The Wolff of Wall Street: Aktienrückkäufe

Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt jeden Freitagmittag, um 12.00 Uhr, Begriffe, Mechanismen und Gesetze aus der Finanzbranche, die uns täglich als alternativlos verkauft werden, aber nur Wenige verstehen. Das soll sich ändern! THE WOLFF OF WALL STREET erklärt uns heute: „Aktienrückkäufe“.

Ein Unternehmen, das mehr Geld braucht als seine Eigentümer selber aufbringen können, hat mehrere Optionen: Es kann einen Kredit aufnehmen, es kann Anleihen ausgeben, es kann aber auch die Form einer Aktiengesellschaft annehmen und Aktien ausgeben.

Sinn und Zweck der Ausgabe von Aktien ist es, das Eigenkapital des Unternehmens zu erhöhen, damit es expandieren kann. Auf diese Weise haben Aktien jahrzehntelang dazu beigetragen, die Realwirtschaft zu fördern.

Das aber hat sich in unserer Zeit geändert.

Viele Aktien werden heute nicht mehr von unternehmensfremden Aktionären gekauft, sondern von den Unternehmen selbst – und das in immer größerem Ausmaß. 2018 haben allein die 3.000 größten US-Firmen eigene Aktien im Wert von mehr als 1 Billion Dollar zurückgekauft.

Warum? Was passiert bei einem Aktienrückkauf, wer profitiert davon, was bedeutet er für die Belegschaft und vor allem: Welche Folgen entstehen für die Gesamtwirtschaft?

Fangen wir mit der ersten Frage an:

Was geschieht, wenn ein Unternehmen eigene Aktien zurückkauft? Ganz einfach: Es legt sie still und verknappt dadurch die Anzahl der umlaufenden Papiere. Das erhöht den Gewinn pro Aktie, weil sich die jährliche Dividendenzahlung auf weniger Aktien verteilt. Die so gestiegenen Ertragsaussichten zusammen mit der durch den Aktienrückkauf künstlich erhöhten Nachfrage treiben den Aktienkurs nach oben.

Zur zweiten Frage: Wer profitiert davon? Zunächst einmal die Aktionäre. Vor allem aber das Management, das ja heutzutage in fast allen Fällen zusätzlich zum Festgehalt Bonuszahlungen erhält, die direkt an den Aktienkurs des Unternehmens gekoppelt sind.

Stopp…! Wenn das Management selbst die Höhe der eigenen Boni beeinflussen kann – handelt es sich dann nicht um Manipulation? Wer das meint, der steht mit seiner Ansicht nicht allein da – Aktienrückkäufe waren nämlich aus genau diesem Grund jahrzehntelang verboten und sind erst auf Grund der Deregulierung des Finanzsystems wieder erlaubt worden – in den USA ab 1982, in Deutschland ab 1998.

Frage 3:

Was bedeuten Aktienrückkäufe für die Arbeitnehmer? Zum einen werden keine neuen Arbeitsplätze geschaffen und zum anderen wird das Geld nicht benutzt, um Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten aufzubessern. Die einfache Belegschaft der betroffenen Konzerne hat also nichts davon, im Gegenteil: Da die Boni des Managements ja in die Höhe getrieben werden, nimmt der ohnehin große Einkommensunterschied zwischen beiden Gruppen weiter zu.

Frage 4:

Was bedeuten Aktienrückkäufe für die Gesamtwirtschaft und die arbeitende Bevölkerung?
Wenn ein Unternehmen eigene Aktien zurückkauft, lässt es mit diesem Geld keine neuen Fabriken bauen, schafft keine zusätzlichen Maschinen an und investiert auch nicht in die Forschung, die Entwicklung oder die Ausbildung. Das Geld erzeugt also keinen ökonomischen Mehrwert, weil es ja nicht in die Realwirtschaft, sondern in den Finanzsektor fließt – und dort geht es ausschließlich darum, aus Geld mehr Geld zu machen.

Für die Gesamtwirtschaft heißt das: Das Geld für Aktienrückkäufe bläht den ohnehin riesigen Finanzsektor weiter auf, erhöht die in ihm enthaltenen Risiken und sorgt dafür, dass das Missverhältnis zwischen Finanzsektor und Realwirtschaft weiter wächst. Und da ja nur ein geringer Teil der Bevölkerung zu den profitierenden Aktienbesitzern zählt, tragen die Rückkäufe auch noch zum schlimmsten Problem unserer Zeit bei – der weltweiten Explosion der sozialen Ungleichheit.

Wie wird es weitergehen? Wird es möglich sein, Aktienrückkäufe in Zukunft einzuschränken oder gar ganz zu verbieten?
Wohl kaum, und zwar aus 2 Gründen. Zum einen führt die um sich greifende Monopolisierung der Wirtschaft zu einer abnehmenden Konkurrenzdynamik. Das nimmt den Großunternehmen den Druck, Gewinne in Fortschritt und Innovation zu investieren und erleichtert die Entscheidung für Aktienrückkäufe.

Zum anderen haben die Zentralbanken den Leitzins seit der Krise von 2007/08 immer weiter gesenkt und werden ihn in Zukunft gezwungenermaßen bis in den Negativbereich senken müssen. Wenn Konzerne aber auch noch Geld dafür bekommen, dass sie sich verschulden, womit ist dann wohl zu rechnen…?

Aktienrückkäufe zeigen, dass die globale Wirtschaft an einem sehr kritischen Punkt angekommen ist. Ihre rasante Zunahme hat nämlich entscheidend dazu beigetragen, dass sich das Finanzsystem von einem Dienstleister und Zuarbeiter der Realwirtschaft zu einem Parasiten entwickelt hat, der seinen Wirt nach und nach aussaugt und der ihn schlussendlich – und das kann man mit mathematischer Sicherheit voraussagen – zerstören wird.

Die Zeit ist reif für ein demokratisches Geldsystem!

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5 Kommentare zu: “The Wolff of Wall Street: Aktienrückkäufe

  1. Moralische Empörung über den Kapitalismus oder einzelne Erscheinungen desselben sind zwar sicher gut gemeint und löblich, aber sie steht auf schwammigem Boden. Besser als moralische Empörung ist die gesicherte Erkenntnis über den Kapitalismus, seine Funktionsweise, auch die seiner Einzelbestandteile wie das Geld. Denn nur das Sachwissen und Erkenntnis über das Funktionieren des Kapitalismus und des Geldwesens bieten Festigkeit in Argumentation und Überzeugungskraft.
    Zum Text:
    Man kann sich moralisch darüber empören, dass das Geld der Unternehmen für Aktienrückkäufe verwendet wird, statt „Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten aufzubessern“. Nur steht man mit seiner moralischen Empörung ziemlich dumm da, wenn es Unternehmen gibt, die tatsächlich Boni an die Mitarbeiter ausschütten, wie es unlängst ein namhafter deutscher Autokonzern getan hat. Dann sind einem die Waffen der moralischen Empörung schnell aus der Hand geschlagen und der Kapitalismus steht auf einmal gar nicht mehr so verabscheuungswürdig da. Was dann? Danach sieht jede Argumentiererei nur noch wie Rechthaberei aus.

    Zu Abschnitt 1 von Frage 4:
    Es macht nicht immer Sinn, Gewinne und Rücklagen von Unternehmen statt in Aktienrückkäufe in neue Produktionsanlagen zu stecken. Denn neue Produktionsanlagen müssen sich auch rechnen. Es macht keinen Sinn z.B. in der Automobilindustrie, die ohnehin von über Überkapazitäten von 30% verfügt, weitere Produktionsanlagen zu errichten, damit noch mehr Autos für die Halde produziert werden. In anderen Industriebereichen ist es nicht anders. Weltweit herrschen Überkapazitäten. Noch mehr Autofabriken zu bauen, wäre rausgeschmissenes Geld.
    Es ist auch eine falsche Vorstellung, dass nur Investitionen in der Realwirtschaft ökonomischen Mehrwert schaffen und in der Finanzwirtschaft vergeudet wären. Was ist denn mit all dem Kapital, das durch Insolvenzen und Pleiten in der Realwirtschaft vernichtet wurde und immer noch wird? Welchen ökonomischen Mehrwert hat denn das geschaffen? Welchen ökonomischen Mehrwert würden zusätzliche Investitionen in die Automobil- oder Stahl-Industrie schaffen, wo schon jetzt erkennbar ist, dass die Märkte überschwemmt sind? Das Finanzsystem zu verteufeln, nur weil dort „aus Geld mehr Geld“ gemacht wird, ist Unsinn. Auch die Realwirtschaft macht „aus Geld mehr Geld“. Das ist das Prinzip der Mehrwertproduktion, die in allen Bereichen des herrscht. Keiner der Bereiche Ist sie deshalb weniger schelcht, weniger kapitalistisch? Unternehmen und Unternehmer investieren nur dort, wo die Aussicht auf Gewinn besteht. Dass in der Realwirtschaft so wenig investiert wird, liegt daran, dass die Ertragsaussichten sich verschlechtern. Und wer investiert schon in einen lahmen Gaul?

    Zu Abschnitt 2:
    Durch die Aktienrückkäufe wird der Finanzsektor nicht aufgebläht. Es wird das vorhandene Geld der Rücklagen zuerst einmal nur ausgeschüttet an die Anleger. Da nicht alle Anleger dem Management und Großaktionären angehören, werden sich viele Kleinanleger vermutlich über den Mittelzufluss freuen und es vllt sogar wieder in Form von Warenkäufen in die Realwirtschaft einbringen. Die aufgelösten Rücklagen lagen vermutlich nicht als Bargeld in der kasse sondern waren als Finanzmarktprodukte angelegt. D.h. Es wurden Finanzanlagen aufgelöst und als Barmittel ausgeschüttet, das dann vermutlich zum Teil wieder in die Realwirtschaft fließt. Das ist genau das Gegenteil von dem Menetekel, das Wolff an die Wand malt. Es fließt eher Geld in den Geldkreislauf zurück, als dass es in den Finanzsektor fließt, aus dem es abgeflossen ist.
    Zudem hat die Ausschüttung bei vielen Unternehmen gerade in Krisenzeiten noch einen anderen Sinn, den Wolff gar nicht erwähnt. Sie wappnen sich dadurch gegen Übernahmen durch Private Equitiy Unternehmen. Je geringer die Rücklagen und je höher der Aktienpreis um so uninteressanter und unrentabler ist eine Übernahme. Gerade Unternehmen mit prall gefüllten Rücklagepolstern wie seinerzeit Grohe und andere waren beliebte Kandidaten für solche feindlichen Übernahmen. Daraus haben viele Unternehmen die Konsquenzen gezogen und Rücklagen an die Aktionäre ausgeschüttet, damit sie nicht in den Rachen der Finanzhaie wandern.

    Das „Missverhältnis zwischen Finanzsektor und Realwirtschaft weiter wächst“. Worin soll denn dieses Missverhältnis bestehen? Es gibt im Moment nur zwei Probleme, mit denen der Finanzsektor schwanger geht. Das ist zum einen die Verschuldung der Realwirtschaft bei den Banken. In den USA gehen im Moment großen Bereiche der Fracking-Wirtschaft insolvent. Es wird mit Außenständen von über 100 Mrd Dollar gerechnet, die bei den Banken ausfallgefährdet sind. Wenn diese Unternehmen ihre Schulden nicht mehr bedienen können, dann werde einige Banken mit in den Strudel gerissen und vermutlich mit untergehen. Die Unternehmen, also die Realwirtschaft, sind weltweit mittlerweile höher verschuldet als die Staaten. Bei einer wirtschaftlichen Krise werden die Unternehmen die Banken in den Abgrund reißen.
    Die zweite Gefahr, die von Finanzsektor ausgeht, ist die Ausweitung der Bilanzen der Notenbanken. Um die Zinsen niedrig zu halten und den Wirtschaftsmotor vor dem Stottern zu bewahren, haben die Notenbanken Anleihen aufgekauft, indem sie Geld schöpften. Sie haben geschöpftes Geld getauscht gegen Anleihen, für die sie Zinsen bekommen. Das ist im Moment alles noch kein Problem. Nur, was geschieht, wenn die Notenbanken aus dem Anleihekauf austeigen wollen? Die Anleihen sind zur Zeit auf Höchstkurs, verursacht durch die Kaufprogramme. Wer will diese Anleihen noch kaufen, wenn die Notenbanken sie verkaufen wollen. Sie enthalten so gut wie keine Rendite. Welcher Anleger will da noch zugreifen, wenn er sich sicher sein kann, dass er mit dem Kauf der Anleihen Geld verliert? So viele Dumme gibt es am Markt nicht mehr. Entweder bleiben die Notenbanken auf den Anleihen und aufgeblähten Bilanzen sitzen oder aber sie müssen mit Verlust verkaufen. Das aber ist eine Situation, die es bisher in der Geldgeschichte noch nicht gegeben hat, meines Wissens. Und auch die Notenbanken selbst haben dafür noch kein Szenario, wie sie den Rückkauf gestalten wollen. Denn das alles ist neu in der Geschichte des Kapitalismus.

    • „Welcher Anleger will da noch zugreifen, wenn er sich sicher sein kann, dass er mit dem Kauf der Anleihen Geld verliert?“
      nun, man könnte Zentralbank-Anleihen schaffen und steuermindernd gestalten (dann bezahlt natürlich wieder der Steuerzahler die Zeche, aber das wird er sowieso) oder über einen Zwangs-Negativ-Zins auf Guthaben die Verluste ausgleichen (dann träfe es ein paar weniger, vielleicht).

  2. Nun, wir könnten z.B. statt eines demokratischen Geldsystems zum unbedingten oder bedingungslosen Tausch übergehen. Das ist die einzige Form des sich austauschen können, dem die ganzen, wenn auch nur möglichen Krankheiten des momentan allgegenwärtigen Geldsystems, das eine Form des Tauschhandels darstellt, nicht immanent sind. 😉

    • Wie kann man nur so einen weltfremden Blödsinn vortragen? Wie wolfcgn schon weiter unten verdeutlichen will: Man muss erstens etwas zum Tauschen haben und dann noch jemanden finden, der etwas tauschen will, was man selbst brauch. Wie lange wollen Sie denn da suchen, bis Sie das richtige Deckelchen zu Ihrem Pöttchen gefunden haben. Ich möchte mal all diejenigen erleben, die hier auf das Geldsystem in der vorliegenden Form schimpfen, wenn kein Geld mehr in Umlauf wäre. Die Entwicklung des Geldes war ein gewaltiger Entwicklungsschritt in der Menschheitsgeschichte. Was heute am Geldsystem kritisiert wird, ist nicht das Problem des Geldsystems, sondern liegt am Unverständnis und Mangel an Wissen der meisten über das Geldsystem selbst, wie man auch an vielen Beiträgen des Herrn Wolff erkennen kann. Bis heute hat er noch nicht darstellen können, was er unter einem demokratischen Geldsystem versteht. Wer solche Hirngespinste in die Welt setzt, darf sich nicht über solche Beiträge wundern wie die obigen.
      Dazu später und gesondert bezüglich des Themas Aktienrückkauf

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