Tagesdosis 9.2.2019 – Venezuela: Es droht ein Stellvertreter-Krieg

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

Die Krise in Venezuela spitzt sich immer weiter zu. Armut, Hunger und Obdachlosigkeit nehmen rasant zu, Plünderungen und Überfälle gehören in den Großstädten zum Straßenbild. Drei Millionen Menschen, ein Zehntel der Bevölkerung, haben das Land bereits verlassen. Ein Großteil der übrigen 27 Millionen Einwohner muss bei einer Inflationsrate von über 1.000 Prozent ums nackte Überleben kämpfen.

Vor knapp drei Wochen hat sich Parlamentspräsident Juan Guaidó eigenmächtig zum Staatspräsidenten ernannt. Die USA, Kanada und die Europäische Union haben ihn umgehend als rechtmäßigen Nachfolger des erst im vergangenen Jahr erneut gewählten Präsidenten Maduro anerkannt.

Die Bank of England hat zusätzliches Öl ins Feuer gekippt, indem sie Caracas die Auslieferung der venezolanischen Goldreserven verweigert hat. Außerdem wurden die Konten der venezolanischen Regierung in den USA eingefroren und die seit Jahren gegen das Land bestehenden Sanktionen weiter verschärft.

Hintergrund und Motiv für die drastische Erhöhung des US-Druckes auf Venezuela ist eine Entscheidung, die Präsident Maduro im vergangenen Jahr getroffen hat und die in Washington als Todsünde gilt: Den Petro-Dollar als Zahlungsmittel für Öllieferungen zu verweigern.

Seit der US-Dollar Mitte der siebziger Jahre durch ein Abkommen zwischen den USA und Saudi-Arabien zum alleinigen Zahlungsmittel für die meistgehandelte Ware der Welt, das Öl, erklärt wurde, ist er als „Petro-Dollar“ neben dem US-Militär die wichtigste Stütze der US-Weltherrschaft.

In den vergangenen zwanzig Jahren haben mehrere Staatschefs versucht, dem Petro-Dollar den Kampf anzusagen – mit der Folge, dass sie umgebracht und ihre Länder auf Jahrzehnte hinaus destabilisiert wurden.

Genau dieses Schicksal droht Venezuela jetzt: Ein Regimewechsel wird keinesfalls, wie die Mainstream-Medien behaupten – zu „mehr Demokratie“ führen. Die arbeitende Bevölkerung Venezuelas ist zwar von Maduro, der ein Großteil der Reformen seines Vorgängers Hugo Chavez zurückgenommen hat, bitter enttäuscht. Dennoch ist sie nicht bereit, mit Guaidó eine Marionette der im gesamten Land verhassten USA als Staatspräsident zu akzeptieren.

Die Aussichten für Venezuelas arbeitende Bevölkerung sind also düster: So lange Maduro im Amt bleibt, wird sich die wirtschaftliche Situation des Landes auf Grund der internationalen Isolierung weiter verschlechtern. Mit Guaidó an der Spitze wird sie sich aber keinesfalls verbessern, denn er wird einer noch drastischeren Plünderung des Landes durch ausländische Konzerne und einer verschärften Austeritätspolitik umgehend grünes Licht erteilen.

Dass Maduro seit einiger Zeit versucht, sich mit chinesischer und russischer Hilfe über Wasser zu halten, verschlimmert die Situation nur noch: Da China und Russland den Petro-Dollar seit einigen Jahren ebenfalls boykottieren, indem sie untereinander und mit Drittländern immer mehr Ölverträge in Yuan und Rubel abschließen, sind auch sie längst ins Fadenkreuz der USA geraten. Weil es sich bei beiden aber im Gegensatz zu Libyen und Irak um Großmächte handelt, die nicht durch konventionelle militärische Eingriffe zu besiegen sind, wird der Konflikt mit ihnen nicht direkt, sondern in verschiedenen Regionen der Welt indirekt ausgetragen.

Venezuela könnte sich so neben dem Nahen Osten zum Schauplatz für einen weiteren Stellvertreterkrieg und damit zu einem zusätzlichen internationalen Pulverfass entwickeln.

Der militärisch-industrielle Komplex der USA würde einen solchen Krieg mit Sicherheit genauso begrüßen wie die US-Ölindustrie und eine Heerschar internationaler Großinvestoren. Für den US-Präsidenten käme er ebenfalls gelegen, denn er könnte die gigantischen Flüchtlingsströme, die ein solcher Krieg mit Sicherheit nach sich ziehen würde, nutzen, um mit Hilfe einer Verschärfung seiner Anti-Immigranten-Politik von der Nicht-Einhaltung seiner vielen Wahlversprechen abzulenken.

In Venezuela zeigt sich einmal mehr, dass der Versuch der USA, den Petro-Dollar zu stützen und damit die eigene Macht über das globale Finanzsystem aufrecht zu erhalten, nur noch mit den Mitteln der Zerstörung, der Destabilisierung und um den Preis der Inkaufnahme von unendlichem menschlichem Leid möglich ist.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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11 Kommentare zu: “Tagesdosis 9.2.2019 – Venezuela: Es droht ein Stellvertreter-Krieg

  1. Venezuela ist das Land mit den größten Erdölvorkommen. Insofern verstehe ich die Krise von Venezuela nicht wirklich.
    Es ist schon klar dass die USA und deren Verbrecher Vereinigung dort einen politischen Umsturz herbeiführen wollen. Aber kann Venezuela nicht Erdöl gegen Waren die es benötigt verkaufen. Oder müssen sich auch Russland, China und alle anderen Staaten auf die Sanktionen die von den USA festgelegt werden halten? Was gehen uns die USA und deren Sanktionen an. Und warum muss Venezuela soviel Geld drucken dass es eine so hohe Inflation hat ? Mir ist der Grund nicht bekannt ? Staatsschulden ? Da würde ich doch sofort mal das Gold in GB gegen rechnen und den Rest durch Öl ausgleichen, Venezuela müsste doch eigentlich eines der reichsten Länder sein. Irgendwie traue ich dem Maduro auch nicht über den Weg. Der scheint auch falsche Interessen zu vertreten. Auch die völlig grundlose Inhaftierung von Billy Six und die nicht sehr nette Behandlung von Assange sind Indizien das in Venezuela vieles im Argen liegt und aus Venezuela Geflüchtete sprechen auch davon das in Venezuela unter Maduro bereits über 16000 Menschen umgebracht wurden.

  2. Das Leben hat so an sich, das Vorhersehbare nicht eintreten zu lassen und sich vom Ungewollten gefangen zu nehmen. Genau das ereilte die untergegangenen Chasaren, als 965 Swajtoslaw I. – Grossfürst der Kiewer Rus, dem jüdisch unterminierten und geschäftigen Umtrieb in Südrussland und dem Kaukasus ein wehementes Ende setzte. Später dann versuchten die Urenkel der Aschkenasen und der Rothschild-Mafia in den USA das goldene Garn alter Verschwörungstheorien neu zu spinnen. Die echten mexikanischen Revolutionäre und romantischen Bandoleros – Emiliano Zapata und der Kentaur aus dem Norden – Pancho Villa, hatten bereits 1915 den Latifundistas gehörig den Marsch geblasen. B. Traven (Felix Marut) wird hier zum epochalen Epithaph-Verwalter. Doch auch in der noch jungen Sowjetunion waren die Revanchisten und 14 Entente-Vasallen bis zum Rigaer Frieden von 1921 am reaktionären Werk. Alte Nazis, verkommene Heilsdemokraten, verstaubter Adel und andere Krypto-Chauvinisten trafen sich dann wieder einmal 1954 als neue Bilderberger. Mit dem CFR und der späteren Trilaterale war dann der Deal perfekt in der geschassten Welt. Das Komitee der 300 unter britischer Führung wurde der neue Götterbote. Die USA, EU, Japan und andere mittelalterliche Fürstentümer am Persischen Golf geben sich nun selbst, den Freimaurern á la booze-up Queen und old Rockefeller alle Ehre. Frage – was hat denn die Geschichte mit dem Russland von heute zu tun? Warum ist denn immer Präsident Putin der ewige Punshing-Ball oder Chivo Expiatorio, der ständig sein Handeln erklären muss! In Venezuela hat man nun einen neuen Gegner ausgemacht – Nicolas Maduro, nachdem Hugo Chávez heimtückisch vergiftet wurde wie auch Arafat. Gut halt, dass Kim von Nordkorea die Bombe hat – wem es nun passt oder nicht! Dort ist erst einmal Ruhe im Schiff und die USA sind gebremst. Ay Carmela y joder macho – que palo de nunca acabar! Das ist alles Bullshit zur publikumsnahen ZDF, ARD, CNN, CBS, ABC, NBC, Fox-News, BBC, TVF, TVE, RAI-Verblödung für poor John Citizen and baffled old granny – Jane Doe! Zweite Frage – soll denn die Welt nur vom Westen erlöst, gegängelt und demokratisiert werden wie im: Irak, Jugoslawien, Afghanistan, Somalia, Syrien, Libyen oder gar Korea, Kongo und Vietnam – neben ganz Afrika und nun der Ukraine oder morgen vielleicht sogar noch Venezuela etc. Als die vertrocknete Margaret Thatcher einmal genüsslich in ihrem Schweine-Pool dümpelte – an der Seite des „Vorzeigedemokraten“ Pinochet, sagte sie bei selbstgebranntem und 60 % igem Moonshine: Sibirien ist einfach zu groß, um nur einem einzigen Land zu gehören. Also – der Gipfel der Frechheit und ein weiterer Griff in Churchils Klohschüssel und dessen eigene Holocaust-Verleugnung in Bengalen von 1942-1945 mit 10 Milionen Toten! Kinder und Betrunkene sagen nun mal die Wahrheit, und so plapperte diese alte Fregatte eben nur das aus, was alle EU-Vasallen, die USA, alle Bilderberger und andere akrobatische Börsianer in NYC, London, Frankfurt, Paris und Tokio von ganzem Herzen denken und sich erhoffen: Die Neuaufteilung der Welt im alten Kolonialmantel und auf Kosten von Russland! Venezuela ist da ein weiteres Etappenziel mal eben so nebenbei! Fazit aber – die Welt dreht sich nun mal nicht nur um die erpresserischen und verkommenen USA, die EU-Vasallen (Polen wedelt wieder einmal mit dem reudigen kurzen Schwanz und seinem altbackenen Piłsudski U-Boot Wunsch in der neutralen Ostsee) und andere Lügenbarone (Frankreich lass grüßen mit deinem Mistral-Schrott!). Die Eurasische Union, das Shanghaier Abkommen, BRICS, ALBA, CELAC, UNASUR, MERCOSUR, Gaddafis vergessene Afrikanische Union oder Saddams Ba’ath Panarabismuss á la „Vater“ Nasser sind reelle und richtige Alternativen zum Manchaster-Kapitalismus – müssen aber wieder neu aufgebaut werden zun Teil. Das Leben ist eben ein alter Leierkasten, an dem ein jeder gerne vor der Musikwalze steht. Doch am Ende ist es Gott oder eben PUTIN! in der Höhe, der im Verborgenen und beständig an der blanken Kurbel dreht! Quod est veritas – Amen!

  3. Danke. Die UNO und die NATO hat nach, alleine schon, der Ausssage von Maduro in den Mainstream Medien nicht mehr das Recht weiterhin Wirtschaftssanktionen aufrecht zu erhalten und auch militärisches Eingreifen zu legitimieren. Er hat vor aller Welt geäußert, dass die USA auf eine Intervention aus ist. Müsste in unserer Zeit als Synonym für Krieg gelten. Nach den Ereignissen in Syrien hat man es schließlich gesehen. Und der neue selbsternahnte Präsident mit der Show. Lauter Kinder und Jugendliche versammelt, auf der Bühne. Der Wohltäter haha. Die halten echt die ganze Welt für Volltrottel.

    • ein paar wenige Prozente regieren die Meinungshoheit in den Medien, glauben die eigentlich noch selbst an das, was sie verlautbaren? Die maaslosen Röttgenweiler sind zwar von der Leine, aber sie überzeugen nicht mehr sondern erschrecken noch, 80% der Deutschen fürchten die USA …. und Russland und China und und und die Mehrheit der Menschheit!

  4. Nun ja.
    Wissen wir.
    Und wo bleibt unsere Aktion?

    Boykott von Google?
    Facebook schließen?
    Kenfm nicht via YouTube?
    Mit Erdgas, Elektro oder Rad fahren?
    Nur noch Bargeld oder (noch) Minifeingoldplaettchen? (geht beides auch nicht bei Kenfm)
    Huawei statt I Pad?
    BahnCard sofort wieder küendigen und in einem Jahr wieder bar?
    Rente/Gehalt nur Bar und alle Giros kuendigen, null Karten?
    Krankenkassenkartenboykott?

    Wieviele Punkte haben Sie aus dieser nur Mini-Liste?
    Aha, nun ja: willkommen im Club der Gleichgueltigen des FED-CIA Systems gegen Venezuela und als Protégée unserer Vasallenkomiker….

    • Ich komme auf 5 Punkte. Ich nutzte Facebook nicht. Sehe KenFM nicht auf You Tube. Ich heize mein Haus mit Erdwärme. Ich habe weder Huawei noch Pad. Ich habe keine BahnCard. Wenn ich wüsste wie ich mein KenFM-Dauerauftrag bar zahlen, meine Rente bar ausbezahlt kriegen könnte und wenn man mir sagt, wie ich ohne meine Krankenkassenkarte zum Arzt gehen kann, mache ich das auch. Übrigens habe ich auch keine Kreditkarte lediglich meine EC-Karte.
      Gegenfrage: Auf wie viel Punkte kommen Sie denn?

    • Moin, Ursprung, Wofgang Altpeter, können Sie mir erklären, was sich durch die von Ihnen aufgefuehrten Massnahmen ändern sollte? Aber vor allen Dingen, ueber welche Mechanismen Ihrer Massnahmen gelangen wir zu einer besseren (zumindest friedlicheren) Welt?
      Ich bin gespannt von Ihnen aufgeklärt zu werden diesbezueglich.
      mfG

    • @Hog1951 Durch meine Erdwärmeheizung benötige ich kein Öl oder Gas. Durch meine Photovoltaikanlage (Ertrag per anno ca. 25.000 kw/h bin ich mehr oder weniger autark. Wenn es nach Daniele Ganser geht ist das schon mal ein wichtiger Schritt in eine friedlichere Welt. Außerdem habe ich lediglich auf die von Ursprung gestellten Fragen geantwortet.

    • Bio-Öko-Fairtrade oder anders, sind putzige Aktionen, Gewissensberuhigung bzw. Lebensstil für Jene die’s sich leisten können, innerhalb der Rahmenbedingungen des Systems. Also per Gesellschaftsschicht integriert.

      Dies unabhängig davon wie Bio-Öko-Fairtrade es tatsächlich ist. Was sie gerade bei der Elektromobilität erkennen können, die einfach nur die Probleme einmal wendet.

      Alternativ können sie auch den maximalen Boykott betreiben und im Lendenschurz durch den Resturwald streifen. Nur ändert das auch nicht die Rahmenbedingungen, die von denen bestimmt werden, die die Macht dazu haben.
      Sie werden nicht gebraucht und es werden immer weniger gebraucht um das System am Laufen zu halten. Dies durch die fortschreitende Algorithmisierung und Monopolisierung.

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