Tagesdosis 6.3.2019 – Wer spricht für die Kinder?

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Diese Tagesdosis enthält Passagen, die starke Nerven beanspruchen könnten. Daher empfiehlt der Autor diese Lektüre nur denen, die ihre Nerven etwas stärker beanspruchen können. 

Lügde, ein verstörender Bericht über Kinderpornografie. Lügde, nun bundesweit als ein Campingplatz bekannt, an dem unbeschreibliches Leid an Kindern ausgeübt wurde. Akten sind verschwunden, wurden geschönt und alles riecht nach einem Kinderpornoring. Ein Netz aus Behörden, Justiz, Polizei und Jugendamt. Alles Zufälle? Wer weiß. 

Ich muss gestehen, ich habe mich überhaupt nicht in das Thema Lügde eingelesen. Es ist mir zuwider. Nicht dass ich solche Themen meide. Ganz im Gegenteil. Gehörten sie doch jahrelang zu meinem Alltag als Gewaltstraftäter-Therapeut. Da bekommt man den Durchblick. Und man lernt die Muster kennen, die sich ständig wiederholen. Gewalt in allen Facetten, das habe ich ausgehalten. Nicht weil ich es aushalten musste. Ich kann in diesem Thema derart tief herumgraben und muss es niemanden erzählen. Mir persönlich macht die Fallanalyse, zusammen mit Kriminalisten am meisten Spaß. Bisher ist uns noch nie jemand entwischt oder haben ihn nicht gefasst. Auch dafür bekommt man ein Gespür, das von genau der Art ist, die man niemanden erzählen kann, der sie nicht kennt. Zu sehr denken die meisten Menschen dann an den Dauerbrenner der ARD, den Tatort oder an andere Hollywood-Filme. Und so läuft das eben nicht ab.

Er war einer der gütigsten, sanftesten, liebevollsten Menschen, die ich kannte, sagt Wade Robson, und er hat mich über sieben Jahre sexuell missbraucht. James Safechuck, als Kind von ihm Lovechuck genannt, bekam von ihm einen Diamantring geschenkt. Sogar eine Hochzeit wurde inszeniert. James holt aus seiner Schublade den Diamantring und zittert beim Sprechen: Ich mag Schmuck. Er gab ihn mir im Gegenzug für sexuelle Gefälligkeiten. Mir fällt es immer noch schwer, nicht mir selbst die Schuld zu geben (1). Das tun Kinder immer. Sie geben zunächst sich selbst die schuld am Missbrauch. Auch Mädchen tun das, wenn der Onkel oder der Vater oder die Mutter sie jahrelang vergewaltigt haben. Ich bin böse, schlecht und ich habe es selbst verursacht, dass man so mit mir umgehen musste. Ich verdiene es nicht besser. So denken junge Missbrauchsopfer häufig über ihre Peiniger, nehmen sie sogar oft in Schutz. Das nennen Psychologen eine Überlebensstrategie, die durch die traumatischen Erfahrungen das Überleben sichern.

Frank ist 47 Jahre. Er kam zu mir, dem Autor dieses Textes, in die Praxis, weil er als Kabarettist merkte, dass er immer beliebter wurde, das Publikum ihm häufiger Standing ovation schenkte und er weiter kommen wollte, als Kabarettist. Zuvor war er bei einer bekannten Psychologin, danach schickte sie ihn an einen bekannten Psychologen und dieser schickte ihn mit den Worten zu mir: Wenn, dann kannst nur du herausfinden, was mit ihm los ist. Ich komme da nicht weiter. Wir saßen etwa dreißig Minuten zusammen bis ich ihm sagte: Für all das, was mit ihnen derzeit nicht stimmt, gibt es für mich nur eine Erklärung. Und welche, fragte er zurück. Wurden Sie in ihrer Kindheit sexuell missbraucht?, fragte ich ganz direkt. In diesem Moment bog sich sein Körper zu einem Halbkreis, er fiel vom Stuhl und wimmerte am Boden liegend wie ein kleines Kind. Dann kam er wieder zu sich und sagte mit aufgerissenen Augen zu mir: Das habe ich komplett verdrängt. Ich hatte es vollkommen vergessen. Keinerlei Erinnerung. Ja, von meiner Mutter. Sie missbrauchte und bestrafte mich sexuell, bis ich 16 Jahre alt war. Herr Lenz, wie kann es sein, dass ich mich daran bis heute nicht mehr erinnern konnte. 

In den USA ringt man nun mit der Frage, wie mit einem weiteren monströsen Genie umzugehen sei – eine Frage, die die Kulturwelt schon im Hinblick auf Figuren wie Charles Dickens, Pablo Picasso, James Brown und Roman Polanski quälte, schreibt die Spiegelautorin Nina Rehfeld und meint damit den King of Pop Michael Jackson. Denn in den USA ist ein neuer Dokumentarfilm erschienen, der erwachsene Männer zeigt, die behaupten, der King of Pop habe sie, als sie noch Jungen waren, sexuell missbraucht. Der Film, so schreibt die Spiegelautorin weiter, ist ein verstörender Augenzeugenbericht, der im Januar das Sundance-Filmfestival und jetzt, nach seiner Ausstrahlung auf HBO, die amerikanische Öffentlichkeit erschüttert. Robson, 36, und James Safechuck, 40, sowie ihre Familienmitglieder erzählen darin, wie sie in den Bannkreis des Superstars gerieten, mit Geschenken überhäuft wurden, sich in einem Märchen verirrten, wie Safechucks Mutter sagt. Und wie Wade und James, damals sieben und zehn Jahre alt, bald nicht nur das Bett, sondern heimlich auch das Sexualleben Jacksons teilten, während Eltern und Geschwister in immer entfernteren Zimmern von Jacksons Neverland-Ranch residierten.

Dieser Film wird sicher die Fans auf der ganze Welt erschüttern, nicht nur die Fans in den USA. Und es ist schlichtweg gar nicht mehr möglich für die meisten Fans, zu glauben, was der King of Pop vermutlich getan haben könnte. Michael Jackson, ein Täter wie die, die auch in Lügde mit Kindern Sex ausgeübt haben sollen? Das will man nicht glauben. Doch wenn man mit Tätern gearbeitet hat und das ganze Umfeld kennt, weiß man, dass die meisten Pädophilen Täter und Täterinnen in Milieus arbeiten, wo Kinder zu Hauf anzutreffen sind. Und das ist das Entscheidende, weil dort die Kinder im Schutz des Berufsbildes und im Schutzglauben der Eltern dem dortigen Geschehen überantwortet werden. Michael Jackson, der King of Pop nun doch nur der King of Pädophilie? Natürlich nicht, alles Lüge und erfunden, damit man Geld machen kann. Ja!? Wirklich? Beschäftigt man sich einmal mit den Sexskandalen in Hollywood und in der Musikbranche, dann fällt auf, dass es dort von unbewiesenen und bewiesenen Gerüchten nur so wimmelt. (8) 

Achtung: Der Autor behauptet nicht, Michael Jackson hätte Kinder sexuell missbraucht oder geht von der Tatsache aus, dass es so war. Auch für den Autor sind das erst einmal Gerüchte. Michael Jackson ist tot und niemand kann juristisch beweisen, dass der King of Pop die Dinge getan hat, die ihm von einigen vorgeworfen werden.

Der amerikanische Psychologe Lloyd deMause hat sich eingehend mit der Eltern-Kind-Beziehung über die Jahrhunderte der Menschwerdung beschäftigt. Und das Bild, das er uns aufzeigt, zeichnet ein Bild der Wahrnehmung dieser Erwachsenen-Kind-Beziehung, das nicht rosig ist. In der längsten Zeit unserer Geschichte haben Erwachsene Kinder sexuell missbraucht, sie gequält, missachtet und ausgebeutet. Man hat sie getötet, wenn zu wenig Essen vorhanden war, ja des Öfteren sogar gegessen, weil nichts andere vorhanden war. Oft aber auch einfach nur getötet, weil man zu viele Kinder nicht ernähren konnte. Kinder waren Dreck, sie mussten geschlagen und vor ihren Dämonen geschützt werden. Erst zwischen dem 14. – und dem 17. Jahrhundert begannen Erwachsene für Kinder überhaupt Gefühle zu entwickeln. Und erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts, befand man, dass man Kinder unterstützen müsse und dass Kinder am besten selbst wissen, was sie brauchen und was nicht. Kinder nicht zu missbrauchen, seelisch, körperlich wie auch sexuell, ist also erst vor kurzer Zeit entstanden. Noch bis vor gut 60 Jahren glaubte man, Babys haben gar keine Gefühle und man operierte sie ohne die entsprechende Stelle zu betäuben oder sie zu narkotisieren. (2)

Die Mutter habe das Kind angepflaumt: Zieh dich aus. Sie musste sich vor den Fremden drehen, einer tatschte sie ab, dann gingen die Männer. Irgendwann kam einer wieder und nahm sie mit, eine Kellertreppe hinunter. Sie schlang ihre dünnen Ärmchen um das metallene Geländer, wurde weggerissen, fiel mit dem Kopf auf eine Stufe, lag auf einem Tisch, strampelte, wurde gefesselt. Es fühlte sich an, als ob der Bauch bis zum Hals aufgerissen wird. 

Wusste die Mutter, was da genau passiert? 

„Sie wusste das, sie hat Geld dafür bekommen!“ Pia schreit es fast. 

Rund um die Einschulung, als sie mal wieder besonders oft zu Männern musste, behauptete die Mutter: Die Feier sei so teuer. „Außerdem, so ein Kind, das einem wieder nach Hause gebracht wird und das aus mindestens einer Körperöffnung blutet, Würgespuren am Hals hat, Hängespuren an den Handgelenken, rote Handflächen und Fußsohlen von den Verbrennungen – dass das nicht die Schaukel ausprobiert hat, das ist eindeutig. Sie wusste das ganz genau.“

Wieso Hängespuren an den Handgelenken?

Pia: Die haben einen aufgehängt, an Hand- oder Fußgelenken. Bei einem kleinen Kind kann man das auch über der Tür machen.

Verbrennungen durch was?

Pia: Bügeleisen.

Anne: Bei mir auch Toaster mit Klappen.

Wieso ausgerechnet Verbrennungen?

Anne: Weil das narbenlos verheilt.

Warum macht das jemand?

Anne: Man sieht das Kind leiden.

Pia: Man hat Macht. Und Spaß daran.

Anne: Man kriegt das Kind dazu, alles „freiwillig“ zu machen. (3)

Seit wann geht es um den Schutz von Kindern? Seit wann, bitte? Wer kümmert sich um missbrauchte Kinder? Der Kinderschutzbund, der Weiße Ring? Wer? Seit wann geht es um Kinder? (4) 

Die Kinderarmut in meiner Stadt liegt derzeit bei 28 Prozent und ist damit in den letzten sieben Jahren um 10 Prozent gestiegen. In manchen Städten liegt sie weit höher. Kinderarmut ist ein künstliches Vergehen unserer Kultur an Kindern. Geld. Geld ist genug da. Genau wie Essen. Auch Essen ist genug vorhanden. Beides wird ungerecht  verteilt. Wie viele Kinder werden wöchentlich in diesem Land missbraucht? 250. (5) 2017 sind Zehntausende Kinder in Deutschland missbraucht worden oder wurden Opfer von Gewalt. Die größte Opfergruppe bilden sexuell missbrauchte Kinder. Wie sieht das weltweit aus? Das möchte ich hier lieber nicht erwähnen. Kinder, so sagte es der österreichisch-britische Philosoph Karl Popper einmal, sind doch bloß im Weg. Deswegen müssen die in die Schule. Weil sie dem Plan der Erwachsenen, der Wirtschaft zu gehorchen, im Wege stehen. Wer von den knapp 250.000 Abonnenten auf KenFM wurde als Kind sexuell missbraucht oder häufiger Gewalt ausgesetzt, als sie oder er noch ein Kind war? Eintausend, zweitausend oder gar dreitausend …?

Über die Täter wird viel gesprochen. Wer aber spricht für die Opfer, die Kinder, oder die Kinder, die heute schon erwachsen sind? Wer spricht über Dich? Unsere Gesellschaft sexualisiert die Liebe. Doch ist das wirklich Liebe oder gehört Sexualität zu den Liebenden? Leiden wir fast alle an einer Unterversorgung an Liebe und an einer sexuellen Überversorgung? Was wissen die meisten denn schon von der Forschung über Sexualität. Was über die sexuelle Befreiung eines Wilhelm Reich, den der Mainstreampsychologismus schnell entsorgt hat? In unserer Gesellschaft läuft vieles schief. Kinder werden sehr früh damit konfrontiert, schön zu sein. Vor allem Mädchen. Und sie beginnen früh damit, sich künstlich zu verschönern. Das weiß jeder, der kleine Mädchen in der Familie aufwachsen sieht. Und wie ist es geschehen, dass die Presse uns mit der vermissten 15jährigen Rebecca aus Berlin dauerhaft informiert (6). In Deutschland verschwinden tagtäglich junge Mädchen und Jungs. Warum verfolgen die Medien gerade diese Vermisste so vehement? Weil sie hübsch ist? Weil das den Voyeurismus, den unsere Medien schon lange für uns Schaulustige als Futter bereit halten, nährt? 

In Lügde geht derweil die Spurensuche weiter. Ob der Organhandel junger Kinder auch weiter geht? Sicher! Ich will hier gar nicht weiter ausbreiten, was alles mit Kindern gemacht wird, nur um irgendeiner Befriedigung nachzukommen, die sich irgendwer ins Hirn geschraubt hat. Es geht dabei immer nur um Angst. Um sehr tief liegende Angst bei den Tätern. Und diese Angst wird von unserer Gesellschaft miterzeugt, von unserer Kultur, von vielen Kulturen, weltweit. Und viele kriminelle Organisationen haben sich deswegen gebildet. Kinderhandel für Organe, für sexuelle Abartigkeiten, für Verjüngungskuren, für den Kinderharem, für Opferrituale, für die Versklavung und Ausbeutung. Und wir Erwachsene schauen ständig, wie bei so Vielem, in die falsche Richtung und wollen irgendwen an den Pranger stellen, nur damit wir beruhigt weiterschlafen können. Am nächsten Morgen können wir dann wieder zur Arbeit und weitermachen mit unseren ach so unglaublich wichtigen Taten – für die Wirtschaft. 

Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren, 57.000 Menschen sterben am Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen jeden Tag und fast eine Milliarde Menschen sind permanent schwerst unterernährt. Die Konzerne fabrizieren diesen Hunger, sagt Jean Ziegler (7). Wer auch immer ein gesellschaftliches Phänomen oder Problem untersucht, kommt nicht umhin in der Konfiguration der Gesellschaft selbst das Problem zu erkennen. Das Problem der Kinder und Minderjährigen und Jugendlichen heißt: Die Erwachsenen sind fest von ihrer Unfertigkeit überzeugt. Sie glauben, Muster und Regeln erfunden zu haben, wie man sie zu fertigen Menschen macht. Dabei haben sie gelernt zu vergessen, wie es ihnen dabei ergang, wie sie gezwungen wurden, zu gehorchen. Sie erkennen auch nicht, dass sie erzogen wurden, um zu gehorchen. Alles Erwachsenwerden dient nur einem Zweck: den menschlichen Willen zu brechen. Jedes Mittel dazu ist recht. Und diese Traumatisierungen, die Generationen übergreifend tief in unseren Hirnen stecken, führen zu Übertragungen, zu Projektionen und zu einer ständig sich wiederholenden Täter-Opfer-Umkehr-Dynamik, die es zu durchbrechen gilt. 

Und jetzt kann sich jeder selbst ausmalen, wieso wir Kindern eine derart seltsame Kindheit antun. Wieso manche Erwachsene Kinder missbrauchen: Weil sie selbst Opfer von Missbrauch waren. Missbrauch, nicht immer bloß der sexuelle Missbrauch, sondern das Missbrauchen weniger von sehr vielen Menschen, ist der Zweck dieser Gesellschaft. Die Gehirne der Kinder und Jugendlichen werden für Anpassungszwecke missbraucht. Später dann ihre Körper oder ihre Ideen für die Wirtschaft. 

Kinder aber sind fertige Menschen. Wer das heute nicht einsieht oder meint, sie müssten erst durch Erziehung zum Erwachsenen gemacht werden, der weiß einfach zu wenig über Kinder. Kinder brauchen Steuerung, ja! Doch nicht über Erziehung, sondern über Beziehung. Und dass darüber so gut wie gar nicht diskutiert wird, weil die meisten gar nicht wissen, was mit Beziehung statt Erziehung gemeint ist, zeigt das allgemein gesellschaftliche Problem des Missbrauchs der Kinder überdeutlich auf. Kinder müssen endlich gleichberechtigt in Beziehung zu allen Menschen stehen dürfen. Das würde vor allem der Vorbeugung des Missbrauchs von Kindern ganz allgemein helfen. Es würde nicht den Tätern ihre Neigung verhindern, wohl aber die Sicherheit der Kinder stärken und damit den allgemeinen Missbrauch erschweren. 

Frank, ich schrieb weiter oben über ihn, wurde von mir in Sachen Schauspielerei und Kabarett Wochen lang gecoacht. Ich traf ihn acht Monate später und er bedankte sich bei mir aufs Herzlichste. Ich fragte ihn, wofür er mir so sehr danke und er sagte, weil er jetzt wieder mit seiner Frau glücklich ist und er den ersten Platz beim Quatsch Comedy-Preis in Berlin gewonnen habe. Ohne Sie, Herr Lenz, wäre das alles nicht passiert. Ich dachte dabei: Was könnte aus all denen werden, wenn niemand sie missbraucht hätte und sie Liebe erfahren hätten. Ja die Liebe. Sie ist die Heilpflanze der Natur.

Quellen

(1) http://www.spiegel.de/kultur/musik/michael-jackson-doku-leaving-neverland-und-gegenprogramm-a-1256098.html#ref=recom-outbrain

(2) Franz Rupert, Symbiose und Autonomie, Symbiosetrauma und Liebe jenseits von Verstrickungen, Seite 70, Stuttgart 2010

(3) https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2019/43165/organisierter-missbrauch-auch-von-vaetern-und-muettern

(4) https://www.youtube.com/watch?v=7aaH6fX3XT8

(5) https://www.sueddeutsche.de/panorama/kriminalstatistik-missbrauchte-kinder-pro-woche-1.4003032

(6) https://www.sueddeutsche.de/panorama/rebecca-vermisst-schwager-beweise-1.4355175

(7) http://www.planet-interview.de/interviews/jean-ziegler/46415/

(8) https://de.wikipedia.org/wiki/Jimmy_Savile

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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37 Kommentare zu: “Tagesdosis 6.3.2019 – Wer spricht für die Kinder?

  1. Sehr geehrter Herr Lenz,
    auch über den King of Pop also Michael Jackson musste ich lange Nachdenken. Die Vorwürfe müssen aufgeklärt werden. Es kann auch sein, dass dieser Mann den Clowns, Herr Jebsen weiß wovon ich rede (zu gefährlich wurde). Schaut man sich das Video zum Earthsong an. Es sind über 200.000.000 Milliarden Klicks. Er spricht der gesamten Welt aus der Seele. Würden alle die Dinge sehen so wie ich und sich immer wieder das Lied oder noch besser das Video auf sich wirken lassen, dann hätten unsere Unterdrücker null Chancen. Hört einfach zu, all jene die alles begreifen. Das Lied gehört zu den mächtigsten Waffen gegen die Unterdrückung. John Lennon wurde damals erschossen. Der war für Frieden und so ein Zufall Weltberühmt.

  2. Nichts von dem auf dieser Seite Vorgetragenen soll relativiert oder in Abrede gestellt werden.

    Und dennoch habe ich den Impuls, etwas über den amerikanischen „Day-care-scandal“ (evtl. Tageskrippenskandal, Kindergartenskandal, Kita-Skandal) zu posten
    und vor allem auf das hinzuweisen, was Jordan Peterson kurz in einem Video anspricht, wo es eigentlich um etwas ganz anderes ging. (Also bitte nicht vom Titel des Videos irritieren lassen.)

    Der ganze Vortrag sehr sehenswert. Leider nicht auf Deutsch. Auf Minute 20:23 eingestellt.
    https://youtu.be/XY7a1RXMbHI?t=1223

    Day-care-hysteria
    https://www.bizarrepedia.com/hysteria/

  3. Es ist schon erstaunlich wie viele Kinder weltweit verschwinden und nie mehr auftauchen? Die Dunkelziffer ist hoch und noch höher bei den Armutskindern und Straßenkindern und Kriegs-traumatisierten ohne Schutz von Erwachsenen in Krisengebieten.
    In Zeiten wo Geldmacht und politische Macht alles kaufen und Menschen in Botschaften als Gefangene leben müssen oder sogar zerstückeln werden (das sind dann Deutschlands Verbündete gegen das BÖSE, nicht nur in Libyen oder im Jemen) ist
    nur die Spitze eines Eisberges. Krankmachende Bedingungen schaffen Zombie – Menschen und bei einigen steht auch Babysushi auf der Speisekarte (Kenne da persönlich eine Betroffene die Zeugin war).
    Kinderquälen gehört zu jedem Krieg dazu, von Auschwitz über Palestina bis zum Kongo. Für manche ist das eben nur ein Kollateralschaden, man erinnere sich an die Worte von Frau Madeleine Albright. Ouups, da meinte sie glaube ich nur die Toten Kinder.
    Und oft wird vergessen, neben den Tätern gibt es viele andere Verantwortliche die an Zwängen stricken die sie selbst nicht aushalten müssen sondern nur die ganz unten ( von Wallraff ausgeliehen). Diese Mit-Verantwortlichen tragen meistens Krawatten und sitzen beratend weit oben und leider nie auf der Anklagebank.

    youtube.com/watch?v=hWIkneS9vQQ

    • Natürlich haben sie Recht…. Aber leider selbst Herr Lenz, von dem man eigentlich anderes erwartet, ist nicht in der Lage zu differenzen und zu versuchen zu verstehen was da abläuft.

      Es ist schlimm zu sehen was leider auch aus kenfm in den letzten Jahren geworden ist…

  4. Werter Herr Lenz

    ein paar Gedanken zu ihrer Tagesdosis. Ja, Gewalt gegen Kinder oder deren Missbrauch ist einer der grösstmöglichen Skandale. Punkt !!!

    Aber der Gut Menschen Kommentare gibt es unzählige und keiner hat noch irgendetwas an der real existierenden Welt geändert, oder? Denn der Umgang mit dem Thema ist stets auf dem „Trump ist blöd und Putin ist böse“ Niveau.
    Fast bekommt man den Eindruck Kommentar Schreiber haben kein wirkliches Interesse an einer Lösung des Problems und erst Recht wollen sie auch niemanden zum Nachdenken anregen.

    Herr Lenz, simple Frage. Würden sie sagen es gibt einen Unterschied zwischen einem Mann/einer Frau die eine/n Jugendlichen, sagen wir mal 15/16 jährig, gegen Bezahlung und mit ausdrücklicher Einwilligung zum Sex mitnimmt…
    und der analen Vergewaltigung eines 5 jährigen Kindes?

    In ihrem sicher gut gemeinten Artikel erwecken sie zB den Eindruck ein Michael Jackson haben andere zum Sex gezwungen. Ist es ihnen unbekannt, dass Jugendliche beiderlei Geschlechtes in einem gewissen Alter gemeinschaftlich masturbieren? Und die Skandale um ihn in der Tat sehr viel mit dem Reichtum Jacksons zu hatten und nicht mit traumatisierten Jugendlichen „Opfern“?

    Ist es ihnen unbekannt, dass zu ALLEN Zeiten, in ALLEN Kulturen und in ALLEN Gegenden der Erde, Sex zwischen Erwachsenen und Jugendlichen sehr häufig ist? Dass er in der Vergangenheit in vielen Kulturen das NORMALE war? Ist es ihnen klar wenn jemand von “ Sex zwischen Erwachsenen und Jugendlichen“ redet es sich NICHT per definition um Missbrauch handelt?
    Ist ihnen bekannt, dass mehrere zum Kanon der abendländischen Kultur gehörige Autoren nicht nur offen pädophil waren, manche sogar 10jährige heirateten?

    Leider ist es auf kenfm generell und im Forum speziell ganz unübersehbar so, dass im Gegensatz zu Jebsens Absicht, SELBER DENKEN streng veröhnt ist.
    Und ich nehme daher an, das ich statt Antworten von ihnen, hier nichts weiter als Zensur zu erwarten habe…

    • Für mich stellt sich die Frage, wo genau setzen Sie die Grenze.
      Auch für mein persönliches Empfinden und auch meiner eigenen Erfahrung nach, hinterlässt sexuelle Ausbeutung in jedweder Form immer Spuren. Egal ob es sich bei den Überredungsmitteln um Schokolade, Geld oder Gewalt handelt.
      Und bei Menschen, die sich in ihrer auch sexuellen Identität noch nicht vollends entwickelt und gefunden haben – bedenkt man, dass Körper und Psyche immer als Einheit gesehen werden – wirkt sich das entsprechend auf den weiteren persönlichen gesundheitlichen Weg aus. Da besteht für mich absolut kein Zweifel – das sagt im Grunde schon das gesunde Empfinden und der damit verknüpfte gesunde Menschenverstand, wenn dieser weiß, was zwischenmenschliche Bindung und erfüllte(!) Sexualität und, ja, gleichgeschlechtliche, Partnerschaft bedeuten.

      Ich kenne niemanden, wenn ich so zurückdenke, der sich freiwillig als Kind oder Jugendlicher sexuell einem älteren Mann hingegeben würde. Auch als Junge mit einer erwachsenen Frau würde ich mit Abstrichen sagen, dass die Selbstfindung und unter Gleichaltrigen die gesündeste Form der auch secuellen Entwicklung ist. Aber das ist meine persönliche Meinung.

      Auch im geschichtlichen Verlauf, wenn es um Pädophilie geht, stand dieses Phänomen immer unter einem bestimmten herrschaftlichen System bei dem es um hegemoniale Bestrebungen und/oder Unterwerfung ging.
      Ich gehe sogar weiter: Wenn ich mir die überwiegenden heutigen Praktiken und Lehrbücher hinsichtlich der schulischen sexuellen Aufklärung ansehen, geht es im Grunde nachwievor um vordefinierte Geschlechter-Rollen und letzten Endes sterile Stimulation ohne nennenswerte Herzensbildung.

      Apropos Herzensbildung und weil wir gerade dabei sind – was meinen Sie denn mit Gut-Menschen? Ist das nicht auch eine dieser zurechtgelegten distanzierenden Rollenzuschreibungen um für sich selbst die Unnahbarkeit zum Empfinden der eigenen unterdrückten Bedürftigkeit zu rechtfertigen und zu jener tiefen stillen Sehnsucht nach immerwährenden inneren Frieden?……

    • Fontanus, da eine echte Diskussion des Themas kaum möglich ist und durchaus auch nicht wünschenswert muss, will ich nur kurz auf den Begriff Gut-Mensch eingehen.

      Der Begriff wurde als Schimpfwort in dem Augenblick populär, als alles politisch Korrekte zur einzig akzeptablen Version jeglicher Meinung wurde, und in der Folge dann alles Abweichende entweder wahlweise als Nazi, Kommunist Terrorist oder weiss der geier was noch alles bezeichnet wurde. Die „Trumpo ist dumm und Purin ist böse“ Fraktion.

      Gut-Menschen sind jene die unreflektiert eine Meinung aufnehmen, weil sie in allen medien wiederholt wird, und sie damit zur Mitte, zur Mehrheit gehören, Die Konsequenzen die das für unsere mittlerweile ja völlig indiskutable Form von Demokratie hat. brauch ich ihnen kaum zu erklären, oder? Die ungeheure Mehrheit die das linke und rechte Spiessertum bildet, verhindert jegliche in der Politik und durch die Politik , möglicherweise für zwei Generationen!

      Es ist das unserer Zeit angemessene Schimpfwort!
      Es geht dabei um all die Gut-Menschen die gegen Krieg., Hunger, Klimawandel und auch Pädophilie sind, ohne sich auch nur einen einzigen Gedanken über das jeweilige Thema gemacht zu haben, und sich einen Dreck für die Ursachen interessen….

    • Noch eins… wer die Dimensionen und die tatsächliche Realität des Kindesmissbrauchs zumindest mal erahnen will… dem sei wie gesagt frontal21 vom Dienstag zu dringendst zu empfehlen.

      https://www.zdf.de/politik/frontal-21/missbrauchsskandal-in-luegde-100.html

      Da kann man zumindest eines erkennen, Pädophilie ist in der Realität sehr viel anders, als nur irgendwelche perversen Geisteskranke die sich an kleine Kinder heranmachen. Das ist durchorganisierte Kriminalität, die manin Ruhe lässt und statt dessen anscheined jene verhaftet die vor dem Computer sitzend zu deren Bildchen onanieren!

      Und dazu kommen dann Kräfte die genügend Macht haben um deie Hand schützend über viele Beteiligte zu halten. Man hat das ja vor einigen Jahren bereits mal in Beldien beobachten können, dass da Verbindungen bis in höchste Kreise festzustellen waren…. und NICHTS wurde aufgedeckt am Ende.

  5. Ja, harter Tobak. Aber auf dieses absolut Skandaloese des Verschwindens eines ganzen Koffers voll bis oben mit vermutlich gerichtsfestem Beweismaterials mitten aus einer nicht gearade 3 Mann, sondern grossen Polizeiwache heraus, kommentiert der Verfasser ueberhaupt nicht. Der Skandal vergoessert und erweitert den Missbrauchs-Skandal womoeglich eines Tages noch erheblich.

    • Das Akten verschwinden ist ja leider nicht selten in diesem Land, etwa zum NSU- Prozess.
      So tief ins Eingemachte, soll der Bürger nicht blicken können. Es regiert und erigiert der tiefe Staat, nicht die Leichtmatrosen des Parlaments oder Merkel. Wir werden an die Hand genommen und hinter die Fichte geführt. Da dürfen wir dann, statt Kriminelle, Pilze sammeln.

  6. Lieber Rüdiger,
    eine kleine Korrektur deiner Tagesdosis: Bis in die weiten 80iger Jahre war man sich nicht einig, ob Säuglinge ein Schmerzempfinden haben https://www.zeit.de/1987/45/streit-um-babys-schmerz
    Das ist wichtig zu wissen, weil wir heute junge Menschen in unseren Praxen haben, die noch davon betroffen sind. Gerade bei Frühgeburten ist es wichtig, das zu wissen ;-). Das Ritzen in die Ferse und die Silbernitrattropfen waren Gang und Gäbe in der Geburtsmedizin. Viele Mütter haben ihren Kindern diese Prozedur kurz nach der Geburt nicht erspart, sondern glaubten ernsthaft, das mache ihren Kindern nichts aus, weil es ihnen so von den Geburtshelfern vermittelt wurde. Auch operative Eingriffe bei Säuglingen wurden in dieser Zeit noch oftmals ohne Narkose durchgeführt und das Schreien der Babys ignoriert, weil es ja nur „Reflexe“ waren.

  7. Etwas stimmt hier nicht mit den vielen Wirs in den Vorkommentaren. Und eine Dekompensierung von Gewaltlust wird sichtbar. Wie ist dies getriggert worden bzw. was hat dies getriggert? Von der sexuellen Übertretung scheint eine ziemlich direkte Linie zur Gewalt zu laufen, es entsteht beinahe eine Pogromstimmung. Interessant.

    • Gut beobachtet… Es handelt sich halt um ein Thema bei sich die rechten und linken Spiessbürger alle einig sind, und jeder der es wagt über das Thema nachzudenken statt in den Cjor einzustimmen, sich verdächtigt macht.
      Und selbstverständlich meinen diese spiessigen Gut-Menschen mit ihrer Gewalt nur geistige Krüppel, die nahezu ausnahmslos selber inihrer Kindheitmissbraucht wurden, und keineswegs die Strukturen und Korruption in Politik, Polizei, Kirche und allen anderen Institutionen. Dazu empfehle allen Gut-Menschen sich frontal21 vom Dienstag anzuschauen um sich über das Ausmass dieses letzten Skandals mal ein bisschen klarer zu werden!

      Einfach auf die frontal21 webseite gehen

  8. Lieber Ken, liebes Team, gern schaue ich mir die Sendungen an, höre Fakten und mutige Menschen die was zu sagen haben. Seid zwei Tagen, wie auch heute bin ich über die „Neue“ Stimmer bei der Tagesdosis ehlich gesagt- geschockt. Ich möchte Niemanden zu nahe treten, doch es schmerzt, sie zu hören. Ist das eine Computer- Stimme? Ohne Betonung im Ausdruck , steriel kommen die Worte rüber. Bitte lasse reden wie es war. lieben Gruß?!

    • Ja, mein Mitgefühl diesen Menschen. Absolut. Auch weil ich im näheren Umfeld Missbrauch-Opfer persönlich kenne.

      Doch es ist dabei meiner Meinung nach auch sehr wichtig folgendes zu unterscheiden:
      R. Lenz beschreibt hier nämlich in seinem Bericht sehr eindringlich das Phänomen des OPFER-SEIN. Nur in diesem Zustand ist nämlich Heilung möglich.
      Berichte können das nicht im Geringsten wiederspiegeln, weil es um vergessene Gefühle wie Scham, Wut, Schmerz und Angst geht, die durch das Ausleben letztlich integriert werden könne.
      Im Außen geht das nicht. Vielmehr besteht die Gefahr der OPFER-HALTUNG. Hier sind wir im Mitleid oder in der Wut, was den Opfern wenig hilft und die Täter oft im Stillen „rehabilitiert“, sukzessive gar vergessen macht.

      Die jüngere Deutsche Geschichte ist hier für mich ein Paradebeispiel dieser Unterscheidung – weil durch die „Ver-Knoppung“ (nach G. Knopp – eine Verballhornung des Kabarettisten D. Hildebrand im doppelten Sinn) der Greueltaten durch die Nazis als Endlos-Televisions-Berieselung zwar immer wieder Schuld und Mitleid implentiert werden, wirkliche Aufarbeitung aber bis heute nicht wirklich passiert ist ……

  9. Es geht darum aufzuzeigen, was in uns selbst schlummert, statt mit Zeigefinger und mit Ersatzbefriedigung im Außen zu agieren.
    Dazu gehören auch Berichte wie diese, die das Tabu immer wieder aufbrechen und aufzeigen, dass wir im Grunde alle zu Objekten gemacht wurden, nur damit wir unsere kalten materiellen Pfründe beschützen, unsere Armeen füttern und letzten Endes wiederum, ganz unbewusst, unsere eigenen „Kinder fressen“….

    • Da „schlummert“ in mir nichts, was es zu finden gäbe. So tief kann ich nicht blicken, dass ich Sex und Gewalt mit Kindern in Verbindung bringen würde. Das Problem, ist ihr Problem und lässt sich nicht verallgemeinern.

    • Fonatanus… sie sehen ja, wie unsäglich dumm allein schon die eine Antwort ist. die sie bekamen.

      Und das Ganze auf einer Webseite die zum Motto hat „Selber denken“…

    • @blauersalamander
      Ob ich nun einen Menschen, der in der Öffentlichket steht, diffamiere und seine berufliche Karriere zerstöre, ob ich junge Traumatisierte auf der Suche nach Identifikation rekrutiere, um Bomben auf andere Menschen abzuwerfen, ob ich meinen Lehrling dem Mobbing durch seine Kollegen überlasse oder meine Sekretärin verbal sexuell erniedrige oder ob ich Menschen, gleich welchen Geschlechts oder Alter herabwürdige, sie misshandle, sie gar töte – es ist immer diesselbe Dynamik:

      Erst werden wir Objekt (Du bist nicht geliebt, Du bist sch…), dann machen wir uns selbst zu Objekten (Ich bin härter als Du, und gescheiter…. ich bin sch….) und schließen machen wir andere Menschen zu Objekten (Du bist schwach … Du bist sch….).

      Kurzum: Der Facetten-Reichtum an unmittelbarer Befriedigung unsere niederen Stammhirn-Impulse ist enorm und macht sich bereits bei Kindern unter sich bemerkbar. Es geht immer um Flucht oder Angriff. Und immer spielt auch Sexualität mit ein, weil wir nun mal von Natur aus auf Fortpflanzung geeicht sind.
      Die Vielzahl an Möglichkeiten, wie diese sag ich mal sensiblen Schalter in uns gedrückt und die Mechanismen dieses reduzierten Handlungsspielraumes bewusst von außen zum Zwecke des Machtmissbrauches genutzt werden können, wage ich nur guten Mutes im Ansatz auszumalen.

      Sadismus mit der intuitiven finalen Tötungsabsicht stellt, denke ich, nur einen Höhepunkt dieser Möglichkeiten dar. Und da spielt es keine Rolle ob als Soldat oder als väterlicher Vergewaltiger – letzteres hat in jedem Fall die schlimmeren Folgen, das sei zugegeben.

      Aber wo machen wir den Anfang angesichts des Tatsache, das wir zu 5% im bewussten und ansonsten im unbewussten Zustand agieren und reagieren (müssen)? Wo ist DANN für SIe selbst der Start abseits der Straße, die letztlich ins Nichts und in Auslöschung von allem Leben endet? Diese Frage dürfen Sie gerne für sich selbst beantworten, bevor Sie wieder (vielleicht dann etwas bewusster ) in den Orkus schießen.

    • Ross Dorn
      Da lassen Sie nun Ihre 95% unreflektierte Emotionen, Ihr Unterbewusstsein, aufs Papier statt „selber zu denken“ und was zur Diskussion beizutragen und kommen sich ungeheuer klug vor. Schade!

    • Fontanus
      Von WEM wurden wir alle zu Objekten gemacht? Wenn ich mein Denken und Handeln reflektiere, bin ich bei mir und bei dem, oder denen, die mein Denken und Handeln betrifft.
      Sie schreiben:
      „Erst werden wir Objekt (Du bist nicht geliebt, Du bist sch…), dann machen wir uns selbst zu Objekten (Ich bin härter als Du, und gescheiter…. ich bin sch….) und schließlich machen wir andere Menschen zu Objekten (Du bist schwach … Du bist sch…“
      Wenn wir unreflektiert das Weltbild der Strippenzieher und ihrer Medien übernehmen, d.h. in diesem System was werden wollen, Karriere machen, ist das, was Sie schreiben wohl richtig.
      Aber wenn du dem System und seinen Strukturen gegenüber Abstand wahrst, dein Tun bedenkst, kann keiner Dich zum Objekt machen.

    • Diese Tagesdosis hat’s in sich. Ihr Thema stört eine enorme Emotionalität auf, ein Hinweis, in ein gleichfalls enormes Wespennest gestochen zu haben. Darum ein völlig unironisches Danke an Rüdiger Lenz. Denn offenbar läßt sich hier einem zentralen Herrschafts- bzw. seelisch-intellektuellen Schwächungsmechanismus auf die Spur kommen — Volador, ick hör dir trappsen!

      Das fundamentale Herrschaftsmittel der alten Römer und wohl auch der Vormoderne insgesamt war grenzenlos brutale körperliche Straf- und Züchtigungsgewalt (Michel Foucault, Überwachen und strafen). Die Moderne hat diese sehr aufwendige Form der Herrschaftsdurchsetzung durch eine hoch effiziente (billigere und durchgreifendere) Form ersetzt, durch SELBSTENTZWEIUNG. Anne Querriens *l’EnsAignement* (Entstehungsgeschichte der Grundschule) zeigt greifbar, wie diese Schule einen Geist-Materie-Dualismus als ideologische Grundannahme in den Kindern erzeugt, ohne mit dem Worte zu predigen. (Selbstentzweiung ist das Charakteristikum des Geist-Materie-Dualismus.) Allein nur die räumliche Enge ihrer Sitzsituation und die den Kindern aufgezwungene Bewegungslosigkeit macht diese nervös und unkonzentriert. Nun werden sie vom Lehrer getadelt. Zudem macht dies gesamte Setting sie „dumm“, und sie beginnen nun, ihren revoltierenden Leib als Feind wahrzunehmen. Hinzu das ständige anlaßlose Herumreiten auf dem Thema geschlechtlicher Selbstzucht; geradezu suggestiv wird die Aufmerksamkeit der Kinder auf das Geschlechtliche gelenkt: ein so nun endlich benambarer Feind! Und deshalb auch ein Feind, der zum Platzhalter für all das „Negative“ des sich gegen seine gewaltsame Gefangensetzung wehrenden Leibes genommen werden kann. Eben daher jene Linie, die von der geschlechtlichen Übertretung direkt zur Gewalt läuft. Wird die Geschlechtlichkeit thematisiert (z.B. diese Tagesdosis), wird unmittelbar Selbstfeindschaft getriggert. Selbstzerstörerische Impulse und Antriebe werden von der auf Selbsterhaltung orientierten Psyche nun selbstverständlich abgewehrt, und je weniger Bewußtheit über die genannten Zusammenhänge besteht, um so stärker ist die Neigung, den Selbstbestrafungs- oder Selbstzerstörungswunsch bzw. -impuls ins Außen zu projezieren. Und wer böte sich da als Projektionsfläche besser an als der Sexualstraftäter.

      Der Aussage, Sex von Erwachsenen mit Kindern sei ein allgemein kulturübergreifendes Phänomen, ist zu widersprechen. Von den australischen Aboriginees zum Beispiel sind keine Berichte bekannt, solchen Sex in ihrer ursprünglichen Kultur gepflegt zu haben. Heute ist dieser Sex bei ihnen geradezu epidemisch. Warum das so ist, erklärt sich eigentlich von selbst, und es sei die Antwort der Debatte überlassen. Von mir hier nur so viel: Mit der sittlichen Höhe einer Kultur wird ihr Fall um so tiefer.

    • @blauersalamander
      Ein jedes Leben beginnt allein in der sinnlichen, körperlichen, empathischen Erfahrung, die von außen natürlich entsprechend beantwortet und ohne Bedingung bedient und erfüllt werden muss. Wir sind also von Anfang ausgelieferte aber dennoch eigenständige Persönlichkeiten. Auch wenn die kognitiven Fähigkeiten sich erst ab dem 18. Monat beginnen, zu entwickeln.
      So ist inzwischen empirisch erwiesen, dass es, um ein Beispiel zu nehmen, Auswirkungen auf ein ganzes Leben haben kann, wenn dieses Leben ursprünglich eigentlich von der Mutter gar nicht gewollt war.

      So oder so: Wir werden die Lösung für all unsere Probleme im Außen oder in uns selbst niemals über die Fähigkeiten unseres Verstandes alleine lösen können. Wir brauchen im Mindesten immer das Mitgefühl für uns selbst und unserer eigenen Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte.

      Erst im Mitgefühl für uns selbst können wir wirklich lösungsorientiert arbeiten – müssen uns nicht mit Lynchgedanken für die Täter aufhalten oder uns im distanzierendem Mitleid für die Opfer wälzen, müssen uns nicht in Konstrukten der Vergangenheit verheddern.

      Stattdessen sorgen wir dafür, das die Opfer tatsächlich geheilt werden und erfüllen unseren Kindern und Kindeskindern im Grunde jeden Wunsch nach aufrichtiger Geborgenheit und emotionaler Bestätigung wie nur irgend möglich – das ist der reale Nährboden, auf dem desillusionierte Absichten und niedere zwanghafte Bedürfniserfülling niemals gedeihen können.

    • Fontanus
      Selbstliebe ist die Voraussetzung dafür um andere lieben zu können. Das heißt, ich muss meine Traumata im Wesentlichen aufgearbeitet haben, allein oder mit Hilfe eines kompetenten Psychotherapeuten.
      Das was ich von Ihnen lese, erinnert mich an Franz Ruppert und Gerald Hüther, liege ich da richtig?
      Ich habe zwei unserer 3 Töchter als „Hausmann“ von der Geburt an begleitet, was schon ein Stück weit eine Flucht aus dem System war. Umso mehr hat es mich gefreut, dass unsere mittlere Tochter, nachdem sie ihren Master der Psychologie mit „sehr gut“ abgeschlossen hatte, zu mir sagte, dass ihr jetzt erst bewusst wurde, wie gut die Beziehung zu uns, ihren Eltern und innerhalb der Familie war. Es gab keine physischen oder psychischen Strafen, aber ganz viel Lob und Bestätigung. Unser neoliberales System hat es mir nicht gedankt und für 25 Jahre Arbeit 920 Euro Rente vorgesehen. Aber ich kann damit leben.

    • @blauersalamander
      Berührend, das zu lesen – danke für Ihr Vertrauen, das hier auch offenzulegen.
      Sie liegen richtig – Hüther, Brisch, Levine, Ruppert, Birgit Assel …. das sind für mich Menschen, deren Wissen, Handeln und Tun genau am Puls der Zeit ausgerichtet sind.
      Es gibt große Angst davor- nicht nur wegen dem Trauma ansich, sondern auch der tiefistzenden (und auch von außen gerne geschürten) Angst, zu seinen wahren Gefühle zu stehen und auch offen dazu zu stehen. Und gerade bei Männern ist es in meiner Arbeit (ich arbeite lebensberatend) ganz fantastisch zu beobachten, wie WIR in eine wirklich enorme Kraft kommen dadurch – das ist wirklich sehr sehr inspirierend und gibt mir persönlich sehr viel Hoffnung.

      Ich kann auch nur aus meiner Erfahrung sprechen – ich hatte wirklich gute auch spirituelle und tiefenpsychologische Theorien und Praktiken kennengelernt und sehe in der Traumapsychotherapie letztlich den richtigen Schlüssel, um alles entscheidende Tore in einem zu öffnen.
      Auch unabhängig davon, ist das, was Sie beschreiben, der richtige Nährboden, für eine hoffentlich einmal in eine andere Richtung weisende Welt … Danke nochmal für’s teilen, und alles Gute für Sie und Ihre hoffentlich glückliche Familie!!

  10. Straftäter-Therapie ist immer Zwangstherapie, auch wenn Straftäter in die Therapie einwilligen, weil sie ohne Therapie nicht vorzeitig entlassen werden würden oder weil sie ohne Therapie überhaupt nicht mehr entlassen werden würden. Wie fühlt es sich in diesem Wissen an, Straftäter zu „therapieren“? Provokant gefragt, handelt es sich da nicht um eine laszive Beschäftigung mit dem „Bösen“? Oder gar um die Bestätigung des eigenen Gutseins (Der Helfer ist immer der Gute).

    Naja, ich schau mir jetzt ein bißchen Johann König an, der ist immer der beste.

    • Es geht doch für den Straftäter darum, einen Ordnungsrahmen (Gesetze) nicht nur oberflächlich zu akzeptieren, sondern zu verinnerlichen, so das er keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellt.
      Ob das gelungen ist, dass zu bewerten ist sicher nicht leicht, zumal bei einem Irrtum die Karriere gefährdet bis beendet ist.
      Straftäter-Therapie ist immer Zwangstherapie, dass ist richtig, aber der innere Zwang ist wegweisend, entscheidet, ob die Therapie gelingt, nicht der äußere Zwang.

    • Bitte, blauersalamander, wie sollte er denn verinnerlichen, wenn der Prozeß der Verinnerlichung äußerlich erzwungen wird!

    • Resozialisierung ist ein ideologisch umkämpftes Thema, denn wieder einmal geht es um Framing bzw. einen im Vorhinein gesetzten Denkrahmen. Der beginnt schon mit der Weise, wie im Deutschen das Wort sozial überhaupt verstanden wird. Im Französischen bedeutet sozial ausschließlich gesellschaftlich! Im Deutschen aber meint dies Wort vor allem den Anspruch, nett zueinander zu sein, und dies umfaßt zudem den Anspruch, die unten hätten einen Anspruch auf eine schützende Behandlung seitens derer oben: Illusion!

      Daneben suggeriert der Begriff Resozialisierung, es sei das Soziale bereits vorhanden, und ein Straftäter brauche nun lediglich wieder lieb und nett zu sein, um in diesen lieben und netten Rahmen zurückkehren zu können: Ebenfalls Illusion, denn wir leben in einer Konkurrenzgesellschaft.

      Und auch der Begriff „Ordnungsrahmen“ ist Illusion. In kenfm am Set mit Gilad Atzmon gibt es eine großartige Stelle. Herr Atzmon bewitzelt die 10 Gebote. Diese seien ein Hohn, da jeder gewöhnliche Mensch sie ohnehin verinnerlicht habe. Und dies gilt ja auch für Straftäter, soweit diese nicht im medizinisch-diagnostischen Sinne empathieunfähig, sprich: psychopathisch sind, z.B. durch geschrumpfte oder im Extremfall unvorhandene Mandelkerne oder durch zuviel Testosteron bei zugleich zuwenig Serotonin (siehe hier die etwa 2009 von SAT1 gebrachte dreiteilige, mit „Mörder“ betitelte BBC-Produktion).

      Falls ich Herrn Lenz richtig verstanden habe, liegt sein therapeutisches Hauptaugenmerk auf der seelischen Stärkung seiner Klienten durch Heilung von deren Traumata. Und in diesem Moment verwischen endlich die Grenzen zwischen Straftätern und gesellschaftlich gut dressierten Gesetzestreuen — denn alle benötigen Heilung ihrer seelischen Verletzungen. Fazit: Die Gesellschaft zu einer menschlichen machen bzw. die Herrschaft des Nichtmenschlichen, des Kapitals, überwinden! Und auch wenn Herrn Lenz dies ärgern sollte, bestehe ich weiterhin darauf, daß dies keine Aufgabe für Helden ist, sondern in einem kreativen kollektiven Prozeß geschehen wird. Schaun wir mal.

  11. Danke für diese bittere Wahrheit. Kinder sind uns immer im Weg, sind seit der „Wiedervereinigung“ für Nachbarn und Vermieter lästig und zu laut. Waren diese nörgelnden Ekel nicht auch mal ihren Nachbarn und Eltern ein Graus?
    Ich frage mich immer wieder, wie es dieses System schafft Kindern und Jugendlichen ihre Welt und Zukunft zu rauben und die Opfer hatlen dabei still. Wieviele Generationen werden noch für alte Weiber und Männer in Regierungen und deren Auftraggeber verrecken müssen, eh wir Eltern mal etwas tun, außer Fressen, Saufen, TV glotzen und Handysstreicheln (Hund und Katze ebenfalls), statt den Früchten unserer Lenden die Welt zu retten?
    Kindesmord und Rituale samt widerlichen Glüsten scheint in den oberen Etagen ein angesagter Zeitvertreib zu sein…Wann endlich holen wir die Mistgabeln heraus und brennen ihre Paläste nieder? Eltern aller Länder vereinigt euch und…es geht eben nicht ohne Gewalt! Gruß!

    • Doch! Geht auch ohne Gewalt. Nur so. Die Mistgabeln muessen zu „Sanktionen“ werden, um heute aehnliches zu bewirken als seinerzeit nur gegen Kettenhemden.
      Eine heutige „Mistgabel“ waere z.B. gut orchestrierter Boykott gegen gewisse Marktmaechte und aufoktroierte Gesellschaftsusancen, Geldschoepfungen, Gueterumverteilungen von oben etc.
      Manche arbeiten schon an sowas. Ich versuchs auch. Irgendwer oder irgendwas wirds schon schaffen, sofort oder bald. Murphy´s Gesetz.

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