Tagesdosis 6.5.2019 – Modern Monetary Theory: Pseudo-Wissenschaft trifft auf Polit-Opportunismus

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

Sie ist erst 25 Jahre alt, hat lange Zeit ein unscheinbares Dasein gefristet, findet aber seit Kurzem immer mehr Anhänger: Die Modern Monetary Theory (MMT), die von verschiedenen Seiten als neue Heilslehre im Finanzbereich angepriesen wird. 

Ihre Grundthesen stehen in der Tradition des Keynesianismus, einer Wirtschaftslehre, die die Rolle des Staates in Krisensituationen betont. Die MMT geht aber noch einen Schritt weiter und verquickt die Rolle des Staates mit der der Zentralbank.

Nach Ansicht der MMT-Befürworter verteilen sich die Rollen zwischen den beiden folgendermaßen: Die Zentralbank schafft Geld, während der Staat es in Gestalt von Steuern wieder einzieht. Die MMT behauptet, dass zwischen beiden Vorgängen kein Gleichgewicht bestehen müsse, die Zentralbank also wesentlich mehr Geld schaffen könne als der Staat anschließend einziehe. 

Als Beleg für die Richtigkeit ihrer Thesen verweist die MMT auf das Beispiel Japan: Dort hat die Zentralbank mehr Geld ins System gepumpt als in irgendeinem anderen Land der Erde. Dass die japanische Inflationsrate trotzdem seit vier Jahren unter einem Prozent liegt, beweist nach Auffassung der MMT-Anhänger, dass die Geldschöpfung durch die Zentralbank nicht zwangsläufig in eine Inflation führen müsse und daher ruhig weiter betrieben werden könne.

Diese Argumentation aber hält einer Prüfung nicht stand. Zum einen unterschlägt sie die entscheidende Tatsache, dass das von der Zentralbank geschaffene Geld nicht in die Taschen der arbeitenden Bevölkerung, sondern in die von Finanzspekulanten geflossen ist. Die wiederum haben es nicht in die Realwirtschaft, sondern in die Anleihen-, Aktien- und Immobilienmärkte gesteckt, wo wir es sogar mit einer gewaltigen Inflation zu tun haben – nur, dass man sie dort nicht so nennt, sondern von „Blasen“ spricht.

Zum anderen lässt die MMT die historische Situation, in der wir uns derzeit befinden, völlig außer acht: Wir haben es nämlich seit dem Beinahe-Zusammenbruch des globalen Finanzsystems an den Finanzmärkten auf Grund der Geldinjektionen und der Zinssenkungen der Zentralbanken seit zehn Jahren mit einem künstlich erzeugten Dauer-Boom zu tun.

Dessen Triebkräfte haben Nebenwirkungen, die sich in der aufziehenden Rezession deutlich zeigen werden. Wegen des rückgängigen Wirtschaftswachstums werden die Zentralbanken nämlich gezwungen sein, noch mehr Geld zu schaffen und es zu noch niedrigeren Zinsen zu vergeben. Das aber bedeutet, dass der Leitzins von vielen Zentralbanken wie der EZB in den Negativbereich abgesenkt werden muss. 

Solche Negativzinsen werden das klassische Geschäft der Banken – die Kreditvergabe – endgültig unprofitabel machen und sie dazu zwingen, noch stärker als bisher ins globale Finanzcasino einzusteigen. Außerdem werden noch mehr Investoren dazu verführt werden, mit geliehenem Geld zu spekulieren, was zwangsläufig noch größere Blasen an den Finanzmärkten erzeugt – mit der Folge, dass ein Crash zwar für einige Zeit hinausgezögert werden kann, danach aber umso heftiger ausfallen wird. 

Der größte Fehler der MMT besteht jedoch darin, Staat und Zentralbanken als unabhängige Regulatoren des Finanzsystems zu begreifen, die von der Politik in jede beliebige Richtung gelenkt werden können. Das ist historisch nicht haltbar: Sowohl der Staat als auch die Zentralbanken sind seit Jahrhunderten den Interessen der Finanzelite unterworfen und handeln in ihrem Sinne und nicht im Interesse der Allgemeinheit.

Warum berufen sich dann Politiker wie Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez trotzdem auf die MMT? Aus einem einfachen Grunde: Sie gehören der Demokratischen Partei an, die in den USA seit Jahrzehnten die Interessen des großen Geldes vertritt, sich aber vor allem in Wahlkampfzeiten gern als Vorkämpfer des kleinen Mannes präsentiert. 

Zu diesem Zweck schlüpfen Sanders und Co. in die Rolle von Systemkritikern und werfen mit anti-kapitalistischen Parolen nur so um sich. Als Anhänger der MMT aber fordern sie in Wirklichkeit eine Fortsetzung genau der Geldpolitik, die die Vermögenskonzentration in immer weniger Händen und die Verarmung breiter Teile der arbeitenden US-Bevölkerung gewaltig vorangetrieben hat. 

Daher sollte sich niemand darüber wundern, in welcher Gesellschaft sich Sanders und Co. mit ihrer Unterstützung der MMT befinden: Es gibt mehrere prominente US-Hedgefonds-Manager, die sich ebenfalls dazu bekennen.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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9 Kommentare zu: “Tagesdosis 6.5.2019 – Modern Monetary Theory: Pseudo-Wissenschaft trifft auf Polit-Opportunismus

  1. Auweia, ich hoffe Herr Wolff hat sich mit den anderen Dingen über die er hier schreibt und spricht besser informiert als über MMT. Ich schätze nämlich seine Beiträge sehr. Sollten die allerdings auf genau so dünnem Wissen basieren wie dieser hier, dann müsste ich ja befürchten, dass Herr Wolff mir nur deswegen als Experte erscheint, weil ich noch weniger von diesen anderen Dingen verstehe als er. Nun ich will hoffen, dass dies hier nur ein Ausrutscher ist.
    >> „Die MMT geht aber noch einen Schritt weiter und verquickt die Rolle des Staates mit der der Zentralbank.“
    Was bitte ist das für ein Unsinn? Die Zentralbank IST selbstverständlich ein ganz wesentlicher Bestandteil der Staatsmacht. Die bei uns geforderte und wie eine heilige Kuh verherrlichte „Unabhängigkeit“ der Zentralbank von der restlichen Staatsmacht ist die Nebelkerze hinter der verborgen wird, dass derartig ermächtigte Zentralbanken der demokratischen Kontrolle entzogen sind. Dort können dann nicht gewählte Technokraten nach Belieben die Regierungspolitik hintertreiben und konterkarieren. Die Politiker der sozialliberalen Koalition in Deutschland der 70er-Jahre können ein Lied davon singen. Wie das Verhältnis von Zentralbank zur restlichen Staatsmacht im konkreten Fall eines bestimmten Staates tatsächlich gestaltet ist, das ist in der Verfassung des jeweiligen Staates geregelt. „Verquickt“ sind Staat und Zentralbank allein aufgrund ihrer Aufgaben selbstverständlich immer.
    Die MMT nun untersucht ganz ideologiefrei mit rein logischen Überlegungen und Argumenten wie das Geldwesen in einem Staat funktioniert, in dem die Zentralbank ein Bestandteil des Regierungsapparats ist und somit nicht jenseits demokratischer Kontrolle agieren kann. Kanada ist ein klassisches Beispiel für so eine Konstellation. Denn dort ist die Zentralbank verfassungsmäßig verpflichtet jegliche Staatsausgabe durch (neu geschaffenes) Zentralbankgeld zu finanzieren. Offenbar kann so eine Konstellation funktionieren. Mir ist nicht bekannt, dass Kanada durch überbordende Inflation, wachsweiche Währung oder Investitionsblasen auffällig geworden wäre.
    Überlässt man aber die Zentralbank „unabhängigen“, demokratisch nicht legitimierten Technokraten, dann gelten die Erkenntnisse der MMT bezüglich der Handlungsfähigkeit des Staates natürlich nicht.
    >> „Die Zentralbank schafft Geld, während der Staat es in Gestalt von Steuern wieder einzieht. Die MMT behauptet, dass zwischen beiden Vorgängen kein Gleichgewicht bestehen müsse, die Zentralbank also wesentlich mehr Geld schaffen könne als der Staat anschließend einziehe.“
    Zu jedem beliebigen Zeitpunkt mit einer Staatsverschuldung von größer als Null hat die Zentralbank de facto mehr Geld geschöpft als der Staat wieder als Steuern eingetrieben hat. Das gilt mit und ohne MMT. Dass die MMT diesen trivialen Tatbestand thematisiert sollte man ihr nun wirklich nicht vorwerfen. In dem Moment, in dem der Staat so viel an Steuern eingezogen hätte wie die Zentralbank an Geld in Umlauf gebracht hat sähe sich die Volkswirtschaft dieses Staates mit der unkomfortablen Situation konfrontiert, dass keinerlei Geld mehr vorhanden wäre.
    Was bitte haben Sie sich bei der Formulierung dieses Satzes gedacht, Herr Wolff?
    Herrn Wolffs Kritik an der MMT ist ungerechtfertigt und kontrafaktisch. Wer sich ernsthaft mit dieser Theorie befassen will, dem empfehle ich – wie vor mir hier schon lesesalamander in seinem Kommentar – sich auf der Internetseite von makroskop.eu umzusehen. Dort wird neben vielen anderen auch das Thema MMT auf hohem fachlichem Niveau und oftmals kontrovers diskutiert. Nutzt die Gelegenheit, die sich ab dem 16. Mai dort bietet. Ab diesem Datum ist das ansonsten kostenpflichtige Portal inklusive des gesamten Archivs an bisher erschienenen Artikeln sechs Wochen lang kostenlos zugänglich.
    Offenbar ist Herr Wolff tatsächlich ein Monetarist, der immer noch an dem längst widerlegten Irrglauben festhält, dass es die vornehmliche Aufgabe einer „unabhängigen“ Zentralbank sei die Geldmenge zu steuern. Dass dem nicht so ist wurde inzwischen selbst in einschlägigen Publikationen aller bedeutenden Zentralbanken eingeräumt.
    Nicht zu bestreiten ist allerdings, was Herr Wolff beklagt. Nämlich, dass die Politik der Zentralbanken der letzten Jahre zu gewaltigen Spekulationsblasen geführt hat. Dies allerdings der MMT anzulasten erscheint mir mehr als absurd. Nun ist die MMT nicht so schwer zu verstehen und Herr Wolff scheint in wirtschaftlichen Fragen sehr beschlagen zu sein. Insofern schließe ich aus, dass diese Fehlleistung daran liegen könnte, dass Herr Wolff die MMT nicht richtig verstanden hat. Ich vermute eher, er hat sich mit ihr aufgrund ideologischer Voreingenommenheit (Monetarist) nur nicht ausreichend und unvoreingenommen beschäftigt.
    Tatsache ist, dass diese Geldpolitik von „unabhängigen“ Zentralbanken betrieben wurde, deren Proponenten mit der MMT ganz sicher nichts am Hut haben. Ganz im Gegenteil. Nicht nur am Ergebnis der Geldpolitik dieser Herren kann man ablesen, dass sie ausschließlich die Interessen der Finanzindustrie vertreten. Auch ein Blick auf die Drehtürkarrieren (zwischen Zentralbanken und mächtigen Finanzhäusern, allen voran Goldman Sacks) legt diese Vermutung nahe.
    Eine zentrale Erkenntnis der MMT ist ja grade, dass unter den gegebenen Voraussetzungen (souveräner Staat mit souveräner Währung – die Zentralbank ist als integraler Bestandteil des Regierungsapparats zu verstehen) die Finanzmärkte machtlos gegenüber den Staaten sind. Unter solchen konstitutionellen Verhältnissen hängen nicht die Regierungen am Gängelband der Finanzmärkte sondern es ist genau umgekehrt.
    Insofern sind die Erkenntnisse der MMT ein Wegweiser in die Richtung in die man gehen muss um den unheilsamen Einfluss und die Machtfülle der Finanzelite zu zügeln. Ein wichtiges Instrument hierfür sind selbstverständlich die Steuern. Dass Zentralbanken volkswirtschaftlich unsinnig handeln können ist unbestritten. Eine Zentralbank, die sich durch wirtschaftliche Inkompetenz oder eine fürs Gemeinwohl schädliche Interessenlage auszeichnet ist eine Katastrophe für eine Volkswirtschaft. Deswegen muss nach Möglichkeit gewährleistet sein, dass die Handlungen der Zentralbank kompetent und dem Allgemeinwohl dienlich sind. Das kann meines Erachtens eher durch demokratische Kontrolle gewährleistet werden als dadurch, dass man ungewählten Technokraten freie Hand lässt.
    Die MMT liefert das theoretische Rüstzeug, das erforderlich ist um in Zukunft so einen Saustall zu verhindern, wie ihn zur Zeit „unabhängige“ Zentralbanken in Zusammenarbeit mit korrumpierten Regierungen verursacht haben.

  2. Danke Ernst Wolff für die sehr gute Darstellung.
    Dieselbe Problematik trifft auf den Keynesianismus im Allgemeinen in der Form auch zu, dass die Keynesianer immer meinen, es sei mehr oder weniger stets in Ordnung, wenn der Staat beliebig Kredit aufnimmt. Was dabei geläufig übersehen wird ist, dass die Abhängigkeit des Staates vom Finanzkapial, wie Sie richtig sagen, seit Jahrhunderten (zumindest seit der Gründung der Bank of England) genau durch dieses Bandenspiel entsteht und ausgebaut wird. Umgekehrt braucht das Finanzkapital für seine öffentliche Anerkennung seines Betrugs-Macht-Geldes die „Legimentierung“ durch die Staatsverschuldung. Deshalb ist die Staatsverschuldung in den reichen Ländern erheblich höher als in den Ländern, die abhängig und vor allem zur Ausplünderung gedacht sind.

    In einer Welt in der der Terror der Bereicherungs“gewinner“ gestoppt wäre und ein gutes Leben für Alle möglich wäre, würde jede erhebliche Kreditabhängigkeit ausgeschlossen werden müssen.
    Mit der Vorstellung von einer Weltwährung (Bancor) war Keynes gewiss weiter als die Bandenspieler heute.
    Ich glaube aber, dass Leute wie Sanders zwar im Effekt zu Betrügern werden können, es aber vielleicht nicht unbedingt sein wollen. Es ist wohl vor allem auch die Perspektivlosigkeit, die sagt, besser weiter Geld drucken als gleich den Zusammenbruch zulassen. Das Gelddrucken an sich wäre auch kein Problem, wenn alles neu geschaffene Geld verpflichtend auf ALLE Menschen eines (Welt)-Währungsraumes aufgeteilt werden müsste. Das wirkliche Problem ist, dass alles dieses neu geschaffene Geld Betrugsgeld – wie Geld von Geldfälschern ist, das – wie Sie richtig schreiben -, bestämdig in die Taschen der Superreichen fließt.
    Was wir fordern müssen, ist eine grundsätzliche Änderung der Rechtsvorstellung. Dann muss gelten:
    1. Höchsteinkommen mit rigorosen Gefängnisstrafen bei betrügerischer Überschreitung.
    2. Alles neue Geld – wer immer das Recht haben soll, neues Geld zu schaffen – muss auf ALLE Menschen aufgeteilt werden.
    3. Investitionsgeld gehört allen – über seine Verteilung muss daher demokratisch (d.h. nicht automatisch staatlich!) entschieden werden.
    Es gibt keine wirkliche Demokratie, die zugleich die Wirtschaft diktatorisch handeln lässt und die Bevölkerung nur als Leidtragende, die nichts zu sagen hat, den Bereicherungs-„Eliten“ unterwirft.

    Beste Grüsse
    Bertram

  3. Lieber Ernst Wolff, heute haben sie mal unsauber differenziert.

    Die MMT ist zuerst eine reine Geldtheorie. Als solche erklärt sie, dass es unter bestimmten Bedingungen keine monetären Grenzen der Verschuldung gibt. Insbesondere kann sich niemand in einer Währung überschulden, die er selbst in beliebiger Menge herausgeben kann.
    Mit anderen Worten, ein Staat mit einer eigenen (das heißt ausdrücklich nicht unabhängigen) Zentralbank kann sich in seiner eigenen, von dieser Zentralbank herausgegebenen Währung (aus monetären/finanztheoretische/mathematischen Gründen) nicht überschulden.
    Das ist eigentlich trivial.

    Außerdem sagt sie weiter, dass auch Inflation keine unausweichliche Folge einer solchen massiven Verschuldung ist. Inflation tritt nur auf, wenn man versucht, mit geschöpftem Geld Güter zu kaufen, die es nicht (in ausreichender Mente) gibt (zum Beispiel ertragreiche sprich zinsstarke Finanzprodukte, sagen wir Immobilien, in einem Niedrigzinsumfeld…). Diese und nur diese Güter werden dann teurer (zum Beispiel ertragreiche sprich zinsstarke Finanzprodukte, sagen wir Immobilien, in einem Niedrigzinsumfeld…). Dagegen kann man Güter, die keiner braucht/haben will in beliebiger Menge kaufen, ohne auch nur irgendeine Inflation zu erzeugen. Man verhindert mit letzterem aber Deflation.

    Ernsthafte Annäherung an die MMT könnte man bei Heiner Flassbeck und Kollegen finden – hier: https://makroskop.eu/?s=MMT
    Die haben dazu eine relativ breite Debatte. Die Gelegenheit ist übrigens günstig, ab 16. Mai sind dort für 6 Wochen alle Beiträge öffentlich zugänglich, um für Abos zu werben.
    Oder, als kleiner Überblick hier: https://makroskop.eu/2018/04/was-ist-zu-kritisieren-an-der-mmt/

    Und niemand dort plädiert für unkontrolliertes Schulden machen, nur weil das laut MMT möglich ist. Einerseits muss klar sein, dass die MMT als monetäre Theorie ausschließlich etwas über monetäre Zusammenhänge aussagen kann. Und natürlich ist das nicht alles. Es gibt bei der Frage Staatsschulden ja/nein ja auch psychologische, ideologische und schlichte Macht-aspekte, die eine monetäre Theorie gar nicht abbilden kann. Und natürlich lässt sich MMT mißbrauchen, um für die Abschaffung aller möglichen Steuern zu plädieren. Das hat aber mit der MMT nichts zu tun.

    Wer sich über die Einschränkung der MMT im klaren ist – sie ist eine monetäre Theorie des Geldes, und sagt deswegen nur etwas über die monetären Aspekte, über andere nicht – fährt sehr gut damit.
    Leute, die meinen, man müsste ausschließlich die MMT beachten, und wüsste dann alles, … ja die gibt es halt auch.

  4. Die MMT ist eine Strömung des Post-Keynesianismus, der bereit ist die Theorien von John Maynard Keynes kritisch zu hinterfragen.

    Der Keynesianismus stellt die Behauptung auf, dass es eine Gesellschaft dann gut, wenn die Nachfrage hoch ist.

    Hersteller würden vermutlich dann Personal einstellen, wenn die Kaufkraft hoch ist.

    Falls die Wirtschaft schwächeln sollte, sollte der Staat mit erhöhten Staatsausgaben eine künstliche Nachfrage erzeugen.

    Der Monetarismus nach Milton Friedman hingegen behauptet, dass der Staat sich bei rückläufiger Nachfrage auf die Steuerung der Geldmenge durch die Zentralbank konzentrieren solle.

    Jedenfalls wird die Funktionsweise der Marktwirtschaft komischerweise ausgerechnet von den politischen Parteien mit den meisten Wählern falsch verstanden.

    Mit dem heutigen Fiatgeld kann es aber keinen Wertetausch geben, weil es bei diesem keine Schnittstelle zwischen Finanz- und Realwirtschaft geben kann.

    Vielmehr ist es bei diesem der Fall, dass man sich zunächst bei den Banken sämtliches Geld ausleihen muss und die Banken schöpfen dieses Geld aus dem Nichts.

    Bei unserer derzeitigen Marktwirtschaft sorgen danach wenige große Akteure der Wirtschaft für nicht nachhaltigen Wohlstand bzw. für eine Wohlstandsillusion, weil sie bereits deshalb für uns alles sehr günstig anbieten, weil sie ganz einfach nur Marktmacht benötigen.

    Den Wettbewerb der wenigen großen Akteure gibt es deshalb, weil die Eigenschaft des Geldes Geld zu sein viel zu eng mit der viel zu exklusiven Möglichkeit des Geldes verbunden ist, dass man damit Schulden tilgen kann.

    Die wenigen Akteure der Wirtschaft bauen sich jedenfalls dadurch mit der Zeit immer mehr Marktmacht auf, dass sie immer mehr Geld einnehmen, wodurch sie jedoch für alle anderen Personen mit jeder eingenommenen Geldeinheit die Rückzahlbarkeit der Anfangsschuld dieser Geldeinheit infolge der etwas sonderbaren Geldentstehung als Schuld (sprich Staatsschuld) blockieren.

    Die Politik muss ständig Geld nachlegen, was nur mit der Geldentstehung als Schuld funktioniert und dadurch gibt es dann mit der Zeit auch immer mehr Zinslasten, die es insofern auch immer mehr erschweren, dass man mit normaler Arbeit ein Einkommen erzielen kann.

    Unser System entwickelt sich wegen des Geldbesitzes vergleichsweise weniger reicher Personen immer mehr zum Sklavensystem, weil Menschen mit wenig Geld für einen immer kleineren Bruchteil einer unbekannten Geldmenge arbeiten müssen. Die Geldmenge nicht zu kennen ist jedoch wegen der Geldillusion gefährlich.

    Ich ärgere mich aktuell insbesondere über Sigmar Gabriel.
    Er ist mit der SPD ausgerechnet in der Partei, die gleichzeitig ein Medienkonzern ist.

    Er fordert Hartz IV-Sanktionen, obwohl Hartz IV doch eher Erpressung ist und er wollte jüngst Kevin Kühnert aus der SPD ausschließen, nur weil er eine Meinung geäußert hat, die mit den vermeintlichen Interessen der SPD nicht konform ist.

    Gerade weil jetzt die Wahl des Europaparlaments ansteht, sehe ich die Wahlprogramme der großen Parteien mit Sorge.

    Bündnis 90 / Die Grünen schreiben etwa:
    „Wir Grüne im Bundestag wollen eine bessere Regulierung, damit der Finanzsektor wieder seinen Aufgaben nachkommt: Investitionen finanzieren, Risiken übernehmen und AnlegerInnen, Sparmöglichkeiten anbieten. Wir wollen klimaschädliche Investitionen beenden und der fossilen Energiewirtschaft die Kohle entziehen.“

    Sven Giegold / Udo Philipp / Gerhard Schick haben das Buch „Finanzwende“ geschrieben.
    Wie Udo Philipp es selbst schreibt, war er unter anderem Geschäfts­­führer des schwedischen Investors EQT.

    Was Bündnis 90/ Grüne da also machen, sieht eher nach einem Weiter-So aus.

    Ich danke daher Jürgen Trittin, dass er meinen neuen Kommentar zum Artikel „Jürgen Trittin solidarisiert sich mit Klimastreik #FridaysForFuture“ auf seiner Webseite freigeschaltet hat.

  5. Der Titel passt.

    Geld hat keinen Wert, es bestätigt nur eine Anteilsmöglichkeit (US Petro-Dollar, Gaddafis Gold Dinar, Hussein wollte ähnlich vorgehen…kann man ignorieren. Zufälle passieren)

    Schade, dass dies nicht zu Ihnen durchdringt, aber als apodiktischer Reiter klickt es sich wohl besser.
    Bitte korrigieren Sie mich, vielleicht am Beispiel China…Wo kam deren Geld doch her?

    Schade.

  6. MMT als Pseudowissenschaft zu titulieren, zeigt welch Geistes Kind sie sind.

    Das sie sich ideologisch als Monetarist verstehen, ist mir auch nicht entgangen, daher sind auch 99% ihrer Kommentare als Sinnlos/Pseudowissen einzustufen.

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