Tagesdosis 6.6.2019 – Über erhitzte Klimafragen zum Gewitter im Kopf

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Ist ihnen auch so warm? Woran liegt es denn bei ihnen? An den aktuellen Temperaturen, ausgehend vom Monat Juni, an der viel diskutieren Klimaveränderung, oder am rauchenden Kopf, aufgrund der gesellschaftlichen Klimaveränderungen?

Wie steht es um das gesellschaftliche Klima in unserem Land? Es wird beherrscht von hitzigen Diskussionen. Heißen Auseinandersetzungen, um die definitive Deutungshoheit. Nicht wirklich ein neues Phänomen, aber zur Zeit brennt die Menschheit, dieses Land regelrecht darauf, sich täglich argumentativ zu überbieten.

Vorrangige Gründe: das Versagen der Alten, die vermeintliche Rebellion der Jungen. Das Versagen der Politik, die vermeintlich politisierte Jugendrevolution (in der aktuellen Spiegel Ausgabe Rezoluzzer genannt). Die einzige Diskussion, das Thema, ausgetragen über das Internet, ein wenig auf der Straße: Das Klima mit allen seinen Facetten.

Man sollte nun den Kindern und Jugendlichen ihre Voreingenommenheit verzeihen. Sie sollen schon alleine entdecken, erkennen und verstehen. Das Problem für, bzw. bei dieser Generation? Sie entdecken individuell nur bedingt alleine. Ihnen wird zu vieles zugeführt. Praktisch, quadratisch und gut verpackt, in leicht verdaulichen Lernhäppchen. Favorisiert im Videoformat. Moderne Zeiten bedeutet easy living. Warum zu Symposien, zu Demonstrationen, Diskussionen, in die Bibliothek gehen. Google bringt mich über YouTube zum Ziel.

Das ist jetzt wieder too much „alter-weißer-Mann Rhetorik“, aber der Rat für kulturelle Bildung (ein Konglomerat u.a. von der Bertelsmann Stiftung, Deutsche Bank Stiftung, Robert Bosch Stiftung), wusste am 04.06. zu berichten, Zitat: Audiovisuelles Lernen in Form von Webvideos ist für Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren von großer Bedeutung und ein ganz normaler Teil ihres Alltags. Die Video-Plattform YouTube ist mit einer Nutzung von 86 Prozent der befragten Schüler und Berufsschüler eines ihrer digitalen Leitmedien. Fast die Hälfte der YouTube nutzenden Schülerinnen und Schüler (47%) ziehen hier selbstständig Erklärvideos für das schulische Lernen heran, beispielsweise für Hausaufgaben oder Prüfungen…(1)

Wie gestalten sich die Auswahlkriterien? Zitat: Bei der Auswahl von YouTube-Videos greifen der Studie zufolge 91 Prozent auf Empfehlungen von Freunden zurück, zu 65 Prozent auf Influencer, zu 44 Prozent auf Tipps von der Familie. Auf Tipps von Lehrern gehen 30 Prozent ein (2). Eine völlig deformierte Bildungspolitik kapituliert, um gleichzeitig ansatzweise mit den Zukunftstechnologien überfordert zu kooperieren. Deutschland schafft sich ab.

Kein Vorwurf, nüchterne Realität

Der Gang in die Bibliothek, in die Uni, an das Bücherregal der Eltern und Geschwister ist nun eben letztes Jahrhundert. Nein, natürlich nicht alles auf YouTube dient der Förderung von Schwachsinn, Oberflächlichkeit und Unnützem.

Da gibt es zum Beispiel gerade den YouTube Kanal: Gewitter im Kopf. Zwei sehr sympathische junge Menschen, befreundet seit Schultagen, erzählen den Alltag des Hauptprotagonisten mit der Diagnose Tourette. In seinem beeindruckenden Fall in einer Mischform. Verbal und körperlich. Diese Videos sollen die Angst vor dem Unbekannten, dem Missverständnis, die Hemmnis normal zu reagieren, nehmen. Es gelingt. Sehr sehenswert und ein Gewinn für beide Seiten (3).

Die Gefahr beim Phänomen YouTube liegt bei der Ablenkung vom Wesentlichen, der Gefahr inhaltlicher Oberflächlichkeit. Vor allem über diese unglaubliche Menge, diese Masse an manipulativen Videos, unbegleitet und ungefiltert freigegeben auf interessenshungrige junge Menschen, denen jegliche Vergleichsmöglichkeiten, Abwägungen fehlen. Weil, sehr verständlich, die Begleitung durch Ältere verbittet man sich. Kein neuzeitiges Phänomen, jedoch das Info-Gewitter, der Daten-Flash im Kopf für die heutige Jugend.

Ein paar Sätze an die jüngeren Hörer und Leser. Diese aktuelle Wut bei euch, kennen wir älteren auch, so ist es nicht. Wo anfangen? Wir waren auch wütend auf die CDU, SPD und FDP in den 80ern des letzten Jahrhunderts. Die Opposition nannte sich damals noch Grüne Alternative Liste, aus denen wurde dann Bündnis 90, heute nur Die Grünen. Es war ein zartes Pflänzchen im betonierten, erstarrten Westdeutschland. Die DDR, damals völlig festgefahren und bewegungsunfähig durch eine teilsenile erstarrte Regierungsspitze.

Was wäre jedoch alles möglich gewesen, nachdem die DDR 1990, nach der sog. Wiedervereinigung, in vielerlei Hinsicht seziert und übernommen wurde. Man hätte den unglaublichen Versuch starten können, aus zwei gesellschaftlichen Modellen, die beide ihre jeweiligen herausragenden wie auch fatalen Seiten hatten, die qualitativste und effektivste Variante für die Bürger zu modellieren. Doch darum ging es der Politik nicht. Es ging ihr noch nie um das Wohl des Volkes. Es ging immer schon nur um Interessen.

Das Problem, die Grünen wurden Anfang der 1990er vom Teufel Macht gelockt und wurden schwach. Auf Naivität, sie dachten die Deindustrialisierung der DDR diene dem Klimaschutz (bitte googeln: Bitterfeld), folgte das Desinteresse an den neuen fünf Ländern. Nach dem Motto: Ihr hattet 40 Jahre eure Chance und habt sie nicht genutzt. Es folgte die Regierungsbeteiligung 1998-2005 mit der SPD. Der damalige SPD Spitzenmann Gerhard Schröder kopierte den englischen, späteren Kriegsverbrecher, Tony Blair und der Grüne Spitzenmann Joschka, später Joseph, Fischer war ein guter Freund der US- Kriegsverbrecherin Madeleine Albright (4). Das ist die Frau, die bei einem Interview auf die Frage ob es die Sache wert sei, dass mehr als eine halbe Million Kinder im Irak durch Sanktionen und Krieg starben antwortete, Zitat: es ist eine schwierige Entscheidung, aber es ist den Preis wert (5)

Mit diesen beiden falschen Freunden, im Namen von SPD und den Grünen, taten sie etwas, wofür sie nie wieder auch nur eine Stimme bekommen sollten. Krieg. Einen schmutzigen, überflüssigen, elendigen Krieg gegen Jugoslawien. Dies war und ist unverzeihbar. Sie unterstützten zudem auch den US-Krieg in Afghanistan und wendeten sich bei allen späteren US-Kriegen nie konsequent von der Nato ab.

Das reichte dem SPD Mann Schröder damals aber nicht. Stichwort: das Schröder-Blair Papier aus dem Jahre 1999, Zitat: Eine radikale Modernisierung der sozialdemokratischen Konzepte haben Bundeskanzler Gerhard Schröder und der britische Premier Tony Blair gefordert…So plädieren die beiden Partei- und Regierungschefs für eine wirtschaftsfreundliche Ausrichtung durch steuerliche Entlastung der Unternehmen, eine Reform der Sozialsysteme, solide Staatsfinanzen, für flexiblere Arbeitsmärkte und eine „Straffung“ von Sozialleistungen (6). So klingt Politiker-Sprech, wenn sie Menschen drangsalieren wollen, zugunsten des Kapitals. Aus diesen Worthülsen bastelte die SPD mit den Grünen die Hartz-IV Regelungen, unter denen bis heute Millionen Menschen in diesem Land leiden.

Noch ein paar Worte zu eurem Thema der Gegenwart, dem Klima. Kyoto-Protokoll habt ihr vielleicht schon gehört? Es sollte den weltweiten Klimaschutz garantieren. Es wird viel diskutiert, über die Gründe von Klimaveränderungen. Es gibt jedoch einen Verursacher, der annähernd unbekannt, sein Unwesen seit Jahrzehnten betreiben kann. Das US-Militär (7). Mutwilliger Kriegsverursacher und Umweltverschmutzer im Irak, in Afghanistan, in Libyen.

Auf annähernd 7.000 Militärbasen weltweit, werden täglich an die 320.000 Barrel Öl verbraucht. Zitat: Hauptsächlich verursacht durch die sich ständig im Einsatz befindlichen 285 Kampf- und Versorgungsschiffe der US-Navy. Ebenso rund 4.000 Kampfflugzeuge, 28.000 gepanzerte Fahrzeuge, 140.000 sonstige Fahrzeuge, über 4.000 Hubschrauber, mehrere Hundert Transportflugzeuge und 187.493 Transportfahrzeuge. Das Pentagon produziert mehr hochgiftigen Müll als die fünf größten amerikanischen Chemiekonzerne zusammengerechnet. Unter den Giftstoffen befinden sich Pestizide, Blei oder radioaktive Materialien aus der Waffenproduktion… (8). Dazu der Einsatz von Uran-Munition in Jugoslawien und im Irak.

Nun ist das Pentagon von sämtlichen internationalen Klima- und Umweltabkommen pauschal jedoch ausgenommen. Diese Sonderregelung verabschiedete der US-Kongress im Jahre 1998 im Rahmen eines Sonder-Gesetzes, das sämtliche US-Militäroperationen weltweit von den Bestimmungen des Kyoto-Protokolls freistellt (7). Irre, oder? Das sollten eigentlich auch die Regierungskoalitionen der letzten dreißig Jahre wissen. Ist es ihnen egal? Wird die USA dahingehend attackiert? Mit Protestnoten, egal aus welcher Fraktion, überschüttet? Nein. Alle Parteien (Nachtrag B.Loyen: natürlich mit Ausnahme der Linken) machen jeden Dreck mit und Deutschland zahlt brav sein Nato-Monats-Gebühren.

Auch Krieg, in verschiedenen Erscheinungen, verändert das Klima. Erweitert euren Blick, vertieft die Thematik. Es gibt neben den militärischen Kriegen auch Wirtschaftskriege. Diese nehmen ebenso Einfluss auf die Natur. Firmen wie Coca-Cola und Nestlé klauen Millionen Menschen das lebensnotwendige Wasser für ihre Profite (9).

Weiß das die Bundesregierung? Natürlich. Was macht sie dagegen? Sie lädt die Verbrecher, wie z.b aktuell Nestlé, ins Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, lässt sich schön einsülzen, um dann über Twitter zusammen ein Werbevideo zum Thema Kooperationen zu veröffentlichen (10). Gaga, oder?

Rezo formulierte es in seinem CDU Video so: Welche Partei man dafür am Besten wählt, kann ich nicht beantworten und will ich nicht beantworten. Er sprach dann von zwei Wahloptionen, die Zitat: aber noch viel krasser in ihren Forderungen werden müssten. Dem kann ich nur zustimmen, es wird aber leider nicht passieren.

Daher, macht euch weiter schlau. Diskutiert, in euren Kreisen, aber auch mit älteren. Sie können erklären, weil sie erlebten, erfahren mussten. Sucht nach Alternativen ausserhalb der Politik. Erfindet, entdeckt selber neue Wege für eine lebenswerte Zukunft.

Rezo sagte abschließend in seinem Video, Zitat: wir können sowieso wenig ändern (11). Da gebe ich ihm vollkommen recht. Er kritisiert, Zitat: die größte Wahlmacht haben die Alten. Ich sage, ja, diskutiert aber mit den Alten und findet gemeinsame alternative Wege.

Es ist daher meine demokratische Pflicht euch, die jungen Menschen zu bitten: Wählt nicht die CDU, wählt nicht die SPD, die FDP, die AFD, Die Linke und vor allem und schon gar nicht – Die Grünen.

Denn ein Sprichwort besagt: wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht. Denkt mal drüber nach.

Quellen:

  1. https://www.rat-kulturelle-bildung.de/index.php?id=39&tx_news_pi1%5Bnews%5D=597&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=b4aaa0cbd30892a2a61b81a5ad534407
  2. https://www.deutschlandfunk.de/digitales-lernen-studie-youtube-hat-nachhilfelehrer-status.1766.de.html?dram:article_id=450533
  3. https://www.youtube.com/watch?v=qHKfH1nwiqA
  4. https://www.sueddeutsche.de/politik/unter-ex-kollegen-fischer-jobbt-bei-albright-1.711217
  5. https://www.youtube.com/watch?v=xYXK7uh93Uo
  6. https://www.welt.de/print-welt/article573349/Schroeder-und-Blair-stellen-Sozialstaat-radikal-in-Frage.html
  7. https://www.globalresearch.ca/the-pentagon-the-climate-elephant-2/5402505
  8. https://www.greenfinder.de/news/show/us-militaer-der-groesste-umweltverschmutzer-der-welt/
  9. https://lichtweltverlag.at/2018/08/13/nestle-pumpt-wasser-in-aethiopien-ab-coca-cola-wuetet-in-indien/
  10. https://twitter.com/bmel/status/1135553266476040192
  11. https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ (Min 00:52:29)

Bildquelle: Rolf G. Wackenberg / Shutterstock.com

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23 Kommentare zu: “Tagesdosis 6.6.2019 – Über erhitzte Klimafragen zum Gewitter im Kopf

  1. Dass Militärgerät einen den physikalischen Leistungen entsprechenden Treibstoffverbrauch hat, ist klar. So ein Kampfflugzeug ist ingenieurstechnisch beeindruckend, aber für Mach 2 oder mehr braucht es eben einige Tonnen (t) Treibstoff pro Flug. Das ist bekannt.
    Die Zahlen der gesamten Armee sind dann aber schon krass.
    Mal abgesehen davon, dass abgereichertes Uran der nachhaltigste Schaden ist, 4 Milliarden Jahre (oder so, bei den astronomischen Zahlen auch völlig egal) Halbwertzeit.

  2. „Das Versagen der Alten…..“
    Haben die Alten nicht schon immer „versagt“? Würden wir dieses Wort nicht negativ konnotieren, wär auch keine Hetze Alt/Jung möglich. Wir Alten habens versucht, so wie die Alten vor uns es auch versucht haben. Jetzt stellen wir fest, auch diese Idee vom Kapitalismus und Schlaraffenland hat nicht so wirklich gut funktioniert. Machen wirs doch mal anders, als die Generationen vor uns. Unterstützen wir die Jugend, statt sie zu bekritteln und belächeln! Sonst bremsen wir die Veränderung wieder aus, so wie schon die 68er und die Atomkraft-Nein-Danke Bewegungen ausgebremst wurden.

    „Begleitung durch Ältere verbittet man sich…“
    Das kann ich so nicht bestätigen! Im Gegenteil. Wenn die Jungen sich wirklich ernst genommen fühlen, sind sie total begeistert, wenn eine Alte mit ihnen feiert, mit ihnen diskutiert, Geschichten von früher erzählt. Ja das geht! 😉 Nicht vom Krieg natürlich (wie Oppa früher), aber Geschichten von Demo’s in den 70/80ern werden immer gern genommen!

    „Noch ein paar Worte zu eurem Thema der Gegenwart, dem Klima….“
    EUREM Thema? Da ist das Problem! Machen wir aus Klima den Begriff Umwelt, dann ist es UNSER Thema.

    Ich glaub es dauert auch nicht mehr lange, bis der Aufruf an die Jugend, Grün zu hinterfragen, fruchtet. Sowas geht heute ruckzuck. Der shitstorm, den die Klöckner wegen Nestlé vorgestern abgekriegt hat, war nicht ohne! Und Habeck war an diesem Wahlsonntag so erkennbar arrogant, sowas spricht sich rum.

  3. Guter Text…. wahrscheinlich haben “ die Jungen“ auch gar kein Problem damit „den Alten“ zuzuhören… sie wollen aber auch ernst genommen werden… und das ist wahrscheinlich das größte Problem….

    Und so unterscheiden sich AfD und Grüne kaum… die einen haben beim Thema Migration zugehört die andern beim Klimawandel… wenn jemand wählen geht und für Klimaschutz ist kann er nur Grüne oder Linke wählen und die Linke macht eine richtig schlechte Öffentlichkeitsarbeit..(so wie immer)
    Es muss MEHR gemacht werden als Wählen, das stimmt… aber das machen doch weder „die Alten“ geschweige denn „die Jungen“

  4. Danke für die gute Zusammenfassung!

    Zur Luftverschmutzung sind auch keineswegs die viele, vielen schlimmen Atomversuche zu vergessen, die über Jahrzehnte hinweg durchgeführt wurden (und werden?) und eine immense, häufig nicht wieder gutzumachende Belastung hervorrufen und ganze Landstriche für immer verseuchten.

    Und zur Gründung der Grünen kann ich mich sogar noch an die Vorgänger der GAL (Grünen Alternativen Liste) erinnern. Damals Ende der 70er u.a. in Hamburg war das eine sehr hoffnungsvolle und vielversprechende Bewegung namens „Bunte Liste“, die sich schon damals mit einer anderen Politik + Gesellschaft, striktem Umweltschutz und massiver Atomkritik und anderen, neuen Formen des Zusammenlebens befasste.

    Sehr gute Leute und echte Hoffnungsträger mit verschiedenen polit. Hintergründen waren dabei, es formierte sich eine ganz neue (politische) Energie, nicht unähnlich dem, was heute bei FFF passiert, die ebenfalls die alten Zöpfe abschneiden und zumindest aus dem Rathaus scheuchen wollte.

    Bei Wikipedia kann man es (mit Vorsicht zu genießen….) so ansatzweise nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Bunte_Liste_%E2%80%93_Wehrt_euch

    Es kam dann leider zum Streit und Flügelkämpfen, „Fundis“ gegen „Realos“, ein wenig vergleichbar mit den Unstimmigkeiten bei den jetzigen Linken, die Bunte Liste spaltete sich und wurde teilweise zur GAL. Warscheinlich auch beeinflusst und manipuliert von Außen und von finsteren Interessen.

    Viele ihrer guten Leute wurden vom Mainstream schwer gemobbt und sogar verfolgt, wie Hoger Strohm als Herausgeber des wichtigen AntiAtom-Buchs „Friedlich in die Katastrophe“. Der Staatsapparat war schon damals nicht zimperlich…

    Was mit der Bunten Liste, dann der GAL und danach den Grünen passierte durch interne Kämpfe, Druck von Außen (und wer weiss was noch alles…) und dem ewigen, fatalen Ego-Shooting und den ewigen Pöstchenjägern und sie dann zu dem werden ließ, was sie heute sind und

    – sie damit auch für mich und Andere schon lange unwählbar macht –

    sollte ein wichtiges Beispiel sein für die neue Generation, die jetzt mit der gleichen Energie – wie damals auch so Viele – die alten Zöpfe abschneiden will. Völlig zu Recht natürlich und dankenswerterweise!

    Man sollte nachlesen, sich erzählen lassen, uns Oldies fragen und reflektieren, was damals geschehen ist, damit nicht wieder in die Falle getappt wird und diese neue Bewegung sich genauso schnell verwässert, verkauft und kommerzialisiert, wie die damalige große Chance.

    Wir haben kaum noch Zeit für Experimente und Spielchen und vielleicht können die Grünen mit ihrer grausigen Verwandlung wenigstens noch als abschreckendes Beispiel dienen, wie ein echter Wandel eben n i c h t funktionieren kann und wird.

    https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40615549.html
    Dieser Artikel im „Spiegel“ (den man ja damals noch gut lesen konnte…) von 1978 veranschaulicht erste Wahlsiege der Grünen und es ist interessant, wie wenig sich gerade die Staatsparteien von damals zu heute verändert haben, wenn es darum ging ihre Pfründe zu retten. 😉

    • Moin, Kitkat, ja, da kommen Erinnerungen hoch. Ich wohnte seinerzeit in S.-H. und wir hatten ueber die Ostkuestenkonferenz den Gegenpol zu den Ökos um Baldur Springmann geschaffen. Es gab auch hier eine Vereinigung der Strömungen, aber auch eine Trennung alsbald.
      „Es kam dann leider zum Streit und Flügelkämpfen, „Fundis“ gegen „Realos“, (…)“
      Das sehe ich etwas anders. Ein Streit oder Disput oder wie auch immer man das nennen will, ist absolut notwendig, wenn es in der Gemeinsamkeit vorangehen soll. Denn keiner hat den Stein der Weisen gefunden, und so kommt es darauf an, den richtigen Weg zu entwickeln.
      Was ich allerdings unterschreibe wuerde, ist das Einhalten von Spielregeln bei diesem Meinungsstreit. Auch heute haben wir es mit engstirnigen Mitmenschen zu tun, die schon Allergien bekommen, wenn sie hören, dass jemand die AFD gewählt hätte. Oder die jeden als Nazi beschimpfen, der anderer Meinung ist als sie selbst.
      Hier gilt es zuzulegen, eine Debattenkultur zu entwickeln, die auf Dauer ueberlebensfähig ist.

      mfG

    • Debattenkultur entwickeln ist schon richtig, hat es ja auch allerorten.

      Nur muß man in diesem Kontext dann auch über für Gesellschaft und Menschen sinn-volle Dinge sprechen, welche die dem Gemein-Wohl entsprechen. Über Dinge zu reden, die das nicht sind, nicht sein können und niemals sein werden, ist keine Debatte mehr, sondern banales Labern und Schwafeln, das allerdings nicht überlebensfähig ist.

      Mir erschliesst sich z.B. überhaupt nicht, wie man – gerade auch mit Erfahrung und Wissen aus der genannten Bewegung der 70er/80er – die von Hog1951 genannte seltsame Partei unterstützen oder gar bewundern und sogar wählen kann.

      Die lehnen doch alles ab, was es heutzutage für einen echten, so notwendigen Wandel braucht, sei es das Soziale, die Umwelt, die Energie, globales Denken usw., usw. Dafür unterstützen sie dann aber Krieg, Aufrüstung, Unterdrückung von Minderheiten und unterstützen obendrein das Kapital und Großkonzerne wo sie können. Meine Güte, man glaubt es nicht!

      Das kanns ja wohl nicht sein, für aufgeklärte intelligente Menschen, so ein Rückschritt in Kaisers Zeiten und noch weiter zurück!

      Und darüber gibt es dann auch absolut gar nichts mehr zu diskutieren, über so einen antiquierten Mist muß nicht mehr gesprochen, sondern höchsten noch ignoriert werden, denn den haben wir endlich hinter uns. Je eher die Reste aus den Köpfen sind, desto besser. Da gibts nichts mehr zu diskutieren, sorry, tut mir sehr Leid!

      1000de von wissenschaftl. Abhandlungen und gute Denker haben uns seit Jahrzehnten gelehrt, wie schädlich diese absurden Haltungen dieser Leute sind für ein menschen- WÜRDIGES Zusammenleben auf dieser Welt ist.

      UND wie es durchaus möglich ist, so ein positives Zusammenleben im Gemein-Wohl zu gestalten und darüber kann und wird man dann (mit Jung UND Alt) natürlich reden. Gern reden!

    • Moin, Kitkat, ich hatte mit keinem Wort erwähnt, dass ich die seltsame Partei (AFD) irgendwie unterstuetzen oder bewundern wuerde, und ich finde die Partei ueberhaupt nicht wählbar, das nur vorweg! Jedoch bibt es eine ganze Menge Menschen, die die AFD gewählt haben. Ignoranz ist das verkehrte Mittel der Wahl, um diesen Wählern zu begegnen. Nur konsequente Aufklärung wird Menschen davon abhalten nächstes Mal wieder diese Partei zu wählen.

      mfG

  5. Der Artikel bietet eine gute Zusammenfassung der gegenwärtigen Situation.
    Der Empfehlung im vorletzten Absatz „Wählt nicht die CDU … … und vor allem und schon gar nicht – Die Grünen.“ kann ich nur zustimmen. Doch ich möchte sie zu „Wählt gar nicht!“ erweitern.
    Das bestehende System der repräsentativen „Demokratie“ läßt sich nicht innerhalb ihrer eigenen Institutionen verändern, das hat die Vergangenheit doch wohl zur Genüge gezeigt, Es ist mehr als naiv zu glauben, dass dies in Zukunft anders sein könnte.
    Ich bin inzwischen älter geworden und habe von wenigen Ausnahmen (Anfänge der Grünen – imperatives Mandat!) immer das kleinere Übel oder pseudo-links gegen rechts, um Schlimmeres zu verhindern, gewählt und Agenda 2010 und Jugoslawien-Krieg bekommen.
    Inzwischen bin ich so ernüchtert und wieder klar im Kopf, dass ich dieses „Brot-und-Spiele-Theater“ durch meine Teilnahme an Wahlen nicht auch legitimieren möchte.
    „If voting changed anything they would make it illegal!! Emma Goldman

    • @Tony
      Danke für den Link über die Elektromobilität. Da ich nicht fernsehe, wäre dieser Beitrag an mir vorbei gegangen.
      Anstatt die Schule zu schwänzen wäre es besser, wenn sich die „Umweltaktivisiten“ diesen Film anschauen würden.

    • Ich sehe wieder etwas mehr fern, weil ich den Eindruck habe, dass sich auch dort was in letzter Zeit zu verändern scheint. Scheint! Mal sehen. Auch halte ich nichts davon, über Dinge zu reden, von denen man nichts wissen kann, wenn man sie nicht verfolgt. Verfolgen sollte man die Dinge schon – auch so wie Gellermann.

  6. Jens Berger hat es auf den Nachdenkseiten unter dem Titel „Die Grünen und ihre grandiose Differenz“ sehr schön auf den Punkt gebracht. Auch dieser Beitrag von Bernhard Loyen ist sehr vielsagend. Beide Kommentatoren erinnern daran, dass es die Grünen waren die den Kosovo-Krieg mit der SPD unterstützt haben und auch die Agenda 2010, welche nur der SPD zur Last gelegt wurde, haben die Grünen mit getragen.
    Es ist einfach wichtig, dass der Grünen-Hype schnell vorbei ist und die Jungwähler auch an diese Seite dieser Partei erinnert wird, was beim Rezo-Video einfach keine Erwähnung fand.
    Scheinbar sind die EU-Wähler überall blöd, nur nicht in Deutschland. Wir retten das Klima im Alleingang. Schön, dass wir eine Insel sind und uns die Landesgrenzen davon abhalten, das klimaschädliche Verhalten von China, Indien und dem Rest der Welt nicht anhaben können.
    Georg Soros lacht sich ins Fäustchen. Wahrscheinlich hat er schon Wetten laufen, ähnlich wie seinerzeit in Großbritannien.

  7. „. . aber zur Zeit brennt die Menschheit, dieses Land regelrecht darauf, sich täglich argumentativ zu überbieten.“

    finde ich ein bisschen zu übertrieben! Wenn überhaupt sind es die Medien, die hier Amok laufen, weil Sie plötzlich gemerkt haben, dass all ihr Geblubber und Wohlfühleinseifung mal eben mit einer Stunde Youtube aus den Angeln gehoben werden kann. Noch zwei drei solcher Videos!!?? Das muss doch deren blanke Horrorvorstellung sein und ich möchte wetten, dass schon jetzt die Kampagnenbüros der Parteien heiß laufen, wie sie dagegen halten oder verbieten können. . . Aus meiner Sicht ist es gerade ein kreischender Hühnerhaufen, der gemerkt hat, man kann ihnen unter die Kleider gucken, und bevor wir bald völlig nackt dastehen . . . .aubacke !?

    und mit den Grünen sehe ich das etwas differenzierter. Auf der einen Seite stimme ich zu, dass schon lange nicht mehr drinn ist, was auf der Verpackung steht, aber irgendetwas muss zum Essen auf den Tisch!

    Da hat Rezo schon geschickt eben keinen desillusionierenden Rundumschlag gemacht,

    heißt aber noch lange nicht, dass die nicht Genannten (Zerstörten) es auf jeden Fall besser machen, sehr wohl aber – wenn sie denn dann in der Verantwortung stehen – heute auch wissen, wie knallhart Resumee und Bilanz gezogen werden kann! Und das ist doch mal was, oder . . Also, wenn sich mit der Zeit herausstellen sollte, dass nicht drinn ist, was drauf steht auf der Verpackung gez´s auch hier wohl recht schnell in die Tonne. . .

    Ja erinnern wir daran, was die Grünen und Linken mal waren und heut schon lange nicht mehr sind, aber packen wir sie heute bei den Eiern und geben ihnen die Chance wieder so zu werden wie sie mal waren, nur eben 2019 . .
    Finde ich zumindest, immer noch mehr Perspektive als den Parteienrundumschlag . .

    • Naja der Hype der Medien ist tatsächlich das interessanteste….
      Fleißige Leser der Nachdenkseiten… Oder Zuschauer von „die Anstalt“, KenFM oder Jung&Naiv.. wussten das doch schon längst..
      Das was Rezo sagte war ja kein neues Wissen, oder sonderlich orginell…
      Wahrscheinlich hat er nur den medialen Nerven der Zeit getroffen… Oder man möchte die Grünen gerade hoch loben damit sie tief fallen.. wie bei Martin Schulz…

    • „Oh, hello, I’m Mr Monroe. Vote for me and keep things shitty. Vote Waldo!“
      (Black Mirror – The Waldo Moment)

  8. Sei ein Ehrenkind und halt den Mund, geschwind.

    Dieser maoistisch anmutende, orchestrierte Kulturkampf a la Stoer für jung gegen alte fällt nicht nur unter Zerebralinkontinenz, es ist eigentlich eine einzige Hetze.

    Warum die Bemerkung zu Stroer?

    Waren es nicht die, die sich an der Zensur gegen die Bewerbung von Brzezinskis „Die einzige Weltmacht“ beteiligt haben?
    Ach so, das war ok, es ging ja schließlich gegen den Kopp-Verlag…Da muss Freiheit halt weichen.

    • „Dieser maoistisch anmutende, orchestrierte Kulturkampf…“

      Was die Mao-Bibel war – ein Erziehungsinstrument für die Jugend Chinas – das ist das Smartphone heute. Funktion und Verhalten der Gläubigen ganz ähnlich. Millionen Chinesen wurde zu gläubigen Schülern.
      Alberto Moravia, Die Kulturrevolution in China, Rowohlt, 1972.

  9. Zu allem einverstanden, bis auf den Vorletzten Absatz. „Schon gar nicht die Grünen“? Also in der Schweiz zumindest, ist diese Partei absolut wählbar – wir sind als Schweiz allerdings auch nur in der NATO Partnership for Peace und nicht Mitglied. Ist Herr Loyen also der Meinung, gar nicht wählen zu gehen, sei die Pflicht jedes Bürgers? Wäre ja auch eine durchaus begründbare Option…

    • Denke, er meint die Partei der Nichtwähler, die sich im Zweifel selbst wählt.
      Durch bewussten Konsum, Müllvermeidung, Naturschutz, Frieden fördert, Streit schlichtet usw.

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