauvinistische, nationalistische oder
    kulturell-rassistische Positionen vertreten und ideologische Prämissen von Kapitalismus,
    Neoliberalismus, Neo-Imperialismus und ähnliches teilen. Das wird umso stärker der Fall sein, je
    stärker Personen in ihrem gesellschaftlichen Status und in ihren Privilegien von der jeweiligen
    gesellschaftlichen Ordnung profitieren. In solchen Fällen neigen dann auch sich als links verstehende
    Personen dazu, die jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse grundsätzlich zu akzeptieren und eine
    linke Perspektive auf moderate Reformen an den jeweiligen Verhältnissen zu beschränken.

    Noch einmal: In der Sache kann es im Kern keine Berührungspunkte zwischen links und rechts
    geben; auf der Ebene individueller Personen und Gruppierungen ist jedoch so ziemlich alles an
    Kombinationen politischer Einstellungen möglich. Auch hier bedarf es einer kontinuierlichen
    Aufklärungsarbeit, um die Unverträglichkeiten bestimmter politischer Überzeugungen mit den
    Leitidealen der Aufklärung und somit mit dem Kern des linken Projektes aufzuzeigen.
    http://www.uni-kiel.de/psychologie/mausfeld/pubs/Mausfeld_Die%20Links-Rechts-Demagogie_NachDenkSeiten.pdf

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