Tagesdosis 6.9.2017 – Ministerpräsidentin Manuela Schwesig schickt ihr Kind in die Privatschule

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Der Fokus schrieb am 5. September dieses Jahres, Zitat Anfang: „Ministerpräsidentin Manuela Schwesig schickt ihr Kind auf Privatschule.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) steht wegen der Entscheidung, ihr älteres Kind zum Schuljahresbeginn auf eine Privatschule zu schicken, in der Kritik. Nach Ansicht der Links-Opposition im Landtag offenbart der Schritt die Mängel und Lücken im staatlichen Schulsystem.

Über Jahre hinweg seien die öffentlichen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern kaputt gespart worden und Schulleistungen ans Gängelband gelegt worden. Wenn Schwesig nun ihr Kind zum Start der fünften Klasse auf eine Privatschule schicke, drücke dies auch mangelndes Vertrauen in das von ihr als Regierungschefin verantwor- tete staatliche System aus, sagte Linksfraktionschefin Simone Oldenburg am Dienstag.“ Zitat Ende.

Die Linken, gewohnt nicht weiter zu denken als in allem, was Mangel und Kapitalismus-Kritik betrifft, bemängeln zurecht, was die Ministerpräsidentin gerade vorhat. Sie bemängeln aber etwas, das auf eine gänzlich andere Art und Weise zu kritisieren wäre. Im nachfolgenden Text werden wir die Wunde etwas genauer untersuchen und sie schonungslos offenlegen, damit auch der letzte Linke versteht, worum es im Schulwesen eigentlich geht. Vielleicht findet sich dann der eine oder die andere Linke auch dazu bereit, dass nun folgende in ihr Denken und Handeln einfließen zu lassen.

Kinder werden nicht freiwillig in deutsche Regelschulen geschickt, besser „eingeliefert“. Es herrscht Schulzwang, sprich Schulpflicht. Und wer da einmal etwas genauer nachforscht, dem wird ein Licht aufgehen, ein völlig tiefschwarzes Licht. Sinn in deutschen Schulen ist nicht etwa die Bildung im Sinne einer am Wachstum orientierten Bildung oder an freier Bildung, die sich an entwicklungsbiologische Grundsätze orientiert. Nein! Sinn von Schulbildung ist die Erziehung hin zu einem Staatsbürger. Das ist die primäre Aufgabe von Regelschulen. Private Schulen sind da etwas freier, aber in der Regel nicht freier als deren Gründer selbst.

Wie wird ein kleiner Mensch in unserer Gesellschaft groß? Kinder werden geboren und kommen in der Regel dann zu Mami und Papi. Dort wird das Kind dann erzogen. Vati und Mutti ziehen ihre Kinder zu ihren Glaubenssätzen hin, zu ihren Gewohnheiten, ihren Regeln und zu ihren ganz individuellen Weltbildern hin. Das geschieht, sobald das Kind zu Hause ist. Schon Babys orientieren sich an dem, was Mami und Papi gefällt, was sie glücklich und zufrieden macht. So entsteht mit der Zeit ein Geflecht aus Anpassungen, Konditionierungen und Abgleich dessen, was das Kind dann immer fester daran glauben lässt, dass es gewollt, wertgeschätzt und geliebt wird. Diese drei Grundnahrungsmittel für die Psyche sind aber Tarnungen und Täuschungen. In den ersten drei Jahren machen Kleinstkinder in der Regel hier bei uns folgende Erfahrungen: Ich werde geliebt, wenn ich tue, was Mami und Papi gefällt. Wenn ich tue, was ihnen gefällt, dann mögen mich beide. Die, auf die es ankommt, sind Mami und Papi. Mache ich sie glücklich mit dem, was sie von mir erwarten, dann werde ich geliebt und bin glücklich. Ein fataler Glaube!

Das geschieht komplett unbewusst und wird durch eine Anpassung an das empathische System in unseren Kindergehirnen in der Art festgezurrt, dass so gut wie jeder lerne, etwas ganz Entscheidenes komplett von sich abzukoppeln: sein empathischer Selbst- und Fremdbezug! Hier beginnt die ganze menschliche Tragödie in einer selbst aufopfernden Overtüre schon vorwegzunehmen, was aus seinem Leben letztlich wird. Jetzt folgt der erste Akt.

Es ist der Gang in den Kindergarten. Dieser Gang in den Kindergarten ist der zweite große traumatische Bruch, nach dem ersten ganz großen Bruch: „Auf mich kommt es nicht an! Es kommt darauf an, dass ich mich an eine Autorität anpasse, sie anhimmele und ihr meine innere Gefolgschaft übertrage.“ Arno Gruen, der wohl größte Psychologe unserer Zeit, beschreibt dies mit einer zeitlebens nicht loszuwerdenden „Identifikation mit den Aggressor“. Diese Identifikation transformiert den inneren Terror („ich muss tun was andere mir auftragen, es geht nicht um mich“) in eine äußere Person, die es als Herrschaftsprinzip ganz allgemein annimmt. Hier beginnt die Herrschaft über mich sich als ein beherrscht werden wollen umzuwandeln. Es ist jedoch in Wahrheit ein völlig abnormes Verhalten, dass sich in unserem empathischen Bewusstsein hingegen als völlig normales Verhalten etabliert hat. So gut wie niemand hinterfragt dieses Verhalten zeitlebens auch nur ein einziges Mal. Dieses Verhalten begründet eine Trennung von sich selbst, und zwar in seinem allertiefsten Sinn.

Jetzt passiert etwas Wesentliches, etwas so dermaßen einschneidendes und krankmachendes in unserem Leben, dass seine Bloßlegung als das, was es tatsächlich ist, den meisten Menschen, die den inneren Terror in den äußeren Aggressor gewandelt haben, nur als Blasphemie erscheinen mag. Es ist die Zwangseinweisung in die Schule. Hier wird alles festgezurrt, eingefräst und verschweißt, was zuvor etwas labil durch die elterlichen Erziehungsversuche ansatzweise konditioniert wurde. John Taylor Gatto, längst ein Hero in der Freilerner-Szene, schrieb hierfür ein wegweisendes Buch: „Dum- bing Us Down“, in deutsch: Verdummt noch mal!, der unsichtbare Lehrplan. Dort beschreibt er, was uns in der Schule tatsächlich beigebracht wird: Verwirrung stiften, gesellschaftliche Schichtung konditionieren, Gleichgültigkeit gegenüber allem Gefühlvollem, Emotionale Abhängigkeit durch beherrscht werden wollen, intellektuelle Abhängigkeit in Form von Wissenschaftshörigkeit, labiles Selbstbewusstsein und auflösen des Selbstwertes. Dies zusammengefasst deutet Gallo als: Man kann sich vor dem System nicht verstecken, man muss ihm gehorchen. Gallo meint, dass dies der versteckte Plan hinter der Bildung ist, die in Schulen den Kindern als Start in die Welt verkauft wird. Hört man dies alles zum ersten Mal, so kann man es nicht glauben. Man will es schlichtweg nicht glauben. Denn glaubte man dies, so wäre dies ein staatlich verordneter Missbrauch an uns alle. Lassen sie es zu. Denn genau das ist es. Ein Missbrauch, noch tiefer und schändlicher, als sexueller Missbrauch. Es ist die Vergewal- tigung des eigenen Lebens, ein Missbrauch für die herrschende Klasse. Goethe schrieb nach nicht ohne dies alles genau zu wissen: Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein. Denn Goethe war einer der Gründer des „humanistischen Bildungsideals“, zusammen mit Wilhelm von Humboldt und Friedrich Schiller.

Nun, Gott sei Dank gibt es noch Informationskanäle wie diesen, in dem Leute wie ich darauf hinweisen können, dass irgendetwas mächtig schief läuft mit uns. Und Gott sei Dank gibt es aufgeklärte Menschen wie euch, die sich dessen nicht scheuen, sich damit zu befassen. Es gibt, zumindest für mich, keine unbequemere Wahrheit als genau diese, dass wir in Massen um unseren Selbstwert betrogen werden. Und zwar von allem, was Staat und Politik heißt. Es gibt keine gute Seite dabei, nur Parteien und Politiker die es gelernt haben, ihre Sache als Befreiung und Gut zu verkaufen. Sie alle betrügen aus Wissen oder Unwissen heraus und folgen mit ihrem Marketing dem erfolgreichsten Gewerbe aller Zeiten: der Kirche.

Jetzt kommt die bittere, die rote Pille. Die erste Sprache, die wir besitzen, sobald wir auf die Welt kommen, ist eine uns schon angeborene Sprache. Die Muttersprache deutsch, englisch, oder türkisch ist schon die zweite Sprache, die wir lernen. Die erste ist Empathie. Wir werden mit einer von unserem Gefühl geleiteten Form der Kommunikation geboren. Das Baby geht davon aus, dass die Außenwelt, die Menschen, mit denen es von Anbeginn auskommen wird, dass diese die Sprache der Empathie ausgezeichnet beherrschen. So aber ist die Welt der Menschen schon lange nicht mehr. Generationen von uns sind mit einer völlig umgekehrten Sprache groß geworden. Nicht: Auf mich wird sich eingestellt, sondern: Ich muss mich auf sie einstellen, ist die Hauptsprache. Sie steht zeit Lebens auch über der Muttersprache, die wir alle als Kinder fast wie von selbst lernten. Dieser ganze Prozess, den ich hier nur sehr vereinfacht darstellen kann, mit dem wir alle dann erwachsen werden, löste eine Vielzahl von Traumen in uns aus, kleinere wie größere Traumen, so dass wir so sehr gegen Empathie und Mitgefühl abgestumpft sind. Wir erkennen unsere Traumabelastungen nicht mehr und erziehen eine Generation nach der anderen. Wir tradieren dadurch Traumen und arbeiten sie nicht mehr auf.

Erziehung, Bildung und Selbstveränderung ist für unser Gehirn ein und derselbe Prozess. Wir haben gelernt, diese Drei zu unterscheiden, und wir tun uns schwer damit, sie als Eins zu verstehen. Einer, der das tut, ist der Psychologe Franz Ruppert. Er hat sich ganz dem Thema dieser Vielzahl von Traumen gewidmet und es ist äußerst bemerkenswert, was er da zuwege gebracht hat. Auch er ist einer der Wichtigsten unserer Zeit. Fast die gesamte Hochschulpsychologie hat er wieder vom Kopf auf die Füße gestellt. Doch wer schaut schon auf die Psychologie, wenn politische Ersatzbefriedigung die eigene Bedeutsamkeit in den Himmel heben kann. Sprich Wahlen anstehen und jeder meint, noch mehr Fremdverantwortung wäre das beste Maß.

Es ist vollkommen egal, Frau Schwesig, auf welche Schule Sie ihr Kind nun bringen. Wichtig wäre, unsere Kinder von der Knute der Erziehung und der Bildung loszulösen. Es sollte heißen: Beziehung statt Erziehung, Freilernen statt Schulpflicht, Selbsterfahrung statt Praxispsychologie. All unsere gewohnten Systempressorgane halten am Staatsbürger fest. Am verkrankten, möglichst nicht empathischen Menschen fest. Sozialarbeit, Pädagogik und Praxispsychologie erhalten und erschaffen einen modernen Frankenstein, der dem Kapital, der Karriere, dem Geld und der Macht hinterher rennt. Das aber ist die faschistische Wurzel, die es gilt auszurupfen, da sie den wirklich freien Menschen missbraucht und ihm alle Möglichkeiten raubt, die der kleine Mensch schon mitbringt: Ich fühle, was du fühlst. Daraus folgt nur eine wichtige Regel: Folge niemandem, lebe Dich selbst!

Quelle

http://www.focus.de/politik/deutschland/mecklenburg-vorpommern-schwesig-schickt- ihr-kind-auf-privatschule-dafuer-hagelt-es-kritik_id_7557313.html
Arno Gruen: Der Fremde in uns, München 2013.
Franz Ruppert: Frühes Trauma, Schwangerschaft, Geburt und erste Lebensjahre

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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14 Kommentare zu: “Tagesdosis 6.9.2017 – Ministerpräsidentin Manuela Schwesig schickt ihr Kind in die Privatschule

  1. Durch Erziehung geht Empathie verloren? Mag sein, daß das in der Konkurrenzgesellschaft so sein muß oder auch oft tatsächlich so ist.
    Also ich habe im Alter von ca. vier Jahren versucht, einen vor mir gehenden Jungen gleichen Alters eine recht steile Treppe hinunterzuschubsen. Ich erinnere mich noch an meinen Gedanken, daß ich nur mal sehen wollte, was dann passiert. Es waren wohl auch Erziehende, die dann Empathie vermittelnd ein solches Verhalten kritisierten.

  2. Eine gute und notwendige Analyse .
    Differenzieren möchte ich noch zwischen der naturgegebenen Erziehung durch die Eltern und der interessenbedingten und ideologischen Erziehung in der Schule .
    Regime überall auf der Erde versuchen so bald wie möglich die Kinder unter ihre Kontrolle zu bringen .
    Das Erziehungssystem in Deutschland , das in der öffentlichen Wahrnehmung die ständige Ausweitung des Kontrollbereiches Erziehung durch den Staat fordert , weil es zum Vorteil der Gesellschaft sei , ist nur Mittel zur Kontrolle und Lenkung der Gesellschaft zur optimierten Arbeitskraft .
    Und wenn Integration als Mittel der Ordnung der Gesellschaft gepriesen wird , ist dies nur ein Mittel der Umerziehung und Mittel zur Durchsetzung einer Politik , die grundsätzlich die Vergewaltigung der Natur des Menschen und der Völker ist .

  3. Lieber Rüdiger, vielen Dank für diesen Beitrag! 🙂
    Zum Glück gibt es auch hier viel Bewegung bei jungen Eltern, die ihre Kinder nicht mehr diesem Erziehungssystem ausliefern; die erkannt haben, das Erziehung Gewalt ist und Gewalt traumatisiert. Diese Eltern arbeiten ihre eigene Erziehungsgeschichte auf und sind bereit etwas ganz neues, etwas anderes zu wagen.
    Es werden immer mehr Schulen gegründet. Christoph Schuhmann hat die Doku „Schools of Trust“ gedreht: https://www.youtube.com/user/SchuleDesLebens und zeigt, wie man selbst eine Schule gründen kann: https://www.youtube.com/watch?v=sFnypQuUhB0

    Aida S. de Rodriguez von http://elternmorphose.de hat diesen Schritt gewagt und seit dem 04.09. diesen Jahres ist die APEGO Schule in Berlin am Start: https://www.youtube.com/watch?v=IFk8tO66eOY

    Wir brauchen freie Kinder und freie Kinder brauchen freie Schulen!

    Meine Enkelkinder wachsen „unerzogen“ auf und das ist eine Herausforderung, im Besonderen für mich, die ich von kriegstraumatisierten Eltern erzogen wurde. Doch es macht mich glücklich zu erleben, wie sie von meiner Tochter Bindungs- und Bedürfnisorientiert ins Leben begleitet werden, frei von Erziehung.

    Als ich Ende Juli ein Gespräch mit Franz Ruppert und Aida führte, wurde mir klar, dass Erziehung eine Krücke einer traumatisierten Gesellschaft ist. Erziehung verhindert es, sich mit seiner eignen Gefühlswelt auseinanderzusetzen, ob als Eltern, als Erzieher in der Kita oder Kindergarten, oder als Lehrer in der Schule.
    Es gibt den Slogan: Beziehung statt Erziehung.
    Doch wie Franz sehr richtig anmerkte, steht an aller erster Stelle die Beziehung zu uns selbst. Wenn wir zu uns selbst keine gute Beziehung haben, dann können wir auch mit anderen Menschen und Lebewesen keine gute Beziehungen leben.
    Es bleibt uns letztendlich nichts anderes übrig, als uns mit unserer eigenen Traumabiografie auseinander zu setzen…

    Kurze Definition von Trauma: als traumatisch wird jedes Ereignis in der Psyche erlebt, das uns ohnmächtig, hilflos und in uns in Todesangst bringt. Für das wir noch keine Bewältigungsressourcen ausbilden konnten. Weder können für kämpfen oder flüchten. Ein zur Wehr setzen verschlimmert unsere Situation.
    Säuglinge haben noch keine Bewältigungsressourcen bilden können, sie sind völlig abhängig von ihren Bindungspersonen. Ein Kind das schreit, kann Eltern schnell überfordern. Je nervöser die Eltern werden umso mehr schreit das Kind, ein Teufelskreis kann beginnen. Die Eltern wollen das Kind beruhigen, weil sie das Schreien nicht ertragen, es geht nicht um das Kind sondern darum, dass es ruhig sein soll. Je länger es schreit, weil die Eltern sich ihm nicht so zuwenden können wie es das braucht, desto schlimmer wird es für die Eltern und natürlich auch für das Kind, es gerät immer mehr in Not.
    Vielleicht brüllen die Eltern das Kind irgendwann so an, dass es vor Schreck innerlich erstarrt und tatsächlich ruhig wird. Oder, was oft vor kommt, sie schütteln es, weil sie selbst in Not geraten.
    Heute gibt es jede Menge „Schreiambulanzen“ die Eltern mit sogenannten „Schreibabys“ helfen. Immerhin ein Fortschritt, wenn auch nur ein kleiner…In meiner Generation war es üblich, die Baby schreien zu lassen, da hieß es, Schreien stärkt die Lungen. Wer ein Kind tröstet, wenn es schreit, verwöhnt es. Zu meiner Zeit wurden Kinder alle 4 Stunden gefüttert oder gestillt, daran hatte es sich früh zu gewöhnen.
    Heute wissen wir, dass das Schreien eines Kindes, wenn es von den Eltern unbeantwortet bleibt, es in Todesangst bringt, Hunger einem Baby starke körperliche Schmerzen bereitet…
    Doch oftmals beginnt die Traumabiografie schon im Mutterleib, nachzulesen in „Frühes Trauma“ Herausgeberband von Franz Ruppert.

    Florian Ernst Kirner führte vor kurzem ein Interview mit Franz, das im Rubikon veröffentlicht wurde: https://www.rubikon.news/artikel/traumatisierte-gesellschaft
    Freitag beginnt das Online-Symposium von Katharina Wagner http://www.kindersindfrieden.com/symposium
    Dort sind auch Franz und Aida zu hören und viele weitere interessante Gesprächspartner u.a. auch Gerald Hüther.

    Die Botschaft ist: wir können etwas tun, wir sind nicht mehr so ohnmächtig und hilflos, wie wir es als Kinder gegenüber unseren Eltern, Erziehern und Lehrern waren, diese Zeiten sind vorbei! Dennoch gibt es in uns Persönlichkeits-Anteile die sich immer noch so fühlen, noch nicht wissen, das andere Zeiten herangebrochen sind. Also machen wir uns selbst mit diesen Anteilen in uns vertraut, lernen wir sie kennen; fühlen noch einmal ihren Schmerz und nehmen sie liebevoll in unser Herz.
    Wenn uns das nicht gelingt, machen wir uns immer wieder zu Opfern und um uns zu schützen, werden wir zu Tätern. So fängt die Gewaltspirale an, die wir nur in uns selbst auflösen können.
    Eltern fühlen sich als Opfer ihrer Kinder und um dem zu entgehen, ziehen sie die Machtkarte. Die Autonomie- und Willensbildungsphase der Kinder wird umgedeutet in eine Trotzphase, in der es heißt: Jetzt nur nicht nachgeben, sonst tanzt Euch Euer Kind irgendwann auf der Nase herum, schlimmstenfalls zieht ihr einen Tyrannen groß…
    Sicherlich kennen viele Eltern diesen Spruch!
    Das Dilemma in dem sich heute viele Eltern befinden: Sie kennen ihre eigenen Bedürfnisse nicht, wissen nicht, dass man Konflikte, auch mit Kindern, konstruktive und ohne die Machtkarte zu ziehen, lösen kann und versuchen Auseinandersetzungen mit dem Kind zu vermeiden. Das nennt sich dann „antiautoritäre Erziehung“ oder schlimmstenfalls “ Laissez faire – Erziehung“…
    Was „Erziehung“ meint, kann hier nachgelesen werden: http://kraetzae.de/erziehung/erziehen_ist_gemein

    Falls hier Eltern mit kleinen Kindern mitlesen, denen empfehle ich die Bücher:
    Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen von Danielle Graf (Autor), Katja Seide (Autor) und:
    Liebe und Eigenständigkeit: Die Kunst bedingungsloser Elternschaft, jenseits von Belohnung und Bestrafung von Alfie Kohn

  4. Die Option zum Freilernen statt Schulpflicht befürworte ich. Es müsste aber eine „Kontrolle“ geben, ob die Kinder tatsächlich die Möglichkeiten des Freilernens bekommen, oder zu Hause Arbeitspflichten übernehmen müssen wie Babysitten oder die Oma pflegen. Schulpflicht ist in Dtl. auch als Schutz vor Kinderarbeit eingeführt worden.

    Privatschulen und Befreiung von der Schulpflicht könnten langfristig, wenn viele dazu übergingen, allerdings auch dazu führen, dass das Schulsystem immer weiter verlottert (weil mittlerweile dann das System auch ohne Schule für Alle läuft dun als lästige Staatsausgabe betrachtet wird) und dann diejenigen, die nie das Selbstlernen gelernt haben und für die kein Schulgeld bezahlt wird, auf der Strecke bleiben. Aber ja, generell bin ich für eine Aufhebung der Schulpflicht, auch weil Kinder viel zu unterschiedlich lernen und verschiedenen Interessen haben.

  5. Ich finde solch geistigen Ergüsse ja Recht unterhaltsam, leider lenkt das vom wirklich wichtigen ab. Wir brauchen Veränderung in den bestehenden Machtstrukturen und damit in der Meinungshoheit. Mal als Anfrage an den Autor: wenn sich alle selbstverwirklichen, wer kümmert sich dann um die normalen Dinge des Alltags? Für wen ist es eine Erfüllung morgens um 3 aufzustehen und Brot und Brötchen zu backen oder als Batthroomhostess (Toilettenmann- Frau) zu arbeiten.

    • Was antwortete noch gleich Götz Werner sinngemäß , als er gefragt wurde:
      „Wer macht denn die ganzen Scheis-Jobs wenn das BGE kommt?“
      „Sie selbst oder sie müssen genug dafür zahlen \ bieten damit einer es macht!“

      Nun vielleicht verdienen dann Klofrauen demnächst mehr als ein Manager bei Goldman Sachs.

      Gerade in der Politik gibt es ein verachtenswertes Menschenbild: Scheißjobs sind für Scheißmenschen – damit dieses Pack eine „Motivation“ hat diese Jobs zu machen, brauchen wir Lohndumping und einen großen Niedriglohnsektor mit viel Konkurrenz, Sozialleistungen müssen möglichst niedrig gehalten werden, auch der Lohn für solche Jobs, am besten muss diese Sorte von Wahlvieh gleich mehrere solcher Jobs machen um genug zu verdienen.
      Da passt selbst ein bedarfsorientiertes Grundeinkommen nicht ins Konzept.

      Ich wage mal zu behaupten, jeder der das oben genannte Argument anführt, hat bestimmt nicht selbst einen solchen Job.

      Mann sollte nicht arbeiten um Geld verdienen zu müssen, sondern Geld bekommen um arbeiten (Teilhabe an der Gesellschaft) zu können.

      Arbeit ist bzw sollte nicht nur ein Mittel zum Überleben sein.
      Jeder der seinen Job gerne macht oder ehrenamtlich tätig weis was ich meine.

      Das Argument wenn alle „genug“ zum Leben hätten, dann würde keiner mehr arbeiten, ist eben auch nur ein Scheinargument aufgrund einer verkehrten Sichtweise im Bezug auf die Bedeutung von Arbeit für das Individuum.

    • Wenn Sie das Gefängnis um Ihnen wahrnehmen könnten, sind Ihre Forderungen sowie Fragen obsolet.
      Die Wurzel des Menschen zur Harmonie braucht keine Veränderungen in den Machtstrukturen sowie Meinungshoheit, weil sowohl Macht als auch Hoheit in jeder Form gar nicht vorkommen.
      Die Fragen die Sie hier stellen hat immer den Bezugspunkt innerhalb dieses Gefängnisses, daher kann man Ihnen auch keine richtige Antwort für die von Ihnen gewünschte „normalen Dinge des Alltags“ geben. Falls alle Menschen wieder zu sich selbst finden können, somit ein erfülltes Leben führen im Stande sind, dann wird sich keiner mehr auf Kosten eines Anderen bereichern wollen.

      Die Fähigkeit aus verschiedenen Blickwinkeln, Bezugspunkte sowie Perspektiven alle Bereiche des Lebens zu betrachten kann man erst anwenden, wenn man die „Egoshootermentalität“, oder auch egozentrische Sichtweise abgelegt hat.

    • @Son_Snow: Wissen Sie, der TO hat da eine recht simple Frage gestellt. Ihr Vorposter hat darauf eine ebenso simple wie einleuchtende Antwort formuliert. Aber aus Ihrem Beitrag werde ich nicht schlau – wo ist denn der Bezug zur Frage des TO? Ich habe den Eindruck, Sie wollten eigentlich zu einem anderen Thema schreiben; zum konkreten Beitrag passt ihr – Entschuldigung – aus orthografisch-semantischer Hinsicht eher rosarot-esoterisches wie auch blumig-fantasievolles Geschwurbel leider nicht. Aber da schlagen Sie ja in dieselbe Kerbe wie der Verfasser des Artikels, dem Grammatik, Zeichensetzung, inhaltliche Ausgewogenheit, Sachlichkeit und Realitätssinn gleichermaßen abgehen.

      Aus fast jedem in meinem Bekanntenkreis, der z. B. die Waldorfschule besucht hat, wurde ein großartiger Mensch. Allerdings haben sie alle dabei auch einen soliden Sinn für die ökonomische, politische und – ja – bitterböse-menschliche Seite der deutschen Lebensrealität gewonnen. Heute gehört die Mehrzahl zu erfolgreichen Unternehmern und schüttelt den Kopf, wenn sie essayistische Ergüsse wie diesen liest, die hartnäckig ignorieren, dass Menschen, Leute und Nachbarn eben mithin auch mal frustrierende Arschlöcher sein können und das überhaupt nichts mit sinistren Plänen zur Volksumerziehung zu tun hat… aber vielleicht wäre der Autor auch überrascht, zu erfahren, wie unfassbar viele Menschen in Machtpositionen nicht nur a) völlig inkompetent darin sind, während sie b) trotzdem hoffen, dass sie daraus irgendwie das Beste für sich und ihre Kinder machen können, da sie eigentlich c) gern die Welt verbessern möchten und nichts, aber auch wirklich gar nichts mit finstren Mächten am Hut haben, die angeblich eine Neuordnung der Welt planen – wenn da nur nicht d) das Problem wäre, dass sie verbergen müssen, eigentlich nicht zu wissen, was sie tun…

      Menschen machen gern Profit. Wenn sie kein Geld haben, verachten sie Reiche. Wenn sie reich sind, verachten sie Arme. Dazwischen versuchen sie, sich eine gute Zeit zu machen. So sind Menschen. Das ist auch schon alles.

  6. Das ist eine sehr dilemmatische Frage, wie kläre ich in der Matrix einen über die Matrix, die um ihn geschaffen wurde, auf?
    Bezogen auf die Realität, wie zeige ich einen Menschen ein unsichtbares Gefängnis für sein Körper, Geist und Seele?
    Ich kenne nur eine logische Antwort, aber die gefällt keinem, weil diese wiederum ein Dilemma mit sich bringt.
    Es muss einer Person ein „Schicksalschlag“ ereignen, das sein ganzes bisheriges Weltbild aus den Fugen bringt und dieser mit all der Erfahrung und Wissen die er bisher angeignet hatte, keine vernünftige Lösung zustande bringen kann; das Leben der Person muss emotional aufgeladen total erschüttert werden. Das heißt aber, dass ich entgegen meiner Empathie agiere und diese Menschen einfach in meiner Passivität deren sich anbahnenden „Schicksalschlag“ überlasse.

  7. Was ist die Alternative? Mutti für Herd und Kinder? Zurück in’s alles andere als paradiesische Neolithikum? Irgendwie muss unser Zusammenleben doch organisiert werden. Dazu braucht man eben mündige Bürger, die sich nicht von allein aus dem Bauch heraus entwickeln. Kindereinrichtungen, Schulen, Universitäten und (leider auch) Gefängnisse sind Organisationsformen, die nach Humboldt’schen Prinzipien gebraucht oder über Kasernenhofdrill missbraucht werden können. Das Problem liegt, wie bei jeder zivilisatorischen Errungenschaft, in der Anwendung.
    Und da hat er Recht: Wir haben eine miserable Bildungspolitik, die der Machterhaltung unserer Eliten dient, gemacht von geistig im Mittelalter (law and order, Funktionieren oder Sanktionieren) verbliebenen Politikern.
    Anstelle das Kind mit dem Bade auszuschütten, sind die Verhältnisse zu ändern. Von Wem? Von gut gebildeten mündigen Bürgern natürlich!

  8. In der Sache eigentlich ein sehr richtiger Artikel; insbesondere die Verweis auf Goethe und Grün sind sehr klar und gelungen. Aus meiner Sicht steckt in der Botschaft des Autors sehr viel revolutionäres Potential.

    Im Ton aber streckenweise zu aufgeregt und reisserisch, als das ich diesesn Artikel an Menschen verschicken würde, die nicht bereits aufgewacht sind.

    • Im Zweiten geben ich Ihnen recht und frage mich zugleich, weshalb es auf dieser Plattform eigentlich niemanden gibt, der eingestellte bzw. verlinkte Beiträge – wenn schon nicht im Kern inhaltlich, dann aber doch zumindest unter Gesichtspunkten der journalistischen Ausgewogenheit und Sachlichkeit – vorher wenigstens soweit redigiert, dass sich niemand blamieren muss, sie seinen Bekannten zu schicken. Das betrifft leider die Mehrzahl der Texte, die von Gastautoren stammen (die KenFM-eigenen Beiträge nehme ich hiervon aus, die sind in der Regel solide lektoriert). Ich nehme an, man möchte hier gern einen Tagesbeitrag verfassen, aber die Zeit drängt und es wird dann doch kurz vor knapp etwas zusammengestrickt, das nicht nochmal gegengelesen werden konnte. Vielleicht irre ich mich darin aber auch.

      Schade, denn in der Sache gehe ich beim Autor zu weiten Teilen mit, aber angesichts dieser Form und der Vorliebe für wertende Attribute und Übertreibungen kann ich ihn einfach nicht ernstnehmen. Was ist nur los mit solchen Personen? Ich meine, mit sachlicher Darlegung erreicht man doch viel mehr Leser – weshalb wird denn hier gastautorenseitig vorrangig für orthografische Randgruppen und pseudogrüne BILD-Klientel publiziert?

      Unklar.

  9. Schöner Artikel! Es gab ja bisher im 20. Jahrundert auch Vordenker und Vordenkerinnen(Montosori, Rudolf Steiner, der Begründer von „Summerhill“ etc.), die neue verbesserte Schulmodelle erdacht haben. Aber das hat alles nicht genügt, um das hierarchische kapitalistische Gewaltsystem zu durchbrechen. Es sind immer wieder zu viele, die sich nach diesem mörderischen Mainstream ausrichten wie die Metallstifte zum Magneten.

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