Tagesdosis 6.2.2019 – Entmilitarisierung des menschlichen Herzens (Podcast)

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Wow!, mag man jetzt denken oder gar fühlen. Da fährt ein gewisser Franziskus, der den Namen nur hat, weil er Papst ist, in die Vereinigten Arabischen Emirate, um dort für mehr Herz und Verstand zu werben. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, wäre es an der Zeit, all den Klunker und das geborgte Gold, das die Vatikanbank zu einer der mächtigsten Banken weltweit gemacht hat, den Armen und Weisen zu schenken.

Entmilitarisierung der menschlichen Herzen

Wäre schön. Jesus, einst von Johannes dem Täufer erleuchtet, sah das auch so und wurde von den Militarisierern der Herzen ans Kreuz geschlagen. So zumindest die Überlieferung. Heute gibt es sehr viele, die sind wie Jesus, die ähnlich sprechen und dazu aufrufen, die Herzen zu entmilitarisieren. Sie werden von der judäischen Volksfront und der Volksfront Judäas als unrein denkende, an ein virtuelles Kreuz geschlagen. 

Was also ist wahrhaft zu tun, um mit der Entmilitarisierung der menschlichen Herzen zu beginnen? Ein Gesetz dafür erfinden? Einen Bußgeldkatalog einsetzen? Ein neues Schulfach einführen? Eine 250-teilige Serie auf Netflix ins Leben rufen? Mehr Bäume pflanzen oder Mitglied bei den beiden Parteien der Herzen werden? Tja, der Narretei gibt es unzählige Möglichkeiten, doch keine ist so naiv, wie die Papst Franziskus da in Abu Dhabi zu verbreiten suchte. Um dieser Narretei habhaft zu werden, versuchen wir einmal, folgende Frage zu beantworten: Wie ersetzt man das Militär durch unsere Herzen? Also, wie gewinnt das Herz und wie gelingt es, die Faust in der Tasche zu lassen? Na? Weiß das hier einer von euch Lesern? Wie? Militär abschaffen, sagst Du!? Nein, dadurch allein wächst es an anderer Stelle einfach nach. Einfach mehr Gutes tun, meinst Du? Wäre schön, wenn das hilft, aber auch dann wächst das Militär irgendwo einfach nach.

Geld, die mächtigste Waffe

Die Frage ist nämlich: Wieso braucht es überhaupt ein Militär überall? Um den Bösen zu schlagen? Nein, dafür gibt es das Militär nicht. Denn das Militär ist ja schon das Instrument des Bösen. Nehmen wir einmal an, dass es das Böse da draußen zunächst einmal gar nicht gibt. Stellen wir uns einmal eine Welt ohne Militär vor. Also eine Welt vor zigtausenden Jahren. Dann bemerken wir schnell, dass es irgendwelche Gründe gegeben haben muss, die in uns Menschen das Militär erfinden ließen. Diese Gründe waren Macht, Einfluss und Gruppenherrschaft. Damals wohl mit der Erfindung des Faustkeils beginnend ein schlagendes Argument zur Befolgung des Führungsanspruchs über andere. Vielleicht danach die Erfindung des Geldes, dann die der Banken. Heute sind Geldsysteme, nicht die Atombomben, die stärksten Waffen, um Macht, Einfluss und Gruppenherrschaft zu erzwingen. Das übersehen viele. Nicht durch die größere Anzahl an giftigsten und gefährlichsten Waffen erzeugt man Weltmächte oder Imperien, heute, sondern genau so, wie es in unserer Zeit China macht: Durch Geld und seine Wirkkraft, wenn man es dem Streben nach Macht unterordnet. Geld ist uns der höchste Wert. 

Und jetzt wird es spooky! 

Geld an sich ist wertlos. Seltsam, nicht wahr? Was aber lässt in uns Geld als das Wertvollste erscheinen? Na? Der Glaube, dass Geld alles ist. Geld ist das Kreuz, das wir anbeten, vor dem wir alle knien. Aber durch welche Werte glauben wir, es anbeten zu müssen? Durch innere Werte. Und genau da wird es komplex, nicht kompliziert. Geld ist die mächtigste und umfangreichste Ersatzbefriedigung, die wir je erdachten, die wir jemals hatten. Geld steht für all das, was wir sein könnten, aber es nicht sein können. In dem Buch Lilith und die Dämonen des Kapitals haben das Tomas Sedlacek und Oliver Tanzer sehr ausführlich dargelegt. Und wir finden das bei vielen namenhaften Psychologen ausführlich erklärt. Auch in dem Interview mit Professor Franz Ruppert, auf KenFM, ist das explizit ausgeführt worden. Und doch ist es so, dass zwar die Schlagworte genutzt werden, aber nichts dazu in den meisten Medien zu finden ist. Noch einmal: Die Menschen wollen keine Kriege, sie wollen, dass die Kriegstreiber ihre Entmilitarisierung in ihren Herzen beginnen und vollziehen. Dennoch aber wählen dieselben Menschen die Militarisierer der menschlichen Herzen, die Kriegstreiber und- man muss das so deutlich ausformulieren- die Massenmörder. Und schaut man in die Geschichte, so wird überdeutlich, dass das schon immer so war. Ich meine damit nicht den Krieg, sondern die große Masse an Menschen, die solche Massenmörder unterstützen, wählen und damit ihren Weg bereiten. 

Klassenkampf, nur eine Kopfgeburt?

Da die meisten Menschen, auch die meisten intellektuellen und klugen Menschen, diese seelischen Muster und inneren Gesetze nicht kennen, ja sie lauthals sogar scheuen, wenn sie davon erfahren und es gewohnt sind, ständig und ausdauernd in die falsche Richtung nach Lösungen zu suchen, sind sie auch so konditioniert, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht erkennen. Sie glauben, der Baum ist der Wald und der Wald ist Unsinn, Geschwurbel und Ablenkung, um den echten Feind zu vernebeln. Und so stärken sie den Feind mit ihrem Glauben, er existiere immer nur und einzig da draußen. Sie lehnen es ab zu begreifen, dass der Feind im Außen nur unseren inneren Mustern folgt. Mit dem Weltbild der Quantenphysik ist das zu verstehen, aber wer von denen will schon freiwillig etwas verstehen, das dann das eigene Weltbild einstürzen lässt? Sie bemühen sich in allerlei seltsamsten Kopfgeburten, wie das der Psychologe Franz Ruppert haarfein erklärt. Nur um darin ein Versteck für ihre inneren Kränkungen zu finden, es mit allerlei geistreichen Verwinkelungen zu verzieren und es dem anderen als Verteidigungsakt zu verkaufen: Angriff ist eben doch die beste Verteidigung. So ist zum Beispiel die Idee vom Kampf der Klassen, bis gar keine mehr existiert, ein wunderbares Versteck für gebrochene menschliche Herzen: Ich darf der Ungerechtigkeit wegen auf ewig kämpfen und Feinde definieren, Hurra, ich habe ein Ventil gefunden! Denn nichts weiter als eine Ersatzbefriedigung ist sie, diese Kopfgeburt Klassenkampf. Denn was ich da legitimiert bekämpfe, wird unterfüttert von meinen eigenen inneren Traumen- und Konfliktmustern. Das macht der Kampf von ganz allein und ist denen nicht bewusst, die ihn für absolut und der Lösung sicherste Weise erkannt zu haben glauben. Er ist dennoch bloß ein Versteck, das eigene Schmerzen zu übertragen wünscht. Wer an ihm als Ultima Ratio glaubt und starr an ihn festhält, so kann man solche überall erleben, wird sein Beißen und Bellen auf eben diese Idee übertragen, und nicht daran interessiert sein, woher eigentlich sein inneres Beißen und Bellen herrührt. Natürlich vom blöden Gegenüber, oder dem Ursprung allem Bösen dieser Welt, denn wenn der Mensch oder der Umstand nicht so wäre, wie ich sie erkannt habe, dann müsste ich ja nicht ständig bellen und beißen. 

Kann man das Kapital auflösen, wenn man alle Klassen vernichtet, außer die eigene supergute Klasse? Was macht dann die übrig gebliebene supergute Klasse? Ruft sie den Proletarismus dann aus – ohne Kapital und ohne je wieder kämpfen zu müssen oder zu wollen? Schwierig.

Der Verrat am Selbst

Die Entmilitarisierung der menschlichen Herzen hieße auch, dass die Menschen lernen, keinen Verrat mehr an sich selbst zu begehen. Die heute lebenden Menschen sind zu großen Teilen zu diesem inneren Verrat an sich selbst erzogen, gebildet und konditioniert worden. An diesen Lebenslinien hangeln sie sich ab, müssen sie sich anbinden, bilden ihre eigenen Gedanken und Ideen erklimmen und merken dabei nicht, dass sie im inner Space den outer Space erkennen wollen – was gar nicht geht. Davon aber sind sie zutiefst überzeugt konditioniert worden. Der Psychologe Franz Ruppert ist sich sicher, dass wir zunächst mit unserer inneren Welt aufräumen sollten, um Lösungen für die gegenwärtigen Probleme zu finden. Wir sehen nicht mehr die Realität, wie sie ist. Der Filter unserer Traumatisierung hat sich in unsere Wahrnehmung eingenistet. Und, das ist wohl das wirklich Entscheidende und für die Rationalisten wohl das Verstörende daran: Egal wie dann die Lösung aussieht! Es ist immer nur eine für sich selbst, sprich: sie hat Gültigkeit nur für das eigene Leben. Und da sind wir nun angelangt, beim größten Problem überhaupt, der Eigenverantwortlichkeit für den eigenen Lebensplan.

Unsere inneren Problemmuster verhindert ganz intensiv, dass wir die Probleme überhaupt erkennen. Die Problemidentifikation ist verschmutzt mit unserer Art, ersatzbefriedigend, man nennt das maladaptiv, unser gesamtes Leben zu leben. Wie ich schon des Öfteren schrieb, ist unser heutiges Ichgefühl deswegen (Trauma- und Konfliktverunreingt) ein Hochstapler, der dem Gaukler Gehirn das Wasser trägt. Franz Rupert erklärt dies in dem außergewöhnlichen Interview hier auf KenFM sehr schön mit dem Unterschied einer Identität und den Zuschreibungen, die der Identifikation bedarf, dem Füllstoff jedweden Illusionen, die wir unseren Maladaptionen verdanken und als die Wirklichkeit und die Wahrheit unseres Seins begreifen. Es sindfallgruben, in die wir zunächst alle hineinfallen. Es gilt, wie es Wilhelm Reich einmal sagte, den Ausweg aus der Falle zu finden. Unsere inneren Problemmuster sind geradezu dazu da, um uns in immer tiefere Probleme zu stürzen. Wir nennen das allgemeinhin Lösungen. Paradox, aber genau so ist es wirklich. Auch Dirk C. Fleck hat das wunderbar beschrieben, indem er davon spricht, dass wir darum bemüht sind, die Saugfähigkeit unseres Teppichs ständig neu zu definieren, auf den wir ständig urinieren; gemeint ist hier die Ignoranz der Umweltzerstörung. Erst wenn wir unsere inneren Muster dazu auflösen, was nicht in einer einzigen Generation zu schaffen ist, auch nicht in zwei oder drei, werden wir echte Lösungen im inner Space finden, die auch zum outer Space passen. Tun wir das nicht und sträuben uns weiterhin davor, dann werden wir inner Space-Probleme auch weiterhin für outer Space-Lösungen halten, doch in Wahrheit nur unsere inner-Space-Probleme auf die äußere Welt projizieren. Aber, und dieses Aber birgt Hoffnungen für uns selbst, es gibt eine ein-Generationen-Lösung. Sie heißt Bewusstseinswandel. Das ist nämlich genau so unbegrenzt, das Bewusstsein, wie das Universum. Bewusstseinsarbeit ist das, was wir Wachstum ohne Stoppschild und ohne Zweckerfüllung nennen. Das heißt, ich wachse an mir, an der Welt, lebe und vor allem handle auch nach meinem Wissen bis ins Grab hinein. Die gängige Form des Stopp-Wachstums, also ich weiß etwas ganz genau und lasse davon ein Leben lang nicht los, bleibe in dieser Blase, verkünde aus dieser Blase heraus alle Wahrheiten des Lebens und nerve ein Leben lang damit die Gesellschaft, mache ein Feindbild nach dem anderen aus denen, die anderes Wissen dazu haben, also anderer Meinung sind, ist die am weitesten verbreitetste Form diesen, nach Franz Rupert, Kopfgeburten überhaupt. 

Wage es, weise zu sein!

Bewusstseinswandel, wie soll das gehen und was ist das? Es ist das in Fleisch und Blut übergehende Wissen aus der inneren und der äußeren Erfahrung über das eigene Leben im Ganzen. Wir sind es gewohnt, dank unseres Bildungs- und Arbeitssystems Erfahrungen in reines oder totes Wissen zu übertragen. Kopfwissen eben, mehr nicht. Nicht aber dieses Wissen dann in Eigenverantwortlichkeit weiter zu verfolgen und umzusetzen, also nur danach zu handeln. So entstanden die Bibliotheken und der Glaube, Wissen müsse man horten und aufzeichnen, damit andere es in ihre Köpfe bekommen. Die Meisten laufen dem Mainstream, also der Schweigespirale und der Konformität hinterher. Wissen ist somit nicht bewusstes Wissen, sondern Schulwissen und Regierungswissen, also zusammengefasst: Herrschaftswissen. Wissen ist bei uns Notenwissen oder Karrierewissen. Man besteigt eine weitere Stufe auf einer Leiter des Erfolges, einzig und allein des Erfolges willens. Das ist beim bewussten Wissen ganz anders. Bewusstes Wissen ist immer eingelagert und abrufbar. Es vermehrt sich nicht durch Anstrengung und es will nicht glänzen. Es ist, sagt man, mehr nicht, weil man selbst dadurch ist. Ein systemkonformer Mensch wird es zu Beginn schwer haben, das zu verstehen. Das aber liegt gar nicht am Menschen, sondern an den eingelagerten Konditionierungen, was Wissen zu sein hat. Jeder Mensch ist grundsätzlich in der Lage, das zu verstehen. Ob er will, das hängt an der Beziehung, die jeder Einzelne zu seinem inneren Konflikt- und Trauma-Lösungsprogramm hat, sprich, seiner selbst erarbeiteten Copingfähigkeit.

Die Entmilitarisierung der menschlichen Herzen wird und kann nicht durch ein anderes Wissen kommen, oder verordnet werden. Die Entmilitarisierung der menschlichen Herzen kann nur auf eine Weise vollzogen werden: durch Menschlichkeit zu sich selbst und zu den Anderen. Aber solange die Menschen ihre jetzige Welt und ihre jetzigen Weltbilder, mit ihrem Originalleben verwechseln, nicht zulassen können, dass sie Kopien künstlicher Realitäten, künstlicher Welten anderer Menschen sind, so lange wird sich das menschliche Herz hinter all den Ersatzmöglichkeiten verstecken können. Menschen werden weiterhin versuchen, Probleme in Lösungsmuster zu überführen, die reinste Illusionen sind. Dahinter zu schauen kommt schon einem anfänglichen Wandel des eigenen Bewusstseins gleich. Dieser Wandel ist der erste Schritt zu einem Menschsein, das sein Herz wieder fühlbar macht. Daher,

Sapere aude! Habe Mut, Dich deines eigenen Herzens zu bedienen, heißt der Wahlspruch der menschenweiten Bewusstwerdung.

Quelle

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/papst-franziskus-in-abu-dhabi-papst-fordert-religionen-zu-frieden-auf-a-1251571.html

https://kenfm.de/franz-ruppert/

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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