Tagesdosis 9.1.2018 – Kleiner Aufruf zum Klassenkampf

Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit für unsere Neujahrsansprache:

„Wenn ich alle unsere Staaten, die heute irgendwo in Blüte stehen, im Geiste betrachte, und darüber nachsinne, so stoße ich auf nichts anderes, so wahr mir Gott helfe, als auf eine Art Verschwörung der Reichen, die den Namen und Rechtstitel des Staates missbrauchen, um für ihren eigenen Vorteil zu sorgen. Sie sinnen und hecken sich alle möglichen Methoden und Kunstgriffe aus, zunächst um ihren Besitz, den sie mit verwerflichen Mitteln zusammengerafft haben, ohne Verlustgefahr festzuhalten, sodann um die Mühe und Arbeit der Armen so billig als möglich sich zu erkaufen und zu missbrauchen. Haben die Reichen erst einmal im Namen des Staates, das heißt also auch der Armen, den Beschluss gefasst, ihre Machenschaften durchzuführen, so erhalten diese sogleich Gesetzeskraft.

Indessen … scheint es mir – um offen zu sagen, was ich denke – in der Tat so, dass es überall da, wo es Privateigentum gibt, wo alle alles nach dem Wert des Geldes messen, kaum jemals möglich sein wird, gerechte oder erfolgreiche Politik zu treiben, es sei denn, man wäre der Ansicht, dass es dort gerecht zugehe, wo immer das Beste den Schlechtesten zufällt, oder glücklich, wo alles an ganz wenige verteilt wird …“.

Unsere „Ansprache“ stammt aus dem Jahr 1516 und wurde von dem Anwalt und Politiker Thomas Morus in seinem Werk „Utopia“ veröffentlicht. Es beschreibt die Zustände in einem idealen Gemeinwesen, das auf der fiktiven Insel „Utopia“ angesiedelt ist –  sowie die realen Zustände im Europa des frühen 16. Jahrhunderts. Diese waren von den heutigen Zuständen ganz offensichtlich nicht sehr weit entfernt. „Es herrscht Klassenkampf, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“ – so hat der Milliardär Warren Buffett die Lage im 21. Jahrhundert auf den Punkt gebracht. Und was tut die Politik ? Sie sorgt, im Namen des Staats dafür, dass die Klassenkämpfer ihre Machenschaften weiter führen können.

Da lässt es dann schon aufhorchen, wenn ein führender Politiker in einem Artikel einen Umsturz, genauer eine „konservative Revolution“ fordert. Will hier einer wirklich zu den Erkenntnissen und Werten zurück, die der Humanist Thomas Morus schon 1516 einforderte und die seit Jahrhunderten währende Umverteilung von unten nach oben beenden ?

Natürlich nicht, denn bei unserem neuen Revolutionsführer handelt es sich  um den ehemaligen Verkehrsminister Dobrindt von der CSU und der Umsturz, den er fordert, richtet sich gegen einen Pappkameraden: die „linken Meinungsdiktatoren“ , die „selbst ernannten Volkserzieher und lautstarken Sprachrohre einer linken Minderheit“ in  den „Schlüsselpositionen“, denen man 50 Jahre nach 68 jetzt endlich den Garaus machen müsse.

„Linke Ideologien, sozialdemokratischer Etatismus und grüner Verbotismus hatten ihre Zeit“, behauptet Dobrindt – und ehe man sich fragt wann diese Zeit war: in den 16 Jahren „geistig-moralischer Wende“ unter Kohl, den Jahren unter Schröder als Abrissbirne der Sozialdemokratie oder den 12 Jahren unter Merkel ?? –  fordert Dobrindt schon, dieser „linken Revolution der Eliten“ nun „eine konservative Revolution der Bürger“ folgen zu lassen.

Dass die „Schlüsselpositionen“- Vorstände von Banken, DAX-Konzernen und Wall Street-Hedgefonds – von Linksrevolutionären besetzt wären, ist bis dato allerdings nicht aufgefallen, auch wurde weder bei Warren Buffett noch bei einem seiner Kollegen aus der Milliardärs-Elite ein kommunistisches Parteibuch entdeckt. Gegen wen sollen denn nun die „Bürger“ konservativ revoltieren? Wen hat der große Vorsitzende des revolutionären Zentralkomitees der Konservativen, der Verkehrsminister ohne TÜV, als Großfeind ausgemacht ?

Die 68er, die mittlerweile über 70 sind! Wenn sie nicht- wie einer ihrer Anführer, Rudi Dutschke- an den Folgen eines Attentats gestorben sind, zu dem lautstarke Sprachrohre einer rechten Minderheit, allen voran die „Bild“-Zeitung, nach Kräften gehetzt hatten.

Dutschke war einer der letzten, der das Wort „Klassenkampf“ nicht nur in den Mund nahm, sondern es auch ernst damit meinte – so wie Warren Buffett es ernst meint, wenn er sagt, dass seine Klasse, die Reichen, diesen Kampf führt und ihn gewinnen wird. Solange ihm von unten nichts entgegen gesetzt wird.

Solange sich die Mehrheit der Bürger von der winzigen Elite einer Minderheit einlullen lässt.

Und solange diese Bürger – ob konservativ oder progressiv – nicht checken, dass die Konflikte zwischen Inländern und Ausländern, Männern und Frauen, Heteros und Homos, Christen und Moslems, und so weiter… nichts anderes sind als Scheingefechte auf Nebenkriegsschauplätzen, die nur ablenken und nichts ändern an dem grundlegenden Krieg, den 1% von oben gegen 99% von unten führen. Seit 1516.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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25 Kommentare zu: “Tagesdosis 9.1.2018 – Kleiner Aufruf zum Klassenkampf

  1. Versetzen wir uns kurz in die Kage der „Konsevativen“, um gleich wieder in Lagern zu denken:
    Was ist aus deren Sicht seit 68 ff passiert?

    Umwelt-, ja sogar gleich Klimarettungspolitik ist fester Teil des globalen Polit- und leider gleich auch Zertifikatehandelsbetriebs, es gibt eine Ehe für alle, Doppelpass, ok Dosenpfand übergehen wir mal, die Spießigkeit der Adenauerzeit wurde aufgebrochen, Frauen sind definitiv besser gestellt, es gibt eine ziemlich mainstreamige Multi-Kulti-Agenda. Vieles davon auch noch mit Zutun der C-Parteien angeleiert.
    Also so ganz abstrus ist der Befund dieses Politikers nicht, wenn man zudem betrachtet, wie die Scheidungsraten hoch und die Geburtenraten runter sind. Abtreibung?
    Diese auch zum Teil tiefgreifenden Veränderungen sind doch vollzogen worden, oder nicht?
    Sind das nicht linke Themen?
    Also dass 68 keinen Einfluss hatte, kann man ich nicht sehen. Und das bis heute. Die CDU hat doch eine linke Kanzlerin: Atomausstieg, Grenzen auf, Homoehe. Worüber reden wir denn?

    Vielleicht sind das nur Scheinthemen.

    Was wären denn 68er Themen gewesen, so dass man heute sagen müsste, die haben etwas bewirkt?

    Und wollte diese Generation wirklich was anders machen?

  2. Prima Einstand dieser “Kleine Aufruf zum Klassenkampf”, Herr Bröckers !

    Thomas Morus Sicht deckt sich völlig mit der aktuellen Analyse von Rainer Mausfeld https://www.rubikon.news/artikel/der-leise-tod-der-offentlichen-debatte :
    “Es liegt in der Natur der Macht, dass Demokratie nur für die Machtunterworfenen ein zivilisatorischer Traum ist, da es dabei gerade um eine Einhegung illegitimer Macht geht. Für die jeweils Mächtigen hingegen war und ist eine wirkliche Demokratie gerade ihr Alptraum. Denn Demokratie würde ihre Macht massiv einschränken. Folglich haben sie seit je alle Formen demokratischer Strukturen und auch die Idee von Demokratie selbst massiv bekämpft, verhöhnt, unterminiert und zerstört.”

    Allerdings fehlt diesem Aufruf der Aufruf zur Praxis. Ich bin der Meinung, dass uns die Zeit fehlt, bis progressive und konservative Bürger in genügender Zahl “gecheckt” haben. Und mit dem Checken ist noch immer nichts getan. Ich frage mich: Was kann jetzt getan werden, um den Klassenkampf effektiv zu machen. Der „Abgelehnt“ – Vorschlag von Dirk Stamm hat viel Richtiges, setzt aber andererseits ebenfalls voraus, dass uns noch viel Zeit bleibt. Und sein Satz „Lasst sie ihre Kriege und Kämpfe alleine oder besser untereinander führen.“ ist wohl einfach der späten Stunde geschuldet, in der er geschrieben wurde.
    Nochmal: ich frage mich: Was kann jetzt getan werden, um den Klassenkampf effektiv zu machen ? Wie ist die Öffentlichkeit wachzurütteln ? Wie können wir “unsere” Politiker heraus bekommen aus dem Machtbereich des medial lancierten Industriellen Komplexes und in unseren Dienst stellen?

    Sind etwa Widerstandsaktionen gemäß § 20 Absatz 4 GG – “Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist” zu organisieren und durchzuführen, die diesen Prozess effektiv in Gang setzen ? Da kann jedeR, der bereits „gecheckt“ hat, unbegrenzt Energie, Kreativität und Sachkenntnis an seinem Platz investieren. Sofort.

    • mein Vorschlag: Gemäss Dirk Stamm das Bewusstsein in ganzer Breite bilden was unweigerlich zum allgemeinen Generalstreik führt. Selbst wenn nur 15-20% der Bürger dazu übergehen, fängst das System schon an, in der Klemme zu sitzen.

    • mein Vorschlag: Gemäss Dirk Stamm das Bewusstsein in ganzer Breite bilden was unweigerlich zum allgemeinen Generalstreik führt. Selbst wenn nur 15-20% der Bürger dazu übergehen, fängst das System schon an, in der Klemme zu sitzen.
      Konkret heisst das zB keine GEZ und Steuern mehr zu zahlen, die meist unsinnigen Versicherungen zu kündigen, sich krank zu melden und das System in jeder möglichen Facette friedlich zu stören.

  3. Es wäre ein absoluter Fehler auf die Kampfansage alter sklerotischer bärbeißiger Milliardäre einzugehen. Darauf warten sie nur. Denn diese Sorte „mutiger“ Menschen führen ausschließlich asynchrone Kriege, in denen Monstermaschinen und Söldnertruppen gegen Menschen und das Leben kämpfen. Und da ihre Schließmuskeln nicht mehr funktionieren, schießen sie aus der Hüfte. Diese greisen Männer spielen nur Spiele mit gezinkten Karten, die sie ihr Geld nennen. Und in diese präperierten, blöden und bösen, Zeit verschlingenden Spiele wollen sie uns, die Menschheit und die Natur, in ultimativer Weise hineinziehen. Das ist ihr Wunsch. — Abgelehnt. Wir sollten uns von allem, was sie und ihr bloody Money darstellen, sukzessive, in intelligenter und einfallsreicher Weise emanzipieren und alles, von braunem Zuckerwasser angefangen bis hin zu idiotischen Overkill-Waffenarsenalen, all diesen ekelerregenden Schrott schnellstmöglich als bösen kapitalen Witz der Geschichte hinter uns lassen. Lasst sie ihre Kriege und Kämpfe alleine oder besser untereinander führen. Lasst sie langsam eines natürlichen Todes sterben, aber ohne uns. Wir haben wirklich besseres zu tun. Zum Beispiel leben und kreative Alternativen entwickeln. Als erstes unabhängig von ihrem gezinkten Geld.

    • Danke, für mich der beste Kommentar zu diesem Thema. Überwinden von „Spalte und Herrsche“. Ignoranz ist das beste und wirksamste Mittel seine Feinde zu „bekämpfen“.

  4. Interessantes technisches Detail: Mein Beitrag, datiert 9. Januar 2018 at 19:24 erscheint nur dann, wenn ich eingeloggt bin.

    Des weiteren war die Antwort des Users ingsn auf meine Antwort eines anderen Users, datiert 9. Januar 2018 at 21:43, ebenfalls nur sichtbar, wenn ich eingeloggt war.

    Was soll das? Wenn dieser Murks beseitigt ist, komme ich evtl. wieder. Bis dahin gilt für mich: No KenFm! Auf Wiedersehen.

    • @johndavid:
      manchmal ist der eigene Browser für solche Effekte verantwortlich. Meist das Cacheing. In vielen Fällen hilft ein SHIFT Reload mit dem Browser. Dann wird der _gesamte_ Kontext vom Server neu geladen. Will sagen, daß die Seite selbst nicht unbedingt Schuld für die von Ihnen beobachteten Effekte sein muss. Give it a try and come back, Schon die Maschinen selbst spalten uns… und hetzen uns gegeneinander? 😉 Selbst wenn der Programmierer hier einen Bug fabriziert haben sollte, ist das keine Absicht, Aber reflektiert die Symptome des Systems an sich – jeder nur noch in seinem Spezialgebiet und keine Verantwortung, nein noch nicht einmal Kenntnisse darüber hinaus. Wie soll das weiter gehen? jeder für sich an seiner verwanzten (im doppelten Sinne!) Lebenserhaltungsmaschine?
      Gruß, ein nicht vom Geldwahn konterminierten Nicht-Maschinenmenschen.

  5. Herr Bröckers hat also auch diese Rede Dobrindt’s gehört (in den privaten News Sendern als „Statment“ angekündigt). Und sie war ihm sauer aufgestoßen. Wie mir.

    Ich hatte das alles aufgezeichnet. Beim Anhören dieser wenigen Minuten fiel nicht weniger als 9 mal der Begriff „bürgerlich“, die er als Attribut für die Union -und natürlich insbesondere für die CSU- als Alleinseligmachendes beansprucht.

    Dazu braucht es lediglich den zarten Hinweis auf die „Bürgerversicherung“, was die Union ja strikt ablehnt. Hier wird es spannend, denke ich.
    WENN diese „Bürgerversicherung“ kommt (und somit die SPD einer KleiKo zustimmt, was mich nicht wundern würde), befürchte ich ein grandioses Abzockmanöver, was Hartz IV und Agenda 2010 in den Schatten stellen würde. Das könnte unter dem Mäntelchen „wir haben hart verhandelt“ laufen.

    Heute war zu hören, dass die SPD (!!) Zustimmung zur Aufgabe der Klimaziele DE’s signalisiert. Daraufhin hab ich die Stoppuhr im Geist gedrückt. Es dauerte auch nicht lange. Kurze Zeit später reklamierte die FDP diese Bankrott- und Unfähigkeits-erklärung für sich. Das ist sowas von Gaga. Ich vergleiche das mal mit der Entscheidung, die Tür nicht mehr abzuschließen, mit der Begründung „Es gibt sowieso zu viele Einbrecher, Abschließen ist sinnlos“.

    • Bürgerversicherung? Denk ich auch, dass das ne Art HartzIV-Verarsche wird. Irgendwie hab ich immer das Gefühl, für die richtig dreckigen Sachen, holt man immer die SPD. Und die machens freudig mit.

      Zitat von den Neulandrebellen:
      „Unter dem Druck der Lobbyisten ist die SPD (mal wieder) eingeknickt. Wo Bürgerversicherung drauf steht, ist Lobbyismus drinnen. Denn die SPD will weder die Beitragsbemessungsgrenze noch die Versicherungspflichtgrenze abschaffen, schreibt Butterwegge. Da stellt sich die Frage: wieso nicht? Einer echten Bürgerversicherung steht nämlich beides im Weg.“

      Der ganze Artikel ist hier:
      http://www.neulandrebellen.de/2018/01/die-aufgeweichte-buergerversicherung-sondierungslobbyismus-vom-feinsten/

  6. Super Kommentar voller völlig neuer Ansichten und Denkmuster… Die Reichen bestimmen über unser Leben und nehmen uns unser Geld, welches uns viel zu wenig gegeben wurde… und wir merken dies alles nicht, da wir ja alle die gelenkten Mainstream-Medien konsumieren und wie ungebildete Schafe hinter dem bösen Hirten hinterhertrotten… aber es gibt Herr Brökers der uns erstmalig auf dies alles hinweist, wenn auch nur in der digitalen Welt… die wir als völlig Ungebildete aber ja eben nicht lesen… will er sich also nur über uns lustig machen??? P.S. Wenn die 68er alle jetzt über 70 sind und gesetzter und trotz ihrer damaligen Ansinnen überlebt haben… was sagt uns dies heute?? Einfach mal innehalten und nachdenken…Herr Bröckers…

    • Verstehe grad Ihre Kritik nicht. Ich sehe zwar, dass da alles in Deutscher Sprache ist. Eine Gegenrede bleibt aber aus. Argumente auch.

    • Ich denke seine Kritik beruht aus seinen, wie er vllt. meint, doch schon längst vollzogenen Erkenntnisstand. Vllt für ihn langweilig, für manch anderen aber eine mentale Unterstützung seiner u.U vagen Ahnungen (vllt. jüngerer Zeitgenossen) ist.
      Dabei jedoch – so schätze ich – nimmt Herr KO die Kernaussage dieses Beitrages leider nicht wahr, dass es nun endlich einmal Zeit wäre, sich nicht mehr mit im Grunde gleichgesinnten über Knöpfchen und Stöckchen zu streiten, sondern nun selbst gegen das aktiv vorzugehen, dessen sich die 99% unterordnen. Meine Hilfe zum Thema für eine Veränderung wäre, noch deutlicher darauf hinzuweisen, dass nur die Aktion und nicht die Erkenntnis allein eine Veränderung bewirkt. Um noch klarer zu werden: Verändere. Jetzt. Und zwar sofort. Und suche lächelnd den Schulterschluss mit Deinen Mitmenschen, die keine Kriege, kein Wachstum und keinen Konkurrenzkampf mehr wollen. Das Hauptproblem der 99%-er ist, dass sie als eigentlich obrigkeitsmüde Zeitgenossen, auf einen neuen Führer warten, doch selbst nicht erkennen, dass sie für sich selbst erst einmal Führer werden müssen. (Anm.: Darum endet es auch immer wieder in solche sinnlosen Kriege, denn gelebte und geglaubte Hierarchien bringen in der Natur der Sache Kriege, im kleinen aber auch großen, mit sich.)

    • BGE, das ist doch Grundeinkommen für alle, oder?
      Gut, wie war das bisher? Die IG Metall oder sonst eine Truppe hat einen Lohnabschluss von 3, 4, 5% ausgehandelt.
      Was hat das auf der Seite der Produzenten und Händler ausgelöst?

      Hm, die haben x % mehr Kohle in der Tasche, also nix wie Preise erhöhen.

      Was passiert nun mit den Presien, wenn das BGE kommt und klar kalkulierbar ist, wieviel Plus an Knete da ist um ausgegeben zu werden?

      Ich denke, dass über kurz oder noch kürzer nur das Preisniveau sich an die neuen Ausgabenmöglichkeiten anpassen würde.

    • Das BGE ist auch meiner Meinung ein Neoliberales Produkt.
      siehe: Das Grundeinkommen ist kein „No-Brainer“ auf den NDS.
      Wenn es kommt, werden sich so manche Befürworter umschauen.

    • Vermutlich würde es mit Sicherheit zusammen mit einem Paket ganz anderer Maßnahmen verabschiedet werden, welche dann eh alles konterkarrieren würden. So in der Richtung, dass das Geld auch ausgegeben werden muss oder eine ähnliche Bevormundung. Aer davon gnaz abgesehen, würden zuerst mal die Preise anziehen.
      Also da habe ich einen skeptischen Reflex.
      Das ist wie mit dem Zins, den man abschaffen möchte.
      Dann muss ich halt für Kredit nicht mehr Geld, sondern mehr Waren abliefern. Also wenn sich was verstecken lässt, dann Kosten für Kredit.

    • Wenn ich die meisten bisherigen Kommentare so lese, sehe ich, dass sie noch nicht lange genug darüber nachgedacht haben, denn ein BGE würde auch so manchen, dreckige Jobs ausführen müssenden, eher dazu bewegen, diese keine Mistjobs mehr zu machen. 90% der materiellen Werte schaffen sowie schon die Maschinen; Tendenz steigend. Woran es in diesem System klemmt, ist lediglich die Verwaltung. Sie braucht talentierte und fähige Leuten, und nicht wie aktuell die geldgeilen Assis.

      Aber nee, die armen 99 Prozent denken immer noch in Kategorien der Mittel (Geld) was ihn zu diesen 99 Prozent macht. Will sagen, zu einem Grundeinkommen gehört auch eine Ablösung vom Denkmuster alter Strukturen!!!
      Wacht auf Leute!

  7. Lieber Herr Bröckers,
    verallgemeinernde Urteile, die ungezählte Individuen über einen Kamm scheren, veranlassen mich zum Rat, nicht alles zu glauben, was einem auf ersten Blick plausibel erscheint.
    Sie schreiben, „Dutschke war einer der letzten, der das Wort „Klassenkampf“ nicht nur in den Mund nahm, sondern es auch ernst damit meinte…“ Das hat etwas pauschlasierendes an sich, das vor vielen Biographien von MitträgerInnen der damaligen Jugend-/Studenten-/Lehrlingsbewegung nicht Stand hält. Beispiel: ca. 30 Jahre später schrieb das damalige SDS-Bundesvorstandsmitglied aus der Zeit Rudi Dutschkes Herbert Lederer: „Revolutionäre Studenten werden heute unter stark veränderten Bedingungen neue Zugänge suchen und finden müssen. Ausnahmsweise sollten sie dabei Hermann L. Gremlizas Rat nicht folgen, 1968 zu vergessen. Denn das hieße, wichtige Erfahrungen im Kampf der Klassen zu ignorieren, und zwar nicht nur solche, die vom Scheitern und seinen Ursachen handeln.“ [http://www.infopartisan.net/archive/bok/boktext2.html] Mein Freund Herbert ist nicht der einzige von uns, die in den Jahren 1968 folgende politische Erfahrung mit antikommunistischer Hetze und Verfolgung erlebt haben, viele haben Berufsverbot bekommen und blieben aufrecht. Sie haben viel auf sich genommen für den aufrechten Gang. Ich empfehle: Wir sollten ihnen gerecht werden vorsichtiger formulieren und beraten.
    +++ Horst Kietzmann, natürlich sitzt der Feind der DemokratInnen im Nationalsozialismus , der die Arbeiter- und alternative Bewegung durch ungezählte Morde vieler teils führender Kräfte nachhaltig dezimiert hatte. Also befindet sich ein wesentlicher Gegner einer Emanzipation der unteren 99% auf Seiten der Rechten. Ich habe dazu einmal ein Gedicht geschrieben, angeregt durch den großen Lyriker Erich Fried: https://kenfm.de/vielleicht-und-radikal/

  8. Bröckers hat vollkommen recht.
    Der Feind sitzt weder Links noch Rechts, weder im Sozialismus noch im nationalen Sozialismus. Der Feind sitzt oben, ganz weit oben, bei den Milliardären, die Einfluss auf die Medien und die Gesetzgebung können. Welche die Völker mittels Propaganda auseinander dividieren können. Es sind nicht 1%, die wesentlichen Einfluss auf unser aller Leben nehmen, es sind höchstens 0,0001%, die uns führen und (auch mit Steuern) steuern. Also jeder millionste, Jeder dieser ca. 700 Menschen hat sicher mehr Einfluss, als alle „demokratischen“ Parlamente zusammen.
    Und wir sind so doof und halten an unseren Feindbildern, welche uns die 700 auf dem Tablett servieren, fest. Islam, Putin, AfD, Assad, Verschwörungstheoretiker usw. Nur nicht die Superreichen, für die gibt es nicht mal einen Begriff, auf den sich die 99,999 % einigen könnten.
    Wann wird man je verstehen….

    • Genau, wenn wir (hier unten) sie nicht zu uns holen, z.B. indem wir auf den Bedingten Tausch (Geld) zur Gänze verzichten, wird sich NICHTS ändern…

      Mir schwebt vor: JEDER macht genau das, was er will, zu jedem Zeitpunkt, ohne Bedingung; die Gesamtheit der Menschen wird sich prächtig (unübertrefflich, …) ergänzen!

      Liebe für alle…

    • „Mir schwebt vor: JEDER macht genau das, was er will, zu jedem Zeitpunkt, ohne Bedingung“

      Ich würde es durch den kantschen Imperativ beschränken:

      Ein jeder handle bzw. verhalte sich so, daß er wollen kann, daß alle anderen ebenso handeln bzw. sich so verhalten.

  9. Das Zitat von Buffet ist sehr gut, es fehlte nur noch:..wir haben diesen Kampf begonnen…“ wenn ich mich richtig an das Zitat durch Herrn Schramm erinnere.
    Das große Problem in der BRD ist, dass die heutige Jugend größtenteils durch den „liberalen“ Geist von klein auf indoktriniert wurde. Es gibt keine Klasse mehr, nur noch Individuen, jeder ist seines Glückes Schmied, wer im System nichts wird ist selbst schuld oder faul oder dumm. Der Begriff Liberalität würde komplett umgedeutet.
    Ein Großteil der letzten Generationen wurde sediert. Es ist das selbe Prinzip wie der Frosch im Kochtopf, wenn man das Wasser langsam erhitzt, merkt er die Konsequenzen erst wenn es zu spät ist.

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