Tagesdosis 9.4.2018 – Manipulieren und konditionieren

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Entsetzen in Münster: Ein Campingbus fährt in eine Menge. Zwei Menschen sterben, 20 werden verletzt, sechs davon schwer. Die Schlagzeile am Samstag ist wieder einmal schneller als es die Fakten sind. Für die deutsche Rechte ein gefundenes Fressen: Mit dem Zitieren des Merkel-Spruchs »Wir schaffen das« sendete die AfD-Adlige Beatrix von Storch ohne jeden Beleg eine eindeutige Botschaft: Die Flüchtlinge, die Ausländer, die Moslems steckten dahinter. Und irgendwie steckten sie hinter allem, ja, sie seien das Unglück der Nation, so die Suggestion. Die deutsche Volksseele kocht.

Genau so funktioniert Propaganda. Mit billigster Stimmungsmache sollen feste Feindbilder in die Köpfe der Massen implantiert, die Anhängerschaft vergrößert und hoch dotierte Posten im Polit-apparat gewonnen werden. Man will schließlich ans Ruder, um das System ein wenig im eigenen Interesse zu managen. Es funktioniert, auch wenn später bekannt wird: Der Täter war gar kein Moslem. Er war nicht einmal Ausländer. Sein Name: Jens R. – in Deutschland geboren, in Deutschland zum Mörder geworden. Doch das interessiert die wütende Volksseele nicht. Aggressionen bauen auf Emotionen, nicht auf schnöde Fakten. Ähnlich wie bei Attentätern. So wie sie das Leid ihrer Opfer nicht interessiert, instrumentalisierte Beatrix von Storch selbiges auf perfide Weise. Und sie weiß: Gesagtes bleibt auch dann in den Köpfen, wenn es später widerlegt wird.

Nun wäre es falsch, einseitig auf der Propaganda einer fundamentalchristlichen Adligen und ihrer aufstrebenden rechtskonservativen bis -radikalen Partei herumzureiten. Ähnliche Feindbilder hämmern Regierende und Politiker seit langem in die Hirne der Masse. Neben Ausländern und Moslems müssen dafür wahlweise Hartz-IV-»Faulpelze«, osteuropäische »Kindergeldabzocker« oder »Bildungsferne« herhalten. Um das Volk dazu zu bringen, nach unten zu treten, ist den Herrschenden und ihren Pressesprechern jedes Mittel recht. Das lenkt so schön von den eigenen Verbrechen der Kriegstreiber und Abkassierer ab. Es war schon immer das Mittel ihrer Wahl, Unterdrückte nach Nationalität, Glaube oder Hautfarbe zu spalten, auf dass die Gruppen einander hassen und sich bekämpfen mögen. Die Wahrheit kommt dabei immer zu Fall.

Dass die Gewalt in unserer Gesellschaft zunimmt, ist ein anderes Ding. Es ist niemals zu tolerieren, dass Menschen auf ihresgleichen losgehen. Doch mal ehrlich: Jeder Psychologe weiß, dass soziale Spannungen Aggressionen hervorrufen. Wo zu reinen Wirtschaftsfaktoren erklärte, vereinzelte Menschen die Hoffnung in die Zukunft verlieren, schrumpft das Selbstwertgefühl und steigt die Wut. Wer sich hilflos, allein gelassen und in die Enge getrieben fühlt, wer keine Hilfe erfährt, schlägt schneller zu. Das ist keine Entschuldigung. Gleichwohl ist Gewalt kein Merkmal einer einzelnen Ethnie oder Religion. Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das nicht erst bei einem Attentat anfängt.

Gewalt ist es auch, wenn Menschen zum Beispiel mittels Hartz-IV-Repressionen zu funktionierenden Maschinen im Niedriglohnsektor gemacht werden sollen. Gewalt ist ein Arbeitsmarkt, hinter dessen Konzerntoren jede Demokratie und jedes Mitspracherecht des Malochenden am Profitinteresse des Unternehmers verendet. Gewalt ist das strikte Abarbeiten von Gesetzen ohne jede Empathie. Gewalt ist der ständige Konkurrenzkampf um ureigene Grundbedürfnisse wie Wohnen und Einkommen. Gewalt sind militärische Aufrüstung, Waffenlieferungen und Drohneneinsätze. Bereits ein Schulsystem, in dem Kinder für einen Markt abgerichtet werden, ist Gewalt. Auch mediale Häme gegen Minderheiten, Einzelne und Bewohner anderer Staaten ist eine Form von Gewalt. Menschen sind nun einmal keine Roboter. Sie reagieren immer in irgendeiner Weise auf erfahrene physische oder psychische Demütigungen.

Mord und Totschlag, Attentate und Anschläge lassen sich wohl niemals ganz ausschließen oder vollständig verhindern. Die gewaltsamen gesellschaftlichen Verhältnisse hingegen sind nicht unumstößlich. Ein Anfang wäre es, sich der wahren Ursachen für eigene Frustrationen bewusst zu werden. Nur ein Blick auf das Ganze macht es möglich, die emotionale Manipulation und strategische Konditionierung hinter der Propaganda elitärer Interessengruppen als solche zu enttarnen.

Ja, es passieren Attentate. Ja, es gibt auch in den unteren Schichten Mörder, Schläger, Vergewaltiger, Kinderschänder jeglicher Nationalität, jeglicher Herkunft. All die unschuldigen Opfer verdienen jede erdenkliche Hilfe und all unser Mitgefühl. Trotzdem geht allem ein Krieg voraus. Und der wird nach wie vor von oben gegen unten geführt.

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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19 Kommentare zu: “Tagesdosis 9.4.2018 – Manipulieren und konditionieren

  1. Susan Bonath beweist mal wieder, dass sie das Grundprinzip von Divide et Impera, womit wir beherrscht werden, nicht vollkommen verstanden hat. Für eine effektive Anwendung dieses Herrschaftsprinzip bedarf es nicht nur eine vertikalen Spaltung „Oben und Unten“ sondern auch einer horizontalen Spaltung auf der gleichen sozioökonomischen Ebene. Arm und Reich als Spaltung reicht nicht aus, ansonsten könnten die Armen auf die Idee kommen sich gegen die Reichen zu wenden. Das klassische Konzept der horizontalen Spaltung zwischen und „Links und Rechts“ reicht für die Ziele der Obrigkeit nicht mehr aus.
    Eine kulturelle und religiöse Spaltung bietet da einiges an Vorteile. Eine Massenmigration mit Kulturfremden, die einen anderen Wertekanon besitzen, ist da Ideal. Denn die Verwerfungen wie Mord und Totschlag, Attentate und Anschläge passieren nahezu von alleine, ohne das der Deep State und die Geheimdienste groß die Regie übernehmen müssen, außer vielleicht im Fall von Amnis Amri.
    Der Verlust der öffentlichen Sicherheit als Konsequenz dieser Entwicklung legitimiert den Eingriff in Grundrechte wie Meinungsfreiheit und fördert den Ausbau des Überwachungsstaates.
    Lösungsansätze wie eine lückenlose und konsequente Grenzsicherung, Asylzentren usw. und die Einhaltung bestehende Regelungen und Gesetze konnte man unter den Deckmantel der Humanität aushebeln, jedoch ist gerade die Willkür in einem „Rechtsstaat“ die Dose der Pandora, die einmal geöffnet, letztendlich jede Humanität mit den Füßen tritt.
    Wenn ich von Humanität spreche, dann meine ich wirkliche Humanität, nicht eine einseitige falsch verstandene Humanität z.B. nach der Definition der USA wie sich vielleicht auch Frau Bonath vertritt.
    Bei dem Thema Grenzsicherung muss man auf beide Seiten schauen und Leid auf beiden Seiten vermeiden und verhindern. Man kann niemanden ins Land lassen, alle abweisen ohne diese Menschen direkt oder indirekt töten zu müssen. Man kann sich 100% Abschotten und trotzdem helfen. Das moralische Dilemma, wenn man einen nicht ins Land lässt dann überlässt man ihm den Tod ist eine Fiktion um andere moralisch zu erpressen und die vernünftige Ansätze zu unterdrücken.
    Fakt ist hätte man sich an geltendes Recht gehalten in Verbindung mit humanitären Verpflichtungen, dann würden einige Menschen, Frauen und Kinder noch leben.
    Die Relativierung, das Gegenüberstellen von Leid: arme Kriegsflüchtlinge, Fassbomben Tod, Leid, Not und Verfolgung mit den Verwerfungen im eigenen Land: Mord, Misshandlung, Vergewaltigung ist sinnlos und inhuman. Zusätzliches Leid ist nun mal zusätzliches Leid verursacht durch die jetzige Asyl- und Migrationspolitik. Internationale Fluchtursachen und deren Folgen bekämpft diese Politik überhaupt nicht, im Gegenteil es vergrößert sie.
    Ohne die AfD würden diese Probleme gar nicht in die Politik ankommen und dort diskutiert. Gerade die CSU will sich hell blau anmalen vor der Landtagswahl im Oktober.

    Nun ja in Hinblick mit der aktuellen Situation Syrien… lösen sich unsere Probleme vielleicht strahlend schnell. Da lob ich mir die bisherigen Äußerungen der AfD-Führung und das Handeln in der Vergangenheit (Stichwort Syrien-Reise):

    „Ich habe ein Problem damit, militärische Sanktionen zu verhängen, wenn ich keine klaren Belege habe. Die Frage, ob es einen Giftgasangriff gab, ist umstritten. Ich habe auch Probleme mit Twitter-Ankündigungen von Raketenangriffen. Ich halte Twitter in der Außenpolitik nicht für ein zielführendes Instrument.“

    „Das (Vorgehen der westlichen Regierungen, Anm. d. Red.) halte ich deswegen für falsch, weil wir selbst im westlichen Strafrecht den Grundsatz der Unschuldsvermutung haben. Das heißt, ich muss Belege vorlegen. Bis jetzt gibt es nur Hinweise, aber keine belastbaren Belege. Deshalb halte ich Sanktionen und den Versuch, das mit Diplomatenausweisungen zu lösen, für völlig falsch“

    Solche vernünftigen Aussagen hören wir von unserer amtierenden Regierung vergebens. Im Gegenteil unser Maas-Männchen würde am liebsten selbst auf einer Cruise-Missile in den Weltuntergang reiten.

    Zur Vollständigkeit hier ein Auszug der Führung der Linken zum Thema mit natürlicher Realitätsferne:

    „Ich habe immer kritisiert, wenn Bomben auf Syrien gefallen sind, egal ob sie von russischer oder türkischer Seite abgefeuert wurden. Der mutmaßliche Giftgasangriff in Duma muss in der Tat aufgeklärt werden. Die Chemiewaffenexperten der UNO müssen ihre Arbeit jetzt aufnehmen. Es braucht auch eine UN-basierte Aufarbeitung der Kriegsverbrechen. Es geht mir nicht darum eine Seite freizusprechen. Dennoch: Das ist ein Spiel mit dem Feuer, das zu einem Flächenbrand werden kann. Eine Kriegsintervention würde den Menschen in Syrien nicht helfen. Im Gegenteil: Sie würde den Konflikt eskalieren.“

    Aha also auch böse Russen, die nicht „freizusprechen“ sind. Zum Thema Migrationspolitik hat sich die Linke sowieso disqualifiziert, zumindest in Bezug auf Vernunft und Logik.

  2. Ach Frau Bonath,

    Sie mit Ihrem „oben und unten“

    Sie mit Ihrem konstruierten Feinbild.

    Wer ist Ihr Feind?

    Sie mit Ihrem „Hämmern“ gegen…

    Immer gegen

    Sind Sie wirklich so anders?

    Wie die, die Sie meinen bekämpfen zu müssen?

    So viel mal das Wort Gewalt

    Sind Sie auch mal „Für“?

    Claudia Volke aus Dresden

    • Gibt es denn kein „oben“ und kein „unten“?
      Sind Alle gleichberechtigt und Konflikte finden nur aus ideologischen Gründen statt ?
      Gibt es keine Gewalt von „oben“?
      Ich heiße zwar nicht Frau Bonath, aber ich bin mir sicher, Sie steht für Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit und ein mitmenschliches Leben.
      Sie müssen nur lesen, welche Sachen Sie anprangert und schon müsste auch ihnen klar sein, wofür Sie steht.

    • Zitat (Jesus von Nazareth)

      „Jedes Reich, das in sich gespalten ist, geht zugrunde, und keine Stadt und keine Familie, die in sich gespalten ist, wird Bestand haben.“

      Matthäus 12,25 aus der Bibel

    • Ja, Aufgeweckter, Jesus von Nazareth hatte die besten Sprüche drauf! Gut, dass noch so viele trotz der Abschleifungen und Falschübersetzungen der Bibel im Sinne der jeweiligen Machthaber erhalten geblieben sind.
      So hat er doch weißgott nicht umsonst gelebt.
      Dies, was hier gesagt ist, ist schlicht Naturgesetz und jeder Mensch mit wachen, unverstellten Sinnen, kann das an viele Beispielen tagtäglich beobachten.
      Sogar beim Boule-Spielen: Wenn sich da beim Wettbewerb in einer Equipe gestritten wird, kann man 100%ig davon ausgehen, dass die verlieren werden, auch wenn sie sonst noch so gut sind.
      In diesem Fall hier ist es die ganze Menschheit, die verlieren wird. Die Flüchtlinge, denen man angeblich helfen will, leiden jetzt darunter mindestens genauso, wie wir und werden auch mit uns zusammen untergehen. Ich hoffe dennoch immer noch, dass die großen Warner der Menschheitsgeschichte ihre Stimmen nicht umsonst erhoben haben.

    • Ich möchte einfach nur wiederholen, was Wasserader geschrieben hat:

      “Genau so funktioniert Propaganda“
      aber zur Selbsterkenntnis wird es vermutlich nicht reichen.

      Vermutlich?

      *************************************

      Und während wir uns mit kleinkarierten Grabenkämpfen befassen, geht die Ökosphäre den Bach runter. Aber nach einer neuen wissenschaftlichen Veröffentlichung kann jetzt niemand mehr behaupten, er wisse von nichts.
      http://www.pbme-online.org/category/medien/

      Holocaust 2.0 direkt über unseren Köpfen.
      Und wir befassen uns mit den bösen Rechten, Unterdrückern, Propagandisten, was noch?
      Warum verlassen wir nicht endlich alle zusammen den Sandkasten und werden echt?

      Arme gestörte Menschheit.

    • Lieber(r) schwarz ist weiß,

      es steht Ihnen frei, sich wo auch immer zuzuordnen

      wenn ich jetzt sage, ich bin

      „oben“

      was wäre ich dann für Sie?

      Claudia Volke aus Dresden

  3. Nachtrag: Statt sich über Spaltungen die Finger wund zu klopfen, sollten wir als Menschen in der Schuld unserer Kinder stehend, dier Verantwortung für diese, nicht allein unsere Welt übernehmen und Nein zu sagen zu Krieg, Banken, Gier, EU-Apparat und USA! Lassen wir Rechts und Links als Lager fallen und trinken nach der Schlacht ein Bier zusammen! Auch Dumme, Idioten und Verblendete sind Menschen…raufen wir uns zusammen und üben Rücksicht! Man sollte es zumindest versuchen. Wegen der Nachkommen und der Bienen!

  4. Hallo! Der Modus Operandi stammt aus dem Morgenland…insofern sind hysterirsche Reaktionen verständlich. Auf der anderen Seite frage ich mich, ob er nicht aus der Hexenküche des Weltpolizisten stammt, der regelmäßig bedauernswerte Flüchtlinge hierfür benutzt. Dumm, dass Frau von Storch auch etwas dazu gesagt hat. Böse AfD, böse „sogenannte Rechte“ liebe sogenannte Linke! Man durchschaut nicht ganz die Hintergründe dieser Partei, aber die Reden der Doktoren und Professoren der AfD in Landtagen und Bundestag sind argumentativ und logisch wie in Beton gegossen – im Vergleich zum hirnfreien Gezetere der „Ethablierten“. Ich wußte bisher nichts von Vollkasko Krankenversicherungen für Familien türkischer „Mietbürger“ seit der Einfuhr dieser Gastarbeiter und von per low budget zu erwerbenden Rentenansprüche von Menschen die der jüdischen Religion angehören, auch wenn sie nie in Deutschland waren oder von uns berührt wurden. Erst die AfD brachte das zur Sprache, dass sich Subjekte aus unseren Sozialkassen bedienen, die hier nicht her gehören, da sie nie hier gewesen sind. Aber böser Rechter, wer immer etwas sagt, was heuer nicht en vouge zu sein scheint.
    Liebe Frau Bonath: Links ist out – Mensch sein ist inn! Und Toleranz nur mit den Toleranten…da scheiden viele aus…
    Als geborener „Ossi“ darf ich pfui sagen!

    • Besten Dank für diese überzeugende Darstellung von kapitalistischer bzw. faschistischer Propaganda und Indoktrination.

      Hier schlüsselt Herr Mausfeld auf was sie geschrieben haben:

      28. Pleisweiler Gespräch mit Professor Mausfeld – 22. Oktober 2017
      Wie sich die „verwirrte Herde“ auf Kurs halten lässt: Neue Wege der „Stabilitätssicherung“ im autoritären Neoliberalismus

      Und dazu gehört ein ganz wichtiges Mittel: „Die Mitte“. Die „Mitte“ ist etwas ganz Tolles, heute sind alle in der Mitte. Das gehört wieder zum neoliberalen Falschwörterbuch, weil hier ein Begriff neu besetzt worden ist, denn „Mitte“ ist für uns alle etwas ganz Tolles.
      ‚Mitte‘ suggeriert Harmonie, Ausgeglichenheit, vielleicht auch Geborgensein, ‚Mitte‘ ist ein ganz positives Gefühl, weil wir ungerne zu den Extremen gehören wollen. Der Neoliberalismus hat diesen Mittebegriff neu besetzt, indem jetzt eigentlich mit „Mitte“ eine extremistische Position bezeichnet wird. Nämlich die extremistische Position eines Kampfes gegen Demokratie. Und die „Mitte“ ist sogar eine extrem fundamentalistische Position, weil sie einen Ausschließlichkeitsanspruch hat: Es kann keine Alternativen mehr geben. Die „Mitte“ ist eine extrem fundamentalistische Position mit einem Ausschließlichkeitsanspruch, übt aber auf uns eine gewisse Faszination aus. Wir gehen diesem Wort immer wieder auf den
      Leim. Und Sie sehen, wie häufig dieses Wort als Attraktionsmittel in der politischen Rhetorik verwandt wird, und zwar immer im Kontext auch des neoliberalen Programmes.

      Tony Blair: „a radical centre in which you are able to take decisions fort he future of
      the country“

      Gerhard Schröder 1998: „Es gibt keine linke oder rechte Wirtschaftspolitik, sondern
      nur eine gute oder schlechte Wirtschaftspolitik.“

      Emmanuel Macron 2017: „ni droite, ni gauche“ (weder rechts, noch links)

      Faschismus: „weder links noch rechts“

      Die „radikale Mitte“ – auch eine interessante Wortschöpfung. – Es gibt gar keine Interessen-gegensätze mehr. Es gibt keine Interessengegensätze zwischen Unternehmer und Lohnabhängigem mehr. Es geht nur noch um ‚Vernunft‘, es geht nur noch darum, ‚rational‘ die besten Lösungsansätze zu finden. Es hat auch keinen Sinn mehr, gegen irgend etwas zu kämpfen, es geht nur darum, die ‚beste‘ Lösung zu finden, denn letztlich sitzen natürlich Unternehmer und Lohnabhängige im gleichen Boot, haben die gleichen Interessen, nämlich: die ‚besten‘ Lösungen zu finden. ‚Letztlich ziehen wir doch alle am selben Strang‘ – das ist die Ideologie, was ja irgendwie auch richtig ist, nur eben an unterschiedlichen Enden.

      Interessanter ist hier noch der Punkt – das finden Sie heute ganz häufig -, dass jemand sagt: „ich bin weder rechts noch links“. „Links“, das heißt ja eigentlich für eine gerechte Verteilung und eine solidarische Gesellschaft – und „rechts“ heißt, nicht für eine gerechte Verteilung. Jemand, der weder rechts noch links ist, kann sich eigentlich nur damit noch retten, dass er sagt: „Naja, ich bin völlig apathisch!“

      Und interessant ist, dass der italienische Faschismus genau diesen Slogan hatte, er ist „weder rechts noch links“. Und da war etwas dran. Der Faschismus war extrem anti-links, aber er war auch nicht rechts, denn ‚rechts‘ hieß damals eigentlich reaktionär und bewahrend. Der Faschismus war revolutionär, der wollte nicht bewahren. Das war ein totalitäreres System, er wollte etwas ganz anderes. In gewisser Weise konnte er zurecht sagen: „wir sind weder rechts noch links“. Auch dort lohnt es sich wieder, einen Blick auf die Geschichte zu werfen.
      http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/171022-Mausfeld_Transkript_Landau_NDS.pdf

      Und in folgendem Artikel wird auch auf „Subjekte“ eingegangen, die sind aber sehr viel teurer als die von ihnen zum Feindbild erkorenen:

      Die Illusion der freien Märkte
      Wie der Staat hinter den Kulissen den Kapitalismus künstlich am Leben hält. Exklusivabdruck aus „Chaos: Das neue Zeitalter der Revolutionen“
      von Fabian Scheidler

      Es gehörte schon immer zu den schmutzigen Geheimnissen des Kapitalismus, dass er mit freien Märkten sehr wenig zu tun hat und von Anfang an untrennbar mit staatlichen Herrschaftsstrukturen verflochten war. Die frühneuzeitlichen Staaten gewährten Händlern und Bankiers wie den Fuggern Monopolrechte als Gegenleistungen für Kredite, mit denen die Landesherren Söldner und Rüstungsgüter bezahlten. Nur durch diese Kredite konnten die sich neu formierenden Territorialstaaten ihre Macht aufbauen. Und nur durch die Monopole konnten die Händler und Bankiers die enorme Konzentration von Kapital in ihren Händen erreichen, ohne die der Kapitalismus undenkbar wäre. Die ersten Aktiengesellschaften des 17. Jahrhunderts waren Schöpfungen von Staaten und wurden von ihnen mit Charterbriefen, Monopolrechten und sogar militärischen Mitteln ausgestattet. Bis heute sichern Staaten für private Unternehmen weltweit Handelswege und setzen Eigentumsrechte durch – oft gegen den massiven Widerstand lokaler Bevölkerungen, wenn es etwa darum geht, neue Kupferminen oder Tagebaue zu erschließen, Pipelines zu bauen oder Kleinbauern für Palmölplantagen zu vertreiben. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich darüber hinaus einige weitere Methoden entwickelt, mit denen Staaten die Maschinerie der endlosen Geldverwertung in Gang halten.
      Drei Strategien sind dabei von besonderer Bedeutung: Subventionen, leistungslose Einkommen aus Eigentumsrechten und Aneignung durch Schulden. Diese Dreifaltigkeit der Tributökonomie wird immer wichtiger, je instabiler die Weltwirtschaft wird. Denn sie beschert dauerhafte Geldflüsse auch dann, wenn sich am Markt kaum noch Profite durch den Verkauf von Gütern und Dienstleistungen erzielen lassen.
      http://www.free21.org/die-illusion-der-freien-maerkte/

      Der Kabarettist Georg Schramm ging in einem seiner Beiträge einmal auf die Aussage ein, daß das Kapital ein scheues Reh sei.
      Er meinte darauf, „essen wir es auf, dann ist es weg.“

  5. Die AFD ist ein hochgefährlicher Spaltkeil, der das gesellschaftliche Klima für einen blutigen Bürgerkrieg zwischen Christen und Moslems in Deutschland anheizen soll. Dieses Land befindet sich im kabbalistischen Würgegriff absolut gnaden- empathieloser Eliten.
    Hier hilft wirklich nur noch die sofortige konsequente Totalverweigerung der Bevölkerung gegenüber diesem Killersystem.

  6. Klar hat Frau von Storch sehr unpassend kommentiert und wieder schön ihre Rechte Clientel bedient, das hat ja System.
    Interessant finde ich den Aufruf zu ihrem Rücktritt vom Bundestagsmandat. Wenn man da konsequent wäre, müssten Maaß, Merkel, Regierungsprecht und alle anderen Protagonisten zurücktreten, als sie ohne Beweise Russland für den Skripal Anschlag verantwortlich gemacht haben. Genauso verhält es sich mit den Verlautbarungen zu den Giftgaseinsätzen in Syrien. Wer die Weißhelme als verlässliche Informationsquelle legitimiert, hat in einer politischen Entscheidungsposition mangels Kompetenz nichts zu suchen.

  7. “ Die Flüchtlinge, die Ausländer, die Moslems steckten dahinter. Und irgendwie steckten sie hinter allem, ja, sie seien das Unglück der Nation, so die Suggestion. Die deutsche Volksseele kocht. “

    Will Bonath sagen das die Genannten eine gute Sache sind für die Deutschen ?
    Wenn ja, was ist denn das Gute ?
    Die Suggestion ist da, leider, die Argumentation fehlt.
    Gute Propaganda: keine Lügen, nur halbe Wahrheiten.

    • Nicht begriffen heer Kamp?!
      Het maakt geen ene donder uit waar iemand vandaan komt, wat zijn geloof is of huidskleur, het zijn mensen, gedreven door wat dan ook maar zij zijn vreemd, niet thuis en negen van de tien keer arm, dus zijn zij van ons, net als wij, beneden ( bij uw in Nederland is het nog duidelijker, jullie heten ja ook echt onderdanen) niet boven. Is echt niet zo moeilijk te snappen, bij wat U allemaal al hebt gelezen zal je vermoeden, dat die gedachte ook es een keer bij U op gaat komen.
      Het ga U goed.

  8. Ja, Susan Bonath, der Kapitalismus schafft diese Zustände, in denen sich Menschen als Konkurrenten gegenueberstehen. Das haben sie sehr wohl beschrieben. Der Kapitalismus wird verwaltet und organisiert von verschiedenen Seiten:
    Die Menschen und Parteien in den Parlamenten (mit gewissen Ausneahmen) , den Verbänden der direkten Klassengegnern, wie Arbeitgeberverband u.a., und auch von dem so genannten tiefen Staat (Bertelsmann und co.) . Und nicht zu vergessen, die Medien, die alles schön fuer uns aufbereiten!
    Die Gegenseite ist also sehr gut organisiert und macht uns das Leben schwer.
    Was wir brauchen ist eine Organisation/Partei, die im Klasseninteresse die Kräfte buendelt. Auch wenn ich z.Z. die Sammlungsbewegung von Sahra W. als eine gute Möglichkeit erachte, Linke aus den verkrusteten Parteien von SPD und Gruenen(?) und Nichtorganisierten zu sammeln , so ist die Gruendung einer KPD, die den Namen verdient, unumgänglich. Es hört sich vielleicht altbacken an, aber wir brauchen eine Kampforganisation der Arbeiter (und Angestellten)!

    • ABSOLUT! …und der kleinen Selbstständigen, die niemals gegen Konzerne bestehen können aber unsere Haare schneiden, die Fliesen erneuern, den tropfenden Wasserhahn reparieren, uns die News bringen, die uns die selbsternannten Eliten unterschlagen usw.

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