Tagesdosis Spezial 25.8.2018 – Vom gewitzten Parteiführer Riexinger

Ein Kommentar von Diether Dehm.

1. Kürzlich las ich meines Parteivorsitzenden neuerliche Schlauheit, er bräuchte keine Sammlungsbewegung, denn er selbst sei ja bereits „eingesammelt“.

2. Da fielen mir frühere Gewitztheiten ein:

Als die Bankenkrise begonnen hatte, distanzierte sich Riexinger in konzernnahen Medien von linken Angriffen auf den Euro und auf die sozialstaatsfeindliche EU: die Daimler-Arbeitnehmerinnen würden solche Schärfe nicht verstehen. Und: Nationalstaat sei Nationalismus.

Um 2013 der Linkspartei das Rot als Grundfarbe für Wahlkampfplakate auszureden, schlaumeierte er, der Penny-Konzern arbeite auch mit solchem Rot.

Als sich die AfD gegründet hatte, rief er zur Gelassenheit auf. Er prognostizierte bei einer Hannoveraner Delegiertenberatung mittels „allerneuster Zahlen“, die Rechtspopulisten zerlegten sich gerade selbst und seien bereits im Sinkflug unter 3 %.

Derart clever gewappnet führte er die Partei dann auch in die sogenannte Flüchtlingskrise. Kämpferisch umhüpfte er Mikrofone, um sich den „Grenzenlosigkeiten“ der Verlagshäuser Spiegel, Springer, taz und jungleWorld zu nähern.

Als BILD 2017 unterstellte, Riexinger habe in Madrid vor FunktionärInnen ein gewitztes Mobbing gegen Sahra Wagenknecht empfohlen, bemühte er dagegen zwar gewerkschaftsgeschulte Zerredung- ohne aber auf presserechtliche Unterlassung zu klagen.

Im ZDF holte er sich jüngst im Sommerinterview viel redaktionelle Akzeptanz für sein Plädoyer gegen Russland.

3. Von Albert Einstein wird gesagt, dass er „da und da“ ein schlechter Schüler war. Aber niemand stellt dar, wie schlecht denn „da und da“ womöglich auch sein Lehrer war.

4. Wenn demnächst in Geschichtsbüchern von einer Lernschwäche der Arbeiterklasse beim unaufhaltsamen Aufstieg der AfD geschrieben werden sollte, möge zumindest eine Fußnote auch den gewitzten Parteiführer Riexinger (2012-2020) erwähnen.

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Bildhinweis: Ben Gross Photography/ Foto: Ben Gross/ Pressefotos: Bernd Riexinger

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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6 Kommentare zu: “Tagesdosis Spezial 25.8.2018 – Vom gewitzten Parteiführer Riexinger

  1. Irren ist menschlich. Dummes und Unsinniges ist schnell gesagt.
    Wenn eine breite Sammelbewegung zustande kommen soll,
    schafft ein solcher Umgang mit einander Schwellenängste.
    Ich wünsche mir, dass man mir Blödsinniges nicht durchgehen
    lässt, aber dass mich eine/r freundlich aufklärt.

  2. Riexinger ist Bankkaufmann. Die Linke hat ihn zum Vorsitzenden gemacht. Aus meiner Sicht ist das stimmig. Die Linke sollte sich erst mal, zusammen mit der Sammlungsbewegung, Gedanken darüber machen, was sie will. Pöstchen? Nicht mit meiner Stimme. Linke Politik ist:

    – Umverteilung von oben nach unten! Kann nicht sein, dass der Quandt/Klatten-Clan im Jahr 2018 noch immer braunste Nazi-Milliarden vermehrt und hektarweise schönste Bayerische Landschaft in Privatbesitz überführt! Vermögens- und Erbschaftssteuer rauf, bis es quietscht für die großen, die Kleinen in Ruhe lassen! Das ist nicht schwer, wenn man nicht korrupt ist.

    – Nie wieder Krieg! Kann nicht sein, dass sich eine Linke nicht darüber einig ist, dass Deutschland aus der NATO raus muss! Die NATO hat NICHTS mit Verteidigung zu tun!

    – Energiewende! Kann nicht sein, dass sich die Linke nicht für umfassende Beschneidung der Prasserei mit fossilen Energieträgern einsetzt! Für die, die es noch nicht gemerkt haben: in Deutschland gibt es kein Öl!

    Die doofen Streitigkeiten zwischen einzelnen Darstellern gehen mir so was von auf die Nerven! Geht nach Hause, denkt Euch was Schlaues aus und macht endlich wieder Politik!

    • Ist doch oberclever, die linken Parteien mit solchen Personalien (vgl. Schulz, A.Nahles) an der Spitze zu versehen, die dann solche Leitlinien setzen (z.B. keine Staats- und Obergrenzen), dass sich kein Arbeiter in der Vesperpause traut zu gestehen, dass er diese Partei unter Umständen wählen würde.
      Wer stets bedacht ist, eine kritische linke Masse zu verhindern, braucht natürlich keine Sammelbewegung.

  3. Der Typ geht echt gar nicht, einfach nur peinlich. Es ist mir unbegreiflich, wie so ein Hans-Wurst ohne die geringste Spur von Charisma jahrelang Parteivorsitzender sein kann. Der wäre doch in der Schule noch nicht mal Klassensprecher geworden. (Jedenfalls nicht, wenn es auch nur irgendeinen Gegenkandidaten gegeben hätte.)

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