Tagesdosis 9.11.2017 – Gefangen im System

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Die gestrige Tagesdosis von Rüdiger Lenz hat interessierte und aufgeschlossene Leser regelrecht eingefangen. In wuchtigen Absätzen wurde einem Betrachter, oder Zuhörer nachhaltig vermittelt, wie tief der individuelle Bürger inzwischen Bestandteil, verwurzelter Partizipant der aktuellen Gesellschaftsvariante ist[1]. Ein Gefangener im System.

Jeder Bürger ist am Ende für sich selbst verantwortlich. Jeder Mensch sollte für sich den Entschluss fassen, inwieweit er sich einfangen lässt. Sich einfangen lassen will? Der gesellschaftliche Widerspruch zwischen einer bedingten Notwendigkeit und der unreflektierten Hingabe, bishin zur völligen Loyalität gegenüber den eigenen Wärtern, den Influencern, den Kräften und Institutionen im Hintergrund, wird diese Gesellschaft nachhaltig spalten und atmosphärisch die kommenden Jahrzehnte prägen.

Die digitale Manipulation der Menschheit schreitet ungehindert voran. In einem sehr aufschlussreichen Interview- mal wieder in der Jungen Welt- wird an einen Wahlslogan der FDP aus diesem Jahr erinnert. Wir vergessen und verdrängen ja schnell: „Digital first. Bedenken second“. In Klarschrift bedeutet dieses Marketinglüftchen schlicht – Smartphone, oder Tablet anschalten. Hirn abschalten. Der Rest wird übernommen.

Zitieren möchten ich aus dem Artikel folgende Begriffe[2]. Deutschland im Jahre 2017 bedeutet: Digitalpakt#D. Digitalgipfel. Digitalfieber. Digitalagenda. Der Leser erfährt: Eine PISA-Sonderauswertung der OECD-Studie »Students, Computers and Learning« ergab, dass in den vergangenen zehn Jahren Investitionen in die IT-Ausstattung der Schulen keine nennenswerten Verbesserungen der Schülerleistungen in Lesekompetenz, Mathematik oder Naturwissenschaften erbrachten.

Beim Spiegel, aus dem Hause Gruner & Jahr, klingt die Aufklärung seiner Leser im Auftrag der IT-Lobby natürlich entsprechend dann so: Warum Estlands Schüler den deutschen weit voraus sind. Was für deutsche Lehrer die Kreide ist, ist für ihre estnischen Kollegen das Tablet. Das kleine baltische Land hat uns in Sachen Bildung längst abgehängt. Ein Besuch im digitalen Klassenzimmer[3].

Im JW-Artikel werden die eigentlichen Absichten klar und verständlich formuliert: Wer mit der Digitalisierung von Schulen und Unterricht Geld verdienen will – Hard- und Softwareanbieter, IT-Dienstleister, App-Entwickler, Medienpädagogen oder Lehrmittelanbieter –, plädiert für den möglichst frühen Einsatz von Digitaltechnik in der Schule oder sogar schon in der Kita.

Es geht um Profite. Gewinne maximieren und gleichzeitig über geschickte Manipulation Gutes und Lebenswertes suggerieren. Dabei gleichzeitig den Endverbraucher an sich binden und über vermeintliche Lebenshilfen – und erleichterungen in anstrengenden Zeiten jegliche Individualität und Flexibilität nehmen und stehlen. Regelrecht an sich reißen.

Diese Täter gehören ins Gefängnis für ethische und moralische Verwerfungen, aber dieses ist skurriler Weise schon überfüllt. Von den Gefangenen ihres geschaffenen Systems. Eine perfide Strategie, die leider von den sog. Massen nicht erkannt werden will. Eine Gefängnisrevolte scheint nicht geplant.

In früheren Zeiten galten zwei Schritte vor, einer zurück als charakterliche Schwäche. Etwaig möge man sich dieser Möglichkeit erinnern, um erneut mit etwas Abstand, einen Blick auf diese und kommende Gesellschaftsmodelle zu werfen, um sich lebenswerterer Varianten zu entsinnen und sie zu erkämpfen.

Protest ist, wenn ich sage, das und das paßt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß das, was mir nicht paßt, nicht länger geschieht. Protest ist, wenn ich sage, ich mache nicht mehr mit. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß alle andern auch nicht mehr mitmachen[4].

Quellen

[1] – https://kenfm.de/tagesdosis-8-11-2017-tiefer-staat-tiefes-selbst-tiefe-einblicke/

[2] – https://www.jungewelt.de/artikel/321189.weltweit-gr%C3%B6%C3%9Ftes-experiment-am-lebenden-objekt.html?sstr=das%7Cweltweit%7Cgr%C3%B6%C3%9Fte%7Cexperiment

[3] – http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/estland-digitalisierung-an-schulen-zu-besuch-im-digitalen-klassenzimmer-a-1176271.html?#ref=recom-outbrain

[4] – https://beruhmte-zitate.de/autoren/ulrike-meinhof/

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20 Kommentare zu: “Tagesdosis 9.11.2017 – Gefangen im System

  1. Ein System ist halt bequem.
    Keine Verantwortung für niemanden.
    Der Bürokrat heute in der Hypermodernen Technokrat, kann sich hinter seinen Regeln verschanzen.
    Perfekt für den modernen soziopathischen Menschen.

    Die Schuldzuweisung des Selbst wird heute Verantwortung genannt. Es geht nicht wirklich um verantwortliches Handeln, es geht um Schuld und Unschuld. Der ewige Kampf von Gut und Böse. Der moralischere Moralist gewinnt und bestimmt, wer Schuld hat und wer Ablaß zu erwarten hat.

    Wer sich dem System ergibt, ist unschuldig.
    Wer sich dem System widersetzt, ist schuldig.

    Das ist der simple Algorithmus, nicht nur der digitalen Propheten. Das digitale Zeitalter ist nur die Zuspitzung der systemischen Philosophen, die doch eher Berufsschwätzer waren.

    Unabhängig davon, ist die Vernetzung durch Verteufelung der Technik ebenfalls ein Irrweg, denn wie die Schrift und der Buchdruck, beschleunigt die Technik lediglich die Sichtbarkeit der Geschehnisse.

    Die Krise des (Nicht)Denkens spitzt sich immer weiter zu.

    Endlösung oder Entlösung, das ist hier die Frage.

    • Solang ein Mensch etwas in einem größeren Umfang mit individueller Perspektive beschreiben kann, besteht immer die Chance für diesen Menschen sich gänzlich dem Gefühl der Gemeinschaft entziehen zu können. Und dies oftmals so geschickt, dass es nicht immer auf den ersten Blick auffällt.

    • Natürlich, wobei eine ethnische Volksgemeinschaft, gestiftet durch behauptete und eigenschaftsreduzierende Indentitäten, für mich keine wirkliche Gemeinschaft ist.

      Ich würde mich dieser nicht zugehörig fühlen, da sie Menschen ausgrenzt.

      Als Beispiel würde ich immer fragen, was denn bspw. ‚deutsch sein‘ überhaupt ist, wie ich denn deutsch fühlen könnte. Wobei Deutsch hier nur für eine beliebige übernatürliche Persönlichkeit steht, die Menschen illusorisch erschaffen. Ob dies eine Partei, Verein, Nation, Staat, Religion was auch immer sei.

    • Vielleicht ist es so besser verständlich, eine Gruppe ist etwas anderes als eine Gemeinschaft, auch wenn erstere als solche bezeichnet wird, ist sie nur eine gemeinschaftlich Gruppe mit Partikularinteressen:

      Wir Arbeiter, wir Unternehmer, wir Kommunisten, wir Sozialliberale, wir Deutsche, wir Juden, wir Buddhisten, wir Münchner, wir Weiße, wir Schwarze, wir Europäer, wir Männer, wir Frauen, wir was weiß ich für Gender-bla., wir Borussen, wir Gruppe xy, usw. usw.

  2. Was tu ich jetzt mit der äußerst feinsinnigen Unterscheidung zwischen Protest und Widerstand?

    Hat mir diese Erkenntnis wirklich gefehlt?

    Immerhin können wir uns jetzt hübsch in Protestler und Widerständler aufteilen, aber wozu soll das gut sein?

    • Es kann sein, dass Ihnen die Unterscheidung sinniger vorkommen wird, wenn Sie noch den oberen Absatz dazu zählen:
      In früheren Zeiten galten zwei Schritte vor, einer zurück als charakterliche Schwäche. Etwaig möge man sich dieser Möglichkeit erinnern, um erneut mit etwas Abstand, einen Blick auf diese und kommende Gesellschaftsmodelle zu werfen, um sich lebenswerterer Varianten zu entsinnen und sie zu erkämpfen.

      Um zwischen diesem Abschnitt und dem folgenden Abschnittzitat besser verstehen zu können, ein Zwischenzitat von Prof. Mausfeld:

      Wir neigen nämlich dazu, interpersonale Kategorien der Konfliktlösung wie Dialog und Verständigung auch auf gesellschaftliche Antagonismen , also auf asymmetrische Machtverhältnisse zu übertragen.

      Das ist ein sehr schwieriger Punkt. Man kann es sich aber ganz einfach klar machen. Man kann es sich aber ganz einfach klar machen, durch einen Blick auf die Geschichte: Soziale Errungenschaften wurden den Mächtigen stets abgetrotzt, in sozialen Kämpfen.

      Sie können die gesamte Geschichte zurückgehen. Soziale Errungenschaften wurden immer in sozialen Kämpfen den Mächtigen abgetrotzt und nicht etwa in einem empathischen Dialog errungen.

      Protest ist, wenn ich sage, das und das paßt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß das, was mir nicht paßt, nicht länger geschieht. Protest ist, wenn ich sage, ich mache nicht mehr mit. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß alle andern auch nicht mehr mitmachen

      Was nun evtl. dadurch verständlich werden könnte:

      Die Menschheit hat Veränderungen größerer Art in größeren Gemeinschaften errungen. Es ging nicht darum, die individuelle Persönlichkeit in allen Formen zu betonen, sondern es ging darum, gemeinsam für bessere und sozialere Standards zu kämpfen.

      In diesem Kontext kann es sinnvoll sein, sich selbst die Fragen nach Widerstand, Protest etc. zu stellen, um zu schauen: wo stehe ich politisch und von den Ambitionen her?

      Mache ich mit, oder halte ich mich zurück?

    • @ Timer
      „Sie können die gesamte Geschichte zurückgehen. Soziale Errungenschaften wurden immer in sozialen Kämpfen den Mächtigen abgetrotzt und nicht etwa in einem empathischen Dialog errungen. “

      „Die Menschheit hat Veränderungen größerer Art in größeren Gemeinschaften errungen.“

      Da stimmt etwas nicht, denn

      Wenn dies zuträfe, wie konnten Menschen dann im heutigen Zustand landen?
      Wie kann ein Mächtiger* überhaupt so mächtig werden, daß ihm etwas abgetrotzt werden muß?

      *Ich finde den Begriff Herrschaft zutreffender, denn ein Herrscher ist nicht mächtiger als andere Menschen. Es sind die Untertanen, die sich sich ohnmächtig fühlen.

    • „Die Menschheit hat Veränderungen größerer Art in größeren Gemeinschaften errungen.“

      Da stimmt etwas nicht, denn

      Wenn dies zuträfe, wie konnten Menschen dann im heutigen Zustand landen?
      Wie kann ein Mächtiger* überhaupt so mächtig werden, daß ihm etwas abgetrotzt werden muß?

      *Ich finde den Begriff Herrschaft zutreffender, denn ein Herrscher ist nicht mächtiger als andere Menschen. Es sind die Untertanen, die sich sich ohnmächtig fühlen.

      Das ist schön, dass Sie mich inhaltlich kritisieren.
      Fehleranalyse ist die Stärke vieler Deutschen.

      Welche Kritik fällt Ihnen beim Wort „Gemeinsinn“ oder „Gemeinschaft“ bei mir ein? Oder darf ich Sie darauf hinweisen, dass der Gemeinschaftsgedanke in Foren selten zur Geltung kommt und viele Menschen wie z.B. Sie lieber die inhaltlichen oder geschichtlichen Zusammenhänge stets stark kritisieren, anstelle zu überlegen, ob und wie sich Menschen auch innerhalb von Kommentaren miteinander verständigen können.

      Selbst wenn ich Ihre Kritik zwar als nachvollziehbar finde, so wie diese geäußert wurde, so finde ich den Grundtenor wieder, den ich so oft so viel schon gelesen habe, der da heissen mag:

      „Sie machen als Journalist oder Kommentator etwas falsch. Hier fehlt ihr Zusammenhang…“

      Das ist einfach die Kritik an der Sache, die Kritik an der Beschreibung.

      Aber das Gefühl der Gemeinschaft, wo ist das ?

      Das lese ich dabei nicht, das spüre ich dabei nicht.

      Wird die Welt dadurch fortschrittlicher, wenn Sie mich nur hinreichend oft inhaltlich kritisieren, Franz Maria Arwee?

      Wurde die Welt bisher besser, wenn die meisten Menschen schon in der Schule stets individuelle Noten bekamen und eine Gemeinschaftsarbeit auch fast ausnahmslos immer versucht wurde aufzuteilen und stets die individuellen Leistungen belohnt wurden?

      Kann es möglich sein, dass der Effekt der Schulzeit in Ausbildung und Studium evtl. bei einem Großteil der Menschen so stark geworden ist, dass der Gemeinschaftsgedanke komplett aus dem Bewusstsein verschwunden ist, bei einem Großteil der Menschen?…

    • Vorab: Kritik bedeutet Auseinandersetzung mit dem Thema, nicht mit dem Überbringer, dem Botschafter.

      Wenn die von mir angesprochenen Aussagen zutreffen würden, dann wäre dies heute ein andere Zustand. Da dieser, meinetwegen Gemeinschaftssinn, nicht feststellbar ist, kann die Analyse bei den beiden Sätzen auch nicht zutreffen.

      Ich prüfe lediglich die Voraussetzungen und ob die Folgen auch eingetroffen sind, ist dies nicht der Fall, dann ist dies mitzuteilen doch der sinnvolle Weg oder etwa nicht?
      Verständigung ist in der Tat kein einseitiger Kommentar, nicht rechthaberisch. Kritik kann auch wie ein zugeworfener Ball einfach aufgenommen werden und wird von anderen weitergedacht. Wo ist das Problem?

      Gemeinschaft oder zumindest der Sinn dieser, entsteht nicht aus dem Nichts, der wird von den beteiligten Menschen getragen. Werden wie in diesem Falle und im übrigen sehr sehr häufig, Aussagen auf die Person bezogen, dann ist dieser Geminschaftssinn auch nicht vorhanden.
      Die Fähigkeit dies zu Unterscheiden, Sache und Person, ist nach meiner Auffassung und Erfahrung verloren gegangen.

      Ich sehe auch nicht, daß dies allein ein ‚deutsches‘ Phänomen ist.

      Eine Welt ohne sachliche Kritik(=Auseinandersetzung) klingt sehr nach Safe-Spaces.

      Ich bin im übrigen nicht beleidigbar, also nur zu.

  3. Aha, Widerstand also. Und wie soll das aussehen als Otto-Normal-Systemsklave?

    Aus meiner Sicht macht – ernsthafter – Widerstand aus reinem Chance/Risiko-Kalkül heraus erst Sinn, wenn die eigene Existenz bedroht ist.

    Oder evtl. auch noch die Existenz von anderen Menschen in der eigenen Umgebung. (Und selbst dann sind es nur wenige „Helden“ wie die Geschwister Scholl, die das durchziehen.)

    Jetzt kann man mir natürlich Feigheit oder Zynismus vorwerfen. Aber dann sage man mir wenigstens, was man selbst konkret an relevantem „Widerstand“ leistet.

    • Aus meiner Sicht macht – ernsthafter – Widerstand aus reinem Chance/Risiko-Kalkül heraus erst Sinn, wenn die eigene Existenz bedroht ist.

      Ich lade Sie ein, sich den Themen der Süddeutschen zu widmen, evtl. kommt dann ein erahnen persönlichen Bedrohungsszenarios hoch; es heisst dort:

      Unsere Themen 2017

      Der Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung steht in diesem Jahr unter dem Motto „Die neue Weltordnung.“

      Diese neue Weltordnung betrifft die Politik: Was kommt nach Brexit, nach Trump noch alles? Wie gefährlich ist der aufkommende Populismus für Wachstum und Wohlstand? Die neue Weltordnung betrifft das Digitale: Welche technologischen Revolutionen kommen nach der Industrie 4.0? Wie mächtig wird die Künstliche Intelligenz? Welche Möglichkeiten bieten Virtual Reality und 3D-Druck? Und wer sind die digitalen Supermächte von morgen, die diese Technologien hervorbringen werden?

      Diese neue Weltordnung betrifft mithin die Wirtschaft insgesamt: Wird all das, was in den letzten Jahren durch niedrige Zölle entstanden ist: globale Lieferketten, die Digitalisierung und die Innovation über Grenzen hinweg, wieder zurückgedreht? Werden andere Mächte – China oder Indien – die westlichen Staaten verdrängen? Scheitert gar Europa?

      Wir wollen mit Ihnen und 60 hochkarätigen Referenten darüber diskutieren, wie Unternehmen in diesem schwierigen Umfeld weiterhin erfolgreich und innovativ sein können: Welche Strategien braucht es, welche Geschäftsmodelle, welche Innovationen, welche Rahmenbedingungen?

      Wir wollen darüber diskutieren, ob die Globalisierung und ihre derzeit wichtigste Ausprägung, die Digitalisierung, in Gefahr sind – und was das vor allem für die deutschen Unternehmen bedeutet.
      Wir wollen mit Ihnen auch darüber reden, was Führungskräfte in dieser Zeit des Umbruchs brauchen: Empathie? Resilienz? Ein anderes Denken?

      Und natürlich werden wir, wenige Woche nach der Bundestagswahl, der Frage nachgehen: Welche Reformen wird die neue Bundesregierung angehen? Und welche sollte sie aus Sicht der Wirtschaft – also auch aus Ihrer Sicht – angehen?

      Dazu haben wir derzeit unter anderem folgende Diskussionsrunden, Kreuzverhöre und Streitgespräche geplant:*

      Populismus und Protektionismus – scheitert die Globalisierung?
      Die neue Weltordnung: Cyberkriege und Cybersecurity
      Die Wirtschaftsmacht USA – Freund oder Feind?
      SZ Global Connect: Wer sind die digitalen Supermächte von morgen?
      Start-up meets Grown-up: Die Zukunft des Fliegens
      Empathie im digitalen Zeitalter – Entscheiden mit Kopf, Herz oder Verstand?
      Die Zukunft der europäischen Autoindustrie
      Wie geht es weiter mit Europa?
      Die Zukunft des autonomen Fahrens
      Künstliche Intelligenz – was geht, was nicht?
      Mittelstand digital – wie Familienunternehmen und Gründer zusammenfinden
      Was tun gegen die Ungleichheit?
      Resilienz – wie bewahrt man als Manager die Ruhe?
      Wie geht es weiter mit Deutschland?
      Smart Cities – die Städte der Zukunft
      Ethik, Glaube, Strategie
      Digitalisierung – was sagt die Kirche?
      Anders führen – was können Manager von Führungskräften aus anderen Bereichen lernen?
      Start-up-Pitch: Gipfelstürmer 2017
      China kauft Deutschland – was bedeutet das?
      Die Fabrik der Zukunft
      Die Welt 2018 – was kommt?

      Wie in den vergangenen Jahren erwarten wir wieder mehr als 60 hochkarätige Referenten aus Wirtschaft und Politik. Auch in diesem Jahr werden wir das Programm des SZ-Wirtschaftsgipfels frühzeitig planen – und es doch bis zum Schluss den aktuellen Entwicklungen anpassen.

      Na? Schon etwas Bedrohung gespürt?

      Christian Lindner von der FDP ist zwar nicht mehr als Referent gelistet, aber ich hoffe doch, dass er noch am 16 – 18 .11 Zeit finden wird, wenn die Jamaica-Koalition so langsam in Rumbarhytmenstimmung kommt.

      Ich freue mich z.B. sehr auf Herrn Stieler, CEO von Krauss Maffei.
      Sollte es zum Thema Rüstung interessante Beiträge auf der Konferenz geben, bin ich sicher, dass auf Herrn Stieler Verlass ist und er die Infos sicher ans Rüstungstochterunternehmen Krauss Maffei-Wegmann weitergeben wird.

      Insofern ist das Thema Rüstungsindustrie schonmal gut vorbereitet.

      Auch freue ich mich sehr auf Herrn Günther Öttinger, EU-Kommissar für Haushalt und Personal
      Europäische Kommission.

      Dort gibt es sicher interssante Neuigkeiten zum Thema Aktion 23, die auf Hochtouren derzeit läuft:

      http://www.derfreiejournalist.de/?e=418

      kleiner Klappenzitattext: Lebensmittel oder Füllmittel ohne Nährstoffe, krankmachende Gifte in Lebensmitteln, Reduzierung bzw. Verhinderung von natürlichen Gesundheitswirkstoffen und wichtigen Inhaltsstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln – und wie davon zukünftig Lebensmittelkonzerne und Pharmaindustrie davon profitieren. Diese Sendung muß man UNBEDINGT gesehen haben, wenn man verstehen will, wie die EU völlig undemokratisch durch die Hintertür Gesetze durchsetzt, die den Menschen schaden… – Danke an Michael und Boris vom Kulturstudio sowie dem mit großem Hintergrundwissen ausgestatteten Insider und Analysten Rolf, die mit der Erläuterung des untenstehenden, bedeutsamen PDF-Dokuments hervorragende Arbeit geleistet haben:

      Und natürlich darf bei dem Thema „Neue Weltordnung“ auch nicht der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes fehlen: Reiner Hoffmann.

      Diese und viele andere Hochkaräter erwarten den geneigten NWO-Planerstab und Verschwörungstheoriker am 16-18. November.

      Unbedingt anschauen – es lohnt sich.

    • Timer,

      interessieren Sie sich wirklich für diesen Quatsch in der SZ? Wie auch immer: Natürlich sind wir bedroht, aber noch nicht unmittelbar genug. Ich bin recht optimistisch, morgen genug zu essen bekommen, das Ganze auch noch in einer geheizten Wohnung, mit fließendem Wasser und Strom, sogar genug, um sich hier im Forum auszutoben… Außerdem bin ich ja sogar schon einer von den bewussteren Mitmenschen.

    • Timer,

      interessieren Sie sich wirklich für diesen Quatsch in der SZ?
      Benjamin, glauben Sie wirklich Ihre eigenen Sätze, die da lauten:
      Aus meiner Sicht macht – ernsthafter – Widerstand aus reinem Chance/Risiko-Kalkül heraus erst Sinn, wenn die eigene Existenz bedroht ist.

      Reicht Ihnen das Beispiel noch nicht, um wacher zu werden und über Widerstand nachzudenken? Was brauchen Sie noch?

      Wie auch immer: Natürlich sind wir bedroht, aber noch nicht unmittelbar genug.
      Ok. Ihnen persönlich ist es noch nicht genug. Sie brauchen den persönlichen, unmittelbaren Bezug. Das persönlich erfahrene Leid. Vorher werden Sie nicht über Vernetzung, Organisation und Gemeinschaft nachdenken.
      Ich verstehe.

      Das die Süddeutsche als medialer Ausspielkanal mit Wörtern wie „neuer Weltordnung“ spielt, welche vorher oft genug von den zensurfreundlichen Unternehmen in Deutschland als Verschwörungstheorie, Spinnerei betitelt worden sind und Verunglimpfung bei Menschen stattfand, die es wagten, sich zu äußern, wundert sie vermutlich nicht, Benjamin…

      Ich bin recht optimistisch, morgen genug zu essen bekommen, das Ganze auch noch in einer geheizten Wohnung, mit fließendem Wasser und Strom, sogar genug, um sich hier im Forum auszutoben…
      Wenn das ihr Anspruch ist, dann repräsentieren sie den Teil der Bevölkerung, der glaubt, Widerstand ist erst angebracht, wenn an der Tür geklopft wird.

      Widerstand im Geiste scheint also aus „austoben“ zu bestehen…

      Martin Niemöller bringt es gut auf den Punkt, zum Thema Gemeinschaft:

      Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

      Machen Sie ruhig so weiter und viele andere Menschen auch.

      Kritisieren Sie die Tagesdosisjournalisten, kritisieren Sie sich gegenseitig in den Kommentaren…nur bitte: kommen Sie nie auf den Gedanken darüber nachzudenken, ob es so etwas wie gemeinschaftliche Rechte oder Werte gibt; wenn Sie noch genug zu essen haben…

      Danke!

    • Timer,

      um zu meiner Ausgangsfrage zurückzukommen, die Sie nicht beantwortet haben:

      Jetzt kann man mir natürlich Feigheit oder Zynismus vorwerfen. Aber dann sage man mir wenigstens, was man selbst konkret an relevantem „Widerstand“ leistet.

      -> Was machen Sie denn?

      -> Und versuchen Sie ernsthaft mehr Menschen dafür zu gewinnen, in dem Sie ihnen moralische Vorhaltungen machen? Klappt bestimmt toll!

  4. Wuchtige Absätze-richtige Bezeichnung und lustig bezeichnet.

    Ich sag’s mal mit der Maus. Jetzt nicht die vom WDR, sondern die aus dem Versuchskäfig heraus. „Was habe ich kleiner Gefangener für eine Wahl? Keine. Aber als guter Gefangener habe ich eine Pflicht, die Pflicht zur Flucht. Also weiter genagt am Stahlkäfig, denn ich habe gehört, dahinter ist die grüne Wiese mit wohlriechenden Blumen. Auweia, da kommt der Doktor, der wieder möchte, dass ich digitale Pupse mache, also fix mal doll gedrückt wie die anderen um mich herum. Danach wird aber weiter genagt….“

    Wer wäre ich wenn ich mich nicht selbst erkannt habe und hätte ich einen Lösungsansatz würde er hier stehen.
    Wo sonst?

  5. Die Digitalisierung.
    Wenn unsere Kinder in Deutschland noch mit 5 Kilo schweren Schulranzen in die Schule gehen, haben die Kinder in Lettland ein Tablet in der Schule und können lesen was sie wollen, oder gerade brauchen. Was auf dem Tablet gemacht werden kann, bestimmt immer noch der Lehrer.
    Wer kann dagegen wohl etwas haben.
    Natürlich die Papierindustrie und die Buchverlage.

    • Schon mal die Frage selbst gestellt, warum die Schulranzen noch geschleppt werden? Was war das für eine abgehobene Ignorantenkaste-die Lehrerschaft- damals, als ich das versuchte abzustellen. Das ist sie bis heute, oder einfach mal als Gleichnis dargestellt: Claudia Roth als Lehrerin und Cem als Referent in einer Klasse. Dazu läuft Little Britain. Wo ist der Unterschied?
      Unde nebenbei, was aus dem Tablet gemacht wird bestimmt ein Heiko-nicht ich oder sonstwer.

  6. W. Goethe: „Die Welt ist ein Gefängnis.“
    K. Kraus: „Die Welt ist ein Gefängnis, in dem Einzelhaft vorzuziehen ist.“
    K. Kraus: „Aus Lebensüberdruß zum Denken greifen: ein Selbstmord, durch den man sich das Leben gibt.“

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