Tagesdosis 9.12.2019 – Der Impeachment-Betrug

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

Seit Wochen dominiert kein anderes Thema die Mainstream-Medien so sehr wie das von den Demokraten angestrebte Amtsenthebungsverfahren gegen den republikanischen US-Präsidenten Trump.

Die Anhörung von Belastungszeugen wird auf fast allen TV-Kanälen und auf zahlreichen Webseiten im Netz live übertragen und auch die Vertreter der Gegenseite erhalten reichlich Gelegenheit, ihre Argumente vorzubringen. 

Das Ganze wirkt wie eine professionell produzierte Netflix-Serie und soll den Zuschauer offensichtlich glauben lassen, dass sich hier aufrichtige Menschen nach Kräften bemühen, ihre in Gefahr geratene Demokratie zu schützen.

Tatsächlich aber offenbart das Verfahren in immer offenerer Weise einen Abgrund aus Korruption, Begünstigung und Vetternwirtschaft – und zwar auf beiden Seiten.

Angeklagt ist mit Donald Trump ein Präsident, der sich als Opfer einer Verschwörung inszeniert und sich dazu als Gegner der Eliten ausgibt, obwohl er mit seiner Steuer- und Einkommenspolitik dafür gesorgt hat, dass das Vermögen der Ultrareichen in seiner Amtszeit stärker zugenommen hat als je zuvor.

Als Kläger treten die Demokraten auf, die eine aggressivere Politik gegenüber Russland fordern und die ständig davon abzulenken versuchen, dass ihr ehemaliger Vizepräsident Joe Biden sein Amt missbraucht hat, um seinem Sohn einen hochbezahlten Job in der Ukraine zu verschaffen.

Wieso aber lassen sich die zwei großen US-Parteien auf ein öffentliches Verfahren ein, in dem so viel Dreck aufgewirbelt wird, dass es beiden im Grunde nur schaden kann? 

Sehr wahrscheinlich deswegen, weil sich Republikaner und Demokraten bei aller politischen Gegnerschaft in einem Punkt einig sind: Ihrer bedingungslosen Unterwerfung unter die Interessen der Großbanken und der Hedgefonds der Wall Street. Die nämlich stecken in extremen Schwierigkeiten und brauchen dringend die Schützenhilfe der Politik, um die Öffentlichkeit von ihren Machenschaften hinter den Kulissen abzulenken. 

Hier der Hintergrund: 

Die US-Zentralbank Federal Reserve hat in diesem Jahr ihren Versuch aufgegeben, die Zinsen anzuheben und weniger Geld ins System zu pumpen. Stattdessen hat sie die Zinsen zweimal gesenkt und mehr als 3 Billionen US-Dollar eingesetzt, um das vom Einsturz bedrohte System am Leben zu erhalten.  

Konkreter Anlass für die Geldspritzen waren Turbulenzen am sogenannten Repo-Markt, an dem sich die US-Großbanken und Hedgefonds mit frischem Geld versorgen. Obwohl die FED umgehend bekannt gab, es handle sich nur um ein vorübergehendes Problem, ist dieses bis heute nicht gelöst, im Gegenteil: Inzwischen sind fast drei Monate vergangen, in denen die FED Tag für Tag mit frisch erzeugtem Geld eingreifen musste.

Da die Verantwortlichen nicht bereit sind, der Öffentlichkeit zu enthüllen, an wen sie das Geld vergeben, machen in Finanzkreisen alle möglichen Spekulationen die Runde. Dabei scheinen zwei Hypothesen die wahrscheinlichsten: Entweder ist einer der Giganten am Geldmarkt – gesprochen wird von J. P. Morgan, der HSBC oder der Deutschen Bank – in so großen Schwierigkeiten, dass er mit massiven Zahlungen gestützt werden muss, oder es hat einen oder mehrere Hedgefonds bei Spekulationen im Derivatebereich erwischt.

Egal, welche der Varianten zutrifft oder ob es möglicherweise einen anderen Grund gibt – das globale Finanzsystem hängt ganz offensichtlich einmal mehr am seidenen Faden und Finanzinstitute, die als „too big to fail“ gelten, werden schon wieder durch Unsummen, die ihnen von der US-Zentralbank zur Verfügung gestellt werden, gerettet – und das in einer Zeit, in der die soziale Ungleichheit in den USA explodiert, die Infrastruktur zerfällt und die Regierung in Washington an einem Plan arbeitet, der drei Millionen US-Bürger vom Bezug von Essensmarken ausschließen soll. 

Was könnte der Wall Street in so einer Situation besser helfen als ein pompös inszeniertes Amtsenthebungsverfahren, das die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit so sehr absorbiert, dass sich kaum noch jemand mit der Selbstbedienungsmentalität von Spekulanten, den Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft und der sich anbahnenden nächsten Welle im globalen Finanztsunami beschäftigt…?

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildhinweis: Michael Candelori / Shutterstock

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8 Kommentare zu: “Tagesdosis 9.12.2019 – Der Impeachment-Betrug

  1. Mich wundert nur das bei all der Berichterstattung niemals der Name Biden und dessen Erpressung von Poroschenko zur Sprache kommt.Es ist eine Leistung von Gedächtnisverlust das man diese Erpressung eines damals aktiven US Vizepräsidenten einfach nicht sehen will und damit Realitätsverweigerung betreibt was Fake News gleich kommt.

  2. Zur Steuerpolitik der Trumpseite muss man einfach sagen, dass diese in keinster Weise eine Überraschung war.
    So wie es aussieht, soll es Richtung Inflation gehen. Von der Abschaffung oder Überwindung des Kapitalismus war beim Trumpteam nie die Rede.

    Jedoch von Arbeitsplätzen für die US-Amerikaner. Und wer einen Arbeitsplatz hat, sollte eigentlich nicht auf Lebensmittelmarken angewiesen sein? Nebenbei bemerkt ist in den USA Land erschwinglich und eine Selbstversorgung mit Lebensmitteln sehr gut möglich. Die Frage ist mehr: Was haben die Kranken und Alten? Warum gibt es so viele Leute, die keine Familie haben und im Land der Kapitalisten kein Kapital?

  3. In 2018 war zu lesen:
    Der Ex-Anwalt von Trump, Cohen, rückt selbigen in die Nähe kriminelle Verfehlungen.
    Seine Gegner denken an Amtsenthebung, aber sprechen noch nicht darüber.

    Der US-Medienunternehmer David Pecker hatte eingeräumt, Donald Trump im Wahlkampf 2016 mit der Abwicklung einer Schweigegeldzahlung an eine angebliche frühere Sexpartnerin unterstützt zu haben.

    Die Giftschränke von Leuten wie David Pecker seien voll.

    Pecker sei Immunität garantiert worden, dafür habe er den Ermittlern gesteckt, dass Trump von Schweigegeldzahlungen Cohens an Frauen in der heißen Phase des Wahlkampfs 2016 gewusst hatte.

    Donald Trumps Ex-Anwalt musste jedenfalls vor einem Jahr für drei Jahre in Haft, weil er Schweigegeldzahlungen an angebliche Affären des US-Präsidenten koordinierte.

    Jedenfalls trauen wir zwar dem Herrn Trump nicht sonderlich über den Weg. Aber seinen Gegner trauen wir erst recht nicht. Daher hat Herr Wolff recht.

    Es geht bei der Amtsenthebung ganz einfach nur um Interessen. Es gibt zwar auch sehr viel Schmutz, aber der ist letztlich vorgeschoben.

  4. Wie Ernst Wolf hier die Situation in den USA mit der FED beschreibt, hervoragend, genau so läuft es auch in der EU mit der
    EZB und wo die Einen von einem Amtsenthebungsverfahren faseln, wurde mit Von der Leyen und Lagarde ein Insamthebungsverfahren soeben abgeschlossen. freundlichst

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