Tagesdosis 5.11.2019 – Die Stigmatisierung der Opfer

Psychische „Krankheiten“?

An dieser Stelle möchte ich einen eindringlichen Appell an die Fachkollegen der Psychiatrie richten. Nach meinen Erfahrungen sind Psychotraumata und insbesondere das gesamte Paket einschließlich der sexuellen Traumatisierung die Hauptursache für die Symptome, die psychiatrisch als schwere „psychische Erkrankungen“ diagnostiziert werden. Weswegen solche Traumaopfer und Traumatäter zuweilen auch in den geschlossenen Abteilungen psychiatrischer Kliniken landen und zwangsbehandelt werden.

Mit Diagnosen wie „Angststörungen“, „Zwangsstörungen“, „Borderline-Persönlichkeitsstörung“, „Narzisstische Persönlichkeitsstörung“, „Schizophrenie“, „Psychose“, „dissoziative Identitätsstörung“, „Sozio“- oder „Psychopathie“ et cetera ignoriert das System der biologisch orientierten Psychiatrie die traumatischen Hintergründe solcher Symptomgruppen. Es tut so, als wäre das traumatische Geschehen nur eine Randbedingung für vermeintliche „psychische Erkrankungen“, die durch „Gene“ und einen angeblich „gestörten Gehirnstoffwechsel“ verursacht seien. Traumata erhöhten nur die „Vulnerabilität“. Damit wird die Psyche der Menschen nicht ernst genommen! Die Traumaopfer mit ihren verzweifelten und hilflosen Opferüberlebensstrategien werden so nicht gesehen. Es wird ihnen keine adäquate Hilfe zuteil (1).

Die Gabe von Psychopharmaka ist aus meiner Sicht selbst eine Psychotrauma-Überlebensstrategie der vermeintlichen Experten.

Dieses System schützt zugleich die Traumatäter. Es hält mit seiner Praxis die inneren Spaltungen der Betroffenen aufrecht, verstärkt sie weiter und fügt ihnen durch die Wirkungen der Medikamente noch weitere körperliche Schäden zu. Es deckt systematisch einen gesamtgesellschaftlichen Skandal, weil damit das ganze Ausmaß sexueller Traumatisierungen in einer Gesellschaft verschleiert wird (2).

Schätzungen zufolge macht etwa jede vierte bis dritte Frau in Deutschland in ihrem Leben sexuelle Gewalterfahrungen. Auch fünf bis 15 Prozent aller Männer sind Sexualtraumaopfer. Da ich mit meinen Seminaren weltweit unterwegs bin, sehe ich, dass in jeder Gesellschaft das Thema sexuelles Psychotrauma vorkommt. Es ist als Beiwerk von Kriegen und Bürgerkriegen an der Tagesordnung und in vielen Familien seit Generationen übliche Praxis. Es wird überall verschwiegen, geleugnet und unter den Teppich gekehrt. Die Opfer müssen schweigen, sie werden selbst als die Schuldigen dargestellt. Sie erfahren keine Loyalität in ihren Familien, keinen Schutz durch die Polizei und nur selten Genugtuung durch die Justiz. Die Täter werden vor Strafverfolgung systematisch geschützt. Ein Beispiel: „Das Leben von zwei Dritteln der mexikanischen Frauen über 15 Jahren ist von Gewalt durchtränkt. In vielen Fällen beginnt der Missbrauch in der Kindheit“ (3).

Gewalt oder Verführung?

Zu einem Trauma der Sexualität kann es kommen, wenn die eigene Sexualität dafür eingesetzt wird, um nicht allein zu sein und die Illusion zu haben, körperlich berührt und geliebt zu werden und dadurch eine Daseinsberechtigung zu bekommen. Bei einem sexuellen Psychotrauma in der Kindheit geht die Initiative für den sexuellen Kontakt, der oft mit Streicheln, Küssen, Liebkosungen, auch seitens des Kindes, beginnen kann, zunächst von einem Täter aus. Dieser leidet in der Regel ebenso unter einem Trauma der Identität und einem Trauma der Liebe wie sein Opfer.

Weil das Opfer sexueller Gewalt in der Regel mit diesen beiden Traumaformen zu kämpfen hat, kann es sein, dass es die Illusion des Täters mitspielt, sexuelle Übergriffigkeit und Gewalt mit Zuwendung und Liebe zu verwechseln.

Der Täter stellt sich seinem Opfer als sein Retter dar, der es vor der Gewalt anderer – zum Beispiel seiner Mutter oder seines Vaters — in Schutz nimmt. Er versucht, seinem Opfer die aufgezwungene Sexualität als Liebe und Lust schmackhaft zu machen. In Wirklichkeit aber zieht er das Opfer nur in seine Trauma-Überlebensstrategien hinein und fordert als Preis für den Kontakt seine sexuelle Befriedigung ein.

Das ist für das Opfer schmerzhaft, aber vor allem tief beschämend, auch wenn es ein wenig Wärme durch den Hautkontakt, sexuelle Erregung und angenehmes Kribbeln dabei verspüren mag. Dass eine genitale, orale oder anale Vergewaltigung „schön“ und „lustig“ sei, ist die pure Einbildung des Traumatäters, der es gern hätte, dass auch sein Opfer das so sieht.

Von diesem Verführungsszenario, das vermutlich mit der Mehrzahl aller sexuellen Psychotraumata einhergeht, ist das brutale Gewaltszenario zu unterscheiden. Hier lebt der Täter seinen Wahn aus, das Opfer durch den sexuellen Akt physisch und psychisch zu vernichten. Im Opfer können keine Illusionen aufkommen, vom Täter geliebt zu werden.

Sex als Psychotrauma-Überlebensstrategie

Zuweilen erscheint es mir fast schon wie die Ausnahme, wenn jemand, der mich um therapeutische Begleitung ersucht, in seinem Leben nicht auch sexuelle Traumaerfahrungen machen musste. Das gilt für Frauen wie für Männer. Das epidemische und globale Ausmaß sexueller Traumatisierungen wirft die Frage auf, wie normal die in den jeweiligen Gesellschaften gelebten Formen von Sexualität tatsächlich sind:

  • Wie umfassend sind sie von Liebesillusionen und falschen Vorstellungen von Sexualität gespeist?
  • Wie weit sind sie nur ein Versuch, Einsamkeit zu überspielen?
  • Wie sehr sollen sie einen nicht vorhandenen Selbstwert kompensieren?
  • Wie oft sind sie nur ein Versuch, sich kurzfristig Erleichterung vom Dauerstress der eigenen Lebensführung zu verschaffen?
  • Wie häufig wird Sex rücksichtslos gegenüber körperlichen Verletzungen und Infektionen praktiziert?
  • Wie bedenkenlos wird Geschlechtsverkehr ausgeübt, ohne das Risiko ungewollter Schwangerschaften in Betracht zu ziehen?
  • Wie häufig wird „echte Männlichkeit“ oder „ursprüngliche Weiblichkeit“ als Pseudoidentitäts-Schablone benutzt, um die eigenen Kindheitstraumatisierungen nicht zu spüren?
  • Wie gesund sind die sexuellen Praktiken im jeweiligen homo-, bi- und transsexuellen Milieu?

Sexualität, die als Psychotrauma-Überlebensstrategie praktiziert wird, verbindet nicht mit einem anderen Menschen, sie führt nur noch weiter in die persönliche Isolation. Sex zu haben wird zuweilen sogar gezielt dafür verwendet, sich in dissoziative Zustände zu flüchten.

Sex zur Dissoziation

In einem meiner Seminare sagte die Teilnehmerin:

„Ich genieße Sex, weil mich das in einen dissoziativen Zustand versetzt. Ich trenne mich dann von meinem Körper und gehe in einen völlig weißen Raum, in dem es mir gut geht.“

Angesichts des enormen Ausmaßes an Traumatisierungen in vielen Gesellschaften nimmt es nicht wunder, wenn Sexualität vielerorts massenhaft suchtartig praktiziert und wie eine Droge benutzt wird. Sie wird häufig in Kombination mit Alkohol und anderen Rauschgiften ausgelebt. Am Beispiel einer sexuell traumatisierten Frau wurde mir folgendes deutlich:

Legalize surviving!

Die Legalisierung von Cannabis ist der gesellschaftliche Versuch, eine weitere, viel genutzte Psychotrauma-Überlebensstrategie zu normalisieren. Diese Frau war aus ihrem Herkunftsland Rumänien eigens in die Niederlande übergesiedelt, weil sie dort ungestraft Cannabis konsumieren konnte, um ihre Traumagefühle zu betäuben.

Der Hinweis auf Drogenkonsum dient Tätern wie Opfern dazu, hinterher entschuldigend sagen zu können, man habe einen Filmriss gehabt, könne sich an nichts erinnern und sei für das Geschehene nicht verantwortlich. Auch wenn es keine bewussten Erinnerungen geben mag und die Überlebensstrategien alles dafür tun, um keine Erinnerungen zu haben, Traumaerinnerungen brennen sich im Körper eines Täters und in den Körper eines Opfers ein. Auch die Täter ekeln sich in ihren gesunden psychischen Strukturen vor dem, was sie tun. Sie müssen sich daher noch weiter von sich selbst abspalten. Im Extrem kommt es dazu, dass ein Körper ohne Kopf Sex macht mit einem Kopf ohne Körper. Häufig sind es Männer, die gedanken- und verantwortungslos Sex praktizieren mit Frauen, die längst jeglichen Kontakt zu ihrem Körper verloren und aufgegeben haben.

Eigentlich suchen die meisten Menschen nach Liebe und wohltuenden Körperkontakt. Sexualität allein kann nur Lust machen. Liebe kann nur in einer Beziehung entstehen. Daher ist beziehungslos gelebte Lust ein Strohfeuer, das schnell erlischt.

Es muss immer wieder entfacht werden, um für kurze Momente ein wenig Wärme zu erzeugen. Viele fühlen sich nach einem Orgasmus ohne zwischenmenschliche Liebe und Berührung noch leerer als zuvor, weil sie nun erst recht ihre Einsamkeit spüren. Weil ihnen emotionale Nähe wegen ihrer frühen Traumatisierungen aber Angst macht, können sie ihre innere Ampel nicht einfach auf Beziehung umschalten.

Sie bleiben weiterhin allein, betäuben den Schmerz ihrer Einsamkeit und suchen ihr Heil in einer Steigerung der Lustformen, wie ich sie zuvor bereits beim Stichwort „Sexsucht“ beschrieben habe. Statt Lust erfahren sie am Ende erneut nur Schmerz, Scham und Ekel. Damit sind sie wieder am Ausgangspunkt angelangt, den sie eigentlich nicht wahrhaben wollen: ihrer zutiefst schmerzhaften Urerfahrung, von ihrer Mutter und ihrem Vater nicht gewollt, nicht geliebt und nicht geschützt worden zu sein.

Sexualtrauma-Partnerschaften

Finden sich zwei traumatisierte Menschen als Partner, so kann es in der Anfangszeit ihrer Beziehung durchaus sein, dass sie sexuelle Höhenflüge erleben und alle möglichen Varianten intensiven Geschlechtsverkehrs miteinander haben. Oft ist es jedoch so, dass die sexuell traumatisierten Frauen ihre in ihrer Kindheit herausgebildeten Überlebensstrategien aktivieren, um ihre Partner zu befriedigen und an sich zu binden. Diesen erscheinen sie dann wie Traumfrauen, die jederzeit zum Sex bereit sind und ihnen alle Wünsche erfüllen. Diese Frauen machen jedoch Sex in völlig dissoziierten Zuständen, in denen ihr gesundes Ich und Wollen weit weg ist. Kommt es bei ihnen zum Orgasmus, verlassen sie mental ihren Körper. Selbst wenn es innerhalb einer solchen Partnerschaft regelmäßig zu Gewaltausbrüchen kommt, dient der Sex dazu, die Beziehung dennoch fortzusetzen und die Illusion von Verbundenheit aufrechtzuerhalten.

Auch viele Männer sind in solchen Beziehungen beim Sex nicht bei sich. Sie wollen mit ihrem Penis und ihrer Körperkraft imponieren. Sie wollen beweisen, dass sie eine Frau zum Orgasmus bringen können, damit diese Frau dann gar nicht mehr anders könne, als ihnen sexuell hörig zu sein. Umso frustrierter sind sie, wenn es ihrer Partnerin nach einiger Zeit nicht mehr gelingt, ihre Überlebensanteile für den Sexualverkehr zu aktivieren und sich stattdessen andere Anteile in den Vordergrund drängen, die Sex ekelhaft finden und die körperliche Nähe eines Mannes nicht ertragen können. Dann verstehen sie die Welt nicht mehr und werden wütend und aggressiv. Manche schlagen dann sogar ihre Frauen.

Neuinszenierungen

Aufgrund der psychischen Spaltungsprozesse besteht bei allen Formen von Psychotraumata ein hohes Risiko, sie immer wieder neu zu inszenieren. Da sie verdrängt werden und die Überlebensstrategien den Bezug zur Realität verlieren, werden auch bestehende Gefahren nicht erkannt, werden Risiken über- oder unterschätzt, werden alle Vorsichtsmaßnahmen über Bord geworfen und alle Warnungen in den Wind geschlagen. Offensichtliche Täter werden nicht wahrgenommen, und es werden dort Täter gesehen, wo gar keine sind.

– Dieser Text ist ein Exklusivabdruck aus dem Buch „Liebe, Lust und Trauma“ von Franz Ruppert. –

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Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

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Dieser Beitrag erschien am 02.11.2019 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildhinweis: Morfon Media / Shutterstock

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19 Kommentare zu: “Tagesdosis 5.11.2019 – Die Stigmatisierung der Opfer

  1. "Die Legalisierung von Cannabis ist der gesellschaftliche Versuch, eine weitere, viel genutzte Psychotrauma-Überlebensstrategie zu normalisieren. "

    Die Legalisierung von Sex ist der gesellschaftliche Versuch, eine weitere, viel genutzte Psychotrauma-Überlebensstrategie zu normalisieren.

    Oder wie?

    • Die Frage ist, was die Bewusstheit für das eigene Leben erhöht oder senkt. Gut gelebte Sexualität kann den Bewusstseinsraum gewaltig erweitern, während jede Form von Drogen von der Wahrnahme und Annahme der Realität weg führt. Betäuben muss sich nur, wer sein Dasein sonst nicht erträgt. Im Mittealalter trugen die Mönche und Nonnen häufig Bußgürtel. Z. B. Hildegard von Bingen. Der (leichte bis mittlere) Schmerz zwingt einen zur Unmittelbarkeit der Wahrnehmung. Schmerz gehört zum Leben wie Freude. Wer ihn verdrängen will, den fällt er von hinten an. Ich habe genug "Drogenkarrieren" gesehen. Dass der Staat gegen das Zeug nicht ankommt, weil die Verdrängung Bestandteil der Alltagsbewältigung seiner Bürger und systemimmanent ist, macht die Sache nicht besser.

    • Nevyn

      Gut gerauchtes Cannabis kann den Draht zum Großen Geist fördern, WEIL es den Bewusstseinsraum gewaltig erweitert. Fragen wir mal die echten Rastafari! Also die, die ihre Form des Christentums leben und praktizieren, nicht die mit den Mode-Dreadlocks. 😉

      Davon ab… Solange die Gesellschaft es nicht hinkriegt, Menschen ohne Traumata zu "erziehen"… Solange lasst uns bitte unsere kleinen Fluchten in die Sorglosigkeit.

      Und warum kommt beim Thema Cannabis sofort das Drogenkarrierendogma auf den Tisch (oder Bildschirm in diesem Falle). Ich kanns einfach nicht mehr hören… Laaaaangweilig!

    • Gut gelebter Drogenkonsum kann den Bewußtseinsraum gewaltig erweitern, während jede Form von Sexualität von der Wahrnehmung und Annahme der Realität weg führt.
      Was hältst Du von diesem diesem absoluten Satz, Nevyn ?

      Zu Bußgürtel, Schmerz, Unmittelbarkeit der Wahrnehmung und Hildegard von Bingen:
      zur Unmittelbarkeit der Wahrnehmung braucht es weder nötig den Schmerz und schon gar nicht den Bußgürtel. Wenn Schmerz, der in jedem Menschenleben immer wieder da ist, wofür ich keinen Bußgürtel brauche, unmittelbar wahrgenommen wird, ist das natürlich gut. Aber es ist um keinen Deut besser oder erleuchtender oder notwendiger als die unmittelbare Wahrnehmung einer anderen Wahrnehmung wie z. B. Freude, Vogelsingen, Erregung, Motorengeräusch, Zorn, Sonnenwärme, Gleichmut, Berührung, Angst. Klare und unmittelbare Wahrnehmung von ALLEM und JEDEM, was JETZT ist, das ist gut. Wenn ich die von Schmerz besonders wichtig nehme, ist meine Wahrnehmung gründlich gestört.
      Die mittelalterlichen Bußgürtel und sonstige, teils ganz heftigen Selbstverletzungen, waren in einer verirrten Bemühung, dem leidenden Jesus nachzufolgen, leibfeindliche Opfer- und Bußpraktiken.
      Hildegard von Bingen hat sie in der Zeit, als sie Magistra des Nonnenkonvents auf dem Disibodenberg wurde, in ihrer Gemeinschaft abgeschafft – entgegen der Praxis, die ihre Vorgängerin und in vielem sehr verehrte Lehrerin, Jutta von Sponheim, gelebt hatte.

    • Danke für die Selbstauskunft. Im Grunde ist mir egal, was andere mit ihrem Leben anfangen, was sie sich einwerfen oder inhalieren und wie sie ihre Handlungsweise vor sich selbst oder anderen rechtfertigen. Am Ende bekommt jeder, was er bestellt hat. Ich muss daran nicht teilnehmen und tue es auch nicht.

    • Bitteschön, Nevyn, die Auskunft hab ich gern gegeben.

      "Im Grunde ist mir egal, was andere mit ihrem Leben anfangen…Ich muss daran nicht teilnehmen und tue es auch nicht."

      Und warum kommentierst Du hier überhaupt ?

    • @ Nevyn
      "während jede Form von Drogen von der Wahrnahme und Annahme der Realität weg führt."

      Jede Form von pauschalen und damit im konkreten Fall falschen Behauptungen führt weg von der Realität.

      "Betäuben muss sich nur, "

      "Cannabis" und "betäuben" ja nee iss klar.

    • @ Hera
      "Solange die Gesellschaft es nicht hinkriegt, Menschen ohne Traumata zu "erziehen"… "

      Und gegen THC wird oft gesagt, dass es Psychosen auslöst.
      Diese Fälle gibt es wohl, nur:
      Mal angenommen, 1 von 10 Psychosen sei durch THC ausgelöst, dann passiert das sogar bei Menschen mit SCHWEREN Traumata in 9 von 10 Fällen NICHT.
      Eine schnelle Suche ergibt 4,5 bis 7 Psychosen pro 1000 Personen, bei 1 von 10 Psychosen aufgerundet also 1 pro 1000.
      Vorsichtig geschätzt dürfte etwa jeder 4. gelegentlich Hanf genießen und vielleicht jeder 10. regelmäßig; gefühlte Zahlen, durch die Kriminalisierung von Hanf gibt es keine besseren Zahlen; also rund 100 von 1000.
      So.
      Da kann eine Gesellschaft sich um Vorbeugung gegen und Behandlung von Traumata kümmern.
      Oder eine Gesellschaft kann von 1000 Menschen 100 kriminalisieren und die 4,5-7 einschließlich des 1 werden trotzdem eine Psychose bekommen (denn Ursachen und Auslöser sind eben verschiedene Sachen).
      Wenn letzteres, dann grüßt mal wieder: "Wie gestört ist unsere Gesellschaft?"
      Speziell wenn im Zusammenhang mit dem Genuss von Hanf von "Verdrängung" u.ä. geredet wird, bitteschön, aber wie groß ist die gesellschaftliche "Verdrängung" Hanf zu kriminalisieren?! (von 1000 Menschen 100 kriminalisieren und die 4,5-7 werden einschließlich des 1 trotzdem eine Psychose bekommen)

      Und Suchbegriff "Volker Pispers Haschisch" – wenn er das sachlich richtig wiedergegeben hat (weiß man ja bei Kabarett nicht^^), dann begingen Prof. Dr. Roman Herzog und seine Kollegen RECHTSBEUGUNG.
      Es besteht also Grund zur Annahme, dass diejenigen Personen, die Hanf kriminalisieren, das nur aufgrund von Rechtsbeugung tun können – also was und wer ist kriminell? Rein rhetorische Frage.

      Dazu muss ich vielleicht klarstellen: ich bin thematisch ganz bei Franz Ruppert, dass Traumata als solche erkannt werden müssen usw., nur sollte man dabei auch – oder vielleicht gerade – bezüglich der Möglichkeiten von pflanzlich angeregten Synapsenverschaltungen mit der menschlichen Psyche arbeiten und nicht gegen sie.

    • @ Josef Gabriel Twickel

      Über Hildegard von Bingen weiß ich nur, dass sie sozusagen Wissen über Heilpflanzen wiederentdeckte.
      Nachdem früher Hexen und Ketzer verbrannt wurden, hebt eine christliche Nonne einen Teil des Schatzes wieder; Ironie der Geschichte und merke: Christen sind nicht automatisch schlecht, es gibt auch Ausnahmen. 🙂
      Jedenfalls ist schwer vorstellbar, dass jemand mit so einem Sinn für Pflanzen, wie Hildegard von Bingen, ein Verbot von natürlichen¹ Pflanzen hätte befürworten können.

      ¹ labortechnisch genveränderte Pflanzen für Roundup gab es ja damals noch nicht

  2. In seinem Vortrag „Zur Ätiologie der Hysterie“, den Freud 1896 vor seinen Psychiaterkollegen in Wien hielt, erklärte er, dass er am Beginn der psychischen Erkrankungen aller seiner ersten 18 PatientInnen (ganz überwiegend Frauen) immer auf „traumatische Szenen“ in Form von sexueller Gewalt durch einen Erwachsenen gestoßen sei (dass es in allen Fällen der eigene Vater gewesen war, verschwieg er selbst in diesem seinem mutigsten Vortrag), und er zog die Schlussfolgerung: „Die Reaktion des Hysterischen ist eine nur scheinbar übertriebene, […] weil wir nur einen kleinen Teil der Motive kennen, aus denen sie erfolgt. In Wirklichkeit ist diese Reaktion […] normal und psychologisch verständlich.“ In einem persönlichen Brief an seinen Freund Fließ erwähnt Freud, dass auch sein eigener Vater „einer von den Perversen“ gewesen sei.
    In der Folge seines Vortrages litt Freud unter starker Isolation, seine brisante Theorie der Neurosenentstehung wurde von seinen Psychiaterkollegen massiv abgelehnt. Knapp ein Jahr nach dem Tod seines Vaters, der ihn in eine tiefe seelische Krise gestürzt hatte, widerrief Freud seine „Väterätiologie“: Nicht mehr real erfahrene Gewalterlebnisse, sondern vielmehr „Verführungsphantasien“ sollten nun ursächlich für psychische Erkrankungen sein.

    In der psychoanalytischen Gemeinschaft gilt dieser Widerruf von Freuds früher Theorie als Voraussetzung für den Erfolg der Psychoanalyse. Von nun an waren Freud wissenschaftliche und gesellschaftliche Anerkennung nicht mehr versagt, schon bald schlossen sich ihm angesehene Ärzte in der psychoanalytischen Bewegung an, mit der die Psychoanalyse ihren Siegeszug um die Welt antreten sollte – eine Theorie, die sich der radikalen Aufklärung verschrieben hatte und doch selbst unter einer zentralen Verdrängung zu Lasten der Opfer litt.

    Auch diese Tagesdosis scheint mir nicht frei von Verdrängungs-Neigung, sie startet mutig und verwischt die sich enthüllende Erkenntnis dann zunehmend. Täter und Opfer sind nicht beliebig und austauschbar, nur wenn wir den Mut haben, wirklich hinzusehen, können wir Erkenntnis gewinnen.

    Stattdessen werden in unserer Gesellschaft wie zu Freunds Zeiten diejenigen, die unbequeme Erkenntnisse benennen, angegriffen, isoliert und diffamiert. Mit dem Unwort vom „Mißbrauch des Mißbrauchs“ machte sich der Spiegel zur Speerspitze jener Bewegung, die Mütter und Erzieherinnen, die Kinder vor den Tätern schützen wollen, verfemt, mundtot und handlungsunfähig macht.

    Frauen sind die älteste kolonialisierte Gruppe der Menschheit, die Wurzeln ihrer ureigenen Macht sind ihnen, verschüttet unter 5000 Jahren patriarchaler Überfremdung, kaum mehr zugänglich. Gewalt gegen Kinder tritt nur im Patriarchat auf. In den wenigen noch bestehenden matriarchalen Kulturen ist sie (wie die Gewalt gegen Frauen, die die Gewalt an Kindern oft begleitet) unbekannt – Matriarchate organisieren ihre Gemeinschaft nach innen wie nach außen gewaltfrei.

    Erst wenn wir wagen, den Frauen, den Müttern auf der Welt, der weiblichen Seins- und Lebensweise und der weiblichen Sexualität die Macht und den Raum zurückzugeben, der ihnen zusteht, und den männlichen Raum zu beschränken, kann sich etwas grundlegend zum Positiven für uns alle verändern.

    • Dass Freud so eingeknickt ist vor der Reaktion seiner Umwelt auf seine ersten Erkenntnisse zur Entstehung "hysterischer" Frauenreaktionen – und damit sich und die Psychoanalyse schneller gesellschaftsfähig gemacht hat, das ist aufschlussreich und ist für mich eine dankenswerte Neuigkeit.
      Ja, es braucht viel Mut, zu seinen Erkenntnissen zu stehen. Heute vielleicht noch mehr wie damals.

      "Auch diese Tagesdosis scheint mir nicht frei von Verdrängungs-Neigung, sie startet mutig und verwischt die sich enthüllende Erkenntnis dann zunehmend. Täter und Opfer sind nicht beliebig und austauschbar, nur wenn wir den Mut haben, wirklich hinzusehen, können wir Erkenntnis gewinnen." Natürlich sind Opfer und Täter nicht beliebig austauschbar. Tauscht Ruppert sie beliebig aus ?

      Dann: ich kenne keine bestehende matriarchale Kultur. Entsprechend weiß ich nichts darüber, ob oder ob nicht diese gewaltfrei sind, wie Du schreibst, Sonja. Magst Du hier matriarchale Kulturen mitteilen, die heute noch bestehen ? Ich werd auch googlen, um zu sehen, was ich da finde.

      "Erst wenn wir wagen, den Frauen, den Müttern auf der Welt, der weiblichen Seins- und Lebensweise und der weiblichen Sexualität die Macht und den Raum zurückzugeben, der ihnen zusteht, und den männlichen Raum zu beschränken, kann sich etwas grundlegend zum Positiven für uns alle verändern." Dazu ist wohl heute mehr Möglichkeit, als zu Freuds Zeit. Leider gehen Frauen, um drei weltbekannte Extrembeispiele zu nennen, wie Angela Merkel, Christine Lagarde und Maggy Thatcher, dabei selber in die Gewaltfalle. Und Männer, die weiter machen wie bisher, brauch ich leider nicht extra zu benennen, weil es da keinen Anfang und kein Ende gibt.

  3. Nach über zwanzig Jahren Berufserfahrung in diesem Thema kann ich das so nicht ganz bestätigen. Sicherlich spielt sexuelle Gewalt gerade bei Borderline Erkrankungen eine große Rolle sowie zb Trennungen der Eltern eine große Rolle. Aber generell ist durch die personelle Situation gerade was Psychiater usw angeht ein Hauptproblem . Auch vermehrt sich durch das System die Drehtürpsychiatrie. Von dem Kasse machen der Pharmaindustrie und die neuen Regelungen des Staates inklusive gefallene Gewalt Hemmschwelle nicht zu reden. Zudem finde ich persönlich das anpreisen von Hanf als blauäugig. Das jeder 10 Konsument an einer Drogeninduzierten Psychose erkrankt halte ich für übertrieben. Allerdings ist die Entwicklung und Züchtung immer potenteren Pflanzen eine Gefahr für psychisch labile Menschen. Gerade die Frühsexualisierung von Kindern Dank "Gender"€ wird hier noch einen Schub geben die nächsten Jahre.

    • Und wie, lieber Herr Benjamin kannst du das so sehen im Angesicht der Tatsache, dass auch Alkohol als Droge gelten muss??

      egal, wir sollten!!! das Thema Drogen bei dieser Diskussion gänzlich beiseite lassen. So wie ich das sehe, kann eine, nennen wir es Empathische Störung tatsächlich nur durch mangelnde Liebe, im bisherigen Verlauf des Lebens, ausmachen. 😉 !!!!

    • Liebe/r Schual da oben im Text Alkohol nicht erwähnt wird hab ich das auch logischer Weise nicht thematisiert.;D

      Das fehlende oder auch übertriebene Liebe hier ein Faktor sein kann bestreitet ja auch keiner. Aber das Thema ist viel zu komplex und abend füllend welche Fehlentwicklungen diese Gesellschaft gerade nimmt.

    • Aber sie können gerne hier eine Abhandlung über das einwirken von Alkohol in den Bodenstoffen Haushalt in den Synapsen machen. Und die dadurch Enstehung von F.22 Krankheiten belegen.

  4. Käme ein Außerirdischer vom Planeten Melmak hier vorbei und würde sich den IRRSINN Mensch betrachten, würde er womöglich als Ursache den fehlenden Penisknochen gegenüber anderen Säugetieren vermuten, warum einige Männer meinen, ständig bereit sein zu müssen und Sex praktizieren, nur um ihre Potenz zu bestätigen.
    Macht über jemanden oder ganze Völker zu haben, ersetzt wohl die größte Impotenz.
    Die Sache ist todernst.

    • Werte/r aDarcone

      eine URL in Klammern bedeutet: Der Inhalt der URL sollten alle kennen / ich stimme dem Inhalt der URL zu und die URL sollten alle kennen / ich stimme dem Inhalt der URL nicht zu und die URL sollten alle kennen / ich stimme dem Inhalt der URL ein bisschen zu und die URL sollten alle kennen.
      Was davon trifft auf Sie zu?

      Die URL (in meiner Kurzfrom sagt): Franz Ruppert ist ein Antisemit, Franz Ruppert ist ein Esoterik-Anhänger, Franz Ruppert ist wahnsinnig und bedient sich einer totalitären Psychologie.
      Die URL ist somit juristisch im Sinne des Strafrechts relevant.

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