Tagesdosis 8.1.2019 – Wenn das Narrativ stimmt, sind die Fakten zweitrangig

Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

Als vor Weihnachten herauskam, dass der “Spiegel” jahrelang Fake-Reportagen veröffentlicht hatte,  kam das dem unterirdischen “Bild”-Zeitungs-Lyriker Wagner vor, “als würde es von unten nach oben regnen. Nein schlimmer. Es ist, als hätten Paparazzi den Papst im Bordell erwischt.” Und er fügt hinzu: “Ich kannte Rudolf Augstein. Er hätte den Laden dicht gemacht.”

Ich kannte den  Spiegel-Gründer zwar nicht, aber einige seiner leitenden Redakteure – und die wären, soviel ist sicher, als Verantwortliche oder Beteiligte einer solchen Fälschungsserie sofort gefeuert worden. Und es wäre ein Verdikt von Rudolf ergangen, dass diese magazinigen, gefühligen Reportagen mit Human-Touch-Getue und Real-Life-Suggestionen, all diese “Große Reportage”-Prosa mit ihren szenischen Textbausteinen aus dem Creative-Writing-Workshop, in einem “Nachrichtenmagazin” absolut nichts zu suchen haben. Sie haben ihre Berechtigung auf den Vergnügungsdampfern der Unterhaltungsindustrie, aber nicht in einem dem Journalismus verpflichteten Presseorgan mit dem Motto: “Sagen, was ist.”

Dass Spiegel-Artikel zu Augsteins Zeiten nur in Ausnahmefällen namentlich gekennzeichnet waren, hatte ja durchaus sein Gutes: Verhinderte Schriftsteller und Prosaisten konnten sich nicht spreizen, die berichteten Tatsachen, die Nachricht, stand im Vordergrund. Und die Qualität der Beiträge wurde nicht in Journalistenpreisen gemessen, sondern an dem, was sie politisch, juristisch oder sonst wie ins Rollen brachten.

Diese Zeiten sind lange vorbei und am wenigsten kann man das dem nunmehr geächteten Jungstar am Reporterhimmel Claas Relotius vorwerfen, denn der phantasiebegabte Autor hat einfach nur geliefert, was seine Oberen verlangten und in ihren Spin passte. Keine Nachrichten, sondern Stimmungsbilder – und wenn die Stimmung stimmt, kommt es auf Fakten nicht mehr wirklich an. Wenn dann das, “was ist”, zum Beispiel die stinknormalen Trump-Wähler einer Kleinstadt in Minnesota, den gewünschten Spin nicht hergibt, dann erfindet der kreative Schreiber eben ein finsteres Nest waffentragender Dumpfbacken. Und wenn das Narrativ stimmt, sind die Fakten zweitrangig und der Schwurbel kommt prominent ins Blatt.

Als ich 2004 einmal in einer Fernsehsendung mit zwei “Spiegel”-Redakteuren über 9/11 diskutiert hatte und wir danach bei einem Kaffee noch plauderten, meinten sie, dass sie einiges in meinen Büchern ja auch richtig gut fänden – zuvor in der Sendung hatten sie mir “Verschwörungstheorien” und “schlechte Recherche” vorgeworfen – nur dass ich ihre Zeitschrift immer als “ehemaliges Nachrichtenmagazin” bezeichne, das würde ihnen überhaupt nicht gefallen. Diese Bezeichnung war mir einmal bei einem Vortrag rausgerutscht, als ich eine Spiegel-Story mit dem Titel “9/11 – Was wirklich geschah” kommentierte, und wie das so ist – wenn das Publikum lacht, nehmen wir den Gag ins Repertoire – zog diese Präzisierung der hochkarätigen Marke “Nachrichtenmagazin” dann als geflügeltes Wort seine Kreise. Zu erfahren, dass sich die “Spiegel”-Leute darüber ärgerten, war natürlich erfreulich.

Es war diese “9/11 – Was wirklich geschah”-Story – eine im Reportagestil von einem Dutzend Autoren montierte Geschichte der “wirklichen” Ereignisse – und ein Buch, das sie daraus gemacht hatten -, die ich im Oktober 2002 mit dem “Spiegel”-Redakteur Ulrich Fichtner im WDR-Radio diskutiert hatte. Nachdem Fichtner mein Buch “Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9. im “Spiegel” als “Septemberlüge” von links mit der “Auschwitzlüge” von rechts verglichen hatte, lud uns Walter van Rossum zur Diskussion ins WDR-Funkhaus ein.

Als ich jetzt die selbstkritische Darstellung der Fälschungsserie im “Spiegel” las – verfasst von dem mittlerweile zum Vize-Chefredakteur aufgestiegenen Ulrich Fichtner – erinnerte ich mich an diese Debatte. Und fand die Lektüre des Transkripts der damaligen Sendung überaus aufschlussreich.

Nicht nur medienhistorisch – der penetrante Generalverdacht, mit dem “Quellen aus dem Internet” vor 16 Jahren als zweitrangig und gleichsam obszön abgetan wurden  -, sondern auch aktuell, denn es ist genau dieser Fake-Reportage-Stil, der Fichtner hier in Sachen 9/11 vorgehalten wird: die Real-Life-Suggestion, das so Tun als würde man “Terroristen” bei der Vorbereitung des Anschlags über die Schulter schauen, die ganze szenische Dramaturgie mit atmosphärischen Einsprengseln und der “Wir waren dabei und kennen die Wahrheit”-Gestus, der sich dann auch nicht scheut, diese Prosa-Melange unter dem Titel “9/11- Was wirklich geschah” als Dokument, als Nachricht, als Journalismus zu verkaufen.

Was dem kreativen Autor Roletius vorgeworfen wird, ist letztlich genau das, was seine Vorgesetzten und Ziehväter wie Ulrich Fichtner nach dem 11.9. September getrieben haben – mit dem einzigen Unterschied, dass sie sich Osama und die 19 Hijacker als Alleintäter nicht selbst ausgedacht, sondern vom Weißen Haus unhinterfragt übernommen und eine geile Story daraus gestrickt haben. Dass die wahren Fakten völlig unklar waren und entscheidende Fragen ungeklärt, war zweitrangig – das Narrativ stimmte und der Schwurbel kam auf die Titelseite.

Das Problem ist jetzt also gar nicht, dass ein aufgeweckter Newcomer dieses Prinzip durchschaut und sich trickreich zu Nutze gemacht hat, sondern dass man beim “Spiegel” anscheinend noch gar nicht gecheckt hat, wo das Problem eigentlich liegt. Nämlich in der Verabschiedung von der Übermittlung und Einordnung von Fakten, vom “Sagen, was ist” eines Nachrichtenmagazins – bei gleichzeitiger Hinwendung zu pseudojournalistischem Agendasetting und “Ausmalen, wie sich’s anfühlt”.

So sehr man sich beim “Spiegel” nun auch grämt – “Dieses Haus ist erschüttert. Uns ist das Schlimmste passiert, was einer Redaktion passieren kann. (…) Das beschämt uns. (…) Die meisten Kollegen reagieren erschüttert. Bei einigen fließen Tränen….” – tropft es aus dem Blatt:  Helfen könnte da nur noch ein radikales Revirement im Sinne von Rudolf,  aber das ist kaum zu erwarten. Weder vom „Spiegel“ noch von den anderen Leitmedien, die jetzt viele Krokodilstränen über den „bedauerlichen Einzelfall“ vergießen, aber nichts ändern werden an ihrer Berichterstattung. Denn dann müssten sie – angefangen bei 9/11 über die Kriege in Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien bis zur Ukraine – ihre sämtlichen Reportagen und Berichte auf Wahrheitsgehalt und Faktentreue überprüfen. Da bliebe kein Stein auf dem anderen. Doch nur  eine solche Selbstdemontage könnte dazu führen, die vierte Säule der Demokratie wieder aufzurichten und die Presse wieder zu dem zu machen was sie sein sollte: nicht der Schoßhund, sondern der Kontrolleur der Mächtigen.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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21 Kommentare zu: “Tagesdosis 8.1.2019 – Wenn das Narrativ stimmt, sind die Fakten zweitrangig

  1. Ausgezeichneter Beitrag Herr Bröckers. Sie treffen den Nagel auf den Kopf jedoch die Hoffnung dass sich am derzeitigen Format des Spiegels Ändern wird ist reines Wunschdenken. Glückwunsch zu gesamten restlichen Teil ihres Beitrages.

  2. Lieber Herr Bröckers
    mit Verlaub, aber das ist alles dummes Zeug. Spiegel oder Stern gehören, soviel ich weiß, zu den großen Medienkonzernen, das müssen Sie ja besser wissen. Und das ist auch ganz klar, dass es zwischen Wahrheit und wirtschaftlichen(Geld und Macht) Interessen dieser Konzerne, ein Interessenkonflikt besteht.
    Also machen Sie dem Spiegel bitte keine Vorwürfe, sowie man keinem Löwen vorwerfen kann, dass er eine Antilope bei lebendigem Leibe verspeist. Das muss Ihnen doch klar sein. Investieren Sie lieber Ihre Mühe in die Aufklärung der Lämmer, damit sie wissen, was es mit ihrem Schäfer an sich hat. Solange keine Gesetze existieren, die Befangenheit, nicht nur im Justizbereich, aber auch und vor allem in der Medienwelt, absolut verbietet und ahndet, wird der Spiegel, Stern und Co die Menschen in Deutschland immer verar…en.
    Und wenn Sie schon den Spiegel kritisieren, müssen Sie auf konkreten Beispielen aus den Artikeln beweisen, dass diese, oder jene Reportagen, oder Nachrichten falsch sind. Sonst können Sie immer, als Verschwörungstheoretiker oder Schwätzer beurteilt werden.
    Grüße. Amadeus

    • Sehr geehrter Herr Amadeus,

      das sollte auch Ihnen verständlich sein, dass ein Interessenkonflikt zwischen Wahrheit und Wirtschaftlichkeit noch lange nicht heißt, dass die „Lüge“ im Umkehrschluss ein profanes Mittel der Wirtschaftlichkeit sein muss. Mit Sicherheit ist die Wahrheit auf lange Sicht weitaus wirtschaftlicher.

      Wirtschaftliche Betätigung bedeutet nicht „Narrenfreiheit“, sondern steht im Dienste der Allgemeinheit, alles andere ist Betrug aus Eigennutz und mißachtet den sozialen Frieden. Ein Betrug bleibt auch dann Betrug, wenn irgendwelche Zwänge vorhanden sind.

      Das Beispiel mit dem Löwen hinkt auch, denn Wirtschaft ist kein Naturgesetz, sondern ein Konstrukt das durch den Menschen erschaffen wurde. Ich würde mich freuen, wenn Ihre Gedanken sich nicht nur an Schlagworten festmachen würden, sondern freiheitlich und schlüssig aufbauen.

      Gruß
      Freischwimmer

    • Moin, Amadeus, warum wollen Sie die Propagandaorgane des deutschen Imperialismus reinwaschen? Ist Ihnen nicht bekannt, dass alle Entscheidungen und vor allen Dingen alle Inhalte des Mainstream von der Atlantik-Bruecke abgesegnet werden?
      Natuerlich wollen die Verlage Geld verdienen! Aber doch nicht um den Preis des Luegens!
      Wir können doch an Hand der Entwicklung z.B. der Tagesschau (das Schlachtschiff des deutschen Nachrichtenjournalismus) nachvollziehen, wie so nach und nach diese „Instanz“ zum wohlgefälligen Regierungsfunk mutierte. Ich spare mir hier Einzelheiten, die Sie von M. Bröckers einfodern, und verweise auf das Buch „Die Macht um acht“ von Bräutigam, Klinkhammer und Gellermann!

    • Sehr geehrter Freischwimmer
      Sie haben sich wahrscheinlich vertippt, es sollte nicht „profanes“ sondern „profundes Mittel“ sein Oder?
      Wir sind ein Teil der Natur oder besser gesagt wir sind die Natur und nicht ihr Homunkulus. Auch in unserem Gehirn herrschen die Gesetze der Natur. Schon unsere Gedanken und Erinnerungen täuschen und belügen gegenseitig. Und es ist auch nicht so, dass wir unser Gehirn haben, sondern wir sind unser Gehirn mit all diesen Lügen und Täuschungen. Also ist Lüge und Täuschung ein Bestandteil unserer Persönlichkeit. Damit will ich nicht sagen, dass Lüge als Lebensstrategie oder profundes Mittel der Wirtschaftlichkeit angenommen oder verherrlicht sein sollte. Im Gegenteil! Wir müssen schauen, dass wir in unseren persönlichen und Wirtschftlichen Beziehungen die Lügen entlarven und mit Wahrheit ersetzen. Natürlich soweit es momentan möglich ist. Manchmal denke ich mir, dass Angela Merkel viel mehr weiß, als Manche vermuten. Aber sie kann aus diplomatischen Gründen nicht zu viel Wahrheit walten lassen. Auch wenn man sich in eine Frau verliebt, die zwar schön aber dumm ist, dann ist die Wahrheit ihr das zu sagen unklug. Abgesehen davon, dass sie das sowieso nicht glauben würde.
      Wirtschaftliche Betätigung bedeutet bei der „kleinen wirtschaftliche Betätigung“ natürlich keine Narrenfreiheit wie Sie meinen, aber eine „große wirtschaftliche Betätigung“ sehr wohl. Und das wissen Sie auch, nehme ich an. Und wiederum will ich damit nicht sagen, dass ich das befürworte, sondern im Gegenteil. Aber ich muss die Wahrheit klar sehen, um gegen Lüge, Täuschung und Verbrechen vorzugehen. Oder? Und das ist auch nicht war, wie sie meinen, dass die Wahrheit auf lange Sicht wirtschaftlicher sei. Ob Wahrheit oder Lüge wirtschaftlicher sei hängt vom System ab. Das sehen Sie an unserem Demokratiesystem und an dem Kapitalismus. Da ist nichts mit der Wahrheit. Die Menschen werden von vorne bis hinten vera…cht. Aber dafür ist doch unter anderem der KenFm da, um wenigstens etwas dagegen zu unternehmen.
      Ein Betrug bleibt nicht immer Betrug wie Sie meinen. Manchmal ist ein Betrug die einzige Lösung, wenn die Bedingungen des Systems keine andere Strategie zulassen. Dazu habe ich als Humanist die Pflicht diese Zusamenhänge zu verstehen und nicht zu befürworten, damit Sie wissen wie ich denke.
      Auch das Beispiel mit dem Löwen hinkt nicht, denn selbstverständlich ist Wirtschaft ein Naturgesetz. Nichts ist um sonst in der Natur. Alles wird erwirtschaftet in der Natur, durch Kooperation, Kriege, Symbiose…und so weiter. Die Ameisen oder Termiten führen Kriege, die Schimpansen auch, auch andere Affenarten. Nur wir nennen es nicht so, wir nennen es „Natur“ als ob wir nicht dazu gehörten. Ich könnte hier Tagelang schreiben um all die Kriege, Lügen, Betrüge und Täuschen in der Natur zu beschreiben, aber das würde den Rahmen der Kommentare sprengen.

    • Moin Hog,
      Wenn Sie mir kurz beweisen, dass ich die Propagandaorgane reinwaschen möchte, dann gebe ich Ihnen Bier aus, das schwöre ich.
      Lesen Sie meinen Beitrag und entschuldigen Sie sich bei mir. 🙂
      Die Verlage wollen und werden das Geld verdienen wollen und auch um den Preis des Lügens und Betrügens, solange die Lämmer (Mausfeld) sich nicht schämen, dass sie so dumm sind, dass man sie belügen und betrügen kann.
      Damit meine ich, dass ich dafür bin, dass die Gesellschaft ein neues Bildungsystem verlangt und schafft, welches dafür sorgt, dass keine dumme Schafe, sondern kluge Homo sapiens ausgebildet werden.
      Da haben Sie recht mit der Macht um acht, das höre ich mir auch gerne an. Aber warum sparen Sie sich die Kritik am Herr Bröckers, dass wenn er etwas kritisiert immer beweisen sollte wovon er genau redet, sonst ist das eine gegenstandslose Laberei für die Pseudointellektuellen… oder Opium für das dumme Volk.

    • Sehr geehrter Herr Amadeos,
      es gibt Momente da bin ich froh, dass es das Internet gibt, denn wenn ich mir vorstelle Sie säßen bei mir auf der Couch, mein glückliches Dasein würde schwinden. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber das was Sie schreiben klingt für mich (!) verwirrt.

      Sie Schreiben in etwa so: Wir sind alle Eins nur die da oben und jene die eine exponierte Position haben (wie hier Herrn Bröckers) müssen und wir bekämpfen. Das Dasein als Kampf ist für mich nur ein Teil der Wahrheit, denn der Kampf ist Ausdruck innerer Leere der das Opfer benötigt für sein Dasein. Das Dasein der vermeintlich Schwachen ist der falsche Beweis eigener Stärke. Letztendlich ist das eine Spiegelung eines schwachen Selbstwertgefühls. Mal am Rande und sehr vereinfacht erwähnt, wenn Ihnen das Unbekannt sein sollte. Die Vorstellung oder zumindest als Möglichkeit, dass das Leben auch andere Prinzipien kennt, als den Kampf, scheint Ihnen verlustig gegangen zu sein.

      Ich muss das in dieser Direktheit mitteilen, da ich nicht bereit bin (und da können Sie mir sonst etwas unterstellen) ihren explodierenden Gedankenabläufen zu folgen.

      Ich denke, das diese Art von Diskussion hier nicht der richtige Ort ist und letztendlich nicht das Thema von Martin Bröckers „Wenn das Narrativ stimmt, sind die Fakten zweitrangig“ ist.

      In diesem Sinne hoffe ich, dass Sie Ihre Angriffslust mal nach Innen nehmen und sich wirklich mit tiefen Gedanken ders Lebens auseinander setzen.

    • Sehr geehrter Freischwimmer,
      Sie scheinen mir durch meine Worte zutiefst gekränkt zu sein und deshalb angriffslustig. Was ich allerdings geschrieben habe, was Sie so verletzt hat, können Sie mir bitte mitteilen, denn ich weiß wirklich nicht.

      Außerdem erklären Sie mir bitte, was Sie mit diesem Satz, der an mich gerichtet ist, meinen:

      „„Sie Schreiben in etwa so: Wir sind alle Eins nur die da oben und jene die eine exponierte Position haben (wie hier Herrn Bröckers) müssen und wir bekämpfen. „

      Ich verstehe den Satz nicht.

      Grüße.

    • Moin. Amadeus,
      „Also machen Sie dem Spiegel bitte keine Vorwürfe, sowie man keinem Löwen vorwerfen kann, dass er eine Antilope bei lebendigem Leibe verspeist.“
      Das kann ich leider nicht anders deuten, als dass der Mainstream eben so ist wie er ist. Und, da man nichts ändern kann, muss man es halt akzeptieren.
      Ich hatte zwar eine andere Formulierung gewählt, aber der Sinn ist meiner M. n. der gleiche.
      mfG

    • Moin Hog

      Warum können Sie es nicht anders deuten? Ich habe ja nur angedeutet, dass man statt Symptome zu bekämpfen, lieber die Ursachen des Übels bekämpft, also die Menschen aufklären sollte, damit sie von sich selbst den Medien gegenüber kritisch sind. Und das geht nur wenn man Fakten auf den Tisch bringt und das tut Herr Bröckers meiner Meinung nach nicht. Dass der Löwe die Antilope bei lebendigem Leibe verspeist ist ein Übel. Wenn man aber dem Löwen die Möglichkeit gibt stattdessen sich vegetarisch zu ernähren, dann wird er die Antilopen nicht jagen und verspeisen müssen. Aber das wäre dann der Eingriff in die Natur, aus der wir ausgewandert sind. Ich habe schon gesehen, dass Löwen sehr wohl mit Antilopen in Freundschaft leben können, wenn man die Bedingungen dafür schafft.
      Und wenn Herr Bröckers statt so viel Bücher und sonst so gewaltig viel Energie über ein einziges Thema wie 11.09 verwendet, sich mit der Überprüfung der Spiegelnachrichten beschäftigte, hätten wir schon längst einen „sauberen Spiegel“ und müssten sich nicht über Fakenews aufregen.

      Selbst Herr Bröckers schreibt oben, dass man dem Claas Relotius keine Vorwürfe machen kann, dass er log und fantasierte, weil man das von ihm erwartete.
      Deshalb können Sie auch dem Herr Bröckers nicht vorwerfen, er akzeptiere es.
      Ich beschreibe nur die Wahrheit und deute darauf hin, dass Herr Brockers sich lieber auf Fakten konzentrieren sollte, statt Narrative zu erschaffen, die vielleicht als Werbung für seine Bücher gedacht sind. Könnte doch sein oder?

  3. Super Beitrag! Es ist schon erstaunlich was der Spiegel sich da geleistet hat, ohne bisher ernsthafte Konsequenzen daraus zu ziehen. Von einem Märchenbuch der Gebrüder Grimm hätten die Leser echte Volks-Weisheiten erhalten, statt dessen bekamen sie in Wahrheitspapier verpackte Lügen.

    Der Spiegel, der sich als Opfer empfindet und nach Verständnis seiner schwindenen Leserschaft buhlt, ohne Krankheitseinsichten bezüglich der Redaktionsstrukturen, wird trotz allem überleben. Das Überleben, das auf die Vergesslichkeit der Menschen und auf Unterstützung von kostspieligen raffinierten Werbemanagmentmaßnahen setzt, wird nichts gutes hervorbringen. Spätestens jetzt wird die Lüge salongfähig und zum offizielen Instrument, denn wer jetzt noch davon ausgeht dass die Presse sich der Wahrheit verpflichtet fühlt, ist selber schuld. Das Dilemma hat der Leser, einerseits soll er vertrauen (->Verrschwörungskritiker etc.) und anderseits wird er für jede aufgedeckte Lüge seiner Unwissenheit bzw. Dummheit ausgelacht.

    Die Radio- und Fernsehanstalten, die den Spiegel als sichere Quelle gerne zitieren, können den Spiegel nicht mehr in ihre Talkshow’s als unabhängige Experten einladen, sie würden sich selber diskreditieren. Aber genau das Gegenteil wird vermutlich geschehen. Das große „Reinwaschen“ wird kommen bzw. hat schon begonnen. Der Zeitpunkt ist sehr ungünstig, da derzeit eine Gebührenerhöhung im Raum steht. Eine „Zwangsgebühr“ für nachgewiesene Lügengeschichten von und mit Experten der Leitmedien steht den öffenlich-rechtlichen Sender nicht gut zu Gesicht.

  4. Vielen Dank für den tollen Beitrag.
    Der letzte Satz ist es wert kommentiert zu werden: „Doch nur eine solche Selbstdemontage könnte dazu führen, die vierte Säule der Demokratie wieder aufzurichten und die Presse wieder zu dem zu machen was sie sein sollte: nicht der Schoßhund, sondern der Kontrolleur der Mächtigen.“
    Wer sind die „Mächtigen“?
    Mittlerweile bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es die sog. Leitmedien sind, Bild, Zeit, Spiegel, ZDF, ARD, Deutschlandfunk und einige wenige andere, die das politische Geschehen bestimmen.
    Wenn schon ein Schröder sagte, dass er darauf achtet, was in der Bild-Zeitung steht, und besonders über dem Falz steht.
    KEIN heutiger Politiker, besser als Politik Darsteller zu bezeichnen, kann es sich leisten, seine eigene eigenständig gewonnene Überzeugung, selbst wenn die die „Wahrheit“ träfe, auf Tatsachen basierte, diese frei zu äußern, wenn es den, sich selbst als „Qualtäts“-Medien, bezeichnenden – z.B. den o.g. Organistaionen – nicht passt. Dann ziehen sie über diese Person her, bis sie aus Amt und Bezahlung geflogen ist.
    Warum ist das so?
    In Kenntnis der Tätigkeit dieser „Medien“ / Organisationen als lizensierte CIA-Organe, wird man sich nicht darüber wundern. Wer die CIA nicht als eine aggressie und mächtige Terrorganisation verstanden hat (Initiierung und Durchführuung von Attentaten, Kriegen, Terror, Drogen u.v.m.), sollte sich mit den im Artikel genannten Kriegen näher beschäftigen.
    Diese Blätter, wie der Spiegel, machen nichts anderes als DIESEM Herren zu dienen, die verschiedenen transatlanischen Organsiationen sind bekannt, sonst – nun, wer gegen die Lizenzauflagen verstößt, ist selbst weg vom Fenster.
    Was folgt daraus:
    Es wird mindestens alles so bleiben, eher noch dreister und aggressiver.
    Ich habe mir die Beitrage von Ulrich Gellermann (Die Macht um Acht) zum wiederholten Mal angesehen, und bin ehrlich gesagt immer wütender geworden über die Überheblichkeit, Dreistigkeit und Frechheit dieser Organisationen (in diesem Fall die ARD) und die so seriös daherkommenden verlogenen Einzelpersonen mit Ihren völlig überzogenen Gehältern und weiteren Ansprüchen.
    Aristoteles sagt:
    Toleranz und Apathie sind die letzten Tugenden einer sterbenden Gesellschaft.
    Ich als KenFM Leser, Hörer, Seher und Unterstützer (könnte nat. mehr sein) bin da nicht so pessimistisch….;)).

  5. Die beiden Hauptströmungen stehen einander ziemlich unversöhnlich gegenüber. Beide Seiten glauben oder fühlen, dass die Zukunft stark vom heute führenden Narrativ beeinflusst wird. Das führende Narrativ wirkt als »Selbsterfüllende Prophezeiung«. Menschen, die nicht an das »richtige« Narrativ glauben sind »Gegner«, da sie durch ihren Glauben an das »falsche« Narrativ die Entwicklung, die unsere Zukunft nehmen wird negativ beeinflusst. Darum muss die Wirklichkeit auch immer vor dem Hintergrund des eigenen Narrativs interpretiert und erzählt werden. So etwas nennt man gemeinhin eine Ideologie und ideologisches Handeln. Das steckt meiner Meinung nach hinter der „Medienkrise“, die sich aktuell in Form der Causa Spiegel/Roletius manifestiert – freilich ohne eine tiefgehende Selbstreflexion seitens der Systemmedien auszulösen. Wobei ich mit nicht sicher bin, ob sich wenigstens die andere Seite soweit selbst reflektiert.

  6. Es reicht nicht…eine Säule wieder aufzubauen, schon garnicht, wenn überhaupt keine Demokratie vorhanden ist. Wenn
    überhaupt dann lediglich eine repräsentative Demokratie.
    Wir leben in einer Plutokratie mit neoliberaler Ausrichtung…die Medien sind ihr Sprachrohr. Es geht um das ganze
    verbundene System, das zu hinterfragen ist. Doch es geht eigentlich noch weiter, denn US-Imperiumshörigkeit, dem
    Angriffsbündnis NATO zugehörig und einer undemokratischen und ebenfalls neoliberalen EU angeschlossen verstärken
    das falsche System nur noch weiter.
    Was ist da ein kleiner und unbedeutender Lückenjournalist, der ein bisschen gelogen und geschummelt hat………..nichts.

  7. Wenn ich an Augstein denke, denke ich an seine Aktentasche auf seiner Wanderung mit Heidecker, völlig deplatziert. Ein Rucksack passte nicht in seine Zeit. bzw. sein Zeitempfinden. Ein Kopfmensch, durch und durch.
    Auch R. Augstein durfte nicht gegen Amerika schreiben. Der Kennedy-Mord war auch für den Spiegel eine Verschwörungstheorie. Trotzdem war er als Wahrheitsverkünder der beste im Angebot, im Nachkriegsdeutschland.
    Erst durch Stefan Aust, der die Berichterstattung von 9/11 zu verantworten hat, ging es richtig bergab.
    Er hat die Lügen verkauft, an denen wir heute noch knabbern. Nein, es ist nicht der Claas, es ist eine verlogene Fortsetzungsgeschichte, seit vielen Jahren schon. Kein Ende abzusehen.

  8. Vor wenigen Monaten erst hatte ich anlässlich eines unschönen Spon-Artikels Kontakt mit der Verfasserin. Sie war ein klein wenig ange…ob meiner Kritik am Artikel sowie den Zuständen in der Medienlandschaft allgemein, gleichwohl aber bemüht mir zu versichern, sie werde dort in keinster Weise beeinflusst oder unter Druck gesetzt.
    Meine Antwort bestand unter anderem in der Vermutung, dass es möglicherweise noch nie notwendig war, sie zu beeinflussen oder unter Druck zu setzen.
    Und nun sowas. Unglücklich, wirklich, ein äußerst unglückliches Timing, lieber Spon, aber wir hier haben uns alle köstlich amüsiert!

  9. Hatte lange gedacht, dass Vater Rudolf Augstein seinen Sohn Jakob in mancher Hinsicht noch geprägt hat.- Aber das glaube ich nicht mehr, seitdem er vor einigen Jahren meinen 9/11 Beitrag als Abbonent im FREITAG zensiert d.g. gelöscht hatte wegen Verbreitung von Verschwörungs-Ideologie. Das hat mich damals sehr betrübt, Habe den FREITAG dann wieder gekündigt und meinen Frust noch in einem Youtube beitrag verarbeitet- https://youtu.be/rDP3y0vzI5I

  10. “ Doch nur eine solche Selbstdemontage könnte dazu führen, die vierte Säule der Demokratie wieder aufzurichten und die Presse wieder zu dem zu machen was sie sein sollte: nicht der Schoßhund, sondern der Kontrolleur der Mächtigen. “

    Nach meinem Ansicht unmöglich in ein Land was 1953 errichtet wurde mit Bedingung das die Wahrheit der Gewinner ewig unterrichtet werden musste.
    Hat nicht Deutschland eine ziemlich lange Liste vor Autoren die verurteilt wurden weil sie sagten oder schrieben was politisch inkorrekt ist oder war ?
    Christopher Lasch, ‚The Culture of Narcissism, American Life in an Age of Diminishing Expectations‘, 1979, 1980, London schreibt das seit Nixon in die USA Fakten nicht mehr wichtig sind.
    Günter Grass, ‘Beim Häuten der Zwiebel’, München 2008 beschreibt wie schon 1945 in Deutschland Fakten ignoriert wurden, durch der amerikanische Education Ofiicer, Erziehungs Offizier.
    Der Mann war nicht darauf vorbereitet das Grass und andere Kriegsgefangene genügend englisch verstanden um amerikanischen Razismus sehen zu können.

  11. Das Narrativ, also das Erzählte über die Medien in der Form wie Mathias es sagt, stimmt mit Gewissheit. (Mainstream)Medien sind zu einer Form verkommen, in der ausschließlich wirtschaftliche Belange von Bedeutung sind. Es ist eben neben dem Geld kein Platz für Weiteres, weder wie es ist, warum es ist, was es ist, noch wozu es ist! Habt Geld und versucht damit glücklich zu werden…. (jeder versucht ’s und (fast) KEINEM gelingt ’s.)

    • Es sind leider nicht nur wirtschaftliche Belange, die zur Berichterstattung der letzten 18 Jahre geführt haben. Denn es lässt sich mit Sicherheit auch mit neutralen und ausgewogegenen Nachrichten Geld verdienen. Diese Art zu schreiben wäre sogar nachhaltiger gewesen. Denn viele Abonomenten und Gelegenheitsleser würden sich nun nicht abwenden, sondern weiter zu diesem Medium stehen.

      Nein, es sind nur wirtschaftliche Belange. Es sind bestimmte Denkschulen, aus denen (Chef)Redakteure rekrutiert werden. Diese Universitäten, Organisationen, Clubs, vermitteln ein ganz bestimmtes Weltbild und selektieren für die Redaktionsstuben in Zeitung und Rundfunk vor. Die Eigentümerstruktur und entsprechenden Maximen (etwa beim Springer Verlag) tun sein übriges. Diese Strukturen (und Weltbilder) sind Jahrzehnte gewachsen. Von einer Jounalisten-Generation zur nächsten. Niemand wird direkt beeinflusst/angewiesen. Alle wissen, welches Weltbild das „richtige“ ist.

    • Jones
      stimmt genau.
      Von Journalisten die ich gut kenne weiss ich das sie genau wissen was sie schreiben müssen, wenn sie ihre Arbeit behalten wollen.
      Unabgängige Medien gibt es nur noch im Internet.
      Ein gutes Beispiel ist englische Guardian, bis die durch Soros gekauft wurde sehr objektiv, jetzt nur noch Propaganda.
      Galloway und Anatol Lieven schreiben nicht mehr bei Guardian.

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