The Wolff of Wall Street: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) (Podcast)

Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt jeden Freitagmittag, um 12:00 Uhr, Begriffe, Mechanismen und Gesetze aus der Finanzbranche, die uns täglich als alternativlos verkauft werden, aber nur Wenige verstehen. Das soll sich ändern! THE WOLFF OF WALL STREET erklärt uns heute: „Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)“.

Als „graue Eminenz“ bezeichnet man in der Politik Personen, die im Hintergrund die Fäden ziehen, nach außen aber kaum in Erscheinung treten – deren wahre Macht der Öffentlichkeit also weitgehend verborgen bleibt.

Auch im internationalen Finanzwesen gibt es eine solche „graue Eminenz“. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Person, sondern um eine Bank, nämlich die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ. Kaum jemand weiß etwas über sie, kaum jemand kennt ihr Führungspersonal oder versteht ihre Funktion – und das, obwohl es sich bei der BIZ um eines der mächtigsten Finanzinstitute der Welt handelt.

Was also verbirgt sich hinter dieser in Basel in der Schweiz angesiedelten Bank? Zunächst einmal eine sehr exklusive und elitäre Einrichtung. Die BIZ hat nämlich nur ganze 120 Kunden. Allerdings gehören zu ihnen die 60 größten Zentralbanken der Welt, darunter die der USA, Englands, Japans, Chinas und der Europäischen Union.

Die Gebäude der BIZ dürfen von der Schweizer Polizei nicht betreten werden, ihre Einlagen und Guthaben sind ebenfalls dem Zugriff der Behörden entzogen. Ihre Mitarbeiter genießen Steuerfreiheit und diplomatische Immunität. Das 18köpfige Direktorium besteht aus den Chefs der wichtigsten Zentralbanken der Welt, die alle eines gemeinsam haben: Sie werden von niemandem gewählt und sind niemandem gegenüber rechenschaftspflichtig.

In Bankerkreisen wird die BIZ auch Zentralbank der Zentralbanken genannt, denn ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, die Geldpolitik der Zentralbanken zu koordinieren, das globale Finanzsystem für sie zu überwachen und das Bankwesen in ihrem Sinne zu ordnen. Einer ihrer Ausschüsse hat zum Beispiel mit Basel 1, 2 und 3 die zurzeit geltenden Eigenkapital-Regeln für Banken festgelegt.

In kritischen Situationen wie z.B. 2008 nach dem Zusammenbruch der US-Großbank Lehman Brothers oder während der Eurokrise verwandelt sich die BIZ in ein internationales Krisenzentrum, in dem die wichtigsten Zentralbanker der Welt zusammen kommen und Entscheidungen absprechen, die für die Menschen rund um den Globus Folgen haben – ganz diskret, in abhörsicheren Räumen und ohne dass Protokolle der Sitzungen angefertigt werden.

Es handelt sich bei der BIZ also um so etwas wie die Schaltzentrale des globalen Bankwesens, die vollkommen unabhängig und frei von jeglicher staatlicher Kontrolle oder Einmischung durch die Politik agieren kann. Betrachtet man ihre Entstehungsgeschichte, dann wird auch schnell klar, dass das kein Zufall ist.

Gegründet wurde die BIZ 1930 – offiziell, um die Reparationszahlungen, die Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg leisten musste, zu organisieren. Die wurden allerdings 1931 ausgesetzt und 1932 ganz gestrichen, so dass man die BIZ eigentlich 2 Jahre nach ihrer Gründung hätte schließen müssen.

Um zu verstehen, warum das nicht geschehen ist, muss man Folgendes wissen: Die großen US-Banken hatten den Ersten Weltkrieg zum eigenen Vorteil genutzt, indem sie den verschiedenen – auch gegeneinander kämpfenden – Kriegsparteien Geld geliehen hatten. Da die Empfängerländer nach Kriegsende nicht in der Lage waren, das Geld zurückzuzahlen, sorgten die USA dafür, dass Deutschland zu Reparationszahlungen verurteilt wurde und das Geld so über London, Paris und Rom wieder in die Wallstreet floss.

Dieser Mechanismus aber brachte neben rechtlichen und politischen Schwierigkeiten vor allem ein Problem mit sich: Er rückte die Banken in den Augen der Öffentlichkeit wegen ihrer offensichtlichen Kriegsfinanzierung in ein äußerst ungünstiges Licht. Vermutlich deswegen kam die internationale Finanzelite damals auf die Idee, die Reparationszahlungen zum Anlass zu nehmen, eine länderübergreifende Instanz zu schaffen, die sich unabhängig von Rechtsprechung und Politik und abseits der Augen der Öffentlichkeit ganz auf das Organisieren internationaler Geldströme konzentrieren konnte.

Genau das hat die BIZ dann auch getan: Sie hat dafür gesorgt, dass internationale Bankgeschäfte frei von juristischen oder politischen Einmischungen, aber auch frei von ethischen und moralischen Bedenken abgewickelt werden konnten.

Die BIZ hat mitgeholfen, die Kriegsvorbereitungen des Dritten Reiches durch Kredite zu finanzieren und sie hat die nationalsozialistischen Beutezüge unterstützt, indem sie zum Beispiel deren Raubgold entgegengenommen und in Devisen verwandelt hat. Die BIZ hat also hinter dem Rücken der Öffentlichkeit mitgeholfen, den Zweiten Weltkrieg, in dem 66 Millionen Menschen den Tod gefunden haben, zu ermöglichen und sie hat keine Gelegenheit ausgelassen, ihn zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sie mitgeholfen, denn Marshallplan zu organisieren, der den Menschen als „Hilfsprogramm“ verkauft wurde, in Wahrheit aber ein Konjunkturprogramm für die von Kriegs- auf Friedensproduktion umstellende US-Wirtschaft war.

Später hat sie entscheidend an der Gründung der EZB mitgewirkt und in der Krise von 2007/2008 und der darauf folgenden Eurokrise die Weichen dafür mitgestellt, dass die Folgen beider Krisen nicht auf ihre Verursacher, nämlich die Großbanken und die Hedgefonds, sondern auf die arbeitende Bevölkerung abgewälzt wurden.

Henry Ford, der Gründer der Ford Motor Company, hat einmal gesagt: „Wenn die Menschen das Geldsystem verstehen würden, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ Es gibt wohl kaum einen besseren Beweis dafür, wie ernst die globale Finanzindustrie Fords Aussage nimmt, als die Art und Weise, in der die BIZ seit fast 90 Jahren systematisch vor den Augen der Öffentlichkeit abgeschirmt wird.

Die Zeit ist reif für ein demokratisches Geldsystem!

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