Tagesdosis 7.5.2019 – Operation Condor: Wer wollte Staatsterror für Deutschland?

Ein Kommentar von Dirk Pohlmann.

Unbeachtet von den Relotiusmedien veröffentlichte die amerikanische Journalistin Whitney Webb, die zur Zeit in Chile lebt und arbeitet, am 17. April einen unglaublichen Artikel im US Alternativmedium Mintpress News. Einen Artikel, der alle Voraussetzungen zum Skandal in Deutschland erfüllte – wenn denn unser Mediensystem funktionierte. Wenn wir Wachhunde in den Redaktionen hätten, statt Schoßhunde der Macht. Vor 40 Jahren wäre diese Geschichte über die „Operation Condor“ wohl die Titelstory des „Spiegel“ geworden. Aber heute hat der Spiegel keinen Mumm mehr, keinen Biss – und keine Zukunft. Er verendet, völlig zu recht, langsam aber sicher mit immer geringer werdenen Verkaufzahlen hinter dem Hamburger Hauptbahnhof. Mitleid ist nicht angebracht, das ehemalige Sturmgeschütz der Demokratie ist „durch eichne Schuld in die Gagge geraden“, wie man in Sachsen sagt. Der Spiegel wirbelt heute keinen Schlamm mehr auf, er ist zum Mülltransporter der Berliner Republik degeneriert. Zu eine ganz besonderen  Mülltransporter, der im Regierungsviertel Abfall auflädt und dann gleichmäßig in die Wohngebieten verteilt. Er liefert Relotius-Märchen, Fake-News und Informationsklumpen der Marke Integrity Initiative. Unter anderem mit Hilfe des glorreichen investigativen Rechercheverbundes, dem außer dem ehemaligen Nachrichtenmagazin noch der NDR, der WDR und die Süddeutsche Zeitung angehören. Ab und an auch die BBC, die noch so ein Fall eines einstmals guten Nachrichtenmediums ist, das nur noch als abschreckendes Beispiel dienen kann. 

Der Rechercheverbund recherchiert nicht, er lässt seinen Mülllaster bei einem Informationsdienst des Oligarchen Michail Chodorkowski mit Schrott beladen. Oder beim eBay Oligarchen Pierre Omidyar, von dem es die Panama Papers stückchenweise zugeteilt bekommt und der die Snowden Akten so gut beschützt, dass sie nie mehr das Licht der Öffentlichkeit erblicken werden. 

Chodorkowski war einst reichster Mann Russlands, er ist nach offizieller Ansicht des EU Gerichtshof für Menschenrechte nicht aus politischen Gründen wegen Steuerhinterziehung vorbestraft, er lebt nach langer Haft im Schweizer Exil und hat eine Rechnung mit Putin offen. Chodorkowskis Medien-Angestellte haben dem Spiegel die gar schröckliche Moritat vom unter Kontrolle des Kreml stehenden AfD Abgeordneten Markus Frohmaier geliefert. Sie ist so solide wie ein Kartenhaus im Nordseeregen, aber das werde ich an anderer Stelle  detailliert nachweisen.

Zuerst geht es um die unter den Teppich gekehrte Meldung über die Operation Condor. Operation Condor ist der Name einer konzertierten Aktion von Staaten, in denen jeweils nach einem Militärputsch mit freundlicher Unterstützung der USA rechtsgerichtete Militärs Linke jagten, töteten oder verschwinden ließen – und das koordiniert, über Lan Offiziell handelte es sich um „Terrorismus und Aufstandsbekämpfung“, tatsächlich war es Staatsterrorismus, um unliebsame Linke auszuschalten. Zur Operation Condor gehörten anfangs Argentinien, Chile, Uruguay, Paraguay, Bolivien, Brasilien, später Ecuador und Peru. Bei den politischen Säuberungen wurden nach Dokumenten des in Paraguay aufgefunden „Archiv des Terrors“  50.000 Menschen ermordet, 30.000 verschwanden spurlos und 400.000 wurden ins Gefängnis geworfen.

In Chile wurde unter General Pinochet vom Geheimdienst DINA mit wissenschaftlicher Präzision gefoltert und ermordet. Chile wurde zum Experimentierfeld der exakt geplanten Vernichtung. 3000 präzise ausgewählte Menschen wurden unter dem Kommando von DINA Chef Manuel Contreras sorgsam gequält, dann getötet und so der politische Widerstand gezielt enthauptet. Alles unter den wachsamen Augen der CIA, die ihre schützende Hand über das Morden hielt. Vor einigen Jahren dachte man noch, die Rolle der USA sei eher passiv und beobachtend gewesen, Beihilfe zum Massenmord sozusagen, aber dieser Eindruck erweist sich mehr und mehr als falsch. Es war Mord mit Anleitung.

In Argentinien wurde die alte ultrabrutale Methode angewendet, die jeden Verdächtigen in die Knochenmühle schickte. 30.000 Menschen fielen den Militärschergen zum Opfer. In Chile und Argentinien ließ man Gefangene spurlos verschwinden, in dem man sie mit Drogen vollpumpte, in Leichensäcke steckte, den Bauch aufschlitzte und dann aus Flugzeugen und Hubschraubern ins Meer stürzte, wo sie die Fische spurlos zerlegten. Eine Methode, die man von den französischen Streitkräften des Algerienkrieges übernahm. Französische Experten bildeten ihre südamerikanische Folterkollegen in solchen erprobten Verfahren aus.

In Bolivien putschte sich 1980 die Kokainmafia mit Hilfe des Nazis Klaus Barbie, der Oberst des bolivianischen Geheimdienstes war, an die Macht. Und dann zogen Todesschwadrone durch das Land.

Was bisher unbekannt war und in jetzt freigebenen Akten der CIA steht: Im September 1977 waren Geheimdienstmitarbeiter und Sicherheitskräfte aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland im Hauptquartier in Argentinien, um sich über die Operation Condor zu informieren. Sie diskutierten, wie man eine ähnliche Struktur in Europa aufbauen könnte, weil nach ihrer Ansicht der Terrorismus und die subversive Tätigkeit in Europa eine große Gefahr darstellten, die wie in Südamerika zu bekämpfen sei. Die Vertreter der 3 Länder wollten wie die Länder der Operation Condor bei ihrer „Tätigkeit“ gegen die „Subversion“ über Landesgrenzen zusammenarbeiten. Die Operation Condor war das Vorbild.

Die oft missbrauchten Wörter „Recht und Ordnung“ bedeuten in diesem Zusammenhang Machtausübung in Gestapo Manier. Wer waren die deutschen Beamten, die so angetan vom Folter und Massenmordprojekt Condor waren, dass sie es nach Deutschland und Europa importieren wollten? Wer wollte wie in alten Zeiten mit eiserner Faust aufräumen und die Fische mit politischen Gegnern füttern?

Und warum interessiert das niemand beim glorreichen Rechercheverbund von NDR, WDR und , Süddeutscher, im Spiegel, der Zeit und in anderen Qualitäts-Medien? Ist das zu viel Information? Zu viel Realität? Bedeutet die Veröffentlichung die Verringerung der Karrierechancen auf einen transatlantischen Führungsposten in den Leitmedien?

Das Schweigen der Relotius-Medien zur deutschen, staatlichen Sehnsucht nach organisiertem Terror sollte uns in den Ohren dröhnen. Es ist ein Warnsignal. Dies und das Schweigen der Qualitätsmedien angesichts der Einkerkerung ihres Kollegen Julian Assange sind ein klarer Beleg, mit wem man es zu tun hat. Niemand sollte darauf bauen, dass diese Kaste zu mehr fähig ist, als ihren Opportunismus auch angesichts einer folterwilligen Staatsmacht hinter wohlklingenden Nebelwänden aus Neusprech zu verstecken.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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11 Kommentare zu: “Tagesdosis 7.5.2019 – Operation Condor: Wer wollte Staatsterror für Deutschland?

  1. Noch mal das Zitat: „Und warum interessiert das niemand beim glorreichen Rechercheverbund von NDR, WDR und , Süddeutscher, im Spiegel, der Zeit und in anderen Qualitäts-Medien? Ist das zu viel Information? Zu viel Realität? Bedeutet die Veröffentlichung die Verringerung der Karrierechancen auf einen transatlantischen Führungsposten in den Leitmedien?“

    Nun, ich befürchte, der sinniger Weise beim Schlandfunk vor kurzem gesendete Beitrag erklärt es:
    https://www.deutschlandfunk.de/elizabeth-anderson-private-regierung-wie-arbeitgeber-ueber.1310.de.html?dram:article_id=447488
    (gefunden bei den NDS)
    Ob die dort Verantwortlichen mögliche Parallelen zu ihrem eigenen Schaffen erkennen?

  2. Herzlichen Dank, Herr Pohlmann !!!
    Heute bringen Whitney Webb, Sie und Kenfm uns diese Nachrichten auf den Bildschirm –
    in Vertretung der Sonne der Brüder Grimm und des Herrn von Chamisso, den Peregrino gestern erwähnte.

    Es gibt sie also weiterhin, die Guten Journalisten und Medien !!!
    Also lasst die Relotiusmedien.
    Lest Whitney Webb, Dirk Pohlmann und Kenfm.

    Die Frage ist, wie es mit GUTEM Nachwuchs in BND, Bundeswehr, Polizei und den Parteien aussieht.
    Und wie mit GUTEM Nachwuchs unter uns Bürgern …

    Ich glaube und erlebe, dass es da überall etliche GUTE gibt – noch neben denen, die Whitney Webb, Dirk Pohlmann oder Kenfm kennen und uns dankenswerter Weise auf den Bildschirm bringen –
    über die die Relotiusmedien meist prinzipiell schweigen.

  3. Vielen Dank Herr Pohlmann, dass Sie solche Info’s für uns ausgraben. Hatte mich beim Schauen des 3. Jahrtausends schon gewundert, dass ich noch nie etwas über diese Operation gehört hatte.

    Schocken tuts mich allerdings nicht. Mittlerweile erwarte ich von Menschen mit Macht kein menschliches Verhalten mehr.

    Wir müssten dringend über Macht, Hierarchien und Herrschaft nachdenken, reden und diesen Horror, der damit automatisch einhergeht, endlich entlarven.

  4. Schlimm, wirklich ganz schlimm, wie weit wir gekommen sind und von den Leit-Medien ist dazu keine Unterstützung mehr zu erwarten. Unfassbar…

    Und wenn Julian Assange mit der Veröffentlichung „brisanter Dinge“ droht, kann er das gern tun! Es wird eh niemand mehr herausgeben, veröffentlichen bzw. wird es zu irgendwelchen Konsequenzen führen. Genau wie dieser Artikel hier von Frau Whitney Webb.

    Zitat: „Und warum interessiert das niemand beim glorreichen Rechercheverbund von NDR, WDR und , Süddeutscher, im Spiegel, der Zeit und in anderen Qualitäts-Medien? Ist das zu viel Information? Zu viel Realität? Bedeutet die Veröffentlichung die Verringerung der Karrierechancen auf einen transatlantischen Führungsposten in den Leitmedien?“

    Ich glaube, es geht inzwischen nicht mehr um die Karrieren oder auch nur um das schlichte Monatsgehalt. Die sind ja nicht alle blind und taub in den Redaktionen, gerade unter den Älteren nicht.
    Mir scheint, es geht nun schon oft ganz schlicht um die Befürchtung & Angst, man würde womöglich demnächst der erste/der nächste sein, der mit aufgeschlitztem Bauch aus dem Flugzeug in die Ostsee geworfen wird, wenn man zu sehr auffällt.

    Zitat: „Wer waren die deutschen Beamten, die so angetan vom Folter und Massenmordprojekt Condor waren, dass sie es nach Deutschland und Europa importieren wollten? Wer wollte wie in alten Zeiten mit eiserner Faust aufräumen und die Fische mit politischen Gegnern füttern?“

    Sie sind nach wie vor mitten unter uns, einschließlich in ganz hohen Ämtern in Berlin. Und sie wachsen nach… Man erkennt sie manchmal an ihren Gesichtern, ihrer Haltung und ihrem mangelnden Bewusstsein.

    Vor der Machtübernahme in Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre sind viele Menschen – *die es sich leisten konnten* – wegen ganz ähnlicher Besorgnisse aus Deutschland emigriert. Und das waren keineswegs nur Juden.

    Damals gab es jedoch in anderen Teilen Europas/der Welt durchaus noch Orte, wo diese vielen dtsch. Emigranten oft für den Rest ihres Lebens bleiben, dort ganz gut und vor allen Dingen un-geschoren leben konnten.

    Und heute? Sorry…

  5. Pohlmann hat immer substanzielles zu sagen, den ersten Teil – in der Audio-Version 2 Minuten von insgesamt 7 Minuten – kann man aber weglassen.
    Wer noch nicht weiß, was Spielgel & Co. sind … auf einem Portal wie KenFM ist sowas überflüssig, da könnte man auch ohne Eulen nach Athen zu tragen zum Thema kommen.

  6. Von Operation „Gladio“ zu Operation „Condor“ in Europa ist es nicht wirklich weit, oder…?

    Der eigentlich Skandal ist doch: Wieso gibt/gab es einen, genau einen (!) Spiegel-Artikel der letzten 20 Jahre zu Gladio. Das müsste doch bitteschön rauf und runter diskutiert werden.
    Dass man in diesem Zusammenhang Operation Condor auch unter den Tisch fallen lässt… geschenkt. Macht die Sache natürlich nciht besser, aber der eigentliche Skandal ist das „beschweigen“ von Gladio.

  7. Nein, ich lasse Youtube keine Daten ueber mich erheben, auch nicht, wenn ich ueber Kenfm surfe.
    Sollte das einreissen, surfe ich schlicht nicht mehr ueber Kenfm, deren gesellschaftskritischen Inhalte her oder hin.
    In diesen Fall konnte ich Pohlmanns Text ja noch lesen. Das war o.k.

    Zum Inhalt des Textes: ja, informativ bis skandaloes, wie alles, was dieser journalistische Spuerhund so aufdeckt und berichtet.
    Hoffentlich bleibt das mit der Youtube-Datenerhebung gegen Kenfm-Nutzer eine Ausnahme.

    • Hallo Ursprung, Deinen Kommentar verstehe ich nicht. Bis auf den Satz vom ‚journalistischen Spürhund‘.
      Was ist mit “ der Youtube-Datenerhebung gegen Kenfm-Nutzer“ ? Was meinst Du damit ? Wovor kann man / sollte man da Angst haben ?

  8. Danke Dirk Pohlmann für diesen, wieder einmal, sehr guten Artikel. Sie hätten neben Ihren vielen Talenten auch das zum Satiriker. Der Spruch: „..Mülltransporter der im Berliner Regierungsviertel Abfall auflädt und ihn dann gleichmäßig in den Wohngebieten verteilt“, hätte mein Lieblingskabarettist Volker Pispers auch nicht besser hinbekommen. Allerdings ist diese Satire von der Wirklichkeit längst eingeholt.

  9. Nun, ich denke es ist allgemeiner Wissensstand, warum die MSM nicht darüber berichten (Stichwort: Medien-Navigator bei Swiss Propaganda Research).

    Übrigends hat der kriminelle Oligarch Michail Chodorkowski in der Schweiz sein schmutziges Geld gut und wertsteigernd angelegt. Hier findet sich weitere Info zu Chodorkowski <a href="http://pauschalsteuer-abschaffen.ch/news/artikel/article/pauschalsteuer-oligarchen-1-chodorkowski-und-die-gibraltar-connection-1/&quot;

    Das Staatsterror schon angewendet wird, ist stark anzunehmen, er wurde bisher nur noch nicht zweifelsfrei (ausser in Frankreich gegen die Gelbwesten) nachgewiesen.
    Gut möglich, dass deren Strategien verfeinert und subtiler geworden sind. Frei nach Adelbert von Chamisso «Die Sonne wird es an den Tag bringen».

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